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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen
Meine Güte!,
Rezension bezieht sich auf: Das Familientreffen (Taschenbuch)
Der Klappentext las sich gut und ließ auf Großes hoffen. Auch den Beginn des Buches fand ich nicht schlecht. Aber dann... Das ist mir alles zu wirr - ich gebe es zu. Vielleicht bin ich nicht intellektuell genug, um dieses preisgekrönte Buch entsprechend zu würdigen, aber ich komme bis zum Schluss nicht dahinter, um was es in dieser Geschichte denn eigentlich geht.Meines Erachtens hat sich die Autorin etwas übernommen: Sie möchte den großen Bogen einer Familienchronik spannen und beginnt mit der Großmutter der Ich-Erzählerin. Das ist ja auch ein guter Faden, um eine spannende Geschichte zu spinnen, aber irgendwie verheddert sich Anne Enright dann plötzlich und springt zwischen Personen, Orten, Zeiten, Traumwelten und Realitäten hin und her, so dass ich die meiste Zeit beim Lesen gar nicht wusste, wo ich mich jetzt gerade befinde. Letztlich - und das ist das Traurige an diesem Buch - erzählt die Autorin - statt der gewollten Familiensaga - die Geschichte einer mittelalten Frau, die auf dem besten Weg in eine Depression ist. Und allein diese Story hätte gereicht, mehr hätte sie gar nicht erzählen müssen - das hätte durchaus sehr spannend werden können. Sie hätte als Gründe für die Traurigkeit ihrer Protagonistin durchaus deren familiäre Hypotheken anführen und erzählen können, sie hätte jedoch nicht jeweils immer ein anderes Familienmitglied derart in den Fokus ihres Erzählens stellen dürfen, so dass der Leser annehmen muss, genau jenes Familienmitglied sei jetzt die Hauptperson. Die Hauptperson ist und bleibt jene Veronica, allerdings gerät ihr Leben eher in den Hintergrund, weil die Autorin sich in den Lebensgeschichten so vieler anderer Personen regelrecht verliert. Die Sprache der Autorin variiert ebenfalls zwischen anspruchsvoll und nahezu lyrisch, um dann wieder grundlos ins Eklige und Pornografische abzudriften. Warum die Autorin das Thema "Sex" oder "Nicht-Sex" überhaupt so vehement in den Vordergrund stellt, bleibt ihr Geheimnis - letztlich hat sie über dieses Thema nämlich nicht sonderlich viel zu erzählen. Auch den Missbrauch an ihrem Bruder, der in Veronicas Augen eventuell mit ein Grund dafür sein könnte, dass Liam Selbstmord begangen hat, und den sie selbst im Alter von 8 Jahren vielleicht hätte verhindern können, schildert die Autorin eigenartig verschwurbelt, und im Vergleich zu ihren sonst eher unnötig deftigen sexuellen Schilderungen muss man an dieser Stelle dann schon genau lesen, um dieses eventuell auslösende Moment nicht zu verpassen, da man ohnehin schon geneigt ist, nicht mehr allzu aufmerksam und eher genervt die ständigen und übergangslosen Perspektivenwechsel der Autorin zu verfolgen. Insgesamt erschließt sich mir das Werk der Autorin nicht. Mir ist nicht klar, was sie eigentlich erzählen will. Teilweise mutet es auch wie eine Abrechnung mit der gesamten irischen katholischen und trinkfreudigen Mentalität an, so wütend, gnadenlos aggressiv und zugleich depressiv wie Anne Enright hier mit ihren Protagonisten umgeht. Dem Buch fehlt jegliche Wärme, den Protagonisten fehlt es an Empathie und überhaupt an selbstlosen Empfindungen - alle sind völlig egozentrisch in ihrem eigenen Tunnel gefangen. Und weil jeder Protagonist auf seinem eigenen eingefahrenen Gleis bleibt, gelingt der Autorin eben das nicht, was sie vielleicht wollte: Einen Erzählbogen zwischen verschiedenen Jahrzehnten, verschiedenen Generationen und verschiedenen Personen spannen. Das ist ihr völlig misslungen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
79 von 86 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Eine differenzierte Tiefenschau auf das Familienleben,
Rezension bezieht sich auf: Das Familientreffen (Gebundene Ausgabe)
Anne Enright Das Familientreffen DVAISBN 3421043701 Als Veronica ihrer alten und vergesslichen Mutter die Todesnachricht von Liam, ihrem Bruder, überbringen muss, überfallen sie Erinnerungen an ihre Kindheit mit aller Gewalt. Liam hat sich Steine in die Hosentaschen gefüllt, ist ins Meer gewatet und ertrunken. Sein Tod rührt weit zurück liegende Kindheitserinnerungen auf, und Veronica wird von den Gedanken an Vergangenes und Zukünftiges überschwemmt. Aus der Ferne steigen Ereignisse hoch, die allmählich die ganze Familiengeschichte auf den Plan rufen. Irland und Dublin bilden die Orte der Handlung und mit ihnen die irische Lebensart, zu der die Trinkfestigkeit gehört. Da war Ada, die schöne und sinnliche Großmutter. Wen wollte sie wirklich zum Ehemann: Nugent oder Charlie Spillane? Woher kam sie überhaupt? Wer war Veronicas Mutter, die ein Kind nach dem anderen auf die Welt brachte, ergeben und mit Hingabe aber wenig liebesfähig, denn sie kannte nicht einmal alle Namen der großen Kinderschar. Die erzkatholischen Eltern boten mit ihrer unermüdlichen Fruchtbarkeit einen Widerspruch in sich, und die Würde des Vaters ging darüber verloren. Zwölf Kinder und sieben Fehlgeburten waren das Ergebnis. Veronica, die Icherzählerin, lebt mit ihrem flotten Ehemann und zwei Töchtern in einem adretten Reihenhaus. Durch die Familienereignisse gerät sie in eine schwere Lebenskrise. Liam und Veronica schlossen sich einst eng zusammen und teilten Freude und Leid mit einander. Einer fühlte sich für den anderen verantwortlich, und Veronica stellt sich die Frage, ob sie diesem Anspruch wirklich gerecht geworden ist. Es gab da ein verdrängtes und bedrückendes Erlebnis für Liam anlässlich eines Besuchs bei ihrer Großmutter Ada. Anne Enright schreibt meisterhaft und bedingungslos über die Gedanken, Gefühle und Erinnerungen ihrer Protagonistin. Unerbittlich gräbt sie in den tiefsten Tiefen der Seele und fördert geheime Gedanken zutage, die erschreckend sind, tragisch und wahrhaftig. Über Sex, den Tod, die Liebe, das Sterben und den Hass gehen die Reflexionen weit über das hinaus, worüber Menschen sich auslassen. Anlässlich der Trauerfeier für Liam findet noch einmal ein Familientreffen statt, und hier trifft man diejenigen, die übrig geblieben sind. Man lernt sie kennen, die Psychotiker, die Schüchternen, die Besonnenen und sieht, was aus den einzelnen geworden ist und wo sie geblieben sind. Sie schreibt fast meditierend - nachdenklich, teilweise sarkastisch und ironisch, immer aber in einem hoch reflektierten Stil über Familienleben und Kindheit. Dabei vermischen sich in der Rückschau kindliche Fantasien mit den möglichen Varianten, wie alles gewesen sein könnte. Die persönliche Note erhält das Buch durch die besondere Art der Reflexion, in der sich gute und negative Erinnerungen begegnen und Vergangenes und Gegenwärtiges in einander verschwimmen. Mit der ausgezeichneten Fähigkeit, sich realistisch und kritisch, bedauernd und zweifelnd der Gegenwart und Vergangenheit zu stellen und alles zu hinterfragen, steht Anne Enright in der Tradition so bedeutender Autoren wie James Joyce, Jonathan Swift, Samuel Beckett, G. Bernard Shaw und anderer. Dieser Roman gehört zu den Meisterwerken aktueller Neuerscheinungen und wird sicher viele Leser begeistern. Die hervorragende Übersetzung von Hans-Christian Oeser ist ausdrücklich zu erwähnen! Anne Enright wurde mit dem englischen Booker-Preis 2007 für ihren neuen Roman ausgezeichnet. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Träges Familiendrama unter dem Deckmantel schöner Worte.,
Von Kunde (Hessen) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Das Familientreffen (Gebundene Ausgabe)
Während die 'Brigitte' die "hinreißend gnadenlose Sprache" lobt, hebt das Feuilleton der renommierten FAZ die "atemberaubende Erzählkunst" der Autorin hervor. Verstehen kann man allerdings auch Positionen, die Anne Enrights Sprachstil zugegebenermaßen als gekonnt und künstlerisch wertvoll erachten, aber eben auch als langatmig, einschläfernd und gekünstelt empfinden. Selbst der geübte Leser kann sich zu Beginn des Romans dem Ausdrucksvermögen Enrights nicht entziehen, doch die Betonung liegt auf "zu Beginn", denn irgendwann kommt die Frage auf, wozu das alles? Ist die Sprache Trägermedium für eine narrative Botschaft oder wird sie hier doch nur als Selbstzweck verwendet?Nach zähen und mitunter inhaltsarmen 190 Seiten entscheidet sich die Ich-Erzählerin, dass es Zeit ist "keine weiteren Geschichten mehr zur erzählen", sondern "endlich auszusprechen, was in dem Jahr, als ich acht war und mein Bruder Liam gerade neun, in Adas Haus geschah." Bis zu dieser grandiosen Erkenntnis muss man sich allerdings durch teilweise amüsante, erotische, tragische und leider auch weitestgehend belanglose Anekdoten der Ich-Erzählerin Veronica mühen, die nicht selten in keinem direkt erkennbaren Zusammenhang stehen. Und bei dieser langwierigen Aufgabe passiert es dann irgendwann, dass die wortgewaltige und bildreiche Sprache der Booker-Preisträgerin nicht mehr faszinierend, glaubwürdig und angemessen erscheint, sondern einfach nur aufgeblasen, ein Vehikel, welches die dürftigen Handlungsstränge versucht zu stützen oder gar zu tragen. Die hin und wieder eingepflegten Ausflüge ins Vulgäre wirken dabei eher unfreiwillig komisch, nimmt man sie der sich ansonsten so gewählt und differenziert ausdrückenden Veronica einfach nicht ab. Verkopft ist wahrscheinlich die passende umgangssprachliche Bezeichnung für Enrights Werk, das zwar intime Einblicke in das geschundene Familienleben des Hegarty-Clans zulässt, dabei aber auf eigentümliche Art nicht zu fesseln vermag. Zu flach und farblos bleiben Enrights Charaktere und das trotz der ausufernden und ausschmückenden Sprachbemühungen - viel Lärm um nichts bzw. nicht viel könnte man zusammenfassend feststellen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Familiengeheimnisse,
Von
Rezension bezieht sich auf: Das Familientreffen: Roman (Taschenbuch)
Dieses Buch setzt sich mit den Auswirkungen eines Familiengeheimnises auf eine Familie von 12 Kindern, deren Eltern und Großelterngeneration auseinander. Die räumliche und verwandtschaftliche Nähe bewirkt keine innere Nähe, sondern Einsamkeit. Manche der Geschwister schließen Koalitionen, andere dulden einander lediglich und alle stehen ihrer Mutter mit beschützender Distanz gegenüber: "Sag das bloß nicht Mammy", ist das Motto beim Umgang mit Problemen.Erst nach dem Selbstmord eines Bruders findet die Lieblingsschwester im Abschiedsschmerz Zugang zu vergrabenen Erinnerungen und eine mögliche Erklärung für die Fehlfunktion dieser Familie. Das Buch gestaltet sich stellenweise sperrig und verlangt Aufmerksamkeit und Geduld von den LeserInnen. In manchen Passagen wäre stärkere Konzentration auf die Geschichte und größere Klarheit zwischen den Phantasien der Hauptfigur und der realen Geschichte hilfreich. Dafür werden LeserInnen durch eine direkte, ohne jede Sentimentalität berührende Sprache belohnt, und eine Auseinandersetzung mit dem Thema Familiengeheimnis, die allgemeingültig ist. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Was war denn das?,
Von audiobookfan H. "Hanna." (Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Familientreffen (Hörbuch-Download)
Ratlos läßt mich dieses Hörbuch, das ich nur widerwillig bis zum Ende gehört habe, zurück.Die spitzfindige, frivole Art unverblümt Dinge beim Namen zu nennen schockiert, die Aufzählung - nicht Erzählung - verschiedenster Vorkommnisse in der Familie langweilt. Das kopfgesteuerte Geschreibsel nimmt einen nicht ein. Veronika - eines von 12 Kindern einer dauernd schwangeren Mutter - nimmt das Ableben ihres Lieblingsbruders Liam zum Anlass, sich Gedanken zu machen über ihre Familie und sich selbst. Es ist ein "kaltes" Buch ohne jegliche menschliche Wärme. Vielleicht soll diese Art zu schreiben zeitgemäß sein - aber gefallen hat mir dieses Hörbuch nicht. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
34 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
"Die Vergagenheit ist kein fröhlicher Ort" (306).,
Von Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Das Familientreffen (Gebundene Ausgabe)
Wie so oft hat im Jahr 2007 ein Außenseiter das Rennen und den bedeutendsten englischsprachigen Literaturpreis gemacht. Anne Enrights The Gathering gewann vor einem Jahr diesen renommierten Buchpreis. 50.000 Pfund und hohe Verkaufszahlen waren der Lohn. Bis heute haben sich mehr als eine Millionen Exemplare des englischsprachigen Originals verkauft. Zusätzlich ist der Roman mittlerweile in mehr als 30 Sprachen übersetzt worden. Im September 2008 ist das Buch unter dem Titel "Das Familientreffen" in deutscher Sprache erschienen.Veronica Hegarty, eine frustrierte Enddreißigerin, ist die Erzählerin des Romans und gibt einen deprimiert-zynisch-sarkastischen Einblick in die Geschichte ihrer Großfamilie in den vergangenen drei Generationen. Aufgewachsen in Dublin, der Hauptstadt des erzkatholischen Irlands, ist Veronica eines von 12 Geschwistern "die Eltern hatten, die hilflos waren und sich genauso natürlich vermehrten, wie sie schi--en" (36). Auslöser ihrer Lebensbeichte ist der Selbstmord ihres Bruders Liam, der mit jeder Menge Steinen in der Tasche in Brighton aufs Meer hinausgeschwommen ist. Liam war der Taugenichts der Familie, ein Säufer, Schläger und Herumtreiber. Die Gründe seiner Lebensführung liegen in der Kindheit begraben, ein vom Hegarty-Clan verdrängtes und totgeschwiegenes Ereignis, auf Grund dessen es die Mutter vorgezogen hat, ins Reich der Grenzdebilität zu fliehen. Das Ereignis liegt im Jahr 1968, Liam war neun, Veronica acht, als die Kinder einige Tage bei der Großmutter Ada verbrachten. Täglicher Gast im Haus war der Vermieter Lamb Nugent, chancenloser Bewerber um die Liebe Adas, der andere Wege gefunden hat, um sich das zu holen, was er braucht. Rückblickend beschreibt Veronica die Beobachtungen ihres achtjährigen Ichs folgendermaßen: "Was mich vor den Kopf stieß, als ich die Tür öffnete, war das Befremdliche des Anblicks. Es war, als sei Mr Nugents Penis, der direkt aus dem Hosenstall ragte, sonderbar angewachsen, habe an der Spitze eine Blüte getrieben und die große plumpe Gestalt eines Knaben hervorgebracht, und dieser Knabe war mein Bruder Liam" (192). Das Begräbnis kann Veronica nur im Suff ertragen ob der Heuchelei und Verdrängungsmechanismen ihrer Familie: "Das bewirkt die Scham. Das ist die Anatomie, das ist der Mechanismus einer Familie, eines ganzen abgefu--ten Landes, die in Scham versinken" (224). Das wird wohl so in keinem Reiseführer Irlands stehen. Prüde Sexualmoral im Irland bzw. England der sechziger Jahre, Kindesmissbrauch sowie dessen Auswirkung auf das weitere Leben der Opfer; diese Thematiken stehen im Mittelpunkt des Romans. "Das Familientreffen" beeindruckt vor allem durch seine emotionale Wucht, der sich der Leser kaum entziehen kann. Die grenzenlose Wut sowie die Verzweiflung der Erzählerin, die sie aufgrund der Heuchelei ihrer Familie und des gesamten Landes empfindet, können an vielen Stellen durch die direkte und unmittelbare Darstellungsform nachempfunden werden. Fazit: Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich das Buch im englischsprachigen Original gelesen und dem Roman nur drei Sterne gegeben, da ich meinte, dass ihm keine Struktur zugrunde liege. Nachdem ich mich jetzt nochmals mit dem Roman auseinadergesetzt habe, habe ich meine Meinung geändert. Gerade das Fehlen einer klaren Struktur, einer gradlinig erzählten Geschichte, erzeugt die emotionale Wucht des Romans, da erst so die Wut der Erzählerin zum Ausdruck gebracht wird. "Das Familientreffen" ist ein beeindruckender Roman, der wärmstens zu empfehlen ist. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Gemischte Gefühle...,
Von B. Preuschoff "preuschoff" (Buchfeld) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 1000 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Das Familientreffen: Roman (Taschenbuch)
...bei der Lektüre dieses Buches.Es ist in der Tat ein Bad der Gefühle und es ist treffend wiedergegeben, wie sich eine solche Familie entwickeln kann. Die unzähligen Geschichten, die jedes Mitglied über Jahre und Jahrzehnte einbringt, die zu Legenden und Anekdoten werden - das ist sehr treffend wiedergegeben. Von daher top. Aber am Ende war es mir persönlich einfach zu depressiv. Die ganze Familie ohne einen einzigen Lichtpunkt in der Vergangenheit, irgendwie ausnahmslos kaputte Menschen - das kann man jetzt als Schicksalgeschichte interpretieren, mir war es zu trostlos. Das mag eine Geschmacksfrage sein, ich empfand es am Ende als den Bogen überspannt. Kein schlechtes Buch, aber schlechte Laune vorprgrammiert. Kann man mögen, muss man nicht. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Familienbande und ihre Realität!,
Rezension bezieht sich auf: Das Familientreffen: Roman (Taschenbuch)
Als Veronica ihrer alten und vergesslichen Mutter die Todesnachricht von Liam, ihrem Bruder, überbringen muss, überfallen sie Erinnerungen an ihre Kindheit mit unnachahmlicher Gewalt.Liam hat sich Steine in die Hosentaschen gefüllt, ist ins Meer gewatet und ertrunken. Sein Tod rührt weit zurück liegende Erinnerungen auf, und Veronica wird von den Gedanken an Vergangenes und Zukünftiges überschwemmt. Aus der Ferne steigen Ereignisse hoch, die allmählich die ganze Familiengeschichte auf den Plan rufen. Irland und Dublin bilden die Orte der Handlung. Familiengeheimnisse und ihre Tragödien stehen im Zentrum des Geschehens. Da war Ada, die schöne und sinnliche Großmutter. Wen wollte sie wirklich zum Ehemann: Nugent oder Charlie Spillane? Woher kam sie überhaupt? Wer war Veronicas Mutter, die ein Kind nach dem anderen auf die Welt brachte, ergeben und mit Hingabe aber wenig liebesfähig, denn sie kannte nicht einmal alle Namen der großen Kinderschar. Die erzkatholischen Eltern boten mit ihrer unermüdlichen Fruchtbarkeit einen Widerspruch in sich, und die Würde des Vaters ging darüber verloren. Zwölf Kinder und sieben Fehlgeburten waren das Ergebnis. Der Großvater hatte einstmals hoch fliegende Berufspläne und scheiterte an sich selbst. Er liebte seine Frau und ging doch fremd, und nun setzt sich diese Gewohnheit in der jüngsten Generation fort. Veronica, die Icherzählerin, lebt heute mit ihrem flotten Ehemann und zwei Töchtern in einem adretten Reihenhaus. Durch die Familienereignisse gerät sie in eine schwere Lebenskrise. Liam und Veronica schlossen sich einst eng zusammen und teilten Freude und Leid mit einander. Einer fühlte sich für den anderen verantwortlich, und Veronica stellt sich die Frage, ob sie diesem Anspruch wirklich gerecht geworden ist. Es gab da ein verdrängtes und bedrückendes Erlebnis für Liam anlässlich eines Besuchs bei ihrer Großmutter Ada. Als die Geschwister erwachsen wurden, trennten sich ihre Wege. Die Mitglieder der Familie Hegarty sind trinkfest, nur Liam und ein weiteres Kind wurden zu Alkoholikern. Anne Enright schreibt meisterhaft und bedingungslos über die Gedanken, Gefühle und Erinnerungen ihrer Protagonistin. Unerbittlich gräbt sie in den tiefsten Tiefen der Seele und fördert geheime Gedanken zutage, die erschreckend sind, tragisch und wahrhaftig. Über Sex, den Tod, die Liebe, das Sterben und den Hass gehen die Reflexionen weit über das hinaus, worüber Menschen sich auslassen. Anlässlich der Trauerfeier für Liam findet noch einmal ein Familientreffen statt, und hier trifft man diejenigen, die übrig geblieben sind. Man lernt sie kennen, die Psychotiker, die Schüchternen, die Besonnenen und sieht, was aus den einzelnen geworden ist, und wo sie geblieben sind. Anne Enright schreibt fast meditierend - nachdenklich, teilweise sarkastisch und ironisch, immer aber in einem hoch reflektierten Stil über Familienleben und Kindheit. Dabei vermischen sich in der Rückschau kindliche Fantasien mit den möglichen Varianten, wie alles gewesen sein könnte. Die persönliche Note erhält das Buch durch die besondere Art der Reflexion, in der sich gute und negative Erinnerungen begegnen und Vergangenes und Gegenwärtiges in einander verschwimmen. Mit der ausgezeichneten Fähigkeit, sich realistisch und kritisch, bedauernd und zweifelnd der Gegenwart und Vergangenheit zu stellen und alles zu hinterfragen, steht Anne Enright in der Tradition so bedeutender Autoren wie James Joyce, Jonathan Swift, Samuel Beckett, G. Bernard Shaw und anderer. Dieser Roman gehört zu den Meisterwerken aktueller Neuerscheinungen und wird sicher viele Leser begeistern. Die hervorragende Übersetzung von Hans-Christian Oeser ist ausdrücklich zu erwähnen! Anne Enright wurde mit dem englischen Booker-Preis 2007 für ihren neuen Roman ausgezeichnet. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Grandios,
Von
Rezension bezieht sich auf: Das Familientreffen (Gebundene Ausgabe)
Ich wurde auf dies Buch durch ein Bücherjournal aufmerksam, nur durch einen einzigen Satz, der mir sagte, dass ich es unbedingt lesen musste. Es hat sich gelohnt.Enrights Stil ist ein Wahnsinn, roh, wütend und gleichzeitig erdrückend echt und eindringlich. Die Geschichte ist mal melancholisch, auch mal humorvoll, doch die Stimmung ist überwiegend pessimistisch. Trotzdem ein rundherum empfehlenswertes Buch, das ich kaum aus der Hand legen konnte. Die Tatsache, wie sie Atmosphäre und selbst kleinste Gesten beschreibt, ist brillant, selbst wenn die Erzählerin nur vermutet. nachhaltig, bereichernd, fesselnd, erschütternd Hinterlässt ein flaues Gefühl und das ist es wert Wirklich lohnenswert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
unangenehm (aber) tiefgehend,
Von
Rezension bezieht sich auf: Das Familientreffen: Roman (Taschenbuch)
Den Enthusiasmus des Begleittextes und mancher Rezensionen kann ich nach der - vollständigen -Lektüre dieses Buches nicht teilen. Ich betone "vollständig", im Gegensatz zu manchen Negativ-Rezensenten habe ich in der neugierigen Hoffnung auf Besserung bis zum Schluss durchgehalten ("das kann doch nicht alles sein ...!") und muss mich nun fragen: tatsächlich reine Zeitverschwendung, oder irgendwas nicht ganz verstanden?Für mich bleibt es eine höchst selbstbezogene Vertiefung in die depressive Gedankenwelt der Protagonistin, in der die Personen ihrer Familie so konturlos bleiben, wie sie es der Mutter lebenslang vorhält; in der die Trennung zwischen Erlebtem und Fantasiertem oft nicht klar erkennbar ist; in der auch der eigene Mann und ihre Kinder keine Chance auf ein lebendiges Dasein und auf Beziehung haben. Viele Personen in absoluter Beziehungslosigkeit, und es bleibt die Frage, was sie eigentlich miteinander zu tun haben (sollen). Sollte es die Absicht der Autorin gewesen sein, dies zu vermitteln, dann ist ihr das brillant gelungen. Ging es ihr darum, die menschliche Beziehungs- und Machtlosigkeit angesichts des Todes darzustellen und den Leser daran möglichst lange leiden zu lassen: ebenso. Ganz am Ende darf man sich vor der Alternative sehen: entweder sich umbringen oder sich das Leben nehmen (im wörtlichen Sinne). Sowas muss man lesen wollen, um es zu ertragen, und als direkt angesprochener "Gesprächspartner" der Erzählerin wünschte man sich einen früheren Hinweis auf das zu Erwartende. So bleibt die Erkenntnis am Ende: Das war alles! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Das Familientreffen: Roman von Anne Enright (Taschenbuch - 2. November 2009)
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