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am 12. Dezember 2010
Man ist dann doch gefesselt. Bärfuss gelingt es, den Leser hineinzuziehen in das mörderische Geschehen in Ruanda, 1994. Die Ich-Perspektive eines unerfahrenen Entwicklungshelfers durchschnittlicher Moral macht die Ereignisse glaubhaft in ihrer fürchterlich banalen Mechanik.

Dabei steckt dies Buch - die Profikritiker haben das ausführlich bemängelt - voller Schwächen: im Aufbau (eine Rahmenhandlung, die keinen Rahmen bildet), den blassen Charakteren, den seltsamen Analogien (mechanischer Sex - mechanisches Töten?) und so weiter.

Andererseits: wie schreibt man den perfekten Roman über einen Völkermord? Was mich überzeugt hat, ist das Fehlen griffiger Erklärungen. Der Autor kennt die verschiedenen "Gründe" der Analysten, er erwähnt sie auch, aber er lässt dem Unbegreiflichen seine Unbegreiflichkeit. Die Stärke des Buches liegt in den Bildern; sie sind es, die sich ins Gedächtnis brennen, deutlicher selbst, als es ein Film wie "Hotel Ruanda" vermag.

Klar genug ist die Diagnose, was die Entwicklungshilfe betrifft und ihre Repräsentanten: die Falschen helfen den Falschen aus den falschen Gründen. Dem kann einer, der selbst jahrelang in diesem Geschäft tätig war, kaum widersprechen. Kurze Hilfseinsätze bei Katastrophen mögen manchmal nützen, doch wer ein bitterarmes Land über Jahre und Jahrzehnte mit teueren Wohltaten erfreut, wird unvermeidlich zur Stütze eines dysfunktionalen Systems. Da macht der Autor sich und dem Leser nichts vor.

Kein Buch, das einen glücklicher macht. Dafür klüger. Und die Stunden des Lesens vergehen schnell.
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am 14. April 2010
"Nein, wir gehören nicht zu denen, die Blutbäder anrichten. Das tun andere. Wir schwimmen darin. Und wir wissen genau, wie man sich bewegen muss, um obenauf zu bleiben und nicht in der roten Soße unterzugehen", sagt der Schweizer Entwicklungshelfer David Hohl. Er ist der Protagonist des Romans "Hundert Tage" des bisher vor allem als Dramatiker bekannt gewordenen Autors Lukas Bärfuss. Weil ich dieses Zitat kannte, wollte ich den Roman erst nicht lesen. Als ich es dann doch tat, war ich überrascht: Dieses Buch ist sensibel geschrieben, vielschichtig und spannend. Außerdem imponiert mir die präzise Recherche.

Der Ich-Erzähler David Hohl macht sich Ende Juni 1990 auf den Weg nach Kigali. Es ist seine allererste Flugreise überhaupt. "Ich reiste in offizieller Mission. Ich fühlte mich wichtig." Er muss in Brüssel umsteigen, der Hauptstadt jenes Landes, das früher in Ruanda Kolonialmacht war. Schon hier hat er eine verstörende Begegnung mit einer Afrikanerin, die man als eine Art Zeichen für das deuten könnte, was er später erleben wird.

Mit Agathe, der Frau vom Brüsseler Flughafen, verwickelt der Autor seine Hauptfigur in eine Liebesgeschichte, die geprägt ist von kultureller Fremdheit, weißer, männlicher Gier und schwarzer, weiblicher Souveränität: "Meine Epiphanien der Lust lagen für sie offen zu Tage, vollständig und von allen Seiten einsehbar. Diese Offenheit beunruhigte mich, denn ich selbst hatte keine Ahnung, wonach mein Inneres schrie. Ich wußte nicht einmal, ob es nicht besser gewesen wäre, es einfach winseln zu lassen." Diese Liebesgeschichte kann man als Spiegel für das sehen, was sich zwischen den Kontinenten ereignet: Dieser Europäer war fasziniert, aber der Sache nicht gewachsen. Das galt für die einzelne Person ebenso wie für die weit über 200 Länder, die in Ruanda Entwicklungshilfe leisteten. Ein Grund dafür war die Arroganz der Weißen, sie bildeten sich z.B. ein, die Landessprache nicht lernen zu müssen. Aber sie alle waren auch mehr oder weniger rassistisch, was dieser Ich-Erzähler von sich selbst und seinen Mitstreitern mit der Ironie berichtet, die ab und an ins Zynistische kippt.

"Wir genossen zwar die Annehmlichkeiten, die Ordnung, das gesunde Klima, aber gleichzeitig wünschten wir uns manchmal, wir hätten uns der Urmutter näher gefühlt, dem dunklen Ursprung, der nicht weit entfernt pulsieren musste. Wir hätten gerne öfter geschwitzt, häufiger das Weiße in den Augen der Menschen gesehen, den Wahnsinn zum Frühstück begrüßt." Das hätten sie nebenan haben können. Aber dort, wo auf den Straßen die Kinder zusammenbrachen und starben, wo es Malaria gab und das feucht-heiße Klima mörderisch war, dort war kein einziger Entwicklungshelfer aktiv. In Ruanda aber traten sich mehr als 200 Organisationen gegenseitig auf die Zehen.

Weil die Mitarbeiter aller Entwicklungshilfe leistenden Nationen die Landessprache nicht verstanden, bemerkten sie nicht, was in der von der Einheits-Regierung des Diktators Habyarimana perfekt durchorganisierten Bürokratie zusammenbraute. Die Schweizer ließen noch kurz vor Beginn des Genozids einen ihrer Medienspezialisten einfliegen, der die Radiomacher in Ruanda professionalisierte. Mit dieser Ausbildung gestalteten die Hutu dann die Mordaufrufe gegen die Tutsi - professionell, interessant, mit Musik aufbereitet. Und als der Genozid begann, flogen die pflichtbewußten Schweizer Mitarbeiter mit der letzten Maschine ab, ohne sich noch einmal umzudrehen - auch ohne sich um die Sicherheit ihrer ruandischen Angestellten zu kümmern. Nur David Hohl blieb, versteckte sich aus Liebe zu der Hutu Agathe und wurde Zeuge des Genozids.

Im Roman lernt man verschiedene Typen von Entwicklungshelfern kennen: Vom korrekten Beamten bis zum Desperado. Mich hat vor allem aufgeschreckt, dass es eine perfekt funktionierende Bürokratie war, die den Genozid erst ermöglichte. Denn das war ja bei uns auch schon in der Nazi-Zeit so: Die eher schlampige Verwaltung Italiens rettete unbeabsichtigt vielen Juden das Leben, während die gut funktionierende der Niederlande und Deutschlands auch das Morden perfekt hinkriegten. So war es auch in Ruanda: Erst der reibungslos funktionierende Staatsapparat ermöglichte den größten Völkermord seit 1945; und Lukas Bärfuss läßt seinen Helden David Hohl erkennen: "Hätten sie sich nicht an unsere Vorgaben gehalten, so hätten sie keine 800.000 Menschen umbringen können, nicht in 100 Tagen."

Dieses Buch ist sehr lesenswert: Man erfährt viel über Afrika, über europäische Fehlhaltungen, und es enthält auch eine Liebesgeschichte, in der es u.a. auch um die verstörende Frage nach möglichen Zusammenhängen von Lust und Gewalt geht.

Ein Kritikpunkt ist, dass der Autor die Rahmenhandlung - David Hohl erzählt seine Geschichte einem Schweizer Schulfreund, während draußen der Schnee fällt - nur 14 Seiten lang durchhält. Dann entschwindet dieser Zuhörer auf Nimmerwiedersehen. Natürlich kann man sagen: Danach nimmt der Leser dessen Platz ein, aber ich hätte mir gewünscht, dass dieser Schulfreund präsent bleibt und wenigstens in der Mitte und am Ende des Buches nochmal auftaucht.
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am 19. Juni 2016
Lukas Bärfuss schreibt extrem eindrücklich über den Völkermord an den Tutsi („die Langen“) in Ruanda 1994. Er beantwortet die auch aus heutiger Sicht brennenden Fragen: Wie konnte es dazu kommen? Warum hat die Welt einfach zugeschaut, ohne etwas zu unternehmen? Was ist damals konkret passiert? Welche Rolle spielt die Entwicklungshilfe? Bärfuss beschreibt, wie sich aufgrund von staatlicher Propaganda, Halbwissen und Gerüchten die Angst der Bevölkerung in Paranoia und Hass steigert und wie aus den scheinbar Gebildeten gewissenlose Mörder werden. Und man kann erahnen, wie schliesslich sogar Jugendliche und Kinder manipuliert wurden, um ihren Teil am Morden beizutragen.

Bärfuss gelingt es, den Leser sehr intensiv am brutalen Geschehen teilnehmen zu lassen, indem er die ganze Geschichte als Rückblick des ehemaligen Entwicklungshelfers David erzählt, der 1990 voller Idealismus aus der Schweiz nach Afrika kam und mit der Zeit von den Realitäten des Landes eingeholt wird. Man kann gut nachvollziehen, wie dieser sich gegen die neuen Realitäten wehrt, weil sie seinen Lebenserfahrungen und seinen Wertvorstellungen völlig widersprechen. Und man leidet mit ihm, als diese Wirklichkeit unaufhaltsam über ihn hereinbricht und er selbst dabei in die grössten Schwierigkeiten gerät, weil er nicht wie all die anderen Feiglinge wegrennen will. Arbeitskollegen, Freunde, Nachbarn, seine grosse Liebe: alles steht auf dem Spiel, als das Chaos und die Hölle losbrechen: in 100 Tagen wurden fast 1 Mio. Menschen erschlagen, erstochen, niedergemetzelt. Schliesslich gerät sogar David selbst in den Sog von Angst und Hass. Kein schönes Thema, aber mit kraftvollen Worten und schnellem Erzählfluss äusserst spannend inszeniert, so dass das Buch nicht nur diese Tragödie aufarbeitet und Wissen vermittelt, sondern auch sehr lesenswert ist.
(210 Seiten)
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am 28. März 2014
Der Genozid in Ruanda und seine Hintergründe, wie objektiv und moralisch falsche Entwicklungshilfe zum dortigen Völkermord beigetragen hat, generelle individuelle Korruptheit und Amoralität sowie zusätzliches Versagen in Extremsituationen (die 100 Tage des Genozids) und nicht zuletzt triebhafte Sexualität sind die Hauptmotive dieses relativ schlanken Romans. Lakus Bärfuss stellt auf Grundlage sicherlich sehr intensiver Recherchen seine kritische Sicht klar dar, zeichnet (teilweise allerdings etwas schemenhaft und nicht ausreichend durchgearbeitet) klare, glaubwürdige Charaktere, erzählt einen sehr dichten und knappen Handlungsstrang und verwendet eine sehr einfache, klare Sprache. Die verwendeten Symbole sind manchmal ein wenig zu dick aufgetragen (Bärfuss ist Dramatiker!) und es ist nicht ersichtlich, wozu die zum Buchbeginn eingenommene Erzählperspektive (die nie wieder aufgenommen wird) eigentlich dient, aber das sind verzeihliche Sünden bei einem ansonsten äußerst lesenswerten Buch. Sehr empfehlenswert für historisch und politisch interessierte Zeitgeister.
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am 20. Februar 2015
Bärfuss erzählt in der Ich-Perspektive die Geschichte eines Schweizer Entwicklungshelfers in Ruanda, der den Genozid an den Tutsis vor Ort miterlebt. Der Roman ist mit politischem und historischem Hintergrundwissen angereichert und spannt den Erzählbogen von der Ankunft des Entwicklungshelfers 1990 im damals vermeintlichen Vorzeigestaat Afrikas über das Wiederaufflackern des Bürgerkriegs und den Genozid 1994 bis hin zum Flüchtlingselend der Hutus nach deren Niederlage im Bürgerkrieg. Bärfuss Roman ist kein Buch über das Abschlachten: Mit den titelgebenden hundert Tagen - sohin dem eigentlichen Wüten der Hutu-Milizen von Anfang April 1994 bis Mitte Juli 1994 - befassen sich gerade mal knappe 25 Seiten des Buches. Vielmehr schildert Bärfuss gut recherchiert die einzelnen Eskalationsstufen und den Weg der Radikalisierung. Diskussionswürdig ist in diesem Zusammenhang auch Bärfuss' Ansatz, den Entwicklungsorganisationen eine Mitschuld am Völkermord anzulasten.

"Hundert Tage" ist ein politisch-historischer Roman, der jedoch nie ins essayistische abdriftet und sohin leicht lesbar bleibt. Die Rahmenhandlung ist packend erzählt und auch ohne Hintergrundwissen verständlich, wenngleich ein wenig historisches Wissen nicht schadet, um Bärfuss Werk in seiner ganzen Dimension zu begreifen.
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am 29. März 2014
David ist jung und kommt als Entwicklungshelfer (Kooperant) nach Ruanda. Unbedarft, zum Teil naiv lebt er dort und lernt das Land kennen und schätzen. Er verliebt sich und beginnt eine Affäre. Agathe ist jung, schön, gierig und lustvoll, aber auch eiskalt und knallhart. Mitte der 1990er Jahren brechen die ersten ethnischen Konflikte aus, die ersten Übergriffe passieren, mit nur ein paar Toten. Der Sturm und der Genozid an der Tutsi-Minderheit durch die Hutu-Mehrheit bricht erst allmählich und schließlich mit voller Wucht los. Und David ist mittendrin und kämpft ums Überleben.

Das Buch ist deshalb interessant, weil es aus der Perspektive eines Schweizers erzählt, aus der Perspektive eines immer neutralen Landes, mit einer immer neutralen Perspektive. Die Direktion, die schweizerische Organisation für Entwicklunghilfe, hat wieder und wieder Geld in Ruanda gepumpt, die Menschen erzogen, Ausbildung gefördert. Und doch muss David erkennen, dass es Alles nichts genutzt hat. Im Gegenteil: Durch die Entwicklungshilfe wurde der Völkermord erst möglich. Europäer verstehen das Chaos nicht, nicht die Sprache, nicht die Stammesmentalitäten.

Der Völkermord wirkt nur von außen chaotisch - er war gut organisiert, durch das Radio kamen die Anweisungen. Menschen sollten zu Hause bleiben und nicht reisen, damit die Mörder sie finden konnten, denn sie hatten Listen mit Namen. David zieht immer wieder authentische Parallelen mit der Schweiz: Ein kleines, etwas vergessenes, bergiges Land, mit Menschen die brav, gehorsam, pflichtbewusst, fleißig. Das Klima ist mild, das Land ist die meiste Zeit mit sich beschäftigt und sucht nicht das Rampenlicht. Entwicklung und Fortschritt stehen für Alle im Vordergrund - wenn auch von einer Diktatur regiert.

Das Buch liest sich schnell. Es hat leider keine Kapitel. Mir kommt das Buch als spannende aber tragische Anklage vor. David versteht erst viel zu spät, was wirklich hinter den Kulissen gespielt wird. Er erkennt das die Europäer und die anderen Entwicklungshelfer den Mördern geholfen haben - ohne es zu wollen und ohne es zu wissen. David schämt sich und ist wütend auf sich selbst, auf seinen Arbeitgeber, auf sein Heimatland und die gesamte Weltöffentlichkeit. Er klagt an, warum und wie das Alles wieder passieren konnte - hatten doch die Nazis und ihr Holocaust immer als Mahnung gedient, dass ein solcher Völkermord zu verhindern ist . . . Und doch scheitern Sie alle: David, die Entwicklungshelfer, die Presse, die Welt.

Ein interessanter Roman, der mir leider eine zu europäische Sicht der Dinge hat und nicht sich auf das Grauen und die Umstände konzentriert. Ein Europäer der sich dabei ertappt das man ihn betrogen hat und sich hat betrügen lassen.
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am 19. April 2010
Ein über weite Strecken gut lesbarer, interessanter R O M A N (!). - Ja, auch wenn die historische Situation der politischen Wirren und furchtbaren Massaker in Ruanda anfangs der 90er Jahre solide recherchiert wurde, so ist doch die Geschichte von David Hohl und seiner Entwicklungshilfe-Organisation pure Fiktion.

Bärfuss verdeutlicht diese Subjektivität noch durch die (völlig unnötige) Konstruktion eines Ich-Erzählers, der als "gebrochener Mann" seine afrikanischen Abenteuer im winterlichen Schweizer Jura einem ehemaligen Schulkameraden schildert.

Um die titelgebenden 100 Tage (der Metzeleien im Ruandischen Kigali) geht es eigentlich nur auf ca. 15 der 190 Seiten.

Kurz gesagt, veranschaulicht Bärfuss an diesem Katastrophenszenario seine Sicht der jahrzehntelang vorhergegangenen nutzlosen Entwicklungshilfe-Zusammenarbeit mit den parasitären Oberschichten. Das Interaktionsschema besteht darin, dass die örtlichen Repräsentanten von Politik und Verwaltung den Entwicklungshelfern nach dem Munde reden, um ihnen die Sinnhaftigkeit des personellen und finanziellen Einsatzes zu bestätigen. In Wirklichkeit werden so Verhältinisse stabilisiert, die moralisch nicht zu legitimieren sind.

Der etwas naive junge Entwicklungshelfer David lernt bei seinem Aufenthalt charakteristische Verhaltensweisen der einheimischen Bevölkerung kennen, die einem Europäer völlig "spanisch" vorkommen. U.a. das kastenartige Stammeswesen mit seiner Unterscheidung der "Kurzen" und der "Langen", welches angeblich die bösen Belgier als Kolonialherren zementiert hatten.
Zur Vertiefung seines Studiums der Afrikanischen Seele treibt er es ausgiebig mit einer schwarzbraunen Schönheit, die zunächst ständig von Brüssel schwärmt, sich letztlich aber auch wahnhaft in die Stammesfehden hineinsteigert.

Bis zum Beginn der Unruhen versteht es Bärfuss, möglicherweise liebgewonnene Ansichten der Leser zu erschüttern und mit stark vereinfachenden Gegenpositionen zu konfrontieren (die aber bemerkenswert sind). Dann gerät jedoch alles ins Wanken, niemand überlebt mehr ohne Blut an den Händen. Selbst der herzensgute David köpft seinen liebevoll gesundgepflegten Bussard.

Fazit: Dass der Autor bisher mit Schauspielen Erfolge erzielen konnte, merkt man wohl am Aufbau seines dramtischen Stoffes und der handelnden Figuren. Leider gelingt es ihm aber mit dem vorliegenden Buch überhaupt nicht, die Fäden der Handlung und - wesentlich v.a. - der moralischen Ableitungen auf die Zielgerade zu bringen.
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am 14. Mai 2014
Wow, was für ein mutiges Buch. Bin hell begeistert und auch tief erschüttert über die Wahrheiten. Ich habe den Roman in einem Tag durchgelesen. Danke Lukas Bärfuss! ihr Gespräch am Schweizer Fernsehen letzte Woche hat mich neugierig gemacht.
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am 3. August 2012
In >Hundert Tage< erzählt ein Schweizer Entwicklungshelfer, der sich frustriert in den Jura zurückgezogen hat, von seinen Erlebnissen in Ruanda zur Zeit vor und während der Massenschlächterei der Hutu an den Tutsi.
Dem Autor, Bärfuss, gelingt es dabei vortrefflich, das Private mit dem Öffentlichen zu verbinden, wodurch einerseits eine immer fesselndere Erzählung entsteht, andererseits aber auch ein nachhaltig beunruhigender Eindruck vom Wesen und der Wirkung unserer Gut-Menschen-Entwicklungshilfe.
Die Lektüre ist deshalb doppelt empfehlenswert, der von anderen monierte halbe Rahmen zu Beginn der Geschichte mindert ihren Wert meines Erachtens nicht wirklich.
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am 22. Januar 2013
Von "Hundert Tage" war ich leider eher enttäuscht. Im Buch geht um einen Schweizer Entwicklungshelfer, der beim Ausbruch des Genozids in Ruanda verbleibt, statt zu fliehen. Der Hauptteil der Geschichte ist dem Leben Davids gewidmet, dem eigetnlichen Bürgerkrieg und Davids Verhalten im Bürgerkrieg nur etwa ein Viertel. Nicht dass ich blutrünstige Stories erwarte, aber der Klappentext suggeriert halt einen völlig anderen Aufbau. Zudem bleibt der Hauptcharakter ziemlich flach - man weiss überhaupt nicht, warum David so handelt, wie er handelt.
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