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5.0 von 5 Sternen Die Geschichte einer ungewöhnlichen und produktiven Liebe beschrieben in einer der schönsten Liebeserklärungen seit langem
Der französische Philosoph und Soziologe Andre Gorz war einer der produktivsten und originellsten Kapitalismuskritiker des 20. Jahrhunderts. Besonders sein Werk "Abschied vom Proletariat - jenseits des Sozialismus", das 1980 in Deutschland veröffentlicht wurde, brach lange vor dem Zusammenbruch des Ostblocks einem neuen Denken Bahn und hat die intellektuelle...
Veröffentlicht am 25. Oktober 2007 von Winfried Stanzick

versus
30 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Man traut sich kaum...
...angesichts der vielen positiven Meinungsäußerungen eine etwas verhaltenere Stellungnahme abzugeben, aber trotzdem oder gerade deswegen: Ist der Brief an Dorine die Geschichte einer dauerhaften Liebe oder, was ja nachvollziehbar wäre, nicht eher die Darstellung einer langjährigen Beziehung aus Sicht des Mannes? Warum bleibt Dorine so seltsam...
Veröffentlicht am 10. August 2009 von Susanne Preusker


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50 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Geschichte einer ungewöhnlichen und produktiven Liebe beschrieben in einer der schönsten Liebeserklärungen seit langem, 25. Oktober 2007
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Brief an D (Gebundene Ausgabe)
Der französische Philosoph und Soziologe Andre Gorz war einer der produktivsten und originellsten Kapitalismuskritiker des 20. Jahrhunderts. Besonders sein Werk "Abschied vom Proletariat - jenseits des Sozialismus", das 1980 in Deutschland veröffentlicht wurde, brach lange vor dem Zusammenbruch des Ostblocks einem neuen Denken Bahn und hat die intellektuelle Auseinandersetzung innerhalb der Linken, die letztlich zu der Gründung der "Grünen" führte, nachhaltig beeinflusst.

Im September 2007 hat sich Andre Gorz zusammen mit seiner Frau Dorine das Leben genommen, ein, wie sie es verstanden, letzter Akt der gemeinsamen Freiheit angesichts eines drohenden qualvollen Siechtums. Sechzig Jahre war er mit seiner Frau verheiratet. Kurz vor dem gemeinsamen Freitod hat Andre Gorz unter dem Titel "Brief an D." die Geschichte seiner Liebe zu Dorine veröffentlicht. Darin bekennt er zum ersten Mal öffentlich, daß er ohne die Liebe zu seiner Frau niemals als Schriftsteller hätte erfolgreich werden können. Immer habe er diese Tatsache verleugnet. Begonnen habe diese Verdrängung, wie er das nennt, schon mit seinem ersten Buch "Der Verräter", in der er sich zu allem möglichen bekannt habe, nur nicht zu seiner Frau Dorine.

Sie ging arbeiten und brachte das Geld nach Hause, während er seine Studien betreiben konnte. "Lange Zeit konnte ich es nicht ertragen, auf der Welt zu sein, oder ich selbst zu sein. Dorines Arbeit bestand jahrelang darin, mich mit mir selbst zu versöhnen. Das ist ihr gelungen, indem ich sie liebte."
Dorine ist ein Leben lang seine erste Leserin und Kritikerin. Seine Liebe zu Dorine, so sagt er in seinem letzten Brief an sie, war das produktivste Element, das seine Theorien ermöglicht habe und er bedauert es nachträglich außerordentlich, daß er diese Tatsache in seinen Schriften und Interviews nie erwähnt habe.

Und so ist dieses kleine, achtzigseitige Büchlein nicht nur ein wichtiges autobiographisches Dokument eines der bedeutendsten Sozialphilosophen der letzten Jahrzehnte, sondern auch eine der schönsten veröffentlichten Liebeserklärungen seit langem.

"Brief an D." ist Gorz' letztes Buch. Er wollte damit noch einmal auf die Gefahr hinweisen, die dem ungestümen Fortschritt innewohnt: Man kann einen Überschuss an Theorie haben und ein Defizit an Menschlichem. Aber so, meint Gorz, komme man nicht weiter. Ernst Bloch hat diese Einsicht schon Jahrzehnte vorher formuliert, als er zwischen Wärmestrom und Kältestrom unterschied, aber ich glaube nicht, daß Andre Gorz Bloch wirklich rezipiert hat.

Ein wunderschönes Buch, ein literarisches und auch philosophisches Kleinod.
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27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gemeinsames Leben und Sterben, 27. Oktober 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Brief an D (Gebundene Ausgabe)
André Gorz Brief an D. Rotpunktverlag

ISBN 3858693537

In Fortsetzung seiner Autobiographie < Der Verräter> hat sich André Gorz, der französische Sozialphilosoph österreichischer Herkunft, in einem Brief an seine Frau Dorine gewandt.

Es handelt es sich um eine ungewöhnliche Liebeserklärung an seine Lebensgefährtin, mit der er 58 Jahre gemeinsamen Lebens verbracht hat.

Tief berührt erinnert er sich an ihre erste Begegnung. Sein anfängliches Zögern, sich auf eine bürgerliche Ehe einzulassen, stand in engem Zusammenhang mit seiner Philosophie, in der es um Wissensökonomie, gerechte Verteilung der Arbeit und soziale Gerechtigkeit ging. Die nachfolgende Erkenntnis, dass er mit Dorine eine Einigkeit verspürte, die sich auf alle Lebensbereiche ausdehnt, wurde ihm schließlich sehr bewusst.

Er liebte sie sehr.

Seine eigene Unsicherheit und mangelnden Fähigkeiten, sich im Leben einzurichten, mit der er sich eher in sich zurückzog, um, wie es heißt, nicht objektivierbar oder identifizierbar zu sein, stehen im Kontrast zu Dorine, die natürlich und selbstverständlich, auch ohne theoretische Kenntnisse, das Richtige denkt, fühlt und sagt.

Neben der sehr persönlichen Liebeserklärung an eine Frau, die ihm immer zuversichtliche Lebensgefährtin war, gibt André Gorz einen Abriss ihres gemeinsamen Lebens.

Da ging es oft spartanisch zu, denn AG hatte selten feste Anstellungen. Dorine war gesellig, gab Englischunterricht, spielte in Theatern mit und war immer fröhlich. Sie lebten das, was er theoretisch vertrat: Selbstbestimmung und Unabhängigkeit.

Sein Leben war Schreiben! Und Dorine ließ ihn gewähren, ohne je seine Freiheit zu beschneiden.
Die 68ziger Bewegung gab ihm und Dorine neue Impulse und deckte sich mit den eigenen Lebensanschauungen.

Gorz Lebensrückblick ist für ihn selber auch eine Abrechnung mit seiner Ignoranz der frühen Jahre Dorine gegenüber.

Das gemeinsame Leben wird kritisch unter die Lupe genommen. Die Ehrlichkeit in den Aussagen von Gorz zeugen von seinem reflektierenden Verstand, einer inneren Kontinuität im Denken und seiner Hochachtung und tiefen Verehrung für die Frau, die durch alle Lebenslangen hindurch mit ihm das Leben geteilt hat
Beide haben sich zusammen stetig weiterentwickelt.
Zu ihrem Freundeskreis zählten berühmte Geistesgrößen wie Sartre, Simone de Beauvior und Ivan Illich, mit denen sie zusammen gearbeitet haben, um nur drei von ihnen zu nennen.

Die Lebenserinnerungen langer Jahre legen Zeugnis ab über die stete Auseinandersetzung mit sich selbst, mit der Gesellschaft und einer kritischen Innenschau, wie sie in dieser persönlichen Offenheit wohl selten ist.

Dorine war eine Frau von ungewöhnlicher Willensstärke, mit der sie die Schmerzen einer schweren Krankheit über Jahrzehnte zu bewältigen trachtete.
Der gemeinsame Freitod in hohem Alter, der, kurz nach Fertigstellung der deutschen Ausgabe von diesem Buch, stattfand, beeindruckte und löste erhebliches Interesse bei der Leserschaft aus.
Wer wagt es schon, eine Lebensgemeinschaft auf diese Weise zu beenden?
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30 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Man traut sich kaum..., 10. August 2009
Von 
Susanne Preusker "SP" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Brief an D.: Geschichte einer Liebe (Taschenbuch)
...angesichts der vielen positiven Meinungsäußerungen eine etwas verhaltenere Stellungnahme abzugeben, aber trotzdem oder gerade deswegen: Ist der Brief an Dorine die Geschichte einer dauerhaften Liebe oder, was ja nachvollziehbar wäre, nicht eher die Darstellung einer langjährigen Beziehung aus Sicht des Mannes? Warum bleibt Dorine so seltsam farblos? Ja, sie hatte wunderschönes Haar, ja, sie war seine Muse und sein Rückhalt, ja, Geld war ihr nicht wichtig, ja, sie war klug, in übertragenem Sinne reicher als er - aber sonst? Hat sie gestritten, geweint, gelitten, gelacht, getraumt? Was machte ihre Lebendigkeit aus? Ihre Besonderheit? Ich habe kein Bild von ihr bekommen, auch kein klares von der großen, ewigen Liebe. Ich habe ein Bild bekommen von einem sehr klugen, durchgeistigten Mann, der auf hohem sprachlichen und intellektuellen Niveau und in teils (!) wunderbaren Sätzen Abbitte tut, indem er sich in einer kritischen Abhandlung mit einem früheren Werk auseinandersetzt. Eines Mannes, der sich für die (erweiterte) Selbsttötung entscheidet. Warum? Aus Liebe? Vielleicht. Aber nur, weil das traurige und zweifelsfrei zu Herzen gehende Ergebnis diese Annahme im Nachhinein als logisch erscheinen läßt, muß sie nicht zwangsläufig richtig sein. Ich glaube nicht, dass ich die Geschichte einer ewigen Liebe gelesen habe. Ich habe auszugsweise die Geschichte des A. Gorz gelesen. Aber wie gesagt: man traut sich kaum....
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37 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Letzte Erkenntnis, 18. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Brief an D (Gebundene Ausgabe)
'Das Wesen einer guten Ehe ist nicht nur die Liebe sondern vor allem die Beständigkeit'; so hat das García Márquez in seinem Roman '"Liebe in den Zeiten der Cholera'" einst sinngemäß ausgedrückt.
André Gorz, bedeutender Sozialphilosoph im Umfeld Sartres, hat diese Befähigung zur Beständigkeit im '"Brief an D."' seiner Frau zugesprochen, mit der er fast 60 Jahre zusammen lebte.
Das kleine Bändchen ist eine auf die lange Beziehung der beiden ausgerichtete, kurz geraffte Autobiographie des sehr selbstbezogenen Menschen A. Gorz mit der recht späten Einsicht, wie sehr er die Liebes- und Leidensfähigkeit der Frau an seiner Seite viele Jahre unbeachtet gelassen hat. Erst ein körperliches Leiden Dorines, das zwar nicht zu ihrem vorzeitigen Tod führte, hat ihm die Augen geöffnet und Motivation gegeben, analytisch, wie es seine wissenschaftliche Art war, ein Fazit zu ziehen. Dies allerdings geriet ihm weniger zu einer Liebeserklärung als zum Ausdruck seines hohen Respekts und der besonderen Verehrung für diese Frau, die tatkräftig und entschlossen die Einheit der Partnerschaft in allen Lebensfragen entwickelte. Sie wusste sowohl Andrés Unsicherheit und Schwächen auszugleichen als ihm seine persönliche Freiheit zu bewahren indem sie ihm insbesondere den Rücken frei hielt für seine leidenschaftlich betriebene philosophische Arbeit.
Es ist ein Text der zwar von Liebe spricht aber mehr die Achtung ausdrückt. Er erweckt beim Lesen kaum Rührung, eher Bedauern gegenüber einem Mann, der erst kurz vor dem Ende seiner Zeit erkannte, dass er zu tätiger, alltagsnaher Vermittlung seiner Liebe nicht geeignet war.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfach schön., 23. März 2009
Von 
Happyx - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Brief an D.: Geschichte einer Liebe (Taschenbuch)
Wer bleibt heute noch länger als 5 Jahre zusammen? Die Verfallszeit von Ehen tendiert immer weiter nach unten. Dieses Buch ist der Gegenbeweis einer rücksichts- und respektvollen, tiefen Liebe, die zwei ganze Leben hielt. Dabei konnte sich diese vor allem auch entwickeln, weil man sich den Verlockungen der modernen, beginnenden Konsumgesellschaft entzogen hatte. Die Konsumkritik in diesem Buch ist gerade heute, in Zeiten des Kapitalimus-Schocks, mehr als nachlesenswert. Dabei möchte ich diese Stelle über den größten Konsumfetisch unserer Zeit, das Auto, zitieren -' ein Gedanke, der mir so schon immer auf der Zunge lag:

"Nach 10 Jahren haben wir schließlich einen alten Austin erworben. Er hat uns nicht davon abgehalten, die individuelle Motorisierung für eine abscheuliche politische Wahl zu halten, die die Menschen zum aggressiven Wettbewerb dressiert, unter dem Vorwand, ihnen die Möglichkeit zu bieten, sich dem allgemeinen Los zu entziehen."

Etwas weiter dann sagt er zu seiner Frau: "Das erinnert mich daran, dass Du schon im Alter von sieben Jahren zu dem Schluss gekommen warst, die Liebe müsse, um wahr zu sein, das Geld verachten." Seine Frau hat ihm, André Gorz, der immer im morgen lebte, das Jetzt nahe gebracht, ihm das Glück des Jetzt geschenkt: "Du standest mitten im Leben, während ich es immer eilig hatte, mich an die nächste Aufgabe zu machen, als ob unser Leben erst später wirklich begänne."

Die erotische Komponente, die gemeinsame Lust der Körper wird in wenigen, klaren Sätzen beschrieben - schöner und gefühlvoller kann man dieses lebendige Einander-Atmen und Lieben nicht ausdrücken.

Eine wirkliche Liebe kann Anker sein, Ausgleich und frei von Kalkül. Sie ist dann einfach nur schön, frei von emotionalem Ärger und baut auf gegenseitiges Wachstum, Hilfe und Zuneigung. Sie fragt nicht nach Gewinn und Verlust, sondern gibt, um umso reicher zu empfangen. Und der gemeinsame Verlust des Lebens wird zu einer Hoffnung für eine Wiederkehr der eigenen, überreichen Liebe.

Mir kamen beim Lesen die Tränen. Unbedingte Leseempfehlung.
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15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großes Liebes-Lebensbuch, 25. November 2007
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Brief an D (Gebundene Ausgabe)
Der 1923 in Wien geborene Autor lebte seit den fünfziger Jahren als Publizist in Frankreich. "Briefe an D" ist eigentlich kein Buch, sondern ein Brief an seine Frau. Diesen Brief hat er in Fortsetzung seiner Autobiographie "Der Verräter" geschrieben. Seine Frau Dorine lernte Andre Gorz 1947 in Lausanne kennen und nach anfänglichen Bedenken eine bürgerliche Ehe einzugehen, verbrachten sie ihr ganzes Leben gemeinsam.

In einem seiner Bücher hat er sie einmal mit nur elf Sätzen beschrieben, dafür möchte er sich jetzt, am Ende eines langen Lebens entschuldigen. Er schreibt ihr nun im Jahre 2006 diesen 100 Seiten langen bewegenden Brief: "Du bist jetzt 58 Jahre älter, sechs Zentimeter kleiner und ich liebe dich wie damals. Ich habe mich gerade gestern wieder in Dich verliebt." Es ist ein Buch was man vor Rührung fast nicht lesen kann. Die Tränen stehen in den Augen. Einen solchen Brief zu erhalten, muss das schönste Geschenk auf Erden sein.

Seine Frau Dorine war über Jahrzehnte todkrank. Es hat alles sehr tragisch geendet,denn sie haben eines Tages beschlossen sich umzubringen. Der Autor schreibt auch in diesem schmalen Buch, er möchte nicht hinter ihrem Leichenwagen mit der Urne hergehen.

Das Ehepaar hat noch allen Freunden Briefe geschrieben. Diesen Brief "Brief an D" hat Andre Gorz noch veröffentlicht. Bevor er sich am 24. September 2007 mit seiner schwer kranken, 83 jährigen Frau, in ihrem gemeinsamen Haus in Voson das Leben nahm, hat er noch einen Zettel an die Haustür gehenkt, darauf steht, wenn man diesen Zettel liest soll man die Polizei anrufen.

Ein großes Abschiedgeschenk an die Frau die er sehr geliebt hat. Ein aufwühlendes, herzergreifendes Buch, eine der schönsten publizierten Liebeserklärungen der letzten Jahrzehnte.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dankbar, 31. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Brief an D.: Geschichte einer Liebe (Taschenbuch)
André Gorz hat seine literarischen Arbeiten dem Thema der Arbeiterselbstverwaltung und der politischen Ökologie gewidmet. Der Theoretiker kommt auch in diesem Buch manchmal durch, vor allem wenn er seine Arbeit beschreibt. Das ändert aber nichts daran, dass dieses schmale Buch die Fülle einer jahrzehntelangen Liebe enthält. Eine intime Liebeserklärung an seine Frau Dorine, dass Geständnis, dass er ohne sie niemals seine Leistungen hätte erreichen können, eine Hommage an ihre Intelligenz und Persönlichkeit. Man fühlt sich manchmal wie ein heimlicher Beobachter und doch bin ich froh, dass ich an dieser Geschichte einer Liebe (es ist weit mehr als eine Liebesgeschichte, die so vergänglich ist) teilhaben durfte. Auch wenn sie ohne, (oder vielleicht doch gerade mit) Happy End ist: André Gorz und seine schwerkranke Frau Dorine haben sich 2007 das Leben genommen. Eine konsequente Entscheidung, die dieser Liebe ein Denkmal gesetzt hat.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kein Abschied vom Herzens-Du.,, 23. April 2008
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Brief an D (Gebundene Ausgabe)
Am 24.September ging der Denker Andre Gorz gemeinsam mit seiner krebskranken Frau Dorine in den Tod. Die beiden lebten achtundfünfzig Jahre Seite an Seite.

Gorz war politischer Philosoph, der sich für die Emanzipation von Geld und Ware aussprach. Die Entfremdung und ihre Überwindung waren ein großes Thema für ihn. Er bewegte sich gedanklich im Umfeld von Jean-Paul Sartre.

Was trieb diesen Menschen dazu seinen Lebenswillen aufzugeben, nachdem er wusste, dass er ohne seine geliebte Frau den Rest seines Lebens verbringen sollte?

War es der Glaube an die ewige Liebe? War es krankhafte Symbiose? Sartre stellt fest, dass jeder letztlich auf sich selbst zurückgeworfen ist. Das ist der existentialistische Kerngedanke. Wollte Gorz diesen Gedanken für sich am Ende nicht gelten lassen?

Gorz schreibt Dorine einen langen Brief, die die Geschichte ihrer Liebe erzählt. Darin wird deutlich, dass seine Frau offenbar sehr lebenstüchtig, sehr stark gewesen sein muss. Sie unterstützte den Intellektuellen materiell und moralisch in den Anfangszeiten seiner Schriftstellerei. Dorine glaubte an ihn, stärkte ihm den Rücken. Er liebte sie auch dafür, war möglicherweise abhängig von ihrem Zuspruch.

An irgendeiner Stelle liest man folgende Sätze "Ich hatte den Eindruck, mein Leben nicht gelebt zu haben, es immer aus der Entfernung beobachtet zu haben, nur eine Seite meiner Selbst entwickelt zu haben und als Person sehr arm zu sein. Du bist und warst immer reicher als ich."

Dorine war eine sehr schöne Frau. Sie ist es in den Augen ihres Mannes noch in den letzten Tagen, obschon ihr die Krankheit sicher sehr zugesetzt hat. Er sieht die Schönheit ihrer Seele, die sich in ihren Zügen spiegelt. Gorz ist bis zum Schluss ein Liebender.

Dennoch ist irritierend, dass er sich ihr in sonderbarer Art stets unterlegen fühlt, schon zu Beginn ihrer Beziehung.
Dorine muss eine beeindruckende Frau gewesen sein, nicht nur bildschön, sondern frei von grimmigem Ernst und Autoritätsgläubigkeit. Sie war überzeugt davon, dass die Liebe, um wahr zu sein, das Geld verachten muss und entscheidet sich für den mittellosen jungen Gorz, weil sie ihn liebt. Damit dokumentiert sie , "dass die Liebe die gegenseitige Faszination zweier Personen ist, mit allem , was an ihnen am wenigsten sagbar, am wenigsten sozialisierbar ist und was sich den Rollen und Selbstbildern, die die Gesellschaft ihnen aufzwingt , sowie den kulturellen Zugehörigkeiten widersetzt."( S. 23).

Durch seinen Selbstmord verrät der Philosoph keineswegs seine existentialistische Gedankenheimat, denn für ihn ist Liebesleidenschaft " eine Art und Weise, mit dem anderen, mit seinem Körper und seiner Seele, in Resonanz zu treten und zwar allein mit ihm oder ihr. Wir befinden uns diesseits und jenseits der Philosophie ".(S. 30)
Gorz konstatiert, dass die Liebe zu Dorine, bzw. die Entdeckung der Liebe mit ihr, dazu geführt hat existieren zu wollen und die Bindung an sie Triebfeder einer existentialistischen Bekehrung wurde.

Der Philosoph glaubte an die ewige Liebe. Für ihn war die Liebe offenbar nur lebbar in dauerhafter Symbiose. Er verstand dieses Auf- sich -selbst- zurückgeworfen- sein als eine Gegebenheit, die symbiotisch sein Herzens-Du mit einbezog und keinesfalls von ihm trennte. Das Herzen-Du ist demnach Teil von ihm. Konsequenterweise machte er seinem Leben ein Ende als diese zweite Seelenhälfte sich von der Welt verabschiedete.
Ihn deshalb als schwach zu bezeichnen wäre vermessen. Abhängig war er von seiner Liebe ein Leben lang. Das macht den Denker sehr liebenswert. Für den Menschen Gorz war dies tragisch.

Ein empfehlenswerter Text.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen warum lieben wir diesen einen menschen?, 3. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Brief an D (Gebundene Ausgabe)
ein schönes dünnes gebundenes büchlein für alle frauen dieser welt.
andre gorz, der als sozialphilosoph und vertrauter von satre bekannt geworden ist, schreibt hier eine liebeserklärung an seine todkranke frau dorine.
bereits in seiner seiner anderen belletristischen schriften, hatte er sie als kay bezeichnet und über sie geschrieben.
nun revidiert er in diesem buch seine damalige meinung. er umschreibt ehe (warum heiraten wir?) er umschreibt liebe (warum lieben wir diesen einen menschen?) und entwickelt hier einen einzigen liebesbrief an seine frau. er schreibt über achtung und interesse für den anderen, darüber wie es ist, dinge für den anderen zu opfern und warum frauen die besseren menschen sind.das buch ist im rotpunktverlag erschienen, in gebundener form für 15 euro und wunderbar zum verschenken geeignet, oder selbst mit einer tasse tee auf der couch sitzend, zu geniessen.
kurz vor dem erscheinen des buches im november 2007 haben sich andre gorz und seine todkranke frau gemeinsam das leben genommen, da er ohne sie nicht sein wollte (was man ihm nach diesem buch auf jeden fall glaubt) sehr zu empfehlen.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen eine große Geste, 24. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Brief an D (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich ist es unmöglich dieses kleine Buch, ein zu tiefst persönliches Dokument, nach gewöhnlichen Maßstäben zu beurteilen, zu bewerten.

Andre Gorz, Philosoph und Sozialtheoretiker setzt hier am Ende seines Lebens seiner Frau ein wunderbar gemeintes Denkmal. Wenn auch diese Geste an manchen Stellen etwas kopflastig daher kommt (wen wunderts bei einem Menschen, für den das Denken wohl immer einen höheren Stellenwert vor allem Anderen hatte), so bewegt dieses Buch doch sehr. Es ist der rührende Versuch, Danke zu sagen für so viele Jahre Loyalität, Selbstbeschränkung und Unterstützung. Alles Dinge, die erst am Ende, als der geliebte Mensch gehen muß, gebührend anerkannt und gewürdigt werden.

Andre Gorz ist mit seiner geliebten Dorine mitgegangen. Kann es einen größeren Beweis für eine tiefe Verbundenheit und Liebe geben?
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Brief an D.: Geschichte einer Liebe
Brief an D.: Geschichte einer Liebe von André Gorz (Taschenbuch - 2. März 2009)
EUR 7,00
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