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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In Schönheit gescheitert
"Ich verstehe..." sagt Emily zu den häufig wechselnden Männern in ihrem Leben, obwohl die promiskuitiv lebende, freiheitsliebende Intellektuelle oft nicht versteht. Erst auf der letzten Seite des schnörkellosen Buches über zwei Schwestern mit gegensätzlichen Lebensentwürfen gesteht sie ihrem Neffen: "Ja, ich bin müde...Und weißt...
Veröffentlicht am 28. Dezember 2007 von Helga Kurz

versus
7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Abwesenheit von Glück
Richard Yates beschreibt das Leben zweier Schwestern, Sarah und Emily, geboren in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Nach der Scheidung der Eltern wachsen die beiden bei der unsteten, verantwortungslosen, wenig verlässlichen Mutter auf. Kindheit und Jugend sind geprägt von zahlreichen Umzügen in immer neue Vororte, ein Leben, das...
Veröffentlicht am 11. Februar 2010 von Colin Wood


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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In Schönheit gescheitert, 28. Dezember 2007
Von 
Helga Kurz "Helga Kurz" (Stuttgart) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Easter Parade: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Ich verstehe..." sagt Emily zu den häufig wechselnden Männern in ihrem Leben, obwohl die promiskuitiv lebende, freiheitsliebende Intellektuelle oft nicht versteht. Erst auf der letzten Seite des schnörkellosen Buches über zwei Schwestern mit gegensätzlichen Lebensentwürfen gesteht sie ihrem Neffen: "Ja, ich bin müde...Und weißt du, was komisch ist? Ich bin fast fünfzig Jahre alt, und ich habe noch nie im Leben irgend etwas verstanden."

Emily und Sarah wachsen in wechselnden, stets schäbigen Wohnungen in und um das New York der 1930er und -40er Jahre auf. Ihre Eltern sind geschieden und finden im Alkohol Trost. Die flatterhafte Mutter hat sich, selbstüberschätzend, vom Vater der Mädchen getrennt, in der vagen Hoffnung, mehr aus ihrem Leben machen zu können. Ziellos, ohne auf die Bedürfnisse der Mädchen Rücksicht zu nehmen, verplempert sie ihr Leben in kleinen Jobs. Der geliebte Vater bleibt eine schmerzlich vermisste Randfigur im Leben der Töchter. Nachhaltig in Erinnerung bleibt ihnen ein Besuch in der Redaktion "seiner" Zeitung, wo er als erfolgloser Journalist in untergeordneter Stellung arbeitet. Whisky und Zigaretten werden ihm zum Verhängnis, noch ehe seine Kinder richtig erwachsen sind. Den inneren Zusammenhalt einer funktionierenden Familie haben sie nie erlebt, was sich in Verbindung mit ihren Charakteren auf ihr gesamtes Leben auswirken wird.

Sarah entwickelt sich zu einer früh erblühten Schönheit mit sonnigem Gemüt und heirat, kaum erwachsen, den charmanten Spross einer Familie, die schon bessere Zeiten gesehen hat. Drei Söhne binden sie ans Haus und in eine Ehe, die neben steter Geldnot noch andere, gravierende Widrigkeiten mit sich bringt. Wie die Eltern findet sie Trost im exzessiven Alkohol- und Zigarettenkonsum. Ihre Schönheit verliert sie früh und stirbt noch vor ihrer Mutter; beide vom Leben schon lange vorher besiegt.

Emily versucht den Trost dieses fatalen Gespanns nur maßvoll in Anspruch zu nehmen, was oft gelingt, manchmal auch nicht. Ihre bevorzugte Droge sind Männer, meist die Falschen, und wenn sie richtig sind, fühlen sie sich trotzdem falsch an. Ihre Attraktivität speist sich zuallererst aus ihrem scharfen, freiheitsliebenden Intellekt, der eine Reihe von schwierigen Männern anzieht, denen sie sich für eine gewisse Zeit anpasst und dabei irritierenden Langmut beweist. Diese Männer lassen sich weder von Frauen noch von mangelnder Begabung dauerhaft irritieren. Sie gehen in erster Linie ihrer eigenen Passion nach und haben ein Selbstbewusstsein, von dem ihre Partnerin weit entfernt ist. Als einstiger Barnard-Stipendiatin mit gutem Hochschulabschluss scheint Emily die Welt lange Zeit offen zu stehen. Aber halbherzige Ansätze ernsthaft zu schreiben führen zu nichts und ihre Jobs bleiben durchschnittliche. Ihre Berufung findet sie nicht. Mit beginnendem Alter fangen die Fenster an, sich für sie zu schließen.

Besonders unter amerikanischen Autoren finden sich viele genaue Chronisten menschlicher Einsamkeit. Der nun auch in Europa zu Ehren kommende, 1992 verstorbene Richard Yates gehört zu diesen. Wie bei allen herausragenden Schriftsteller ist seine Sprache schnörkellos, unaufdringlich und frei von überzogenen Wendungen. Die traurige, alltägliche Geschichte der Grimes-Schwestern, die Yates in zärtlicher Grausamkeit entwirft, hält den Leser in einem Bann, der schwer abzuschütteln ist. Es ist so, als hätte er über das menschliche Gewusel im Bannkreis des Big Apples ein Brennglas gehalten und die beiden Schwestern darin zuerst fokussiert und dann verglühen lassen. Obwohl Emilys Ende offen bleibt, mag man an ein Happy End für sie nicht glauben. Trotz der hoffnungslosen Geschichte, die suggeriert, dass jeder Lebensentwurf zum Scheitern verurteilt ist, wenn die Liebe zu sich selbst nicht genügend entwickelt ist, ist "Easter Parade" eine glänzend unterhaltende, was nur mit der Magie guter Bücher erklärt werden kann.

Helga Kurz
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37 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der eigenen Biographie entkommt man nicht!, 21. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Easter Parade: Roman (Gebundene Ausgabe)
Fünfzehn Jahre nach Richard Yates Tod und mehr als dreißig Jahre, nach dem "Easter Parade" in Amerika veröffentlicht wurde, liegt nun die deutsche Übersetzung vor.

Richard Yates prägte eine ganze Generation von amerikanischen Autoren, hierzulande harrt er aber noch der Entdeckung durch eine breitere Leserschaft, die ihm wirklich zu gönnen wäre.

"Easter Parade" ist ein ungewöhnlich einfühlsames Buch über drei Frauen, die stärker miteinander verknüpft sind, als sie es sich eingestehen wollen.

Pookie ist alleinerziehend und zieht ihre beiden Töchter Emily und Sarah im New York der Dreißiger Jahre auf. Hungrig nach Leben, sucht sie dauernd nach dem "besonderen Flair", wechselt rastlos Arbeitsstellen, Wohnungen und anfangs auch Beziehungen. Mehr und mehr flüchtet sie in den Alkohol und projeziert alle ihre Träume auf ihre beiden Mädchen, die ganz unterschiedliche Wege gehen: Während Sarah früh heiratet, drei Kinder bekommt und das - scheinbar - perfekte Leben einer Frau auf dem Land führt, erringt Emily ein Stipendium, studiert und macht Karriere. Sie ist begehrt und klug und spürt doch immer wieder ihre bleierne Einsamkeit.

Ohne es voneinander zu ahnen, sehnen beide Schwestern jeweils das Leben der Anderen herbei. Doch während Sarahs Ehe mehr und mehr einem Gefängnis gleicht und Emilys Druck, sich und anderen etwas beweisen zu müssen, immer unerträglicher wird, müssen beide Frauen feststellen, dass sie ihren Prägungen nicht entkommen...

"Easter Parade" ist ein sehr atmosphärisches, trauriges, schönes Buch. Eindringlich und doch mit leisen Tönen hat sich Richard Yates der Auslotung der menschlichen Seele verschrieben und es ist ihm sehr gelungen, da er mit sehr viel Empathie und doch wohltuend unspektakulär zum Anwalt seiner Figuren wurde! Ein Buch über Lebenslügen, denen man sich früher oder später stellen muss, wenn man mit seiner Biographie ins Reine kommen will! Entdeckenswert!
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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr bewegend..., 7. Juli 2007
Von 
isy3 (lebt nun am Bodensee) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Easter Parade: Roman (Gebundene Ausgabe)
... ist dieses großartige Buch, in dem es um viel mehr geht als nur um das Leben zweier Schwestern.

Eigentlich mag ich keine Bücher, in denen gleich zu Beginn verkündet wird, daß die beiden Hauptpersonen unglücklich werden. Aber Richard Yates schaffte es, daß ich Seite um Seite las und Anteil nahm an den Schicksalen von Sarah und Emily, die auf verschiedenen Wegen aus ihrer unglücklichen Familie zu entkommen suchen, und denen es doch beiden am Ende nicht gelingt.

Yates schreibt großartig - sein Buch ist etwas für den Leserausch - und er reißt wesentliche menschliche Probleme an: Eines davon ist die verheerende Wirkung von Alkoholismus im Elternhaus. Beide Kinder aus der zerrütteten von Alkohol durchtränkten Ehe lernen nicht, wie echte Liebe aussieht und daß sie in der Not ein Recht auf Zuspruch und Loyalität von ihren Partnern haben. Ein anderes Problem beschreibt einen Schriftsteller mit Schreibhemmung. Wieder ein anderes die Unfähigkeit einer Frau, zu erkennen, wann sie ihrer Schwester konkret helfen muß, indem sie sofort handelt.

Yates hat seine Romanfiguren so bunt und lebendig gestaltet und sie psychologisch so stimmig ausgearbeitet, daß das Buch sehr dicht ist und tiefe innere Wahrheit hat. Und das alles voller Mitgefühl und ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Man kommt als Leser selbst zu Erkenntnis, während man gespannt die Handlung verfolgt.

Der Roman wirkt lange nach und es hat über ihn in meinem Freundeskreis interessanten Gesprächsstoff geboten.
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22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ... und der Schein trügt...., 11. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Easter Parade: Roman (Gebundene Ausgabe)
Esther Grimes, genannt Pooky, möchte so gerne zur "besseren Gesellschaft" gehören. Ihr selber misslingt es, sie wechselt ständig den Job und den Wohnsitz, ihre Ehe scheitert, sie flüchtet sich in den Alkohol und setzt ihre Hoffnungen daran, dass es ihren Töchtern Sarah und Emily besser ergeht.

Während die extrovertierte, hübsche Sarah früh in eine angesehene Familie einheiratet, sesshaft wird und 3 Söhne großzieht, macht die introvertierte, belesene Emily nach ihrem Studium Karriere als Journalistin und Werbetexterin, ist selbstständig, flexibel und unabhängig. Beide scheinen das Leben zu leben, das sie sich immer gewünscht haben, und das auch den Erwartungen ihrer Mutter entspricht.

Doch wie bei der alljährlichen "Easter Parade" trügt der Schein. Sarahs Ehe ist geprägt von permanenter Geldnot und Brutalität, doch diese Wahrheit sickert nur langsam nach außen durch. Emily hingegen genießt materiellen Wohlstand, stürzt sich von einer Beziehung in die nächste, gerät aber immer wieder an die "falschen" Männer. Auch sie erkennt, dass ihre tiefsten Sehnsüchte nicht erfüllt werden können. Träume platzen wie Seifenblasen und es fällt allen dreien schwer, sich mit der Realität abzufinden bzw. sich selber einzugestehen, dass ihr Leben in Wirklichkeit ein Desaster ist und am Ende nur eine abgründige Einsamkeit geblieben ist.

Dieses Werk des bereits 1992 verstorbenen Richard Yates erschien im Jahr 1976, wurde aber erst jetzt übersetzt. Ein Blick auf seine Biografie lässt die Vermutung zu, dass er viele persönliche Erfahrungen und Erlebnisse in diesem Buch verarbeitet hat. Yates beschreibt anhand des Schicksals dieser drei Frauen über eine Zeitspanne von 40 Jahren auf sehr nüchterne, düstere, aber eindringliche Weise das Leben des amerikanischen Mittelstandes mitsamt der Sehnsüchte, Träume und auch Verlogenheit. Er vermittelt beeindruckende und beklemmende Einblicke in das Amerika der 30er bis 70er Jahre und mir wurde bewusst, dass es auch heute nichts an Aktualität verloren hat.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Keine der Grimes-Schwestern sollte im Leben glücklich werden ...", 28. Mai 2007
Von 
zueribueb (Zürich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Easter Parade: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der amerikanische Autor Richard Yates (1926-1992), lange vergessen und verkannt, wird nun endlich vom grossen Publikum wiederentdeckt. "Easter Parade", sein vierter von sieben Romane, wurde bereits 1976 geschrieben. Der Titel bezieht sich auf einen New Yorker Osterbrauch, bei dem sich die Leute auf der Fifth Avenue präsentieren, und weist auf die Kernproblematik des Romans hin: Der Konflikt zwischen Schein und Sein. Hinter der Fassade sieht die Wirklichkeit häufig anders aus. Das Buch hat übrigens einen autobiographischen Hintergrund und spiegelt Yates' eigene Familiengeschichte. Die Figur des Dichters Jack Flanders ist zudem offensichtlich ein Selbstporträt des Autors.
"Easter Parade" beschreibt über einen Zeitraum von vierzig Jahren das Leben von zwei ungleichen Schwestern aus der amerikanischen Mittelschicht. Die Eltern sind geschieden, die Mutter ist Alkoholikerin, findet keinen festen Halt im Leben und zieht mit den Töchtern Sarah und Emily ständig herum. Sarah sucht als Erwachsene den sicheren Hafen im Eheglück, aber wie sich später ergibt, ist es mit dem "Trauten Heim, Glück allein" auch nicht weit her. Einsamkeit in der Ehe, Gewalt und Alkohol. Emily, die intelligentere und emanzipiertere der Schwestern, erkämpft sich ihren Platz in der Berufswelt, bleibt aber auch einsam und sucht ihr Glück mit schnellen Affären. Das Leben beider Schwestern ist am Schluss nichts weiteres als ein grosses Scheitern, da die eigenen Ansprüche ans Leben nicht erfüllt werden. Spannend fand ich, wie Yates die Sexualisierung der Gesellschaft in einer Zeit zeigt, in der Sexualität noch ein Tabuthema war.
Richard Yates zeichnet sich durch einen ausgezeichneten, sehr knappen und unsentimentalen Stil aus. Yates beschreibt sehr realistisch, aber auch etwas distanziert das öde und traurige Leben der Protagonistinnen, ohne jedoch ins Depressive oder Weinerliche zu verfallen. Das Buch ist episodisch, fast filmisch gestaltet. Yates reiht Schnappschuss an Schnappschuss aus dem Leben der Schwestern. Darum ist es ihm auch möglich, auf nur 300 Seiten einen Zeitraum von 40 Jahren abzudecken.
"Easter Parade" ist zwar ein starker Roman, allerdings ist er noch lange nicht so grandios wie "Zeiten des Aufruhrs" ("Revolutionary Road"), weshalb 5 Sterne meines Erachtens etwas übertrieben sind. Letzteres Buch wird übrigens gerade von Sam Mendes ("American Beauty") mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio verfilmt. Auch "Easter Parade" ist ein idealer Filmstoff.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mittelstand und Armut in Amerika, ein Kampf gegen den Untergang, 1. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Easter Parade (Taschenbuch)
Dieser Roman spielt in Amerika in den dreißiger Jahren. Die Familie Grimes, Mutter, Vater und zwei Töchter, ist nach der Scheidung der Eltern auseinander gefallen. Sarah und Emily, fünf und neun Jahre alt, leben mit ihrer schwachen und leicht verdrehten Mutter zusammen, die wenig Halt bietet. Der Vater, ein verkrachter Journalist, kümmert sich gelegentlich um die Töchter, bleibt aber ein ferner Held in ihren Augen.
Die schöne Sarah heiratet in noch jungen Jahren einen einfachen Mann und bekommt nach einander drei Söhne. Sie lebt friedlich und unbeschwert und scheint einigermaßen glücklich zu sein.
Emily, die Jüngere von beiden, lebt das interessantere Leben. Sie studiert Anglistik und entwickelt sich zu einer kritischen und aufgeweckten jungen Frau. Ihre Männergeschichten sind legendär und frustrierend. Nach einer kurzen Ehe mit einem neurotischen und intellektuellen Mann pendelt ihr Leben zwischen Vakuum und Aufregung.

Richard Yates versteht es, das Milieu der kleinen Leute mit ihrem Überdruss, der Langeweile und dem ewig gleichen Einerlei heraufzubeschwören. Illusionen zerplatzen, und der Alltag holt die Mutter der beiden Schwestern mit Alkohol und Wehleidigkeit ein. Bei Sara verkümmern mögliche gute Anlagen im Hausfrauendasein und in der Kinderaufzucht. Ohne wirkliche Anregung bleibt ihr Leben auf der Strecke.

Emilys Leben fesselt zunächst über lange Passagen mit der Hoffnung, dass ihr der Durchbruch aus der kleinen und engen Herkunft gelingen könnte. Sie wirkt stoisch, neugierig und zu immer neuen Anläufen für einen Lebenswechsel aufgelegt. Ob es ihr gelingen wird?
Neugierig und mit Anteilnahme folgt man den einzelnen Lebenswegen. Die Atmosphäre ist so realitätsnah ausgeleuchtet, dass man atemlos auf den Fortgang der Geschichte wartet.
Fast riecht man den muffigen Geruch in alten, abgenutzten Wohnräumen, hört den Straßenlärm, sitzt in unruhigen Kneipen und sehnt sich mit den Protagonisten nach einem Leben mit etwas Glück und Wohlbehagen.
Ungemein nahe am Leben schreibt Yates über die Menschen, mit denen er im Herzen mitfühlt, ohne die kritische Distanz bei der Analyse der Lebensverhältnisse aufzugeben.
In hervorragendem Ton naht er sich den Schicksalen, die am Ende immer trauriger und hoffnungsloser auf einen trostlosen Kulminationspunkt zusteuern. Mit den letzten Sätzen im Roman bezeugt Yates noch seine brillante Beobachtungsgabe, in dem er einen Charakterverfall dem stabilen Bild eines jungen Menschen gegenüber stellt.
Mit unbestechlichem Blick zeigt R. Yates eine Gesellschaft, in der Unabhängigkeit, Stärke und Schönheit über den Erfolg im Leben mit bestimmen. Insofern liefert er eine der vielen gelungenen Gesellschaftsstudien, mit denen sich besonders amerikanische Autoren Ruhm und Ehre erwerben.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schlicht erzählt, komplexe Aussage, 30. Mai 2013
Von 
Diethelm Thom - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Easter Parade: Roman (Kindle Edition)
Es klingt wie ein titanisches Unterfangen: das Leben einer Familie in New York und verschiedenen Orten an der amerikanischen Ostküste von den dreißiger Jahren bis in die Gegenwart der 80er darzustellen. Aber es gelingt Yates auf eine scheinbar mühelose Weise auf knapp dreihundert Seiten, denen man keinerlei Ambitioniertheit oder intellektuellen Krampf anmerkt.

Der Erzähler verfügt über die große Begabung, mit wenigen Pinselstrichen unverwechselbare Charaktere vor unser Auge zu stellen. Die Ereignisse einer langen Zeitspanne und die Personen werden oft in scheinbaren Kleinigkeiten, Details dargestellt, bis sie mehr und mehr ein eindringliches Gesamtbild ergeben. Der Erzähler gibt dabei kaum Erklärungen, er macht nur das Verhalten der Personen sichtbar. Dabei geht es ihm in erster Linie um die Frauen: die geschiedene, orientierungs- und haltlose Mutter Pookie, dann um die hübsche, ältere Tochter Sarah, dann zunehmend um die jüngere, intellektuellere Emily, die das besondere Interesse des Lesers zunächst deswegen beansprucht, weil sie der unglücklichere, gebrochenere Charakter zu sein scheint.

Scheint das Buch sich anfangs in den konventionellen Bahnen guter Unterhaltung zu bewegen und die Lesererwartungen zu bestätigen, so ändert sich das zunehmend: die Mutter entgleist ganz und gar, die anfangs so erfolgreiche und "positive" Sarah gerät in eine Ehe mit einem Mann, der sich als Schläger entpuppt, und Emily, die zunächst immer abseits stand, erweist sich dann als die Erfolgreiche, indem sie sich ökonomisch und sexuell emanzipiert und ein unabhängiges Leben führt.

Aber damit ist nicht das letzte Wort gesprochen. Yates' Größe zeigt sich darin, dass er die Dinge menschlich und mit tiefem Verständnis darstellt, gleichzeitig vorbehaltlos und ohne zu urteilen. Nicht nur Pookie und Sarah landen im Unglück und in Elend, sondern letztlich auch Emily, die ihr Leben doch gemeistert zu haben schien. Wir sehen sie am Schluss, wie sie ihre gut bezahlte Stelle verliert und nun als etwa 50Jährige von der Sozialhilfe abhängig ist und völlig in der Einsamkeit versinkt, schwankend zwischen Nicht-Verstehen und ganz am Ende so etwas wie Wut und Aufsässigkeit.
Man muss selbst zu verstehen versuchen, welche Muster diese Lebensläufe aufweisen und wieso letztlich alle misslingen. Dieses Verstehen ist besonders im Fall der Emily nicht leicht, aber es zeigt die Bedeutung dieses Romans, dass er den Leser dazu herausfordert.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gesellschaft Amerika, 14. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Easter Parade (Taschenbuch)
Als das Buch im Jahr 1930 begann, dachte ich nicht, dass ich nach 344 Seiten schon Anfang der 1970er sein würde. Ich war überrascht, wie schnell sich das Leben von Emily Grimes lesen ließ. Die sympathische Erzählerin des Romans hat aufregende Zeiten erlebt, einige Rückschläge hinnehmen müssen, sich aber niemals unterkriegen lassen. Yates hat hier das Leben zweier unterschiedlicher Schwestern erzählt, die in New York und Umgebung ihren Weg gehen.

Emily oder Emmy, wie sie auch genannt wird, kennzeichnet sich durch viele Männergeschichten aus, durch ihre forsche Art und die Wahrheiten, die sie oft ausspricht, wenn auch meist ein wenig zu spät. Es ist ein Buch von verpassten Möglichkeiten, von Entscheidungen und ihren Konsequenzen, von Familie und von Liebe wie auch Hass. Der Roman zeichnet sich auch durch seine gesellschaftskritischen Blickwinkel aus, die beide Schwestern in Ansätzen versuchen zu verschriftlichen.

Alle Figuren des Romans, selbst die, die nur kurz Erwähnung finden, sind durch Yates' markante Beschreibungen für den Leser greifbar. In den Momentaufnahmen spielen viele Details eine große Rolle und dennoch lässt das Buch Raum für viel Interpretation über die Entwicklungen, die die Charaktere machen. Obwohl ich am Ende des Buches keinerlei Fragen hatte, war mir unwohl dabei, Emmy und ihre Ideale zu verlassen. Ich hatte gar nicht bemerkt, wie sehr ich ihre Art zu schätzen gelernt hatte. Allein diese Tatsachen machen Easter Parade zu einem besonderen Buch, dass sich immer wieder lesen lässt. Aber auch die Beiträge zur Gesellschaft in Amerika, ihrer Eigenheiten und die verschiedensten Alltagssituationen der Figuren machen das Buch zu einer lohnenswerten Reise in die Vergangenheit.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausweglos und grandios, 26. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Easter Parade: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ausweglos ist die Situation der Protagonisten und auch fast aller Personen

in ihrem Umfeld. Mit entgegengesetzten Lebensentwürfen versuchen die beiden Schwestern der Oberflächlichkeit und Ruhelosigkeit ihrer Kindheit zu entkommen. Stück für Stück verlieren beide ihre Illusionen und die Hoffnung, dass ihr Leben noch gelingen könnte.

Grandios ist in diesem Buch die lakonische Sprache. Mit trockenen, zum Teil genial formuierten Sätzen zeichnet Yates seine Figuren und entlarvt sie gleichzeitig. Den vermeintlich großen Gefühlen und Idealen wird meist im gleichen Satz das Banale der Wirklichkeit gegenübergestellt. Übrig bleiben traurige Figuren, die sich selbst und der Welt verzweifelt vormachen, glücklich und erfolgreich zu sein.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Easter Parade ist vorüber, 3. Mai 2009
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Easter Parade (Taschenbuch)
Seit dem Film "Zeiten des Aufruhrs" mit Leonardo di Caprio und Cate Blanchett ist Yates plötzlich in Mode. Der zurückgezogen lebende amerikanische Autor, der bis zu seinem Tod im Jahre 1992 sieben Roman und zahlreiche Erzählungen verfasste, wird plötzlich gelesen wie niemals zuvor. Woran liegt das?
Yates hat in der Mitte des letzten Jahrhunderts in seinen Romanen gleichsam an einer Zeitenwende den endgültigen Zusammenbruch der bis dahin unhinterfragten sozialen Primärbeziehungen beschrieben. Mann und Frau, Eltern und Kinder, Ehe und Familie, Nachbarschaft und Beruf - all diese fest gefügten Fixsterne der traditionellen gesellschaftlichen Galaxis ( so etwa die beschauliche "Easter Parade" der begüterten Kreise nach dem Ostergrottesdienst durch die Straßen von New York ) begannen sich aufzulösen und in Ellipsen zu drehen, die keiner mehr so recht verstand. Plötzlich galt es die sozialen Rechnungen für die Liberalisierung und Emanzipation der modernen Gesellschaft zu bezahlen und keiner wusste so recht, wer und was hier am Werke war.
In unserer Gegenwart, knapp zwanzig Jahre nach Yates Tod, in der die Auflösungserscheinungen zum Normalfall des gesellschaftlichen Zusammenlebens geworden sind, ist es fast makaber zu lesen, wie ein Autor diesen Prozesse im Moment seines Entstehens mit geradezu prothetischer Kraft beschreibt.
Die Familie, anhand derer diese Auflösung der sozialen Kohäsion über nahezu ein ganzes Leben hinweg beschrieben wird, sind die Grimes, genau gesagt: "Pookie" Grimes, die etwas abgedrehte Mutter und ihre beiden Töchter Sarah und Emily, dazu am Rand auch Vater Grimes, in dem ein wenig von der Biographie des Autors selbst erkennbar wird. Nach der Scheidung der Eltern tingelt die Mutter mit ihren beiden Töchtern durch die verschiedenen Orte der Ostküste, immer auf der Suche nach Flair" und sozialem Aufstieg, doch ohne Erfolg, denn alle ihre Ambitionen scheitern kläglich. Sarah heiratet früh den schönen Mechaniker Tony und bekommt drei Söhne. Emily, die begabtere der beiden, die sogar mit einem Stipendium das College besucht und als die "brillante Schwester" gilt, macht eine Karriere als Werbtexterin und durchlebt nach einer ersten Kurzehe die Höhen und Tiefen des Singlelebens zu einer Zeit, als dies noch keineswegs der Standard war. Ihre Unschuld verliert sie an einen dahergelaufenen Soldaten im Park, ihre Partner sind entweder impotent (Andrew), unkreativ ( Jack ) oder - wenn sie sowohl potent als auch kreativ sind - dann lieben sie die arme Emily nicht (Howard) - kann man eine moderne weibliche Singleexistenz exemplarischer beschreiben? Die ältere Schwester Sarah aber hat es wahrscheinlich noch schlechter getroffen. Sie lebt in kläglichen Verhältnissen auf dem Land und wird von ihrem Mann, einem "Neandertaler", regelmäßig zusammen geschlagen, bis sie sich wie ihre immer durchgeknalltere Mutter - schließlich dem Alkohol ergibt und unter nicht ganz geklärten Umständen stirbt.
Das hört sich schrecklich und düster an, wird aber in einer solch kristallenen Klarheit erzählt, dass der Leser lange Zeit gar nicht glauben kann, dass alles ein derart desolates Ende nehmen wird. Doch je weiter der Roman voranschreitet, desto deutlicher wird die Schräge, auf der sich alle Menschen befinden und die sie oft kaum merklich, aber auf Dauer unentrinnbar abwärts zieht. Langsam und unerbittlich entwickelt der Autor seine Geschichte seiner Figuren, deren Geschick sich wie eine Krankheit entfaltet, deren Keim sie schon seit in ihrer Jugend in sich tragen. Ein inhaltliches, formales und sprachliches Meisterwerk, das ich von der ersten bis zur letzten Seite in atemloser Spannung gelesen habe. Meiner Ansicht einer der exemplarischen Romane der gesellschaftlichen Gegenwart und die kongeniale Ergänzung zu "Zeiten des Aufruhs".
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Easter Parade
Easter Parade von Richard Yates (Taschenbuch - 1. Dezember 2008)
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