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20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannender Kriminalroman eingebettet in Inspirationen über das physikalische Zeitphänomen
Julia Zeh ist eine der erfolgreichsten jungen deutschen Schriftstellerinnen, ein wahrer Star der Literaturszene. Sie ist Juristin und diplomierte Literatin am Literaturinstitut in Leipzig. Ihre bisherigen Romane "Alles auf dem Rasen"(s.auch meine Rezension 18.04.06), "Adler und Engel" und "Spieltrieb" kamen beim Lesepublikum sehr gut an und wurden darüber hinaus...
Veröffentlicht am 6. März 2008 von Carl-heinrich Bock

versus
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Etwas zu skurril
Dies war mein erstes Julie-Zeh-Buch und wird wohl vorerst auch mein letztes bleiben. Es war nicht so schlecht, dass man es weggelegt hätte, aber so wirkliche Freude ist beim Lesen nicht aufgekommen. Vor allem das Ende brachte einiges an Ernüchterung.

Anerkennenswert ist, mit welcher Akribie Julie Zeh sich hier mit physikalischen und philosophischen...
Vor 6 Monaten von Amazon Customer veröffentlicht


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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Etwas zu skurril, 3. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Schilf (Kindle Edition)
Dies war mein erstes Julie-Zeh-Buch und wird wohl vorerst auch mein letztes bleiben. Es war nicht so schlecht, dass man es weggelegt hätte, aber so wirkliche Freude ist beim Lesen nicht aufgekommen. Vor allem das Ende brachte einiges an Ernüchterung.

Anerkennenswert ist, mit welcher Akribie Julie Zeh sich hier mit physikalischen und philosophischen Theorie auseinandersetzt und die Protagonisten hierüber diskutieren oder sinnieren lässt. Das liefert durchaus Stoff für eine spannende Geschichte.

Ein riesiges Manko an diesem Buch - und hier muss man wohl einfach Julie Zehs Stil mögen - ist die blumige, metaphern-überladene Sprache, die Julie Zeh verwendet (Laternen tragen z.B. "Röcke aus Licht" usw.). In diesem Stil wird dann oft über Seiten hinweg eine Szene oder manchmal einfach nur Nebensächlichkeiten beschrieben. Ich kann zu diesem Stil einfach keine Verbindung aufbauen, daher hat mich das an diesem Buch etwas befremdet. Als ich dann noch gelesen habe, dass Julie Zeh in einem Interview sagte, dass sie ursprünglich viel mehr Metaphern verwenden wollte, war das ein weiterer Beleg dafür, erst mal keine Julie-Zeh-Bücher mehr zu lesen.

Der Krimi-Aspekt des Romans ist prinzipiell eher nebensächlich. Es ist sofort klar, wer der Mörder ist - aber das ist auch nicht der Anspruch des Buchs. Es geht eher um die erwähnten physikalischen und philosophischen Fragen und damit verbundene Gedankenspiele. Ganz nach dem Namen eines der Kapitel des Buches entscheidet am Ende der innere Richter, also die eigenen Moralvorstellungen, wen welche Schuld am Geschehen im Buch trifft. Das heißt, wenn man denn das Ende und die Bedeutung der Schlussszene durchschaut hat, was mir bisher nicht gelungen ist.

Fazit: Ein etwas zu skurriles Buch, dessen blumigen Stil man mögen muss. Das Krimi-Setting dient nur als Aufhänger für die Beschäftigung mit philosophisch-physikalischen Fragen. Ich würde es nicht noch mal lesen.
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20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannender Kriminalroman eingebettet in Inspirationen über das physikalische Zeitphänomen, 6. März 2008
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Schilf (Gebundene Ausgabe)
Julia Zeh ist eine der erfolgreichsten jungen deutschen Schriftstellerinnen, ein wahrer Star der Literaturszene. Sie ist Juristin und diplomierte Literatin am Literaturinstitut in Leipzig. Ihre bisherigen Romane "Alles auf dem Rasen"(s.auch meine Rezension 18.04.06), "Adler und Engel" und "Spieltrieb" kamen beim Lesepublikum sehr gut an und wurden darüber hinaus mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Jetzt hat sie mit "Schilf" ihren vierten Roman veröffentlicht.

Dem Roman ist ein viel sagendes Motto voran gestellt, nämlich: "Wenige Menschen beherrschen die Kunst, sich vor den richtigen Dingen zu fürchten."

Im Zentrum des Romans stehen Sebastian und Oskar, Physiker, die seit ihrer gemeinsamen Studienzeit Freunde sind. Es war eine sehr innige Freundschaft, die aber auf Grund der Tatsache, dass beide unterschiedliche Prioritäten in ihren Lebenserwartungen setzten, mit den Jahren in Bedrängnis gekommen ist.

Sebastian, Professor in Freiburg, hat Maike geheiratet, einen Sohn gezeugt und den biederen "Familienweg" eingeschlagen. Oskar arbeitet in Genf, am weltweit wohl größten "Teilchenbeschleuniger". Er führt ein eher dandyhaftes Junggesellenleben.

Sebastian gerät in eine bizarre Geschichte. Sein Sohn wird auf dem Weg in ein Feriencamp, an einer Rasstätte entführt, oder vielleicht auch doch nicht entführt? Für die Freilassung verlangen die vermeintlichen Kidnapper verlangen von Sebastian einen Mord. Er begeht in der Folge diesen Mord und muss anschließend zu seinem großen Entsetzen feststellen, dass er Opfer einer Phantasmagorie geworden ist. Was ist Halluzination, was ist Wirklichkeit? Mit diesen Fragen wird nun das ganze Personal des Romans beschäftigt.

Die Ermittlungen nimmt der alternde Kommissar Schilf auf. Er leidet unter einem Tumor und löst hier möglicherweise seinen letzten Fall. Er macht sich genau so, wie der aufmerksame Leser, seine Gedanken, ob es sich hier um ein Verbrechen handelt oder ob den Täter in Wirklichkeit gar keine Schuld trifft. Vor Gericht, nach dem Buchstaben des Gesetzes, müsste Sebastian für seine Tat verurteilt werden, aber vermutlich haben die Leser wie auch der Kommissar mitfühlendes Verständnis für seine Handlungsweise. Reflektierend bezeichnet Schilf bezeichnet Reflektionen einmal als auf tragische Weise "Unschuldigen" oder "unschuldig Schuldigen". Er redet auch vom inneren Richter" als der einzigen Instanz, die den Täter wirklich moralisch entlasten kann. Mit dem Bauchgefühl auf solche Vorfälle zu reagieren, ist eigentlich für einen landläufigen Kommissar ungewöhnlich.

Der Plot ist spannend und wird auch am Ende einer Lösung zugeführt, doch der Handlungsstrang fällt dem physikalisch weltanschaulichen Disput der beiden Physiker zum Opfer. Es geht um die "Viele - Welten - Interpretation", eine Theorie, die Sebastian vertritt. Dem mathematischen Formalismus der Quantenmechanik wird diese Theorie zugeordnet die besagt, dass bei jeder, wie auch immer gearteten Entscheidung, als Gegenpol ein weiteres Universum entsteht, wo das Gegenteil von dem passiert was wir erleben. Oskar der Hardliner, erträgt diese esoterische Theorie nicht und wirft Sebastian Eigeninteresse vor, weil er sich davor drückt, in einem Universum zu leben, in dem er auch Verantwortung für seine Taten übernehmen muss. Mit anderen Worten, das "Konstruieren von imaginären Rechtfertigungswelten", mit Hilfe physikalischer Gesetzmäßigkeiten, lehnt er kategorisch ab. Doch Oskar ist in seinem Wesen ausgesprochen ambivalent.Wenn es um seinen Freund Sebastian geht dann zieht er sich auf diese moralische Position zurück, wenn es um seine ureigenen Belange geht, dann wird er zum ästhetischen Amorlisten. Ziel der ganzen Gedankenspielereien ist es scheinbar Oskar mit seiner eigenen Scheinheiligkeit zu konfrontieren, den Finger in die offene Wunde Widerspruch zu legen.

Neben der eingebetteten Kriminalgeschichte, die eigentlich hart gesottene Krimileser enttäuschen muss, prallen mit den beiden Protagonisten nicht nur physikalische Welten und moralische Fragen vehement aufeinander, sondern es treffen auch zwei Weltanschauungen aufeinander, nämlich wie wir unser Leben führen wollen, entweder beeinflusst durch intuitive Bauchentscheidungen oder vornehmend durch rationale Kopfentscheidungen. Auf der einen Seite haben wir in Sebastian den eher gefühlsmäßig orientierten Menschen, auf der anderen Seite Oskar, den scheinbar souveränen Rationalisten, der zum Schluss unter Druck gerät.

Das Buch hat somit zwei unterschiedliche Erzählebenen, eine für den Krimileser, die andere für den Liebhaber komplizierter zeitgenössischer, deutscher Literatur. Das eine Ende bemüht sich den Plot stimmig abzuschließen damit die Belange des Krimifans zufrieden stellend bedient werden. Das andere Ende findet auf einer abstrakteren Ebene statt, nämlich in der widersprüchlichen Welt unserer Empfindungen, bei der Frage nach der Moral und unserer Einstellung zur Welt und zum Leben, wobei es zu keiner wirklich überzeugenden Auflösung kommt. Ohne Frage ist die zweite Ebene in der Betrachtungsweise faszinierend, und von der Autorin psychologisch geschickt konzipiert.

Mit viel Philosophie, viel Physik, ohne Langeweile, immer ereignisvoll, treibt Julia Zeh das Szenario des Mordes hintergründig, scharfsinnig, hintersinnig, rasant und gescheit bis zum absurden Finish. Ich kann dieses Buch mit Nachdruck empfehlen.
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36 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sprachgewaltiger Genuss, 23. August 2009
Von 
Regenfisch - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Schilf: Roman (Taschenbuch)
Mit "Schilf" ist Juli Zeh eine einzigartige Kombination gelungen: einmaliger Sprachgenuss, eine spannende Handlung sowie das Philosphieren über physikalische Phänomene. Genial!
Im Mittelpunkt der Handlung stehen außergewöhnliche Protagonisten:
Sebastian, ein Physiker und Anhänger der Viele-Welten-Theorie, die besagt, dass zu einer getroffenen Entscheidung in einer Parallelwelt die Gegenhandlung existiert; Familienvater und bester Freund von
Oskar, ein snobistisch angehauchter Studienfreund Sebastians, dessen Ziel es ist, die Theory of everything zu beweisen, besessen von der Teilchenphysik und von der Liebe zu Sebastian.
Während der Studienzeit verbindet die beiden Männer eine innige Freundschaft, aus der sich Sebastian löst-zugunsten von Maike, mit ihr gelingt ihm ein bürgerliches Leben. Liam, der gemeinsame Sohn, ersetzt die Lücke, die Oskar hinterlassen hat und ist Sebastians ein und alles.
Auf dem Weg zum Ferienlager wird Liam entführt. Die Bedingung zu seiner Freilassung ist ein Mord, den Sebastian begehen soll. Maikes bester Freund, "Dabbeling, muss weg".
Sebastian plant und vollführt diesen Mord und nun kommt Kommissar Schilf ins Spiel. Auf dem Weg zum Tatort liest Schilf ein Essay Sebastians in einer Zeitschrift und ist von seiner Gedankenwelt fasziniert. Schilf versteht Sebastian, den Mörder, und versucht ihn zu retten.
Nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich ist dieses Buch ein Genuss. Ich habe die wunderbare Sprache Zehs aufgesogen und Wort für Wort genossen. Der Leser hat den Eindruck, dass keine Passage einfach nur geschrieben ist, sondern komponiert wurde.
Trotzdem habe ich nur vier Sterne verteilt, weil nach einem sehr gelungenem Anfang und einem genialen Schluss der Mittelteil unnötige Längen aufweist und für meinen Geschmack zu wenige Dialoge enthält. Dadurch gerät die Handlung etwas ins Stocken.
Ich kann das Buch jedem empfehlen, der Bücher nicht nur runterlesen, sondern nachspüren und verinnerlichen will.
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35 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierend inszeniert!, 5. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Schilf (Gebundene Ausgabe)
"Schilf" ist ein eigenartiges Buch, einerseits Krimi, andererseits äusserst anregende Literatur. Für einen Krimi hat das Buch wahrscheinlich ein zu langsames Tempo, die "reinen" Literaturfreunde stört wahrscheinlich der Krimiplot.
Wie auch immer: "Schilf" ist ein grossartiges Buch.
Was die besondere Stärke von Schilf ausmacht; das ist die wunderschön faszinierend inszenierte Entwicklung der Handlung, da stimmt jedes Detail, jede Wendung ist durchdacht, streckenweise wahrscheinlich bewusst überinszeniert. Juli Zeh schreibt eine besonders feine und schöne Prosa, die ich schon in "Adler und Engel" und "Spieltrieb" bewundert habe. Ein Buch, bei dem man traurig ist, daß die letzte Seite immer näher kommt.
"Schilf" reiht sich, obwohl auf ganz andere Art gemacht, in die Reihe der psychologisch grossen Suspense Bücher von z. B. Georges Simenon und Patricia Highsmith (die ich beide sehr schätze) ein.
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29 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Parallelgesellschaft, 23. Juni 2008
Von 
Daggi - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Schilf (Gebundene Ausgabe)
Sehe, dass die Meinungen zu diesem Buch stark auseinandergehen. Den einen ist es zu schwer lesbar und zu wenig Krimi, den anderen ist die dimensionslose Größe Zeit nicht hinreichend genug erklärt (als ob das ein einzelnes Buch leisten könnte). Mir gefällt "Schilf" ausgesprochen gut, es hat mich gefesselt und auch meinen Intellekt befriedet, es hat mich mitfühlen und mitleiden lassen.

Ich finde, dass Juli Zeh die äußerst unterschiedlichen Charaktere ihrer Hauptpersonen wahnsinnig gut herausarbeitet. Mich fasziniert ihr Stil, den ich poesievoll, aber nicht abgedroschen nennen möchte. Mir gefällt ihre bildreiche Sprache und Passagen, wie "Die Scheinwerfer eines Autos reißen eine Handvoll Bäume an sich und schleudern sie gleich darauf zurück in die Dunkelheit. Schattenpartisanen huschen über das Gras" kann ich mir sehr gut vorstellen.

Absolut beklemmend die Entwicklung ihrer Geschichte als Entführungsfall verbunden mit einem Mord, der nie begangen werden sollte. Die Personen - angefangen bei Sebastian, dem aparten Physiker mit Familie (Maike und Liam), der die Viele-Welten-Theorie vertritt, über Oskar, dem arroganten Großphysiker aus Genf, der an der Teilchenbeschleunigung arbeitet (durchaus als Mephisto zu sehen), über Rita (ob)Skura, der grobschlächtigen Polizeibeamtin, bis zu Schilf, dem totgeweihten Kommissar, sind sehr detailliert beschrieben. M.E hat Juli Zeh eine sehr genaue Beobachtungsgabe und ein erstaunliches Vermögen, sich in andere hineinzuversetzen.

Es ist sehr spannend zu lesen, dass der Mörder einmal nicht nur gejagt und der Fall auf 380 Seiten gelöst wird, sondern dass es um ein Hineinfühlen dessen geht, was Gefühle, Erwartungen und Enttäuschung aulösen können. Für Sebastian verwandelt sich das Paralleluniversum in eine Parallelgesellschaft. Dummheit, Hysterie und Heuchelei regieren und verwandeln das Leben in ein Karussell.
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35 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sprachgewaltig, 14. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Schilf (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch, das sich wohltuend aus der Masse abhebt, mit absolutem Wiedererkennungswert. Es wird als Kriminalgeschichte verkauft. Das hat mich eher abgeschreckt - aber einen Krimi mit den Guten und Bösen und den typischen Klischees erwartet einen Gott sei dank dann doch nicht. Das zeigt sich schon auf der ersten Seite. Ein Einstieg in die Geschichte wie im Intro eines Films. Vielleicht am ehesten vergleichbar mit dem segelnden Blatt in Forrest Gump.

Juli Zeh schreibt unglaublich wortgewaltig. Sie lässt nicht nur Bilder im Kopf entstehen, sie gibt mit ihren brillianten Formulierungen immer neue Anregungen. Es gibt etliche Stellen, die man mehrmals und gerne liest, weil sie treffsicher formuliert sind wie in einem journalistischen Kommentar.

Manche mögen sich an der Verspieltheit der Sprache stören, aber das macht diesen Roman eben auch so betörend und verstörend zugleich: Sie beschreibt ganz banale Dinge, die schon hundertfach beschrieben wurde, aus einer ganz anderen Sicht. Beispiele gefällig?
- "Die Scheinwerfer eines Autos reißen eine Handvoll Bäume an sich und schleudern sie gleich darauf zurück in die Dunkelheit."
- "Um die Laterne, die noch immer nicht brennt, tanzt eine Wolke Mücken, offenbar angezogen von der bloßen Erinnerung an Licht."
- "Eine vorbeiziehende Wolke fegt die Helligkeit von den Fassaden."

Juli Zeh gibt den Blick auf die Möglichkeiten der Sprache, der Gewaltigkeit der Worte. Mich hat es so beeindruckt, dass ich es weiter verschenke: Wer viel und gerne liest, wird sich an dem Buch erfreuen.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Pseudointellektuelles Kammerspiel, 15. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Schilf: Roman (Taschenbuch)
Ich war von diesem Buch ziemlich enttäuscht. Meiner Meinung nach hat die Autorin das Potential, dass das Thema der parallelen Universen bietet, nicht ansatzweise ausgenutzt.
Über weite Teile ergießt sich der Text in pesudointellektuelle Gedankenmonologe, für die auch 10 Seiten ausgereicht hätten. Die Quintessenz des ganzen ist im Grunde, dass Zufall nicht exisitert und alles geschehen kann, das theoretisch denkbar ist. Diese Erkenntnis haut mich nun wirklich nicht aus den Socken. Die Kriminalgeschichte ist enttäuschend banal und hat mit dem Thema Physik und Paralleluniversen nur marginal etwas zu tun.
Die langatmige Handlung endet mit einem enttäuschenden und unglaubwürdigen Schluss. Von mir keine Kaufempfehlung für dieses Buch.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen ein Krimi spielt mit Raum und Zeit, 10. Dezember 2007
Von 
Rezension bezieht sich auf: Schilf (Gebundene Ausgabe)
Julie Zeh - hatte ich noch nie gehört. Krimi - lese ich zu gerne, zumal dieser laut Klappentext schon etwas anspruchsvoller sein soll.

Oskar und Sebastian, 2 geniale Physiker, sind seit Studienzeiten einander zugeneigt, wie weit, ob sie nun ein Paar waren oder ob alles nur rein theoretisch sich sozusagen in den Köpfen der beiden abspielte, bleibt der Phantasie überlassen. Und das ist das Schöne an diesem Buch: der Phantasie des Lesers wird viel Raum gegeben. Man kann gedanklich mitphilosophieren, denn bestimmt hat manch einer sich schon mal Gedanken über die Zeit und unsere Wahrnehmung derselben und unserer Realität gemacht. Kein geringerer als Einstein hat die Wahrnehmung der Zeit als eine lineare in Frage gestellt. Kann also alles gleichzeitig ablaufen? Gibt es dann zwangsläufig Parallelwelten?

Zwischendrin gibt's einen Toten, 2 Kommissare, wobei ich Rita Skura schon ganz gut getroffen fand, und der Name Schnurpfeil hat mir gut gefallen. Der Fall ist für den Leser ziemlich offensichtlich, und zwar von Beginn an, also baut sich nicht wirklich eine echte Spannung auf. Spannend ist hier, wie Zeh den Mord in ihren theoretischen Überbau einflechtet.

Interessante Fragestellungen werden aufgeworfen, die über das gängige Opfer-Täter-Milieu hinausgehen. Wer ist hier Opfer und wer Täter? Kann man überhaupt so pauschal urteilen oder muss man nicht zwangsläufig jeden Menschen in seinem ganz persönlichen Lebenszusammenhang sehen und Für und Wider - auch in einem Mordfall - sorgfältig gegeneinander abwägen?

Zeh lässt Oskar sagen, Sebastian sei über eine Mauer gesprungen und finde nun den Weg zurück nicht mehr, er dagegen bildet sich ein, sein Leben völlig im Griff zu haben. Aber bricht er nicht genauso mit seiner Theorie und zerbricht daran? Sie sehen, ich finde das Buch unterhaltsam und intelligent, daher würde ich es - wenn auch nur für spezielle Leser - empfehlen.
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27 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Figuren ohne Leben, 6. November 2007
Von 
H. P. Roentgen - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Schilf (Gebundene Ausgabe)
Oskar und Sebastian studieren Physik. Aber sie haben noch mehr gemeinsam. Schon im Studium sind sie genial und das wissen sie. Auf die anderen Menschen schauen sie voll Verachtung, ihr Leben haben sie der Physik gewidmet. In Freiburg laufen sie immer gemeinsam durch die Strassen.

Oskar ist der Genialste der Beiden, Sebastian entdeckt irgendwann ein anderes Leben neben der Physik, heiratet und bekommt einen Sohn. Für Oskar ist das Verrat, obendrein vertritt Sebastian auch noch die häretische Idee der vielen Welten, statt der einen Weltformel nachzulaufen, an der Oskar bastelt. Dann wird Sebastians Sohn entführt und der Vater erpresst. Auf dem Schauinsland wird ein Radfahrer geköpft und nun schaltet sich die Kripo ein in Form der Kommissarin Rita Skura, die ihre Fälle löst, in dem sie immer das Gegenteil tut von dem, was ihr die Intuition sagt. Ihre Erfolge sind legendär. Aus Stuttgart wird ihr ein Kommissar vorgesetzt, ein Herr Schilf, mit einem Gehirntumor und ebenfalls ganz eigenen Ermittlungsmethoden.

Klingt das interessant? Ja. Das ist es am Anfang auch. Doch leider bleiben die Figuren im Buch stecken, sie entwickeln sich nicht nur nicht, sie verblassen sogar. Irgendwann verwandeln sie sich in Pappkameraden, die nicht leben und sterben können, warum sie etwas tun oder nicht tun, bleibt dem Leser verborgen und interessiert irgendwann dann auch nicht mehr.

Auch die Physik, dieser Glaubenskrieg zwischen dem Deterministen und den Multi-Kulti-Universen kommt kaum zum Zuge. Was da verhandelt wird, ist einfach zu dünn, nützt die Möglichkeiten dieser Theorien nicht aus und bleibt so ebenfalls blass.

Da fehlt genau das, was Juli Zehs Schreiben sonst so gut macht: Die Lebendigkeit. Die hat aus "Adler und Engel" einen Pageturner gemacht, durch diese lesen sich ihre Essays so leicht ohne flach zu sein.

Doch in „Schilf“ fehlt genau das. Dass ihre Figuren, dass die verhandelten Theorien leben. So wird das Buch, das sich anfänglich leicht liest, immer schwerer genießbar, immer schneller legt man es aus der Hand und ich muss mich outen: Ich habe nach 300 der 383 Seiten entgültig aufgegeben.

Bleibt zu hoffen, dass die Autorin beim nächsten Buch ihre Lebendigkeit wiedergewinnt und ihre Figuren von der Leine lässt.

(C) Hans Peter Roentgen
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36 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wogendes Schilf, 4. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Schilf (Gebundene Ausgabe)
Juli Zeh hat über Zeit, Zufall und Vielweltentheorie gelesen, geschrieben und, weil sie eine fantastische Schriftstellerin ist, einen Krimi draus gemacht.

Das hat durchaus volksbildnerischen Charakter, wenn auch die im Klappentext versprochene Aufklärung über das physikalische Phänomen der Zeit ausbleibt. Mir jedenfalls ist die Zeit seit dem Lesen dieses Buches nicht viel klarer als vorher: sie vergeht mir immer noch zu rasch, ich könnte immer noch mehr davon brauchen, und ich bin immer noch in dem einen uralten Universum, in dem auch ich immer älter werde. Und alle Versuche, in eine anderes zu flüchten, sind bisher bei mir gescheitert. Also erhoffen Sie sich hier keine brauchbaren Anleitungen, auch dann nicht, wenn Sie PhysikerIn sein sollten.

Das bringt auch erhebliche Spannungsmomente, denn die Autorin hat ein zielsicheres Augenmaß beim Umgang mit Information. Sie gibt immer um jenen kleinen Betrag weniger davon her, als man brauchen würde, um sich bequem zurückzulehnen. Das ist Handwerk bester Qualität, das erzeugt genau das, was wohl viele Krimileser schätzen - das gewisse Kribbeln eben.

Sie schreibt auch flüssig, inszeniert die Handlung blendend und vor allem sehr bilderreich. Das tut der Fantasie gut, da malen sich die eigenen Bilder wie von selbst dazu. Bloß beginnt die Geschichte hier doch etwas üppig dahinzuwogen. Und das Barock liegt nun einmal schon etwas länger zurück. Das passt nicht mehr so ganz. Was soll mit dieser wallenden Ornamentik wohl zugedeckt werden?

Bleibt der Zufall, der Rettungsanker aller Krimi-Schriftsteller. Wobei die die schöne Rechtfertigung haben, dass der Zufall in der rauhen Wirklichkeit oft noch verrückter spielt, als man es ihm in der Fantasie zubilligen möchte. Die positivistische Sicht von Murphy's Law: Was möglich ist, geschieht. Wie wahr. Wenn es allerdings ein so, na ja, sagen wir vorsichtig (auch, um nicht zuviel zu verraten): überraschend einfacher Zufall ist, der den alles sperrenden Schlüssel zur Geschichte zugewiesen bekommt, dann, ja dann fühle ich mich doch ein bisschen, ein ganz kleines bisschen, wirklich nur ganz wenig, aber halt doch - enttäuscht. Und das ist schade. Das hat diese Autorin eigentlich nicht nötig. Und wir, die LeserInnen, haben es nicht verdient.
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Schilf: Roman
Schilf: Roman von Juli Zeh (Taschenbuch - 6. April 2009)
EUR 9,99
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