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24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kritische Bestandsaufnahme
Juli Zeh ist eine der erfolgreichsten jungen Schriftstellerinnen ihrer Generationund ein wahrer Star der Literaturszene. Sie ist Juristin und diplomierte Literatin am Literaturinstitut in Leipzig. Sie ist als Meinungsmacherin gefragt, weil sie einen hohen Lesedrang und ein hohes Sendebewusstsein hat.

"Alles auf dem Rasen" hat mit Fußball und der...
Veröffentlicht am 18. April 2006 von Carl-heinrich Bock

versus
25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sehr gewollte Gesellschafts- und Zeitkritik
Juli Zeh zählt gewiss zu den wenigen viel versprechenden Persönlichkeiten hohen Ranges, die derzeit auf dem deutschen Buchmarkt - zwischen allfälliger Pop-Literatur und der x-ten Biographie von sonstwem - selten genug sind. Zehs Talent ist ein ausgesprochen gewitzter, frecher, ja, schonungsloser Umgang mit der deutschen Sprache. "Schonungslos" ist dabei in...
Veröffentlicht am 4. August 2006 von A. Wolf


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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sehr gewollte Gesellschafts- und Zeitkritik, 4. August 2006
Von 
A. Wolf (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Alles auf dem Rasen (Taschenbuch)
Juli Zeh zählt gewiss zu den wenigen viel versprechenden Persönlichkeiten hohen Ranges, die derzeit auf dem deutschen Buchmarkt - zwischen allfälliger Pop-Literatur und der x-ten Biographie von sonstwem - selten genug sind. Zehs Talent ist ein ausgesprochen gewitzter, frecher, ja, schonungsloser Umgang mit der deutschen Sprache. "Schonungslos" ist dabei in der gesamten breiten Palette der Konnotate dieses Wortes zu verstehen. An mancher Stelle entzündet Zeh ein wahres Feuerwerk an Sprachkunst, das - wenn man inhaltlich auch nicht immer zustimmen mag - allein um der Sprachkunst Willen als à la bonne heure zu bezeichnen ist.

Doch was als freche, schonungslose Bestandsaufnahme daherkommt, ist schon ein bisschen zu sehr mit diesen Attributen in der Verpackung angepriesen. Und das stört. Zwar versteht man in den prosaischen Beiträgen durchweg, anders als in "Spieltrieb", worum es der Autorin geht, aber in "Alles auf dem Rasen" dringt diese bewusst zu erzielende Wirkung ein bisschen zu stark hervor. In manchen Fällen wird der Leser nicht mehr zum Nachdenken angeregt, wird entweder seiner Autonomie, einen eigenen Zugang zu den Themen zu entwickeln, beraubt oder steht etwas neben dem ganzen inhaltlichen Geschehen, weil Zeh an der ein oder anderen Stelle leider doch mehr frech-frivole Worthülsen als tiefer greifende Auseinandersetzung liefert. An diesen Stellen scheint Zeh das Banale sprachartistisch als beutungsvoll verkaufen zu wollen - Prädikat "made by Zeh".

Fazit: In vielen "Essays" (Kurzgeschichten wäre hier und da eine bessere Bezeichnung) erweist sich das Ganze als sprachlich beeindruckend, intellektuell spitzfindig und somit überaus lesenswert. In anderen Fällen ist das Produkt einfach nur metaphernreich, aber inhaltsleer. Oder intellektuell, aber ohne Seele.

Viele der Essays/Kurzgeschichten sind bereits veröffentlicht worden - das ein oder andere wird man kennen. Das qualitative Leistungsgefälle erschöpft dabei die Skala von 1-10.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Amüsant, aber vieles ziemlich banal, 24. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Alles auf dem Rasen (Taschenbuch)
Sie sind leicht und gut zu lesen, diese Artikel. Essays möchte ich nicht sagen, dafür werden die Themen zu kurz (und zu oberflächlich?) abgehandelt. Es sind amüsante Geschichten, die einem jedoch nur eine Welt zeigen, die man schon kennt. Man schmunzelt machmal und man erkennt sich auch oft wieder, aber was ist eigentlich der Sinn? Mir fiel beim Lesen immer wieder Horst Evers ein. Und der macht das dann doch besser.
Angetan von ihrer Literatur hatte ich mir hier mehr erwartet. 3 Sterne für den amüsant-Faktor.
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24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kritische Bestandsaufnahme, 18. April 2006
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Alles auf dem Rasen (Taschenbuch)
Juli Zeh ist eine der erfolgreichsten jungen Schriftstellerinnen ihrer Generationund ein wahrer Star der Literaturszene. Sie ist Juristin und diplomierte Literatin am Literaturinstitut in Leipzig. Sie ist als Meinungsmacherin gefragt, weil sie einen hohen Lesedrang und ein hohes Sendebewusstsein hat.

"Alles auf dem Rasen" hat mit Fußball und der bevorstehenden WM nichts zu tun, sondern es ist eine Sammlung ihrer Artikel und Essays zu Politik, Literatur und Gesellschaft.

Juli Zeh berichtet über die Gefühlslage im wachsenden Europa, von den einstigen Kriegsschauplätzen in Kosovo, weiter Themen sind Beiträge zu Recht, Literatur, Politik, Pornografie, Liebe, Globalisierung, Kapital, Generationenvertrag, Kanzlerinnenfrage und Beziehungsmodelle.

Das sind die interessante n Themen über die sie humorvoll, hintergründig, hintersinnig und gescheit schreibt. Nehmen wir die Kanzlerfrage. Juli Zeh findet die Frage ob Mann oder Frau eine extrem verwaltete Auffassung, so macht sie die Kanzlerin zum Neutrum, sagt das Merkel. Sachthemen sind nach ihrer Meinung wesentlich wichtiger als das biologische Geschlecht.

Sieht sie sich in ihrem Bekannten- und Freundeskreis um, dann muss sie feststellen, dass Frauen in ihrem Alter mit akademischem Abschluss unverheiratet und kinderlos sind. Die Kinderlosigkeit sieht sie in diesem Zusammenhang in dem Wunsch begründet, sich beruflich in vollem Umfang verwirklichen zu können, gepaart mit der enormen Angst, das eigenen Leben nicht unter Kontrolle zu bringen.

Partei- und Politikverdrossenheit sieht sie bei ihrer Generation generell auch nicht. Die Menschen sind nicht unpolitisch, sondern sie bilden sich sehr dezidierte Meinungen. Ihre Auffassungen finden sie jedoch nicht nur in einer Partei, sondern verteilt über alle Parteien wieder. Ihre Wählerstimme würden sie so am liebsten geviertelt abgeben.

Schließlich geht sie in einem interessanten Beitrag auf das Thema Partnerschaft ein. Viele Freunde und Freundinnen in ihrem Umkreis pochen in der Partnerschaft vordergründig auf Unabhängigkeit. Ich lebe mein Leben", diese Einstellung findet die Autorin gar nicht erstrebenswert. Sie spricht sich bewusst für die symbiotische Liebe aus, dass es nicht Schöneres gibt als den anderen zu brauchen. Der extreme Freiheitsdrang in den Beziehungen ist die Gegenreaktion auf ein stark verregeltes, institutionalisiertes Beziehungsmodell, aus dem man aus gesellschaftlichen Gründen nicht ausbrechen". Eine Ehe auf Lebenszeit war out, die Gegenbewegung ist die Lebensabschnittspartnerschaft. Die Menschen, die dieses Modell praktizieren sind überhaupt nicht so glücklich, wie sie vorgeben. Diese sehr freiheitlichen Beziehungen werden auch von Verlustängsten geplagt, denn so unabhängig man selber ist, will auch der andere sein. Und wenn Angst in der Beziehung eine Rolle spielt, das zerbröselt die Fundation.

Für Juli Zeh gibt es allerdings nichts Besseres als eine solide gegenseitige Abhängigkeit. Ihr romantisches Modell ist eine längerfristige Beziehung, wo sich zwei Menschen zwar unabhängig voneinander verwirklichen können, wo beziehungsintern Strukturen aufgebaut werden, wo man sich aufeinander verlasen kann. Die Sicherheit, dass der Partner auch morgen noch da ist, gibt Freiheit und Stärke. Die Autorin fühlt sich ganz wohl mit dem Gefühl, jemand zu brauchen und von jemand gebraucht zu werden.

Diese und viele weitere interessante Beiträge finden sich in dieser zeitgenössischen Bestandsaufnahme. Es gibt unwahrscheinlich viele Reflexionsebenen in diesem Brevier. Eine klare Sprache. Viel Philosophie, keine Langeweile, immer ereignisvoll. Ein Buch das ich mit Nachdruck und Leidenschaft empfehlen kann.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Juli Zeh, 7. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Alles auf dem Rasen (Taschenbuch)
Ein typischer Juli Zeh Roman- Kein Roman (versch. Erzählungen). Literarisch sicher eine Höchstleistung, lesen sich die Erzählungen gut. Über den Inhalt lassen sich wunderbar Diskussionen führen; man kann über diese Themen reden und nachdenken. Keine Lektüre für Kaffee und Kuchen, sondern eher für Wein und ?
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3.0 von 5 Sternen Gute Beobachtungen vs. feuil­le­to­nis­tischer Stil und wenig Argumente, 7. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Alles auf dem Rasen (Taschenbuch)
Was mir bei Juli Zeh gefällt, ist, dass sie in vielen ihrer Essays und auch anderen Büchern rhetorische Redewendungen aus der Politik und den alltäglichen Debatten auseinandernimmt - z.B. in der Debatte um Freiheit vs. Sicherheit. Außerdem gefällt mir, dass sie aufgrund ihres relativ jungen Alters, die Sichtweise, Lebenswelt und auch Sprache der jüngeren Menschen reflektiert. Anders gesagt: Es handelt sich in ihren Essays nicht um theoretisch-abstrakt-akademische Überlegungen über Gesellschaft und Politik, sondern um Reflexionen, die ihren Ausgangspunkt in der Alltagswelt haben. Was mir allerdings bei den im Buch "Alles auf dem Rasen" versammelten Essays missfällt, ist, dass diese Essays in einem allzu feuil­le­to­nis­tischen Stil formuliert sind, d.h. diese Essays haben schlichtweg zu wenig Tiefgang und zu wenig Argumente. Deswegen gibt es von mir nur drei Sterne.
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5.0 von 5 Sternen In der Rückschau ungeheuer weitsichtige, schön zu lesende Analyse der Verhältnisse, 27. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Alles auf dem Rasen (Taschenbuch)
Juli Zeh porträtiert in dem Essay-Band „Alles auf dem Rasen“ treffend und mit viel sachter Ironie Ihre Generation. Die Geschichten greifen ein Lebensgefühl auf und lassen die Leserin und den Leser an der einen oder anderen Stelle schmunzeln, wenn sie sich in den beschriebenen Personen oder Ereignissen wiederfinden.
Ich habe das Buch, das bereits 2006 erschienen ist, erst jetzt (2013) gelesen. In der Retrospektive sind einige der Essays, die politische und gesellschaftliche Themen behandeln, geradezu prophetisch. Ihre Gedanken zum Themenkomplex Freiheit vs. Sicherheit haben nichts an Aktualität und Richtigkeit verloren. Auch ihre Charakterisierung der Merkel‘schen Politik hat sich im Nachhinein als ungeheuer treffend erwiesen.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Essays vom Feinsten, 31. März 2006
Von 
H. P. Roentgen - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Alles auf dem Rasen (Taschenbuch)
Juli Zeh zerbricht sich gerne den Kopf. Was dabei herausspringt, sind Essays, über Literatur und Politik, über das Schreiben, die Gesellschaft und - natürlich - das Recht. Was sie bisher für Spiegel, Taz, SZ, FAZ und Zeit geschrieben hat, findet sich jetzt in einem Sammelband mit einigen bisher unveröffentlichten Texten.
Die Autorin ist keine, die „j'accuse" ruft, mit gefühlsbebender Stimme Missstände anklagt, wie man das von Autoren erwartet, wenn sie sich zu Politik und Gesellschaft äußern. Aber in einer Zeit, in der Redakteure allüberall Empörung und Erregung verbreiten, Gefühle, so echt wie das Tomatenketchup-Blut in alten Western, sicher kein Nachteil. Dafür rechnet sie uns die Widersprüche unserer Weltsicht vor, die dunklen Flecken in der öffentlichen Wahrnehmung; das, was gerne übersehen wird, weil so es gar nicht in den aktuellen Diskussionskanon passt.
Ob es die Erwartungshaltung von Medien und Wählern ist, die Wirtschaft „in den Griff" zu kriegen und die Versprechungen der Politiker, „das" zu regeln; ob es das Literaturstudium in Leipzig ist, das angeblich zu junge Schriftsteller hervorbringt; ob es die Rollenklischees „moderner Frauen" in der Presse sind, interessant ist es immer.
Mit wie viel Jahren hatte Goethe seinen Werther geschrieben? Mitte Zwanzig war er da. Schiller war zweiundzwanzig, als er die Räuber vollendete. Viel zu jung für einen ernstzunehmenden Autor, würden viele Kulturredakteure heute sagen.
So ist ein Buch entstanden aus zahlreichen Artikeln, gut lesbar und doch schwere Kost, was den Inhalt angeht. Ein Buch zum Nachdenken.
Manchmal merkt man einigen Artikeln an, dass die Autorin bewusst einen natürlichen Aufhänger konstruieren wollte; vor allem dort, wo sie ihren Freund und Filosofen F. bemüht. Das wirkt dann ein bisschen hausbacken. Der Lesefreude tut es dennoch keinen Abbruch, hausbacken ist der Inhalt nämlich nie.
Fazit: Eine Fundgrube für alle, die Essays, Diskussionen und fundiertes Nachdenken lieben, eine Fundgrube, die ihre Qualität und Intelligenz aus dem Inhalt und nicht aus einer verquasten Sprache, gespielter Empörung oder möglichst origineller Skurrilität zieht.
(C) Hans Peter Roentgen
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8 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Warum so undeutlich?, 23. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Alles auf dem Rasen (Taschenbuch)
Vor zwei Jahren erschien diese Sammlung dreißig journalistischer Aufsätze, von denen die meisten zuvor schon in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen abgedruckt waren. Sie sind den Themen Politik, Gesellschaft, Recht, Schreiben und Reisen zugeordnet. Zuerst das Unverdauliche, und dann wieder vorsichtig einschmeicheln, scheint das Motto für die Festlegung der Reihenfolge gewesen zu sein. Da die ersten Aufsätze aber auch nach beendeter Lektüre immer noch schwer im Magen liegen können, hier zuerst zu den hinteren: In den Reise-Texten geht es um Krakau, Lodsch, Bautzen, Sarajevo, Mostar. In den Aufsätzen zum Schreiben wird erzählt von dem Studium der Autorin am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, den Vor- und Nachteilen von auktorialer und personaler Erzählperspektive, der politischen Relevanz des Schreibens und dem Besuch auf der Frankfurter Buchmesse nach Erscheinen des ersten Romans. Das Kapitel zu "Recht" befasst sich mit Sinn und Zweck der volksfernen juristischen Sprache, mit dem Recht an sich und seinem Gebundensein an das Prinzip Staatlichkeit, mit dem Demokratiedefizit der EU und schließlich mit dem "Tabubruch", über die Frage nachzudenken, ob wir ein Parlament überhaupt noch wollen und brauchen, da doch die Demokratie ohnehin nur noch Schein ist. In dem "Gesellschafts"-Kapitel geht es darum, wie langweilig Pornografie ist, darum, was man alles mit Zeitungen machen kann, vom Umblättern über das inhaltliche Draufverweisen bis hin zum Zusammenfalten, um die Fotografien von Bettina Rheims, um das häufige Umziehen in andere Städte und um das Bedürfnis nach Beständigkeit und Verlässlichkeit und warum Treue in einer Beziehung das A und O ist.

Nun zum Kapitel "Politik", in das auch schon der Aufsatz mit dem Vorschlag, über eine Alternative zur parlamentarischen Demokratie nachzudenken, gepasst hätte. Die Autorin gibt hier ihre politischen Ansichten zur Verbreitung immaterieller Arbeit, zur Wirtschaftspolitik, zu Anti-Diskriminierungspolitiken, zur Rentenfinanzierung, zu Vergeltungsschlägen nach dem 11.September und zum Konzept des "Nation Building" der NATO im Nahen Osten zum Besten. Was stört, ist das offenbar als Verwirrtechnik eingesetzte Hakenschlagen, wie etwa das Ablehnen von Positionen, auf die ohnehin noch nie jemand gekommen ist, das Verschleiern von Argumentationsketten und das selektive Ignorieren von geläufigen Gegenpositionen. Die Autorin plädiert für eine Liberalisierung der Marktwirtschaft. Sie findet das Gegensatzpaar "links" und "rechts" nicht mehr zeitgemäß und möchte es ersetzen durch das Gegensatzpaar "Freiheit" und "Sicherheit", um sich dann für die Seite der "Freiheit" auszusprechen. Auch wenn die Ersetzung in der genannten Reihenfolge beschrieben wird, wird jedoch nicht "links" durch "Freiheit" ersetzt, sondern "rechts". Erst einige Seiten später nennt die Autorin das Kind beim Namen und erläutert, warum die "Freiheiten des Kapitalismus" einer "sicheren Kuschelwelt" vorzuziehen seien. Maßnahmen, die es auf eine "sichere Kuschelwelt" anlegen, hätten, sobald sie ernst gemeint seien, zur Folge, "dass unser ökonomisches System ... zusammenbrechen würde". Als solche gefährlichen Maßnahmen nennt die Autorin z.B. Einkommensregulierungsgesetze für Spitzengehälter, ein "Mitarbeiterentlassungsverbot", ein "Börsenspekulationsverbot", oder ein "Verbot der Einstellung ausländischer Arbeitskräfte aus Lohnkostengründen". Hierzu ist jedoch anzumerken, was im Text allerdings nicht zur Sprache kommt, dass SPD, Attac, DGB, Die Linke und andere das anders sehen. Sowohl eine Anhebung des Spitzensteuersatzes, durch die Spitzengehälter verringert würden, eine strengere Handhabung betriebsbedingter Entlassungen, wenn gleichzeitig hohe Gewinne gemacht wurden, ein Mindestlohn (der zwar nicht die Einstellung ausländischer Arbeitnehmern verbietet, aber die Einstellung zu einem Lohnniveau, das nur knapp über dem ihrer Herkunftsländer liegt), und eine stärkere Besteuerung und damit Beschränkung von Börsenspekulationen werden vielfach für sinnvoll gehalten, und nicht nur von Leuten, die so durchgedreht sind, einen Zusammenbruch des ökonomischen Systems zu riskieren.

In einem anderen Aufsatz, in dem die Autorin darstellen möchte, wie wichtig die Wirtschaft ist und wie unmöglich es ist, sie politisch zu beeinflussen, stellt sie verwirrenderweise klar: "Um Missverständnisse zu vermeiden: Hier soll nicht in antikapitalistischer Absicht die Bedeutung ökonomischer Zusammenhänge für unserer Leben kritisiert werden." Der Leser bedankt sich für den Hinweis, auch wenn er ohnehin nie auf diesen hier zurückgewiesenen Gedanken gekommen wäre. Falls es tatsächlich mal ein solches Missverständnis gegeben haben sollte und der Autorin antikapitalistische Absichten unterstellt worden sein sollten, kann darauf gewettet werden, dass dieses auf absichtlich falsch gelegte Fährten zurückzuführen ist.

Eine Erklärung für diesen merkwürdigen Zickzack-Kurs könnte die in dem Buch-Teil über das "Schreiben" geäußerte Ansicht sein, dass die Autorin über sich selbst nicht sagen kann, ob sie "links" oder "rechts" sei, und daran glaube, dass der Literatur per se eine soziale und politische Rolle zukommt. Vielleicht wäre es für die Autorin hilfreich, einmal festzustellen, dass sie sich mit ihren Ansichten nicht in einem undefinierbaren politischen Spektrum bewegt, dass irgendwie sozial und politisch ist, sondern dass ihre Ansichten jenen der rechten Parteien entsprechen.

Die Aufsätze leben von dem Wissen um die Aktualität von Themen und von der thematischen Breite, den die Sammlung veranschaulicht. Auch der Gedanke, Literatur zu politisieren, oder andersherum politische Fragen in einem literarischen Kontext zu behandeln, ist sympathisch. Aber die Annäherung dieser beiden Felder gelingt hier überhaupt nicht.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Juli, 30. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Alles auf dem Rasen (Taschenbuch)
Zeh ist eine Klasse Autorin. Das Buch wirklich lesenswert. Und es macht grosse Freude in die Welt einzutauchen und abzuschalten
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0 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartig, 19. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ja!!!
Ich finde es einfach nur großartig wie sich Juli Zeh einbringt.
Ich rede von einbringt. Ich glaube verstanden zu haben, dass es nicht auf das Detail ankommt - trotzdem kommt es genau darauf an und damit sehr wohl auf den Gesamtzusammenhang.
Ich möchte sagen, ich habe mir Zeit genommen. Je mehr ich darüber nachdenken kann, desto mehr kann ich nachempfinden, was sie ausdrücken möchte. Und es sind viele Dinge, die mir im Kopf herumgehen, die mich ansprechen, die anscheinend nicht wichtig sind, dennoch ihre Bedeutung längst schon bewiesen haben.
Literatur ist nie eine Aussage, sie ist immer eine Interpretation, also ein Abbild des Lebens.
Ich wünsche Juli Zeh sehr viele Leser, die nachdenklich werden!
Danke für diese Zeit des Lesens, die sie mir geschenkt hat.
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Alles auf dem Rasen
Alles auf dem Rasen von Juli Zeh (Taschenbuch - 2. Januar 2008)
EUR 8,50
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