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5.0 von 5 Sternen Alles, was nur Ishiguro kann
Bekannt wurde Kazuo Ishiguro mit "The Remains of the Day", 1993 mit Anthony Hopkins und Emma Thompson in den Hauptrollen doch leider etwas buchfremd verfilmt. Bekannt ist Kazu Ishiguro seither für einen ungewöhnlich emotionalen, dabei schlichten, äußerst ergreifenden Schreibstil, der den Leser auf eine Art und Weise einfängt, die absolut...
Veröffentlicht am 22. Februar 2011 von Andrea Haensel

versus
12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Altmeister laesst nach
Nachdem andere Bücher des selben Autors mir sehr gefallen hatten und die Kritiken auch zu diesem Buch ganz passabel waren, las ich es in der deutschen Übersetzung (großer Fehler, die Übersetzung ist schlecht). Anders als in seinen anderen Büchern wirkt die Distanz zu seinen Figuren in diesem Roman aber störend, sie wirken wie antriebslose...
Veröffentlicht am 19. Februar 2007 von Emma Emu


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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles, was nur Ishiguro kann, 22. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Alles, was wir geben mussten. Roman (Taschenbuch)
Bekannt wurde Kazuo Ishiguro mit "The Remains of the Day", 1993 mit Anthony Hopkins und Emma Thompson in den Hauptrollen doch leider etwas buchfremd verfilmt. Bekannt ist Kazu Ishiguro seither für einen ungewöhnlich emotionalen, dabei schlichten, äußerst ergreifenden Schreibstil, der den Leser auf eine Art und Weise einfängt, die absolut unbeschreiblich ist.
"Alles, was wir geben mussten", berührt langsam, tief und - beiläufig. Die bedrückende Stimmung der Handlungsumstände, die andere Rezensenten bereits gut beschrieben, zieht auf eine Weise, die deshalb zu Tränen rührt, weil sie echt ist, psychologisch, gewissermaßen demotional und trotz der so ungewöhnlichen Umstände normal.
Dieser Roman treibt die Kunstform des Schreibens nicht auf die Spitze, sondern führt sie auf die Plattform wieder zurück. Wir erleben die Erfahrungen der Protagonisten so nach, als wären wir selbst wieder Kinder, heranwachsende Jugendliche - bedroht von einem ungewöhnlichen Schicksal, und es drängt sich einem unweigerlich das Gefühl des Nicht-Entkommen-Könnens auf, das heute das Leben der meisten Menschen zu bestimmen scheint.
Deshalb ist "Alles, was wir geben mussten" auch nicht Science Fiction, es ist gestalterisch Ausdruck des Verlusts des Lebens bereits im Entstehen, des Verlusts der Ich-Identifikation und des damit verbundenen Festhaltens an Idiosynkrasien. Der Roman ist eindrucksvolles Stimmungsbild des Eingefangen-Werdens in vorgeprägte Bahnen ohne Aussicht auf Entkommen.
Absolut und unbedingt lesenswert!
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71 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über das Menschsein, 3. Oktober 2005
Von Ein Kunde
Kazuo Ishiguro erzählt im Stile eines Entwicklungsromans die Geschichte dreier Jugendlicher. Mit äußerster Einfühlsamkeit in das Seelenleben seiner Protagonisten lässt der Autor die Ich-Erzählerin Kathy in sachlicher emotionsloser Sprache über ihre Kindheit ohne Eltern in einem englischen Internat berichten, über ihre Freundschaft zu Ruth und Tommy. Eine scheinbar ganz normale Kindheit und Jugend mit allen Konflikten, die Halbwüchsige auszutragen haben. Doch die drei und alle anderen Gleichaltrigen sind Klone, lebende Organspender, die ein grausames Schicksal erwartet, ein Grauen, das mehr zwischen den Zeilen gelesen werden muss und im Kopf des Lesers entsteht.
Das Buch ist jedoch kein Technologieroman, die technischen Fragen des Klonens bleiben vollkommen unberührt. Es ist auch kein moralischer Kommentar zur Gentechnologie. Vielmehr behandelt der Autor Grundsätzlicheres: Wer sind wir in einer hochtechnologisierten Welt? Was dem „Fortschritt" zu geben sind wir bereit? Wissen wir überhaupt, was wir geben können und müssen? Wissen wir, was am „Ende" bleibt? Wie wollen wir leben? Was ist wichtig? Was heisst es, eine „Seele" zu haben? Wann muss man sich wehren gegen die Zumutungen einer solchen „Kultur"? (Die Klone können es nicht. Warum? Vielleicht, weil sie Produkte dieser technischen Zivilisation sind? Sind wir alle das in einem gewissen Sinn auch?) Es ist ein nachdenkliches und überaus berührendes Buch über das Menschsein.
Dennoch: Auch wenn die technischen Fragen außen vor bleiben, funktioniert der Roman nur unter dem stillen Vorauswissen, dass der Mensch bisher alles getan hat, wozu er technisch in der Lage war. Und er wird das auch weiter tun, allen Gesetzen und Ethik-Kommissionen zum Trotz. „Es" wird passieren. Und es wird möglicherweise so passieren, wie Ishiguro es konstruiert. In jeder Erfindung, jedem technischen Fortschritt liegen Gutes und Schlechtes untrennbar nebeneinander, durchdringen sich förmlich. Man hat, auch nach diesem Buch, nicht das Gefühl, dass der Mensch tatsächlich Herr seiner eigenen Kräfte ist.
Vielleicht wird man nach der Lektüre ein wenig bewusster leben, sich öfter, ähnlich wie Kathy, Ruth und Tommy, an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen. Der Text jedenfalls, die Menschen, die der Leser kennenlernt, bleiben im Gedächtnis haften.
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41 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verstörend, 6. Dezember 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Alles, was wir geben mussten. Roman (Taschenbuch)
Kathy, 31 Jahre alt und "Betreuerin" von Beruf, lässt ihr bisheriges Leben Revue passieren. Es spielte sich in verschiedenen staatlichen Einrichtungen ab, die erste Station war Hailsham. Hailsham ist jedoch kein gewöhnliches Internat. Von Anfang an wird den Kindern dort vermittelt, dass sie etwas Besonderes sind, dass eine besondere Aufagbe sie erwartet - was das sein könnte, bleibt (zunächst) im Dunkeln. Die völlige Isolierung der "Kollegiaten" genannten Schüler tut das ihre dazu, um sie auf ihre ihnen ungewisse Zukunft vorzubereiten. Erst nach und nach erfahren die Kinder und mit ihnen der Leser (sofern er es nicht schon aus anderen Rezensionen weiß), woher sie stammen und was ihnen bevorsteht...

Der Reiz dieses Romans liegt für mich in seinem Paradox: Der völlig unaufgeregte Tonfall, in dem das Buch streckenweise vor sich hin plätschert, steht in scharfem Kontrast zu der geschilderten Zukunftsvision, die an Schrecken nichts zu wünschen übrig lässt. Beklemmung und Grauen wirken um so stärker, da die Ich-Autorin Kathy völlig unreflektiert in schönster Selbstverständlichkeit ihre Geschichte erzählt und ihre (von Gehirnwäsche manipulierte) Sicht der Dinge bis zum bitteren Ende beibehält. Vergebens wartet man auf Kritik oder Rebellion. Nein, alle fügen sich brav in ihr Schicksal - was wiederum weitere Fragen aufwirft.

Schon allein vom Thema her ist "Alles, was wir geben mussten" lesenswert, außerdem ist der Roman meisterhaft komponiert und wirkt absolut authentisch. Ishiguro gehört zweifellos zu den großen zeitgenössischen Stilisten, verlangt dem Leser jedoch einiges ab. Aber es lohnt sich, sich auf das Buch einzulassen, dessen Zukunftsvision niemals Wirklichkeit werden darf.
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51 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Menschenpark, 15. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Alles, was wir geben mussten. Roman (Taschenbuch)
Es scheint da draußen eine Welt zu geben, in der ein Mensch das Recht hat, über sein eigenes Leben zu bestimmen; in der er selbst entscheiden kann, wo er wohnen, welchen Beruf er ausüben und ob er Kinder haben will oder nicht.
Kathi, Tommy, Ruth, Laura und all die anderen aus Kazuo Ishiguros Roman "Alles, was wir geben mussten", wissen, dass es das gibt, aber obwohl diese Welt quasi nebenan liegt, ist es ihnen völlig unmöglich, sie zu erreichen. Dabei leben sie im England der 70er und 80er Jahre des 20. Jahrhunderts. Aber schon die Vorstellung, in einem Großraumbüro zu arbeiten, ist für sie so abenteuerlich, dass sie extra einen Ausflug unternehen, um sich ein solches Büro von außen durch die Glasscheibe anzusehen.
Aber nun kommen wir, die Leser dieses Romans, ja aus eben dieser anderen Welt, die den Figuren verschlossen ist. Dass da Menschen aus einer Parallelwelt zu uns reden, wird erst nach und nach deutlich. Ishiguro verschleiert das sehr kunstvoll, indem er zunächst nur ab und an durchblitzen lässt, dass Kathi und ihre Mitschüler in Hailsham "anders" sind. Ihr Weg ist vorgezeichnet. Nach der Schule leben sie ein paar Jahre in einer Art Landkommune, dann werden sie "Betreuer" und schließlich "Spender". Zu diesem Zweck sind sie nämlich überhaupt auf der Welt. Sie sollen nach und nach ihre Organe spenden; nicht erst nach ihrem Tod, sondern schon zu Lebzeiten. Sie sind menschliche Ersatzteillager; das ist überhaupt erst der Grund ihres Daseins. Und deshalb sind sie auch nicht auf natürlichem Wege gezeugt, sondern sie sind Klone.
Ein abwegiger Gedanke? Wohl nicht in Zeiten von Gentechnik und der Diskussion um verbrauchende Embryonenforschung. Wenn man Embryonen zu Zwecken der Forschung verbrauchen kann, warum dann nicht irgendwann auch Klone? Warum dann nicht tatsächlich irgendwann Menschen züchten, die als "Material" "verbraucht" werden? Jeder, der es sich leisten kann, hat dann seinen eigenen Klon.
Ja, ganz richtig. Mir dreht sich bei diesem Gedanken auch der Magen um. Und man kann sicher darüber diskutieren, ob ein Autor das darf: seine Stimme leise werden lassen, wenn er über ein solches Thema spricht, anstatt laut zu protestieren. Sollten die Figuren des Romans nicht eine Großdemonstration organisieren? Sollten sie nicht schreien, gegen ihr Schicksal protestieren, vielleicht sogar Bomben legen? Darf man sie so in ihrer Welt einsperren, dass sie nicht einmal auf die Idee kommen, das, was man ihnen angetan hat, sei das Widerwärtigste, was man sich nur vorstellen kann?
Ich glaube, Kazuo Ishiguro hätte gar nicht mehr Aufmerksamkeit auf die Themen "Menschenzüchtung" und "Organhandel" lenken können als durch seine Art des Erzählens. Dass er manche abstößt, damit wird er leben können. Aber das ändert nichts daran, dass dies ein großartiges Buch ist.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk ..., 3. Mai 2013
Von 
Sevo sama (Atziluth) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Alles, was wir geben mussten. Roman (Taschenbuch)
Dieses Buch war für mich ein richtiger Spontankauf, hauptsächlich Aufgrund des genialen Covers, das mich sofort angesprochen hat, aber am Ende musste ich es vor allem haben, weil mir vom Autor schon des Öfteren „Damals in Nagasaki“ empfohlen wurde. Von daher ist dieses Buch am Ende einfach so in meine Hand gehupft und musste gekauft werden. Nun war ich aber dementsprechend neugierig, wie mir das Buch dann auch am Ende zusagen wird … es folgt mein Fazit.

Also am Anfang musste ich mich zuerst an die Art der Erzählung gewöhnen, da ich nicht wusste, dass alles aus der Sicht von Kathy erzählt wird und zwar wirklich in der Form, als würde sie einem ihre Lebensgeschichte am Sterbebett mitteilen. Am Anfang noch etwas befremdlich, am Ende einfach das Besondere und Wunderschöne an dieser Geschichte.

Wo wir auch beim Hauptthema wären. Wie im Klappentext erwähnt, geht es im Groben und Kathy, Ruth und Tommy, die auf einem ganz besonderen Internat aufwachsen. Doch was ist das Besondere? Lange Zeit bekommt man immer nur ganz kleine Häppchen zugeworfen und obwohl ich recht schnell herausfand, was das „Geheimnis“ wirklich ist, endet damit die Spannung noch lange nicht.

Hier wäre wohl auch ein guter Ansatz, um zu erklären, dass das Buch wirklich nicht durch Spannung und Nervenkitzel brilliert, sondern durch die Art der Erzählung. Irgendwie hatte ich durchgehend ein sehr mulmiges, oftmals schlechtes Gefühl in der Magengegend und manche Stellen sind auch immer ganz besonders unheimlich irgendwie. Aber genau diese Emotionen machen das Gesamtkunstwerk aus und gerade zum Ende hin hat mich diese Geschichte so gefesselt, dass mir, ohne Schmarn, sogar ein bisschen die Augen feucht wurden.

Ich weiß eigentlich nicht genau warum, aber gerade die letzten rund fünfzig Seiten lassen einen mit so vielen unterschiedlichen Gefühlen zurück, dass man einfach erst mal richtig fertig ist. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass mich noch kein Buch so emotional mitgenommen hat, wie dieses hier. Man ist am Ende einfach nur sprachlos., hinterfragt einiges und denkt sich … ein Meisterwerk. Und ja, das ist es auch. Ein Meisterwerk, das sich wirklich gelesen gehört.

Ich hoffe, es wird euch genauso fesseln, wie mich, wenn ihr euch auf diesen Roman einlasst. Ich habe es getan, und keine Minute des Lesens bereut. Einfach nur traumhaft, auch wenn die Lektüre an sich sehr bedrückend ist. Unbedingt lesen!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herausragend!!!, 23. August 2011
Hailsham, ein Internat in England: Kathy, Ruth und Tommy sind Freunde und kennen sich, seit sie denken können, denn sie haben nie woanders gelebt. Es gibt keine Familien, bei denen die Kollegiaten ihre Ferien verbringen, kein Zuhause, außer Hailsham. Kollegiaten? Oder doch eher Insassen? Denn die Lehrer heißen in Hailsham Aufseher und für die Kinder und Jugendlichen, die hier leben, gibt es nichts außerhalb der Mauern und Zäune des Internats. Aber sie sind nicht unglücklich, denn sie wissen nicht, dass es da etwas geben sollte. Sie leben, lernen, weinen und lachen zusammen ' bis sie ihrer Bestimmung, ihrem einzigen Daseinszweck, folgen müssen.

Neulich las ich im Kulturteil von Zeit-Online einen Artikel von Christoph Schröder über moderne Klappentexte und er bemängelt, dass offenbar in letzter Zeit besonders das Attribut 'verstörend' mit der ganz großen Kelle verteilt wird. Nun, ich gebe ihm grundsätzlich recht und in neunzig Prozent der Fälle ist es nichts anderes als eine Masche des Verlages, um dem Buch eine interessante Note zu geben, die es in dem Maß gar nicht hat. Aber im Falle dieses Romans von Kazuo Ishiguro fällt mir kein einziges Wort ein, welches dieses Buch besser charakterisieren könnte.

Verstörend, wie die Ich-Erzählerin Kathy einfach so ihre Geschichte erzählt. Eine Geschichte, die durch die streckenweise völlig wertungsfreie Erzählweise eine Dichte und Kraft aufbaut, die fassungslos macht. Die vielen unglaublich geschickt eingewobenen Stellen, die, der Erzählerin offensichtlich nicht wirklich klar, dem Leser umso spürbarer deutlich machen, wie ungeheuerlich die Situation der Hauptfiguren und, damit verbunden, der ganzen Welt ist, zeugen von großem Können und einem ausgeprägten Bewusstsein für Sprache.

Ishiguro verleiht seinen Charakteren eine so intensive Tiefe, dass man sich ihnen unmöglich entziehen kann. Die Schauplätze unterstreichen die teilweise klaustrophobische Atmosphäre beängstigend perfekt und geben der Geschichte einen vollkommenen Rahmen. Eindringlich beweist dieser Roman, dass es keiner künstlichen Dramatik, keiner Action und keiner großen Worte bedarf um eine Geschichte zu erzählen, die den Leser in tiefster Seele berührt und bis in seine Träume verfolgt.

'Alles, was wir geben mussten' entließ mich mit dem Gefühl absoluter Hoffnungslosigkeit und tiefer Traurigkeit. Verstört!

Stil und Aufbau können nur als herausragend bezeichnet werden. Herausragend aus einer Fülle von Büchern, die Herausragendes versprechen und am Ende allenfalls großartig sind.

Zitate:

Wichtig war uns etwas ganz anderes, nämlich, wie Ruth eines Abends, als wir in ihrem gefliesten Zimmer in Dover saßen und in den Sonnenuntergang hinausblickten, sehr treffend formulierte: 'Wenn wir etwas Kostbares verloren hatten und es überall wie verrückt suchten, aber nicht fanden, brauchten wir trotzdem nicht völlig verzweifeln, weil wir uns als letzten Trost vorstellen konnten, dass wir eines Tages, wenn wir erwachsen wären und überallhin fahren könnten, nach Norfolk gehen und es dort wiederfinden würden.' (Seite 86)

Wenn heute jemand die Cottages erwähnt, denke ich an unbeschwerte Tage, an denen wir uns treiben ließen, uns gegenseitig in unseren Zimmern besuchten, denke daran, wie der Nachmittag gemächlich in den Abend überging und der Abend in die Nacht. Ich denke an meinen Stapel alter Taschenbücher, deren Seiten sich schon wellten, als hätten sie einst dem Meer gehört. Ich denke daran, wie ich sie las, an warmen Nachmittagen bäuchlings im Gras, während mir die Haare, die ich mir damals lang wachsen ließ, ständig in die Augen fielen. Ich denke daran, wie ich morgens in meinem Zimmer unter dem Dach der Schwarzen Scheune von Stimmen erwachte, die draußen in der Wiese über Dichtung und Philosophie diskutierten; und an die langen Winter, das Frühstück in dampfigen Küchen, an dahinplätschernde Gespräche über Kafka und Picasso. Es ging immer um solche Themen beim Frühstück; nie sprachen wir davon, wer mit wem die letzte Nacht geschlafen hatte oder warum Larry und Helen nicht mehr miteinander redeten. Aber gleichzeitig habe ich bei solchen Erinnerungen auch das Gefühl, dass dieses Bild von uns am ersten Tag, als wir uns dort vor dem Bauernhaus aneinander drängten, gar nicht so falsch ist. Denn in gewisser Weise sind wir aus diesem Bild nie so recht herausgewachsen, auch wenn wir uns das später einredeten. Tief im Inneren war ein Teil von uns immer noch so wie am ersten Tag: voller Furcht vor der Außenwelt und ' egal, wie sehr wir uns dafür verachteten ' nicht imstande, einander ganz loszulassen. (Seite 146/147)

Natürlich ist das Schwimmbecken heute aufgeschüttet und planiert, aber die Umrisse sind noch deutlich erkennbar, und an einem Ende ' dies als Beispiel für den allgemeinen Eindruck von Unfertigkeit ' haben sie sogar das Metallgerüst des hohen Sprungbretts stehen lassen. Erst als ich dieses alte Foto sah, wurde mir klar, was dieses Gerüst eigentlich darstellte und warum es da stand, und wenn ich es heute sehe, stelle ich mir unwillkürlich einen Schwimmer vor, der oben zum Kopfsprung ansetzt und im nächsten Moment unten auf den Beton kracht. (Seite 266)
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen vielschichtiges, emotionales Werk, 14. Januar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Alles, was wir geben mussten. Roman (Taschenbuch)
Was mich persönlich überzeugt hat war die Vielschichtigkeit des Werkes.

Man kann die Geschichte auf vielfache Weise lesen. Zuallererst natürlich als beunruhigende Zukunftsvision, die einen über die Nachteile gewisser wissenschaftlicher Errungenschaften kritisch nachdenken läßt. Dann als eine tragische Liebesgeschichte welche die Emotionalität zwischenmenschlicher Beziehungen betont und meisterlich beschreibt, gerade hier offenbaren sich die Stärken des Autors. Aber auch die Indoktrination von Kindern im Speziellen und Menschen im Allgemeinen ist hier Thema. Sind wir nicht alle Produkte unserer Umwelt und der Menschen um uns herum die uns von Kindesbeinen an geprägt haben? Kann diese Prägung selbst das Schlimme im Menschen hervorbringen wie die Gleichgültigkeit gegenüber der eigenen Existenz? Auch hier wird der Bogen elegant zur Realität gespannt. Beispiele von Versuchen Menschen zu indoktrinieren gibt es zu genüge wie beispielweise ganze Schulsysteme in totalitären Staaten zeigen. Aber auch der Bürger in entwickelten demokratischen Staaten ist davor nicht gefeit, die Manipulation kann überall lauern. Genau jetzt in diesem Augenblick kann der Leser dieser Rezension an etwas irrationales glauben, was man ihm nur lange genug eingetrichtert hat, sei es in der Schule oder im Elternhaus.

Geübten Lesern fällt es eh leicht alle Ebenen des Romans zu verbinden und zu geniessen und es ist dem Talent des Autors geschuldet alles in einen Einklang zu bringen. Schmökerfans werden das Werk als etwas kurzweilig empfinden, selbst als Feierabendleser hat man es in 2-3 Tagen durch. Ein Buch der Kategorie kurz, emotional, gut.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eines vorweg..., 7. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Alles, was wir geben mussten. Roman (Taschenbuch)
Nein, dieser Roman soll keinen Spaß machen. Das ist nicht der Sinn der Übung. Er ist Unterhaltung, ja, aber auf einem sehr hohen Niveau.

Für mich ist dieses Buch (dass ich aber zugegeben im englischen Original gelesen habe) eines der besten, die ich im vergangenen Jahr gelesen habe. Durch das sprachliche Zurücknehmen, das hier häufig als "verharmlosend" betrachtet wird, wird überhaupt nichts verharmlost. Die Geschichte an sich, die grauenhaften Ereignisse selbst, die Tragik des Geschehens ist allein schon so entsetzlich, dass sprachliche Übertreibung hier fehl am Platz wäre. Das würde den Roman in einen Erguss à la Boulevardpresse verwandeln.

Außerdem muss man Ishiguro zugestehen, dass er hier ein so starkes Plädoyer gegen die Klonforschung vorbringt, wie ich es noch nie gelesen habe. Die Charaktere MÜSSEN platt sein, denn sie sind AUSTAUSCHBAR. Wenn Ishiguro hier volle, fertige, plastische Charaktere anbringen würde, würde er zwar die Dramatik noch steigern - aber es geht eben darum, dass Menschen in dieser Dystopie austauschbar und NICHT einzigartig sind.

Deswegen betrachte ich Ishiguros Roman als Meisterwerk, mit dichter Atmosphäre, sprachlicher Genialität und beklemmender Geschichte.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht alles nachvollziehbar, 20. November 2005
Das Buch hat mich gefesselt, vom Anfang bis zum Ende. Die Entwicklung von 3 Kindern zu Erwachsenen ist zart und doch spannend beschrieben. Alle drei wissen, welches schaurige Schicksal ihnen bevor steht, aber was ich nicht verstand war, warum dieses Schicksal niemals hinterfragt wurde. Es gab keine Ansätze, sich vom vorgezeichneten Weg abzuweichen. Keiner schien Angst zu haben, geschweige denn fliehen zu wollen. Aufgrund der Handlungsweisen erkennt man zwar, dass Aufschubmöglichkeiten gesucht werden, aber von den Gefühlen der Protagonisten erfährt man in dieser Hinsicht nichts. Auch nichts darüber, ob sie jemals "normale" Menschen kennen lernten mit Zukunftsplänen. Wenn die menschliche Psyche derart manipuliert werden kann, hätte mich der Mechanismus interessiert. Aber es gibt nur einen kurzen Hinweis, dass die Kinder immer etwas früher über ihr Schicksal informiert wurden, als sie eigentlich reif waren zum Verstehen.
Ansonsten beschäftigt mich das Buch auch nach der Lektüre noch anhaltend. Besonders, was man unter "normalen" Menschen zu verstehen hat. Unbedingt empfehlenswert.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eigentlich..., 7. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Alles, was wir geben mussten. Roman (Taschenbuch)
...bin ich ein großer Fan von Science - Fiction, und lese nur "außergewöhnliche" Bücher, was Geschichte und Platz der Geschichte betrifft. Ich zähl auch diese Roman als außergewöhnlich, weil es der erste dieser Art ist, der mir untergekommen ist.
Es geht um 3 Hauptfiguren, die alle 3 Klone sind, und zusammen aufwachsen. Das gute an dem Buch ist, das man eigentlich erst zum Schluss das Wieso, Weshalb & Warum erfährt, und genau deswegen ist dieser Roman so grandios. Die Geschichte steht im Vordergrund, nicht das sie Klone sind.
Es liest sich SEHR flüssig, ist sehr gut geschrieben, und zwar nicht überdurchschnittlich Spannend, aber aufgrund der Schreibweise & der Geschichte will man doch nach jedem Kapitel weiterlesen.
Von mir eine klare Empfehlung, auch wenn ich normal andere Bücher lese.
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Alles, was wir geben mussten. Roman
Alles, was wir geben mussten. Roman von Kazuo Ishiguro (Taschenbuch - 6. November 2006)
EUR 9,99
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