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am 10. August 2003
Es gibt viele sehr gute Schriftsteller, aber so eine Erzähltechnik wie bei Antunes ist mir noch nie begegnet. Nie wird einem gesagt, wer in diesem Kapitel gerade aus seinem Leben erzählt. Sind die Zusammenhänge zu Beginn des Buches noch unklar, werden die Personen mit jeder Seite schärfer umrissen. Plötzlich entstehen Querverbindungen und bald erkennt man nach wenigen Sätzen, mit wem man es hier zu tun hat. Das macht das Lesen eines Buches von Antunes zu einem besonderen - wenn auch zugegebenermaßen keinem einfachen - Erlebnis.
Das Thema von Antunes ist die Salazar-Zeit. Auch wenn die Diktatur zum Zeitpunkt der Handlung bereits vorbei ist, spürt man die Auswirkungen auf das Leben der Menschen noch immer. Die große Gemeinsamkeit der Personen in diesem Buch (und auch allen anderen Büchern, die ich von Antunes kenne) ist, daß alle Unglücklich sind. Die Personen und Ihr Leben sind todtraurig, manchmal aber auch gleichzeitik grotesk, wie z. B. der ehemalige Geheimpolizist, der nun versucht, mit einem "Fernkurs in Hypnose" Geld zu verdienen und der das Fliegen von hypnotisierten Menschen als das Transportmittel der Zukunft anpreist. Dabei ist das Buch so wunderschön geschrieben, daß man sich trotz des Elends beinahe wünscht, in dieser Welt Leben zu dürfen.
Fazit: Unbedingt lesen und sich vor allem am Anfang nicht entmutigen lassen. Es wird mit jedem Kapitel und mit jedem Buch von Antunes einfacher. "Das Handbuch der Inquisitoren" vom selben Autor ist übrigens genauso genial wie "Die natürliche Ordnung der Dinge".
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am 22. Juli 2007
Eigentlich geschieht in diesem Roman so gut wie nichts. Im ersten Teil erzählt ein alter Mann, übrig geblieben aus der Diktatur Salazars, einem jungen Mädchen sein Leben. Er wohnt, zusammen mit ihr, die sich von ihm nicht berühren lässt, in einem heruntergekommenen Haus. In der Vergangenheit war er ein Mitglied der Geheimpolizei PIDE, die Gegner der Diktatur willkürlich verhaftete, verschleppte und folterte. Deshalb ist er nach der Nelkenrevolution in Ungnade gefallen und bezieht nicht einmal eine noch so schmale Pension. Aber die Frage ist, ob man ihm glauben darf. Denn die Sprache dieses Erzählers könnte die eines wieder auferstandenen Orpheus sein, der seine Eurydike aus der Unterwelt holt; so unirdisch schön ist sie. "Bis ich sechs Jahre alt war, Iolanda, kannte ich weder die Familie meiner Mutter noch den Duft der Kastanienbäume, den der Septemberwind von Buraca herüberwehte, mit dem Geruch der Schafe und Ziegen, die, von einem Alten mit Schirmmütze und den Stimmen der Toten vorwärtsgetrieben, über die Calcada zum aufgelassenen Friedhof hinauf sprangen."(S.9) Ist das vielleicht die Sprache eines ehemaligen Geheimagenten und Folterers?
Aber wie auch immer: Diese Ebene - die Ebene der nackten, nüchternen Realität - wird in diesem Buch nur selten gestreift. Meist klingt Antunes Prosa eher wie die Musik des Orpheus oder wie der Gesang der Sirenen. Dieser Gesang ist so betörend, dass man Gegenwart und Vergangenheit kaum noch auseinander halten kann. Eins scheint dem Erzähler so wichtig wie das andere. Es gelingt ihm, in einem Atemzug von Dingen zu erzählen, die gerade im Moment passieren und anderen, die fünfzig oder sechzig Jahre zurückliegen. Das gleiche gilt auch für die Ich-Erzähler aus den anderen Teilen, von denen aber nicht immer klar ist, wer sie sind. Im zweiten Teil "Die Argonauten" ist es der Vermieter des ehemaligen Geheimpolizisten und Vater des Mädchens, mit dem der erste Erzähler seine Nächte teilt. Er träumt nicht vom Fliegen sondern von den Gängen eines imaginären Bergwerks. Außerdem erzählt auch noch dessen Schwester, die wiederum einen eher nüchternen Blick auf ihren Bruder wirft. Aber was ist schon nüchtern in diesem Roman, der selbst den "magischen Realismus" eines Gabriel Garcia Marquez in den Schatten stellt.
Was die Wirklichkeit hinter all diesen phantastischen Bildern ist, dahinter kommt man als Leser wohl nicht. Aber vermutlich ist das auch gar nicht so wichtig, denn wer will schon einen so betörenden Traum wie Lobo Antunes ihn hier träumt, gegen die nüchterne Wirklichkeit tauschen?
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am 21. Oktober 2004
Es ist wahrhaftig sehr viel, das Antunes seinen Lesern hier abverlangt: Er lässt unterschiedliche Personen ihre Geschichten erzählen, Geschichten von persönlichem Leid, überschattet von der Diktatur. Personen, die einem fast nie vorgestellt werden, deren Namen unwichtig sind und die erzählt werden, ohne dass man am Beginn eines Kapitels weiß, wer gerade zu einem spricht.
Und wie diese Geschichten erzählt werden! Antunes hat eine Erzählweise gefunden und zur Perfektion gebracht, die ohne Beispiel ist: er schreibt Sätze über dreieinhalb Buchseiten, Sätze, in denen sich mehrere Erzählebenen, Vergangenheit und Zukunft, Realität und Fiktion, direkte Rede und Gedankengänge - nur durch Kommata getrennt - überlagern und ineinander verweben, in einer Weise, dass man bei der ersten Begegnung mit diesem Stil ratlos und überfordert das Buch zur Seite legen oder genauer: an die Wand werfen möchte.
Aber man tut es nicht (sollte es nicht tun), denn dieses Buch zieht einen in seinen Bann. Man merkt mit jeder Seite, mit jedem Satz, dass hier nicht einer einfach anders schreibt, um aufzufallen, sondern dass hier ein Autor ist, der wie besessen schreibt und der sich mit dem selbstverständlichen Recht des besonderen Talents über die hergebrachten Formen hinwegsetzt, so, wie z.B. Picasso sich über die Gesetze der Perspektive hinweggesetzt hat. Das Weiterlesen wird zur Sucht und man taucht ein in diese Welt, in der es nur Traurigkeit, Unglück und Verzweiflung zu geben scheint und findet sich am Ende selbst gefangen in dieser alles durchdringenden Traurigkeit.
Es ist vielleicht absurd, aber manchmal kann ein Buch zu gut sein, um fünf Sterne zu erhalten, jene fünf Sterne, die ich nur Büchern zuordnen will, die mir besonders viel bedeuten und(!) die ich immer wieder lesen möchte. Aus diesem Grund muss ich Antunes hier Unrecht tun und nur vier Sterne vergeben, denn die Leseerfahrung war so intensiv und verstörend, dass ich zum ersten Mal froh bin, dass es auch weniger geniale Autoren, einfache Geschichten und fröhliche Bücher gibt, die einen Atem holen lassen. Ein solches werde ich im Anschluss lesen, bevor ich mich mit Sicherheit weiteren Büchern von Antunes zuwende. Aber wenn mich jemand nach einem Nobelpreiskandidaten fragen würde, wüsste ich einen Namen.
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am 13. Juli 1999
Düstere Schatten begegnen sich an einer grauen Straßenecke. Schon der Umschlag der "Natürlichen Ordnung der Dinge" macht neugierig. Tauchen wir mit António Lobo Antunes in die dunkle Welt des Lissabonner Stadtteils Alcântara ein. Ein alter Mann verbringt die Nächte mit seiner schlafenden 18jährigen Frau, indem er ihr Geschichten aus seiner Kindheit erzählt. Für sie, hochgradig zuckerkrank, ist er jedoch nur "Der, der mit mir schläft", seine Jugenderinnerungen interessieren sie eher weniger, vielmehr fühlt sie sich in ihrem Schlaf gestört. Was sich eher wie harmlose Erinnerungen eine leicht gestörten Alten anhört, wird in einen unglaublichen Albtraum ausarten. Das Buch hat António Lobo Antunes meisterlich geschrieben. Er führt mit Hilfe verschiedener Erzähler in den alltäglichen Wahnsinn ein. Meist wissen wir nicht sofort, wer da erzählt und oft auch nicht was da erzählt wird. Menschen lernen wir selten mit ihrem Namen kennen, sie werden uns als "Neffe", "Filmvorsteller", "Mulattin von der Avenida", "Der mit dem Turban" vorgestellt. Der Unterschied zwischen Realität und surrealen Wahnvorstellungen verfließt vor unseren Augen. "Man muß aus dem Irrenhaus kommen, um so etwas zu schreiben", so eine Leserin. Richtig, António Lobo Antunes kommt aus dem Irrenhaus. In der Lissabonner Nervenheilanstalt Júlio de Matos hat er als Arzt gearbeitet, seit einigen Jahren lebt er jedoch nur noch vom Schreiben. Dieses Buch ist wahrlich eine weitere Empfehlung für den ewigen portugiesischen Literaturnobelpreiskandidaten. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 11. September 2015
Was für ein Roman! Grandios! – Antunes wählt zehn Personen, darunter auch bereits Verstorbene, die als Ich-Erzähler fungieren. Sechs von ihnen sind mehr oder weniger nah miteinander verbunden. In ihren Monologen berichten sie von ihrem Leben, setzen sich mit ihrer momentanen Situation auseinander, halten stumme Zwiesprache, offenbaren ihre Gefühle, ihre Hoffnungen und Ängste. reflektieren ihre Beziehung zu ihren Mitmenschen, vor allem aber werden sie von ihren Erinnerungen heimgesucht oder verlieren sich in ihnen voller Wehmut.
Im Verlaufe des Romans entsteht aus vielen Erinnerungsbruchstücken das Bild der Familie Valadas, die einst in idyllischer Umgebung in der Calҫada do Tojal in scheinbar geordneten Verhältnissen lebte. Der Vater war in fünfter Generation Offizier, die Mutter ist Hausfrau, der älteste Sohn Jorge ist wie der Vater Offizier, hält somit die Ehre der Familie hoch, der jüngere Sohn Fernando gilt dem Vater als Versager, zwei Töchter verbringen mit Nichtstun ihre Zeit in häuslicher Umgebung, in der die Zeit still zu stehen scheint und Langeweile Fäden spinnt. Die äußere Fassade bürgerlicher Saturiertheit und Anständigkeit bekommt Risse, als die Mutter von einem Unbekannten ein Kind bekommt. Ihr Ehemann besteht darauf, dass niemand von der Schande erfahren soll, weshalb die nachgeborene Tochter namens Julieta auf den Dachboden des Hauses verbannt und von jeglichen Außenkontakten und der Teilnahme am Familienleben ferngehalten wird. Wie sie später angesichts ihrer Isolierung schwanger werden konnte, ist allen ein Rätsel. Ihren Sohn muss sie bei Verwandten zur Welt bringen und dort zurücklassen. Erst mit sechs Jahren findet der Junge Aufnahme in der Calҫada do Tojal.
Jorge Valadas schließt sich einem Kreis von potentiellen Putschisten gegen das Regime Salazar an, wird verraten und verhaftet, barbarisch gefoltert und begeht Selbstmord. Fernando Valadas verstößt gegen den Ehrenkodex der patriarchalisch strukturierten Familie und heiratet, wie schon immer prophezeit, ein Dienstmädchen. Julieta, der Bankert, bleibt nach dem Tod der Schwestern allein im Haus zurück. Als es nach Jahrzehnten verkauft werden soll, begeht sie wie ihr Lieblingsbruder Jorge Selbstmord.
Die natürliche Ordnung der Dinge ist die Geschichte vom Niedergang einer bürgerlichen Familie und ein Abgesang auf eine vergangene Zeit. Die einen blicken voller Wehmut auf sie zurück, verklären sie, andere aber sind traumatisiert und leiden bis in die Gegenwart unter den Verletzungen, die ihnen zugefügt wurden. Vergangenheit ist bei Antunes immer auch Gegenwart; sein Erzählen bedeutet die stetige Verschränkung von Erinnerung und Gegenwart.
Zwei Nachkommen der Familie Valadas leben noch: Fernando Valadas, inzwischen 81 Jahre alt und verwitwet, und der einst verborgen gehaltene Sohn Julietas. Der nun 49jährige ist ein kleiner Angestellter im Staatsdienst, wohnt im Lissaboner Stadtteil Alcântara bei seiner 18jährigen Geliebten Iolanda, einer schwer zuckerkranken Schülerin, mit der er schläft, die er aber nicht berühren darf, die ihn erträgt, weil er ihr, ihrem Vater und dessen Schwester den Lebensunterhalt sichert. Ihnen allen und einem Klassenkameraden Iolandas gibt der Autor eine Stimme. Aus den Monologen des Vaters zum Beispiel wird deutlich, dass er lange Zeit in Südafrika als Bergmann, später in Moҫambique als Schauermann gearbeitet und dort eine Einheimische, die Mutter Jolandas, geheiratet hat. Er leidet unter Wahnvorstellungen, glaubt unter der Erde fliegen zu können, hackt u. a. mit einer Spitzhacke die Straße auf, verursacht so einen Wasserrohrbruch und wird später in eine Irrenanstalt eingewiesen. In diese Vielstimmigkeit reiht sich auch ein Mann namens Portas ein. Einst unter Salazar Brigadechef in der Obersten Sicherheitsbehörde, lebt er nach der sog. Nelkenrevolution in primitivsten Verhältnissen, findet sein vollkommenes Glück im wüsten Zusammenleben mit der Prostituierten Lucilia und entwickelt Fernkurse für Hypnose, die Menschen zum Fliegen über der Erde bringen können sollen. Dieser Portas, der einst an den Verhören Jorge Valadas‘ beteiligt war, bekommt von einem namenlosen Schiftstellerfreund den Auftrag, mit Hilfe eines Fotos, das einen Jungen zeigt, herauszufinden, ob der Junge noch lebt, und gerät so auf die Spur des 49jährigen Angestellten. Weil Antunes die Leben der meisten Personen mehr oder weniger eng verschränkt, erlebt der Leser sie nicht nur in ihrer Eigenwahrnehmung, sondern auch in der Spiegelung anderer.
In seiner Einsamkeit und Verlorenheit flieht der Angestellte aus der traurigen Realität eines hässlichen Lissabon von heute in verklärende Erinnerungen an seine Kindheit in der Calҫada do Tojal. „... das Haus in der Calҫada do Tojal, das ich in der Erinnerung bewahre, während ich nachts in Alcântara zittere, an diesem Fluss, den ich hasse, war ein dreistöckiges Wohnhaus hinter einem Tor aus Lanzen und einem Stückchen Rasen aus Büschen, mit sich hin und her bewegenden speerförmigen kleinen Stempeln, und es war an seiner rückwärtigen Seite mit einer Voliere mit schmiedeeisernen Arabesken in Lotosform versehen, …“ Es „lag an der Nummer drei der Calҫada do Tojal, einer steilen Straße, die sich damals zwischen Landgütern und Bienenkörben verlor (Bienengesumm lag in der Luft, und der Tag bewölkte sich mit Flügeln), und die Zweige der Glyzinien, die über die brüchige Mauer quollen, berührten den Fußweg mit ihren Dolden. Dreißig oder vierzig Meter weiter erhob sich die Palme bei der Post, …“ Es gab „Zimmer über Zimmer in trockenem Halbschatten, bevölkert von Porträts von Militärs, von Drucken, die galoppierende Pferde darstellten, und Uhren mit Kupferpendeln, die unregelmäßig die Stunden schlugen, als humpelte die Zeit vor Müdigkeit über die ziselierten Zifferblätter.“
Alle Handlungen, Ereignisse, Orte erschließen sich bruchstückhaft aus den Redebeiträgen der Erzähler. Ihre Gedanken springen hin und her, auf engstem Raum werden Erinnerungen unterschiedlicher Zeitebenen verwoben, die Ereignisse erscheinen oft zunächst zusammenhanglos, wörtliche Rede, die als solche nicht kenntlich gemacht ist, wird unvermittelt in Erzählberichte eingestreut. Stimmen mischen sich ein, deren Sprecher nicht ohne weiteres identifizierbar sind. Chronologisches Ich-Erzählen wechselt mit der Wiedergabe von Bewusstseinsströmen. Wiederholungen, Abschweifungen und das Fehlen von Satzzeichen verlangen dem Leser einiges ab. Aber hinter dem scheinbaren Wirrwarr von Stimmen und Ereignissen und den mäandernden Erinnerungen verbirgt sich ein von Antunes meisterlich geknüpftes Handlungs- und Beziehungsgeflecht, das sich nach und nach immer deutlicher erschließt.
Der Roman erfordert den aufmerksamen Leser, der bereit ist, beim Lesen innezuhalten, einmal zurückzublättern, zu prüfen, wer gerade spricht, worauf Bezug genommen wird, in welcher Beziehung die Personen stehen.
Wer dazu bereit ist, wird entschädigt durch eine enorme stoffliche Fülle. Antunes gelingt es, in sehr unterschiedliche soziale Welten einzutauchen und unterschiedliche Milieus anschaulich zu machen, Er lässt vor allem Menschen zu Wort kommen, die sozial deklassiert sind. Durchweg sind es Außenseiter, schräge Vögel, Kranke, Enttäuschte und Verrückte, Menschen die Verluste erlitten haben und zu den Verlierern der gesellschaftlichen und historischen Umbrüche in Portugal (Salazar-Diktatur, Nelkenrevolution, Verlust der Kolonialherrschaft in Afrika) gehören. Antunes zeichnet ein düsteres Bild des gegenwärtigen Portugal.
Entschädigt wird der Leser aber vor allem durch Antunes‘ Sprachmächtigkeit. Fülle, Intensität und Originalität der Bilder, Vergleiche und Metaphern beeindrucken und wirken betörend; der souveräne Umgang mit den unterschiedlichsten Darstellungsweisen und Erzählhaltungen, wie zum Beispiel der Satire, dem Grotesken, dem Phantastischen und Halluzinatorischen, und die Vielfalt der Stilelemente machen das Lesen zu einem Genuss. Antunes‘ Fähigkeit, Vergangenes durch genaue Beschreibung der Dinge wieder lebendig werden zu lassen und dabei ein Gefühl der Wehmut hervorzurufen, erzeugt eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann und die bewirkt, dass man den Roman ein zweites und auch drittes Mal liest.
Dies ist übrigens auch ein Verdienst der Übersetzerin Maralde Meyer-Minnemann.
Wer neugierig auf den Autor Antunes geworden ist, dem sei aus der Fülle seiner Romane besonders Das Handbuch der Inquisitoren empfohlen.
Kaum zu glauben, dass António Lobo Antunes bisher nicht mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde.
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