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Kundenrezensionen

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am 28. März 2002
Der „Tanz mit dem Schafsmann" erinnert nicht nur vom Titel an „Wilde Schafsjagd". Es ist eine Art Fortsetzung: Der Schafsmann taucht wieder auf und auch die Frau mit den wunderschönen Ohren, nach der der Ich-Erzähler schon in der „Schafsjagd" verrückt war. Auch die Erzählweise erinnert an „Wilde Schafsjagd": Temporeich, skuril und geistreich. Nicht so schlicht und ergreifend wie „Naokos Lächeln", und nicht so abgeklärt wie „Mister Aufziehvogel". Aber wie alle Bücher von Murakami ist der „Tanz mit dem Schafsmann" ein Abstieg in dunkle Keller des Bewusstseins, wo allerdings reale Gefahren lauern, die der Held bestehen muss - so wie Orpheus in der Unterwelt - um seine Probleme zu lösen. Gekämpft wird um die Liebe und Gegner ist der Tod. Das ist das älteste Thema der Literatur. Murakami behandelt es aufrichtig und sensibel, ohne es zu verkitschen oder zu ironisieren. Dabei schreibt er so spannend, dass es süchtig macht. Die Grenze zwischen Anspruch und Trivialität gibt es beim Lesen so wenig wie im wirklichen Leben.
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am 25. März 2002
Herrlich, wieder einmal etwas neues vom japanischen Vorzeigeautor Murakami zu lesen. Wobei neu eigentlich widersprüchlich ist, da der Roman bereits 1988 in Japan, aber erst vor kurzem in Deutschland publiziert wurde.
Schon der eigenwillige Titel weckt beim Betrachter erste Assoziationen, mit dem 1982 veröffentlichten Klassiker Murakamis "Wilde Schafsjagd". Assoziation bestätigt. "Tanz mit dem Schafsmann" ist praktisch die 6 Jahre darauffolgende Fortsetzung des Meisterwerks, mit dem sich Murakami neben Yoshimoto und Kenzaburo Oe in Japans Schriftstellergilde schrieb.
Doch nun zum Werk. Wie schon im Vorgänger steht ein profaner, einsamer Individualist im Mittelpunkt, der sich nur durch seine 4 -einhalb Jahre-Alterung vom Held der "Wilden Schafsjagd" unterscheidet. Sonst ist alles "typisch Murakami". Zahlreiche Zitate der Musik und Filmbranche lassen auch Parallelen zu den Helden von "Hard-boiled Wonderland" und "Mr.Aufziehvogel" aufweisen. Dabei schafft es Murakami immer wieder Vergleiche aufzuziehen, die sämtliche Ähnlichkeiten, welche Kritiker ihm immer wieder vorwerfen, ausschließen...was ihn letztendlich so "murakamihaft" macht.
Dabei muss jedoch angefügt werden,dass es sich fast empfielt, den Vorgänger "Wilde Schafsjagd" zu lesen, bevor man sich leidenschaftlich diesem Werk hingibt. Natürlich ist es nicht erzwingend, jedoch räumt es einige Zweifel aus und schafft, zumindestens am Anfang eine essentielle Klarheit. Doch wer Murakami schon zu schätzen gelernt hat, ist sowieso am Vorgänger nicht vorbeigekommen. Nur ein Tipp für Murakami-Neulinge, von denen es ja schließlich immer mehr gibt.
Natürlich darf man auch nicht eine sprachliche Gewalt à la Kenzaburo Oe oder Yukio Mishima erwarten. Japanische Pop-Literatur eben, die trotz simpler Satzgefüge enormen Spaß und Suchtfaktor mit sich zieht.
Für jeden, dem der Vorgänger bekannt ist, sei geraten sich dieses Meisterwerk anzuschaffen. Eine Enttäuschung erlebt man hier sicher nicht. Dieses Werk ist eben "typisch Murakami"
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am 14. August 2006
"Tanz mit dem Schafsmann" ist der erste Roman von Haruki Murakami, der mir zwischen die Finger gekommen ist. Die Buchbeschreibung las sich spannend und für meinen Urlaub in einer einsamen Hütte auf der Schwäbischen Alb erschien es mir gerade das Richtige, immerhin macht auch der Protagonist Urlaub.

Und tatsächlich, ich verschlang das Buch regelrecht, denn "Tanz mit dem Schafsmann" ist gleichzeitig spannend und tiefsinnig, über die gesamten 473 Seiten. Der Erzähler handelt ein inneres Unbehagen mit sich aus. Er ist mit seinem Beruf unzufrieden und muss permanent Rückschläge einstecken. Während seiner Auszeit vom Alltag schließt er aber auch Freundschaften, wird zum Ziehvater für eine 13-Jährige und verliebt sich. Dabei weiß man zu keinem Zeitpunkt, ob der Protagonist das alles träumt oder ob er es wirklich erfährt, denn der Roman handelt die Grenzen dessen aus, was sich üblicherweise Realität nennt. Das ist an sich natürlich nichts Neues, sondern findet sich in der Literatur häufig genug. Durch den lockeren Erzählstil, die vielen in im verarbeiteten Genres (u.a. Krimi, Horror), den Humor und die selbstironische Distanz schafft es der Roman jedoch, diesem philosophischen Gedanken eine Leichtigkeit zu verleihen, die einen permanent fesselt. Ganz klar: Fünf Punkte.
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am 28. Oktober 2002
Als geneigter Haruki Murakami Leser wartete ich - auch wenn ich über diese "Fortsetzung" zu Wilde Schafsjagd nichts ahnte - irgendwie auf genau diese Geschichte. Sie beginnt, wo man den Helden ein Buch zuvor zuletzt verlassen hat. Danach entwickelt dieser ebenso wie die Geschichte des Buches eine Art Eigenleben, dem man über gewisse Passagen irgendwie gar nicht folgen kann oder sogar will.
Diese Stecken könnte der eine oder andere Leser als Längen oder Durstphasen deuten. Für mich ergeben diese aber mit dem zum Anfang zurückweisenden Ende des Buches in nahezu perfekter Weise einen Bogen zu einer runden Geschichte. Ein gelungener Wurf des Helden in die Handlung, die ihn wieder zum Ausgangspunkt des Buches - wie einen Bummerang - zurückholt.
Wenn da doch nicht all die Erfahrungen der Seiten dazwischen lägen, die dem Protagonisten, genauso wie mir, das süße Ende doch erst ermöglichten. Denn wie der Held immer weiter "tanzt, tanzt, so gut er kann", lese ich immer weiter. So gut ich kann. Und am Ende lege ich erschöpft aber zufrieden das Buch auf den Tanzboden...
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am 20. Mai 2013
Aus der Ich-Perspektive begleitet der Leser einen Mann Anfang 30, der nach einer gescheiterten Ehe und einer weiteren gescheiterten Beziehung beschließt sich in das Hotel Delfin in Sapporo zu begeben, in dem er vor Jahren mit einer Frau war, die dann plötzlich verschwand. Irgendwie hat er das Gefühl, dass damit alles begann und fängt an seine alten Spuren zu verfolgen. Groß ist die Überraschung, dass es zwar das Hotel noch gibt, es aber mit der Absteige von früher außer dem Namen nichts mehr gemein hat. Wo vor Jahren ein heruntergekommenes Hotel stand, steht jetzt ein Luxusbunker. Trotzdem mietet er sich ein, begegnet von diesem Moment an lauter Menschen, die irgendwie mit seinem Leben zusammenhängen und sucht dabei die ganze Zeit nach der Frau, die vor Jahren einfach verschwunden ist. Dabei agiert im Hintergrund der Schafsmann, der auch mit der Hauptfigur zusammenhängt, was sich aber erst nach und nach richtig erschließt.

So wie sich meine Zusammenfassung des Buches anhört, ist auch irgendwie das gesamte Buch. Auch jetzt noch, Tage nach dem ich das Buch ausgelesen habe, weiß ich immer noch nicht genau, was ich davon halten soll. Haruki Murakami nimmt den Leser wieder mit auf eine abenteuerliche ins surreale abdriftende Reise, die eigentlich total unspektakulär beginnt und nach und nach immer seltsamere Formen annimmt. Dieses Seltsame spiegelt sich auch in dem Ich-Erzähler wieder, den ich zu Beginn noch bemitleidenswert fand, über den ich mich irgendwann richtig amüsieren konnte und dessen Humor ich schließlich geteilt habe. Irgendwann habe ich mich dabei ertappt, dass ich bei seinen teilweise echt lahmen Witzen, fast laut lachen musste.

Auch die anderen auftretenden Figuren sind oft seltsam, manchmal wunderlich, trotz allem habe ich sie ziemlich gut kennengelernt und war neugierig, wie es mit ihnen weitergeht. Die Kriminalgeschichte, die sich schließlich auch noch in dem Buch findet, hat noch zusätzlich für Spannung gesorgt und auch wenn ich immer noch nicht so genau weiß, was der Autor mir mit seinem Buch mitteilen wollte, konnte ich es irgendwann kaum noch aus der Hand legen.

Dieses Buch zu bewerten, ist mir irgendwie gar nicht möglich. Wenn ich nüchtern darüber nachdenke, ergibt die Handlung zum Teil gar keinen Sinn, aber auf einer nicht zu erklärenden Ebene hat mich das Buch trotzdem gepackt. Dazu trägt auch die Sprache von Haruki Murakami bei. Er schafft es mich als Leser irgendwie in das Buch hinein zu ziehen und mir das Gefühl beim Lesen zu geben, ich würde quasi neben der Hauptfigur sitzen. Daher habe ich gebannt jeden Schritt verfolgt und habe die Erleichterung der Hauptfigur am Ende geteilt.

Zusammenfassend ein Buch auf das man sich einlassen muss. Es driftet ins Surreale ab, gibt dem Leser aber trotzdem immer das Gefühl, die Handlung könnte genau so hier stattfinden. Ein Buch das mich noch lange beschäftigen wird und das mich immer mehr begeistert, je mehr ich darüber nachdenke.
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am 8. August 2010
Bezauberte uns doch fernöstlich "Naokos Lächeln" - der wunderschöne Roman des japanischen Schriftstellers Haruki Murakami. Von ganz anderer Art ist der Roman "Tanz mit dem Schafsmann": eine teilweise bitterböse, fast surreale Gegenwartssatire über die westliche Welt mit ihrer Oberflächlichkeit und ihren Konfusionen - dargestellt aus der Sicht eines Autors, den geheimnisvolle Geschehnisse und unerklärbare Ereignisse schon immer fasziniert haben.

Kiki, die "professionelle Traumfrau", und mysteriös verschwundene Geliebte, lässt den Ich-Erzähler nicht mehr los. Sie beherrscht seine Träume und Erinnerungen fast bis zur Obsession. So reist der vierunddreißigjährige, geschiedene Junggeselle, der seinen bescheidenen Lebensunterhalt mit Schreiben verdient, von Tokyo nach Sapporo, sozusagen "um die Wiederherstellung meines Ichs durch Rekonstruktion der Wirklichkeit" zu betreiben, sprich durch Vergegenwärtigung der Erinnerung der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Hier, im einer schäbig-schrillen Absteige namens "Delfin", begann alles - mit Kiki und überhaupt. Hier hauste der Schafsmann, ein fast unwirkliches "Orakel", der zum Schutzengel und Schatten des Erzählers wird. Die Botschaft des Schafsmanns heißt: "Tanz, tanz, tanz. So gut Du kannst. Du hast keine andere Wahl".

Und so beginnt ein wahnwitziger "Tanz". Aus dem alten "Delfin" ist mittlerweile ein mondäner Hotelkasten geworden, Geblieben ist der Schafsmann. Und auch hier gibt es wieder eine Frau, eine "Hotelfee", die ihn durch das Buch als "ferne Geliebte" begleiten wird. Angelpunkt seines Denkens ist aber immer noch Kiki. Sie will er finden. Dabei soll ihm ein alter Schulfreund, ein etwas windiger Typ, der zu einem bekannten Leinwandstar geworden ist, helfen. Teure Call-Girls kommen ins Spiel - und sterben oder verschwinden geheimnisvoll. Er gerät auf diese Weise in die Fänge der Polizei und wird selbst der Täterschaft bezichtigt. Und er trifft Yuki, die vorlaute Göre, für die er zum beschützenden Erzieher wird.

Gerade mit dieser Geschichte in der Geschichte gelingt Murakami ein kleines Meisterwerk in der Beschreibung einer Beziehung zwischen einer Art Kindfrau und dem zwanzig Jahre älteren Mann. Sie hat nicht den geringsten Beigeschmack, nichts von Anrüchigkeit, sondern ist eher eine höchst amüsante und witzige und psychologisch subtile Schilderung des Miteinanders zweier Generationen auf der Basis des Sich-einander-Mögens.

Mit Yuki reist er auch nach Hawaii, als männliche Gouvernante und im Auftrag ihres Vater, der interessanterweise Makimura heißt und die Reisekosten trägt. Hier soll Yuki ihre Mutter treffen. Für den Erzähler eine Luxusreise. Aber auch hier holt ihn die Geschichte ein. Und auch hier gibt es geheimnisvolle Tode und überirdische Begegnungen. Der Kreis schließt sich am Ende wieder im Hotel in Sapporo. Die Hotelfee wird nun wirklich seine Geliebte. Und damit hat auch der Schafsmann sein Schuldigkeit getan und verschwindet aus der Geschichte.

Murakami schildert in vielen sehr unterschiedliche Lebensgeschichten, die in diesem Roman verwoben sind, eine japanische Gesellschaft, die längst total "verwestlicht" ist und ihre Identität verloren hat. Die damit verbundene Kritik "verpackt" der mittlerweile international renommierte Bestsellerautor in spnnenden Geschichten, klug und perfekt erzählt.
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am 23. November 2002
Dem bereits als "nobelpreisverdächtig" bezeichneten Haruki Murakami ist mit "Tanz mit dem Schafsmann" ein Roman gelungen, der neben "Mister Aufziehvogel" zu den gelungendsten Büchern des Autors zu rechnen ist.
Das Werk fasziniert vom Anfang an und läßt den Leser, einmal eingetaucht in Murakamis "Kosmos", nicht mehr los. Dabei gelingt es Murakami, die Aufmerksamkeit sowohl durch die Geschichte (wie geht es weiter?) als auch durch die Anregung zu intellektueller Auseinandersetzung mit dem Gelesenen (was bedeutet das?) und die Suche nach literarischen Anspielungen (woher kenne ich das?) zu erregen, und dies ohne erhobenen Zeigefinger, sondern spielerisch und geradezu von selbst.
Es kommen eine Fülle von Themen und Motiven zum Tragen, die durch die Nähe des Ich- Erzähler zum Leser diesen auf dem Weg der Anteilnahme am "Helden" zum Weiterdenken anregen: Die Frage der Selbstfindung, das Problem des Schicksals und seiner Unausweichlichkeit, v.a. aber die Problematik der Realität: Was ist das Wesen der Realität, wie entsteht sie und wieviele Realitäten gibt es eigentlich?
Dabei ist das Buch keineswegs schwierig zu lesen, ganz im Gegenteil: Es ist das reinste Lesevergnügen. In flüssigem Stil, mit Witz und Ernst zugleich erzählt, fesselt Murakami den Leser von der ersten bis zur letzten Seite. Eines der besten Bücher, die ich seit Jahren gelesen habe und meiner Ansicht nach Murakamis bestes Buch.
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am 28. August 2008
Wer Murakami-Erfahrung schon hat, weiß, dass in seinen Büchern nicht das Ziel (das Ende) wichtig ist, sondern der Weg selbst. Wie im Leben... Und das lernt man aus seinen Geschichten. Der Tanz mit dem Schafsmann ist mein viertes Murakami-Buch und ich bin begeistert! Es ist für die Leser zu empfehlen die Gemütlichkeit des Lebens der Hauptperson auf sich projizieren und daraus lernen können und wollen. Der Protagonist ist ein unscheinbarer, ganz gewöhnlicher Mensch (dem diese Tatsache bewusst ist), der aber mit sich im Einklang ist. Er sieht die Dinge richtig und wenn doch nicht, dann findet er es bald heraus und kommt wieder auf seinen richtigen Weg. Deshalb beneidet ihn Gothanda, ein Freund, der berühmt aber unglücklich ist. Ein großes Thema ist im Roman auch die Suche und Sehnsucht nach der Liebe, aber auch eine ungewöhnliche Freundschaft und mystische Begegnungen mit dem Tod - "das Leben hängt am seidenen Faden".
Mit Sicherheit ist es nicht jedermanns Geschmack, ich habe schon oft enttäuschte Rezensionen gesehen! Aber wer Murakami liebt und seine Botschaften richtig versteht, wird von diesem Werk von ihm gefesselt und nostalgisch berührt sein.
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am 29. Juni 2015
Der vierunddreißigjährige namenlose Protagonist ist ein unzufriedener Großstädter, der in Japan lebt und sein Geld mit anspruchslosen journalistischen Aufträgen verdient. Er ist geschieden und lebt ein Leben ohne großartige Vorkommnisse – bis eines Nachts seine ehemalige Geliebte Kiki im Traum nach ihm ruft. Er soll zurück zu dem Ort, an dem sie damals glücklich zusammen waren: Das Hotel Delfin. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass das Hotel nicht mehr das ist, was es einmal war. Doch der wichtigste Bewohner ist geblieben: Der Schafsmann. Seine Botschaft an den jungen Mann ist: „Tanzen, immer weiter tanzen, solange die Musik spielt.“ Und das versucht er auch mit allen Kräften, während Leute aus seinem Leben verschwinden, er verzweifelt nach Kiki sucht und in einen Mordfall verstrickt wird.

Tanz mit dem Schafsmann ist genreübergreifend. Ich habe einen Roman mit fantastischen Elementen (wie man es von Murakami kennt) erwartet, doch es ist so viel mehr als das. Hier vermischen sich Krimi und Mystery mit antikapitalistischer Gesellschaftskritik und modernem Großstadtroman. Natürlich, Erotik kommt auch ein wenig vor, wie eigentlich in jedem von Murakamis Werken, aber weder die Erotik noch die Liebe treiben das Buch voran, sondern vielmehr der Wunsch des Protagonisten, sich selbst zu finden und die seltsamen Vorfälle aufzulösen, in die er hinein gezogen wird.

Der Hauptcharakter ist wieder einmal ein typischer Murakami. Mitte 30, Single, getrennt bzw. verlassen. Schwimmt gerne, kocht gerne. Hört bevorzugt alte Musik, liest alte Bücher und schaut alte Filme. Hat nicht wirklich Freunde und auch keinen Kontakt zu Familienmitgliedern. Arbeitet gewissenhaft, aber ohne große Freude. Und stolpert plötzlich blindlings in das große Abenteuer. Während man ihn auf seiner Reise begleitet, wächst er einem immer mehr ans Herz. Sein seltsamer Humor, den niemand versteht, bringt einen zum schmunzeln. Seine Entscheidungen mögen zwar nicht immer die richtigen sein, aber man kann sie nachvollziehen. Was würdet ihr denn an seiner Stelle machen? Ich persönlich würde auch tanzen, immer weiter tanzen.

Auch die anderen Charaktere sind alle sehr gelungen: Die exzentrische Künstlerin Ame, die ihre Tochter öfter mal im Hotel vergisst und weiter um die Welt jettet, ohne es zu bemerken. Der perfekte Schönling Gotanda, dem die Oberflächlichkeit der Schauspielbranche zum Hals raushängt. Die dreizehnjährige Yuki, die eine besondere Gabe besitzt und im Protagonisten einen Freund und Vater findet. Und natürlich der Schafsmann. Die Idee fand ich herrlich. Nachdem ich den Titel des Buchs gelesen hatte, stand für mich schon fest, dass ich es haben möchte. Unbedingt. Die Welt, in der der Schafsmann lebt, und die Aufgabe, die er hat, fand ich ebenso interessant wie die Figur an sich. Allgemein haben die übernatürlichen Elemente und die oft auftretende Grauzone zwischen Realität und Traum dazu geführt, dass ich den Roman kaum aus den Händen legen wollte. Auch Murakamis Sprache ist auf gewohnt hohem Niveau. Schon auf den ersten Seiten war ich angetan von den Beschreibungen des Hotels:

"Ein ziemlich skurriles Hotel. Es kam mir vor wie eine Sackgasse der Evolution, wie ein genetischer Rückschritt. Eine Missgeburt der Natur, die einige Organismen irreversibel auf die falsche Fährte gebracht hatte. Der evolutionäre Vektor war aufgehoben. Verwaiste Lebensformen kauerten im Dämmerlicht der Geschichte, im Tal der ertrunkenen Zeit. Und niemand war dafür verantwortlich. Keiner trug die Schuld, keiner würde sie erlösen.

Ein Hotel voll unerfüllter Träume, die wie verkrusteter Schlamm in den Ecken klebten."

Ich habe das Buch innerhalb von 3 Tagen durchgelesen, weil es mich so in den Bann gezogen hat. Dennoch kann ich keine 5 Sterne vergeben. Zum einen liegt es daran, dass ich dachte, dass der Roman eine andere Richtung einschlägt. Ich hatte gehofft, viel länger in diese mysteriöse Welt im Hotel Delfin einzutauchen, da sie unglaublich spannend klang. Zum anderen blieben auch einige Dinge für mich ungeklärt, als ich das Buch zuschlug. Ich weiß nicht, ob es vielleicht daran liegt, dass ich Wilde Schafsjagd nicht gelesen habe, das quasi die Vorgeschichte zum Protagonisten, zum Hotel und zu Kiki erzählt. Vielleicht ist es aber auch Murakamis Intention, dass sich nicht alles auflöst und der Leser sich selbst die Arbeit machen muss, alle Fäden zusammenzuspinnen und seiner Fantasie die Macht über das Ende überlässt. Das hat bei mir nämlich nicht ganz funktioniert und so bleibe ich mit einigen (wenigen) Fragezeichen über dem Kopf beeindruckt aber auch ein klein bisschen unbefriedigt zurück.

Insgesamt ist Tanz mit dem Schafsmann ein typisch mitreißender und spannend konstruierter Murakami. Die tolle Sprache und übernatürlichen Elemente entwickeln einen Sog, aus dem man nun schwer entkommen kann. Einziges Manko waren leider ein paar offenen Fragen, die ich am Ende noch hatte und mir nicht beantwortet werden konnten (oder sollten?). Davon sollte man sich allerdings nicht abschrecken lassen – im Gegenteil, wer sich selbst heranwagt, hat so vieles zu entdecken.
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am 25. April 2014
Haruki Murakamis Fortführung des einige Jahre zuvor veröffentlichten Romans "Wilde Schafsjagd" ist ein faszinierendes Buch, wenn man etwas mit Magischem Realismus und Murakamis eigenem Stil anfangen kann. Dies gilt selbstredend für jeden Autor. Wer mit Max Frischs Sprache nichts anfangen kann, wird nie den Genuß des immer wieder zweifelnden (oder hoffenden), oft humorvollen und präzisen Blicks von Frisch auf die Welt erahnen und somit so unterschiedliche Meisterwerke wie "Stiller" oder "Der Mensch erscheint im Holozän" verpassen.

Murakamis namenloser Held, ein Großstadtnomade wie man ihn auch aus anderen Romanen des Autors kennt, ist zu Beginn der Geschichte noch nicht in der Wirklichkeit angekommen. Mitte Dreißig, kurz zuvor von seiner Frau verlassen, begibt er sich auf eine Reise nach Sapporo in den Norden Japans. Hier sucht er seine ehemalige Geliebte, die ihn einige wenige Jahre zuvor ebenfalls plötzlich und unerwartet verlassen hatte. Personen und Orte aus der Vergangenheit, so auch der mystische Schafsmann und der reale ehemalige Schulkamerad, tauchen auf. Hier vermischt sich Reales mit teils greifbarer, teils verwirrender Mystik. Die Verbindung zum Kern, zum Ankommen, wohin auch immer es den Helden treibt und führt, ist vorstellbar, gelegentlich auch scheinbar greifbar, entgleitet aber immer wieder. Die Wahrheit ist nah und doch fern, liegt direkt hinter der Wand des Zimmers, hinter der Schwelle zum Schlaf. Man muss durch diese Pforte, um anzukommen, um da zu sein. Analog zur Realität ist dies keinesfalls ein leichter Schritt, oft genug wartet die Enttäuschung, die sinnlose Leere. Es gibt auch manches Scheitern in diesem Buch, die ein oder andere Figur stirbt. Das alles, auch die Auflösung, kann man in diesem Roman finden. Wobei die Auflösung, ähnlich wie Murakamis einfache Sprache, so manchen Leser enttäuscht, nicht berührt und ratlos alleine lässt. Muss Sprache aber das Fehlen der eigenen Imagination ausgleichen oder ersetzen? Ich kann mir bspw. die Figur Ame, eine berühmte Fotografin, die nahezu immer "woanders" ist, in ihrer eigenen Welt, die ihre Tochter bei der Abreise zu einem neuen Ort, den es zu fotografieren gilt, buchstäblich im Hotel vergisst, sehr gut vorstellen. Und sicher hätte ein Autor die Figur Ame noch sehr viel deutlicher zeichnen können. Doch wozu? Gute Literatur soll zum Denken, zum Assoziieren, zum Mitempfinden anregen. Dies schafft Haruki Murakami in ganz wunderbarer Weise.

Murakamis Bücher handeln häufig vom Weggehen und Ankommen, eine Art "Erwachsen-Werden", seinen Platz im Großen und im Kleinen finden, sich zusammenfügen. Hierzu hat er eine eigene Sprache und einen eigenen Stil gefunden. Der Autor vermischt verschiedene literarische Genres zu einem eigenständigen, eigenwilligen, für manche eigenartigen und faszinierenden (wenn man einen Sinn dafür hat) Ganzen. Manchen erscheint Murakamis karge Sprache banal oder trivial. Es gibt Autoren, die den Leser mit ihren Beschreibungen geradezu überschütten. Dies hat seinen Reiz und auch seine Berechtigung. Murakamis Sprache spiegelt für mich sehr gelungen einen Teil der modernen Welt und ihrer Protagonisten wieder. Manche Helden anderer Autoren sind so klar beschrieben, das man ohne eigene Assoziationen ein deutliches Bild der Figur vor sich hat. Nicht so Murakamis Helden. Sie können in Tokio, Sapporo, London oder auch in Hamburg zu Hause sein. Sie sind konkret, gleichzeitig abstrakt. Sie sind greifbar in ihrem individuellen Streben und doch verschwinden sie, werden unklar. Sie lösen sich auf, wenn sie nicht ankommen und damit die Geschichte zu Ende ist. Dies alles beschreibt Murakami nach meinem Geschmack sehr gut.
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