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21 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Quantenmechanik statt Fingerabdruck
Was haben ein mexikanischer Schriftsteller, die Atombombe und eine Wagner-Oper gemeinsam? Auf den ersten Blick rein gar nichts. Betrachtet man aber den Erstgenannten, nämlich Jorge Volpi, oder besser gesagt, sein Werk „Das Klingsor-Paradox" genauer, scheint eine literarische Ariadne die Fäden geschickt zu einem spannenden wie anspruchsvollen Werk...
Veröffentlicht am 16. Februar 2004 von the_clairevoyant

versus
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Man bekommt hier einiges geboten...
... einen Geschichtsexkurs,
mit einem guten Dutzend Mini-Biographien berühmter Physiker und Mathematiker des 20.ten Jhdts im Kontext des 2.ten Weltkriegs. Sowie Einsprengsel verschiedenster wichtiger Geschehnisse des dritten Reiches, vom Aufstieg Hitlers, Erläuterungen zu Ämtern und Ministerien bis zum Stauffenberg-Attentat.
Schließlich noch...
Veröffentlicht am 18. Juni 2007 von Godard


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21 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Quantenmechanik statt Fingerabdruck, 16. Februar 2004
Rezension bezieht sich auf: Das Klingsor-Paradox: Roman (Taschenbuch)
Was haben ein mexikanischer Schriftsteller, die Atombombe und eine Wagner-Oper gemeinsam? Auf den ersten Blick rein gar nichts. Betrachtet man aber den Erstgenannten, nämlich Jorge Volpi, oder besser gesagt, sein Werk „Das Klingsor-Paradox" genauer, scheint eine literarische Ariadne die Fäden geschickt zu einem spannenden wie anspruchsvollen Werk zusammenzuführen.
Volpi - im diplomatischen Dienst tätig - recherchierte gründlich die Geschichte des III. Reichs, präziser formuliert die Forschungsgeschichte des Nazi-Staates. Dabei stieß er auf einen gewissen Wolfram Sievers, seines Zeichens Geschäftsführer der pseudowissenschaftlichen Institution „Ahnenerbe". Sievers gab 1945 während des Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses zu Protokoll: „Damit das Geld bewilligt wurde, benötigte jedes Projekt die Genehmigung des wissenschaftlichen Beraters der Führers." Sievers will nie erfahren haben, wer dieser großer Unbekannte war, gab aber an, es wäre eine prominente und fachlich anerkannte Person mit dem Decknamen Klingsor gewesen. Ohne Klingsor, der nur Hitler direkt zur Rechenschaft verpflichtet war, ging also nichts in der Forschung Nazi-Deutschlands. War es Klingsors Absicht gewesen, für seinen Führer die Atombombe zu bauen? Oder nutzte er seine Position, um gerade dies zu verhindern? Wer verbarg sich hinter dem aus Richard Wagners Oper „Parsifal" entliehenen Decknamen, der dort einem gefährlichen Hexer gehörte? Etwa eine jener Physik-Kapazitäten, die nach dem II. Weltkrieg für die USA arbeiteten? Lebte der große Unbekannte noch? Ja, hat es denn Klingor je gegeben?
Um auf diese Fragen Antworten zu finden, schickt Jorge Volpi seine zwei Hauptprotagonisten los. Einerseits den alternden Mathematikprofessor Gustav Links, der von Klingsors Existenz zu tiefst überzeugt ist, andererseits den jungen amerikanischen Oberleutnant Francis Bacon. Nomen est omen, Bacon, das Einwanderkind, hatte sich früh berufen gefühlt, seinem historischen Namensvetter aus dem 16. Jahrhundert nachzueifern und der Natur ihre Geheimnisse zu entlocken. Mit 21 macht er in Princeton seinen Physikabschluss und geht danach ans Institute for Advanced Studies, wo neben seinem Mentor John von Neumann auch die Größen Kurt Gödel und Albert Einstein tätig sind. Aufgrund einer skandalträchtigen Frauengeschichte wird Bacon zum Geheimdienst versetzt und erhält den Auftrag, gemeinsam mit Links die wahre Identität Klingsors zu lüften. Das ungleiche Paar macht sich an die Arbeit und befragt all die Physikgenies jener Zeit: Max Planck, Niels Bohr sowie Erwin Schrödinger und Werner Heisenberg, die Väter der Quantenmechanik. Professor Links hält Heisenberg für Klingsor, doch seiner Intuition kann er keine Beweise nachreichen, was die Skepsis in Bacon verstärkt.
Jorge Volpi webt ein dichtes Netz aus Geschichte, Mathematik, Physik und Philosophie, in dessen Mitte die Spinne Klingsor zu sitzen scheint. Das Ganze gleicht einer Koan, einer jener paradoxen Anekdoten des Zen-Buddhismus, die beweisen sollen, daß die Logik alleine oft nicht ausreicht, ein Rätsel zu lösen. Auch das Stilmittel der griechischen Aporia wird bedient, welches besagt, daß eine Frage aufgrund der ihrem System innewohnender Widersprüche nicht gelöst werden kann. Damit schließt sich der Kreis zum Mathematiker Gödel, der darlegte, daß manche Aussagen weder falsch noch richtig, sondern einfach „unentscheidbar" sind.
Je mehr Seiten des „Klingsor-Paradox" gelesen sind, desto mehr verdichtet sich der Verdacht auf eine der zuvor genannten Koryphäen, selbst Klingsor zu sein, wobei das Schicksal von Links und Bacon unerwartete Wege einschlägt, die hier nicht weiter verraten werden sollen. Vielleicht kommt Werner Heisenberg, der da Nobelpreis belohnt bewies, daß es nicht möglich wäre, Ort und Geschwindigkeit eines Elektrons zugleich exakt zu bestimmen, Klingsor ja am Nächsten. Denn je genauer das Eine, desto ungenauer das Andere. Was heißt, ein Elektron kann schwer sichtbar gemacht werden, eine Eigenschaft, die auch für Klingsor gilt. Doch gerade diese „Unschärfe", das Nichtvorhandensein von Unterschriften, Bulletins oder Fotos, von Klingsor legt den Schluß nahe, daß es den großen Unbekannten tatsächlich gab. Das ist das „Klingsor-Paradox". Ein geniales Buch!
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26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verschwoerungen und die Wissenschaften Ende des 2. WKs, 6. September 2001
Von Ein Kunde
Jorge Volpi hat eine interessante Kombination aus wirklichkeitsbasierter Erzaehlung mit der philosophischen Komponente der Mathematik und Physik verbunden. Sein Werk versucht die Hintergruende zu beleuchten, welchen Einfluss und Verbindungen die grossen wissenschaftlichen Koepfe der ersten Haelfte des 20. Jahrhunderts mit dem Werk der Nazis gemein hatten. Hierbei bekommt der Leser auch noch eine kleine naturwissenschaftliche und mathematisch philosophische Einfuehrung in die Welt der Paradoxe bzw. der Quantenmechanik. Volpi hat es meisterhaft verstanden, eine an sich trockene und schwer verstaendliche Materie mit einem psychologischem Kriminalroman zu verknuepfen. Der Leser bekommt einen tiefen Einblick in eine der wichtigen (aber fiktiven) Figur des Gustav Link, der ein tiefes Wissen ueber das Nuklearprogramm der Nazis, als auch der geistigen Haltung seiner beruehmten (realen) Kollegen, wie Heisenberg, Bohr, etc., mit einer Prise Verschwoerungstheorie und dem Meilenstein des Hitler Attentats am 20. April. Das Klingsor Paradox zeigt wunderbar die Kollision der wissenschaftlichen, historischen und politischen Welten Ende der Kriegsjahre und deren Aufarbeitung durch unbeteiligte Dritte. Sehr erstaunliche Abhandlung durch einen auslaendischen Autor, das einem am Ende fast auf eine Art der Fortsetung hoffen laesst. Wer Umberto Ecos Geschichte im Focault'schen Pendel mochte, wird diese Lektuere auch viel abgewinnen koennen, wenn auch der Stil von Volpi sich deutlich von dem Ecos unterscheidet.
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich mal wieder ein *richtig* gutes Buch, 10. März 2002
Von Ein Kunde
Es ist verblueffend, wie es der Author als schafft, eine derart fesselnde Story zu entwickeln: Vordergründig geht es um die Suche nach dem mysteriösen Chef-Wissenschaftler der Nazis, Deckname Klingsor, der das Böse wie in der Parsifal-Sage verkörpert. Doch ist dieses Buch im eigentlichen Sinn weder Spionage-Thriller, noch unterhaltende Physikzeitgeschichte, sondern ein vielschichtig aufgebautes Labyrinth verschiedener Handlungsstränge, in deren Mittelpunkt der einzelne Mensch, der Zweifel und die Gewissheit stehen, dass es keine Gewissheit gibt. Noch sarkastischer: Jeder kann Klingsor sein, jedes Handlungsmotiv ist purer Egoismus, basierend auf Wissenschaftsfanatismus oder Triebliebe. In den intelligenten Dialogen und Charakterbeschreibungen kommt auch der Humor nicht zu kurz.
Fazit: Erstklassige, geistreiche Unterhaltung in einer schlüssigen Rahmenhandlung.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Mischung aus Wissenschaft + Politik, warum noch Sex?, 22. August 2003
Rezension bezieht sich auf: Das Klingsor-Paradox: Roman (Taschenbuch)
Ein gut recherchiertes und spannendes Buch, das im wesentlichen drei Dinge beleuchtet: Es bringt uns die Protagonisten der Mathematik und Physik in den 20er und 30er Jahren auf sehr persönliche Weise näher, es zeigt ein interessantes und für mich z.T. neues Bild der Ereignisse um den 20.Juli 1944 und schließlich werden - quasi zur Auflockerung - die sexuellen Affären der Hauptpersonen recht detailliert geschildert ... gewissermaßen ein Wissenschaftsthriller mit "Stellen". (Nun, es kann ja jeder die ihn jeweils weniger interessierenden Teile überlesen.) Was das Buch auch für den Kenner lesenswert macht, ist das differenzierte Bild der sog. "Deutschen Physik" um Nobelpreisträger Stark, das ich in dieser Ausführlichkeit erstmalig so vorfand. Und : die Rolle Heisenbergs (eine Ikone für jeden Physiker) im III. Reich wird sehr kritisch beleuchtet - dazu bedurfte es offensichtlich des unvoreingenommenen Blicks von der anderen Seite des Atlantiks. Ich kann das Buch nur empfehlen als ideale Urlaubslektüre mit einer gut gelungenen Mischung aus anspruchsvollem Wissenschaftsroman und guten Thriller mit den üblichen Zutaten.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geteiltes Buch..., 31. August 2002
...geteiltes Leid!Ein unheimlich spannender Roman mit viel Hintergrundwissen und kleinen Fehlern,die aber verziehen sind.
Volpi bringt einem die Physik nahe,wie es kein Lehrer versteht.
Allerdings sind die Biographien von Heisenberg,Bor oder Einstein stellenweise interessanter als der Roman.Die anfangs aufgebaute Spannung verliert sich leider mit auftauchen der suspekten deutschen Geliebten,die für meinen Geschmack etwas zu klischeehaft dargestellt wird.
Alles in allem ist dieser Roman aber sehr lesenswert,da er Spannung und in einem gewissen Maß sogar Bildung vermittelt,ohne Oberlehrerhaft zu wirken!Genial allerdings ist die Darstellung sog. Gedankenexperimente,also nur auf Ideen beruhende
Versuchsanordnungen,die nur im Kopf stattfinden.Irgendwie faszinierend für mich als Laien,der nur 8% seines Gehirns nutzt.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierende Geschichte der Quantenphysik, 9. Februar 2002
Ich muss das Buch einmal verteidigen. Es hat sicher einige Längen, insgesamt ist es jedoch ein hervorragend recherchierter Wissenschaftsthriller. Und ein so komplexes und wohl sicher nicht für jedermann interessantes Thema, nämlich die Quantenphysik und ihre Geschichte, in eine fesselnde Story mit allen Zutaten (Sex, Verrat, Spionage) zu packen, bleibt eine großartige Leistung.
Ganz nebenbei hat das Buch auch noch mein Interesse an der Physik geweckt.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Man bekommt hier einiges geboten..., 18. Juni 2007
... einen Geschichtsexkurs,
mit einem guten Dutzend Mini-Biographien berühmter Physiker und Mathematiker des 20.ten Jhdts im Kontext des 2.ten Weltkriegs. Sowie Einsprengsel verschiedenster wichtiger Geschehnisse des dritten Reiches, vom Aufstieg Hitlers, Erläuterungen zu Ämtern und Ministerien bis zum Stauffenberg-Attentat.
Schließlich noch eine Zusammenfassung des Parsifal.

Es ist einfach schön Einstein bei seinen Spaziergängen zu folgen, Schrödingers Frauengeschichten mitzuerleben oder mit Heisenberg auf einer Klippe stehend die Ära der Quantenmechanik einzuleiten. Dieser Teil mach am meisten Spaß, auch wenn man im Prinizip auch meist nur indirekt erzählt bekommt was in den sehr viel genaueren Biographien steht, die Volpi auf den letzten beiden Seiten des Buches anführt. Besonders hervorzuheben ist das Jorge Volpi zum "Klingsor-Paradox" inspirierenden "Gödel, Escher, Bach" von Douglas R. Hofstadter.

... einen Liebesroman,
der die Beschreibung "aller" literatur- und alltagstauglichen erotischen Phantasien des Autors enthält, wie sie wohl jeder Mann hat. Von der mysteriösen schweigsamen Exotin, über "Handentspannung" und Voyeurismus bis zur Ménage à trois, lässt Volpi nichts aus. Dessen Protagonisten erleben ständig das Auf und Ab der Liebe und resultierend erfahren sie Unsicherheit und Verzweiflung, was sie ihre Handlungen nachvollziehbar machen soll. Die Frauen sind ausschließlich Objekte der Begierde und übernehmen keine aktiven Rollen.

... eine Prise Spionagethriller,
der erst am Ende etwas Gewicht bekommt und über große Strecken als Vorwand dient die in Europa verbliebenen Physiker-Koryphäen abzuklappern.

Oft greift Volpi inhaltlich auf spätere Ereignisse voraus - teils andeutungsweise, teils konkret mit ganzen Kapiteln. Beim aufmerksamen Lesen macht dies den Handlungsbogen leider sehr transparent, so dass man kaum von "Thriller" reden kann.

Die Lektüre des "Klingsor-Paradox" gleicht eher einem Geschichtsunterricht mit vielen kurzen Brotpausen, in denen immer wieder vom Liebesleben der Protagonisten unterbrochen und aufgelockert wird, was jedoch thematisch mehr in einer BigBrother-Show ausartet. Vieles wird offensichlich nur geschildert um keine Lücken oder Langeweile im Leben der Protagonisten zuzulassen und die Haupthandlung zu verzögern. (Wen kümmert der in einem Absatz abgehandelte Liebesurlaub? Soll man sich hier an der bloßen Erwähnung eines Skiurlaubs erfreuen?)
Volpi erzählt hier leider viel zu kurz nicht sehr bewegend, bewusst nichts Weltbewegendes.
Die Entwicklung und persönliche Geschichte der Akteure erhält nie ausreichend Lesezeit um eine Identifikation oder Verständnis für ihre Handlungen zu ermöglichen. Dies soll eher durch den personalen Erzähler erreicht werden, der immer eine Deutung parat hat.

Fazit: ...man kann (hier) nicht alles haben!

Leider kann auch ich das übergroße Lob des großen Gabriel Garcia Marquez nicht nachvollziehen.
Das Klingsor-Paradox ist wirklich sehr schön konstruiert und gleicht im Aufbau einem mathematischen, philosophischem Skriptum. Doch es war schließlich viel zu einfach zu lösen um für mich mehr als ein Corollar oder Addendum zu sein.
Als Roman eher nicht zu verwerten ist es ein ansprechender Rundgang für alle Geschichtsinteressierten mit einem Faible für die (populäre) Wissenschaft und ihre Bedeutung für die Geschichte, und umgekehrt.
Ich würde z.B. Daniel Kehlmanns "Vermessung der Welt" bevorzugen. Ein für meine Begriffe sehr viel unterhaltsameres und doch ebenso lehrsames Buch über die Leben von Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt in der Epoche des 19.ten Jhdts geschrieben.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erstaunliches aus Mexiko, 23. März 2006
Von 
Christian Rempel (Berlin, Berlin Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Man traut es einem Geisteswissenschaftler gar nicht zu, dass er die entscheidenden Entwicklungen in der Mathematik und Physik des 20. Jahrhunderts so überblicken, bewerten und in den unterhaltsamen Rahmen der Kriegsentwicklungen zur Atombombe stellen kann. Es ist, als hätte der noch junge Autor all die Größen gekannt, die damals in Europa und insbesondere Deutschland eine Rolle spielten. Die Revolution in der Mathematik durch das Unentscheidbarkeitstheorem von Gödel dürfte dem Laien kaum bekannt sein. Auch die Entwicklungen in der Quantenphysik, die eigentlich nur bedingt mit dem Bau einer solchen Bombe zusammenhängen, sind brillant wiedergegeben.
Das alles wird neben einigen fiktiven Gestalten, die dann für den Unterhaltungseffekt gut sind, in subtilen biographischen Details der damaligen Hauptakteure bis hin zu Einstein so dargestellt, dass man vieles erfährt, was man sich sonst erst schwer erarbeiten müsste.
Wie einem spanischsprachigen Autor das aus Mexiko das gelingen konnte, bleibt ein Rätsel,wo doch dieser Sprachraum nicht einen bedeutenden Physiker oder Mathematiker hervorgebracht hat.

Um ein solches Rätsel geht es auch bei der Suche nach dem Dirigenten der überschätzten deutschen Forschungen auf verschiedenen Gebieten bis hin eben zur Atombombe. Diesen geheimnisvollen Mann namens Klingsor gilt es zu finden. Allerdings aus der Perspektive eines amerikanischen Besatzungsoffiziers, der nebenbei einige amouröse Abenteuer besteht, und der eigentlich selbst ein begabter Physiker ist.
Getrübt wird der Lesegenuss lediglich durch einen etwas antikommunistischen Touch, mit dem das Buch dann abschließt, dessen Ende natürlich nicht verraten werden soll.
Man kann also als Deutscher sehr viel Wissenswertes nachholen und erhält ein so lebendiges und detailliertes Bild der eigenen wissenschaftlichen Vergangenheit, das uns kein europäischer oder nordamerikanischer Autor zu geben vermochte.
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5.0 von 5 Sternen Von Menschen und Quantenphänomenen, 6. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Das Klingsor-Paradox: Roman (Taschenbuch)
WO verlaufen die moralischen Grenzen der Wissenschaft, was darf und was muss Naturwissenschaft leisten, wenn sie nicht zur Fachidiotie ausarten will?

Immer im jeweiligen politischen und ökonomischen System eingebettet, leistet Wissenschaft u.a. Aufklärung, aber sie hilft auch nicht unwesentlich bei der Entwicklung von menschheitsbedrohenden Waffensystemen. Dieses individuelle und soziale Dilemma, diesen Rollenkonflikt anhand der Entwicklung der Atomtechnik und der Erfindung der Atombombe exemplarisch dargestellt zu haben, diese Ehre gebührt Jorge Volpi. Er verquickt menschliches Handeln mit den Prinzipien der Quantenphysik, zeigt uns unzulängliche aber zugleich hochqualifizierte Wissenschaftler, die sich im barbarischen Nazisystem profilieren und , mehr oder weniger, benutzen lassen.

Die nach Auswegen suchen und/oder Ruhm und Ehre ergattern, sich dabei jedoch die weiße Weste erheblich beschmutzen.

Das meisterliche Werk kommt leider manchmal etwas konstruiert daher, ist dafür aber deutlich ernsthafter und geistvoller, als die meisten zeitgenössischen Romane.

Schwierige Sachverhalte sind auf eine verständliche Ebene heruntergebrochen; Hauptakteure, die von Rätseln und Geheimnissen umgeben sind und immer neue produzieren, machen neugierig, wie es weitergeht. Volpi erscheint wie ein Zauberer, der spannende Experimente vorführt und die Lösung offen läßt. Die letztendliche Erkenntnis ist uns verwehrt, es gibt lediglich Wahrnehmungen und Annäherungen. Die Suche nach Erkenntnis, so lernen wir aus diesem Roman, kommt nie zu einem Ende. Aber wenn alles schieflaufen sollte, kommt die Menschheit zu einem Ende.

Bis dahin gibt es für Mathematiker und Physiker, auch für Romanautoren, immer neue Arbeit.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über das Vorrecht des Wahnsinns, 7. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: Das Klingsor-Paradox: Roman (Taschenbuch)
So der Titel eines Kapitels dieses Buches. Bezeichnend.

Mein Interesse weckt die Synthese zweier meiner Hobbies seit Jugentagen: Quantenmechanik und jüngere Geschichte.

Wir begleiten Professor Links auf einer Odysse durch den zweiten Weltkrieg und danach, treffen Adolf Hitler, Werner Heisenberg, Niels Bohr und finden keine Wahrheiten. Nur verschwommene Vermutungen, die, je mehr wir ihren Gehalt prüfen wollen, immer undeutlicher werden. Unbestimmt.

Wer (oder was?!) ist Klingsor?

Existierte er (?)?

Ich war verblüfft, wie quantenphysikalische Begriffe wie beispielsweise das Unbestimmtheitsprinzip literarisch anspruchsvoll, fundiert und gleichzeitig auch höchstem Niveau unterhaltend sein können.

Die einzige Einschränkung, die hier zu machen wäre:

Grundbegriffe der Quantenphysik und deren Geschichte sollten einem nicht fremd sein, um dieses Meisterwerk vollauf geniessen zu können.
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Das Klingsor-Paradox: Roman
Das Klingsor-Paradox: Roman von Jorge Volpi (Taschenbuch - 1. September 2004)
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