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am 12. August 2002
Haruki Murakamis „Gefährliche Geliebte" befasst sich mit dem Thema der Obsession, geboren aus dem Gefühl ein unfertiges Wesen zu sein, eine leere bzw. unvollendete Seite an sich zu haben, die man mit dem Objekt seiner Begierde möglichst vollständig ausfüllen möchte.
Genau dass ist nämlich das Problem von Hajime, der Hauptfigur dieses Romans, dessen Name im Japanischen schlicht und einfach „Beginn" bedeutet.
Doch so einfach verläuft nicht alles in seinem Leben. Als Einzelkind, wächst er in einer Umgebung auf, in der 2-3 Kinder pro Einfamilienhaus + Hund oder Katze, die eigentliche Normalität darstellen, von der er nun mal eindeutig abweicht.

Minderwertigkeitskomplexe machen sich bei ihm breit, er fühlt sich als unkomplettes Wesen, scheint etwas zu vermissen, was er nicht in Worte fassen kann, wovon jedoch die Entwicklung seines gesamten Lebens abhängig zu sein scheint. Mit zwölf, freundet er sich zum ersten Mal mit einem Menschen „seiner Sorte" an, d.h. einem weiteren Einzelkind, das noch dazu ein Mädchen ist und ein hinkendes Bein hat. Und obwohl das zarte Band der Freundschaft und des tiefen gegenseitigen Verständnisses für die eigene Situation, nicht stark genug ist um einen Umzug und Schulwechsel Hajimes in der wirklichen Welt zu überstehen, bleibt dennoch ein letzter Faden übrig, der die Beiden für längere Zeit aneinander bindet.
Für Hajime wird das Mädchen Shimamoto zu seiner Obsession, die ihn nie ruhen lässt. Den leeren Teil seines Selbst, der durch die kurze Zeit der Bekanntschaft mit ihr, scheinbar zu seiner Befriedigung ausgefüllt worden ist, versucht er mit anderen Frauen und erotischen Eskapaden zu vervollständigen. Dabei vergleicht er jede von ihnen mit „seiner Shimamoto" und obwohl ihm die weiblichen Wesen alles über sich offenbaren und sich ihm vollkommen hingeben, ist er letztendlich unfähig ihnen das gleiche zu bieten und zerstört somit durch Verrat nicht nur das Leben der Frauen, sondern auch das seine.
Und so jagt er der geheimnisvollen Shimamoto nach, die ihm im reiferen Alter wieder begegnet und ist bis zum Schluss trotz aller Gewissensbisse bereit, selbst seine Familie zu opfern um sie noch mal zu besitzen...
„Gefährliche Geliebte" ist zwar kein Roman der Action und Spannung im konventionellen Sinne erzeugt, spinnt um den Leser jedoch eine knisternde, geladene Atmosphäre die der Thematik mehr als gerecht wird. Tiefenpsychologie, Mystizismus und Erotik sind bei diesem Werk Murakamis bestens kombiniert und wirken dadurch auch kraftvoller und reifer als bei „Mister Aufziehvogel".
Insgesamt eines seiner gelungensten Werke und auf jeden Fall zu empfehlen.
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am 1. Juni 2009
Das Buch ist der Grund warum Sigrid Löffler das literarische Quartett verließ, nachdem es dort heftig kontrovers diskutiert wurde - Marcel Reich Ranicki fand es erotisch und Siegried Löffler nicht. Bessere Publicity gibt es wohl kaum. Das relativ kurze Buch bietet für jeden etwas: philosophische Einsprengsel für den Philosophen, etwas melancholische Sehnsucht für den Träumer, und sorgfältig formulierte Metaphern für den Literaten: 'Der Job war nichts für mich. Ich hatte das Gefühl, mein Lebensende starre mir ins Gesicht. Die Monate und Jahre würden vertröpfeln wie Wasser aus einem undichten Hahn, und ich würde immer mehr abstumpfen.' (S.54).

Der Roman handelt von einem wohlhabender Jazzclubbesitzer mit Stadthaus, Ferienwohnung und Musterfamilie, der eine Affäre beginnt. Zunnächst wird in ausführlichen Rückblenden von den Beziehungen der Hauptfigur Hajime berichtet. Eindrucksvoll schildert Haruki Murakami, wie mit jeder neuen Beziehung im Leben des heranwachsenden Protagonisten ein Stück Zauber verloren geht. Es ist wahr, in unserer Jugend sind die Emotionen am stärksten, wenn noch so vieles geheimnisvoll ist und die Gefühle noch nicht durch den Verstand getrübt werden. Die erste Verliebtheit, das erste Mal und die erste Beziehung bleiben etwas besonderes. Die späteren Wiederholungen erreichen nicht dieselbe emotionale Intensität.

Als erwachsener Familienvater ist bei Hajime der Zauber und die Aufregung der ersten Liebe fast völlig verschwunden, als plötzlich mitten in einer leichten Midlife-crisis in einer seiner Bars seine erste Jugendliebe Shimamato auftaucht. Sie verkörpert für ihm die wahre Liebe, und ist ebenso schön wie geheimnisvoll. Die 'gefährliche Geliebte' verleiht Hajimes Leben neue Spannung. SIE taucht immer bei Regenwetter in seiner Bar auf, womit der Autor vielleicht sagen möchte, dass bei gedrückter Stimmung der Wunsch nach Abwechselung und Spannung im eintönigen Alltagsleben besonders groß ist.

Shimamato verkörpert für Hajime die Erfüllung seiner Träume, und er ist bereit für sie sein ganzes Leben aufzugeben. Tatsächlich zerstört sie sein Leben auch fast. Die tragische Liebesgeschichte der beiden ist recht spannend zu lesen. Das offene Ende soll wohl zum Nachdenken anregen: die gefährliche Geliebte löst sich am Ende in Luft auf. Oder möchte er damit zum Ausdruck bringen, das der Zauber seiner Wünschträume schlagartig verschwindet, wenn sie endlich erfüllt werden?
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am 17. Mai 2002
Murakami scheint zwei Arten von Romanen zu schreiben: einerseits Bücher wie "Wilde Schafsjagd", die aus Elementen von Roman, Krimi und Mystik bestehen, und traurige Liebesgeschichten.In denen finden eigentlich keine unerklärlichen mystischen Vorkommnise statt-niemand geht durch Wände oder ist ein Medium oder ähnliches.Dafür ist in diesen Romanen die Liebe selber das Mysterium.Dieser Roman gehört wie "Norwegian Wood" zur zweiten Sorte.Ich persönlich mag beide Murakamis ausnehmend gern.Seine Erzählweise und die Sicht der Dinge bleiben trotz allem gleich.
Irgendwie schafft er es, dass ich mich immer wieder mit männlichen Hauptfiguren Ende Dreißig identifiziere, die Whisky trinken, Jazz hören und schweigsam sind- und Japaner.Alles kaum zutreffend auf meine Person, der bei Amazon hartnäckig immer wieder "Bridget Jones-Schokolade zum Frühstück" empfohlen wird (offensichtlich bin ich die entsprechende Zielgruppe).
Aber ich mag stattdessen den trockenen Humor von Murakami, der oft an Raymond Chandler erinnert, und die Melancholie seines immer wiederkehrenden Helden mit verschiedenen Namen - ein unangepaßter und dennoch völlig unauffälliger Einzelgänger, der von merkwürdigen Vorkommnissen aus seiner Apathie und Anspruchslosigkeit gerissen wird. Er wünscht sich nicht mehr viel vom Leben, außer seine Ruhe, aber genau die bekommt er nicht.Die Welt findet ihn, immer wieder.Und vor allem die Frauen.Nach denen sucht er auch nicht, aber sie laufen ihm immer wieder über den Weg und bringen ihn durcheinander.So auch in diesem Fall...
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Eine Freundin schenkte mir vor Kurzem diese CDs. Ich kannte den Inhalt bereits, weil ich letztes Jahr das Buch gelesen habe und war zunächst zögerlich. Joachim Krol hat mich aber überzeugt. Er trägt den Text beeindruckend vor. Abermals hat mich die " Gefährliche Geliebte" in den Bann gezogen.
Worum geht es?

Hajime, ein Einzelkind übrigens, begegnet als Zwölfjähriger der wunderschönen, leicht gehbehinderten Shimamoto, die ebenfalls ein Einzelkind ist. Murakami erwähnt dies nicht ohne Grund mehrmals.
Fast täglich treffen die beiden sich, hören gemeinsam Musik und sprechen über Bücher , die sie beide gelesen haben. Innige Freunde sind sie, sogar mehr als das. Die gegenseitige Anziehung ist spürbar, aber sie zeigt sich nicht in sexueller Handlung.
Als Hajimes Eltern in eine andere Gegend ziehen, sehen sich die beiden jungen Menschen nicht mehr. Beide leiden unendlich an ihrer Sehnsucht zueinander.
Hajime, der Ich-Erzähler, beginnt von seinem sinnentleerten Leben zu berichten, bis zu dem Tag, der erst 24 Jahre später eintreten soll, als er seine zweite Hälfte( um im Bild Platons zu sprechen) wiederfindet und sie in diesem Leben dann doch vielleicht für immer zu verlieren scheint.
Hajime erzählt von seinen facettenreichen Erfahrungen mit Frauen während seiner College-Zeit und immer wieder von seiner nicht enden wollenden Sehnsucht nach Shimamoto.
Irgendwann verliebt er sich in Izumi, vollzieht mit diesem Mädchen seinen ersten Beischlaf , wird ihr untreu, weil er sich sexuell magisch von deren Cousine angezogen fühlt und vögelt mit dieser, wie er schreibt, geradezu bis zur Hirnerweichung.
Das Mädchen, das er betrogen hat, verlässt ihn und wird über den vermeintlichen Verrat nicht hinwegkommen. Sie zerbricht an dem, was geschehen ist. Hajime hat wegen dieser Geschehnisse noch während der Erzählzeit ein schlechtes Gewissen. Im Grunde jedoch hat er dieses Mädchen nicht wirklich betrogen, denn der Akt mit der Cousine war ein emotionsloser, rein mechanischer Lustakt.
Hajime sieht diese Affäre getrennt von seiner gefühlsorientierten Beziehung zu Izumi. Leider ist diese Gegebenheit für Izumi nicht nachvollziehbar, weil ihre Verliebtheit besitzergreifenden Charakter hat.
Nach dem College arbeitet Hajime eine Weile als Lektor in einem Schulbuchverlag, nach wie vor verzehrt er sich nach Shimamoto, die ihm irgendwann zufällig in Tokio begegnet. Er erkennt sie zu spät und wird tragischerweise durch ein merkwürdiges Ereignis daran gehindert ihr nachzueilen.
Nun zwingt Hajime sich seine eigentliche Frau,- seine Dual-Seele, wenn man so will-, zu vergessen. Er lernt Yokiko kennen. Sie ist die Tochter eines Baulöwen und Geschäftemachers aus Tokio. In sie verliebt Hajime sich, heiratet , wird Besitzer einer gut florierenden, exklusiven Jazz-Bar und gründet eine Famile. Endlich scheint er den Zustand seiner inneren Einsamkeit verloren und sich emotional glaubhaft in eine neue Situation eingerichtet zu haben.
Doch da erscheint nach 24 Jahren Shimamoto eines Abends in seiner Bar. Erneut ist er sofort hingerissen und kann nur noch an diese Frau denken.
Shimamoto kommt stets für ein paar Stunden , um mit Hajime zu sprechen, dessen Nähe sie sucht, um sich für eine kurze Weile vollständig zu fühlen. Sie möchte mit ihm nicht über ihr Leben sprechen. Sie möchte sich nur auf das, was sie beide betrifft, beschränken. Sie will ganz mit ihm sein.
Irgendwann verschwindet Shimamoto unangekündigt für sechs Monate aus Hajimes Leben.
Das ist der Zeitpunkt, wo sich sein Sehnen ins Unermessliche steigert und er, wenn er mit seiner durchaus von ihm geliebten Gattin beischläft, in Wahrheit Shimamoto in den Armen hält und nur noch an sie denken kann.
Hajime quält sich. Was mit ihm geschieht, liegt jenseits seines Wollens.
Als Shimamoto nach sechs Monaten erneut in die Bar kommt, entscheiden sich beide eine gemeinsame Nacht miteinander zu verbringen.
Auf der Autofahrt zu dem Haus, wo es zu Reich-Ranickis hochgelobter Liebesszene kommt, denkt Shimamoto daran Hajime ins Lenkrad zu fassen, wohl in der Absicht den Eros zu überwinden, um auf ewig im Tod miteinander vereint zu sein und durch das Einfrieren der Liebe den Zustands des Glücks zu konservieren, der im Alltag mit den Jahren zunichte gemacht werden könnte.
Shimamoto weiß, wenn sie mit Hajime beischläft, will sie ihn ganz und für immer. Um sich den Wechselfällen des Lebens zu entziehen, möchte sie lieber den Tod.
Während der Liebesnacht bemerkt man, dass ihr Begehren ein geradezu tödliches Verlangen nach Ewigkeit in sich trägt.
Hajime ist nach der körperlichen Verschmelzung mit seinem Herzensdu für lange Zeit nicht mehr existent. Er will nicht mehr leben, weil Shimamoto tags darauf plötzlich verschwindet und wie er vermutet sich selbst getötet hat.
Nach einiger Zeit schafft Hajime es in sein Leben zurückzukehren,aber er ist ein anderer als zuvor..........

Sehr empfehlenswert.
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am 9. Januar 2005
An manchen Stellen trieb mir dieser Roman die Tränen in die Augen: Der Ich-Erzähler ein recht erfolgreicher Geschäftsmann kann seine "erste Liebe" einfach nicht vergessen und verletzt andere damit mehr als einmal.
Das Buch, hier wunderbar gelesen von Joachim Krol, besticht durch eine poetische Sprache und eine eindringliche Handlung. Ruhig wird erzählt, die Spannung steigert sich fast unmerklich, aber trotzdem möchte man das Buch/Hörbuch nicht zur Seite legen. Die erotischen Passagen sind weder reißerisch noch banal beschrieben, sondern mit großem Fingerspitzengefühl. Völlig zurecht wird Murakami gelobt, für mich eine richtige Entdeckung!
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am 1. November 2004
Es ist ein gefälliger und auch klarer Roman, er ist hinreichend präzise, spannend und ebenso geschickt in der Beschreibung seiner Personen, sei es die Gefühlslage, das Verhalten oder Aussehen oder auch die Zusammenhänge zwischen allem. Seine Sätze, wie ein abgeschossener Pfeil bleiben in der Luft, von der ersten bis zur letzten Seite und treffen letztendlich ins Schwarze. Er reizt die Phantasie. Es geht ans Herz, ans Eingemachte. Erotik pur. In einer nicht real gelebten Beziehung, die aber die tatsächliche und wirkliche lange nur in der Vorstellung begleitet bis diese ihm durch akzeptieren Übergriff entgleitet. Selbst andere kurze Beziehungen können dieser vorgestellten nichts anhaben. Und seine offenen Beschreibungen scheinen als Enzyme oder Katalysatoren aufblühender Phantasie. Aber das ist es nicht allein. Ja, es ist nur eine Begleiterscheinung auf der Suche nach dem Ich. Die hohe Reflexion über das eigene Leben, über Pläne und Träume, über Realitäten, Verletzungen und nicht Erreichtes oder Aufgegebenes für andere. Über das was einem nachgetragen wird, im Traum, scheinbar als virtuelle Hoffnung. Und es ist immer der Mangel, der einen definiert und bestimmt. Etwas, was nicht da ist, ist, was einen ausmacht, ist das was Anlass kritischer Außenbetrachtung ist und letztendlich dazu führt, das Paare sich nach zu langem kennen doch gern die Aufforderung: „Ändere Dich!" mitgeben. Und dabei vergessen, dass es immer der Mangel ist, der behoben werden müsste. Im Anfang ohne Beachtung, im Laufe der Zeit von deutlicher Wichtigkeit. Und der bleibt, es gibt keinen Menschen ohne Mangel. Und was soll man da ändern. Es ist das bereits vergangene Leben. Vergangenheit bleibt, mit ihr und in ihr sind wir erwachsen, älter geworden.
Und der Tod begleitet das Leben und hält am Ende fest, dass es mehr gibt, als nur den "üblichen" Erfolg im Leben.
Ein lesenwertes Buch, macht süchtig. Weglegen, nein danke.
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am 10. Juli 2013
Für diese Ausgabe wurde aus dem Englischen übersetzt. Es gibt aber eine Neuübersetzung aus dem Japanischen unter dem Titel: Südlich der Grenze, westlich der Sonne. Alleine der gewählte Title 'Gefährliche Geliebte' ist für die Übersetzung symptomatisch.
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VINE-PRODUKTTESTERam 9. September 2005
Hajime ist Ende Dreißig, wohlhabend dank zweier gut gehender Jazzclubs und eines reichen Schwiegervaters, lebt zufrieden mit seiner Frau und zwei Töchtern. Doch seine Sehnsucht gilt Shimamoto, einer Freudin aus der Schulzeit, die für ihn Inbegriff der Liebe ist, wie er sie keiner Frau in seinem Leben schenken konnte. Eines Abends besucht Shimamoto den Jazzclub.
Es ist ein zweispältiges Gefühle, das dieser Roman zurücklässt. Den reichen Mann, der alles besitzt, wovon andere träumen, der darüberhinaus eine glückliche Ehe führt, aber von einer unstillbaren Sehnsucht gequält wird, die der einen wahren Liebe seines Lebens gilt, kennt man aus der Literatur zur Genüge. Allerdings bringt der Autor es fertig, kein überbordetes kitschiges Nostalgiegefühl daraus zu machen, sondern eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Liebesbeziehungen in der Vergangenheit des Protagonisten.
Rätsel gibt Shimamoto nicht nur Hajime, sondern auch dem Leser auf. Ist sie als Kind und junges Mädchen noch erkennbar charakterisiert, so wirkt sie als Frau nur noch schemenhaft. Eine reiche kranke Frau, deren Kind gestorben ist, die verschwindet, wieder auftaucht ohne dass ein Grund genannt wird oder ein Zusammenhang mit ihrem Alltagsleben dargestellt ist. Damit wird sie von einer konkreten Person zum Typ der geheimnisvollen Geliebten.
Allerdings möchte ich durchaus die Möglichkeit einräumen, dass das Buch eine asiatische oder speziell japanische Poesie ausdrückt, der eine Rezension eines Europäers nur bedingt gerecht werden kann.
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am 13. November 2013
Was ist Realität und was ist Schein? Was sind die Dinge die wir Träumen und was sind die Dinge die wir erlebt haben? Kommt es nicht immer einmal wieder vor, das wir morgens aufwachen und uns hundertprozentig sicher sind, das diese Dinge, diese Handlungen, diese Empfindungen die wir gerade noch erlebt, ja physisch gespürt haben real waren?
Schrecken wir nicht auf und haben entweder etwas grauenhaftes erlebt oder alternativ mit der schönsten Frau (Mann) die/den man sich vorstellen konnte Sex gehabt.
Es sind die Dinge des Alltags die einen immer wieder in den Träumen heimsuchen. Gerade erlebtes, im Fernsehen oder Kino gesehenes oder aber auch Kindheitserinnerungen.
Aber wir sind immer wieder unsicher. Genauso unsicher wie ich nach dem Lesen diese Buchs von Haruki Murakami bin. Murakami erzählt darin eine Lebensgeschichte. Die Geschichte eines 37jährigen Mannes der oberen Mittelschicht in Japan. Das Leben läuft, oberflächlich angeschaut, in einem perfekten Bogen. Freundin vor der Pubertät. Freundinnen in und nach der Pubertät. Affären. Probleme. Studium der Literaturwissenschaften. Studenten Protest. Arbeitsplatz in einem Schulbuchverlag. Die Frau die man treffen sollte. Heirat. Geliebte. Zwei Kinder. Zwei Autos. Zwei Häuser. Erfolgreicher Unternehmer. Einen Schwiegervater der einen akzeptiert und auch einmal bei Problemen behilflich ist. Perfekt.
Wie kann man über solch eine Perfektion einen Roman schreiben. Wie kann man seinen Leser über 230 Seiten fesselnd am Buch halten und über Normalität schreiben?
Zum Beispiel kann man dies mit einer blumigen, ansprechenden Sprache oder aber mit einem verheisungsvollen Titel. Gefährliche Geliebte".
Sollte man hier dem Dumont Verlag eine Schuld einräumen? Ja, durchaus. Auf jeden Fall den Übersetzern. Verkaufsstimulanz hin oder her. Man sollte keinen, den Inhalt des Buches beeinflussenden Titel wählen. Oder! Man sollte vielleicht direkt aus dem Japanischen übersetzen.
Kommen wir aber zum Buch. Einfach habe ich es mir gemacht im oberen Abschnitt. Die Aufzählung eines Lebens. Ein Leben das mein eigenes sein könnte. Auch wenn es im Detail nicht die parallelen gibt, galt es mir, die Episoden, die Lebensabschnitte des Protagonisten. Hajime" jap. Für Beginn, Anfang ist der Held" der Geschichte. Streichen wir das Held und setzen Hauptfigur. Dann wären da noch Shimamoto, Izumi. Yukiku -die Frauen in Hajimes Leben¬ in der korrekten zeitlichen Abfolge. Und der Schwiegervater. Dies ist das was man Hauptdarsteller nennen könnte. Dazu kommen noch ein paar Nebenrollen, die wir hier aber unkommentiert lassen möchten.
Mit Shimamoto, einem Mädchen das durch eine leichte Behinderung am Bein etwas gehandicapt ist, verbindet ihn mehr als eine Schulbekanntschaft in der 7. Klasse. Es war die Frau deren Hand er zum ersten mal gehalten hatte. Die Frau die ihn verstand, die ihm zuhörte, die gleiche Musik hörte und die gleichen Bücher las. Hört sich das nicht nach einer perfekten Beziehung an?
Nur war diese Liaison auf unsichere Beine gestellt. Denn wie es einmal so ist in diesem Alter. Kaum geht man auf eine andere Schule, oder zieht ein paar Häuserblocks weg, ist man derartig aus dem Sinn, das an eine Weiterführung der Freundschaft nicht zu denken ist.
Es folgt das Erwachsenwerden und die Freundschaften mit den Mädels, das erste mal mit Izumi sollte nicht sein, dafür aber mit der Cousine. Die daraufhin unabwendbare Trennung von Hajime treffen das junge Leben der unschuldigen Izumi hart und gnadenlos. Der 37 jährige reflektiert sein Leben und bleibt immer wieder an dem einen Punkt stehen. Warum habe ich die Frau, die ich schon mit zwölf geliebt habe, verlassen? Warum habe ich nicht die Energie aufgebracht, diese Frau wieder zu suchen?
Murakami macht dies mit einer Poesie und einer Eindringlichkeit, die trotz ihres einfachen Handlungsstranges jede Phase des Lebens dieses ¬wohl von einer Midlife-Crisis geschüttelten Japaners- so erscheinen lassen als wäre es unser eigenes Leben. Jeder hat diese Alltäglichkeiten schon durchgemacht. Diese Marktplatz der verpassten Chancen schon durchlebt. Die Jugendliebe in ihrer Reinheit und Perfektheit zu dem Maß aller Dinge manifestiert.
Es sind die Kleinigkeiten, die die Sprache dieses japanischen Ausnahmeautors zu einem Kleinod werden lassen. Wussten Sie ob der Erotik eines nachziehenden Beins in Folge einer Kinderlähmung? Oder der perfekten Augenbrauen? Es sind die Kleinigkeiten, die eine erotische Stimmung aufkommen lassen, ohne jemals in die Schmuddelecke abzudriften.
Es wäre nicht fair, über das zu berichten was Shimamoto noch mehr in Hajimes leben bedeutet. Es wäre auch nicht fair über den Schein, den Traum und die Wirklichkeit Klarheit zu schaffen. Lassen wir auch den Buchtitel weiter unkommentiert. Vielleicht sollte es auch so sein. Für die Spannung bis zur letzten Seite diese wunderschönen Buches.
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HALL OF FAMEam 6. November 2002
Die "Gefährliche Geliebte" ist mein erstes Murakami-Buch und mit Sicherheit wird es nicht mein letztes sein. Dabei bin ich ganz zufällig auf das Buch gestoßen. Und obgleich seine Thematik mir erst recht unspektakulär erschien - das Leben eines japanischen Mittelständlers, seine Entwicklung von der Kindheit bis in seine späten Dreißiger, bei welcher immer wieder die Beziehung zum anderen Geschlecht sowie die Suche nach persönlicher Erfüllung im Mittelpunkt steht -, zog mich die Erzählung von Seite zu Seite stärker in ihren Bann. Murakamis Stil hat mich gefesselt, sein Protagonist war für mich so plastisch wie kaum ein anderer Roman-"Held".
Nach dieser Lektüre bin ich sehr gespannt auf Murakamis weitere Werke.
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