MSS_ss16 Hier klicken Sport & Outdoor Frühling Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic GC FS16

Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen27
4,4 von 5 Sternen
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 2. Mai 2014
Dèsirèe ist eine Aprilhexe. Mehrfach schwerstgeschädigt mit zerebralen Schädigungen geboren, lernen wir sie in einem schwedischen Pflegeheim in den 1970 er Jahren kennen, zusammengekrümmt zu ewiger Fötus-Stellung, ein Bild des Jammers. Ihr Arzt Hubertsson sagt, sie sei das letzte Opfer des Hungers, denn als Fötus war sie gesund. Der Hunger, den ihre Mutter als kleines Mädchen gegen Ende des 1. Weltkrieg erlebte, wo aus der Sofaritze geklaubte Knäckebrotkrümel an eine Zeit ohne Hunger erinnerten, eine unerkannte Knochendeformation der Mutter, als Erbe aus dieser Hungerzeit, führten zu einer komplizierten Geburt und zur Schädigung des Kindes.

Das in unserer gegenwärtigen Wahrnehmung reiche Schweden, war ein bitterarmes Land der Fischer und Bauern, Ende des 19. Jh. ein typisches Auswanderungsland, ich darf auf „Der Roman der Auswanderer“ von Vilhelm Moberg hinweisen. Erst seit den 1920er Jahren, mit einem starken industriellen Aufschwung, wurde Schweden zu dem Land, wie wir es in seinem wirtschaftlichen Status heute kennen.

Desiree wurde in einer Zeit der utilitaristischen Standpunkte geboren, schaukelnde Wasserköpfe, tockende Klumpfüße, Buckel, schreiende und stammelnde Epileptiker und Spastiker, Leid und Unvollkommenheit wurden schwer akzeptiert, die Irren und Missgestalteten in Institutionen gesteckt.

Desiree ist hochintelligent, interessiert sich für Physik, der Astrophysiker Stephen Hawking ist ihr nahe in Körper und Geist, arbeitet er über einen mit den Augen steuerbaren Spezialcomputer, so hat Desiree später, als ein Umdenken stattfand und Behinderte effektiv gefördert wurden im inzwischen gewachsenen Wohlfahrstaat, einen Computer, mit dem sie mittels Atemstößen eine Schriftsprache modulieren kann.

Und, Desiree kann sich in andere Körper transformieren, ihre geschundene körperliche Hülle zurücklassen, sie fliegt mit Vögeln, kann auch Menschen „besetzen“ und so Situationen des Lebens kennenlernen, die ihr nie vergönnt gewesen wären. Diese Ausflüge kosten sie jedoch sehr viel Kraft und sie bezahlt mit dem Verlust von Fähigkeiten, zuletzt dem Vermögen, schlucken zu können.

Die Frage nach dem Sinn dieses Lebens stellt sich, stellt Desiree, stellt ihre Umgebung, stellt das Pflegepersonal, tuschelnd auf den Fluren, soll sie noch 30 Jahre zuckend daliegen, das arme Wurm?

Dem Leser, zumindest mir, wurden die bisherigen Gedanken zum Thema um die Ohren gehauen, ein Paradigmenwechsel war für mich notwendig. Welch Anmaßung, für das Leben Behinderter über Mitleid und Bedauern hinaus wenig parat zu haben. Desirees Auseinandersetzung mit dem Sinn und dem Sein im Leben (Seite 109 meiner Paperback Ausgabe) rief bei mir ein Deja vu hervor, es trug mich zu Rilke und seinem Gedicht, in dem es heißt,
„ …ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn …. und ich kreise jahrtausendelang, und ich weiß noch nicht, bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang.“

Desiree nutzt ihre Ausflüge im Körper von Vögeln auch dazu, ihre Schwestern zu beobachten, sie will wissen, welche von ihnen ihr das Leben stahl, welches ihr zugestanden hätte. Es sind drei kleine Mädchen, die Desirees Mutter Ellen später in liebevolle Pflege nahm, Ellen, die ihr eigenes behindert geborenes Kind abgab.

Das Schicksal dieser Mädchen strapaziert den Leser ebenfalls.

Die eine, Christina, ans Kinderbettchen angefesselt, und dann von der Mutter angezündet, kommt mit Verbrennungen 2. Und 3. Grades davon und zur Pflegemutter. Sie ist ihr ganzes Leben lang ängstlich, aber sehr fleißig und ehrgeizig, wird Ärztin und später selber Mutter eines Zwillingspärchens, eine liebevolle Mutter. Eine Opfer - Täter Rolle wiederholt sich nicht.

Die andere, Birgitta, hat auch eine Mutter. Birgitta liebt diese Mutter sehr, will stets zu ihr zurück. Sie ist die Einzige, die die Pflegemutter Ellen nicht akzeptiert, geschweige denn liebt und sie nur als alte Vettel bezeichnet. Als Kind nicht kritik- und analysefähig begreift sie nicht, dass ihre leibliche Mutter sie in jeder Beziehung vernachlässigt. Kein Bettchen für Brigitta, kein Essen, nur Reste aus der Gaststätte wo die Mutter kellnert, oder Geld für Süßigkeiten, damit Birgitta auf die Straße geht und ihre Mutter nicht weiter belästigt. Bis das Jugendamt eingreift und Birgitta zur Pflegestelle bei Ellen kommt.

Das dritte der Mädchen, Margareta, wurde nach der Geburt in einer Waschküche ausgesetzt und kam schon als Baby zur Pflegemutter Ellen. Sie studiert später Archäologie, wechselt aber und wird Physikerin. Im Erwachsenenalter reflektiert sie ihre Situation als ausgesetzter Säugling und ist froh, dass die unbekannte Frau so klug war, sie auszusetzen, denn wer weiß, so resümiert Margareta, was ihr dadurch erspart geblieben ist. Sie hat ja auch den Vergleich zu ihren beiden Pflegeschwestern, die zwar Mütter hatten, was ihnen aber nicht dazu gereichte, als Kinder ein Urvertrauen in die Welt zu entwickeln, sie im Gegenteil lebenslang belastete und zeichnete.

Während zwei der Mädchen ein sogenanntes normales Leben führen können, beruflich etabliert sind, gerät Birgitta auf ein Gleis, welches sie, die ehemals Schöne, die milchweiße Antwort ihrer Heimatstadt Motala auf Marilyn Monroe, auf einer verpissten Matratze aufwachen lässt, schlaff wie ein Hefeteig, ein Wrack, ihr einzig verbliebener Ehrgeiz nach Alkohol und Zigaretten gierend.

Es ist kein schönes Buch, es beantwortet keine Fragen, es erschüttert. Die „Aprilhexe“ ist sicher ein sogenanntes Frauenbuch. 5 Frauen, 5 Schicksale, die Pflegemutter Ellen, die behinderte Tochter Desiree und die 3 Pflegetöchter, miteinander verwoben und verstrickt, und die Knoten lösen sich nicht. Wenn man fertig ist mit dem Roman, ist man noch lange nicht fertig mit dem Gelesenen.

Die schwedische Autorin Majgull Axelsson, 1947 geboren, verheiratet, 2 Söhne, hat viele Preise gewonnen, jedoch bislang keine internationalen.

In einem Vorwort weist die Schriftstellerin darauf hin, dass sie zum Thema der Aprilhexe oder auch den Benandanti von Ray Bradbury, dem amerik. Schriftsteller und Drehbuchautor, inspiriert wurde („The Halloween tree“, “Moby Dick“, „Fahrenheit 451“).

Und hier schließt sich wieder ein Kreis, … Bücher, … Lesen ... wegfliegen wie die Aprilhexe ...
77 Kommentare|8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. Dezember 2001
Selten ist mir ein Buch begegnet das so viele verschiedene Varianten eines Lebens beschreibt wie dieses! Hervorragend gelungen ist die Beschreibung der Kette von Unglücken, die das Bevormunden der Mutter Désirée's nach sich zog: so viele Schicksale werden beeinflußt durch Entscheidungen, die denen, die sie betrafen, abgenommen wurden. Jedes dieser Leben hat seine eigene, hochinteressante und schlüssige Geschichte, die schonungslos und ohne übliche Schleier gezeigt werden. Mitgefühl und Verständnis stellten sich bei mir ein, und die Absicht, weniger schnell zu Vorurteilen zu neigen als bisher. Schließlich sehe ich immer nur den Teil einer Geschichte, die eigentlichen Hintergründe bleiben oft verborgen- das habe ich gelernt bei der Lektüre die mich zutiefst betroffen gemacht hat, dennoch ein schönes, ungewöhnliches Ende findet!
0Kommentar|17 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 27. Mai 2007
Desirée, seit ihrer Geburt spastisch gelähmt, ist eine Aprilhexe. Sie kann in andere Körper schlüpfen und bedient sich derer, um das Leben ihrer Pflegeschwestern auszukundschaften, die Desirées Mutter zu sich genommen hatte, nachdem die leibliche Tochter in einem Pflegeheim untergebracht war.

"In einem hässlichen Körper steckt eine hässliche Seele", "Behinderte sollte man in Heimen verwahren, und das Beste für die Eltern ist es, keine enge Bindung aufzubauen." Es ist noch gar nicht lange her, dass diese Einstellungen gesellschaftliche Norm waren. Dies macht das Buch am Beispiel Desirées drastisch deutlich. Und ebenso deutlich macht es, wie menschenverachtend und blödsinnig dieses Denken war.

Trotz allem scheint von den vier Schwestern Desirée diejenige zu sein, die am ehesten mit ihrem Leben und ihrer Situation in Einklang steht und zurecht kommt. Die drei anderen wirken wie zerfressen von Misstrauen, Lebensunlust und Neid, obwohl zwei von ihnen - Christina als Ärztin und Margareta als Physikerin - Karriere gemacht und sich eine bürgerliche Existenz aufgebaut haben. Auch wenn sie als Kinder sehr verschieden waren, die ruhige angepasste Christina, die fröhlich-lebendige Margareta, die rebellische Birgitta, sind sie als Erwachsene nur durch die Lebensumstände voneinander zu unterscheiden: Christina ist verheiratet und Mutter zweier Töchter, Margareta lebte in verschiedenen Beziehungen, Birgitte ist Alkoholikerin und prostituiert sich. Sobald zwei der Frauen aufeinander treffen, bricht, trotz gegensätzlichen guten Willens, Krieg aus.

Keine der drei kennt Desirée, und um dies zu ändern, lässt sie ihren Pflegeschwestern Botschaften zukommen, die diese mit den dunkelsten Punkten ihrer Vergangenheit konfrontieren.

Soweit hätte das Buch 5 Sterne verdient, doch der Schluss befriedigt nicht ganz. Zwar führt die Autorin die Stränge auf eine Weise zusammen, die durchaus den Begriff "Ende" verdient, aber die entscheidende konkrete Begegnung, der die Handlung des Buches zustebt, bleibt aus.
0Kommentar|5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 15. März 2000
Als Mann hat mich die "Die Aprilhexe" innerlich sehr beschäftigt und beeinflußt auch aktuell meine Gedanken und Gefühle. Die Geschichte hat mich gefesselt und ich konnte das Buch einfach nicht aus meinen Händen legen. Es mußte von mir gelesen werden, auch wenn ich zeitweise mit mir kämpfte und es lieber zu einem späteren Zeitpunkt gelesen hätte. Die Figur der Desiree hat mir persönlich besonders gut gefallen. Es lag wohl an ihrem Interesse für die Naturwissenschaften, das ich persönlich mit ihr teile, und ihrer ganzen Persönlichkeit, die mir vertraut erschien. Sie habe ich im Buch lieben gelernt und mit ihr bin ich geflogen und am Ende der Geschichte untergegangen. Ich möchte das Buch nicht nur der Leserin sondern auch dem Leser empfählen.
11 Kommentar|13 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. Juni 2000
Ich war von der Aprilhexe restlos begeistert. Selten wird man von einem Buch so gefangen und mitgerissen. Die Autorin läßt die Leser so tief in die einzelnen Personen und Schicksale eintauchen, dass man anfängt in diesem Buch zu leben. Herzlichen Dank an Frau Axelsson.
0Kommentar|6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. Mai 2000
In der heutigen Zeit, angesichts erschreckender Verkehrsstatistiken, hat sich sicher der ein oder andere Verkehrsteilnehmer mit den Folgen eines schweren Unfalls auseinandergesetzt. Gelähmt bis zum Hals, blind oder ein anderer bleibender Schaden? Sollte dieser Fall eintreten, kann sich so mancher nicht vorstellen, wie er weiterleben könnte. Ist ein Leben ohne benutzbarem Körper in unserer Welt überhaupt vorstellbar? Es ist! Dieses Buch hat mich tief bewegt. Ich konnte viele Bilder nachvollziehen, viele Situationen, vor die ich in meinem als Behinderte gestellt wurde, wiedererkennen. Bei all ihrer Wut, Trauer, Verzweiflung, ihrem Hunger nach selbsterlebtem Leben, ihren Rachegelüsten und nicht zuletzt mit ihrer unausgesprochenen Bitte nach Liebe, macht Desireé uns in diesem Buch Eines klar: Jedes Leben, behindert, verzweifelt oder verpfuscht, ist es wert, gelebt zu werden!
0Kommentar|16 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 27. Februar 2005
Auch mich hat dieses Buch sehr fasziniert. Selten habe ich das Entstehen der einzelnen Figuren so intensiv miterleben können. Fast filigran, liebevoll werden die Frauenschicksale erzählt. Jedes Schicksal für sich ist schon grausam, so gebündelt manchmal schwer zu ertragen. Trotzdem schafft es die Autorin, die Personen nie nur als Opfer darzustellen, nie nur in Selbstmitleid zu versinken. Sie versucht immer, mit Erfolg, eine positive Seite an dem Geschehenen zu erkennen. Sehr lesenswert, wenn man sich auf das Buch einlässt. Die Gedanken der behinderten Desiree haben auch mich überrascht. Als hochintelligente Person sein Leben lang ans Bett gefesselt zu sein, und trotzdem nicht am Leben zu verzweifeln, bewunderswert. Mich hat dieses Buch sehr berührt. Obwohl "schwere Kost" dargeboten wird, habe ich dieses Buch als sehr lebensbejahend und positiv verstanden. Nie aufgeben und den Kopf hängen lassen. Auf jeden Fall empfehlenswert.
0Kommentar|9 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. Oktober 2002
Die Autorin schafft es, mit alltäglichen Geschichten zu fesseln. Die gleiche Begebenheit, aus verschiedener Sichtweise erzählt, stellt sich vollkommen anders dar. Selbst die verkehrte Logik drogenbenebelter Gedanken wird wie selbstverständlich in den Fluss der Geschichte eingebaut. Die Autorin hält bewusst keinen Abstand und die Spannung lässt bis zum Ende nicht nach. Ein sehr emotionales Buch dass Spuren auf der Seele hinterlässt.
0Kommentar|4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. April 2001
Die Aprlhexe empfehle ich allen Menschen, die mit sogenannten Behinderten zu tun haben. Es eröffnet eine ganz neue Sichtweise auf die Gedankenwelt derer, von denen man meint, daß sie nichts mitbekommen. Dieses Buch ist aber so spannend u. gut geschrieben, daß es jede lesen sollte.
0Kommentar|17 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 5. Oktober 2007
Ein sehr bewegendes Buch! Wenn ich auch die ersten
Seiten etwas "einleseschwierig" fand,konnte ich dann
das Buch kaum noch aus der Hand legen.
Sehr gut beschriebene Charaktere,
man kann sich die Personen sehr lebhaft vorstellen,
jede auf ihre Weise genial geschildert, glaubwürdig,
grandios geschilderte Geschichte!
Grosses "Kino", hat mir sehr gefallen!
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen