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128 von 134 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit-Leiden auf 600 Seiten
Gleich vorweg: Ein großartiges Buch.
Perlmann ist ein Linguist, der es weit gebracht hat und nun plötzlich an einem Punkt ankommt, wo er "nichts mehr zu sagen hat." Weil er aber auch das niemandem sagt, wird er weiterhin zu Tagungen eingeladen, soll Vortragsmanuskripte einreichen und eine Ehrenprofessur in Princeton erhalten. Und nun findet er...
Am 4. Januar 2001 veröffentlicht

versus
53 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Linguist ohne Gegenwart
Ein dickes Buch hat Pascal Mercier geschrieben. 639 Seiten ist es lang geworden. Der Inhalt ist aber nun keineswegs eine generationsübergreifende Familiensaga oder ein üppiges Historiengemälde, der Gegenstand des Romans ist ein vierwöchiges Forschungsseminar, zu dem sich neun führende Linguisten an der Küste Liguriens getroffen haben...
Am 23. Juni 2000 veröffentlicht


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128 von 134 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit-Leiden auf 600 Seiten, 4. Januar 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Perlmanns Schweigen: Roman (Taschenbuch)
Gleich vorweg: Ein großartiges Buch.
Perlmann ist ein Linguist, der es weit gebracht hat und nun plötzlich an einem Punkt ankommt, wo er "nichts mehr zu sagen hat." Weil er aber auch das niemandem sagt, wird er weiterhin zu Tagungen eingeladen, soll Vortragsmanuskripte einreichen und eine Ehrenprofessur in Princeton erhalten. Und nun findet er sich als Hauptverantwortlicher einer linguistischen Fachtagung wieder, deren Krönung ein Vortrag von ihm, dem berühmten Perlmann, sein soll. Allein der Gedanke an die zahllosen Situationen, in denen andere (Kollegen, die Tochter, die Sekretärin, sogar die Hoteldame oder der Kellner) merken könnten, wie es um ihn bestellt ist, bringt Perlmann fast um den Verstand. Seine Gedanken kreisen nur noch um den Teufelskreis "Tarnen-Verbergen-Unvorhergesehene Zwischenfälle-Entlarvtwerden", und nur die abendlichen Schlaftabletten und eine zunehmende Absonderung von der Gruppe helfen ihm mit Mühe durch die Wochen dauernde Fachtagung.
Für den Leser, zumal den mit der wissenschaftlichen "Szene" vertrauten, ist die Lektüre nicht selten an der Schmerzgrenze: Man kann es ja so gut verstehen! Wie Perlmann sich jede Einzelheit in allen entsetzlichen Konsequenzen bis ins letzte ausmalt, dann aber doch einfach weitermacht und schließlich nicht selten nur durch "dumme Zufälle" gerettet wird. Ab und zu hört man kurz auf zu lesen, um einfach wieder durchzuatmen.
Für alle, die auch schon einmal am Tag der Veranstaltung das Manuskript nicht hatten und sich gefragt haben, warum das Ganze eigentlich so wichtig ist: ein Muss (und ein Vergnügen). Für alle anderen: vielleicht ein wenig zu detailreich in der Beschreibung der wissenschaftlichen Auseinandersetzungen.
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52 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannendes aus akademischen Kreisen!, 22. April 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Perlmanns Schweigen: Roman (Taschenbuch)
Die Voraussetzungen sind gut: Ein erlesener Kreis von Sprachwissenschaftlern tagt einige Wochen (!) in mediterraner Herbststimmung, um Fachgespräche zu führen. Einer aus der Gruppe, Perlmann, verfängt sich hinter dieser Fassade immer mehr in zwang- und wahnhaften Gedankengebilden und schließt sich damit innerlich völlig von der Gruppe (und dem Rest der Welt) aus, empfindet diese stattdessen zunehmnend als Bedrohung. Eine einfallsreiche Geschichte, die sich über weite Strecken im Kopf der Hauptperson abspielt. Das Abdriften der innerlichen Erlebenswelt Perlmanns mit der ständigen Drohung einer äußeren Manifestation in Form einer Gewalttat bildet einen genialen Spannungsbogen. Akribische, nie gekünstelt wirkende Wortwahl und schöner Schreibstil sorgen für Genuß beim Lesen. Die Exkursionen in philosophische Aspekte der Sprache (z. B. die Darstellung von Erlebtem durch das Medium Sprache, die Schwierigkeiten des Dolmetschens und Übersetzens) habe ich genossen; ebenso die guter Menschenkenntnis entsprungenen Charakterbeschreibungen. Die genaue Schilderung alltäglicher Vorgänge ist nie langweilig, bringt aber dem Leser die quälende Anspannung der Hauptfigur nahe. Wunderbar auch die treffend beschriebenen Gesprächssituationen + Gedankengänge aus der akademischen Welt, auch für Nicht-Sprachwissenschaftler von hohem Wiedererkennungswert. Desgleichen kommen die Freunde der Ligurischen Küste auf ihre Kosten.
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107 von 114 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Well, Pascal, nice little book, 24. April 2007
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Perlmanns Schweigen: Roman (Taschenbuch)
Philip Perlmann, Linguistikprofessor und anerkannte Kapazität seines Fachs, soll ein Treffen hochrangiger Wissenschaftlerkollegen in einem luxuriösen italienischen Hotel leiten.

Was diese Kollegen jedoch nicht ahnen und auch nicht erfahren dürfen, ist, dass Perlmann sich seit längerer Zeit völlig ausgebrannt fühlt und überzeugt ist, zur Wissenschaft im allgemeinen und zu seinem Fach im besonderen nichts mehr zu sagen zu haben.

Innerlich hat sich Perlmann längst aus dem Wissenschaftsbetrieb verabschiedet und empfindet dessen Mechanismen - den Zwang, ständig neue Erkenntnisse zu liefern, eigene Thesen zu verteidigen, Irrtümer von Kollegen aufzudecken etc.- nur noch als nutzlos und bedrohlich.

Wirkliche Freude empfindet Perlmann nur noch beim Übersetzten aus fremden Sprachen, jener Leidenschaft, die ihn einst zur Linguistik geführt hat.

So nutzt er die Zeit, die eigentlich zur Ausarbeitung seines eigenen - von allen mit Spannung erwarteten - Beitrags erforderlich wäre nicht zu dessen Vorbereitung, sondern zur Übersetzung eines russischen Aufsatzes, den ein im persönlich bekannter aber in Fachkreisen völlig namenloser russischer Autor verfasst hat.

Die Panik, den Kollegen einen eigenen Beitrag vorstellen zu müssen, verleitet ihn in einer Kurzschlussreaktion dazu, den übersetzten russischen Text zur Verteilung an die Kollegen weiterzugeben. Ihm ist bewusst: sollte dieses Plagiat aufgedeckt werden, wäre seine berufliche und soziale Existenz vernichtet.

Als plötzlich und völlig unerwartet der russische Autor des Textes seine Ankunft ankündigt, sieht Perlmann nur noch einen Ausweg: Er muss den russischen Kollegen töten! In Perlmann reift ein minutiöser Mordplan, der seinen eigenen Selbstmord einschließt...

Pascal Mercier (alias Professor Peter Bieri) ist in meinen Augen ein brillanter Roman gelungen: In hervorragender Weise gelingt es dem Autor, die innere Zerrissenheit seines Protagonisten plastisch zu machen, der zwischen dem Gefühl, aus dem als gnadenlos empfundenen Wissenschaftsbetrieb ausbrechen zu müssen und dem Bewusstsein, damit seine gesamte bisherige Existenz in Frage zu stellen derart zerrissen wird, dass er zur Vertuschung eines (vermeintlichen) Plagiats keinen anderen Weg mehr sieht als einen Mord und seinen Selbstmord.

Dies gelingt Mercier zum einen durch seine genaue Beschreibung der zunehmend paranoiden Gefühlswelt des Protagonisten. (Diese Beschreibungen habe ich, anders als andere Rezensenten, weder als monoton noch detailversessen sondern als dem Bewusstseinszustand der Hauptfigur angemessen empfunden) Zum anderen durch die hervorragend entwickelten weiteren Charaktere, insbesondere den "Haupt-Antagonisten" Brian Millar (Ich hoffe, ich habe dessen Diktion in meiner Überschrift leidlich getroffen.) Hier kommen dem Autor offensichtlich seine "Insider-Kenntnisse" aus dem realen Wissenschaftsbetrieb zugute.

Obwohl der Roman über 630 Seiten stark ist, reißt der Spannungsbogen in keinem Moment ab. Im Gegenteil: Ich habe das Buch mit einigen Jahren Abstand ein zweites Mal gelesen und es kann die Spannung sogar wieder aufbauen, wenn man den Plot bereits kennt.

Das gelingt nach meiner Einschätzung kaum einer Geschichte und macht diese daher in meiner persönlichen Wertung zu einem der für mich seltenen "Fünf-Sterne-Bücher".

Insgesamt ein herausragendes Buch, dass mitreißende Spannung mit höchstem Anspruch und Eloquenz vereint: Eine absolute Leseempfehlung.
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23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie schafft es Mercier nur immer wieder ..., 4. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Perlmanns Schweigen: Roman (Taschenbuch)
...seine Leser zu faszinieren, sie zu berühren, sie hineinzuziehen in das Denken und Fühlen seiner Protagonisten?

Die Geschichte als solche ist wenig spektakulär. Eine erlesene Auswahl von Linguisten kommen zum wissenschaftlichen Disput in einem Hotel an der ligurischen Küste zusammen. Doch ausgerechnet der Hauptverantwortliche, seinen Vortrag als Höhepunkt fest im Terminplan...hat nichts zu sagen, ist fertig mit seinem Fach, mit dem Forschen, Vorträgen, seiner wissenschaftlichen Vita.
Stattdessen gibt er sich ganz in die Übersetzung eines Fachtextes aus dem Russischen hin. Statt sich auf seinen Vortrag vorzubereiten kann er nicht ruhen, bis das Essay in all seinen Wendungen übersetzt ist. Doch...ihm läuft die Zeit davon und sein Inneres wehrt sich gegen sein Schweigen als Linguisten, der eigentlich nichts mehr zu sagen hat und nichts mehr sagen will"
Er fasst einen folgereichen Entschluss....

Wie sehr habe ich dieses Buch genossen. Mercier lässt den Leser von Anfang an in die Gedanken und Gefühlswelt Perlmanns einsteigen. Schon auf den ersten Seiten erfährt er wie es um den großen und bedeuten Linguisten steht. Wie ausgebrannt er ist, wie sehr er nur noch die Kraft besitzt die Fassade als renommierter Wissenschaftler aufrechtzuerhalten. Sei es an der Universität, sei es seiner geliebten Tochter gegenüber, die ihn als Vater liebt und als Wissenschaftler bewundert und vergöttert.
Schon früh wird klar, dass sich Perlmann in eine Sackgasse begibt. Der Leser sympathisiert von Anbeginn mit ihm, sind doch seine Gedankengänge für jeden, der sich leer fühlte aber Volles zu leisten hatte, absolut nachvollziehbar.
Erschreckend auch die Plausibilität der Gedanken, die ihn zu der Entscheidung, die er trifft, führt. Als Leser sucht man mit nach Möglichkeiten, wie Perlmann sich aus der Verantwortung für diesen von seinen Kollegen so sehr erwarteten Vortrag ziehen kann.

Sehr gelungen fand ich die Beschreibung der anderen Tagungsteilnehmer aus der Sicht Perlmanns. Wie die Einzelnen auf ihn wirken, was sie durch ihre Art des Sprechens, der Kleidung, der Eigendarstellung in Perlmann bewirken, war absolut nachvollziehbar. Besonders beachtlich dann jedoch die Wendung! Reflektiert und seine bisher gewonnen Eindrücke relativierend, verändert sich, da er sich verändert hat, der Blick auf seine Kollegen. Und auch hier, zieht der Leser wieder mit, in seinem Erleben. Ein Glanzstück, dass Mercier damit gelungen ist!

Ein Thema, das auch bei Der Klavierstimmer" und Der Nachtzug von Lissabon" immer wieder auftauchte, war der Umgang mit Sprache, insbesondere Fremdsprachen. Das Erleben eines Lernenden. Das Eintauchen in eine fremde Sprache, schrittweise zu erlernen, sie zu ergründen. Wie in den obengenannten Büchern ist es hilfreich, die ein oder anderen Kenntnisse des Englischen, speziell in diesem Buch des Italienischen, zu haben. Für Leute, die des Russischen mächtig sind, ist dieses Buch sicher ein ganz besonderer Genuss.

Sehr genossen habe ich die Passagen des Klavierspielens. Die Schilderung von Millars Spiel und letztendlich des eigenen. Als eher mittelmäßige Klavierspielerin ;) waren die Schilderung der verschiedenen Techniken grandios. Für alle die auch ein Instrument spielen sicher auch sehr eindrucksvoll das Umgehen und Denke Perlmanns mit den sogenannten Angststellen"

Perlmanns Schweigen" war für mich ein einziges Atemanhalten, trotz der sehr eindrücklich geschilderten Ausweglosigkeit der Titelfigur, ist es kein trostloses oder trübes Buch. Im Gegenteil, es macht Mut. sich Konventionen zu widersetzten und den Augenblick zu sehen - die Gegenwart zu fühlen und zu erleben als das Wichtigste.

Ein wunderbares Buch - absolut lesenswert!
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33 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schweigen als Ausdruck verlorener Identität - toller Roman!, 28. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Perlmanns Schweigen: Roman (Taschenbuch)
Ein Buch, welches einen die negativsten Gefühle miterleben lässt zu denen ein Mensch fähig ist, ohne jemals ins Kitschige oder Pathetische abzudriften. Es berührt einen, aber es rührt nicht. Die Sprache des Autors spiegelt die Innenwelt des Professors Perlmann wider, der stets nach einer Gegenwart sucht. Sie dringt bis in die tiefsten Gedanken und Empfindungen des Protagonisten ein, ohne wirklich eine Nähe zu schaffen. Die Gegenwart Perlmanns verschwimmt für den Leser, genau so wie sie für ihn selbst verschwimmt. Die Abhandlungen über Sprache, zwingen bestimmte Passagen doppelt zu lesen, um den Gedanken folgen zu können, die von einer bestechlichen Klarheit sind. Sehr eindringlich, die Passagen, wo der Autor Übersetzungsschwierigkeiten beschreibt, die mit der exakten Bedeutung eines Wortes kämpfen.

Schade ist, dass der Klappentext schon einiges verrät.

Der Wendepunkt der Geschichte, in der die Ausweglosigkeit Perlmanns ihren Höhepunkt erhält, ist darin angedeutet, so dass er für mich keine Überraschung mehr war. Die Diskussion, die Perlmann über die Frage der Schuld einer kriminellen Tat mit sich selbst führt, ist bis ins letzte Detail nachvollziehbar. Der Roman beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Motivation zu dieser Tat, die mit der komplexen Lebensgeschichte eines Menschen zu begründen ist, der bestimmten Konventionen verhaftet ist. Er lässt den Leser mit der Gewissheit zurück, dass er jederzeit selbst in eine derartige ausweglose Situation geraten kann. Ein sehr intelligenter, lesenswerter Roman.
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22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Identitätskrise eines Wissenschaftlers, 22. April 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Perlmanns Schweigen: Roman (Taschenbuch)
Für mich der beste deutschsprachige Roman seit Jahren. Die Geschichte um Perlmanns Schaffenskrise entwickelt einen unheimlichen Sog: Es ist kein Buch, bei dem sich der Leser genüßlich zurücklehnt und die Geschehnisse von außen betrachtet, nein, er selbst wird zu Perlmann, im Innersten betroffen von den immer tiefern Verstrickungen des "Helden". Sprachlich und psychologisch ein Meisterstück - und eine glänzende Widerlegung von Marcel Reich-Ranickis Diktum, es gäbe heutzutage keine bedeutenden Romane mit mehr als 500 Seiten Umfang.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nachvollziehen einer Sinnkrise, 22. März 2009
Von 
Detlef Knut "donkelmann" (Oberkassel) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Perlmanns Schweigen: Roman (Taschenbuch)
Der weltweit hoch angesehene Sprachwissenschaftler Professor Philipp Perlmann ist beauftragt worden, eine Arbeitskonferenz mit weiteren internationalen Sprachwissenschaftlern in einem ligurischen Küstenort abzuhalten. Es soll eine wissenschaftliche Arbeit erstellt und diskutiert werden. Doch mit dem Eintreffen jeder weiteren Kollegin und jedes weiteren Kollegen fühlt sich Perlmann immer mehr überfordert. Er versteht nicht mehr, warum er überhaupt mit diesem Treffen beauftragt worden ist. Er ist der Meinung, er könne den Kollegen nicht das Wasser reichen, er hätte ihnen und der Welt nichts mehr zu sagen. Grund genug, sich von ihnen abzukapseln und zurückzuziehen. So lässt er sich unter Angabe fadenscheiniger Gründe ein anderes Hotelzimmer weitab von den Kollegen in der obersten Etage geben, nimmt nur ganz selten an den gemeinsamen Mahlzeiten und den Beratungen und Diskussionen teil. Seinen amerikanischen Kollegen sieht er zunehmend als Konkurrenten. Die Arbeit an seinem eigenen wissenschaftlichen Beitrag schiebt er immer weiter hinaus, setzt sich stattdessen in seinem Hotelzimmer an einen wissenschaftlichen Beitrag seines russischen Kollegen, der leider nicht an diesem Arbeitstreffen teilnehmen kann, weil dieser trotz der Öffnung Russlands gen Westen keine Ausreisegenehmigung erhalten hatte.
Obwohl Perlmann nicht der russischen Sprache mächtig ist, bemüht er sich um Wörterbücher und beginnt die Übersetzung des Textes, teilweise auch über Umwege in Form der italienischen und englischen Sprache. Seine Versagensangst hat ihn mittlerweile wieder zur Zigarette greifen lassen und im Wettbewerb mit seinem amerikanischen Kollegen nimmt er Kontakt zu einer alten Freundin auf, um seine musikalischen Kenntnisse aufzufrischen und bestätigen zu lassen. Woche um Woche vergeht, seinen wissenschaftlichen Text schiebt er nachwievor, die Übersetzung des russischen Textes bringt er zur Perfektion. Als sich schließlich sein russischer Kollege per Telegramm doch noch zur Konferenz meldet, schmiedet er einen teuflischen Plan. Noch bis vor kurzem hätte Perlmann es nicht für möglich gehalten, solch eine Handlung zu begehen.

"Permanns Schweigen" ist ein packender Roman um die Sinnkrise eines renommierten Mannes in seinen Wechseljahren. Mit detailgenauer Akribie beschreibt Pascal Mercier ("Nachtzug nach Lissabon") die Gedankenwelt dieses Mannes und das Geschehen in dem ligurischen Küstenort. Während der über 600 Seiten der Taschenbuchausgabe meint man, sich selbst im Hotel zu befinden und das Geschehen aus unmittelbarer Nähe zu betrachten. Die gedanklichen Monologe verlieren sich nicht in ihrer Länge, sondern werden immer wieder vom aktuellen Tagesgeschehen im Hotel und um die Wissenschaftlergruppe herum unterbrochen. Dies geschieht in einem ausgewogenen Wechsel, der keine Langeweile zulässt. Die Welt um Perlmann scheint zu einem Mikrokosmos zu werden, er wird zu einem Vertrauten, den man mehr und mehr zu verstehen meint. Obwohl es für viele Leser durchaus andere Möglichkeiten als die geplante Tat zur Lösung von Perlmanns Konflikt geben wird, kann man die Gründe, die ihn dorthin führen, klar und deutlich nachvollziehen. Der Autor komponiert dabei ein "Abenteuer" nach dem anderen in einer ausgewogenen Reihenfolge, so dass das Geschehen zwangsläufig in eine ausweglose Situation führen muss. Es sind natürlich keine Abenteuer, die ein Westernheld bestreiten würde. Es sind alltägliche Dinge, wie das Klavierspielen, das Lesen einer Weltchronik, die Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen, oder der Nachhilfeunterricht für ein kleines Schulmädchen, die in diesem psychologischen Roman für eine außerordentliche Spannung sorgen. Die Frage, wie Perlmann aus dieser Situation herauskommt, stellt sich immer wieder aufs Neue und facht den Wunsch zum schnellen Weiterlesen erneut an.
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54 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Atemlose Spannung, 29. Dezember 2002
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Perlmanns Schweigen: Roman (Taschenbuch)
Ich stöbere gerade wieder bei amazon und schaue nach, ob Pascal Mercier endlich einmal wieder einen neuen Roman geschrieben hat. Ich rufe erneut "Perlmanns Schweigen" auf. Es sind bestimmt vier Jahre her, seit ich diesen Wahnsinnsroman gelesen habe, und ich habe seitdem viele, viele Bücher gelesen. Aber immer noch ist mir Perlmanns Schweigen ganz nah. Immer noch erinnere ich mich an meine Fassungslosikgeit über sein Handeln oder besser Nichthandeln auf diesem Kongress. Das war Spannung vom feinsten und dazu in einer wunderbaren Ausdruckweise geschrieben. Es ist bis heute für mich eines der besten deutschen Bücher!
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unglaublich erschütternde psychologische Einblicke, 7. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Perlmanns Schweigen: Roman (Taschenbuch)
Zunächst dauert es etwas bis die Geschichte in Fahrt kommt - doch dann entwickelt sie eine Dynamik, der man sich nicht mehr entziehen kann. Perlmann macht sich eigentlich Sorgen um ein Scheinproblem. Der Tod seiner Frau wäre Grund genug, um sich zu rechtfertigen, dass er für das mehrwöchige wissenschaftliche Arbeitstreffen keinen eigenen Beitrag entwickelt hat. Doch Perlmann steigert sich derartig in die Sache hinein, zieht sich völlig von der Gruppe zurück, verstrickt sich in ein Netz aus Lügen und begeht fast einen Mord. So führt das irreale Problem schließlich zu massiven realen Nöten und Konflikten.
Als Leser ist man hin- und hergerissen zwischen Verachtung, Entsetzen, Mitleid und Hoffnung. Man erleidet mit Perlmann die ganze Wucht seiner Verzweiflung und Einsamkeit, schämt sich für seine Peinlichkeiten, fühlt sich hilflos angesichts seiner Tablettensucht und atmet auf, wenn es ihm mal wieder geling den schönen Schein zu wahren.
Mercier gewährt hier einen erschreckenden Einblick in die Abgründe menschlicher Existenz, der manchmal kaum zu ertragen ist.
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53 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Linguist ohne Gegenwart, 23. Juni 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Perlmanns Schweigen: Roman (Taschenbuch)
Ein dickes Buch hat Pascal Mercier geschrieben. 639 Seiten ist es lang geworden. Der Inhalt ist aber nun keineswegs eine generationsübergreifende Familiensaga oder ein üppiges Historiengemälde, der Gegenstand des Romans ist ein vierwöchiges Forschungsseminar, zu dem sich neun führende Linguisten an der Küste Liguriens getroffen haben. Leiter dieses Forschungskolloquiums ist die Titelfigur Perlmann, Professor für Linguistik aus Frankfurt. Aus seiner Perspektive werden nun mit verblüffender Liebe zum Detail die einzelnen Tage dieses Kolloquiums beschrieben. Nun bleiben dem Leser die Inhalte der Diskussionen über Grammatiktheorien zwar weitgehend erspart, aber der Ablauf der Argumentation wird mit einer Genauigkeit festgehalten, die jedem Protokollanten in einem Oberseminar eine gute Note sichern würde. Der eigentliche Gegenstand des Romans sind aber nicht diese Diskussionen, sondern die dadurch ausgelöste Seelennot von Prof. Perlmann. Er befindet sich nämlich in der unangenehmen Situation, daß ihm seit geraumer Zeit zur Linguistik nichts mehr einfällt. Er findet die ganze Disziplin einschließlich aller seiner früheren Arbeiten einfach belanglos. Er sehnt sich nach 'Gegenwart' worunter er einen Zustand unmittelbaren Erlebens versteht, einen Zustand, in dem er sich also 'ganz entspannt im Hier und Jetzt' befindet. Davon ist Perlmann aber meilenweit entfernt, denn erstens ist er ein arges Neurosenbündel und zweitens findet er zwar die Linguistik doof, aber er wagt es nicht, seinen Ruf als großer Linguist zu verlieren. Er ist ohne Vortragsmanuskript zur Tagung angereist und schafft es auch in den folgenden drei Wochen nicht, etwas zu schreiben. Statt dessen übersetz er mühsam das Manuskript seines Kollegen Leskov aus dem Russischen. Leskov war auch zur Tagung eingeladen, hatte aber keine Ausreisegenehmigung erhalten. Daß Leskov ihm sein Vortragsmanuskript zugeschickt hat, wissen die anderen Teilnehmer nicht. Als der Tag da ist, an dem Perlmann seinen Vortragstext zum Kopieren abgeben soll, reicht er das Manuskript der Übersetzung von Leskovs Vortrag ein. An dieser Stelle der Handlung sind wie auf Seite 294 des Romans und mehr soll nicht verraten werden, denn es soll ja spannend bleiben. Und spannend geschrieben ist der Roman trotz des trockenen Themas durchaus. Es entsteht eine Mischung aus einem Neurotikerportrait (à la Fritz Zorn, Mars), einem Campus-Roman (à la David Lodge, Schnitzeljagd) und einer Kriminal - Farce. Wem kann man einen solchen Roman empfehlen? Ich vermute, viele geisteswissenschaftlich gebildeten Akademiker könnten ihre Freude daran haben. Sie bringen möglicherweise auch Verständnis dafür auf, daß Mercier der Frage, wie russisch 'osvaivat' zu übersetzen ist, mehrere Romanseiten widmet. Ist ja doch auch irgendwie interessant. Empfohlen sei das Buch auch allen Studenten und Studentinnen der Geisteswissenschaften. Es könnte nämlich gut sein, daß sich das Innenleben des Professors, vor dem man sich fürchtet oder den man bewundert, nicht so sehr von dem des Professors Perlmann unterscheidet. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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Perlmanns Schweigen: Roman
Perlmanns Schweigen: Roman von Pascal Mercier (Taschenbuch - 1. August 1997)
EUR 13,00
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