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Kundenrezensionen

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am 2. Januar 2002
Irvin D. Yalom
Und Nietzsche weinte!
„Werde wer Du bist!", „ Man liebt zuletzt seine Begierde und nicht das Begehrte!" und „Ein sicheres Leben ist gefährlich!" - obwohl schon an sich unglaublich anregend, sind es nicht allein diese (Original)Aussagen Nietzsches, die das Buch so verführerisch und unglaublich spannend halten! Es ist vielmehr die Mischung aus leicht verdaulicher Philosophie - ohne dass diese für einen Experten auf diesem Gebiet mager erschiene -, aus den Problemen eines zur Neige gehenden Lebens, mit denen beinah Jeder konfrontiert wird, der denkt er habe den Höhepunkt seines Lebens bereits überschritten und der Widerspiegelung bzw. Vorstellung geschichtlicher Ereignisse und den mit ihnen im Zusammenhang stehenden Personen, die sich im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts versammelten! Lou Salome, Siegmund Freud, Josef Breuer und Friedrich Nietzsche - sie alle ergeben ein hervorragendes philosophisches Quartett, verbunden durch unerfüllte Liebe, Leidenschaft, Verehrung und unausgesprochene Hilfsbedürftigkeit. In Form verbaler Duelle, dringen insbesondere Breuer und Nietzsche, in die tiefgründigsten und dunkelsten Schichten des Bewusstseins, um der Ursache ihrer (beider) Probleme auf den Grund zu kommen. Schließlich lässt sich nicht mehr konkret bestimmen wer dabei die Rolle des helfenden Arztes und wer die des geplagten Patienten einnimmt, da sie letztendlich gemeinsam, als vom Leben bedrückte Menschen nach einer Lösung suchen, einem Ventil, das ihre Leiden entlässt.
„Und Nietsche weinte" ist ein kleines Meisterwerk mit der Garantie der größten Lesefreude!
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am 21. Januar 2006
Der eine scheint alles zu haben, der andere scheint nur auf der Flucht zu sein.
Wien, ausgehendes 19.Jahrhundert: der angesehene Wiener Arzt Josef Breuer hat alles, was sich ein Mann wünschen kann: volle Kassen, eine große Familie, eine hübsche Frau, viele berühmte Zeitgenossen erbitten um seinen Rat. Und ausgerechnet dieser Mann in seinen besten Jahren wird von Lou Salome, einer attraktiven, jungen Russin, auserkoren, einem Mann zu helfen, für den es anscheinend keine Hilfe gibt: es plagen ihn Kopfschmerzen, Übelkeit, wöchentliche Anfälle.
Und so folgt Professor Nietzsche, etwas widerwillig, der Einladung seiner Freunde, der er selber nicht ganz traut. Er glaubt, dass das Wiener Klima seiner Gesundheit schadet. Doch im Gegenteil beginnt mit seiner Reise ein Heilungsprozess, der für beide mehr als überraschend verläuft: in teils heftigen Dialogen erkennen beide, dass etwas Entscheidendes in ihrem Leben bisher gefehlt hat – das Vertrauen in sich selbst und in das Leben. Und das auf doch so unterschiedliche Weise: Während der erfolgreiche Arzt und Familienvater Breuer erkennt, dass sein beschauliches Leben genau seinem Naturell entspricht und er nichts bereuen muss, entdeckt der rastlose Nietzsche, dass es in seiner Natur liegt das Leben zu erforschen und nach neuen Weiten zu suchen. So finden sie den Einklang mit ihrem Schicksal und bleiben als Freunde tief verbunden.
Mit viel Einfühlsamkeit, großer Menschenkenntnis und viel Liebe zum Detail gelingt Autor Irvin D. Yalom ein mitreißendes, emotionales Drama, dessen Grundaussage wohl niemals seine Bedeutung verlieren wird: „Werde, der du bist, und liebe das Leben!“ (Nietzsche).
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am 31. Juli 2007
Wenn am Ende der Begegnung beide gestärkt von einander gehen, der Arzt und der Philosoph, dann war eben das das Heilsame: die Begegnung selbst. Nicht irgendeine Begegnung, sondern eine die durch Offenheit, Akzeptanz und Empathie getragen ist, eine "therapeutische" Begegnung im idealen Sinn des Wortes. Ausgangspunkt sind Haltungen, die eine Begegnung eher verunmöglichen: Belehren-Wollen, verkörpert im Philosophen und Helfen-Wollen, verkörpert im Arzt. Jeder ist so zunächst des anderen Schatten. Nietzsche ist Breuers Schatten, symbolisiert die narzisstischen Seiten hinter dem Helfen-Wollen. Breuer ist Nietzsches Schatten, verkörpert die sozialen und emotionalen Sehnsüchte hinter dem Belehren-Wollen.

Im Gewand des historischen Romanes kann Yalom einige therapeutische Tabu-Themen ansprechen: Die sexuelle Faszination Breuers durch Bertha Pappenheim, die narzisstische Lust an der Konfrontation mit Nietzsche, die Sehnsucht nach der Bewunderung durch den "Schüler" Freud, die heikle Frage der "Selbstoffenbarung" des Therapeuten. Und schließlich die Freude am "byzantischen Spiel" der Intrigen und Doppelintrigen, wie es an einer Stelle des Romans heisst. Und er kann das Verdrängte der Philosophie freilegen: die Wirkungslosigkeit einer jeden bloss abstrakt vermittelten "Lebenskunst", wirkungslos auch für den Philosophen selbst, wie Yalom an Nietzsches Symptomatologie zeigt.

Das philosophische "Erkenne Dich selbst" oder "Werde, der Du bist" kann nur gelingen in der mitmenschlichen Begegnung, kann sich nur vollziehen im emotionalen Austausch. Das ist Yaloms Thema, das er in all seinen Büchern variiert. Im Nietzsche Buch wird vielleicht deutlicher als in den anderen, dass umgekehrt der emotionale Austausch nur dann zu einer Reifung der Persönlichkeit führt, wenn er eben auch von diesem "Erkenne Dich selbst" getragen ist.

Dadurch unterscheidet sich Yalom wohltuend von jenen Therapeuten, deren Behandlungsziel nicht mehr im "Werde der Du bist", sondern in der Anpassung an soziale Konventionen liegt. In Yaloms Buch kann Nietzsche jedenfalls nach seiner Kur fortgehen, um seinen Zarathustra zu schreiben. Und ist nicht ein braver Philologie-Professor mit Eigenheim, Frau, Kind und Hund geworden. Obwohl er beim Gedanken an so ein Heim heftig weinen musste. Ob aus Trauer oder Freude, bleibt Yaloms Geheimnis.
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am 6. September 2010
Habe das Buch bereits 2012 gelesen und hernach meine Meinung darüber, dass ich es als langweilig empfand und lange gebraucht hatte, um es auszulesen, nein, mehr noch, mich dazu überwinden musste, in einer Amazon-Rezension kundgetan. Nachdem ich verbal gesteinigt worden war und mir vorgeworfen wurde, ich würde es einfach nur nicht verstehen, löschte ich die ursprüngliche Bewertung. Nun ist es mir wieder in die Hände gefallen, ich finde es immer noch mühsam und empfehle es daher wieder nicht. Yalom in seinem vollen Glanz erleben heisst, die Rote Couch lesen, denn unbestritten, der Mann kann was. Was ich jedoch an dieser Stelle empfehlen kann, weil ich es als unglaublich spannend empfunden hab und empfinde, ist die Spielrein-Affäre: Freud, Jung, Sabina Spielrein. (Z.B. John Kerr, eine gefährliche Methode).
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am 27. Juli 2006
Ein mutiges, geradezu verwegenes Buch. Yalom nimmt sich mit beeindruckender Selbstsicherheit vor, Nietzsches Philosophie (eine ebenso fantastisch reiche wie oft enigmatische und widersprüchliche) auf den Einzelnen anzuwenden, die Grundgedanken und Entstehungshintergründe der frühen Psychotherapie zum Leben zu erwecken und -interpretative, aber dafür umso lebendigere- Portraits einiger der wichtigsten Persönlichkeiten des ausgehendsten 19.Jhdts zu entwerfen...all dies in einem einzigen Buch, zumal keine 450 Seiten lang. Dazu mit dem Anspruch, wo immer es geht historisch korrekt zu bleiben, die politischen, sozialen und wissenschaftlichen Zusammenhänge zu berücksichtigen und doch nicht ins Abstrakte abzudriften. Ein halsbrecherisches Vorhaben - und doch gelingt es mit einer Meisterhaftigkeit, die der eines Kundera ebenbürtig ist. Zum einen liegt dies in der Akribie, die Yalom auf die Recherche verwendet hat, mit der er reale Berichte, Texte und Überlieferungen Nietzsches, Breuers und Freuds organisch in seine Fiktion einfließen lässt, bemüht, seinen Akteuren, für die er eine offensichtliche Liebe hegt, gerecht zu werden. Und es liegt, eng verbunden damit, in der fantastischen Lebendigkeit, die er seinen Charakteren verleiht. So werden diese zum Kit, der die vielen ambitionierten Aspekte des Vorhabens zusammenhält und der so menschlich ist, dass der Balanceakt am Rande der Glaubwürdigkeit und manchmal des Kitsches stets gelingt, nie auf die andere Seite abkippt. Ein ungeheuer gutes Buch...und eines der wichtigsten, die ich gelesen habe.
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am 27. August 2004
Dieses Buch ist ein wunderbarer Ausflug ins Wien und in die Psychologie des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Figuren, die alle real existiert haben, werden fantasievoll neu miteinander in Beziehung gebracht. Man liest über die revolutionären Ideen eines jungen Arztes namens Sigmund Freud, über die ebenso verführerische wie eigenwillige Lou Salome, über den zutiefst menschlichen Doktor Josef Breuer und nicht zuletzt über das Leben und Leiden von Friedrich Nietzsche. Ein Mann, obwohl zeitlebens von schwerer geistiger Krankheit gepeinigt, der es dennoch schafft, daß seine Ideen und Überzeugungen die Zeit überdauern. Er sieht sein schweres geistiges Leiden als Prüfung an und stellt sich der Herausforderung, epochale Gedanken zu Papier zu bringen. Gerade die Beziehung zwischen Nietzsche und seinem Arzt Breuer nimmt eine überraschende Wendung und bildet damit einen tollen Abschluß. Ein Meisterwerk !!!
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am 20. November 2006
"Dichtung ist Geschichte, die hätte stattfinden können", schreibt Irvin D. Yalom in seinem Nachwort zur neueren Ausgabe des Romans "Und Nietzsche weinte". Zumindest in seinem Fall muss man ihm nicht nur Recht geben, sondern hinzufügen, dass so verstandene Dichtung den Leser im günstigen Fall nicht nur belehrt, sondern unterhält, im besten aufklärerischen Sinne also: prodesse et delectare.

Wien in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts: An den Allgemeinmediziner Josef Breuer wird von einer für den damaligen Zeitgeist erstaunlich selbstständigen jungen Frau namens Lou Salomé die Bitte herangetragen, sich um den von Depressionen und Migräneanfällen heimgesuchten Philosophen Friedrich Nietzsche zu kümmern. Breuer versucht, sich auf ungewöhnliche Art und Weise um den Fall zu kümmern. Er vertauscht die Rollen und bittet Nietzsche, ihm selbst bei seiner eigenen Verzweiflung als Berater zur Seite zu stehen, da seine Gedanken von dem Verlangen nach einer ehemaligen Patientin beherrscht würden. Die Sitzungen der beiden führen den Arzt immer mehr zu der Erkenntnis, dass die von ihm zunächst nur vorgetäuschte Empfindung Realität ist. Welche der mitunter erstaundlich modernen Behandlungsmethoden Nietzsche auch vorschlägt, nichts scheint Breuer dabei zu helfen, sich von seinen Obsessionen zu befreien. Stattdessen entfremdet er sich immer weiter von seiner Frau und seinem bürgerlichen Leben und und wird immer mehr von der Philosophie Nietzsches in ihren Bann geschlagen.

Yalom verknüpft in seinem Roman geschickt Wirklichkeit und Fiktion. Die real existierenden Personen werden von ihm in beinahe experimenteller Form miteinander in Verbindung gebracht und seine Kenntnisse der Protagonisten Breuer, Nietzsche und auch Siegmund Freud wird dazu genutzt, ein Schauspiel des "Was wäre wenn" zu inszenieren. Hinzu kommen fiktive Briefe und Tagebucheinträge, welche die scheinbare Authentizität des Geschehens ebenso bestätigen wie die Präzision, mit der der Autor das positive Wissen über die Personen dazu nutzt, sie ebenso präzise wie glaubwürdig darzustellen.

Ähnlich wie in seinem zweiten "Philosophen-Roman" (Die Schopenhauer-Kur) packt einen auch dieses Buch durch die unterhaltsam verpackte Einführung in das Werk eines bedeutenden Philosophen. Allerdings ist in diesem Zusammenhang auch darauf hinzuweisen, dass das jeweils als zweites gelesene Buch den Leser nicht mehr in demselben Maße überrascht und deshalb auch meiner Ansicht nach weniger begeistert, unter anderem, weil er einige der Gesprächsstrategien und Abläufe von psychotherapeutischen Sitzungen bereits kennt. Aus diesem Grund spiegeln die vier Sterne für diesen Roman weniger die minderwertige Qualität wider, sondern vielmehr der Erkenntnis, dass sich bei wiederholtem Gebrauch auch Buchideen abnutzen können.
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am 3. August 2001
Es ist schon ein bißchen absonderlich, bei einem Buch, das sich weitgehend mit Psychoanalyse und nietzscher Philosophie beschäftigt, zu schreiben: Das schönste Happy-End, das ich seit sehr langer Zeit gelesen habe. Alleine, es ist so. Dieser ganz, ganz wunderbare Roman endet so vollkommen, daß ich geneigt war, es der Romanfigur (!) Nietzsche gleichzutun - und zu weinen.
Protagonisten dieses Glanzstückes sind Dr. Josef Breuer, hochangesehener jüdischer Arzt im Wien des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts, dessen Protegé, der junge Sigmund Freud, Friedrich Nietzsche, verkannter Philosoph, dessen Erstlinge Auflagenstärken erzielen, die an heutige Druckkostenzuschußverlage erinnern, Lou Salomé, umtriebige und freiheitsliebende Frauenrechtlerin, und Bertha Pappenheim, die unter dem Pseudonym "Anna O." Einzug in die Geschichte der Psychoanalyse gehalten hat. Die Grundlagen des Buches sind authentisch; Breuer und Freud haben mit "Studien über die Hysterie" die Grundlage zur modernen Psychoanalyse gelegt, Breuers Patientin "Anna O." findet sich in fast allen Freud- und Breuer-Biographien.
Yalom verknüpft die Figuren, indem er Nietzsche zum Patienten Breuers werden läßt; Breuer hat soeben mit der Unterstützung Freuds die ersten Gehversuche mit "Redekuren" unternommen, einer unorthodoxen Behandlungsweise von Patienten, deren Krankheitsbild sich der damals herkömmlichen Herangehensweise versagt. In Folge einer "Intrige" Lou Salomés, in die Nietzsche zutiefst unglücklich verliebt ist, begeben sich der Philosoph und der Wiener Arzt in ein Verhältnis, das anfangs geprägt ist von dem Versuch Breuers, das Vertrauen des schwierigen Patienten - Migräne, Misanthropie und abgrundtiefe Verzweiflung - zu gewinnen, das jedoch zusehens umschlägt in die Behandlung von Breuers Obsession, seiner süchtigen Scheinliebe zu Anna O.; die Parallelen dieser Obsession zu Nietzsches Besessenheit von Lou Salomé vereinen die beiden schlußendlich. Zwischen dem Beginn und diesem Ende stehen endlose Dialoge über Freiheit, Menschsein, Glaube, Pflicht, Treue, Philosophie und Psychologie - und die unglaublichen Reflexionen der beiden Protagonisten über den Zeitraum der Annäherung aneinander und an die Problemlösung hinweg.
Die Brillanz des Werkes besteht in zwei Dingen: Zum einen in der eindringlichen Nähe, die Yalom zu seinen Figuren öffnet, ohne ihnen die Authentizität zu nehmen. Und zum anderen in der wissenschaftlichen Genauigkeit und Nachvollziehbarkeit der weltberühmten Protagonisten, die sich hier in "allzu menschlichen" Situationen befinden, ohne dabei ihre prominente Singularität zu verlieren. Ich habe alles von Nietzsche gelesen, und auch die "Studien" von Freud und Breuer, und es gibt keinen Bruch, sondern zum einen das Gefühl, diese Personen anhand der Fiktion näher kennengelernt zu haben, und zum anderen eine Verstärkung von deren Thesen quasi über ein praktisches Fallbeispiel. Ein Kunststück, bravourös, dem man die Sprödheit am Anfang sehr rasch verzeiht. LESEN!
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am 15. September 1999
Dieses Buch hat mich sehr fasziniert. Besonders im zweiten Teil, in den fiktiven Gesprächen zwischen Josef Breuer und Friedrich Nietzsche, ist das Buch unglaublich intensiv und mitreißend. Aber von vorne: Der anerkannte Wiener Arzt zur Zeit des fin de siecle, Josef Breuer, wird von einer einnehmenden Dame, Lou Salome, gebeten, ihren Freund, Friedrich Nietzsche, zu heilen: Er leidet unter anderem an Migräne, aber auch an einer Verzweiflung, an einer Seelenkrankheit, die zu dieser Zeit (Sigmund Freud tritt am Rande auf, ist aber noch jung, und die Psychoanalyse existiert noch nicht) nicht heilbar zu sein scheint. Breuer versucht es dennoch mit einer "Redekur", in der aber die Rollen von Arzt und Patient schnell verwischen...
Der erste Teil ist nett und interessant zu lesen, aber der zweite Teil, die "Redekur", ist besser als alles, was ich in der letzten Zeit gelesen habe. Die Philosophie tritt federleicht und gut verständlich hervor, den intelligenten Gesprächen zu folgen, ist faszinierend und regt gleichzeitig zum Nachdenken an wie lange nichts mehr. Das Buch ist, denke ich, unbedingt empfehlenswert! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 23. September 2015
Jeder Mann, der sich je einmal (unglücklich) verliebt hat, wird sich hier wiederentdecken und einerseits herzlich lachen, wenn er sich ertappt fühlt, und sicherlich auch mal richtig rot werden, wenn er sich – wie schon gesagt – ertappt fühlt, aber in letzterem Fall das Ganze (die Frau) noch nicht so richtig überwunden hat. Und jetzt die Gretchenfrage: Wie können einem die grossen Genies dieser Welt weiterhelfen, wenn man zweifelt oder verzweifelt, wenn man ein schlechtes Gewissen hat und sich grämt? Was sagen die Psychoanalytiker dazu? Was sagen die Philosophen? Eben all die von der Wissenschaft verehrten Experten. Was taugen ihre Einsichten für diese mächtigen (amoralischen?) Triebe? In diesem Buch treffen sozusagen die intelligentesten Menschen des 19. Jahrhunderts aufeinander und analysieren sich gegenseitig, debattieren, versuchen zu verstehen und zu therapieren: Friedrich Nietzsche und Josef Breuer (als Stellvertreter für Sigmund Freud). Ein Blick ins Wikipedia könnte aufgrund all der wissenschaftlichen Expertise abschreckend wirken. Quasi Nobelpreisträger eben. Aber weit gefehlt. Irvin Yalom gelingt es, die Wissenschaft auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Phantastisch.

Natürlich wird damit der gesamten Komplexität eines Nietzsches nicht gerecht. Aber ein Anfang wäre gemacht. Wer dann anschliessend auch noch „Also sprach Zarathustra“ oder „Menschliches, Allzu Menschliches“ lesen möchte. Bitteschön. Aus meiner Sicht bietet Yalom hier erst einmal beste Unterhaltung mit Tiefgang. Gedanken über die Liebe, über die Moral, über die Freiheit, über die Macht der Frauen, über die Erotik. Ein Buch für Männer also? Unbedingt. Aber damit natürlich auch für die Frauen. So ehrlich wird der eigene Ehemann niemals Einblick in seine Gefühlswelt geben. Und dass diese Gefühle mächtig sind, wissen wir nicht nur seit Freud. Das spüren wir Männer mindestens bis zu den berühmten 66 Jahren. Hoffentlich auch noch darüber hinaus. Aber das ist ein anderes Thema.
Wer gute, anspruchsvolle Unterhaltung sucht, ist hier richtig. Lesen, langsam lesen! Auch Irvin Yalom ist Wissenschaftler. Lachen ist garantiert. Einsichten auch. Die tiefer schürfen wollenden Akademiker verweise ich gerne zusätzlich auf Safranskis: "Nietzsche: Biographie seines Denkens" (ist aber aus meiner Sicht sehr anspruchsvoll).
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