Kundenrezensionen

113
3,5 von 5 Sternen
Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich
Format: TaschenbuchÄndern
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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Das Buch liest sich flüssig - das hat aber auch vielleicht Nachteile. Denn allzu leicht gerät ein ungeübter oder weichgespülter Leser auf der Suche nach dem "Brüller" in das Fahrwasser oberflächlichen Lesens. Und es entgeht ihm durch dieses wirklich lesenswerte Buch ein Einblick, der das Leben verändern kann.

Um bei der Lektüre dieses Buches nicht das Interesse zu verlieren und einfach weggespült zu werden, sondern dem Autor auf die Schliche zu kommen, braucht man Leseerfahrung und eine gewisse Bildungsgrundlage.

Und um nicht in die tief depressive Grundstimmung dieses Autors zu verfallen, ist außerdem ein Mindestmaß an Optimismus hilfreich.

Es ist einerseits erheiternd und dann auch wieder nicht, wenn man mitbekommt, dass einige Leser zu diesem Buch gekommen sind, weil sie einer auf dem Buchumschlag abgedruckten Leseempfehlung von Harald Schmidt gefolgt und bei der Suche nach Pointen gar nicht wie erwartet fündig geworden sind. Harald Schmidt bietet bei seiner Arbeit zwar ausreichend Schenkelklpfer-Pointen für Leute, die kurz vor dem Schlafengehen noch einmal ordentlich Fun" haben bzw. ablachen" wollen. Oft wird Dirty-Harry darauf aber reduziert. Wie ich meine zu Unrecht. Die anarchistischen und bitterbösen Seiten werden dabei leicht übersehen. Und nur diese Sekundärtugenden von Herrn Schmidt können meines Erachtens erklären, warum er dieses Buch lobt.

Dass viele Leser aber diesen Aspekt nicht wahrnehmen, dürfte der Grund für so manche Rezension hier sein.

Das Buch ist eigentlich schwere Kost - und der Autor - um bei diesem Bild zu bleiben - bietet ausreichend Belege dafür, warum man auf einer Kreuzfahrt über den Tod und den Sinn des (eigenen) Lebens nachgrübeln und dabei ins Unglück blicken und ggf. unter dieser Last auch untergehen kann.

Denn es geht bei diesem Buch - wie viele andere der Rezensenten deutlich gemacht haben - nicht lediglich um die Beschreibung einer Kreuzfahrt. Es geht meiner Auffassung nach vielmehr um Reflexionen über eine höchst komplexe Gesellschaft, die für den Einzelnen so undurchschaubar geworden ist, dass die Fluchten in Oberflächlichkeiten und Nichtigkeiten bzw. in den Konsum verständlich sind. Die tiefe Verzweiflung des Autors über die fürchterliche Armut der ihn umgebenden Menschen, der er nichts entgegen zu setzen hat, weil ihn diese Welt maßlos bedrückt, ist in diesem Buch brillant, sprachgewaltig und dabei uneitel beschrieben und auf den Punkt gebracht worden.

Ich empfinde tiefen Respekt und Anteilnahme gegenüber diesem an dieser Welt - die nicht die seine war - unglücklich gewordenen Menschen. Wenn der Autor bereits im Titel davon spricht, dass derlei Belustigungen in Zukunft ohne ihn stattfinden werden, kann vom Leser vermutet werden, was er damit meinte. Die Aussage beschränkte sich wohl nicht auf das Thema Kreuzfahrt...

Aus meiner Sicht ist das Buch die Chronik eines angekündigten und wenige Jahre nach Abschluss des Manuskripts durchgeführte Suizids. Aus Sicht des Lesers jammerschade - bestürzenderweise gerät man auch als Leser allerdings an seine Grenzen. Denn man muss sich abgrenzen gegenüber der bodenlosen Verzweiflung, die den Autor umtreibt, um nicht (auch?) in Schwermut zu verfallen.

Anhänger des Kreuzfahrens werden mit diesem Buch nicht froh. Trotzdem möchte ich das Buch jedem engagierten Leser empfehlen.
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28 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. Mai 2011
Nachdem ich schon D. F. W.'s bezaubernden Erzählband "Kleines Mädchen mit komischen Haaren" und erste Leseproben zu "Unendlicher Spass" mit viel Freude verschlungen hatte, erschienen mir Titel und Thema dieses Essays sehr vielversprechend.

Und tatsächlich hat sich dieses Büchlein als ganz amüsant entpuppt. Da werden mit viel Gift und Galle die abgestumpften, verwöhnten Kreuzfahrtgäste zum einen und die auf gnadenlose Passagierbefriedung gedrillte Crew zum anderen aufs Korn genommen. D. F. W. beschreibt den Wahnsinn zwischen Unterhaltungskünstlern, Tischgesellschaften und Landausflügen anschulich, bissig und insgesamt eben - amüsant.

Dennoch war ich am Ende leicht enttäuscht, da er eben auch seine eigene Exaltiertheit, seine Schrullen und seine Befindlichkeiten recht selbstverliebt und blasiert zur Schau stellt: Wer im bedruckten T-Shirt auf einer Dinnergala erscheint, der ist eben leider auch selbst schuld, wenn die Reaktionen nicht uneingeschränkt positiv ausfallen. Auch in anderen Situationen stellt D. F. W. sich bewußt recht dämlich an und "wundert" sich dann über die Reaktionen. Das wirkt fast postpubertär. (Schon merkwürdig, dass die Crew sich weigert, mit Bordabfällen Haie anzulocken. Was für ein Schenkelklopfer!)

Hier und bei einigen anderen Gelegenheiten entlarvt D. F. W. sich als ein kleiner Einfaltspinsel. Zudem fand ich es auf die Dauer etwas ermüdend, immer wieder mit des Autors Ängsten und Neurosen konfrontiert zu werden: Wer sich an 3 von 8 Tagen aufgrund diverser "Befindlichkeiten" in seiner Kabine einigelt, der muss sich über unbefriedigende Tage ja nicht gross wundern und dafür die Kreuzfahrt verantwortlich machen.

Insgesamt also ein nettes Buch, dem ein etwas satirischerer Ansatz - weniger D. F. W., mehr Schilderung der Kreuzfahrt - gut zu Gesicht gestanden hätte. Und nein, ich bin kein Fan von Kreuzfahrten.
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74 von 91 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. Dezember 2002
David Foster Wallace wird von einer Zeitschrift beauftragt eine einwöchige Luxuskreuzfahrt mitzumachen und einfach über seine Eindrücke zu berichten. Sie schicken Foster dorthin ohne ihm klarzumachen welche Art von Bericht sie erwarten. Nun zum Glück haben sie das nicht gemacht. Wer hätte auch schon gedacht das Foster hier ein Werk niederschreibt das vor Witz und ironischen Anspielungen nur so strotzt. Er läßt sich in diesem Buch über die amerikanische Lebensweise aus und beschreibt viele andere Begebenheiten an Bord, wie zum Beispiel die Toiletten, um genau zu sein das "Unterdruck-Abwasser-System", von dem er sich garnicht mehr los reißen kann. Auch Fosters Beschreibungen von den Mitreisenden sind sehr bissig und treffen für mich genau auf den Punkt. Insgesamt gesehen kommt man zu dem Schluss wie ich finde, dass Foster diese Kreuzfahrt nicht gerade umhaut, was auch daran liegen mag, dass er allein reist und das die Mitreisenden so ziemlich alle über 50 sind so wie er sagt.
Also ich für meinen Teil finde das Buch absolut witzig und gelungen. Ich werde mir auch noch die anderen Werke Fosters zulegen.
Auch die deutsche Übersetzung ist für mich ungewöhlich gut. Wer dieses Buch liest wird es auf keinen Fall bereuen!!!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. Dezember 2012
David Foster Wallace ist unbestritten ein großer Schriftsteller und ein beängstigend scharfer Beobachter, wie er mit seinen diversen Kurzgeschichten, aber vor allem mit seinem Opus Magnum "Unendlicher Spaß" unter Beweis gestellt hat. Vor allem seine präzise und gleichzeitig geistreiche Sprache sucht seinesgleichen. Insofern der perfekte Autor, um eine Kreuzfahrt als das zu entlarven, was sie ist.
De facto aber entlarvt er vor allem, wer David Foster Wallace ist. Denn sein Erlebnisbericht ist so subjektiv gehalten und so gespickt mit Anekdoten über den Verfasser selbst, dass Autor und Kreuzfahrt als Sujet des Textes ungefähr gleichberechtigt sind. Gelegentlich habe ich mich gefragt, ob sich Wallace bewusst war, wie viel er von seinen eigenen Macken in diesen Text gepackt hat, oder ob er gar bewusst damit gespielt hat.
Jedenfalls bietet "Schrecklich amüsant" Einblicke: in die Denk- und Verhaltensweise eines einzigartigen Schriftsteller sowie hinter die Kulissen der großen Luxus-Kreuzfahrten. Sprachlich versiert bietet der Text Beobachtungen aus allen Bereichen einer Kreuzfahrt, die so interessant wie unterhaltsam sind - unterlässt es aber bedauerlicherweise, die dabei gewonnenen Erkenntnisse in regelmäßigen Abständen zu bündeln. Zwar wird die Kreuzfahrt auf diese Weise ungemein plastisch, aber ich vermisste dabei die für Wallace typisch scharfen Gedanken, die leider nur gelegentlich aufblitzen – etwa wenn er zu Beginn der Reise analysiert, was die Menschen überhaupt zu einer Kreuzfahrt veranlasst und wie sie wirklich alle eine passende "Entschuldigung" dafür in petto haben, dass sie sich so einen Luxus gönnen. Nach solchen Gedanken kann die durchaus gelungene Wiedergabe von Erlebnissen nur enttäuschen.
Letztlich kann sich "Schrecklich amüsant" nicht entscheiden, was es denn sein will: Essay oder Erlebnisbericht. Sicherlich ein gelungener Abriss, aber nichts, was wirklich in die Tiefe geht.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. März 2010
Mit dem Hintergrund, dass der Autor sich vo einigen Jahren selbst das Leben nahm ließt man dieses amüsante Buch natürlich anders. Denn man kann hier schon erahnen, was den Autor quälte. Die ausgesucht-unreflektierten Kuriositäten und Mentalitäten an Deck des Kreuzfahrtschiffes werden zu grausigen Begleitern des unruhig-charmanten Erzählers, der versucht irgendwo in dieser plastinierten Vergnügung ein paar "echte Menschen" zu entdecken. Und sich gleichzeitig laufend fragt, was mach ich hier? Antwort: Ich lase mich verwöhnen.
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23 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. Juli 2011
Kreuzfahrten - viele von uns träumten schon davon und bekommen ein verklärt lächelndes Gesicht, wenn sie nur daran denken. Zu diesen Menschen zähle ich mich nicht! Meine Liebe für das Meer entfaltet sich vom Strand aus. Der Gedanke, von nichts als Wasser umgeben zu sein, so weit das Auge reicht, hat für mich eher etwas Bedrohliches. Und wenn ich an eine Kreuzfahrt denke, so sehe ich nicht nur die Möglichkeit, viel schöne Natur zu sehen zu bekommen - was ich durchaus als reizvoll empfinden kann -, sondern eher das Kreuzfahrtschiff als schwimmende Club-Anlage: rumhüpfende Animateure mit ins Gesicht gemeißeltem Frohsinn, die immer einen kessen Spruch auf den Lippen haben, Poolspielchen, Polonaisen und Showprogramme am Rande des guten Geschmacks. Oder wie David Foster Wallace es nennt: gut organisierter Ringelpietz.
David Foster Wallace machte diese Reise für das Harper's Magazine im März 1995, aber sein Bericht hat nicht an Aktualität verloren, denn er hat gekonnt das eingefangen, was ich mal die Kreuzfahrt-Mentalität nennen will. Urlauber, die sich mal was Außergewöhnliches gönnen wollen und die immer wieder das Gefühl haben, sich dafür rechtfertigen zu müssen: "Das habe ich mir verdient, das waren schwere Monate!" oder "Wer so viel arbeitet, muss sich auch mal was gönnen!". Personal, dass den Gästen jeden Wunsch von den Augen abliest, selbst Wünsche, von denen der Gast selber noch gar nichts weiß. Ein Hotelbetrieb, der so sauber und ordentlich und so lückenlos durchorganisiert ist, dass die Gäste eine Woche lang keinen einzigen Finger krumm machen müssen. Wallace nennt das Ganze eine "schwimmende Hochzeitstorte" und meint damit sicher nicht nur die Optik.
Seine Beschreibungen der Crew und seiner Mitreisenden schwankt zwischen tiefer Sympathie für liebenswerte Schrullen und freigelegtem Hass auf hochnäsige Reisende und Mitarbeiter, die ihm blöd kommen. Das mag man kritisieren, ich fand es herrlich erfrischend. Und dank David Foster Wallace kenne ich nun auch die eine Frage auf der Welt, die noch blöder ist als die des Sitznachbarn im Flugzeug, der fragt: "Fliegen sie auch nach Mallorca?". Und zwar: "Schläft die Crew auch an Bord?" - ich habe Tränen gelacht! Die Vorstellung, dass abends kleine Schlafbötchen aufs Wasser gelassen werden, die das riesige Kreuzfahrtschiff einrahmen und in denen die Mitarbeiter schlafen, lässt mich nicht mehr los.
Besonders gefallen hat mir auch Wallaces Sprache. Sie ist unheimlich eloquent und erfinderisch, z.B. beschreibt er die Farbe eines Sakkos als "menstruales Rosa" oder bezeichnet den Klang des Nebelhorns als "durchbebenden Darmwind der Götter".
Doch wer meint, alles in diesem Buch sei einfach nur witzig und flapsig, der irrt. Gerade Wallces Analysen des typischen Servicelächelns oder über die Last des sich immer verwöhnen Lassens, haben sehr viel Tiefgang und fördern interessante Erkenntnisse zutage.
Und so hatte ich viel Freude an diesem Buch, zum einen, weil sich Vorurteile bestätigten - und ich stehe dazu, dass mir das gefällt - und zum anderen, weil David Foster Wallace ein Mitreisender gewesen wäre, an dem ich meine helle Freude gehabt hätte: gesegnet mit einem Humor, der von ironisch zu zynisch tendiert, aber auch geplagt mit einer gewissen Hilflosigkeit angesichts dieses ganzen Luxus, die ihn auch mal über sich selbst lachen lässt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. Januar 2015
David Foster Wallace begibt sich im Auftrag von Harper’s Magazine auf eine siebentägige Luxuskreuzfahrt. Beschrieben wird alles bis ins kleinste Detail. Ob es sich um die Unterdruck Toilette handelt oder dem Bordservice oder den feinen Anlässen zu denen man keinen Smoking dabei hat. Alles wird unter die Lupe genommen.

„Schrecklich amüsant“ hatte ich als Hörbuch. Die Stimme von Dietmar Bär war sehr passend zu dem Ganzen. Das Buch fing mit dem Einschiffen an und hörte kurz vor dem Ausschiffen auf. Man bekam vom Schiffsleben und wie es unter den Passagieren zuging sehr viel erzählt. Es war eine geballte Ladung Information. Nicht selten wurde eine Sache gar nicht fertig erzählt, da viel der Autor schon in die nächste Sache. Im Großen und Ganzen fand ich den Titel fast passend. Schrecklich ja, amüsant eher weniger. Ich konnte leider nur hier und da kurz schmunzeln. Ich kann nur eines sagen … ich wäre vor dem Hörbuch schon auf keine Kreuzfahrt und jetzt würde ich erst recht nicht mehr auf ein Schiff wollen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Amüsant geschriebene Beobachtungen eines leider viel zu früh gestorbenen Intellektuellen während einer siebentägigen Kreuzfahrt durch die Karibik auf einem Schiff der Celebrity Line. Die Reise liegt zehn oder mehr Jahre zurück, doch geändert hat sich nicht viel, weder an den Prospekten, dem "Professional Smiling" des Personals, noch an den Reisenden. Der Autor hat eine hervorragende Beobachtungsgabe und beschreibt seine Mitreisenden sehr treffend, ohne sich - allzusehr - über das Publikum von Reisen dieser Art lustig zu machen. Trotz all der Melancholie, die persönlichkeitsbedingt, zwischen den Zeilen hindurchdringt, war die Reise für den Autor wohl doch "amüsant", und tatsächlich bekommt man durch die Lektüre ein wenig Lust, auch so eine Reise zu machen. Ein gutes Geschenk für jemanden, der eine solche Reise plant, weitaus empfehlenswerter als die schrecklich "ernsthaften" Reisebeschreibungen und Kreuzfahrtführer, die es haufenweise gibt.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. Juni 2012
Was für ein ergötzliches Buch! Allen jenen, die den Massentourismus verabscheuen, sei es ans Herz gelegt!

Mit Witz, Ironie und Sarkasmus beschreibt David Foster Wallace eine Kreuzfahrt, die er im Auftrag von Harper's Magazine angetreten hat. Er soll einen möglichst positiven Bericht abgeben, der nichts anderes als eine verkappte Werbung für die Schiffslinie sein soll.

Wie er das Abenteuer seiner Reise angeht, das ist unübertroffen! Voller Staunen sieht er die Reinlichkeit, die Freundlichkeit, den Service und die vor Freude überbordenden Mitreisenden, die sich zu dem Massenabenteuer entschlossen haben.

Man stelle sich einen Mann vor, der Stille liebt, der Individualist ist, der alle Gleichmacherei hasst, und der nun plötzlich in diesem Trubel landet. Mit beißendem Humor beobachtet er das "Volk", das sich diesem Spektakel ausliefert und auch noch Freude daran hat! Er kann es kaum fassen. Animateure sorgen die ganze Zeit dafür, dass niemand zur Besinnung kommt. Jeglicher freie Moment wird mit Spiel, Spaß und Wellness vollgepfropft und wehe, einer entzieht sich dem allgemeinen Freudentaumel. Das gibt es nicht! Man hat sich dem Programm zu fügen, und die meisten tun das ja auch. Nur unser Autor erlebt fast so etwas wie die Dantesche Hölle, als er sich in diesem Event wiederfindet. Auch geißelt er das "Professional Smile" der Bediensteten, das wie eingefroren wirkt. Es treibt ihn zur Verzweiflung, weil niemand sicher sein kann, was hinter dieser Dauerfassade der Freundlichkeit in Wirklichkeit lauert. Mit ausdauernder Komik trägt er seine Beobachtungen vor und bringt den Leser zum Lachen. Man amüsiert sich wahrhaftig großartig über die Erlebnisse eines, wie er es nennt, "'agoraphobischen'" Individualisten, als der er sich selbst bezeichnet.

Hinter dem Essay steckt eine ausnehmend kluge Kulturkritik, die mitreißend und amüsant zu lesen ist. David Foster Wallace ist ein begnadeter Schreiber. Wie er die Menschen und Situationen beobachtet und seine Gedanken dazu formuliert, zeigt einen kritischen, überlegenen und hintergründig denkenden Menschen. Seine Beobachtung über die Vermarktung des Menschen, mit der dieser möglicherweise keine Leere aufkommen lassen will, und die offensichtliche Angst vor dem Tod, dem die Teilnehmer einer solchen Massenreise zu entkommen trachten, ist denkwürdig. David Foster Wallace durchschaut alles und alle. Ihm entgeht die Freude, und er sieht den Überdruss und auch die Komik in allen diesen Erscheinungen. Doch das ist der Preis, den einer zahlt, wenn er zu kritischem Denken befähigt ist und ja ganz andere Ziele und Lebensvorgaben hat.

Der früh durch Suizid geendete David Foster Wallace hat ein herausragendes Schreibtalent. Sein Tod 2008 wurde von Freunden und Bewunderern tief betrauert.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der leider viel zu früh verstorbene Autor und Literaturprofessor David Foster Wallace war ein Garant für auf den Punkt gebrachte Analysen und Bewertungen. Sein Buch Am Beispiel des Hummers" versetzt mich noch heute in Erregung und mit SCHRECKLICH AMÜSANT, ABER IN ZUKUNFT OHNE MICH setzt er den Federkiel dort an wo die oberen 10.000 ihre Ferien verbringen, im Bauch eines Luxuskreuzfahrtschiffes in der Karibik. Doch was er schnell erkennen muss, das auch dort nur mit Wasser gekocht wird, das auch diese Männer und Frauen ganz normal sind und den Irrungen und Wirrungen der heutigen Zeit ausgesetzt erscheinen. Dummheiten gibt es auch bei Millionären und schräge Ansichten wie auch blöde Kommentare scheinen an der Tagesordnung - diese vollständige Lesung des Klassikers aus der Feder David Foster Wallace charakterisiert so gut wie keine andere die eigenartige Wege, welche die Gedanken auf dem Weg vom Gehirn zum Mund nehmen können. Pointiert schreibt er ungefiltert auf, was er hört und sieht und wäre es nicht so schrecklich amüsant, so könnte man denken das das Ende der Menschheit kurz bevor stände.

Vor fünf Jahren habe ich dieses Hörbuch, damals erschien es im Mare Buchverlag, schon einmal gehört und es damals auch sogleich rezensiert. Nun liegt es als Ausgabe im Hörbuchverlag vor und ich ließ es ein zweites Mal auf mich wirken.

Der Sprecher Dietmar Bär ist immer noch eine Rakete, so treffend, so genial und mit so viel Esprit kann nur er dieses Thema lesen und seine Interpretation von SCHRECKLICH AMÜSANT, ABER IN ZUKUNFT OHNE MICH gefällt mir immer noch ausnehmend gut!

Allerdings ist mir aufgefallen, dass der Autor David Foster Wallace doch ein gewisses Problem mit seiner Umwelt hatte und das sein Selbstmord nicht von ungefähr kam. Auf der einen Seite finde ich seine spitze Feder grandios und seine Analysen sind messerscharf doch hat er sich am Ende das Messer an die eigene Kehle gesetzt und all die negativen Punkte haben ihn herab gezogen.

Auf was David Foster Wallace alles achtet, die Einschiffung, die unwirkliche Atmosphäre an Bord des Schiffes, ein Gegenentwurf zur Wirklichkeit, das Essen, die Liegestühle über überirdisch flauschigen Handtücher und der Zimmerservice, doch auch die Arbeitsbedingungen und der Drill, die brutalen Vorgesetzten und der Psychoterror der als Verwöhnprogramm daher kommt.

David Foster Wallace schafft es die Wirklichkeit zu zerreißen, doch was ist der Preis? Er seziert den Leichnam, doch tot ist tot und alles was er herausfindet sind die Umstände des Todes - Leben schaffen - Fehlanzeige.

Nichts desto trotz ist der Reisebericht SCHRECKLICH AMÜSANT, ABER IN ZUKUNFT OHNE MICH ein Meilenstein und ein Kronjuwel in der Reiseliteratur der Gegenwart. Es ist ein Jammer das David Foster Wallace sich umgebracht hat, viele seiner literarischen Arbeiten sind einsame Spitze und geniale Entwürfe zu Themen unserer Zeit.

Jedem Pauschaltouristen an Bord von Luxusschiffen, sei es die MS Europa (Hapag Lloyd) oder auch die AIDA Flotte, die MS Deutschland oder eines der vielen, vielen nicht - Deutschen Unternehmen, sei das Hörbuch gerne empfohlen, um zu erkennen wo die Wahrheit liegt, im Meer von All inclusive, Massagen und Serviceorientierung.

Sehr empfehlenswert!
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