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34 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schwierig, aber lohnenswert.
Es ist keine leichte Kost. Aber wer sich darauf einlässt, kann nur gewinnen.

Der gute Neal lässt sich zunächst 200 Seiten Zeit, mit unglaublicher Detailtiefe eine schlüssige, geschlossene Welt um seinen Ich-Erzähler aufzubauen. Dieser ist 19 Jahre alt und lebt in einer fernen, jedoch nicht allzu fremden Welt in einer Art Kloster...
Veröffentlicht am 18. Juli 2010 von Ledaeth

versus
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Anathem
Anathem ist das bisher schwächste Buch, das ich von Stephenson gelesen habe. Fangen wir mit den positiven Aspekten an:

Es handelt sich um das konzeptionell wohl anspruchsvollste Werk des Verfassers. Das Konzept ist zwar nicht nachgerade revolutionär, aber in dieser Form doch neu und aufregend. Positiv hervorzuheben ist die Detailfreude, mit der...
Veröffentlicht am 16. November 2012 von müllerslieschen


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34 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schwierig, aber lohnenswert., 18. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Anathem: Roman (Gebundene Ausgabe)
Es ist keine leichte Kost. Aber wer sich darauf einlässt, kann nur gewinnen.

Der gute Neal lässt sich zunächst 200 Seiten Zeit, mit unglaublicher Detailtiefe eine schlüssige, geschlossene Welt um seinen Ich-Erzähler aufzubauen. Dieser ist 19 Jahre alt und lebt in einer fernen, jedoch nicht allzu fremden Welt in einer Art Kloster. Kloster insofern, als strenge Regeln herrschen und eine asketische Lebensweise praktiziert wird; jedoch gilt die geistige Beschäftigung nicht dem Erkennen von Gott, sondern dem Studium der Wissenschaften. Man denke sich ein abgeriegeltes Gemäuer voller Wissenschaftsmönche, die über philosophischen, physikalischen und astronomischen Problemen brüten. Mit der säkularen Welt interagieren sie nur wenige Tage im Jahr.
Innerhalb dieser klar begrenzten, überschaubaren Enge entfaltet sich nun ein Krimi, der in Spannung und Stimmung an "Der Name der Rose" erinnert: Kleine Hinweise, mit detektivischer Akribie entziffert, summieren sich zu Vorboten von Ereignissen, deren globale Tragweite erst nach und nach klar wird.
So nimmt das Buch (ab ca. Seite 200) langsam Fahrt auf, bis man (ab ca. Seite 300) völlig gefesselt ist. Immer schneller treffen den Erzähler die Schicksalsschläge, immer wieder erfährt seine Lebensweise Erschütterungen. Schließlich erweisen sich die Mauern des Klosters als zu eng für die Lösung dieses Problems und das Ausharren und gedankliche Durchspielen von Möglichkeiten wandelt sich zu einer Odyssee, die quer über den Planeten und sogar bis ins Weltall führt.

Die zwei hervorstechenden Merkmale des Buches sind:
Erstens philosophische und mathematische Gedankengänge, die nachzuvollziehen durchaus intellektuell reizvoll ist.
Zweitens hat Stephenson viel Freude an Linguistik - in den Handlungsverlauf sind immer wieder Wörterbucheinträge eingeschoben, die einzelne fiktive Wörter aus dem Sprachgebrauch der Protagonisten herausgreifen und sowohl ihre Bedeutung, als auch ihre Herleitung aus (fiktiven) älteren Sprachstufen erläutern. Zudem sind viele Bezeichnungen von Gegenständen verfremdet, in der Art, dass man ihren Ursprung noch erraten kann, sie aber dennoch Fremdartigkeit vermitteln. Beispiel: die Wissenschaftsmönche sind in "Kullen" gehüllt, umgürtet von einer "Kord".

Der Autor hat seine Sprache offensichtlich im Griff. Das Buch ist hervorragend geschrieben und das Lesen bereitet Freude. Manchmal blitzt zwar tief ironischer, schwarzer Humor hervor, der im Vergleich zum sonstigen Stil unpassend erscheint, aber das ist immerhin unterhaltsam.
Die Übersetzung, die aufgrund der Wortverfremdungen gewiss nicht einfach war, scheint mir sehr gelungen. Unangenehm sind lediglich ca. 10 offensichtlich amerikanische Redewendungen, die - ungenügend angepasst - im Deutschen sauer aufstoßen. Bei 1000 Seiten Umfang ist das jedoch zu verschmerzen.

Einen Stern Abzug gibt es:
1. Für das Ende, das ich persönlich etwas enttäuschend fand. Die Spannung des packenden und faszinierenden Mittelteils wird nicht aufrechterhalten und spätestens ab ca. Seite 800 ist das Ende klar.
2. Für ein konzeptionelles Problem: Die vielen wissenschaftlichen Dialoge der Protagonisten zielen darauf ab, Inhalte und Gedankengänge zu vermitteln. Die individuelle Ausarbeitung der Figuren, die anfangs noch liebevolle Gestaltung, fällt dabei mit fortschreitender Handlung immer geringer und nach meinem Empfinden leider ungenügend aus.

Dennoch sollten Freunde von intelligenter Unterhaltung hier unbedingt zugreifen.
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15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Stephenson für Fortgeschrittene, 6. März 2010
Von 
Peer Sylvester "peerchen" - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Anathem: Roman (Gebundene Ausgabe)
Vorab: Ich bin ein Stephenson-Fan. Insofern war Anathem eine Pflichtlektüre. Und es hat sich gelohnt, auch wenn es definitiv noch etwas schwieriger zu lesen ist, als die Vorwerke.
War die Baroque-Triologie aufgrund der vielen Informationen schon nicht für jedermann so gilt das doppelt für Anathem. Hier wollen seitenlange philosophische Diskurse und quantentheoretische Abhandlungen bewältigt werden. Die sind druchaus interessant und auch gut in Story eingebettet, aber viele werden da wohl kapitulieren.
Die Stärke des Buches ist die Welt, die Stephenson aufbaut. Hier leben die Wissenschaftler abgeschottet von der Außenwelt in klösterlichen Gemeinden - und dieAthmosphäre dieser Welt wird perfekt eingefangen. Wer Stephenson gerne wegen seiner guten Ideen liest, wird hier fündig, zumal die Story (trotz etwas Länge im Mittelteil) hier deutlich schneller voranschreitet als etwa bei Cryptonomicon.

Fazit: Anathem sollte nicht unbeding das erste Stephenson-Buch sein, dass man liest. Wer aber die Vorgängerwerke mag, kommt um dieses Epos nicht herum!
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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Atemberaubend, 1. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Anathem: Roman (Gebundene Ausgabe)
Über den Inhalt will ich mich gar nicht verlieren. Das ist schon in der kurzen Inhaltsangabe oben beschrieben. Denn die Handlung ist bei Stephenson sowie nur Mittel zum Zweck. Es ist ein geistiges, intellektuelles Feuerwerk was Stephenson für mich seit seinem Buch Cryptonomicon Buch für Buch abfeuert. Man liest mit Staunen und offenem Mund solch geballte Ladung Philosophie, Geschichte und Naturwisenschaft verpackt in eine manchmal bis ins kleinste Detail gehende fesselnde Handlung.
Die Idee der Handlung im vorliegenden Buch ist geradezu revolutionär genial. Ist das doch gerade heute im Zeichen der oft völlig geistlosen medialen Unterhaltungskultur von großen Teilen der Bevölkerung mehr als aktuell. Warum ich trotzdem dem Buch nur 4 Sterne gebe? Ich finde die Lösung der Handlung im Science Fiction obsolet und für mich verfällt leider der Autor zu sehr in die Rolle des Belehrens bzw. völligen Ausdikutierens von Detailaspekten. Irgendwie kommt es mir so vor, als wechselt das Buch ständig zwischen Science Fiction Roman und Philosophiediskurs. Alles beide kann toll sein, nur zusammen passt es nach meinem Geschmack nicht. Für mich ist es trotzdem eines der besten Bücher die ich je gelesen haben und kann kaum das nächste von Stephenson abwarten.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zauberhaft, 3. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Anathem: Roman (Gebundene Ausgabe)
Es ist schon ein ganz besonderer Roman. Ich habe lange gezögert das Buch zu kaufen, da die 30 € recht happig sind, bedaure es im nachhinein aber nicht. Zum ersten mal habe ich ein Buch gleich ein weiteres mal gelesen. Zum einen versteht man viele Dialoge ganz anders, wenn man die späteren Entwicklungen schon kennt. Auch das zugegeben komplizierte Vokabular 'flutscht' beim zweiten mal besser. Und es ist einfach ein Genuss in die zauberhafte Welt der Wissenschaftler von Arbre zu versinken. Dazu trägt auch die sorgfältige Sprache des Buches bei (volle Punktzahl an den Übersetzer, sicher eine verdammt schwierige Arbeit) und die vielen originellen Begriffe (Spulo = Film, Hol = LKW), die einen ständig spüren lassen, dass man sich auf einer fremdem Welt befindet. Aus der Sicht eines jungen Klosterschülers geschrieben, bleibt auch die eingeflochtene Liebesgeschichte zauberhaft zurückhaltend. Der Roman versteht es nach einer gewissen Anlaufzeit eine Spannung zu erzeugen, die Umdrehung für Umdrehung wächst, je näher man der Auflösung des Rätsels kommt. Platz für Humor bleibt dabei auch noch, wenn z.B. säkuläre und klösterliche Welt aufeinander prallen. Der Schluss, na ja, der scheint für viele SF-Autoren ein Problem zu sein, wurde hier leidlich gut gelöst. Es wird nicht alles erklärt, man kann sich noch eigene Gedanken machen. Kritisieren könnte man, dass das gute Ende letzlich zu problemlos erreicht wird, dass sich dem Helden keine wirklich bösen Charaktere in den Weg stellen, dass alle Parteien ein wenig zu vernünftig erscheinen.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Klassiker, 13. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Anathem: Roman (Broschiert)
Neil Stephensons "Anathem" ist nach 5 Jahrzehnten Leseerfahrung mit SF-Literatur womöglich das Kronjuwel. Ich habe das Buch vor zwei Wochen aus der Hand gelegt, seitdem wirkt es in mir nach. Auch habe ich mir Zeit gelassen beim Lesen. Genuss muss reifen. Was macht dieses nachhaltige Erlebnis aus?
Ich gebe zu, dass nicht nur eine profunde Lese-Erfahrung, gepaart mit langem Atem (immerhin liegt dem Leser ein gewichtiger 1000-Seiten- Backstein in der Hand) und einer ordentlichen Bildung Voraussetzung für dieses Erlebnis ist, sondern vor allem die Bereitschaft, sich auf befremdlich lange Dialoge einzulassen, die den Handlungsfluss zuweilen unmerklich werden lassen. Stephenson hat die schrullige Eigenschaft, die so genannte "Spannung" über lange Passagen hinweg scheinbar zu vergessen, um dann blitzartige, dramatische Handlungs-Beschleunigungen aus der inneren Logik, die sich erst dann offenbart, herausbrechen zu lassen. Nun war mir diese Schreibe aus der Barock-Trilogie bereits bekannt. Hier wird sie zur Meisterschaft gebracht.
Es stellt sich heraus, dass platonisch geführte Dialoge, die thematisch um scholastische Spitzfindigkeiten kreisen ("rosarote Drachen"), ihre Wirkung über hunderte von Seiten hinweg entfalten. Das heißt: Wir haben es mit einem Autor zu tun, der gerade keinen "pageturner" hinhaut und uns einem atemlos geradlinigen Handlungsstrang hinterher hetzen lässt, sondern der eine knifflige, quasi physikalische Verknüpfung von Motiven und Einsichten (gar Erkenntnissen!) zu einem kosmischen System vertextet (einem "Narrativ" - ist das nicht eine wunderbare Erfindung?), das erst dann Literatur genannt werden darf.
So sind alle jene, die Langatmigkeit, gar Spannungslosigkeit von "Anathem" beklagen, nicht mit jener Geduld, die aus erfahrener Leselust kommt, gesegnet. Es entgeht ihnen - es sollten nicht viele sein - ein Werk, das kaum vergleichbar ist. Also viel. Eigentlich alles, was uns zum Lesen treibt und uns dazu bringt, ein Buch zu öffnen, allein um eine Erfahrung zu machen (nicht die Zeit zu erschlagen).
Eine Interpretation der Handlung kratzt daher nur an der Oberfläche. Sei es nun SF-Literatur oder nicht, alle Schreibkunst misst sich daran, dass sie eine (neue?) Welt entstehen lässt. Vieles auf dem SF-Markt ist triviales Zeug. Einen Text zu finden, der den Anspruch erfüllt, Kosmologie, antike und neuere Philosophie, Astrophysik und hoch detaillierte Imagination (man denke an die Konstruktion eines nie da gewesenen Raumschiffs) zu Literatur zu machen, zu einer Literatur, die auch stilistisch und architektonisch auf der Höhe ist, das ist sehr selten. Wo sonst hat man von hoch intelligenten Klosterschülern gelesen, die eine mathematisch fundierte Astronautik hinlegen? Eine Vorstellung vom Universum kreieren, in der Aliens keine sind? Einen Ich-Erzähler zum Helden haben, dessen Psychologie man nur von außen, über seine Freunde und Gegner erschließen kann?
Das Buch verdient es, in die Bibliothek der Klassiker aufgenommen zu werden. Einwände gegen die Länge der Erzählung - könnte man kürzen? - mögen kritisch begründet sein. Manche Rabulistik ermüdet. Ich vermute aber, dass auch lange Weile ihren Stellenwert haben kann - die Protagonisten, wiewohl in ein mühsames Kloster-Tagwerk und später in hoch dramatische Ereignisse eingespannt, brauchen diese Zeit, um zu lernen, ihre Zeit zu verstehen oder sich mit vielen klugen Menschen dialektisch zu messen. Wohl hat der Autor, oft merkt das der ungehaltene Leser, die Fortsetzung der Handlung aus den Dialogen erst entwickelt, und das kann gerne auch mal dauern. Doch an der stimmigen Qualität der Grundkonzeption des Werkes - seiner Architektur-Logik - ändert das kaum etwas.
Ein HOCH! schließlich den Übersetzern. Wer die Originalfassung als Non-Nativ-Speaker zu genießen vermag, der teilt sich die Lesezeit mit der Lektüre umfangreicher Wörterbücher, in denen er dennoch nicht fündig wird. Hat doch Stephenson ihnen ein Schnippchen geschlagen und aus humanistischen Bildungszitaten (lateinisch, altgriechisch) eine ganz eigene, assoziativ stimmige Begriffswelt geschaffen, die in keinem Wörterbuch steht. Ein Lexikon eröffnet, erschließt und beschließt daher den Roman. Auch daher kostet das Buch in der Originalausgabe deutlich weniger.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein typischer Stephenson !, 10. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Anathem: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit diesem Roman ist es wie mit vielen Dingen: man braucht eine Weile, um sich daran zu gewöhnen. Hat man einmal gelernt, damit umzugehen, kann man kaum verstehen, wie man vorher ohne zurecht kam.

Zu Anfang des Romans braucht man ein oder zwei Stunden, um sich die eigens für diese Utopie geschaffene Terminologie anzueignen und muss des öfteren im Glossar nachschlagen. Hat man diese Einarbeitungsphase gemeistert, übt die Geschichte wie die anderen Werke von Stephenson eine subtile Faszination aus, die einzigartig ist. Die Stärke des Buches ist nicht nur die fantastische Geschichte, die detailliert erzählt wird, sondern die präzise, pointierte Art, mit der Stephenson die humoristischen und dramatischen Akzente setzt. Es stellt sich kaum die Frage, ob der Handlungsrahmen gerade mehr oder weniger Spannung erzeugt. Vielmehr findet der Autor mit seinem Gespür für Pointen an jeder beliebigen Stelle Mittel, um den Leser blendend zu unterhalten und bei der Stange zu halten. Auch wenn die Handlung gegen Ende des Buches recht martialisch voranschreitet und der Autor auch große erzählerische Gewalt im Sinne klassischer Space Opera einbringt, so steht doch niemals die Action im Vordergrund des Lesevergnügens. Stephenson greift hier und da auf klassische Motive der SF zurück, entwickelt sie aber unnachahmlich neu und vermeidet jedes Klischee.

Eine kleine Schwäche des Romans könnte man darin sehen, dass an einigen wenigen Passagen die fiktiven (natur-)philosophischen Dialoge etwas geschwätzig und unschlüssig dahinplätschern. Das wird von der Selbstironie, mit der immer wieder damit umgegangen, größtenteils ausgeglichen. Außerdem: wo gehobelt wird, da fallen Späne.

Vorsicht: ich bin tatsächlich großer Fan des Autors. Deswegen ist meine Kritik sicher ein wenig rosa gefärbt. Schon Snowcrash, Diamond Age oder Cryptonomicon fand ich bahnbrechend. Falls jemand zum ersten mal Stephenson liest, würde ich eines von den ersten drei Werken empfehlen, die genauso gut sind wie Anathem, aber wesentlich zugänglicher. Wer einigermaßen anspruchsvolle utopische Literatur zur Unterhaltung schätzt, der hat mit Stephenson einen Schatz ausgegraben. Und das vorliegende Buch war vielleicht mein größter Lesespaß in diesem Jahr. Dabei ist erst März !
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Anathem, 16. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Anathem: Roman (Gebundene Ausgabe)
Anathem ist das bisher schwächste Buch, das ich von Stephenson gelesen habe. Fangen wir mit den positiven Aspekten an:

Es handelt sich um das konzeptionell wohl anspruchsvollste Werk des Verfassers. Das Konzept ist zwar nicht nachgerade revolutionär, aber in dieser Form doch neu und aufregend. Positiv hervorzuheben ist die Detailfreude, mit der Stephenson eine fremde Welt erstehen lässt. Die Sprache ist gewohnt souverän, Stephensons bissiger Humor kommt auch nicht zu kurz. Kenner der griechischen Philosophie werden ihren Spaß daran haben, die in dem Buch geschilderten philosophischen Strömungen und Personen zu identifizieren (so wird z.B. ein Prozess gegen einen Philosophen erwähnt, bei dem es sich nur um das Gegenstück zu Sokrates handeln kann).

Was mir an dem Buch weniger gefallen hat: Durch die Detailverliebtheit bleibt leider die Spannung etwas auf der Strecke - Anathem ist keine Buch, das man vor Spannung nicht aus der Hand legen kann; manchmal musste ich mich ein wenig zum Weiterlesen zwingen. Die KOnzeption ist, wie gesagt, an sich reizvoll; dennoch hatte ich beim Lesen manchmal das Gefühl, dass der Autor nicht ganz so schlau ist, wie er vielleicht glaubt. Es mag auch Leser geben, denen die permanenten Anspielungen auf die griechische Philosophie als pseudogelehrtes "Getue" bzw. Angeberei erscheinen.

Manche wissenschaftlichen Aspekte waren schwer oder gar nicht nachvollziehbar. Gar nicht gelungen fand ich z.B. diese ganze Geschichte mit der chemisch "inkompatiblen" Materie. Es bleibt völlig unklar, wie das funktionieren soll. Und selbst wenn das Konzept an sich nachvollziehbar wäre: Wieso ist Nahrung völlig unkompatibel, die Luft jedoch, wenn auch unter Schwierigkeiten, atembar (Wasser scheint gar kein Problem zu sein)? Völlig unklar bleibt, wie die "Siedler" vom "Sockel", die bei jedem Advent beschließen, auf der jeweiligen Welt zu bleiben, auf lange Sicht dort überleben können - wo doch die Nahrung chemisch inkompatibel ist - Stephenson ist der Widerspruch offenbar aufgefallen, er schreibt, etwas verschämt, in einem Nebensatz, dass sie (sinngemäß) "einen Weg finden, zu überleben".
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Starke Fiktion mit interessanten Ideen, 23. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Anathem: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Roman Anathem spielt auf einer Welt mit dem Namen Arbre, die in vieler Hinsicht unserer eigenen Welt ähnelt. Es gibt einige Techniken und Materialien, die erahnen lassen, dass die Zivilisation auf Arbre schon einmal höher entwickelt war, aber das spielt in dem Roman eine fast unerhebliche Rolle. Lediglich die Geschichte auf Arbre unterscheidet sich wesentlich von der unseren. Und dies ist nicht nur der Knackpunt an dem Roman, sondern auch der Ausgangspunkt der Geschichte:
Auf Arbre haben sich Intellektuelle wie z.B. Mathematiker in sogenannte Konzente zurückgezogen, wo sie ein klosterähnliches Leben abseits der weltlichen Zivilisation führen. Dies bewahrt sie vor den Ablenkungen der schnellebigen Welt "draußen" in der "sakulären Welt" und macht sie unabhängig von der Regierungsform, dem sozialen oder politischen Stand der Gesellschaft und den Machthabern.

In dieser klösterlichen - aber nicht religiösen - Welt des Klostrums begleitet der Leser einen jungen Avot - Fraa Erasmas - durch eine Geschichte, die viele Elemente erzählerischen Könnens aufgreift.

Was den Leser zu Beginn nicht nur auffällt, sondern auch fordert, ist die eigentwillige Sprache, die Stephenson verwendet. Damit meine ich nicht seine Formulierungen, die gewohnt brilliant ausfallen, sondern die eigene Sprache, die er für die klösterliche Welt der Hauptfiguren schafft. Dies hält in den ersten Kapiteln etwas auf, da man entweder im Glossar nachschlägt, oder sich den Wortsinn anhand der ethymologischen Konstruktion der Wörter erschließen muss, aber die Wörter machen Sinn und lehnen sich an lateinische oder in unserer Welt verwandte Wörter an. Später stört dies nicht mehr, da man sich sehr schnell das Vokabular angeeignet hat. Mir persönlich haben diese Wortschöpfungen sehr gut gefallen, da sie helfen die Ideen und die Gedankenwelt der "Avot" zu transportieren und die Stimmung in dem Roman unterstützen, dass diese in ihrer eigenen Welt leben.

Ich wil hier nicht den Inhalt des Romans wiedergeben oder "spoilern", sondern mich an die äußerliche Form der Erzählung halten.

Der Roman spielt im ersten Teil in der abgeschiedenen Welt des Klostrums, wo die Geschichte sich erst langsam zu entwickeln scheint. Viele Elemente, die am Rande erwähnt werden entpuppen sich erst später als bedeutsam. Dieser Teil führt auch einen später wieder verstärkt auftretenden Stil des Romans ein: Die Diskurse zwischen den Avot. Diese ideenrechen Streit- und Belehrungsdialoge, die manchmal einen etwas intellektuelen Touch haben, machen für mich einen erheblichen Reiz an dem Roman aus. Ich könnte es aber auch verstehen, wenn sie manchen Lesern etwas zu sehr ins Detail gehen oder sich zusehr in die reine Ideenebene versteigen.
Im weiteren Verlauf des Romans lassen die Ereignisse Erasmas eher einen Abenteuerroman erleben - für mich persönlich die uninteressanteeren Teile - bevor die Geschichte nocheinmals diskurslastig wird und dann in einer unerwarteten Umgebung endet.

Es ist schwer, diesen Roman zu klassifizieren. Es ist sicher kein klassischer Science-Fiction- oder Abenteuer-Roman, greift aber Elemente aus diesen Bereichen auf. Wie andere große Werke von Stephenson (z.B. Diamaond Age) ist der Roman mit ein wenig geistiger Arbeit verbunden und nicht immer einfache Feierabend-Lektüre.
Ich war besonders von den neuen unverbrauchten Ideen und dem perfekten Einbetten existierender philosophischer oder naturwissenschaftlicher Elemente begeistert.

Wer im positiven Sinne gefordert sein möchte und neue, unverbrauchte Fiktion in perfekter Sprache lesen möchte ist mit Anathem meinder Meinung nach bestens bedient.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein rezeptfreies Schafmittel, 31. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Anathem: Roman (Broschiert)
Ich sage es direkt vorweg: Anathem ist das absolut langweiligste und sprödeste Buch, das ich jemals freiwillig gelesen habe. Es war gewiss nicht der erste Wälzer, den ich mir vorgenommen habe, und Neal Stephensons Werke gehörten mitunter dazu; von Cryptonomicon war ich begeistert, das nur am Rande.
Aber Anathem ... wie soll ich diese Leseerfahrung beschreiben ...
Kennen Sie "Big Bang Theory"? Die Fernsehserie? Eine Serie, in der das Leben junger, miteinander befreundeter Naturwissenschaftler (Nerds) an der Uni humorvoll erzählt wird? Eine Hautfigur ist Dr. Sheldon Cooper, ein selbstgefälliges Genie, das mit seinen langweiligen ausschweifenden Vorträgen sogar seinen Wissenschaftlerkollegen auf die Nerven geht.
Anathem ist wie ein niemals enden wollender Vortrag von Sheldon Cooper, nur leider ohne Witz.

Nach den ersten 20 Seiten dachte ich: "Das ist nicht dein Ernst", denn Stephenson verpackt seine Geschichte über einen jungen Mann, der in einer kloster-ähnlichen Umgebung lebt nicht nur mit einer lahmen Schreibe. Er gibt Leuten und gewöhlichen Dingen neue exotische Kunstnamen, deren Bedeutung man sich als Leser erst mal erarbeiten muss. Und dann philosophieren diese Typen ewig und drei Tage jeden erdenklichen wissenschaftlichen Zweig bis zur Erschöpfung aus, bis man das Buch genervt aus der Hand legt. Leider ist die Story dann doch so interessant, dass ich gerne wissen wollte, wie es jetzt weitergeht. Aber das ist kein Spaß! Das ist anstrengend.

Ich habe schon begriffen, was Stephenson will und womit er seine Leser herausfordern möchte. Dass man sich die Logik seiner Geschichte erarbeiten muss, ja ja ... aber für mich persönlich sage ich: wenn ich ein Buch lese, dann, um unterhalten zu werden, zur Zerstreuung, denn mein Alltag bringt genügend Kopfnüsse und schwierige Aufgaben mit sich.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich denke schon, dass Stephenson ein außerordentlich kluger Kopf ist, aber mit diesem Buch hat er sich bei mir keinen Gefallen getan. Langatmige Philosophie, wissenschaftliche Theorien, Quantenmechanik, Paralleluniversen, Wahrnehmungspsychologie, mit kryptischen Umschreibungen zäh und wortreich in Kaugummi gegossen.

Ein Gutes hat diese Leseerfahrung dennoch: wenn ich in Zukunft irgendwann eine Passage in einem Buch lahm und uninteressant finden sollte ... Mann!! Ich habe Anathem gelesen!! Da lach ich doch drüber!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anspruchsvoller Lesespass mit Suchtpotential, 24. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Anathem: Roman (Broschiert)
Dieses Buch fordert von Anfang an: Die Sprachschöpfungen auf den ersten Seiten, die komplexe Story und nicht zuletzt die technischen, mathematischen und philosophischen Dialoge und Gedankenspiele - man muss es schon mögen und eine gewisse Affinität zu wissenschaftlichen Diskursen sollte schon gegeben sein, aber dann wird man einfach mitgerissen. Ich habe lange nicht mehr so intensiv gelesen und das habe ich mir bisher bei jedem Stephenson gedacht. Wer gerne seinen Kopf beim Lesen einschaltet sollte hier zugreifen!
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Anathem: Roman
Anathem: Roman von Neal Stephenson (Broschiert - 17. September 2012)
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