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79 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Standardwerk zur Entstehung der RAF, aber mit Einschränkungen
Meine Meinung zu diesem Buch ist zwiegespalten. Auf der einen Seite haben wir das viel gelobte und mit Preisen belohnte "Standardwerk" zur Entstehung der RAF, auf der anderen Seite haben wir knapp 700 Seiten teilweise staubtrockene Faktensammlung, die das Lesen streckenweise extrem anstrengend machen. Aber zunächst mal zu den guten Seiten:

Wer sich...
Veröffentlicht am 2. August 2007 von Kai

versus
3.0 von 5 Sternen Interessant, aber zu sehr auf die Zeit im Gefaengnis fokussiert
Gutes Buch insgesamt, aber mit sehr viel Fokus auf die Zeit der B-M Bande im Gefaengnis als ueber die Zeit als Taeter. Die Opfer werden viel zu kurz behandelt.
Vor 1 Monat von Ze German veröffentlicht


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79 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Standardwerk zur Entstehung der RAF, aber mit Einschränkungen, 2. August 2007
Von 
Kai "Psychiater und Vielleser" (Lübeck) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Baader-Meinhof-Komplex (Taschenbuch)
Meine Meinung zu diesem Buch ist zwiegespalten. Auf der einen Seite haben wir das viel gelobte und mit Preisen belohnte "Standardwerk" zur Entstehung der RAF, auf der anderen Seite haben wir knapp 700 Seiten teilweise staubtrockene Faktensammlung, die das Lesen streckenweise extrem anstrengend machen. Aber zunächst mal zu den guten Seiten:

Wer sich über die Entstehung und die Anfänge der RAF umfassend informieren möchte, ist hier genau richtig. Es werden wirklich alle (!) Beteiligten genannt, vorgestellt und ihre Bedeutung für das Thema klargestellt. Es werden detailliert die Strukturen und Geschehnisse dargelegt, die zur Bildung der Baader-Meinhof-Gruppe" führten dargelegt. Dabei beschränkt sich der Autor im Wesentlichen auf die Zeit zwischen 1967 und 1977, so dass nachfolgende Ereignisse (die RAF als solche existierte ja auch danach noch weiter) keine Erwähnung finden, bzw. nur am Rande gestreift werden. Sicherlich ist es ein extrem schwieriges Unterfangen, die damalige Stimmung in der Gesellschaft dem heutigen Leser (z.B. mir, ich bin Jahrgang '72) verständlich nahe zu bringen und daraus die Motivation und das immense Gewaltpotenzial einer solchen terroristischen Vereinigung abzuleiten. Aber dieses Kunststück gelingt dem Autor auf jeden Fall. Das ganze erste Kapitel (120 Seiten) beschäftigt sich unter dem Titel Wege in den Untergrund" mit der Entstehung dieser Gruppierung, damals noch als "Baader-Meinhof-Bande" bekannt. Im Folgenden werden auf knapp 700 Seiten alle, aber auch wirklich alle Geschehnisse im Zusammenhang mit dieser Gruppe detailliert beleuchtet und dargestellt. Dabei gelingt dem Autor das nächste Kunststück mit Bravour, nämlich stets sachlich und neutral zu bleiben. Das ist angesichts der sehr heiklen und auch heute noch sehr brisanten Thematik eine beachtliche Leistung, immerhin wird dieses Kapitel deutscher Geschichte auch heute noch sehr kontrovers diskutiert.

Auf der anderen Seite ist es genau diese Detailfülle, die das Buch streckenweise extrem anstrengend zu Lesen macht. Ich persönlich muss nicht unbedingt wissen, dass das Fluchtauto von Baader und Meins erst die Kaiser-Siegmund-Straße in östlicher Richtung entlangfuhr, dann nach rechts in die Eckenheimer Landstraße einbog und von dieser wiederum rechts in den Kühlhornshofweg abfuhr. Viele Details sind ja schön und gut und auch sollten wirklich alle Fakten offen auf den Tisch, aber irgendwo muss dann auch die Grenze sein. Leider schleppt sich das Buch zum Teil immer mal wieder seitenweise mit völlig belanglosen Erzählungen oder Schilderungen irgendwelcher Geschehnisse dahin, die für die eigentliche Thematik völlig belanglos sind. Klar handelt es sich hier um ein Sachbuch, nicht um einen Roman, es gibt also keinen Spannungsbogen im klassischen Sinne. Dennoch schafft es der Autor, gewisse Episoden durchaus spannend und spielfilmreif darzustellen. Aber meiner Meinung nach hätte es hier auch ein bisschen weniger getan, es ist meiner Meinung nach auch für das Verständnis nicht wichtig, wirklich jede Einzelheit zu kennen.

Statt der teilweise ausufernden Details hätte ich mir lieber ein paar Bilder gewünscht. Das Buch besteht wirklich aus 700 Seiten nur Text. Ich kann mich als Kind noch sehr gut an die "Terroristen"-Fahndungsplakate erinnern, die damals ja in jeder Bank oder Postfiliale gehangen sind ;-) Insgesamt hätte einige Fotos oder Bilder den Text angenehm aufgelockert und hätten es mir auch ermöglicht, etwas näheren Bezug zu der "Baader-Meinhof-Bande" zu bekommen. So werde ich von der schieren Fülle an Details aus Ulrike Meinhofs oder auch Andreas Baaders oder Gudrun Ensslins Leben einfach nur erschlagen. Ein wenig Auflockerung hätte der Text dringend nötig.

Nun, das oben beschriebene bleibt aber auch der einzig negative Kritikpunkt. Gleichwohl hätte ich noch sehr gerne mehr darüber erfahren, wie die RAF nach 1977 ohne Baader, Meinhof und Ensslin weitergemacht hat, aber dafür gibt es andere Bücher. Hier liegt wie gesagt der Schwerpunkt ganz klar auf der Entwicklung und Entstehung, vor allem vor dem politischen Hintergrund der späten 60er und frühen 70er Jahre in Deutschland. Und das gelingt dem Buch wie bereits gesagt sehr gut.

Für mich ist es ein wichtiges Stück deutscher Geschichte, mit dem es sich auseinanderzusetzen lohnt. Dennoch gebe ich nur 4 Sterne, einen Abzug gibt es (wie oben beschrieben) aufgrund der unnötigen und erdrückenden Detailfülle und der fehlenden Bilder (im Sinne einer Visualisierung). Wer also ein Buch sucht, um zu verstehen, was die RAF erreichen wollte, warum es so gekommen ist und wer vor allem die Persönlichkeiten dahinter (in erster Linie natürlich die "Anführer" Baader, Meinhof und Ensslin) und die damit verbundenen Strukturen kennen lernen und verstehen lernen möchte, der findet hier das auf dem Markt mit Abstand beste Buch dazu. Wer einen groben Abriß über den Verlauf der RAF auch nach 1977 möchte, wer eher lockere Unterhaltung, mit ein paar Bildern aufgelockert möchte, wem allgemeine Informationen genügen und wer nicht so sehr in die Tiefe gehen möchte, dem sei von diesem Buch abgeraten.
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57 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erhellend!, 7. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Baader-Meinhof-Komplex (Taschenbuch)
Bei der derzeit geführten Diskussion um die Freilassung der letzten RAF-Häftlinge der zweiten Generation und anlässlich des sich in diesem Jahr zum dreißigsten Mal jährenden "Deutschen Herbst" sucht vielleicht der eine oder andere interessierte Leser nach einem Buch, dass umfassend die Entstehungsgeschichte des Links-Terrorismus in West-Deutschland erhellt.

Der langjährige Spiegel-Redakteur und Vollblutjournalist hat nicht nur umfassend recherchiert, sondern hat als Student und Volonteur bei "Konkret" auch die Entwicklung Ulrike Meinhofs von der Vorzeige-Linken zur Staatsfeindin Nummer eins hautnah miterlebt.

Seine Beobachtungen und Erfahrungen ergänzen ein hoch-informatives, um Objektivität bemühtes und glänzend geschriebenes Standardwerk zur Entwicklung der Roten Armee Fraktion.

Da dieses Buch seit seiner Erst-Auflage 1986 immer wieder überarbeitet wurde, empfehle ich es mit Nachdruck vor allem allen interessierten jungen Menschen, für die der von der RAF initiierte Terror nur eine Episode aus dem Geschichtsbuch ist.

In die moralische Diskussion, ob politisch motivierter Terror ehrbarer ist als blanke Kriminalität, steigt dieses Buch nicht ein. Es zeigt aber deutlich, dass bei aller Ernsthaftigkeit, mit der die terroristischen linken Kreise verfolgt wurden, oftmals auch übereifrig in völlig harmlosen linken Kreisen ermittelt wurde und eben die demonstrierte Staatsmacht in jenen Jahren geradezu eine Faszination der Baader-Meinhof-Gruppe bei jungen Menschen auslöste.

Andreas Baader und Gudrun Ensslin waren die führenden Köpfe eines im Grunde ziemlich desorganisierten, kleinen Grüppchens, die aus der Studentenbewegung entstand und die durchaus nachvollziehbaren politischen Argumente radikalisierte. Die Journalistin Ulrike Meinhof, die nach der Gefangenen-Befreiung Baaders in den Untergrund ging, verlieh der ersten Terrorgeneration einen intellektuellen und fast glamourösen Anstrich, hatte aber in Wahrheit nur sehr wenig Einfluss auf die Organisation der verübten Terroraktionen. Vor allem war die Gruppe jedoch damit beschäftigt, mit Banküberfällen ihr Leben im Untergrund zu finanzieren. Anfang der siebziger Jahre wurden alle führenden Köpfe verhaftet. Die Rote Armee-Fraktion war zu diesem Zeitpunkt praktisch zerschlagen. Die einzelnen Prozesse und die Haftbedingungen im Hochsicherheitstrakt von Stuttgart-Stammheim lösten jedoch eine so breite Öffentlichkeit aus, dass sich eine zweite Terror-Generation organisieren konnte, die ideologisch von den Mitgliedern aus dem Gefängnis heraus gebrieft wurden.

Bis zum spektakulären Selbstmord der Gefangenen nach der Befreiung der "Landshut" in Mogadischu reicht die Geschichte der ersten Generation.

Ihre Entstehung, ihre Denkweise und das Wirken haben das Bild der jungen Bundesrepublik verändert.

Ihr langer Arm sorgt bis heute für öffentliche Diskussionen und - was häufig untergeht - bei den vom Terror betroffenen Familien für großes Leid.

Da man ohne umfassende Erkenntnis der Wurzel jeden Übels kaum zu einer eigenen Ansicht gelangen kann, ist dieses Buch von großem historischem Wert!
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Baader Meinhof Komplex, 10. September 2002
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Baader-Meinhof-Komplex (Taschenbuch)
Dieses Buch ist, sowohl für den jenigen der gerade erst anfängt sich mit der RAF und ihren Personen/Persönlichkeiten auseinanderzusetzen, als auch für denjenigen der vielleicht schon tiefer in das Thema eingestiegen ist, Pflicht. Aust schreibt dieses Buch mit einer äußerst neutralen Sichtweise, er kümmert sich auch um Personengeschichte, die vielleicht dem ein oder anderen den Werdegang einiger Mitglieder verständlich machen mag. Viel Spass beim Lesen
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34 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie ein Mythos und Alptraum greifbar wird, 28. Mai 2003
Rezension bezieht sich auf: Der Baader-Meinhof-Komplex (Taschenbuch)
Stefan Aust, den meisten als Chefredakteur des Spiegel und Spiegel-TV bekannt, war früher Mitarbeiter der Zeitschrift Konkret, wo er Ulrike Meinhof und andere kennenlernte, die später in den Untergrund abtauchten. „Der Baader Meinhof Komplex" ist der (ausgesprochen gelungene) Versuch einer Chronik der später RAF genannten links-terroristischen Gruppe, die meine Jugend (Jahrgang 1971) prägte, etwa indem in jedem Postamt, jeder Bank und jeder Sparkasse die Fahndungsplakate der mutmaßlichen Mitglieder aushingen. War es mir bislang ohne weiteres möglich, die wesentlichen Taten der RAF aufzuzählen, fiel es mir doch schwer, die Beweggründe der Menschen zu verstehen. Das hat sich nach der Lektüre dieses Buchs geändert.
Aust, der sein Buch zwar überwiegend, aber nicht durchgängig chronologisch aufbaut, sieht den Beginn der RAF in der gewaltsamen Befreiung Andreas Baaders am 14.05.1970 und stellt dieses Kapitel fast an den Anfang des Buchs. Es folgt eine Personenbeschreibung von Andreas Baader, die ihn als intelligent, willensstark bis zum Jähzorn und aufsässig, aber auch als sprunghaft und aggressiv sowie als frühen Kriminellen erscheinen lässt. Es folgt die Beschreibung Ulrike Meinhofs, einer außerordentlich intelligenten, belesenen und selbstbewussten jungen Frau, die 1958 der verbotenen KPD beigetreten war und sich frühzeitig als Gegnerin der atomaren Bewaffnung der Bundeswehr im Sozialistischen Deutschen Studentenbund engagiert hatte. Ulrike Meinhof wurde schnell Chefredakteurin der Zeitschrift Konkret. In der Folgezeit wurde sie bundesweit als Autorin für Panorama und von Berichten im Rundfunk bekannt, wurde zu Fernsehdiskussionen eingeladen, lebte das Leben einer arrivierten Journalistin. Nach ihr stellt Aust Gudrun Ensslin vor, die wahrscheinlich neben Baader der eigentliche strategische und dogmatische Kopf der frühen RAF war. Er beschreibt sie als klug, religiös verwurzelt, sozial engagiert und weltoffen; sie engagierte sich im Vorfeld des Bundestagswahlkampfs 1965/66 für die SPD. Er zitiert ihre Ernüchterung, als die Große Koalition gebildet wurde und Willy Brandt neben den einstigen politischen Gegnern auf der Regierungsbank Platz nahm.
Anschließend schildert Aust den zeitgeschichtlichen Kontext: Aufgeschreckt durch die Nachricht, dass die US-Armee flächendeckend Napalmbomben gegen die Zivilbevölkerung Vietnams einsetzte, formierte sich Mitte der sechziger Jahre vor allem studentischer Protest, der sich zunehmend gegen die Bonner Parteien richtete. In einer Kommune wurde geplant, den damaligen amerikanischen Vizepräsident Humphrey während seines Berlin-Besuchs mit Pudding zu bewerfen; dieser Plan flog indessen auf und wurde durch die Bild-Zeitung als Sprengstoffattentat dargestellt. In der Folgezeit kam es zu weiteren Protesten, die zunehmend radikaler wurden. Am 02.06.1967 besuchte der Schah von Persien mit seiner Frau die Bundesrepublik. Aust beschreibt, wie dieser Besuch polizeistaatlich abgesichert wurde. Proteste während des Auftritts am Schöneberger Rathaus wurden durch Schah-Anhänger niedergeprügelt, während die Polizei zunächst tatenlos blieb, dann aber ebenfalls auf die Demonstranten einschlug, ohne wenigstens die Personalien der persischen Schläger festzustellen. Am Abend kam es erneut zu einem gewalttätigen Eingriff der Polizei gegen die Demonstranten, die schließlich ver- und gejagt wurden. Im Rahmen dieses Vorgehens wurde der Student Benno Ohnesorg, ein Pazifist, zunächst von Polizisten als vermeintlicher Rädelsführer festgehalten und verprügelt. Anschließend löste sich ein Schuss aus einer Polizeiwaffe, durch den Ohnesorg getötet wurde. Dies führte zu unterschiedlichsten Reaktionen seitens der demonstrierenden Studenten, Aust berichtet von dem Ausspruch Gudrun Ensslins, man müsse die Gewalt des faschistischen Staats mit Gewalt beantworten. Nach Absitzen einer Jugendstrafe tauchte Andreas Baader im Sommer 1967 in Berlin auf und lernte Gudrun Ensslin kennen. Beide legten im April 1968 Brandsätze in zwei Frankfurter Kaufhäusern. Die Brände verursachten geringen Sachschaden, Ensslin und Baader wurden festgenommen, später zu je drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Während des Prozesses lernte Ulrike Meinhof Gudrun Ensslin kennen, die sie interviewen wollte und die sie nachhaltig beeindruckte. Nach einem Attentat auf Rudi Dutschke am 11.04.1968 richtete sich der Widerstand und Protest zunehmend auch gegen den Verlag Axel Springer, dessen Bild-Zeitung gegen die protestierenden Studenten Meinungsmache betrieb. Als Demonstranten versuchten, die Auslieferung der Zeitungen zu verhindern, kam es zu Straßenschlachten. Nach Verbüßung von vierzehn Monaten ihrer Haftstrafe wurden Ensslin und Baader bis zur Entscheidung über ihre Revision auf freien Fuß gesetzt. Sie engagierten sich in der Jugendarbeit, in deren Zusammenhang Peter Jürgen Boock, der später die zweite Generation mitbegründen sollte, zu ihnen stieß. Nachdem der Bundesgerichtshof die Revisionen verworfen hatte, tauchten Ensslin und Baader unter; allerdings wurde Baader später erneut festgenommen und am 14.05.1970 unter Mitwirkung Ulrike Meinhofs befreit - die Geburt der sogenannten Baader-Meinhof-Gruppe, der späteren ersten Generation der RAF.
Es folgt die Darstellung des Lebens im Untergrund, das im wesentlichen aus mehr oder weniger „normalen" kriminellen Handlungen zur Beschaffung von Autos, Waffen, Wohnungen und Geld bestand, das allerdings bereits Verletzte und Tote forderte. Und das gleichzeitig zu einer Aufrüstung des Fahndungsapparats innerhalb eines nahezu hysterisch reagierenden Staats führte, die einen allmählichen Rückbau des liberalen Rechtsstaats nach sich zog. Und es wird deutlich, wie zunehmend echte Diskussionen um das weitere Fortfahren innerhalb der Gruppe ausgeschaltet, Kritiker als Denunzianten und Abtrünnige bezeichnet und auf Linie gebracht werden. Das Buch beschreibt sodann den Prozess gegen Ensslin, Meinhof, Baader und Raspe, schließlich die Befreiungsbemühungen der zweiten Generation um Boock, insbesondere durch die Entführung Schleyers und der Lufthansa-Maschine „Landshut" im sogenannten „deutschen Herbst" 1977, mit dem das Buch endet, so dass die späteren Untaten der RAF nicht mehr behandelt werden.
Die Vielzahl der beteiligten Personen und Fakten verknüpft Aust kunstvoll und erleichtert das Verständnis dadurch ebenso wie durch das Namensverzeichnis im Anhang. Mit Wertungen hält er sich weitgehend zurück, seine Darstellung ist durchgängig distanziert und klar, immer aber spannend. Der einzige Wermutstropfen liegt möglicherweise darin, dass Aust, der die umfangreichen Recherchen im Vorwort anspricht, seine Schilderungen nicht genau belegt, so dass man ihm bei den wörtlichen Wiedergaben der Aussagen der auch sprachlich verrohenden Mitglieder blind vertrauen muss. Sie beruhen offenbar überwiegend auf Gesprächen mit RAF-Mitgliedern und auf Verfahrens- und Stasiakten.
Insgesamt hat mich das Buch während des Lesens dermaßen gefesselt, dass ich es kaum aus den Händen legte. Und es hinterläßt mich verwirrt, denn es wirft eine Vielzahl von Fragen auf, insbesondere um die Rolle des Staats, der frühzeitig Verfassungsschutzbeamte im Umfeld der Gruppe postiert hatte, der einerseits die Mitglieder als bloße Kriminelle begriff, sie gleichzeitig aber wie „Gefangene" behandelte, als solche diese sich selbst bezeichneten. Wen die jüngere Zeitgeschichte interessiert, muss meines Erachtens dieses Buch lesen.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine ebenso spannende wie intelligente Auswahl von Fakten, 27. März 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Baader-Meinhof-Komplex (Taschenbuch)
Stefan Aust ist es gelungen, ein Thema in knapp 650 Seiten ebenso spannend wie interessant aufzubereiten, denn er musste da bei mir persönlich als Ersatz für einen Lehrer hinhalten, da dieses Thema bei mir in der Schule gar nicht angesprochen wurde.
Da darf man sowieso schon mal fragen: Weshalb eigentlich nicht?
Als ich begonnen hatte, das Werk zu lesen, konnte ich nicht mehr aufhören, denn Aust reiht die Fakten chronologisch aneinander, soweit nicht manchmal klügere Abfolgen nötig sind und eröffnet dem unbefangenen und vielleicht in meinem Fall auch unwissenden Leser die Möglichkeit, eigene Schlussfolgerungen zu ziehen und schafft daher natürlich einen viel klareren und eleganteren Zugang zu der Materie der RAF und dem Terrorismus.
Ich befand mich danach eher in der Lage zu verstehen, wie es soweit kommen konnte, dass intelligente und gebildete Menschen ihrem Vaterland den Krieg erklären und ihn ohne Rücksicht auf Verluste, nicht mal ihr eigenes Leben, mit geradezu fatalistischer Manier durchsetzen.
Im übrigen gerade natürlich wieder besonders aktuell, nachdem man Zeuge der Anschläge von NY und Washington D.C werden musste.
Aust schildert auch sehr detailliert die Anfänge, die geistige Entwicklung und die Situation der Politik in der Bundesrepublik und eröffnet mit der sehr deutlichen und umfangreichen Darstellung des Prozesses der Ensslin, des Baader sowie der Meinhof die Pforte für die Analyse, ob die BRD, so wie man es ihr und ihren Vertretern später ja vorwarf, den Rechtsstaat in diesen Tagen aufgegeben hatte.
Daher uneingeschränkt zu empfpehlen, da das Werk schafft, was nicht jedes Werk dieser Art vermag:
Kritische Analyse der vergangenen, aber auch der jetzigen Generation von jungen Menschen und der Bundesrepublik.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Entstehung der Roten Armee Fraktion, 2. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Der Baader-Meinhof-Komplex (Taschenbuch)
Das Buch "der Baader-Meinhof Komplex von Stefan Aust" beschreibt die Entstehung und deren jeweiligen Zusammenhänge mit der RAF und derren Mitgliedern. Es wird genau beschrieben woher die terroristische Vereinigung die RAF enstehen konnte. Stefan Aust bezieht sich in dieser Phase des Geschehens immer wieder auf Augenzeugen und ehemahligen Studenten, die dem Prtosestmarsch folgten und unterstützten. Dies wirkt auf den Leser sehr realistisch,womit das Buch an Spannung gewinnt. Außerdem werden auch Gespräche unter den RAF-Mitgliedern beschrieben. Die wichtigsten und bekanntesten Terroristen Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin werden von Stefan Aust über mehrere Kapitel genau beschrieben sowie ihre Lebensläufe werden dort geschildert. Je näher das Buch bis zum Jahre 1977 kommt, um desto spannender werden die Themen, die sich mit der RAF beschäftigen. Trotz vieler positiven Aspekte für den Inhalt des Buches gibt es leider auch ein paar negative Aspekte. Unmissverständlich werden ein paar wichtige RAF-Mitglieder nur kurz vorgestellt,sodass der Leser im weiteren Verlauf des Buches irritiert und verwirrt ist. Außerdem wird am Ende des Buches nicht beschrieben, wer genau für die Schleyer-Entführung und dessen Tod verantwortlich gemacht wurde. Trotz diesen kleinen Mängel bewerte ich dieses Buch mit 5 Sternen, da dieses Buch ein große Spannung erzeugt sowie die Hintergründe erläutert werden.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Standardwerk, 5. Februar 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Baader-Meinhof-Komplex (Taschenbuch)
Will man sich über die RAF näher informieren, führt an diesem Buch kein Weg vorbei. Es ist ein Standardwerk. Einziger Kritikpunkt ist, daß die 3.Generation der RAF zu kurz kommt.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DAS Standardwerk, 14. Januar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Baader-Meinhof-Komplex (Taschenbuch)
Dieses Buch soll keine Anklageschrift sein und auch kein Urteil, weder in juristischer noch in moralischer Hinsicht. Vielmehr muß man es als eine Chronik der Ereignisse sehen, die im "Deutschen Herbst" 1977 ihren blutigen Höhepunkt hatten.
Und so ist das Buch auch aufgebaut-die einzelnen Kapitel sind jeweils in kurze, knappe, aber mit höchstem Informationsgehalt versehene Unterkapitel eingeteilt. Beginnend mit dem Tod in Stammheim werden die Wege in den Untergrund aufgezeigt und die Geschichte der "Baader-Meinhof-Gruppe", die sich später "Rote Armee Fraktion" nannte, rekonstruiert.Chronologisch werden der Prozeß der Baader-M.-Gruppe vor Gericht und die vierundvierzig Tage im "Deutschen Herbst" 1977 der Schleyer Entführung und Ermordung, sowie die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" aufgezeigt.
Es schließt sich ein ausführliches Personenverzeichnis an.
Ich meine,wer sich über die RAF, ihre Ursprünge informieren möchte, muß dieses Buch lesen (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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27 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sex, Drogen und der Kampf für die Revolution, 26. September 2008
Von 
Mario Pf. (Oberösterreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Baader-Meinhof-Komplex (Taschenbuch)
Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin - ihre Namen sind in die Geschichte eingegangen und die RAF ist heute längst ein Stück der Popkultur, neben der IRA ein gern verwendetes Beispiel für eine europäische Terrororganisation. Doch Umfragen im Frühherbst 2008 zufolge wissen heute nur noch wenige junge Deutsche von der Geschichte der RAF. Dagegen schafft Stefan Austs Buch Abhilfe.

Schon 1985 zum ersten Mal veröffentlicht, wurde es seither vielfach neu aufgelegt, so dass 2008 neben der beliebten Taschenbuchausgabe auch eine stark erweiterte und ergänzte Ausgabe von Hoffmann und Campe vorliegt. Diese bringt allerdings wenig neue Erkenntnisse, nur die Kapitel um eine mögliche Abhörung in Stammheim und die Weiterentwicklung der RAF nach dem Tod dem kollektiven Selbstmord der Führungsriege, bis zur Auflösung 1998 wurden erweitert und mit zahlreichen Fotos ergänzt.

"Der Baader-Meinhof Komplex" ist eine Chronik der Ereignisse, die sich fast schon wie ein Thriller liest und neben den Biografien der führenden RAF-Mitglieder, grundsätzlich die Geschichte von der Baader-Befreiung 1970 bis zur Selbstmordnacht in Stammheim und der Entführung Hanns Martin Schleyers führt. Die verschiedenen Teile wurden perfekt miteinander verwebt und ein eindrucksvolles Bild, des Milieus aus dem die RAF hervorgegangen ist. Dabei kommt Stefan Aust zu gute, dass er sich selbst einst in den gleichen Kreisen bewegt, Mitarbeiter bei "Konkret" war, wo Ulrike Meinhof lange Zeit Chefredakteurin gewesen ist und schließlich an der Rückholaktion der Meinhof-Töchter von Sizilien beteiligt war, wofür er angeblich auch auf die Abschussliste der RAF geraten ist.

Seine Charakterisierung der ersten Generation ist sehr prägnant, beschreibt er doch Andreas Baader als einen aggressiv-antiautoritären und sogar chauvinistischen Mann, der dennoch den gemeinhin anerkannten Führungsanspruch in der Gruppe geltend machen konnte und dabei nicht selten selbst autoritär agierte. Von RAF-Aussteigern, mit denen Stefan Aust gesprochen hat, heißt es sogar, dass Baader für gewöhnlich die besten Wohnungen für sich und Gudrun Ensslin reservieren ließ.

Dem gegenüber steht Urlike Meinhof, die laut Aust in der Gruppe wenig zu sagen hatte und nur nach außen als Chefideologin in Erscheinungen treten durfte. "Nur wenige sympathisierten mit dem bewaffneten Kampf, aber einer Ulrike Meinhof, zumal wenn sie von der Polizei gesucht wurde, schlug man nicht die Tür vor der Nase zu." (S. 138) Ihrer Geschichte hat sich der Autor sehr intensiv gewidmet und beschreibt sie als durchaus überzeugte Frau, die aber eher durch Zufall in die RAF geraten ist und zeitlebens Probleme mit ihrer Entscheidung hatte, musste sie doch ihr "bürgerliches Leben" und damit die beiden Töchter zurücklassen.

"Was mit friedlichen Protesten gegen den Vietnam-Krieg begann, gipfelte im blutigen 'Deutschen Herbst'."
Das Buch enthält sich einer klaren Wertung, die Ereignisse werden lediglich grundlegend dargestellt und minimal interpretiert. Stattdessen lässt der ehemalige Spiegel-Chefredakteur, die Akteure selbst zu Wort kommen, wie Gudrun Ensslin, nach der Anklage wegen dem Kaufhaus-Brandanschlag (S. 79-80):
"War denn die Tat richtig?"
"Es war richtig, daß etwas getan wurde. Daß wir das Falsche gemacht haben, das haben wir deutlich genug gesagt. Aber wir haben keinen Grund, darüber mit der Justiz oder mit dem Staat zu diskutieren. Das müssen wir mit Leuten diskutieren, die so denken wie wir."

Auch Jean-Paul Sartre, äußerte sich nach seinem berühmten Interview mit Andreas Baader durchaus kritisch zur RAF (S. 318), was von den Medien allerdings sogar gegenteilig dargestellt wurde: "Diese Gruppe gefährdet die Linke. Sie ist für die Linke schlecht. Man muß zwischen den Linken und der RAF unterscheiden."

So "interessant" und "lesenswert" das Buch auch sein mag, de facto wirkt es mehr wie ein Roman, als ein Sachbuch. Zwar ist "Der Baader-Meinhof Komplex" die erste Chronik der Ereignisse und allgemein eines der ersten Bücher die über die RAF veröffentlicht wurden, doch ändert das nichts daran, dass das "Standardwerk", wissenschaftliche oder historische Ansprüche nicht erfüllt. Den journalistischen Ethos Stefan Austs in Ehren, aber das Buch ist weder übersichtlich strukturiert, noch werden Quellen angeführt, auf das Quellenverzeichnis wurde unter dem Verweis auf die Anonymität der "Informanten" und "Insider" gänzlich verzichtet. Aber zumindest die zahlreichen Prozessakten und Zeitungsartikel, sowie TV-Berichte hätte der Autor anführen können, stattdessen dürften künftige Versuche anhand von Austs Werk die Geschichte der RAF historisch aufzuarbeiten, vor allem daran scheitern, dass die Historiker Zugang zu den hoffentlich umfangreichen Privatarchiven und Aufzeichnungen des Autors brauchen werden.

Fazit:
Sehr spannend und informativ, vor allem als Einstiegslektüre in die Geschichte der RAF. Stefan Aust schafft es eine dichte Atmosphäre aufzubauen und das in einem Sachbuch, dem es dennoch gelingt Biografien der Akteure gekonnt mit der "Handlung" zu verweben. Als "Standardwerk" ist der Baader-Meinhof Komplex allerdings mangels Quellenverzeichnis ein Reinfall, wenn auch eine journalistische Glanzleistung.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bedrückend gut, 28. Mai 2003
Rezension bezieht sich auf: Der Baader-Meinhof-Komplex (Taschenbuch)
Neuere deutsche Geschichte spannend erzählt. Wer heute Diskussionen über Extremismus, Polizeigewalt, Lauschangriff, Deeskalationsstrategie und der Unschuldsvermutung bei Verdächtigen verstehen will, der kommt um dieses Buch nicht herum. Hier zeigt sich auf beiden Seiten, wie sich Konflikte hochschaukeln, weil beide Seiten Öl ins Feuer gießen. Der Staat schürt in den 60'ern mit zweifelhaften Methoden Ohnmachtsgefühle und beschneidet Bürgerrechte. Aus dieser Atmosphere entwickelt sich langsam aber stetig ein gewaltbereiter Kern samt Mitläufern. Der Staat regiert mit weiterer Gewalt und somit nimmt die Eskalation Ihren Lauf.
Stefan Aust dokummentiert ausführlich und spannend die Ereignisse. Das Buch hat mich sehr erschüttert, vor allem wenn man bedenkt, das das letzte Ereignis(Bad Kleinen) erst ca. 10 Jahre her ist.
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Der Baader-Meinhof-Komplex
Der Baader-Meinhof-Komplex von Stefan Aust (Taschenbuch - 11. August 2008)
EUR 10,00
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