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49 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zum Schreien komisch und zum Heulen traurig
Wie konnte aus Frank Lehmann schließlich und endlich Herr Lehmann werden? Diese Frage beantwortet Sven Regener in "Neue Vahr Süd", der neun Jahre vor seinem viel gelobten Debütroman "Herr Lehmann" spielt. Und um es gleich vorweg gesagt zu haben: "Neue Vahr Süd" ist noch um einiges besser als sein schon überzeugender Vorgänger...
Veröffentlicht am 19. Oktober 2006 von Michael Dienstbier

versus
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen ...als es noch den Wehrdienst gab!
"Neue Vahr Süd" ist ein herrliches Buch, das die nachfolgenden Generationen (wegen der Abschaffung des Wehrdienstes) wohl nicht mehr verstehen werden. Ich - als einer, der noch gedient hat - habe mich jedenfalls oft wiedergefunden! Das Buch Herr Lehmann fand ich aber doch um einiges besser (irgendiwe ist mir "Neue Vahr Süd" auch etwas zu dick geraten - ein paar...
Veröffentlicht am 18. März 2012 von paul9999


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49 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zum Schreien komisch und zum Heulen traurig, 19. Oktober 2006
Von 
Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Neue Vahr Süd (Taschenbuch)
Wie konnte aus Frank Lehmann schließlich und endlich Herr Lehmann werden? Diese Frage beantwortet Sven Regener in "Neue Vahr Süd", der neun Jahre vor seinem viel gelobten Debütroman "Herr Lehmann" spielt. Und um es gleich vorweg gesagt zu haben: "Neue Vahr Süd" ist noch um einiges besser als sein schon überzeugender Vorgänger!

Frank Lehmann muss zum Bund, da er vergessen hat zu verweigern. Und was er da erlebt, ist zum Schreien komisch. Frank, der eine einzige Verkörperung von Lethargie und Ziellosigkeit darstellt, sieht sich plötzlich mit Menschen konfrontiert, die ihn wegen jeder Nichtigkeit anschreien. Und damit nicht genug. Nach einem kleinen Streit mit seinen Eltern, zieht er in eine WG, die chaotischer nicht sein könnte. Und dann sind da ja auch noch Birgit und Sibille...

Ich war zwar nie beim Bund, aber trotzdem sind die Erlebnisse des schludrigen Melancholikers beim Militär an Humor und Wortwitz auch für Zivilisten nicht zu übertreffen. Ebenso seine WG-Erfahrungen mit seinen absolut verplanten Mitbewohnern, die, außer Saufen und Kiffen, munter die Weltrevolution betreiben.

Und doch liegt die Stärke des Romans in der tiefen Melancholie, die zwischen der offensichtlichen Heiterkeit zum Vorschein kommt. Im Roman wimmelt es nur so von gescheiterten Existenzen. Es gibt nicht einen glücklichen und zufriedenen Menschen. Ziellosigkeit, Trauer, Depressionen und gescheiterte Lebensentwürfe verbinden die Charaktere mit Frank Lehmann an ihrer Spitze.

Fazit: Dreimal so lang und dreimal so gut wie "Herr Lehmann". Ein Roman zum Lachen, zum Trauern und zum Nachdenken.
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27 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Da sollte man mal drüber nachdenken..., 26. November 2004
Von 
Roland Rissel (Dortmund) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Neue Vahr Süd: Roman (Gebundene Ausgabe)
...und zwar ganz in Ruhe, denn das ist fast schon die Kernsaussage von "Neue Vahr Süd". Ohne ein wenig über das Geschriebene nachzudenken, kommt man auch nicht weit, denn der junge "Herr Lehmann" scheint in seiner wilden Jugend als Pionier und WGler noch komplizierter gewesen zu sein als in seiner Berliner Kneipierszeit.
"Neue Vahr Süd" ist ein intelligentes Buch, Sven Regener begegnet dem Leben mit den nötigen Prisen Ironie, Ernst, Misstrauen und dem inneren Wunsch, all das, was man bereits gelesen und verstanden zu haben gedacht hatte, nochmals auf den Prüfstand zu stellen.
Ich will weder behaupten, dass "Herr Lehmann" besser noch schlechter war, als "Neue Vahr Süd". Aber es ist anders und das macht gerade den Reiz beim Lesen aus. Vieles kommt einen bekannt vor und bei manchen denkt man sich, wo es wohl in Lehmanns späteren Leben geblieben sein mag, was natürlich am Ende des Buches auf Regenersche Art "aufgeklärt" wird...
Es war ein Spaß "Neue Vahr Süd" zu lesen und wenn man damit durch ist, hat man zwei Möglichkeiten: entweder man liest "Herr Lehmann" direkt nochmal hinterher; oder aber man denkt mal in Ruhe nach über alles, denn sonst könnte man sich noch in das Buch verlieben und das gibt am Ende wieder nur Ärger...
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es ist ein Wahnsinn, 8. Januar 2005
Rezension bezieht sich auf: Neue Vahr Süd: Roman (Gebundene Ausgabe)
Was hab ich gelacht. Ein wunderbares Buch. Glänzend geschriebene Dialoge. Und die Situationen beim Bund, in der WG, besoffen auf Parties, Gespräche am elterlichen Mittagstisch, genau so war es doch. Au weia. Ich hatte einen argen Backflash. Ich war zwar nicht so schlagfertig wie Herr Lehmann, und meine Freunde waren nicht so bekloppt wie Herrn Lehmanns seine (obwohl.... wenn ich nachdenke, waren sie genau so bekloppt), aber Sven Regener trifft die 80er Jahre saugut.
Nachdem ich ausgelesen hatte, hab ich drei Tage nix anderes gelesen, weil ich es noch in mir nachhallen lassen wollte. Und das passiert nur etwa alle 5 Jahre mal.
Ich weiss nicht wann er das Buch geschrieben hat, ob er die Verfilmung von Herrn Lehmann mit Christian Ulmen damals schon gesehen hat, aber irgendwie ist das Buch dem Ulmen auf den Leib geschrieben.
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19 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verbeugung vor einem Meisterwerk, 7. Dezember 2004
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Neue Vahr Süd: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Vielleicht wäre es interessant, noch etwas über die Jugend von Herrn Lehmann zu erzählen", überlegte Sven Regener knapp 3 Jahre nach seinem ersten Romanerfolg - und machte uns im September 2004 ein großartiges Geschenk: Neue Vahr Süd.
Schon Regeners Roman „Herr Lehmann" begeisterte 2001 Kritiker wie auch Fans. Die Geschichte Frank Lehmanns, eines 30jährigen Kreuzbergers in den späten Achtzigern, fesselte - und verlangte nach mehr. Neue Vahr Süd gibt endlich Antwort auf die Frage nach der Herkunft und Vergangenheit Lehmanns, die er so oft beklagte.
Auf 582 Seiten lernen wir Franks Heimat, das Bremer Viertel Neue Vahr Süd, seine Familie, Freunde und ihn selbst besser kennen. Frank Lehmann, gerade 20 Jahre alt, vergisst, den Kriegsdienst zu verweigern - und damit beginnt seine Vorgeschichte, eine Tragikomödie. Unnachahmlich, denn was ist schon authentischer als das Leben selbst?
Frank denkt und sagt, was niemand erwartet und erst recht keiner gewagt hätte, zu formulieren. Je mehr einen seine Gedankengänge und Wortgefechte gefangen nehmen, umso lauter lacht man - und dann bleibt einem das Lachen im Halse stecken und man will heulen. Weil Frank Lehmann ausspricht, was jeder einmal gedacht hat, weil er sich die Zeit für das wirklich Wichtige im Leben nimmt, zum Nachdenken, weil er die Menschen so genau beobachtet, wie es nur ein Meister der Zeichnung kann, weil er einem mit jedem Satz sympathischer wird, weil man ihm die Erfüllung all seiner simplen Wünsche und Hoffnungen gönnt - und man am Ende einsehen muss, dass er eben doch nur ein einfacher junger Mann ist. Aber vielleicht macht ihn gerade das zum Helden.
„Wenn Du lachst, hat unsere Zukunft ihren Schrecken eingebüßt. Wenn Du weinst, ist alles Elend in Deinen Tränen aufgelöst" sang Sven Regener (Element of Crime) 2001 in „Narzissen und Kakteen". Wenn man Neue Vahr Süd gelesen hat, dann geht es einem so mit Frank Lehmann. „Darüber sollte man mal in Ruhe nachdenken, oder vielleicht besser auch nicht, sonst verliebt man sich am Ende noch, und dann ist das wieder extra bitter."
Die 300 Seiten „Herr Lehmann" habe ich in wenigen Stunden verschlungen. Als ich mir dann achtlos Neue Vahr Süd bestellte, bin ich beim Auspacken fast umgefallen. Statt des Kurzromans, auf den ich mich innerlich eingestellt hatte, erwartete mich fast der doppelte Umfang von „Herrn Lehmann". Aber Regener machte es mir leicht: Sein Roman ist aufgeteilt in zwei Bücher und insgesamt 47 Kapitel. Das macht im Schnitt ein Kapitel alle 12,38 Seiten - würde Frank Lehmann sagen. Und die lesen sich schneller, als man möchte. Nach ein paar Tagen dann die letzte Seite, der Deckel klappt zu, mein Kopf ist voll und ich fühle mich trotzdem leer. Gibt es ein Leben nach dem Buch?
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine wunderschöne Jedermanngeschichte, 9. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Neue Vahr Süd (Taschenbuch)
Ein wunderbares Buch! Dabei passiert eigentlich nichts wirklich Außergewöhnliches, aber diese lapidare Beschreibung eines (scheinbar) durchschnittlichen Lebens eines jungen Mannes, seiner Kumpels, seiner Zeit beim Bund, eben diese Art des nebenbei Notierens ist das wirklich Außergewöhnliche. Sven Regener beschreibt das Leben dieses erstaunlich gelassenen, manchmal etwas emotionsarm wirkenden Frank Lehmann so fesselnd, daß der Leser das Buch nicht aus der Hand legen kann, und das nur aus purer Lust, das Geschriebene zu lesen. Es ist eines der besten und schönsten Bücher, die ich je gelesen habe. Stellenweise sehr witzig, und so echt....
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schreiben für die Wirklichkeit, 3. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Neue Vahr Süd: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich danke und liebe Sven Regener für seine Bücher und besonders für die Figur Frank Lehmann. Der trockene Humor des Buches ist genau meiner.
Frank Lehmann ist ein Jedermann, der Anti-Held persönlich. Da wandert er nach der Schule durch die Welt und vergisst spontan das verweigern des Bundeswehrdienstes, obwohl seine Freunde alle aus der linken Szene kommen und strigt gegen jenen, aber so ist nunmal das leben und er stolpert durch dieses, ignorant an großen geschichtlichen Ereignissen vorbei, fast unbemerkt vom Leser. Ein wichtiger Zeit-Roman!!! Lesen
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16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Frank Lehmann - der neue Taugenichts?, 17. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Neue Vahr Süd: Roman (Gebundene Ausgabe)
Man weiß eigentlich nicht, was man nach dem Lesen dieses Buches sagen soll! Die Geschichte ist weder spannend noch besonders originell. Frank Lehmann vergisst den Wehrdienst zu verweigern und muss nun gegen seinen Willen zur Bundeswehr. Er lebt von Wochenende zu Wochenende und trinkt "Cola-Whisky für eine Mark". Traurig daran ist, dass viele von uns eine ähnliche Existenz leben, Bundeswehr hin, Bundeswehr her. Aber genau das macht dieses Buch aus: Der Selbsterkennungswert
An manchen Stellen lacht man sich kaputt, an anderen wiederum tut einem Frank Lehmann Leid.
Mich persönlich hat das Buch an Eichendorff´s Taugenichts erinnert: Frank Lehmann zieht auch von zu Hause aus, muss sein neues Leben meistern und versucht, sein Glück zu finden. Das alles natürlich mit reichlich Alkohol- und Zigarettenkonsum.
Alles in allem ein geniales Buch von einem genialen Autor über jemanden, der genauso gut wir selbst sein könnten und vielleicht auch sind.
Vielen Dank, Sven Regener!
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen unbedingt lesen!!!!!!, 28. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Neue Vahr Süd (Taschenbuch)
Besser als Herr Lehmann wurde schon auf dem Cover versprochen. Solchen Aussagen stehe ich für gewöhnlich skeptisch gegenüber, aber schon nach den ersten 50 Seiten wurde klar, das war überhaupt nicht gelogen. Dieses Buch gehört in die Kategorie all jener Bücher, deren Ende man schon mit jeder weiteren gelesenen Seite bedauert. Neue Vahr Süd hätte auch 1200 Seiten dick sein können. Selten habe ich soviel gekonnt formulierte Kurzweil auf über 600 Seiten gelesen.
Dieses Buch kann man nicht schlecht machen. Wie scheinbar mühelos es Regener gelungen ist, seine Charaktere und deren Leben zu zeichnen, hat schon etwas Geniales an sich. Und zeigt wiederum, dass deutsche Literatur nicht immer schwer und melancholisch sein muss. Trotzdem gleitet Neue Vahr Süd nicht ins Triviale ab und ist genauso wenig nur bloße Unterhaltungsliteratur.
Anfangs hatte ich Probleme, Christian Ulmen aus meinem Kopf zu bekommen. Doch mit jeder gelesenen Seite gelang es besser und ich hatte meinen eigenen Frank Lehmann im Kopf.
Was mir am meisten an diesem Buch gefallen hat? Die Dialoge! Die klingen echt, glaubenswürdig und sagen mehr als absatzlange Beschreibungen. Für mich lebt dieses Buch durch seine teils urkomischen Dialoge. Wer kennt sie nicht, die Gespräche mit den Eltern am Wochenende? Oder mit Leuten, welche man vor Jahren zum letzten Mal gesehen hat.
Man mag fast bedauern, die Zeit beim Bund nicht miterlebt zu haben. Wie Frank Lehmann die Situation meistert, und vor allem seine Gedanken dabei, klingt es fast, als wäre der Bund ein prima Unterhaltungsverein für gescheiterte Existenzen gewesen. Doch ist es nicht nur die Geschichte des Bundeswehrsoldaten Lehmann, die den besonderen Reiz ausmacht. Es gibt den Soldaten Lehmann, den Sohn Frank und vor allem aber auch den WG-Mitbewohner Frankie. Ob sich so mancher Student wieder erkannt hat beim Lesen von Neue Vahr Süd? Die kommen ja gar nicht gut weg in diesem Buch. Eine solche WG ist ja für jeden Vermieter und Bewohner eines Mietshauses der Alptraum. Ihnen scheint alles egal zu sein, Hauptsache, sie protestieren und das nach Möglichkeit aber auch bitte in der richtigen Gruppierung.
Letztendlich haben wir aber auch den Mann Frank Lehmann, der er sich mit den Frauen aber auch nicht leicht macht und viel darüber nachdenkt, überhaupt denkt er viel oder will es bei geeigneter Zeit nachholen. Und wenn er dann schon mal so richtig verliebt ist, dann ist das auch wieder nicht so einfach.
Ich hoffe, Regener schreibt noch viele Lehmänner, gleich ob sie so heißen oder nicht. Es wäre schade, wenn dieser Literat verstummen würde. So macht Lesen Spaß.
Eine unbedingte Leseempfehlung!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herrlicher Showdorn des jungen Herrn Lehmann, 7. August 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Neue Vahr Süd: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wie erging es Frank Lehmann eigentlich, bevor er nach Berlin-Kreuzberg kam, dreißig Lenze und »Herr Lehmann« wurde? Er wuchs in der Provinz auf, genauer gesagt in einem scheußlichen Stadtteil von Bremen, der jetzt auch als Titel auf einem großartigen Roman prangt: Neue Vahr Süd.

Frank lebt noch bei den Eltern, als die Bundeswehr nach ihm ruft. Von Natur aus ein wenig verlangsamt, vergisst er, obwohl er eigentlich nicht zum Bund will, zu verweigern. Er wird trotz Tricks und Täuschungsversuchen eingezogen und singt bald den öden Blues der Grundausbildung, in der die jungen »Schnüffel« von kaputten Kommissköppen geschunden werden.

Sein Glück im Unglück ist, dass er in Bremen stationiert bleibt, so kann er zum Wochenende seine Freunde sehen und sich auch um die chaotische Wohngemeinschaft kümmern, in die er mittlerweile eingezogen ist. Irgendwie will er dann doch noch verweigern, scheitert dabei aber an den Clowns, die sein Gewissen 'prüfen' sollen. Also kriecht er weiter durch den Schlamm. Nur das »feierliche Gelöbnis« will er auf keinen Fall mitmachen, und so kommt es zu einem herrlichen Showdown, der derartig anschaulich und detailreich geschildert wird, dass es eigentlich schade ist, dass schließlich die Akte des Rekruten Lehmann aus den schlammigen Tiefen der Bundesbürokratie auftaucht und ihn leider, leider, leider für untauglich erklärt.

Es hätte doch noch so wundervoll weiter gehen können, lieber Frank, und nun musst du nach Berlin, um Herr Lehmann zu werden. Da liest man das Buch am besten gleich ein zweites Mal!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zeitreise in die 80er Jahre, lesenswert, 2. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Neue Vahr Süd (Taschenbuch)
Komischer Buchtitel: Der Bremer Stadtteil, aus dem Frank Lehmann stammt, spielt für den Roman eigentlich keine Rolle. Frank muss nach der Lehre zum Bund, weil er "vergessen" hat zu verweigern. Sein Vater schmeißt ihn zuhause raus; er benötigt Franks Zimmer als Bastelraum. So landet Frank im Durchgangszimmer der neuen WG seines "Freundes" Martin Klapp, für 100 Mark im Monat. In der Kaserne wird nur rumgebrüllt und abends viel gesoffen. In der WG geht es chaotisch zu, alles versifft und verdreckt in kurzer Zeit. Die Sprache, in der Sven Regener schreibt, besteht aus 80er Jahre Sprech und zahllosen Wiederholungen, das nervt die ersten 100 Seiten ungemein, aber irgendwann hatte ich mich daran gewöhnt. Die Menschen in dieser Geschichte sprechen halt so: hören einander nicht zu, sagen alles vier, fünf, sechsmal, legen jedes Wort auf die Goldwaage, sind immer schnell gereizt und auf 180. Es erscheint alles irgendwie beliebig, auch die Liebesgeschichte mit Sibille, die dann doch keine Liebesgeschichte ist. Man weiß nicht, was sie an Frank findet, aber irgendwie passt das: man könnte ja mal, vielleicht, oder auch nicht, ist ja auch egal.

Ich fühlte mich beim Lesen in die eigene Jugend als Student in Göttingen Anfang der 80er Jahre zurückversetzt, da gab es solche Typen wie die hier im Roman, irgendwie waren viele meiner Bekannten so drauf wie die Kumpels, denen Frank in Bremen und in seiner Kaserne begegnet: unbestimmt, ziellos, Hauptsache dagegen, erstmal ein Bier trinken, oder einen Rotwein. Mir hat der Roman in den ersten Kapiteln gar nicht gefallen: Dieser angsteinflößende Schlägertyp Harry! Diese peinliche Autofahrt mit Sibille! Dieses sich im Kreis drehende Abschiedsgespräch mit den Eltern! Aber nach und nach übte Regeners Roman einen Sog auf mich aus, alles sehr authentisch, realitätsnah, eine Zeitreise in die 80er Jahre, lesenswert, vier Sterne.
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Neue Vahr Süd
Neue Vahr Süd von Sven Regener (Taschenbuch - 3. Juli 2006)
EUR 9,95
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