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Kundenrezensionen

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am 25. Juni 1999
Das Buch ist ohne Zweifel ein bedeutendes Werk, das uns zum Ende dieses Jahrtausends noch einmal daran erinnert, was uns im 20. Jahrhundert fast den Garaus gemacht hätte. Es vereint auf erstaunliche Weise Dinge die nicht vereinbar scheinen: Die Atombombe mit dem Baseball - und dazwischen die Menschen, denen beides eigentlich egal sein könnte und doch nicht egal ist. Zum Schluss wird uns bewusst, dass uns im neuen Zeitalter Gefahren erwarten, die nicht mehr "greifbar" sind wie die Atombombe oder ein Baseball, aber nicht weniger gefährlich wenn man ihnen mit Gleichgültigkeit begegnet und sie eben nur "geschehen" lässt. Das Buch ist aber alles andere als einfach zu lesen. Der Witz, die Ironie, das Detail (mir gefiel z.B. besonders die Bewschreibung des "Schuhs" in allen seinen Einzelheiten) und letztendlich die Aussage ist nur etwas für den "geübten" Leser und ich würde jedem davon abraten, der nur "mal wieder was Gutes lesen will". Auf dieses Buch muss man vorbereitet sein, denn man muss sich voll darauf einlassen ! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 24. November 1999
Langsam machen einen die Lobpreisungen von DeLillos neuestem Roman skeptisch. Da muss was faul sein, denkt man, aber gleichzeitig staunt man eben doch immer wieder über dieses 900-Seiten-Konvolut. Dass es jemand auf gleichbleibend hohem literarischen Niveau schafft, so abwechslungs- und facettenreich zu erzaehlen, ist in der Tat nicht oft genug hervorzuheben. DeLillo zeichnet aus, was von kaum einem anderen zeitgenössischen Autor behauptet werden kann: Er hat mittlerweile 12 Romane geschrieben, die sich thematisch und von ihren Charakteren her völlig voneinander unterscheiden. Trotzdem, und das ist ebenso erstaunlich, lassen sich Parallelen herstellen, kommt DeLillo immer wieder auf angestammte Themen zu sprechen, oft sogar in den gleichen Formulierungen. "Underworld" muss als Summe seines bisherigen Schaffens gesehen werden. Es vereint beinahe alles, was den Autor bisher beschäftigt hat, zu einem - bei aller Fragmentalität und trotz einiger Abstriche - konsistenten Text. Nick Shay ist sein Protagonist. Er begibt sich auf die Suche des Baseballs, mit dem 1951 der entscheidende Homerun im Spiel der Dodgers gegen die Giants geschlagen wurde. Es wird eine Suche, bei der Shay nicht nur seine Vergangenheit rekonstruiert, sondern auch das Amerika des kalten Krieges. Er trifft auf eine alte Liebe, die ausgediente B52-Bomber in Kunstwerke verwandelt; sucht selbst nach einer Möglichkeit, Atombomben zu beseitigen; sucht Sinn und Zusammenhalt im Baseball, und muss am Ende feststellen, dass sich die Gesellschaft um eine Leerstelle gruppiert, dass es kein gemeinsames Zentrum mehr gibt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 16. September 2011
Don Delillos fast 1000 Seiten starkes Werk ist sowohl ein amerikanischer Gesellschaftsroman als auch über weite Strecken ein modernes Großstadtepos, ähnlich "Manhattan Transfer" von John dos Passos. Aus einer Fülle von Perspektiven erzählt und immer wieder große Bögen zwischen den 1950er Jahren bis in die 90er schlagend kommt "Unterwelt" wie ein zerschlagener Spiegel für die Umwälzungen, Ängste und Hoffnungen eines ganzen Jahrhunderts daher. Mosaikhaft und kaleidoskopisch, aus der Sicht einer Vielzahl von Personen lenkt Delillo den Blick des Lesers auf zahlreiche Großereignisse. Neben einem legendären Baseballspiel zwischen den Dodgers und den Giants, dem Vietnamkrieg, dem Atombombenabwurf über Hiroshima, dem legendären Black and White Ball 1966, bis hin zur Kuba-Krise stehen viele weitere reale als auch fiktive Ereignisse im Zentrum des Geschehens. Beladen mit Phänomenen wie Kriegsängsten, atomarer Bedrohung, Verschwörungstheorien, den modernen Massenmedien, dem Müll Amerikas, dem Elend in den Slums und den Entwicklungen der Film- und Graffitikunst zeigt "Unterwelt" in einem Panorama sowohl den Schmutz der Bronx als auch die Glamourwelt der Jetsetgesellschaft.

"Unterwelt" ist wegen seiner zahlreichen Zeitsprünge und Ortswechsel höchst komplex aufgebaut. Wenn man angesichts der Vielzahl der Personen überhaupt einen Protagonisten in "Unterwelt" erkennen will, so ist dies Nick Shay, leitender Angestellter einer Müllentsorgungsfirma und Spross italienischer Einwanderer. Nick, dessen Ehe heftig kriselt, hat es vom durch die Bronx streunenden, vaterlosen, frühreifen und kleinkriminellen Jugendlichen nach einem Zwangsbesuch in einer Jugendbesserungsanstalt weit gebracht. Der Leser folgt in zahlreichen zeitlichen Sprüngen dessen Lebensgeschichte und Beobachtungen, die teilweise auch im stream of consciousness gezeigt werden. Weite Teile nimmt Nicks Verhältnis zu seinem Vater in Anspruch, einem Buchmacher, der eines Tages plötzlich nicht mehr nachhause kam und dessen Verschwinden die Nachwelt teils mit mafiösen Verstrickungen, teils mit Flucht vor der Verantwortung in Verbindung bringt. Zudem birgt Nicks vaterlose Jugend ein dunkles Geheimnis, das er selbst der eigenen Ehefrau nicht offenbart.

"Unterwelt" ist ein faszinierendes Gigantenwerk. Zwar bewegt sich Delillo mit den zahlreichen Thematiken, die in dem Roman aufgegriffen werden, immer wieder hart am Rand zur Überladung, und auch der zersplitterte Aufbau verlangt dem Leser einiges ab. Dennoch ist der Roman mehr als lesenswert. "Unterwelt" steht dabei für das Unterschwellige, das Delillo wie in einem Zeitenspiegel greifbar macht, die Unsicherheiten und Ängste, die angesichts der geschichtlichen Umwälzungen auf den Einzelnen einwirken.
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am 16. Januar 1999
Über 900 Seiten Spannung, Witz und stilistische Brillianz (in einer hervorragenden Übersetzung). Verschiedene Kritiker haben DeLillos Buch mit James Joyce "Ulysses" verglichen - beide Bücher sind zentrale Werke der Literatur des 20.Jahr- hunderts. Wie schon in "Sieben Sekunden" und "Mao II" verknüpft DeLillo historische Fakten mit der Erzählung der Lebensläufe von Individuen. Der Prolog, die Beschreibung eines legendären Baseballspiels aus der Perspektive verschiedener
Zuschauer, gehört zum Aufregendsten, was in den letzten Jahrzehnten geschrieben wurde. DeLillo kann diese Vorgabe auf der gesamten Länge des Buches einlösen. Wer versucht, hier bekannte Maßstäbe,Kategorien oder Schubladen anzuwenden, greift, wie auch bei Joyce, zu kurz. Modern, post-modern - wie uninteressant sind diese Begrifflichkeiten in Anbetracht dieses Buches, das mit solchen Begrifflichkeiten souverän spielt und sie sarkastisch und ironisch unterläuft, und einen vollkommen eigenständigen Charakter findet. Ich wünsche diesem Buch viele Leser !
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am 8. Januar 2003
Ich kaufte mir dieses Buch, weil ich viel gutes darüber gehört hatte und ich außerdem schon seit längerem etwas von Don DeLillo lesen wollte. Jetzt, nachdem ich es gelesen habe, weiß ich nicht, ob ich der positiven Kritik wirklich zustimmen soll und noch weniger weiß ich, ob ich noch weitere Bücher von DeLillo lesen werde.
Gleich der Prolog war für mich extrem schwierig, da hier ein Baseballspiel beschrieben wird und ich leider absolut nichts von Baseball verstehe. Deshalb waren die ersten knapp 70 Seiten eher eine Qual als ein Vergnügen.
Was darauf folgte, war bereits um einiges besser. Unterwelt stellt ein Panorama der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dar, doch DeLillo beginnt, entgegen der normalen Vorgehensweise, mit dem Ende, den Neunzigern und bewegt sich von dort rückwärts. So werden viele Zusammenhänge und Beziehungen erst nach und nach enthüllt und man versteht vieles, was man bereits gelesen hat erst einige Zeit später. Allein dieser Erzählstil macht das Buch sehr interessant.
Außerdem versteht es DeLillo das einfache Leben, das das Thema seines Buches darstellt, wirklich interessant zu beschreiben und auch einen Zusammenhang mit den politischen Geschehnissen der Zeit herzustellen. Dabei taucht er oft kurz in das Leben verschiedener Personen ein (u.a. auch J. Edgar Hoover) und benutzt diese Geschichten, um die Zeit, in der sie leben, zu charakterisieren. Nur wenige Personen tauchen in allen fünf Teilen des Buches immer wieder auf.
Dennoch schafft es DeLillo nicht, das Interesse des Lesers die ganze Zeit aufrecht zu erhalten. Einige Passagen sind doch etwas zu lang geraten und nur mäßig interessant. Den größten Fehler begeht er jedoch am Ende, das viel zu sentimental und pathetisch geraten ist.
Ein weiteres Problem des Buches ist, jedenfalls für mich, dass es sich natürlich nur mit der amerikanischen Geschichte und Kultur auseinandersetzt, was einem zwar interessante Einblicke gewährt, allerdings auch ein Wiedererkennen unmöglich macht, was vielleicht einige Passagen interessanter gemacht hätte. So sind gewisse Teile wirklich anstrengend zu lesen.
Uneingeschränkt empfehlen würde ich das Buch nicht und ich werde es wahrscheinlich kein zweites Mal lesen. Interessant ist es dennoch.
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am 29. August 2000
"Ein gutes Buch, ich weiß nur nicht, warum ich es lesen sollte!" - so hat einmal ein renommierter Kritiker über ein anderes Buch geurteilt. Ähnlich erging es mir teilweise bei der Lektüre: So sehr ich den Prolog mochte, und auch die letzten ca. 250 Seiten, zwischendurch stellte sich bei mir ziemlicher Verdruß sein. Längere Sequenzen, wie etwa die Ausschnitte aus dem Kabarettprogramm oder die Abschnitte mit Bronzinis Mutter, kamen mir schlicht belanglos bis prätentiös vor; wollte da jemand unbedingt den 1000-Seiter schaffen? Ich jedenfalls erwarte mir von einem Buch Denkanstöße oder anschaulich geschilderte Emotionen, lieblos geschilderte Banalitäten dagegen wecken meinen Überdruß. Insofern kann ich das Buch nur bedingt empfehlen - sprachlich ist die Lieblosigkeit unserer Zeit in manchen Passagen ebenfalls eingeflossen - ein zweifelhaftes Kompliment!
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Zehn Jahre lang stand das dicke Buch ungelesen in meinem Bücherschrank, und ich denke, dass es nicht wenigen Lesern so gegangen ist. Wahrscheinlich war ich sogar gut beraten, so lange mit der Lektüre zu warten, bis meine Geduld und Lesefähigkeit, mein Verständnis und meine Aufnahmebereitschaft den Ansprüchen dieses Buches wenigstens ansatzweise gerecht werden konnten. Womit eines schon angedeutet ist: Dieser Roman ist ein "Achttausender", eine Herausforderung, aber auch ein literarisches Highlight, der nicht mehr und nicht weniger beansprucht, als DER amerikanische Roman zu sein, der im besten Hegelschen Sinne seine eigene Zeit – die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts - als Kunstwerk zusammenfasst.

Wie ist dieser Roman konstruiert? Erstens: konsequent, geradezu monumental episch! Er umfasst nicht nur ein halbes Jahrhundert, sondern tangiert auch alle wesentlichen Facetten der amerikanischen Gesellschaft: Kunst, Medien, die Atombombe und die moderne Waffentechnik, Umwelt, Müll, Drogen, Kapitalismus – und last not least Baseball – lauter Subsysteme der amerikanischen Wirklichkeit bilden aufwendig gestaltete Bühnen, auf denen eine überschaubare Gruppe von Menschen während einer Zeitspanne von zwei Generationen agiert – und zwar – zweitens - rückwirkend! Was sich möglicherweise vollkommen abgedreht abhört, funktioniert in „Underworld“ tatsächlich – wenn man unter „Funktionieren“ die Tatsache versteht, dass der Leser über Hunderte von Seiten bei der Stange bleibt und durch immer neue Wendungen überrascht, unterhalten und unaufdringlich belehrt wird. Nach einem langen Prolog, einem Baseballfinale aus dem Jahre 1951, in dem auch J.E. Hoover und Frank Sinatra anwesend sind, macht der Roman einen Sprung in das Jahr 1992, geht dann zurück auf die Achtziger Jahre, auf 1974 und schließlich auf die Sechziger und Fünfziger Jahre, bis er am Ende genau dort wieder ankommt, wo er begann. Dass dabei eine relativ überschaubare Gruppe von Figuren – Nick und Matt Shay, ihre Mutter, die Künstlerin Karin Sax und ihre Familie(n) – nicht nur Konturen gewinnen, sondern durch den Rückwärtsgang der Erzählung auch in ihrem Werdegang retentional dargestellt werden, ist literarisch ungemein unterhaltsam und mir so jedenfalls noch nicht untergekommen. Ergänzt wird diese aufwendige Romanarchitektur – drittens - immer wieder durch den breiten Einbezug zeitgeschichtlicher Wegmarken - etwa die Zündung der ersten Wasserstoffbombe durch die UdSSR im Jahre 1951, die Kubakrise von 1962 oder Nixons Rücktritt im Jahre 1974. Thematisch zusammengehalten wird das Riesenwerk – viertens - durch die Suche nach einem Baseball, der im Prolog von einem jungen Afroamerikaner nach einem wichtigen Finalspiel ergattert wird und nach dem Baseballfans aus allen Schichten der amerikanischen Gesellschaft in den folgenden Jahrzehnten suchen. Wobei am Ende sich jeder Leser selbst die Frage beantworten kann, was es mit diesem Baseball auf sich hat, bzw. wofür er steht-für das leere Zentrum einer sozialen Galaxis, für der Atomkern, dessen Spaltung die Welt vernichten wird, für das Konzentrat der Existenz - oder einfach nur für sich selbst, ein Baseball eben.

Jeder Versuch, jenseits dieser Skizzierung das Werk in seinen unendlichen Verästelungen im Einzelnen zu beschreiben, ist vollkommen aussichtslos. Ich kann aber versichern, dass jeder, der sich diesem Roman stellt, die dickste Ladung „Amerika“ mitbekommt, die er je erhalten hat. Aus der Vielfalt dieser Impulse, Informationen und Zusammenhänge kann ich keinen als den Wichtigsten benennen. Nur eines hat sich mir in aller Klarheit erschlossen: dass alles und jedes auf einer untergründigen Ebene, eben der „Unterwelt“, miteinander zusammenhängt, ohne dass ich im Einzelnen sagen könnte, wie. Der Roman vermittelt also nicht in erster Linie abrufbare Einsichten sondern die Evidenz einer gesamtamerikanischen Ganzheit, deren Komplexität beunruhigt, wenn man sie auch noch nicht wirklich versteht – falls das überhaupt möglich sein sollte.
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am 8. Mai 2009
Don DeLillos Roman Unterwelt ist kein einfaches Lesevergnügen und eignet sich von daher nicht für die leichte Lektüre nebenbei. Dennoch ist es lohnenswert sich diesem Buch zu widmen. Mosaikartig fasst es die großen Ereignisse des 20. Jahrhunderts zusammen, wobei es in den Neunzigern beginnt und sich dann langsam aber stetig bis zu den fünfziger Jahren vorarbeitet. Das Buch handelt von der Suche. Von der Suche nach einem legendären Baseball, der während eines Spiels 1951 ins Publikum geschlagen worden ist. Von der Suche nach einem Highway-Killer, der aus seinem fahrenden Wagen wahllos Menschen erschießt. Von der Suche nach einem kleinen Mädchen, das auf sich allein gestellt durch die Bronx streift. Es handelt von dem kalten Krieg und einer Künstlerin, die aus ausrangierten B-52-Bombern Kunstwerke schafft. Und es handelt von Müll und dem was er für Nick Shay, einen der Protagonisten bedeutet.

Besonders beeindruckend ist nicht nur, die Art wie DeLillo alle Handlungsstränge mit einander vereinbart, sondern vor allem auch die geniale Sprache in der er zu erzählen vermag. Diese ist einfach und schnörkellos, aber so passend und zutreffend gewählt, dass man sich sogar bei den kleinsten und scheinbar banalsten Beschreibungen geradezu in ihr verlieren kann. So wird man als Leser auch relativ problemfrei durch die etwas schwierigeren Passagen geführt, wie z. B. den Prolog, den ich zugegebenermaßen ziemlich anstrengend fand, da dies eine Sportart ist mit deren Regeln ich mich nicht besonders eingehend befasst habe. Dennoch ist die Beschreibung dieses Spiels (auch wenn sie wirklich ziemlich lang ist) an sich schon ein kleines Meisterwerk. Vor allem das Auftreten solcher Personen wie Frank Sinatra und J. Edgar Hoover fand ich persönlich sehr gekonnt in das Gesamtbild eingeflochten.

Der Stil von DeLillo hat mich persönlich an John Dos Passos erinnert. Wem zum Beispiel The Big Money gefallen hat, der greift auch bei Unterwelt nicht daneben.
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am 30. November 1999
Was ist es nicht alles dieses Buch?Wie einer bizarren,glitzernden Kanalisation mit etwas Erleichterung entstiegen,so komme ich mir nach der letzten Seite dieses Buchs vor.Eigentlich ein Konglomerat aus prägnanten,für sich Bestand habenden Kurzgeschichten.Es ist ein Film mit vielen teilweise zusammenlaufenden,teils auseinanderlaufenden Handlungssträngen.Es sind Szenen,die ich sehe und sehr oft auch rieche.Dieses feucht,muffig,verschwitzte,diese in erster Linie männlichen Ausdünstungen,die sich im Müll und in den Bomben über die Welt verströmen,ein riesiger Lavastrom an Gewalt,Kraft und Schönheit,an ihre Anfänge nicht mehr zu rekonstruierende Zerstörungswut und die Suche nach einem Baseball,der seine Besitzer wechselt. Die Sprache ist unsere Jetztzeitsprache,deshalb auch suspekt,ähnlich den verschwenderisch,sinnlos fesselnden Videoclips,auch zerfranst,ständig gleichzeitig mehrgleisig,also mehrere absatzweise gleichzeitig ablaufende Geschichten,die teilweise so stark wirken,daß ich immer wieder Atem holen muß. Die auch im Zentrum stehenden Geschichten zweier,dreier Beziehungsbrüche,unvermittelt körperlich,machen den Leser zum Teilhabenden,nicht nur Zuschauenden,sondern Mitwirkenden.Mit jedem Absatz enthüllen sich meine eigenen Sinne.Es sind Striptease Sequenzen von unter der Haut.Es ist auch die Gleichzeitigkeit so vieler Reize,verkörpert im Internet.Die globale Vernetzung und der damit verbundene Kampf um Identität,Unterscheidbarkeit.dieser mächtige Informationsstrom,den man nur mit vielen Filtern erträgt. Auf Grund des Schrillen,schnell Wirksamen könnte es sein,daß ein schaler Junkbooknachgeschmack auf der Zunge bleibt,vergleichbar dem Nachgeschmack eines big macs.Es könnte sein,daß da etwas Schales,schnell Verblassendes,zu Absichtliches,mich zu heftig Anspringendes zurückbleibt,das mich an spannende Krimis erinnert,deren Wirkung mit dem letzten Bild umschlägt in einsam dunkles Zurückgelassensein mit einer unbekannten Energielosigkeit. Also zu mächtig,zu herausfordernd,zu brilliant?
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am 20. November 2002
Als Leistungskursler in der Unterwelt - Analyse- und Leseerfahrungen
„Unterwelt" von Don DeLillo - ein 960-Seiten-Roman. Viele Schüler werden durch ein Buch mit so vielen Seiten eher abgeschreckt als darauf aufmerksam. Doch erstaunlicherweise nicht die Schüler des Deutsch-Leistungskurses 2002-2004, denn die haben das Buch unter anderen kürzeren Büchern selber ausgewählt. Da dies bereits Ende der 11. Klasse beim Schulfest vor den Sommerferien 2002 geschehen ist, hatten wir schon die Gelegenheit über die Sommerferien zu lesen. Das Lesen selber gestaltet sich anfangs etwas schwierig für Deutsche, die von dem amerikanischen Nationalsport Baseball keine Ahnung haben. Auch das weitere Lesen ist zunächst etwas anspruchsvoll aufgrund der Personenvielfalt und der Zeitsprünge im Roman, dessen Handlungszeitraum zwischen 1951 und 1992 liegt. Doch schließlich liest sich der Roman flüssig und gar musikalisch. Er erzählt im Groben, wie sich der Kalte Krieg in der amerikanischen Bevölkerung widergespiegelt hat, und zwar anhand ganz unterschiedlicher Charaktere.
Doch für die Zeit, die man in das Lesen investiert hat, wird man bei der Buchbesprechung im Unterricht entlohnt. Überraschend informativ, abwechslungs- und vor allem aufschlussreich hat sich die Besprechung des Buches, das Lesen verschiedenster Rezensionen, Interviews und Textpassagen gestaltet. Wer zunächst nicht viel mit dem Buch anzufangen wusste, dem offenbarte sich am Ende der 6-wöchigen Besprechungszeit eine derartige Vielfalt an Möglichkeiten, dass das Buch noch doppelt so lange im Unterricht hätte besprochen werden können. Sowohl die Zusammenhänge zwischen Baseball, Atom und Müll, als auch die Symbolik, der Gehalt von Pieter Brueghels Bild „Der Triumph des Todes" oder der „Texas-Highway-Killer" erscheinen hinterher so logisch in den Romans eingepasst, dass man sich gar nicht mehr vorstellen möchte, wie unklar einem vorher doch alles erschien. Auch die anfangs ach so komplizierte Personenvielfalt lässt sich in einer erstaunlich kleinen Personenkonstellation logisch und einfach auflösen. Wenn man sich die angeblichen Zeitsprünge genauer anschaut, fällt auf, dass eine vorgegebene, in die Kapitel gegliederte Chronologie vorhanden ist. Der Prolog spielt 1951, die drei „Manx Martin"-Geschichten bilden eine durchlaufende zweitägige Handlung nach dem sensationellen Baseballspiel 1951, die sechs großen Kapitel sind in der Chronologie rückläufig von 1992-1951 dargestellt und der Epilog schließt mit 1992 nicht nur das Buch ab, sondern rundet alle im Buch aufgegriffenen Handlungsstränge ab.
Als Start in den Deutsch-Leistungskurs kann man es nur empfehlen, denn es ist interessanter und abwechslungsreicher, als man auf den ersten Blick annimmt.
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