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4.0 von 5 Sternen Lesenswerter Klassiker, markante editorische Mängel
Schwanitz' Satire auf den bundesdeutschen Hochschulbetrieb ist auch nach bald fünfzehn Jahren beinahe zeitlos 'wirklich'. Die pikanten Marotten des Akademiker-Biotops kommen derart poientiert zum Ausdruck, dass dem geneigten Leser mit akademischer Tiefenerfahrung wohl mancherlei Erinnerungen aus seiner eigenen Studien- bzw. Uni-Zeit beim Lesen schnell wieder...
Veröffentlicht am 20. Oktober 2012 von Marcel Schütz

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine Satire auf den Alltag an der Uni
An der Uni braut sich was zusammen. Hanno Hackmann, Professor für Soziologie, ist in einen Skandal verwickelt. Er soll Studentin Barbara Clauditz vergewaltigt haben. Eine Kolonne Bauarbeiter hat ihn durch ein Fenster beobachtet. Aus einer Affäre wird ein Fall für den Staatsanwalt.

Dietrich Schwanitz beschreibt und überzeichnet die...
Veröffentlicht am 4. November 2010 von Spacetime Traveler


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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lesenswerter Klassiker, markante editorische Mängel, 20. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Campus (Gebundene Ausgabe)
Schwanitz' Satire auf den bundesdeutschen Hochschulbetrieb ist auch nach bald fünfzehn Jahren beinahe zeitlos 'wirklich'. Die pikanten Marotten des Akademiker-Biotops kommen derart poientiert zum Ausdruck, dass dem geneigten Leser mit akademischer Tiefenerfahrung wohl mancherlei Erinnerungen aus seiner eigenen Studien- bzw. Uni-Zeit beim Lesen schnell wieder auffrischen. Schwanitz' Figuren lassen sich - mehr oder minder abgewandelt - in nahezu jeder Universität finden. Er war wirklich ein großer Kenner der deutschen Universität, mit all ihren Tief- und Höhepunkten, ihren Typen und Charakterköpfen, ihrem Selbstbewusstsein wie auch der Last ihrer ausgeprägten, personellen Neidkomplexe.

Gleichwohl ausgesprochen ärgerlich ist an dieser Edition des 'Hamburger Abendblattes' das erkennbar schlechte Lektorat. Zahlreiche orthografische Fehler, falsche Interpunktion und aneinander geschriebene Wörter trüben das Lesevergnügen sehr. Es ist an vielen Stellen nicht klar nachvollziehbar wie diese Fehler entstehen konnten. Offenbar handelt es sich jedoch um durch eine PC-Schreibprüfung nachträglich eingearbeitete Fehler. Das Exemplar dürfte m.E. nicht in den Normalverkauf. Die erworbene Ausgabe ist eindeutig als 'Mängelexemplar' zu qualifizieren.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine Satire auf den Alltag an der Uni, 4. November 2010
Von 
Spacetime Traveler ("Castle of Glass" behind the Milky Way) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Campus (Taschenbuch)
An der Uni braut sich was zusammen. Hanno Hackmann, Professor für Soziologie, ist in einen Skandal verwickelt. Er soll Studentin Barbara Clauditz vergewaltigt haben. Eine Kolonne Bauarbeiter hat ihn durch ein Fenster beobachtet. Aus einer Affäre wird ein Fall für den Staatsanwalt.

Dietrich Schwanitz beschreibt und überzeichnet die Verhältnisse an der Uni, wie es nur einem Insider möglich ist. Er kreiert eine Atmosphäre, die beim Lesen spürbar wird. Hierzu gehören markante Charaktere, gestelzte Dialoge und das Intrigenspiel in den Sitzungen verschiedener Ausschüsse. Es handelt sich um eine humorvolle Persiflage auf den Betrieb einer Universität.

Allerdings werden die Protagonisten dermaßen klischeehaft dargestellt, dass es schon ein wenig nervt. Das gilt für die Arbeiter, die Professoren, die Gleichstellungsbeauftragte, die Mitarbeiter der Presse, Hackmanns Ehefrau und letztlich auch für die Studenten. Das gelungene Ende der Geschichte entschädigt für diesen Mangel.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen He is the man, 24. Februar 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Campus (Taschenbuch)
Hanno Hackmann ist Professor am soziologischen Institut der Universität. Er hat wirklich alles was ein Herz nur begehrt kann; ein großes Haus, eine findige Tochter und eine übergeschnappte Ehefrau - wäre da nicht die Studentin namens Babara, die kurzgesagt die Rolle seiner Geliebten einnimmt. Als nun diese Geliebte in ihrer Theatergruppe zusammen bricht, gerät Hanno in ein dichtes Geflecht aus Intrigen und ein dunkler Teppich breitet sich über die Unsiversität aus. Leichte Klänge der 68er erschallen.
Also mal ehrlich, dieses Buch ist wirklich so schreiend komisch, dass es mir fast das Zwerchfell zerissen hätte. Ich lese seine Bücher gerne, weil sie meistens in verständlicher Sprache geschrieben sind. Für alle ist was dabei und dabei immer saftig gesellschaftskritisch, wie es überhaupt noch geht heutzutage. Dietrich Schwanitz nimmt jede Randgruppe auf süffisante und doch urkomische Weise sanft auf's Korn. Sogar die Bayern bleiben hier nicht verschont. Schwanitz bricht so, das geheimnisvolle Gehabe der Universitäten und deckt für den sterblichen Mopp auf, was in den Akademikerbüros doch immer so verborgen blieb. Es bleibt ein Buch in dem Schwanitz den Stoff zu einem netten Gesellschaftsroman verknotet. Eine nette Fibrille, aus der menschlichen Komödie und nach Art der Lindenstraße.
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17 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Realsatire über den Universitätsbetrieb, 4. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Campus (Taschenbuch)
Es ist schon einige Jahre her, dass ich dieses Buch erstmals gelesen habe. Gewiss, man darf sich fragen, was Schwanitz mit dieser "Universitätssatire" erreichen wollte. Der ganze Roman ist eine Kritik an Filz und Korruption Hamburger Universitätsprofessoren. De mortes nil nise bene - Schwanitz war gleichwohl von seinem gesamten Duktus her ein Unzufriedener mit dem Bestehenden - denken wir nur an sein Buch über Bildung.

Nach Schiller stellt die Satire die mangelbehaftete Wirklichkeit einem Ideal gegenüber. Schwanitz tut das in diesem Buch auf humorvolle Weise. Auch wenn manche Leser und Rezensenten sich an den Stereotypen stören, die Schwanitz hier über den Universitätsalltag produziert, dürfen wir davon ausgehen, dass immer ein Stückchen Realität in der Überzeichnung steckt.

Natürlich hat er als gelernter Anglist stilistisch ein wenig bei Autoren wie Kurt Vonnegut "gekupfert" und ist es kein Wunder, dass das ganze Buch von einem gewissen "englischen Humor" geprägt ist (ich könnte mir John Cleese sehr gut als Hanno Hackmann vorstellen).

Zwar weiß ich nicht, wie es heute an unseren Universitäten zugeht, doch für die 70er Jahre bin ich gerne bereit, jede eidesstattliche Erklärung abzugeben, dass die von Schwanitz beschriebenen und vom Leser belächelten Verhältnisse zumindest an einer anderen norddeutschen Universität durchaus Realität waren. Ich habe den Umgang und Untergang einiger Professoren mit deren Studentinnen "live" erleben dürfen. So mancher Schein wurde mit Tränen oder gar Dienstangeboten erkämpft. Auch die Intrigen unter den Kollegen waren teilweise unerträglich. Wer viel veröffentlichte war ein "Vielschreiber", wer wenig publizierte, war eine wissenschaftliche Null. Stellenbesetzungskommissionen knickten lange Jahre vor der Gleichstellungs- (früher "Frauen-") Beauftragten ein.

Und genau deshalb habe ich dieses Buch in vollen Zügen genießen können. Denn eine Untergattung der Satire ist die Realsatire. Und genau das ist Dieter Schwanitz mit diesem Werk gelungen.

Fazit: Gute Unterhaltung zum ansonsten ehrwürdigen Universitätsbetrieb.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine böse und treffende Satire über deutsche Universitäten, 30. Oktober 1998
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Campus: Roman (Gebundene Ausgabe)
Satiren gewinnen ihren Witz aus der Übertreibung. Das Buch ist so witzig, die Dialoge sind so abstrus, daß man glauben könnte, eine slapstickartige Parodie des deutschen Universitätslebens zu lesen. Leider ist alles wahr - von den Kriterien für die Berufung eines Professors über die Beförderungspraxis bis zur Bösartigkeit der Frauenbeauftragten. So sarkastisch und so unterhaltsam hat noch nie jemand eine Analyse heutiger Zustände verpackt!
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4.0 von 5 Sternen Wie es wirklich in einer Uni zugeht ;-), 23. Juli 2009
Von 
Xirxe (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Campus (Taschenbuch)
Eijeijei, da hat ja jemand seinem Unmut Luft gemacht. Schwanitz, der selbst lange Jahre Hochschullehrer an der Universität Hamburg war, erzählt wie aus einer Affäre eines angesehenen Professors mit einer seiner Studentinnen ein Vergewaltigungsfall wird. Genüßlich und mit spitzer Feder schildert er Intrigen und Ränkespiele, die mit der Absicht geführt werden, Wahlen zu gewinnen und/oder einen besseren Posten zu ergattern; er beschreibt verbohrte Feministinnnen die blind ihre Ziele verfolgen und nimmt auch die Anfänge der Sensationspresse auf's Korn, der jedes Mittel recht ist solange es der Auflagensteigerung dient. Undundund. Filz und Unehrlichkeit soweit das Auge schaut.
All dies ist sehr unterhaltsam und witzig zu lesen (gelegentlich auch klamaukhaft), obwohl manches aus heutiger Sicht (das Buch erschien 1995) vielleicht übertrieben erscheinen mag. Doch zumindest was den 'feministischen' Teil des Buches betrifft, kann ich aus eigener Erfahrung schreiben: Der Autor hat gut beobachtet und noch besser beschrieben.
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29 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein Buch mit einem netten Ende, 3. Januar 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Campus (Taschenbuch)
Dieses Buch soll eine Satire auf den Uni-Betrieb sein. Es treten auf: eine Frauenbeauftragte, die selbstverständlich ein Schreckgespenst ist, ein Professor, der selbstverständlich eine Affäre mit einer Studentin hat, besagte Studentin, die sich selbstverständlich in esoterischen Schwärmereien ergeht, ein Studentenvertreter, der selbstverständlich in dreckigen Jenas rumläuft, und ein paar weitere Professoren, die selbstverständlich alte Nazis sind.
Satire? Nein, nur ein Haufen Klischees. Immerhin wird nach allen Seiten gleichermaßen ausgeteilt, aber das reicht noch nicht für ein gutes Buch. Wenn political incorrectness so vorhersehbar auftritt, ist mir political correctness lieber.
Den zweiten Punkt gibt's für das nette Ende.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen mit Genuss zu lesen, 28. Dezember 1998
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Campus (Broschiert)
Wer sich schon immer über das heillose Gestrüpp politisch höchst bedeutungsvoller Hochschulselbstverwaltungsminderheitenschutzinstitutionen amüsiert hat, ist hier richtig. Nicht zu empfehlen für professionelle Gleichstellungsbeauftragte und Hüter der political correctness.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Realsatire eines Betriebs im ideologisch-politischen Machtgefüge, 9. August 2012
Von 
W. Dietz (Mz.) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Campus (Taschenbuch)
Dietrich Schwanitz: Der Campus (1995; Goldmann-Tb. 1996)
Wirklich interessant wird es dann, wenn eine satirische Karikatur sich so mit der Wirklichkeit verbündet, daß die Wirklichkeit selber zur Karikatur wird. Der Hauptdarsteller Prof. Hanno Hackmann vertritt einen doppelten Idealismus wissenschaftlicher Redlichkeit und Authentizität: sowohl im Blick auf die Gegenwart, als auch im Blick auf die Vergangenheit. Aber beides sind Konstrukte. Daß er sie nicht infrage stellt, kennzeichnet und ehrt ihn als echten Idealisten. Ob es eine solche politisch unabhängige, integre, allein der reinen Wahrheit verpflichtete Universität je gegeben hat, mag man sich und ihn fragen. Jedenfalls lebt er vom Ideal und durch das Ideal, scheitert auch nicht an ihm, sondern an der Wirklichkeit.
Es wird bei Schwanitz nicht die immanente Korruptheit der Universität aufgezeigt, sondern die politisch verfilzte Wirklichkeit, von der sie nur in Gedanken unabhängig sein kann, nie aber in Wirklichkeit. Daß es nun Hamburg ist, ist reiner Zufall. Daß die Intrige H. Hackmann getroffen hat, ist auch z.T. noch Zufall. Allerdings ist er ein gut geeignetes Objekt, da er (in Forschung und Lehre besser als manch anderer) das Ressentiment der anderen provoziert. Die vielen Mittelmäßigen halten ihn besser aus, wenn er zu Fall gebracht worden ist. Ein kleines Würstchen zu denunzieren, hat keinen großen Spaßeffekt. Er ist der Richtige, der unbewußt mitspielt, obwohl er nur verlieren kann. Die Versuche, dem Verlust auszuweichen, ihn abzuwenden und schließlich seine Kunst, sich mit ihm zu arrangieren, sind großartig dargestellt. Die Figuren sind überzeichnet, aber auch diese Überzeichnungen versuchen einige immer noch 1:1 einzuholen - unfreiwillige Realsatire.
Die Frauenbeauftragte ist nicht von Natur aus radikal böse, sondern unterliegt ideologischen Zwängen, Vorurteilen und Zielsetzungen. Sie muß (den Mann, nicht primär den Professor) H. Hackmann zu Fall bringen. Der Vorwurf der Vergewaltigung sitzt - er genügt, um H. zu "schlachten". Die Karrieregeilheit von Präsidenten und Vizepräsidenten schließt es aus, den Machtbereich der Frauenbeauftragten wirksam zu begrenzen. Hackmanns Schicksal vollzieht sich im Raum ideologischer Befangenheit. Die Moderne sucht ihren Ersatz für die mittelalterlichen Hexenprozesse, die wunderschöne Möglichkeit, jenseits und gegen alle Vernunft Menschen zu liquidieren - zumindest für das Ende ihrer beruflichen und familiären Integrität zu sorgen.
Hackmann verweist auf in seiner Institutsrede auf die Eigendynamik des undifferenzierten Verdachts, gegen den die "Beteuerung der eigenen Unschuld aufläuft" (227). Verdacht und Intrige sind die Mittel, mit denen Menschen fertiggemacht werden können. Das Besondere der Intrige ist, daß sie sich als vornehm gibt und stets edle Motive (z.B. Schutz der vermeintlichen Opfer) aufweisen kann. Damit ist die Kollegialität zerbrochen, die Blicke der Kollegen verfinstern sich. Im "korrodierenden" Vorwurf ist das Urteil antizipiert und das Klima für immer vergiftet (deshalb ist es auch gut, daß Schwanitz auf ein happy end für Hackmann verzichtet - etwa im Sinne von Hiob 42,10-17 -, denn Hackmann kann nicht mehr eine Rehabilitierung innerhalb dieser Universität wollen).
"Ut omnes unum sint" (Joh 17,11; daß alle eins seien) lautet das Motto der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität. Dieses Einssein verwirklicht sich nicht durch Kumpanei, sondern echte Kollegialität, die den andern im Konfliktfall redintegriert, statt ihn fallenzulassen. Kollegialität unterscheidet sich dabei wesentlich von Kumpanei und Klüngelei (wie in Schwanitz` Hamburger Uni etwa bei den Physikern praktiziert). Anläßlich einer Festrede zur Ehrung des Philosophen und ZDF-Intendanten Karl Holzamer hat dies der Mainzer Universitätspräsident Josef Reiter 2005 sehr eindrucksvoll herausgestellt.
Dietrich Schwanitz zeigt auf, dass kollegiale Freundschaft und Verbundenheit sehr schnell endet, wenn es um ideologische Interessen geht, wie sie von der Frauenbeauftragten geschickt und konsequent durchgesetzt werden. Wer wollte ihr daraus einen Vorwurf machen? Sie wird bei Schwanitz nicht als exaltiertes Ungeheuer oder wilde Bestie hingestellt, sondern sie ist Teil eines politischen Machtspiels. Sie prostituiert sich erfolgreich an ein politisches System, genau wie auch der Präsident und designierte Vizepräsident.
Die Pointe liegt bei Schwanitz also nicht darin, die Universität als einen schrecklich korrupten Laden vorzuführen, sondern eine korrupte Landschaft von Parteien, Geldgebern und Journalisten aufzuzeigen, die eine Wirklichkeit erzeugen, der sich auch die Universität effektiv nicht entziehen kann. Das Problem ist somit die Autonomie der Universität (nicht der Wissenschaft als solcher; denn durch innere Immigration des Forschers könnte sie bewahrt werden). Ohne diese Autonomie ist nicht nur die Förderung der guten und besseren Wissenschaftler unmöglich, sondern auch eine echte Kollegialität, die nicht an "korrodierenden" Macht von Vorwürfen zerbricht. So sehr sich dabei Schwanitz auch bemüht, seine Figuren karikaturenhaft zu überzeichnen, so schwer ist es doch, sie nicht auch in der Wirklichkeit wiederzufinden. Es ist nur für Ahnungslose und Unbedarfte möglich, dieses Buch unbefangen als Roman zu lesen - und nicht zugleich als Dokumentation einer Wirklichkeit, die mitunter eben wirklich so ist (und schlimmer noch: so auch politisch gewollt ist).
Das Ende des Buches ist originell und einfallsreich. Während die Universität als Selbstverwirklichungsraum und die Ehe als Lebensgefüge für ihn zerbricht, gewinnt das Verhältnis zur Tochter Sarah mit einem Schlag eine ungleich größere Bedeutung (der stärkste Moment des ganzen Buches!). Ihr Unfall, vom Vater mitverschuldet, weckt den Sinn in Hackmann für das, was eigentlich wichtig ist. Das Wesentliche des eigenen Lebens rückt nahe, während die Frauenbeauftrage, der Disziplinarausschußvorsitzende und auch der Präsident plötzlich depotenziert werden, unwichtige, fast lächerliche Randfiguren, die man keinesfalls so wichtig nehmen darf wie sie sich selber. Hackmann erlebt einen Moment der Befreiung zu sich selbst, Freiheit von falschen Ängsten und Rücksichtnahmen (374). Die Intrige gegen ihn bleibt unaufgearbeitet, die Intrigisten ungestraft (wie im wirklichen Leben?). Die Tochter Sarah ist es schließlich, die als einzige die Wahrheit erfahren soll. "Und so geschah es." (383).
In dem ganzen Spiel gibt es kein happy end, aber bei Hackmann selbst eine nachhaltige Läuterung der Perspektive auf das Wesentliche - und wissenschaftlich eine "Diogenisierung" seines Wirkens. Er lebt jetzt in "gepflegter Vernachlässigung" (378). Hackmann muß nicht, will nicht, kann nicht rehabilitiert werden. Er hat seinen Anteil an seinem Schicksal, kann und muß aber seinerseits auch nicht zur Katharsis der Universität beitragen. Sie müßte ja erst sich selbst rehabilitieren ("Selbstreinigung" 376) oder neu (er)finden können, um es mit ihm zu tun. Dieser 'Sprung' ist ihr inmitten ihrer Wirklichkeit unmöglich; sie bleibt verschlungen in ideologische und politische Interessen und Machtkämpfe. Darin liegt das Tragische: In ihrer Entfremdung vom Kern ihres Wesens und Strebens (Dienst an Wahrheit und Erkenntnis) wird sie nicht die Geister los, von denen und mit denen sie zu leben hat. Es würde jedenfalls nichts helfen, wenn sie im Fall Hackmann "zu Kreuze kriechen" würde (382) - und ansonsten weitermachen wie bisher. Diese großzügige Geste der "Versöhnung" möchte Hackmann sich und der Universität ersparen. Die Wunde kann und muß offen bleiben. Dieser Schluß ist gut, weil nicht harmonistisch konstruiert.
Der Roman ist auch in seiner Hauptgestalt glaubhaft. Hackmann bleibt sich stilistisch und positionell weithin treu, wenngleich auch er schon bald zu Taktieren beginnt (darin den intrigistischen Strippenziehern gleich!). Daß er in seiner Abschlußrede vor dem Großen Disziplinarausschuß (374ff) ausfallend und polemisch wird (hat er das wirklich noch nötig? Cui bono?), ist ein Stilbruch des Verfassers. Den Präsidenten als "Parasiten" und den Ausschußvorsitzenden als "intrigantes Schwein" zu bezeichnen (376), muß nicht sein. Das hat Hanno Hackmann nicht nötig (wenngleich die Adressaten wohl verdient). Hier bricht Hackmann mit sich und seiner neuen, autarken, diogeneshaften Freiheit, die er ja doch wirklich gewonnen hat. Abgesehen von diesem Fauxpas ein wirklich starker Roman.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So_ist_die_UNI, 24. Juni 2002
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Campus (Taschenbuch)
ein phantastisches Buch, das jedem, der schon mal in UNI-Gremien gearbeitet hat, eine Menge deja-vu-Erlebnisse verschafft. Auch wenn die UNI-Hamburg hier nicht gut wegkommt, eine köstliche Satire.
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Der Campus
Der Campus von Dietrich Schwanitz (Taschenbuch - Oktober 1996)
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