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Kundenrezensionen

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am 1. Juni 2015
Nach Die Geheime Geschichte, ihrem abgründigen Erstling, und Der kleine Freund legt Donna Tartt ihren dritten Roman in zwanzig Jahren vor, und er beginnt mit einem Mann in einem Amsterdamer Hotelzimmer. Er ist allein, verängstigt, möglicherweise paranoid. Weshalb er sich nicht nach draußen traut, wird nicht klar, doch er ist offensichtlich an einem Endpunkt angelangt – oder an einem Wendepunkt. Das Buch erzählt die Geschichte, die ihn hierhergebracht hat.

Der 13jährige Theo Decker lebt in New York bei seiner Mutter, einer schönen, gebildeten, weltoffenen Frau. Der Vater, ein unzuverlässiger, unberechenbarer Trinker, hat sie vor einem Jahr verlassen. Bei einem Besuch im Metropolitan Museum wird sie bei einem Bombenanschlag getötet. Was Theo aus dem Museum mitnimmt, ist der zermalmende Schock, der sein Leben fortan bestimmen wird, die Erinnerung an den roten Haarschopf des Mädchens, das er unbedingt ansprechen wollte, als das Unglück geschah, die Adresse, die ihr erwachsener Begleiter ihm im Sterben zuflüstert, dessen Ring (der sich später als verräterisch erweisen wird) und das Bild ‘Der Distelfink’ von Carel Fabritius, dem mutmaßlichen Lehrer Vermeers. Zunächst kommt Theo bei der Familie eines Schulfreunds in der Park Avenue unter und versinkt in tiefe Trauer. Schließlich sucht er die Adresse des Toten auf und gerät in einen Antiquitätenladen. Im Keller befindet sich die Werkstatt, ein in die Zeitlosigkeit entrücktes Reich der alten Dinge, wo sich auf den Tischen ‘das Licht in goldenen Lachen sammelt’. Hobie, der Geschäftspartner des Verstorbenen aus dem Museum, nimmt sich seiner rührend an. Hier findet er Trost und Geborgenheit und wird in die Geheimnisse der Tischlerei eingeweiht. Und in einem abgedunkelten Zimmer nebenan erholt sich Pippa, das rothaarige Mädchen, von den Folgen der Explosion.

Nach einem Jahr Jahr endet die Idylle abrupt. Überraschend meldet sich sein Vater und holt ihn zu sich und seiner Freundin nach Las Vegas, wo er am Rand der Wüste in einer nahezu unbewohnten Straße haust. Sein Geld verdient er als Zocker, und dass er sich um seinen Sohn kümmert, ist nicht väterlichen Gefühlen, sondern eher finanziellem Interesse an der Hinterlassenschaft seiner verstorbenen Frau geschuldet. Aus der emotionalen Indifferenz der fremden Upperclass-Familie in eine andere, brutalere Art von Fremdnis versetzt, schließt Theo sich seinem Klassenkameraden Boris an und erlebt mit ihm eine wilde, intensive Freundschaft: lange Gespräche, pubertäre Ausgelassenheit, Drogenekstase, aber auch Gewalt und Zügellosigkeit. Später wird sich zeigen, dass damit ein ungutes Fundament gelegt ist, auf dem er, wieder zurück in New York und inzwischen Teilhaber von Hobies Antiquitätenladen, aufzubauen weiß. Theos Geschichte ist ein Abstieg, stets begleitet von dem geliebten Gemälde, das ihn an an seine Mutter erinnert und gleichzeitig wie den Finken an seinen Sitz an den Tag kettet, an dem er sie verlor. Die andere Konstante ist Pippa, die in London mit einem Freund zusammenlebt. Um diesen beiden Fixsterne kreist sein Leben, doch seine Bahn ist eine Abwärtsspirale, auf der wir ihm bis zu dem Hotelzimmer in Amsterdam folgen.

Der Distelfink ist ein Buch der Erinnerung, ein Versuch, der Flüchtigkeit der Zeit zu trotzen – eine Beschwörung des Vergangenen, aber auch eine Beichte, ein Rechenschaftsbericht. Und ein erstaunlich unmodernes Buch. Es gibt zwar ein paar Zeitsprünge, nach denen die Lücken mit Rückblenden geschlossen werden, doch das mutet fast schon ein bisschen gewagt an im steten Fluss des Erzählens. Im Wesentlichen verzichtet Tartt auf die Tricks und Kniffe, die Raffungen, harten Schnitte, Spiegelungen, Perspektivwechsel des modernen Erzählens. Die Handlung schreitet langsam voran, die Turning Points sind rar gesät, doch die Lesegeduld wird reich belohnt. Man kann in diesem Buch versinken und sich treiben lassen in der Fülle der Details und Personen, in den Nuancen von Theos Gefühlswelt und der bizarren Alltäglichkeit der wenigen Katastrophen und vielen Irrtümer und falschen Entscheidungen, aus denen sich sein Leben entwickelt, doch dies alles erschließt sich erst vom Ende her. Da mündet es in die alte, immer noch aktuelle Frage: Kann aus dem Bösen Gutes erwachsen, das Richtige aus dem Falschen? Und kaum stellt sich Sinn her und eine Art Eindeutigkeit, löst sich alles wieder in vielschichtiger Ungewissheit auf. Was bleibt, ist allermindestens das: eine genussvolle, äußerst lohnende Übung in Entschleunigung.
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TOP 1000 REZENSENTam 21. Mai 2014
„Der Distelfink“ von Donna Tartt ist ein Roman, der das Schicksal eines Jungen im modernen Amerika mit einem von ihm gestohlenen Gemälde verbindet – in der gebundenen Ausgabe auf 1024 Seiten.

Kurz zum Inhalt: Der dreizehnjährige Theo besucht mit seiner alleinerziehenden Mutter ein Museum in New York, als sich sein Leben auf einen Schlag verändert. Ein Gemälde aus dem Museum, „Der Distelfink“, das er heimlich mitgehen ließ, begleitet ihn von nun an, während er bereits in jungen Jahren den Boden unter den Füßen verliert.

Unter normalen Umständen würde ich den Inhalt klarer anschneiden. Bis zum ersten Wendepunkt der Geschichte, nie mehr als ein guter Klappentext, kurz zusammenzufassen, worum es geht, um dem zukünftigen Leser einen Einblick zu geben, halte ich an sich nicht nur für legitim sondern fast für notwendig. Doch bei diesem Roman fällt mir das schwer, denn der Anfang ist mit seiner Tragik, seinem Tempo und seiner Emotionalität eigentlich schon der beste Teil des gesamten 1000-Seiten-Werkes und, auch wenn dieser Anfang bereits gut 200-300 Seiten umfasst, wird der Klappentext des Verlags dort für meinen Geschmack bereits zu konkret.

Was die Autorin anschließend dokumentiert, ist der Abstieg des jungen Ich-Erzählers Theo, der sich über verschiedene Stationen seines noch jungen Lebens von einer Depression zur nächsten, von einer Trunkenheit zur nächsten und von einem Drogenrausch zum nächsten manövriert und dabei auf Nebendarsteller trifft, von denen kaum eine Entwicklung ausgeht und die in den meisten Fällen eine so sehr gespaltene Persönlichkeit besitzen, dass ihre Undurchschaubarkeit für den Leser zwar auch regelmäßig Überraschungen mit sich bringt und sie als Charaktere spannend macht, sie aber insgesamt auch blass und austauschbar wirken lässt.

Die Autorin verliert den roten Faden ihres Romans – die Verbindung zwischen Theo, der Entwicklung seines Lebens und dem Gemälde als Symbol – zu oft aus den Augen. Theos Geschichte schweift ab und kreist in sich wiederholenden Situationen, die das Lesevergnügen mit der Zeit immer zäher machen. Wenn das Gemälde dann einmal wieder in den Fokus rückt, ist es meist nur für kurze Zeit – lange habe ich darauf warten müssen, dass die Autorin zum längst überfälligen Finale kam. Dieses wirkte dann allerdings zu überzogen und passte weder von der zeitlichen Folge (was für ein Zeitsprung!) noch vom inhaltlichen Rahmen her zum Rest des Romans. Internationale, organisierte Kriminalität und ein überstürzter Gangster-Road-Trip schafften einen eher kitschigen als runden Abschluss. Also blieb der Anfang der inhaltlich stärkste Abschnitt des Distelfinken.

Meine Motivation während des Lesens wurde dabei kurz nach dem starken Auftakt, als ich gerade in der ersten langen, langen Phase aus Drogen und Alkohol festhing und verzweifelt die Spannung suchte, noch einmal deutlich gesteigert: „Der Distelfink“ wurde als Gewinner des renommierten Pulitzer Preises bekannt gegeben. Leider konnte ich aber trotz größter Mühe und größtem Durchhaltevermögen auf den langen, langen 1000-und-ein-paar-Seiten nichts finden, dass mich jetzt befähigen würde, diese Auszeichnung oder den Hype um das Buch nachzuvollziehen. Möglicherweise haben dabei die Erwartungen, die mit der langen Bearbeitungszeit von mehr als zehn Jahren, in denen man nichts von der Autorin hörte, einhergingen sowie der gigantische Umfang des Werkes und die mit Sicherheit vorhandenen sprachlichen Fähigkeiten Tartts nicht nur mitgewirkt, sondern auch eine größere Rolle gespielt als der eigentliche Inhalt.

Sprachlich ist „Der Distelfink“ wirklich gelungen. So wurde die Lektüre für mich dann auch eher ein Lesen um des Lesens Wille. Schöne Worte aneinandergereiht, auf den Punkt gebrachte Beschreibungen mit einem hervorragenden Gespür für die einprägsamen Details und nicht zuletzt auch die Fähigkeit den jugendlichen Ich-Erzähler und die anderen jungen wie alten Charaktere im Roman (fast immer) glaubwürdig agieren zu lassen, machten „Der Distelfink“ zu einer erzählerisch runden Reise. Wären die schön geschriebenen Dialoge doch nur nicht zu oft inhaltlich leer und die detailreichen Beschreibungen nicht zu oft der Ersatz für einen deutlichen Handlungsfortschritt – der Roman wäre perfekt. So, wie er ist, empfand ich ihn leider als 300 bis 400 Seiten zu lang - der Roman war inhaltlich zu wenig dicht.

Fazit: Pulitzer-Preis-Träger 2014, Bestseller und Auslöser eines Hypes um ein einziges kleines Kunstwerk. „Der Distelfink“ ist der erste Roman von Donna Tartt nach rund zehn Jahren. Sprachlich hat er auch mir sehr gut gefallen, inhaltlich flachte der Roman jedoch nach dem bewegenden Beginn spürbar ab und verlor sich in Wiederholungen, Rauschzuständen und leeren Gesprächen. Theo und sein gestohlener Distelfink waren zu selten gemeinsam im Mittelpunkt des Geschehens. Ich vergebe gute 3 Sterne für einen gut geschriebenen, aber zu langen Roman, der deutlich eher auf den Punkt hätte kommen können.
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am 21. Juni 2016
Der Stieglitz oder auch Distelfink, liebt Samen von Kratzdisteln, Karden und anderen Korbblütlern, bunt und gesellig, ist er der Vogel des Jahres 2016.

"Der Distelfink" ist auch ein Bild des Delfter Malers Carel Fabritius aus dem Jahre 1654. Es schmückt das Cover und bildet den Titel des besprochenen Romans.

Dieser berühmte 'Distelfink' von Carel Fabritius gerät bei einem gemeinsamen Besuch unseres Romanhelden Theo, noch ein Schulkind, mit seiner kunstfreudigen Mutter im Metropolitan Museum of Art in New York in seinen Besitz. Sohn Theo und Mutter schauen eine Wanderausstellung der 'Nördlichen Meister des Goldenen Zeitalters'. Ein Museumsbesuch, der durch einen Bombenanschlag zerrissen wird.

10 Jahre hat sich Donna Tartt Zeit gelassen, bevor dieses Buch nach ihren zwei Vorgängerromanen 2014 zur Leipziger Buchmesse vorgestellt wurde und für das die amerikanische Schriftstellerin den Pulitzer Preis gewann.

Der Roman wird ruhig erzählt und beansprucht den Leser nicht mit verschlungenen Zeiten, nur das erste Kapitel nimmt mit der Örtlichkeit in Amsterdam den Schlussvorhang vorweg.

Ansonsten spult sich der Erzählfaden kontinuierlich und folgerichtig ab, es gibt keine Zeitsprünge, kein Wechsel in der Erzählebene, wo das vorherige Kapitel abschließt setzt das nächste ein. Es ist nicht langweilig zu lesen, jedoch auch nicht fordernd. Der Leser muss sich nicht zurechtfinden, sich nichts erlesen, es liegt alles wunderbar aufbereitet über mehr als 1000 Seiten vor ihm.

So folgt der Leser dem Icherzähler Theo, der in seiner Heimatstadt durch oben genannte tragische und chaotische Umstände in einem Museum in den Besitz des titelgebenden kleinen Bildes gerät, durch die Zeiten und Orte bis zum Erwachsensein.

Theo verliert durch den Anschlag im Museum seine geliebt Mutter, kommt in eine Pflegefamilie der upper class mit seltsam eingefrorenen Gefühlen aller Familienmitglieder, fühlt sich aber doch wohl dort. So richtig taut er nach dem erlebten Trauma des Verlierens seiner Mutter, mit der er allein lebte und den Vorkommnissen im Museum erst auf, als er in eine Schreinerei und Antiquitätenhandlung in einem Vorort der Metropole gelangt. Hier darf er bleiben und erlernt die Kunstfertigkeiten des Behandelns antiker Möbel. Ihm gefällt der Geruch von Firnis, Holzleim, Lacken und Ölen, altem Staub und Bienenwachs, die Patina der alten Stücke und er lernt die Schraubzwingen zu gebrauchen, mit denen beschädigten Möbeln zu helfen ist. Die ganze Atmosphäre des alten Hauses saugt er wonnig ein und es wird sein Zuhause. Dazu trägt die ruhige, zurückhaltende, ehrliche Art des alten Eigentümers und Antiquitätenhändlers Hobie sehr bei.

Doch dann rührt sich der bislang fernlebende Vater von Theo und holt ihn zu sich und seiner Lebensgefährtin nach Las Vegas. Ein Glitzertraum mitten in der Wüste. Der Vater jedoch wohnt in den weit ausgedehnten und ausufernden Randgebieten des Traumes, wo die Häuser zum großen Teil gebaut, aber nie bezogen wurden, die Straßen und Vorgärten bereits vom Sand der Wüste zurückerobert werden. Nichts mit Traum und Glitzerwelt. Hier zeigt sich die Kehrseite des Größenwahns Las Vegas. Tristesse, die sich nicht nur in leeren Swimmingpools, unsicherem Broterwerb, Langeweile, Fast-food, Alkohol und Drogen manifestiert. Auch für unseren Theo und seinen hier gefundenen Freund Boris. Auch dieser ein alleingelassenes Kind eines Vaters, der in der Welt umherzieht, immer der Arbeit nach, immer in Bergwerken, als Ingenieur arbeitend, in jeder Freizeit saufend, wie man es für einen russischstämmigen Vater erwartet, der sich zwischen Arbeitsdruck und menschlicher Verlassenheit in sentimentale Rauschzustände trinkt, darüber vergisst, dass er einen Sohn hat, eben den Boris.

Auch Theos Vater und seine Freundin zeigen kein gesteigertes Interesse an Theo. Dafür entwickelt Theo eine fürsorgliche Beziehung zum Hund Popper, zärtlich Poptschick genannt, ihm gibt er an Zuwendung und Aufmerksamkeit, was er selber vermissen muss.
Auch binden sich Boris und der neu zugereiste Schulkamerad Theo aus New York umso fester in und außerhalb der Schule in Las Vegas aneinander.

Die Beiden probieren alles aus. Klauen wie die Raben, denn kein fürsorgliches Elternteil sorgt für geregeltes Essen, Pausenbrot und Taschengeld. Die Jungs saufen sich ins Koma, konsumieren alles an Drogen was ihnen unterkommt, gehen zu Boden und phantasieren auf einem verlassenen Spielplatz in den Wüstenhimmel. Insgesamt aber kommen sie erstaunlich heil an Geist und Gesundheit durch dieses chaotische und zehrende Leben. Das verwundert. Es war zu befürchten, die körperlich nicht ausgereiften und noch instabilen Jugendlichen würden kollabieren und Schaden nehmen.

Nach einem Unfall des Vaters, kehrt Theo zurück nach New York und bringt es beim alten Hobie, dem Antiquitätenhändler, zur Meisterschaft in der Möbelrestauration. Er weiß wie die Furniere entsprechend der Wuchsrichtung des Holzes anzupassen sind, wählt mit sicherer Hand passende Ersatzstückchen aus, es ist eine Freude, mitzuerleben, wie er das Handwerk liebt und versteht. Auch die kaufmännische Seite des Ganzen durchschaut und packt er an, was dem Geschäft des alten Hobie, der zu gutmütig ist, nur guttut. Allerdings geht der neue junge Geschäftsteilhaber nicht nur ehrliche Wege.

Theo, der sich im Geschäft so gut macht, kriegt sein Privatleben nicht in so gelungene Wege gelenkt. Auch jetzt noch daran leidend, was im Museum geschah als er seine Mutter verlor, fühlt er sich zur waldfeengleichen Pippa hingezogen, die ein gleiches Kindheitstrauma durchlebte wie Theo. Sie, mit roten Haaren und honigbraunen Augen, seine Pippa, sie liebt er. Aber heiraten will er dann doch die kühle Schneeprinzessin Kitsey. Plötzlich macht er mit bei den Nebensächlichkeiten, die seiner Braut Lebensinhalt sind. Er geht mit zu wichtigen Dinner Partys, zu bedeutenden Leuten, in gehobenen Stellungen. Dort werden Horsd'œuvre gereicht, Häppchen wie Blinis mit Kaviar, eine ganze Mahlzeit ist für die übersättigten Leute unschick, die Rosè Abstufung von Einladungskarten wird wichtig, eine komplizierte Tafelsitzordnung zur Hochzeit ist auszuarbeiten, wer sitzt neben wem und wem gegenüber und natürlich das Hochzeitsmagazin. Es kam mir die Erinnerung an in gleicher Weise überbetonten Nebensächlichkeiten einer überfütterten reichen Gesellschaft, der nichts mehr zu tun übrig bleibt, als eben diese Nebenschauplätzen des Lebens auszuwalzen, in 'American Psycho' von Bret Easton Ellis. Während in jenem Roman die Welt der Farben der Visitenkarten, der angesagtesten Restaurants, des ultimativen Dresscode, als Einführung in das sinnentleerte Leben der Yuppies und dem daraus entstehenden psychotischen, irren, entsetzlichen Beschäftigungsersatz zu empfinden ist, transportiert die ähnliche Welt bei Donna Tartt keinen für mich erkennbaren Zusammenhang und wirkt wie ein Fremdkörper, außer, auch hier soll die reiche Welt der aus der upper class stammenden Braut illustriert werden.

Das Bild des Distelfinken hat Theo immer bei sich. Es erfreut und beunruhigt ihn gleichermaßen. Er fühlt sich als Dieb, hat Angst vor Strafe, obwohl er ein Kind war und nicht von Diebstahl zu reden ist, möchte es gern zurückgeben und findet keinen Weg. Dass das Bild so berühmt ist, macht alles noch schwerer.
Interessant und reizvoll ist die Vorstellung, dass der Theo sich das kleine Bild des Distelfinken, welches er als Junge unter chaotischen Umständen bei einem Anschlag auf das Metropolitan Museum of Art sozusagen in Pension nahm, immer anschauen kann. Wer kann schon ein Kunstwerk von Weltruf stets ansehen, ganz für sich allein, zu allen Stimmungen, in jedem Licht, sowohl der Tages-und Nacht-, als auch der Jahreszeiten und der persönlichen Verfassung. Auch die Verwicklungen um Kunst im Original und Fälschung sind sehr anregend, geben einen ungewohnten, heimlichen Einblick in den Kunstbetrieb und ein wenig bekanntes Diskussionsfeld.

Nach einem thrillerhaften Kapitel in Amsterdam, zu dem auch der Freund Boris aus Jugendjahren in Las Vegas wieder auftaucht, vollendet der Roman die Schlussschleife zum Anfangskapitel, erfährt Theo die Wahrheit über den Verbleib des Distelfinken.

Ich habe mit mir gehadert. Wollte nur 3 Sterne vergeben. Der Roman erfreut aber doch mit einer komplexen geschlossenen Handlung, die über mehr als 1000 Seiten trägt, wenn auch nicht aufregt weder bezüglich Spannung noch Emotionalität, bei aller Farbigkeit und wechselnden Schauplätzen distanziert bleibt und erstaunlich wenig Resonanz bei mir als Leser erzeugte. 3 Sterne fand ich dann aber doch zu wenig. Wenn doch bloß diese Sternenvergabe nicht wäre, liest man nicht genug an Begeisterung, Ablehnung oder Gleichgültigkeit aus den Texten der Rezensenten heraus?

Betrachtet man das Bild des Distelfinken, ist zu sehen, dass der Vogel am Fuß angekettet ist. Armer Fink. Dies könnte im Kontext mit dem Roman eine Metapher sein auf ein vorgezeichnetes, vorbestimmtes Leben, dem nicht zu entrinnen, angekettet ist, auch wer Flügel hat sich zu erheben, das irdische Leben zu schwer ist, von Fremdbestimmung geprägt, welche man Vorsehung, Schicksal, Umstände nennt. So dramatisch jedoch spürte ich den Roman nicht, dass sich mir derartige Gedanken aufdrängten.
Ungewöhnlich ist auch, dass das Bild des Distelfinken mit dem kleinen Format und der Thematik sich so gar nicht in das 'goldene Zeitalter' der niederländischen Malerei einfügen will. Wo aber eventuell Donna Tartt frequentierte Wege verlassen wollte, habe ich nicht erkannt.
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am 9. Januar 2015
...ein Kunstraub mit ungeahnten Verwicklungen oder das wechselvolle Schicksal eines verwaisten Knaben sind zunächst keine wirklich neuen Romanmotive. Man denke nur an Erich Käster (Die verschwundene Miniatur) oder Charles Dickens (Oliver Twist). Aber Donna Tartt, die angeblich am Zeitgeschehen wenig Anteil nimmt und aus ihrer Wertschätzung für die Literatur des 19. Jahrhunderts (wieder Charles Dickens) keinen Hehl macht, bezieht ihre Themen scheinbar mehr aus den Klassikern der Weltliteratur als dem richtigen Leben. Warum auch nicht? Denn die altbewährten Motive ins 21. Jahrhundert zu verlegen und unter den heutigen gesellschaftlichen Gegebenheiten neu zu entwickeln, ist ein ebenso reizvolles wie ambitioniertes Unterfangen. Man darf also gespannt sein auf ihren dritten Roman, für den sie sich immerhin eine ganze Dekade Zeit genommen hat und der trotz seines gewaltigen Umfangs (1000 Seiten etwa) begeistert aufgenommen wurde.

Schon nach wenigen Absätzen begreift man das ungeheure Potenzial der Geschichte und ergibt sich dem enormen Sog ihrer buchstäblich fesselnden Sprache, die das Geschehen mit den an Dickens erinnernden Wendungen zu einem höchst originellen und packenden Leseerlebnis werden lässt. Der junge New Yorker, Theodore Decker, lebt, nachdem sich der Vater aus dem Staub gemacht hatte, alleine mit seiner fürsorglichen Mutter, die ihm bei einem gemeinsamen Museumsbesuch ihr Lieblingsgemälde zeigt. Ein letzter, vielleicht wegweisender Vorgang, denn ein plötzlicher Terroranschlag auf das Gebäude macht ihn zum Halbwaisen und Dieb des kleinen Kunstwerks, dass er, dem Zuraten eines Schwerverletzten folgend, aus den Trümmern "beseitigt". Plötzlich auf sich gestellt,findet er Unterschlupf bei der reichen Familie eines Schulfreundes und nimmt von dort aus Kontakt zu einem begnadeten Restaurator und Antiquitätenhändler auf, um den letzten Wunsch des mysteriösen Museumsbesuchers zu erfüllen. Den "Distelfink", der ihm als Erinnerung an die verstorbene Mutter zu einer Art Reliquie geworden ist, hält er jedoch verborgen und führt ihn unbemerkt mit sich, als sein überraschend auftauchender Vater ihn zwingt, mit ihm in sein neues "Zuhause" in die Wüste bei Las Vegas zu gehen. Da der trunksüchtiger Erzeuger ständig unterwegs ist, um "Kohle" zu machen, beginnt Theo eine verhängnisvolle Freundschaft mit Boris, einem Schicksalsgenossen mit russischen Wurzeln. Alkohol-, Drogenexzesse und was Pubertierenden sonst noch das Alleinsein erträglich macht, sind ab jetzt an der Tagesordnung - und Donna Tartt schmückt die chaotische Szenerie mit unendlicher Ausdauer bis ins letzte trostlose Detail aus, bevor sie Theo durch einen Verkehrsunfall des Vaters zum Vollwaisen werden lässt. Um der staatlichen Fürsorge zu entgehen, kehrt er nach New York zurück und dient sich dem bekannten Antiquitätenhändler als Verkäufer an. Mit seiner inzwischen geschulten kriminellen Intelligenz kommt Theo schnell aus den roten Zahlen und man fragt sich, wohin das noch führen soll...

Bis endlich der titelgebende Distelfink ins Spiel kommt, liegen 80% der Geschichte hinter uns und der Entwicklungsroman mutiert abrupt zum Thriller. Dadurch erscheint alles, was vorher so schön und gut und vielversprechend war, mit einem Mal ziemlich künstlich, so dass man die Lust am Weiterlesen verlieren könnte. Offenbar haben die 10 Jahre seiner Entstehung doch nicht gereicht, um das erstaunliche Werk so abzurunden, dass es eines Tages zu den Klassikern der Weltliteratur aufsteigen könnte. Von meiner anfänglichen Begeisterung blieb jedenfalls zum Ende nur noch die Erinnerung. Die ist mir aber 4 Sterne wert.
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am 22. April 2015
Im Alter von dreizehn Jahren verliert Theo Decker während des Besuchs eines New Yorker Museums seine Mutter aufgrund eines Anschlags. Unbemerkt im Chaos klaut Theo ein Gemälde, das ihn sein Leben lang begleiten wird. Nachdem Theo zunächst bei einer befreundeten Familie unterkommt zieht er zu seinem Vater, der ihn und seine Mutter vorher im Stich gelassen hatte. Das einzige, das Theo an seine Mutter erinnert aber ihm trotzdem keinen Trost spenden kann, ist das gestohlene Gemälde. Mit fortschreitendem Alter gerät Theo immer mehr in eine Krise und bewegt sich in kriminellen Kreisen.

Der Distelfink von Donna Tartt ist ein spannender Entwicklungsromanroman, der zum Ende hin ein richtiger Thriller wird. Das Erzähltempo ist eher langsam, wodurch der Autorin viele Momente bleiben, um das Geschehen detailreich und bildhaft in Szene zu setzen. Donna Tartts Sprache trifft eine wunderbare Mischung aus unterhaltsam und anspruchsvoll, auch wenn sie es aus meiner Sicht mit manchen metaphorischen Beschreibungen übertreibt. Die gesamte Geschichte wird vom Ich-Erzähler Theo Decker getragen, den der Leser in seinem Leben begleitet. Durch die gute Schreibweise konnte ich mich früh mit Theo identifizieren und seine Gefühle und seine Handlungsmotive nachvollziehen, obwohl ich mit mancher seiner Entscheidungen nicht unbedingt einverstanden war. Theos Leidenschaft für Pippa, die er bereits am Tag des Anschlags kennenlernt, konnte mich leider nicht richtig berühren. Neben Theo sind auch die anderen Charaktere sehr ausführlich ausgearbeitet und begleiten diesen in den verschiedenen Abschnitten seines Jugendalters. Bei den Nebencharakteren ist mir nur Hobie an manchen Stellen negativ aufgefallen. Der Restaurator, bei dem Theo arbeitet, erscheint mir doch etwas sehr naiv und gutgläubig in Bezug auf Theos Verhalten, bei dem Alkohol und Drogen eine nicht unwichtige Rolle spielen.

Donna Tartts Der Distelfink ist ein interessantes Buch, das spannende Themen und einen anspruchsvollen Stil bietet. Das Buch hat beim Lesen einen Sog auf mich ausgeübt, so dass ich es kaum aus der Hand legen konnte, obwohl mir ein paar Aspekte negativ aufgefallen sind. Wer sich nicht von detaillierten Beschreibungen, die für manchen zu langatmig werden könnten, abschrecken lässt und wer sich für Entwicklungsromane interessiert, sollte hier unbedingt zugreifen.

Ich würde 4 1/2 Sterne vergeben!
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am 29. Mai 2016
"Der Diestelfink" ist eine gut geschriebene Geschichte, die sich nicht ganz entscheiden kann, ob sie Kriminalroman oder etwas anderes sein möchte. Spanned zu lesen ist das Buch allemal, und die Erzählung gewinnt - wie auch in anderen Donna Tartt-Romanen - am Ende noch deutlich an Tempo. Allerdings nerven die philosophisch angehauchten Betrachtungen, mit denen die Lerserschaft besonders am Schluss malträtiert wird. Mitunter muten die Handlungen der Romanfiguren auch merkwürdig an oder wirken ein wenig unwahrscheinlich. Dennoch insgesamt ein Buch, das mich unterhalten hat.
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am 3. Juni 2015
Bei einem verheerenden Bombenattentat kommt die Mutter des sensiblen dreizehnjährigen Theo Decker ums Leben. Während der leicht verletzte Junge versucht, sich aus den Trümmern zu befreien, nimmt er ein kleines Bild an sich: Der Distelfink, ein hochdotiertes Meisterwerk des niederländischen Malers Carel Fabritius aus dem 17. Jahrhundert. Theo kommt für ein paar Wochen bei der Familie seines Schulfreundes Andy Barbour unter, aber in der distanzierten Atmosphäre dieser Familie findet der traumatisierte Junge wenig Trost. Erst als er den Restaurator und Antiquitätenhändler James Hobart kennenlernt und dort die gleichaltrige Pippa, auch eine Überlebende des Anschlags, trifft, scheint er ein wenig Halt zu gewinnen. Aber dann holt ihn sein Vater Larry, ein Zocker und Alkoholiker zu sich nach Las Vegas.
In Las Vegas fühlt sich Theo einsam, bis er Boris kennenlernt, ein junger Russe, der mit allen Wassern gewaschen zu sein scheint. Zusammen vertreiben sie sich die Zeit mit Kleindiebstählen, Drogenexperimenten und sonstigem Blödsinn. Als auch Theos Vater ums Leben kommt, fährt der Junge zurück nach New York und beginnt bei Hobart “Hobby” eine Ausbildung als Restaurator.
Jahre später hat Theo viel Erfolg als Antiquitätenhändler, wenn auch oft mit unseriösen Geschäften. Der Distelfink ist immer noch in seinem Besitz, obwohl FBI und Interpol mit Hochdruck nach diesem Gemälde suchen. Kurz vor seiner Verlobung mit Kitsey Barbour tritt unerwartet Boris wieder in sein Leben.
Dieser erzählt ihm eine unglaubliche Geschichte und verwickelt ihn in einen gefährlichen Plan …

Donna Tartt

Die hochintelligente, begabte und zugleich zurückhaltende Autorin Donna Tartt wurde 1963 in Greenwood, Mississippi geboren. Ihren ersten internationalen Erfolg erhielt sie mit dem Roman “Die geheime Geschichte”. Für “Der Distelfink” bekam sie 2014 den Pulitzerpreis.

Der Distelfink – Meine Meinung

Der Einband mit dem putzigen Vögelchen sollte mit einer Warnung versehen werden. Denn dieses Buch ist nichts für schwache Nerven.
Der in der Ich-Perspektive gehaltene Roman beginnt in einem Amsterdamer Hotel und scheint dem Leser eine solide, aber harmlose Spannung zu verprechen. Bis der Protagonist beginnt, in einer Rückblende seine tragische und zugleich verworrene Lebensgeschichte zu erzählen. Die Passagen, in denen Theo durch das zerstörte Museum stolpert, sind dramatisch; die Trauer um seine Mutter nimmt einen mit, seine Introvertiertheit scheint unbegreiflich. Man erlebt mit Theo die wohltuende Routine in Hobbards Werkstatt und dann wieder die Selbstzerstörung seiner Drogenexzesse und fühlt sich über Seiten hinweg wie in einer Anleitung zum Borderline-Syndrom. Dennoch ist keine Wendung vorhersehbar, auch wenn man von Anfang an meint zu wissen, wie das alles endet.
Nebenher erhellt einen die Autorin mit Gedanken über die Wirkung von wahrer Kunst ebenso, wie mit dem Schreinerhandwerk. Die Einsichten in den Kunsthandel und den internationalen Kunstraub, sowie den Drogenhandel sind genauso lehrreich, wie die Beschreibung von Instandsetzungsarbeiten bei Antiquitäten.
So ein kleines Chippendale Sofa könnte ich nach dieser Lektüre nun auch ein bisschen restaurieren.
Angeblich hat die Autorin 10 Jahre an diesem Buch gearbeitet. Hätte sie nur 8 Jahre daran geschrieben, wären uns einige Längen erspart geblieben, die zwar voller Philosophie stecken, aber anstrengend sind. Gerade die Betrachtungen über Gut und Böse sind mir zu weit hergeholt und zu selbstgerecht.

Dieses Buch ist ein Kunstwerk um ein Kunstwerk. Und es ist auf jeden Fall empfehlenswert, auch wenn man eine stabile Psyche benötigt.

Ein Lob gebührt dem Hörbuchsprecher Matthias Koeberlin, dem es gelang, die Theos Lethargie und Melancholie stimmlich wiederzugeben.
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TOP 500 REZENSENTam 1. Dezember 2015
Auf über 1000 Seiten begleiten wir den Antihelden Theo Decker auf seiner wilden Fahrt. Donna Tartt wählt einen zweiteiligen Einstieg. Im ersten Abschnitt liest der Erzähler, Theo Decker, verschanzt in einem Hotel in Amsterdam, Zeitungen in Niederländisch, die er nicht verstehen kann; Er ist auf der Suche nach seinem Namen in Artikeln mit Bildern von Polizeiautos und Tatort-Bänder. Bevor irgendetwas davon erklärt wird, bewegt sich die Geschichte zurück zum Tag, an dem Theos Mutter stirbt, als er, 13-Jährig an der Schwelle zur Pubertät steht. Sie verliert ihr Leben bei einem Bombenanschlag im Metropolitan Museum in New York. Mutter und Sohn sind in getrennten Räumen, als die Bombe explodiert. Die Beschreibungen über Theo, der in den Trümmern wieder zu Bewusstsein kommt und versucht, seinen Weg aus diesem zerrissenen Museum zu finden und sein Heimweg in der Erwartung, seine Mutter dort zu finden, sind mit die beste Prosa, die ich bisher gelesen habe.
Es folgt die Geschichte eines mutterlosen Jungen, dessen Leben sich dramatisch verändert. Seine Mutter tot, sein Vater lange abwesend, lebt er zunächst bei den Barbours, der Familie eines Schulfreundes. Das kalte Gespenst unbekannter und liebloser Großeltern, die Theos Erziehungsberechtigten werden könnten, schwebt als Option über dem Roman, bis sein Vater, Alkoholiker und ein zwanghafter Spieler mit seiner urkomischen und letztlich doch sympathischen Freundin Xandra auftaucht und Theo nach Las Vegas mitnimmt. Eine riesige Besetzung von Charakteren bevölkert diesen Roman.
Neben diesem Erzählstrang gibt es einen zweiten, diesmal mit Anklängen an Schuld und Sühne; eine Geschichte von Betrug, Verdacht, Doppelzüngigkeit und Schießereien. Raymond Chandler lässt ebenso grüßen wie Dickens und Dostojewski. Mehr über die Ereignisse des Romans zu sagen, würde den Leser einer großen Freude berauben. Wenn jemand die Liebe des Geschichtenerzählens verloren hat, wird sie ihm „Der Distelfink“ ganz sicher zurückbringen.
Der Roman ist nicht nur Action und Spannung. Einige seiner denkwürdigsten Momente bezieht er aus der Stille, wie beispielsweise der Himmel über der Wüste von Las Vegas. Es ist ein herrliches Stück Prosa, über einen Jungen, der seine wahre Heimat verloren hat. Aber Thema sind nicht nur die Emotionen rund um den Verlust, sondern auch über einfache und doch komplizierte Freundschaften und es ist ein Roman über den Umgang mit der Kunst.
„Der Distelfink" ist ein wahrer Triumph mit dem tapferen Thema, wo Kreaturen mit unbeholfener Traurigkeit kämpfen, um zu leben. Es ist ein Roman von schockierender erzählerischer Energie und Kraft. Er kombiniert unvergesslich lebendige Charaktere, faszinierende Sprache und atemberaubender Spannung mit der philosophischen Ruhe, die in die tiefsten Geheimnisse von Liebe, Identität und Kunst eindringt. Eine im besten Sinn altmodische Geschichte von Verlust und Besessenheit, Überleben und Selbstfindung, von den tiefsten Geheimnisse von Liebe, Identität und dem rücksichtslosen Walten des Schicksals, verschwenderisch und üppig geschrieben und aufgebaut. Einsamkeit ist die realistische emotionale Konstante in diesem überfüllten, überschwänglicher Roman.
Die Erzählstimme von Donna Tarrt erinnert in ihrer Liebe zum Detail an einen niederländischen Meister, eine Stimme, die gleich stark in der Gegenwart wie in der Rückschau ist, die die jugendlichen Ängste des Jungen und die gärende Verzweiflung des Mannes gleichermaßen perfekt darstellt.
Das Tolle an diesem Buch ist, dass Sie es für ein paar Tage zur Seite legen können und beim Hervorholen sofort wieder in den Bann der Geschichte gezogen werden, weil Schreibstil und Charaktere so stark sind.
Ich kann verstehen, warum dieses Buch u.a. den Pulitzerpreis gewonnen hat. Die Prosa, das Konzept und die epische Skala von ihm sind unglaublich beeindruckend.
Interessenten haben natürlich das Recht zu fragen: "Will ich wirklich zwei Wochen meines Lebens an diese Lektüre verschenken? Kann es das vielleicht wert sein? Eindeutiges JA. Es ist ein langer Roman, der sich nie lang fühlt. "Der Distelfink" ist eine Rarität, ein intelligent geschriebener literarischer Roman, der mit dem Herzen und der Seele verbindet. Donna Tartt hat einen seltenen Schatz erstellt.
Wenn Sie scharfsinnige Beobachtungen gut verpackt in spannende Geschichten lieben, dann ist das ein Buch für Sie. Wegen seiner Länge und seiner Komplexität ist es kein leichtes Buch. Aber doch einfach zu lesen. Ein literarisches Meisterwerk, aus dem jeder von uns eine andere Erfahrung mit nach Hause nehmen wird.
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am 17. April 2016
Sprachlich sehr schön geschrieben und eine mitreißende Story. Der Distelfink wird trotz des Umfangs von ca. 1000 Seiten an keiner Stelle langweilig. Zusammen mit dem Protagonisten Theo erlebt man die Folgen eines durch besondere Umstände entstanden Kunstraubs. Dabei entsteht nicht wirklich extreme Spannung doch insbesonderes durch die sehr schöne Sprache und die außergewöhnlichen Charaktere fesselt das Buch bis zur letzten Seite.
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am 23. November 2014
Theodore Decker ist in dem Moment von der Landkarte heruntergefallen (S122) an dem ein Anschlag auf ein New Yorker Museum seine Mutter getötet hatte. Theo selbst hat den schicksalhaften Moment überlebt, war unbemerkt aus dem Museum entkommen mit „Dem Distelfink“ Carl Fabritius Meisterwerk aus 1654 in seinem Gepäck. Das Bild eines kleinen, sehr lebendigen, doch gefangenen, gelben Vogels. Es war Welty, der alte Mann, der zur gleichen Zeit mit seiner Enkelin Pippa im Museum war, der Theo geraten hatte, die kleine Kostbarkeit mitzunehmen.
Danach beginnt Theos Odyssee aus dem Verbleib in einer heimatlosen Welt.

Mit Theo Decker hat Donna Tartt die verlorene Seele eines verlassenen, traumatisierten Jungen gezeichnet, der allen Boden unter den Füßen verliert, dem alles Angebot nach Heimstatt und Geborgenheit nicht mehr zurückholen kann in eine leuchtend, helle Welt. Die Brücke zur Realität hält er durch seine spätere Arbeit mit Holz und Antiquitäten aufrecht, der Rest seiner selbst gehörte schon längst den Drogen, der Flucht in eine nicht existierende Welt, dem Betrug und schließlich der Gewalt. Ständig begleitet vom Distelfink, dem kleinen, gefangenen, gelben Vogel.

Der Vergleich mit Dickens blieb mir im Großen und Ganzen verborgen. Ja vielleicht hätte die gute Seele James Hobart alias Hobie, ein New Yorker Antiquar in Downtown, der in einem Sammelsurium aus Ramsch und alten Kostbarkeiten hauste, Platz in einem Dickens'schen Roman gefunden oder sein in der Wüste gefundener, verlorener Freund Boris, der die Versuchung verkörpert. Neben Dickens schlägt die Autorin immer wieder eine Brücke zu anderen Größen der Weltliteratur, sie lässt die Jungen Whitman und Thoreau besprechen, legt ihnen Dostojewski, Saint-Exupery und Proust auf den Nachttisch und hält sich konsequent an bildreiche Sprache und ausufernde Szenen – die zelebriert sie.

Ich Leser konnte mich anfangs mit einer berührenden, guten Geschichte über die Längen hinwegtrösten, schlussendlich war mir das ganze jedoch zu ausufernd, zu destruktiv, zu sehr durchsetzt von redundanten Alkohol- und Drogenexzessen. Der New York Rahmen hat mir gut gefallen, auch die geheimnisvolle Welt Hobies Imperiums. Als die Handlung jedoch von einer Verlobungsparty in eine kriminalistische Szene nach Amsterdam wechselt, die den verlorenen Helden zum Mörder macht, war für mich der Spaß vorbei. Zu konstruiert war für mich das Ende, das mich Leser aus der Geschichte reißt, wie einen zulange gebliebenen Gast die Aufforderung zu gehen. Die pseudo-philosophischen Erkenntnisse am Ende des Romans á la „Wir können uns unser eigenes Herz nicht aussuchen. Wir können uns nicht zwingen zu wollen, was gut für uns oder gut für andere ist. Wir können uns nicht aussuchen, wer wir sind.“ oder „Sei du selbst“, „Folge deinem Herzen“ S 1008 haben meinen mäßigen Unmut in einem ausufernden hmmpffffffffffffffffff ausklingen lassen.
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