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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erstaunlich
...ein Kunstraub mit ungeahnten Verwicklungen oder das wechselvolle Schicksal eines verwaisten Knaben sind zunächst keine wirklich neuen Romanmotive. Man denke nur an Erich Käster (Die verschwundene Miniatur) oder Charles Dickens (Oliver Twist). Aber Donna Tartt, die angeblich am Zeitgeschehen wenig Anteil nimmt und aus ihrer Wertschätzung für die...
Vor 3 Monaten von Trend Kurrent veröffentlicht

versus
151 von 173 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schöne Sprache, dünner Inhalt
„Der Distelfink“ von Donna Tartt ist ein Roman, der das Schicksal eines Jungen im modernen Amerika mit einem von ihm gestohlenen Gemälde verbindet – in der gebundenen Ausgabe auf 1024 Seiten.

Kurz zum Inhalt: Der dreizehnjährige Theo besucht mit seiner alleinerziehenden Mutter ein Museum in New York, als sich sein Leben auf einen...
Vor 11 Monaten von Sarah O. veröffentlicht


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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erstaunlich, 9. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Der Distelfink: Roman (Kindle Edition)
...ein Kunstraub mit ungeahnten Verwicklungen oder das wechselvolle Schicksal eines verwaisten Knaben sind zunächst keine wirklich neuen Romanmotive. Man denke nur an Erich Käster (Die verschwundene Miniatur) oder Charles Dickens (Oliver Twist). Aber Donna Tartt, die angeblich am Zeitgeschehen wenig Anteil nimmt und aus ihrer Wertschätzung für die Literatur des 19. Jahrhunderts (wieder Charles Dickens) keinen Hehl macht, bezieht ihre Themen scheinbar mehr aus den Klassikern der Weltliteratur als dem richtigen Leben. Warum auch nicht? Denn die altbewährten Motive ins 21. Jahrhundert zu verlegen und unter den heutigen gesellschaftlichen Gegebenheiten neu zu entwickeln, ist ein ebenso reizvolles wie ambitioniertes Unterfangen. Man darf also gespannt sein auf ihren dritten Roman, für den sie sich immerhin eine ganze Dekade Zeit genommen hat und der trotz seines gewaltigen Umfangs (1000 Seiten etwa) begeistert aufgenommen wurde.

Schon nach wenigen Absätzen begreift man das ungeheure Potenzial der Geschichte und ergibt sich dem enormen Sog ihrer buchstäblich fesselnden Sprache, die das Geschehen mit den an Dickens erinnernden Wendungen zu einem höchst originellen und packenden Leseerlebnis werden lässt. Der junge New Yorker, Theodore Decker, lebt, nachdem sich der Vater aus dem Staub gemacht hatte, alleine mit seiner fürsorglichen Mutter, die ihm bei einem gemeinsamen Museumsbesuch ihr Lieblingsgemälde zeigt. Ein letzter, vielleicht wegweisender Vorgang, denn ein plötzlicher Terroranschlag auf das Gebäude macht ihn zum Halbwaisen und Dieb des kleinen Kunstwerks, dass er, dem Zuraten eines Schwerverletzten folgend, aus den Trümmern "beseitigt". Plötzlich auf sich gestellt,findet er Unterschlupf bei der reichen Familie eines Schulfreundes und nimmt von dort aus Kontakt zu einem begnadeten Restaurator und Antiquitätenhändler auf, um den letzten Wunsch des mysteriösen Museumsbesuchers zu erfüllen. Den "Distelfink", der ihm als Erinnerung an die verstorbene Mutter zu einer Art Reliquie geworden ist, hält er jedoch verborgen und führt ihn unbemerkt mit sich, als sein überraschend auftauchender Vater ihn zwingt, mit ihm in sein neues "Zuhause" in die Wüste bei Las Vegas zu gehen. Da der trunksüchtiger Erzeuger ständig unterwegs ist, um "Kohle" zu machen, beginnt Theo eine verhängnisvolle Freundschaft mit Boris, einem Schicksalsgenossen mit russischen Wurzeln. Alkohol-, Drogenexzesse und was Pubertierenden sonst noch das Alleinsein erträglich macht, sind ab jetzt an der Tagesordnung - und Donna Tartt schmückt die chaotische Szenerie mit unendlicher Ausdauer bis ins letzte trostlose Detail aus, bevor sie Theo durch einen Verkehrsunfall des Vaters zum Vollwaisen werden lässt. Um der staatlichen Fürsorge zu entgehen, kehrt er nach New York zurück und dient sich dem bekannten Antiquitätenhändler als Verkäufer an. Mit seiner inzwischen geschulten kriminellen Intelligenz kommt Theo schnell aus den roten Zahlen und man fragt sich, wohin das noch führen soll...

Bis endlich der titelgebende Distelfink ins Spiel kommt, liegen 80% der Geschichte hinter uns und der Entwicklungsroman mutiert abrupt zum Thriller. Dadurch erscheint alles, was vorher so schön und gut und vielversprechend war, mit einem Mal ziemlich künstlich, so dass man die Lust am Weiterlesen verlieren könnte. Offenbar haben die 10 Jahre seiner Entstehung doch nicht gereicht, um das erstaunliche Werk so abzurunden, dass es eines Tages zu den Klassikern der Weltliteratur aufsteigen könnte. Von meiner anfänglichen Begeisterung blieb jedenfalls zum Ende nur noch die Erinnerung. Die ist mir aber 4 Sterne wert.
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151 von 173 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schöne Sprache, dünner Inhalt, 21. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Distelfink: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Der Distelfink“ von Donna Tartt ist ein Roman, der das Schicksal eines Jungen im modernen Amerika mit einem von ihm gestohlenen Gemälde verbindet – in der gebundenen Ausgabe auf 1024 Seiten.

Kurz zum Inhalt: Der dreizehnjährige Theo besucht mit seiner alleinerziehenden Mutter ein Museum in New York, als sich sein Leben auf einen Schlag verändert. Ein Gemälde aus dem Museum, „Der Distelfink“, das er heimlich mitgehen ließ, begleitet ihn von nun an, während er bereits in jungen Jahren den Boden unter den Füßen verliert.

Unter normalen Umständen würde ich den Inhalt klarer anschneiden. Bis zum ersten Wendepunkt der Geschichte, nie mehr als ein guter Klappentext, kurz zusammenzufassen, worum es geht, um dem zukünftigen Leser einen Einblick zu geben, halte ich an sich nicht nur für legitim sondern fast für notwendig. Doch bei diesem Roman fällt mir das schwer, denn der Anfang ist mit seiner Tragik, seinem Tempo und seiner Emotionalität eigentlich schon der beste Teil des gesamten 1000-Seiten-Werkes und, auch wenn dieser Anfang bereits gut 200-300 Seiten umfasst, wird der Klappentext des Verlags dort für meinen Geschmack bereits zu konkret.

Was die Autorin anschließend dokumentiert, ist der Abstieg des jungen Ich-Erzählers Theo, der sich über verschiedene Stationen seines noch jungen Lebens von einer Depression zur nächsten, von einer Trunkenheit zur nächsten und von einem Drogenrausch zum nächsten manövriert und dabei auf Nebendarsteller trifft, von denen kaum eine Entwicklung ausgeht und die in den meisten Fällen eine so sehr gespaltene Persönlichkeit besitzen, dass ihre Undurchschaubarkeit für den Leser zwar auch regelmäßig Überraschungen mit sich bringt und sie als Charaktere spannend macht, sie aber insgesamt auch blass und austauschbar wirken lässt.

Die Autorin verliert den roten Faden ihres Romans – die Verbindung zwischen Theo, der Entwicklung seines Lebens und dem Gemälde als Symbol – zu oft aus den Augen. Theos Geschichte schweift ab und kreist in sich wiederholenden Situationen, die das Lesevergnügen mit der Zeit immer zäher machen. Wenn das Gemälde dann einmal wieder in den Fokus rückt, ist es meist nur für kurze Zeit – lange habe ich darauf warten müssen, dass die Autorin zum längst überfälligen Finale kam. Dieses wirkte dann allerdings zu überzogen und passte weder von der zeitlichen Folge (was für ein Zeitsprung!) noch vom inhaltlichen Rahmen her zum Rest des Romans. Internationale, organisierte Kriminalität und ein überstürzter Gangster-Road-Trip schafften einen eher kitschigen als runden Abschluss. Also blieb der Anfang der inhaltlich stärkste Abschnitt des Distelfinken.

Meine Motivation während des Lesens wurde dabei kurz nach dem starken Auftakt, als ich gerade in der ersten langen, langen Phase aus Drogen und Alkohol festhing und verzweifelt die Spannung suchte, noch einmal deutlich gesteigert: „Der Distelfink“ wurde als Gewinner des renommierten Pulitzer Preises bekannt gegeben. Leider konnte ich aber trotz größter Mühe und größtem Durchhaltevermögen auf den langen, langen 1000-und-ein-paar-Seiten nichts finden, dass mich jetzt befähigen würde, diese Auszeichnung oder den Hype um das Buch nachzuvollziehen. Möglicherweise haben dabei die Erwartungen, die mit der langen Bearbeitungszeit von mehr als zehn Jahren, in denen man nichts von der Autorin hörte, einhergingen sowie der gigantische Umfang des Werkes und die mit Sicherheit vorhandenen sprachlichen Fähigkeiten Tartts nicht nur mitgewirkt, sondern auch eine größere Rolle gespielt als der eigentliche Inhalt.

Sprachlich ist „Der Distelfink“ wirklich gelungen. So wurde die Lektüre für mich dann auch eher ein Lesen um des Lesens Wille. Schöne Worte aneinandergereiht, auf den Punkt gebrachte Beschreibungen mit einem hervorragenden Gespür für die einprägsamen Details und nicht zuletzt auch die Fähigkeit den jugendlichen Ich-Erzähler und die anderen jungen wie alten Charaktere im Roman (fast immer) glaubwürdig agieren zu lassen, machten „Der Distelfink“ zu einer erzählerisch runden Reise. Wären die schön geschriebenen Dialoge doch nur nicht zu oft inhaltlich leer und die detailreichen Beschreibungen nicht zu oft der Ersatz für einen deutlichen Handlungsfortschritt – der Roman wäre perfekt. So, wie er ist, empfand ich ihn leider als 300 bis 400 Seiten zu lang - der Roman war inhaltlich zu wenig dicht.

Fazit: Pulitzer-Preis-Träger 2014, Bestseller und Auslöser eines Hypes um ein einziges kleines Kunstwerk. „Der Distelfink“ ist der erste Roman von Donna Tartt nach rund zehn Jahren. Sprachlich hat er auch mir sehr gut gefallen, inhaltlich flachte der Roman jedoch nach dem bewegenden Beginn spürbar ab und verlor sich in Wiederholungen, Rauschzuständen und leeren Gesprächen. Theo und sein gestohlener Distelfink waren zu selten gemeinsam im Mittelpunkt des Geschehens. Ich vergebe gute 3 Sterne für einen gut geschriebenen, aber zu langen Roman, der deutlich eher auf den Punkt hätte kommen können.
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74 von 87 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht Fisch, nicht Fleisch, nicht eckig, nicht rund - verschenkte Möglichkeiten eines vielleicht schlicht zu langen Werkes, 29. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Distelfink: Roman (Gebundene Ausgabe)
Uff, nun habe ich nach 1022 Seiten und drei Wochen Lesen diesen gewaltigen Roman beendet, den Deckel geschlossen und sitze da und frage mich: Was war das? Ein Buch, wie es einem eigentlich gefallen sollte, ein echter Pageturner, ein 'Sucker', ein Werk, das einen die Nächte vergessen läßt, den Schlaf vergessen läßt, alles um einen herum vergessen läßt, um bloß die nächste Zeile, die nächste Seite, das kommende Kapitel zu erreichen, weiterweiterweiter, nicht nachlassen, denn diese Geschichte...

...ach, wenn es doch bloß so wäre...

Das dritte Werk der Bestsellerautorin Donna Tartt, hochgelobt in der amerikanischen, britischen und auch der hiesigen Presse, wurde angekündigt als genau das, was oben beschrieben wurde. Und das Buch sieht auch genau so aus: Tausend Seiten einer epische Geschichte, ausgebreitet über Jahrzehnte, die uns von Verlust und Trauer, Erwachsenwerden und den damit verbundenen Ängsten, von der Kunst und der Kunst des Lebens erzählt, die uns liebenswert skurrile und verachtenswert verkommene Figuren präsentiert, ein Geheimnis, verschiedene Schauplätze, Abhandlungen über das Gute und das Böse, das Kunstwerk in den Zeiten seiner Reproduzierbarkeit, Action, Räusche undundund...und dennoch zündet das Ganze nicht. Warum bloß?

Theo Decker erzählt uns aus seiner Perspektive, wie er als 12jähriger eine Bombenexplosion im MET, dem Metropolitan Museum of Art in New York, überlebt, bei der seine Mutter stirbt und er selbst einem alten Mann beisteht, bis dieser in den Trümmern stirbt, nicht ohne Theo zuvor einen alten Siegelring gegeben zu haben. Den Theo an sich nimmt, so wie er auch das Gemälde Der Distelfink an sich nimmt, das seine Mutter ihm hatte an diesem Morgen zeigen wollen. Theos Vater hat sich ein Jahr, bevor die Handlung einsetzt, aus dem Staub gemacht, so daß der Junge zunächst bei seinem besten Freund Andy, Sproß einer vornehmen Familie der Upper West Side, unterkommt, die ihn fast wie einen Sohn aufnimmt. Doch sein Vater, ein Spieler, Trinker, gescheiterter Schauspieler, taucht eines Tages auf und nimmt ihn mit nach Las Vegas, wo er zunächst einige Jahre verbringt, die er mehr oder weniger im Drogen-, Tabletten- und Alkoholrausch durchlebt, in denen er Boris - selbst verlorener Sohn eines ukrainischen Bergbauingenieurs - kennenlernt und als Freund gewinnt. Als auch sein Vater bei einem Unfall (oder Selbstmord?) umkommt, macht sich Theo auf eigene Faust auf, nach New York City zurück zu kehren, immer das wertvolle Gemälde und seinen Hund Popschick im Gepäck. In New York findet er Unterschlupf bei seinem Freund Hobie, ein Restaurator antiker Möbel, zu dem ihn einst der Siegelring des sterbenden alten Mannes geführt hatte. Hier erlernt Theo das Handwerk der Restauration ebenso, wie er sich autodidaktisch das Handwerk des Geschäfts- und Kaufmannes beibringt. Und so erzählt er uns davon, wie er erwachsen wurde, wie er Pippa liebt und Kitsey zu heiraten gedenkt, wie Boris ihm ein fürchterliches Geheimnis offenbart und sie gemeinsam versuchen, in Ordnung zu bringen, was kaum mehr in Ordnung zu bringen ist und schließlich erfahren wir von der großen Läuterung in Theos Leben...

Eigentlich ist alles da, was es braucht, um genau den Pageturner zu produzieren, der hier angekündigt war. Aber vielleicht ist auch genau das das Problem des Buches: Zuviel, viel zu viel und das alles viel zu gewollt. Dieses Buch sollte mit aller Macht genau dieser Pageturner werden, der er Vielen, betrachtet man die Kritiken einer-, die guten Kommentare und Rezensionen hier und in ähnlichen Foren andererseits, ja auch zu sein scheint. Man traut sich also kaum, anderer Meinung zu sein. Aber vielleicht gelingt es mir ja, zu begründen, was mich dieses Buch nicht loben läßt.

Donna Tartt - so etwas wie ein literarisches Geheimnis - legt hier gerade mal ihren dritten Roman in drei Jahrzehnten vor, sie gilt als ein Wunderkind der anspruchsvollen Belletristik. Das kann man anhand ihres Debuts DIE GEHEIME GESCHICHTE auch durchaus nachvollziehen, war dieser Psychothriller damals doch wirklich ein großes Versprechen auf eine großartige literarische Karriere. Hier aber, im DISTELFINK, wird zu offensichtlich, wo die Wurzeln der Autorin liegen - bei den Klassikern - und die Konstruktion ergötzt sich streckenweise derart an sich selbst, daß man sich in einem literarischen Selbstbedienungsladen wähnt. Da werden Dickens' OLIVER TWIST und DAVID COPPERFIELD zitiert, da steht zeitweilig das LEBEN EINES TAUGENICHTS Pate, Dostojewskijs DER IDIOT dient als Vorlage und Benjamins Essay über DAS KUNSTWERK IM ZEITALTER SEINER TECHNISCHEN REPRODUZIERBARKEIT wird gerade auf den letzten Zweihundert Seiten scheinbar in einen erzählenden Fließtext überführt. Der Verweise sind noch einige, es seien nur diese ebenso stilbildenden wie einprägsamsten genannt. Nun ist ja nichts dagegen einzuwenden, sich auf die Schulter der Giganten zu stellen, auch das (postmoderne) Spiel mit Anleihen und Zitaten - auch wenn es im Jahr 2014 schon ein wenig überholt anmutet - ist immer willkommen. Doch sollte es einerseits dann andocken an wirklich packende Geschichte(n), andererseits sollte das, was dann entsteht, schon etwas Eigenes sein. Donna Tartt gelingt das aber schlicht nicht. Sie entscheidet sich für den ganz großen Wurf, den langen Atem, den weiten Blick. Sie entwirft ein Konstrukt, in welchem viel Seltsames geschehen, seltsame Figuren auf-, erstaunliche Wendungen eintreten sollen, allerdings bleibt das alles meist pure Behauptung. Man liest das, man staunt auch immer mal wieder, doch fällt einem dann beim Nachdenken über das Gelesene meist auf, daß die Figuren dann eben doch nicht so ausgeklügelt sind, nicht die vorgegebene Tiefe aufweisen, die Geschehnisse sich allzu oft als banal, die Wendungen als Hilfskonstrukte in einer Handlung erweisen, die lange scheinbar ziellos mäandernd von einem Schauplatz zum nächsten, von einem Ereignis zum nächsten treibt.

Es werden eine Reihe gekonnter literarischer Kniffe genutzt, um die Erzählung mal zu strecken, mal zu dehnen, es gelingen der Autorin großartige dialogische Passagen, ebenso durchaus den Intellekt befeuernde Reflektionen über Gut und Böse, über Kunst und das Wesen des Leidens. Nur merkt man beim zweiten Nachdenken ständig, daß es all das schon gegeben hat: Gerade die von vielen so hochgelobten letzten 50-60 Seiten, die von metaphysischen Betrachtungen nur so strotzen, sind in ein durchaus (auch in der Übersetzung) ebenso schön zu lesendes wie wirksames Wortgeklingel gekleidete Banalitäten. Aus Gutem kann Böses, aus Bösem Gutes entstehen? Aha. Hinzu kommt ein nahezu über 600 Seiten gleichbleibendes Erzähltempo - gemäßigt, nicht zu rasant, immer darauf getrimmt, nicht zu lange an einer Thematik zu verweilen, also immer sich an die Leseerfahrung eines breiten Publikums anschmiegend. Der Roman fordert nichts, er überfordert niemanden und er konfrontiert uns nicht einmal mit etwas wirklich Herausforderndem.

Wie so oft bei den langen, den ganz langen Erzählungen, wäre weniger mehr gewesen. Die ersten 200 Seiten dieses Romans sind eine wirklich gelungene Geschichte darüber, wie gerade ein junger Mensch versucht, mit Verlust und Trauer umzugehen. Die Explosion im Museum - Tartt hat in mehreren Interviews betont, die Zerstörung der Buddhafiguren in Bamiyan durch die Taliban seien der Auslöser für die Grundidee des Werkes gewesen - ist natürlich auch eine Reflektion auf den 11. September 2001, den Angriff auf New York und damit auf Amerika. Theos Aufnahme in die Familie seines Freundes Andy und sein Leben in diesen Kreisen eine gelungene Darstellung der Upper Class New Yorks. Hier gelingen auch die ansonsten eher im Trivialen bleibenden Figurenzeichnungen, werden wir staunende Zeugen, wie Theo - selber staunend - all die Versehrtheiten hinter der Fassade des kalten Reichtums entdeckt. Wäre es dabei geblieben - man hätte diesem Werk gut und gerne 4 oder sogar 5 Sterne geben mögen. Doch spätestens mit dem Auftauchen des trinkenden Vaters und seiner Gespielin Xendra, die beide seltsam unscharf bleiben auf den dann folgenden 300 Seiten, gleitet das Buch in Kolportage ab, die ganze Las-Vegas-Story um Theo und seinen Kumpel Boris, wirkt wie ein nie eingehaltenes literarisches Versprechen. Wir kriegen zwei 13-, 14-, 15jährige vorgeführt, die sich jahrelang mit so ziemlich allem zudröhnen, was sich ihnen bietet, von Aufputschern bis Heroin, vom durchgehend konsumierten Alkohol ganz zu schweigen, doch nie scheinen diese Jungs wirklich dadurch berührt oder gar geschädigt. Und so wirken auch diese Passagen wenig zwingend. Weder scheinen diese Kids Probleme in der Schule zu bekommen, noch scheint sich irgendwer für deren Belange zu interessieren, was die beiden natürlich freut, in ihnen jedoch nie irgendein bleibendes Gefühl von Verlassenheit oder gar Abstumpfung hinterläßt. Im Grunde, so scheint diese Erzählung uns weißmachen zu wollen, ein großes Abenteuer, diese Jugend. Doch dadurch entsteht eine Art Blase - wir wähnen diese Figuren beschützt, wir bangen nicht um sie. Nicht an dieser Stelle des Romans und im Grunde auch später nicht. Muß das Las Vegas sein? Nein, denn sozusagen gefangen in den Outskirts dieser Glitzerstadt, bekommen sie von dem, was die Stadt ausmacht, sowieso nichts mit. Sie könnten in jedem Kaff hocken. Daß Boris zudem zwar einerseits ein mit allen Wassern gewaschener Kerl zu sein scheint, der immerhin schon Wochen auf den Straßen einer ukrainischen Stadt gelebt haben will, zugleich aber keinerlei Interesse an den Verlockungen der Spieler-Metropole zeigt, ist schlicht unglaubwürdig. Wie überhaupt sowohl Theos Vater, als auch Boris als Figuren blaß bleiben, weil sie Klischees entsprechen.

So kann man letztlich Stück für Stück den ganzen Roman durchforsten und wird immer wieder auf ähnliche Einwände stoßen. An einem Punkt merkt man dem Werk auch die Ratlosigkeit der Autorin an, wenn sie - im Anschluß erzählerisch durchaus gekonnt verwoben - einen Zeitsprung von acht Jahren einbaut und uns den mittlerweile erwachsenen Theo vorführt, der dann - gefangen in einer unglücklichen Liebesgeschichte, die den ca. zehn Millionen unglücklichen Liebesgeschichten, die man bereits kennt, auch nichts Neues hinzuzufügen weiß - durch das Wiedersehen mit seinem Freund Boris in eine wilde Räuberpistole verwickelt wird, in der es um den Diebstahl des aus dem Museum entführten Bildes geht, das Theo Jahre in seinem Besitz wähnte, wo es doch eigentlich längst...aber ich will hier nicht zu viel verraten. Jedenfalls finden wir uns nach ca. 600 Seiten in einem Krimi wieder...

Die Idee, das berühmte Bild des Distelfinks als einen Leitfaden der Erzählung zu nutzen, ist charmant, kann die Autorin daran doch sowohl emotionale Entwicklungen ihres Hauptprotagonisten aufzeigen, Reflektionen auf seine Mutter, auf seinen Werdegang, die Verlorenheit und das Gefangensein in einem Dasein, das wir uns nunmal nicht aussuchen können, wie sie darauf ebenso abheben kann, dem Leser lange kunsthistorische und -theoretische Abhandlungen anzubieten; letzteres v.a. im letzten Viertel des Buchs. Überhaupt ist vieles hier charmant, klug und durchdacht. Was dem Leser aber auch alle naslang durch das Werk selbst mitgeteilt wird. Daß Tartt schreiben kann, steht ja vollkommen außer Frage. Es ist eben eher der Wulst dieses Romans, dieser scheinbar überbordende Inhalt, der heillos überfrachtet wirkt, dann aber eben zu Vieles einfach angeschnitten wieder beiseite läßt, der den Lesegenuß stört. Der Vergleich zu Dickens drängt sich geradezu auf, es steht zu befürchten, daß das so auch gewollt und gedacht war. Doch allzu schnell kommt die Überlegung auf, daß man doch, anstatt dieser immer unglaubwürdigeren und auch zusehends weniger packenden Handlung zu folgen, einfach zum Original greifen könnte. Warum soll man ein Werk lesen, das sich AN Dickens orientiert, wenn man in der gleichen Zeit einfach eines von dessen umfangreicheren Werken lesen könnte? Interessanterweise bietet sich gerade bei diesem Vergleich noch ein ganz anderer an: Dickens war in der Lage, selbst ein 1000-Seiten-Werk in relativ kurzer Zeit zu verfassen. Dadurch bleiben seine Erzählungen bei allen manchmal doch arg bemühten Zufällen und Koinzidenzen in sich kohärent. Das hat einmal damit zu tun, daß bei ihm das Szenische so ausgeprägt ist, zum andern aber auch und vor allem an seinen Figuren, die sich in ihrer karikierenden Skizzenhaftigkeit dem Leser einprägen, manche - Mr. Bubbles, Uriah Heep, Fagin oder the Artful Dodger, um nur einige zu nennen - für ein ganzes literarisches Leben. In dem vorliegenden Werk gibt es diese Figuren nicht. Zumindest nicht in dieser nachhaltigen Einprägsamkeit. Vielleicht liegt das daran, daß es schier unmöglich anmutet, eine in sich geschlossene Erzählung über zehn Jahre aufrecht zu erhalten, wenn man es auf einen realistischen Roman anlegt. Und damit haben wir es hier zu tun. Dies ist kein abstraktes Werk.

Donna Tartt hat zehn Jahre an diesem Text geschrieben und vielleicht hat dem genau das nicht gut getan. Zu inkohärent, zu uneinheitlich, zu unentschlossen, worauf das alles hinauslaufen soll, die Figuren zwar ausgeprägt, dann aber doch zu harmlos und oberflächlich, hat man es mit einem Konvolut von einem Roman zu tun, der zu viel auf einmal sein will und dabei irgendwann mitten auf halber Strecke sogar anfängt zu langweilen. So bleibt nur das Hoffen auf das nächste Werk, das wohl in zehn Jahren vorliegen könnte. Dieses hier bekommt 3 durchschnittliche Sterne, da es von atemberaubend bis atemberaubend öde die ganze Latte literarischer Erfahrung durchmisst, partiell durchaus zu fesseln weiß, dies aber leider nicht durchhält. Und auch schlicht zu anbiedernd wirkt, manches Mal. Eine durchschnittliche Bewertung für ein letztlich "nur" durchschnittliches Werk.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen harter Tubak...gerne gelesen, guter Kunstbezug, zuviele Drogen, 20. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Distelfink: Roman (Kindle Edition)
mal ein ganz anderes Buch, welches aus 3 Gründen gerade in mein Leben passte: 1. war ich krank und hatte viel Zeit zum Lesen, 2. passt es thematisch zu HAPE Kerkelings Buch (Der Junge muss an die frische Luft )
Hape 's Geschichte in Deutschland, Theos ins Amerika 3. waren wir von einigen Wochen in Amsterdam und Haarlem und haben in den Museen die Meister vor Augen gehabt.
Interessant und teilweise sehr spannend. Ist die amerikanische, heutige Welt so voller Drogen? Die sehr ausführlichen Beschreibungen der Alkohol-und Drogenexesse, sind nicht mein Ding, vielleicht bin ich dafür zu alt?
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Teilweise packend, teilweise schleppend, 1. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Distelfink: Roman (Gebundene Ausgabe)
Den Anfang des Buches fand ich sehr fesselnd.Die Autorin beschrieb die Gefühle des Protagonisten nach einer Explosion so nachvollziehbar, dass ich schon Herzklopfen und Beklemmungsgefühle bekam. Im weiteren Verlauf des Romans hatte ich manchmal das Gefühl, dass es sich etwas zieht. Am Ende der über 1000 Seiten war ich dann auch froh, es endlich geschafft zu haben.
Meiner Meinung nach hätte man das ganze auch in ein paar hundert Seiten weniger packen können. NIchts desto trotz schaffte die Autorin es zwischendurch immer wieder, mich mit ihren schonungslosen Beschreibungen zu berühren.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Zufall sei nur Gottes Methode, anonym zu bleiben?" S1005, 23. November 2014
Von 
Esther (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Distelfink: Roman (Kindle Edition)
Theodore Decker ist in dem Moment von der Landkarte heruntergefallen (S122) an dem ein Anschlag auf ein New Yorker Museum seine Mutter getötet hatte. Theo selbst hat den schicksalhaften Moment überlebt, war unbemerkt aus dem Museum entkommen mit „Dem Distelfink“ Carl Fabritius Meisterwerk aus 1654 in seinem Gepäck. Das Bild eines kleinen, sehr lebendigen, doch gefangenen, gelben Vogels. Es war Welty, der alte Mann, der zur gleichen Zeit mit seiner Enkelin Pippa im Museum war, der Theo geraten hatte, die kleine Kostbarkeit mitzunehmen.
Danach beginnt Theos Odyssee aus dem Verbleib in einer heimatlosen Welt.

Mit Theo Decker hat Donna Tartt die verlorene Seele eines verlassenen, traumatisierten Jungen gezeichnet, der allen Boden unter den Füßen verliert, dem alles Angebot nach Heimstatt und Geborgenheit nicht mehr zurückholen kann in eine leuchtend, helle Welt. Die Brücke zur Realität hält er durch seine spätere Arbeit mit Holz und Antiquitäten aufrecht, der Rest seiner selbst gehörte schon längst den Drogen, der Flucht in eine nicht existierende Welt, dem Betrug und schließlich der Gewalt. Ständig begleitet vom Distelfink, dem kleinen, gefangenen, gelben Vogel.

Der Vergleich mit Dickens blieb mir im Großen und Ganzen verborgen. Ja vielleicht hätte die gute Seele James Hobart alias Hobie, ein New Yorker Antiquar in Downtown, der in einem Sammelsurium aus Ramsch und alten Kostbarkeiten hauste, Platz in einem Dickens'schen Roman gefunden oder sein in der Wüste gefundener, verlorener Freund Boris, der die Versuchung verkörpert. Neben Dickens schlägt die Autorin immer wieder eine Brücke zu anderen Größen der Weltliteratur, sie lässt die Jungen Whitman und Thoreau besprechen, legt ihnen Dostojewski, Saint-Exupery und Proust auf den Nachttisch und hält sich konsequent an bildreiche Sprache und ausufernde Szenen – die zelebriert sie.

Ich Leser konnte mich anfangs mit einer berührenden, guten Geschichte über die Längen hinwegtrösten, schlussendlich war mir das ganze jedoch zu ausufernd, zu destruktiv, zu sehr durchsetzt von redundanten Alkohol- und Drogenexzessen. Der New York Rahmen hat mir gut gefallen, auch die geheimnisvolle Welt Hobies Imperiums. Als die Handlung jedoch von einer Verlobungsparty in eine kriminalistische Szene nach Amsterdam wechselt, die den verlorenen Helden zum Mörder macht, war für mich der Spaß vorbei. Zu konstruiert war für mich das Ende, das mich Leser aus der Geschichte reißt, wie einen zulange gebliebenen Gast die Aufforderung zu gehen. Die pseudo-philosophischen Erkenntnisse am Ende des Romans á la „Wir können uns unser eigenes Herz nicht aussuchen. Wir können uns nicht zwingen zu wollen, was gut für uns oder gut für andere ist. Wir können uns nicht aussuchen, wer wir sind.“ oder „Sei du selbst“, „Folge deinem Herzen“ S 1008 haben meinen mäßigen Unmut in einem ausufernden hmmpffffffffffffffffff ausklingen lassen.
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41 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer Dickens mag..., 2. August 2014
Von 
Villette - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Distelfink: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mir hat der "Der Distelfink" sehr gut gefallen, weil er mich an die Geschichten von Charles Dickens erinnert hat, nur eben in moderner Form. Letztlich wird die Geschichte von Theo erzählt vom Augenblick an, wo er seine Mutter bei einem Anschlag auf ein New Yorker Museum verliert, bis er Mitte 20 ist und die Jahre dazwischen damit verbracht hat, mehr oder weniger sich selbst zu zerstören. Dabei helfen ihm vor allem Drogen, aber auch sein Umfeld. Das hört sich bis hierhin nicht nach einer besonders anziehenden Geschichte an, aber "Der Distelfink" hat eine besondere Atmosphäre, die ich sehr genossen habe. Das ist vor allem das New York der Upper Class und der Antiquitätenladen von Hobie, bei dem Theo letztlich unterkommt. Dieser Laden ist auch wieder wie aus einem Dickens-Roman entsprungen. So wie das Mädchen Pippa, das Theo anbetet, seit er es kurz vor dem Anschlag im Museum gesehen hat. Überhaupt sind alle Figuren ziemlich gut geraten und von ihnen gibt es eine Menge auf diesen vielen Seiten. Ich verstehe, dass manche das Buch gern gekürzt hätten, und vielleicht hätten ihm 100 Seiten weniger tatsächlich gut getan, ich meine nur, dass es nicht darum geht, Handlung darzustellen und daher schnell vorwärtszueilen. Zwar nimmt das Buch am Ende etwas an Fahrt auf, aber letztlich war das nicht Ziel der Geschichte. Es geht einfach um Theos Leben und seinen Kampf mit der eigenen Schuld und den Zufällen des Lebens. Und so ein Leben braucht eben Zeit. Sprachlich mochte ich das Buch ebenfalls. Es ist sehr dicht geschrieben. Ein bisschen Krimi ist auch dabei, etwas Humor, viel Kunst. Ich empfehle das Buch daher gern.
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22 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kunst als Konstante, 3. Juli 2014
Von 
Hamlet - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Distelfink: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mehr als zehn Jahre sind seit der Veröffentlichung des letzten Romans („Der kleine Freund“) der amerikanischen Autorin Donna Tartt vergangen, bevor sie mit ihrem neuen Monumentalwerk „Der Distelfink“, immerhin 1022 Seiten in der deutschen Ausgabe, nachgelegt hat. Umgehend auf Spitzenplätzen in den Bestsellerlisten vertreten, wurde der Roman in diesem Jahr mit dem renommierten Pulitzer-Preis für Belletristik ausgezeichnet.

Wir lernen Theo Decker kennen, einem Amerikaner Mitte zwanzig, dessen Leben untrennbar mit einem Gemälde des niederländischen Malers Carel Fabritius, nämlich dem titelgebenden „Distelfink“ verbunden ist. Theo erzählt seine Erlebnisse in der Rückschau, beginnend mit einer Kunstaustellung, die er mit seiner Mutter in New York besucht, bei der diesem ihm ihr Lieblingsbild, den „Distelfink“ zeigt. Das Museum wird zum Ziel eines Bombenanschlags, bei dem zum einen seine Mutter ums Leben kommt, zum anderen ihm ein sterbender Mann den Auftrag erteilt, das Gemälde zu retten. In den kommenden Jahren sind es die verschiedensten Menschen, die ihm ein Heim bieten, aber die einzige Konstante in seinem Leben ist das Bild, das er als Erinnerung an seine verstorbene Mutter behält. Es folgt ein Intermezzo mit seinem leiblichen Vater in Las Vegas, diverse Frauengeschichten, Alkohol und Drogen und schließlich die Rückkehr nach New York, wo er eine Stelle bei einem Antiquitätenhändler annimmt. Sein Leben scheint endlich in ruhigeren Bahnen zu verlaufen, bis ihm eines Tages der „Distelfink“ gestohlen wird…

In erster Linie erzählt Donna Tartt die Entwicklungsgeschichte Theos, in der wir aber gleichwohl einiges über Kunst und deren Bedeutung für das Leben erfahren. Auf wunderbar verschlungenen Pfaden nähert sie sich ihren Figuren, baut verschiedene Handlungsstränge auf, verwirrt den Leser und löst doch am Ende elegant die Knäuel auf und webt die losen Fäden stimmig zusammen.

Auch wenn man meiner Meinung nach die Handlung problemlos hätte straffen können und sollen – die ausufernden Beschreibungen der Drogenexzesse des Protagonisten fand ich nur bedingt lesenswert – so bleibt doch zu sagen, dass dieser Roman sich sprachlich auf eine Niveau bewegt, welches kaum ein Autor erreicht. Und gerade deshalb habe ich jede einzelne Seite des „Distelfinks“ genossen.
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4.0 von 5 Sternen Unterhaltung und Anspruch mit Unwucht, 14. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Distelfink: Roman (Gebundene Ausgabe)
Muss man etwas verlieren, um zu gewinnen? Darf man etwas Falsches tun, um etwas Gutes zu erreichen? Können wir uns aussuchen, wer wir sind? Das sind die zentralen, durchaus komplexen Fragen, denen Donna Tartt in ihrem dritten Roman nachgeht.

Dazu wählt sie ein 9/11-artiges Szenario: Bei einer Bombenexplosion in einem großen New Yorker Museum verliert der 13-jährige Theo Decker seine Mutter – ein Trauma, das ihn sein Leben lang verfolgen wird. Der nächste Abschnitt spielt in Las Vegas, wohin Theo von seinem Vater geholt wird und wo er mit seinem russischen Freund Boris eine wilde Mischung aus Drogen, Alkohol und Eskapismus durchlebt. Theo flieht nach New York, wo er Antiquitätenhändler wird – ohne viel Skrupel. In seinem Gepäck stets dabei: Der Distelfink, ein Gemälde des holländischen Malers Carel Fabritius aus dem 17. Jahrhundert, das Theo in den Wirren nach der Explosion an sich genommen hat.

Über weite Strecken ist der Roman eine Coming of Age-Geschichte, die dann in einen Gesellschaftsroman mit Thrillerelementen übergeht. Die Mischung aus Unterhaltung und Anspruch liest sich angenehm, vor allem der Detailreichtum in den Beschreibungen bremst das Tempo und gibt Tiefe. Die vielfältigen Schilderungen der Beziehung zwischen Theo und dem Kunstwerk, die Psychologisierung seines Traumas, den Verlust der Mutter, haben mir gefallen; ohne diese Teile wäre der Roman oberflächlich.

Andererseits blasen die wortmächtigen Beschreibungen den Umfang auf. 1.000 Seiten sind echte Langstrecke, und wahrscheinlich hätte es die Hälfte auch getan. Gerade die Alkohol- und Drogenexzesse Theos und seines Kumpels Boris wiederholen sich irgendwann. Die philosophischen Fragen, die dem Buch letztlich Gehalt und Rahmen geben, kommen erst zum Schluss. Die Mischung aus Entwicklungsroman und Thriller, inkl. finalem Shootout in Amsterdam, schließlich ist schief; so ganz wollen beide Teile nicht zusammenpassen. Aber in den zehn Jahren, die Tartt am Distelfink gearbeitet hat, gehen wahrscheinlich irgendwann die Maßstäbe verloren, und eine erfolgreiche Autorin wie Tartt ist vermutlich von keinem Lektor zu stoppen.

Ein lesenswerter, aber kein vollkommen gelungener Roman, den ich grundsätzlich empfehlen möchte, weil er sich lohnt. Wegen der Überlänge und der merkwürdigen Mischung ist er kein Meisterwerk. Wer Donna Tartt noch nicht kennt, beginne besser noch mit ihrem Debut, der „Geheimen Geschichte“ – die liest sich wie aus einem Guss.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sprachgewaltige Lebensgeschichte, 15. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Distelfink: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein großes Leid und eines, das ich erst anfange zu verstehen: Wir können uns unser eigenes Herz nicht aussuchen, Wir können uns nicht zwingen zu wollen, was gut für uns oder gut für andere ist. Wir können uns nicht aussuchen, wer wir sind. (S. 1.008)

Theos Tag beginnt nicht besonders, er wurde von der Schule suspendiert und soll dort mit seiner Mutter vorstellig werden. Es regnet, die beiden sind wortkarg miteinander. Theo hat ein schlechtes Gewissen und dann auch wieder nicht, ein kleiner Fehltritt und schon macht die Schule ein Drama daraus. Aber seine Mutter zu enttäuschen tut ihm weh, ihr Schweigen, straft ihn.

Bereitwillig stimmt er deswegen zu, eine aktuelle Kunstausstellung niederländischer Künstler in der 5th Avenue zu besuchen.

Nicht lange nach ihrem Aufenthalt und als die beiden eigentlich schon wieder am Gehen sind, passiert das Schreckliche. Mehrere Bomben detonieren im Gebäude und richten eine Verwüstung sondergleichen an. Theodore bleibt wie durch ein Wunder so gut wie unverletzt. Auf der Suche nach seiner Mutter begegnet er einem Sterbenden, dessen Hand er hält. Das verwirrende Gespräch, dass er mit diesem Mann führt, leitet Theo dazu an, eines der bedeutendsten Gemälde der Ausstellung zu entwenden – den Distelfink von Carel Fabritius.

Im allgemeinen Chaos entschlüpft Theodore durch einen Hinterausgang und flüchtet sich in die elterliche Wohnung. Erst als seine Mutter nicht nach Hause kommt beginnt er zu fürchten, ihr sei etwas zugestoßen. Als einige Zeit später die Fürsorge vor der Tür steht ist es gewiss – sie ist im Museum zu Tode gekommen.
Für Theo beginnt ein Leben voller Unsicherheiten und die sich zunächst langsam drehende Abwärtsspirale droht bald ihn und alle seine Hoffnungen und Träume mit in den Abgrund zu reißen.

Wir begleiten Theo durch sein bewegtes Leben, dabei hilft die verwendete Ich-Form den LeserInnen ganz schnell Teil von Theo’s Welt zu werden.

Donna Tartt schreibt leichtfüssig einen Roman der genauso Gesellschaftskritik, wie Milieustudie aber auch Krimi oder metaphysische Weltanschauung sein kann. Dabei versteigt sie sich ab und an in wortreiche, detailgetreue Wiedergaben von Situationen, was aber nur in seltenen Fällen die Toleranz der LeserInnen übersteigen mag.

Für manche vielleicht nicht einfach zu verdauen ist Tartts Hang zur Metaphysik und der allzu smoothe Ausgang der Geschichte, der sich nicht recht mit der zuvor aufgebauten Dramaturgie verbinden will.

Insgesamt aber 1022 lesenswerte Seiten, die uns erschrecken und berühren werden und uns viele Gedanken in viele unterschiedliche Richtungen denken lassen werden.
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Der Distelfink: Roman
Der Distelfink: Roman von Donna Tartt (Gebundene Ausgabe - 10. März 2014)
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