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112 von 127 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was für eine Gesellschaft wollen wir ?
Kaum eine Talk-Show vergeht heutzutage ohne den Ruf nach einer neuen Moral. Precht geht im Buch der Frage nach was ist überhaupt Moral, und wie beeinflusst sie die Gesellschaft.

Im ersten Teil, überschrieben "Gut und Böse", geht es um die Frage, wann wir moralisch handeln und wann nicht. Die Abgrenzung ist schwieriger, als man zuerst glaubt. Denn...
Veröffentlicht am 8. Oktober 2010 von Falk Müller

versus
158 von 178 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Für gebildete und geduldige Leser ein interessanter Tour d'Horizont
Nach der Einleitung dachte ich, dass es mir zwar nicht zusteht, im Bildungsrucksack anderer Leser zu wühlen. Aber die Zweifel gingen nicht mehr aus meinem Kopf, ob Precht den Wissensstand seines Publikums nicht maßlos überschätzt. Jedenfalls sinkt die Freude auf die kommende Aufführung, wenn man bereits beim Programm mit Begriffen und Namen...
Veröffentlicht am 12. Dezember 2010 von Fuchs Werner Dr


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158 von 178 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Für gebildete und geduldige Leser ein interessanter Tour d'Horizont, 12. Dezember 2010
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst, kein Egoist zu sein: Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält (Gebundene Ausgabe)
Nach der Einleitung dachte ich, dass es mir zwar nicht zusteht, im Bildungsrucksack anderer Leser zu wühlen. Aber die Zweifel gingen nicht mehr aus meinem Kopf, ob Precht den Wissensstand seines Publikums nicht maßlos überschätzt. Jedenfalls sinkt die Freude auf die kommende Aufführung, wenn man bereits beim Programm mit Begriffen und Namen überhäuft wird, die schwierig einzuordnen sind. Und wenn es dann in der vorgezogenen Danksagung von Professoren und Doktoren nur so wimmelt, braucht es ein gutes Selbstbewusstsein, um keinen intellektuellen Minderwertigkeitskomplex zu bekommen. Aber nehmen wir mal an, im Saal würden tatsächlich nur humanistisch gebildete und im interdisziplinären Denken geschulte Menschen sitzen. Was wird ihnen dann geboten, wenn sich der Vorhang lüftet?

Zum Auftakt gibt es eine Talkshow von Platon. Das ist natürlich keine leichte Kost, selbst wenn salopp und mit zeitgemäßem Vokabular diskutiert wird. Salopp heißt bei Precht allerdings oft, zitierfähige und mediengerechte Sätze ins Publikum zu werfen, das sogleich verwundert zur Kenntnis nimmt, dass es in Platons Zeit um nichts weniger als das Ganze ging. Diese Verkürzung darf allerdings kein Grund sein, sich über Platons und seine Lehrer lustig zu machen. Schon gar nicht für jemanden, der sich gerne als neues Universalgenie und philosophischer Denker verkauft. Platon mit ein paar halbwegs witzigen Bemerkungen in die Pfanne zu hauen, ist billige Effekthascherei. Und damit bin ich auch gleich beim Punkt, weshalb mich die Bücher von Richard Precht nicht begeistern können. Obwohl bekennender Freund attraktiver Verpackungen, stört mich die Art und Weise, wie Precht seine und fremde Geschichten erzählt. Er jongliert mit Fragen, die sein Publikum im Innersten beschäftigen, wirft ihm aber unvollständige, meist unbewiesene und schwierig einzuordnende Antworten hin. Und er schiebt ihm subtil die Schuld zu, wenn es den Ausführungen des großen Zampanos nicht folgen kann.

Weil sich die wenigsten gerne eingestehen, sie hätten das Stück des Autors nicht verstanden, applaudiert man lieber und setzt man beim Verlassen des Saals eine weise Miene auf. Schließlich ist der Autor ja nicht irgendjemand, sondern ein gefeierter Philosoph, der mit den Geistesgrössen von heute auf Du und Du ist. Im dritten Kapitel wirft Precht die Frage in die Runde, ob der Mensch von Natur aus böse sei. Und nachdem er Philosophen aus allen Jahrhunderten zu Worte kommen ließ, schließt er mit dem Satz: "Die Antwort, so viel sei schon vorweggenommen, ist nicht einfach." Als Meister der Rhetorik bedient sich Precht also schon hier eines Mittels, das wir von amerikanischen TV-Serien her bestens kennen. Bevor der Werbeblock kommt, Spannung aufbauen, um das Publikum bei der Stange zu halten. Weiter geht's also zuerst mit Kapiteln über Kooperation, Sprache und die Natur der Psychologie. Und gespannt wartet man auf die Antwort, wie die Natur im Menschen ein Gefühl für Fairness hervorbrachte. Nach Gesprächen mit dem Primatenforscher De Waal und der Beschreibung des Ultimatumspiels, kommt Precht zum Schluss, dass unser Gefühl für Fairness und der Wunsch, nicht als unfairer Mensch dazustehen, zumindest in der westlichen Kultur tief internalisiert zu sein scheinen.

Besonders schwach, da angesichts des Buchumfangs geradezu unsäglich verkürzt, fand ich Prechts Ausführungen zur Streitfrage, ob Gefühle oder die Vernunft unsere Entscheidungen treffen. Und das ist ein weiterer Kritikpunkt an Prechts Büchern. Statt wenige, aber wichtige Themen und Argumente genauer zu beleuchten, mäandert er lieber durch die ganze Geistes-, Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte. Sein enzyklopädisches Konzept ist zwar beeindruckend, aber lässt letztlich mehr im Dunkeln, als es vorgibt.

Um den Leser meiner Lesererfahrungen mit Prechts neustem Buch nicht länger zu langweilen und weil bereits viel über den Inhalt geschrieben wurde, gehe ich auf die weiteren Ausflüge des Autors nicht näher ein. Ich kann nur sagen, dass er kaum jemanden auslässt, der seit hundert Jahren die Gemüter der Menschen bewegt und Geschichte schrieb. Von Adorno über Marx bis Zumwinkel ist alles und jeder dabei. Nur die Philosophen der Antike lässt Precht in der Ecke stehen.

Mein Fazit: Wer von den Büchern des deutschen Germanisten, Philosophen und Publizisten Richard David Precht nicht begeistert ist, muss mit den Vorwürfen rechnen, er habe die dicken Wälzer nicht aufmerksam gelesen, neide dem umtriebigen Medienstar seinen Ruhm und halte sein Publikum für ungebildeter, als es ist. Damit kann ich leben. Zumal Sprache ja, wie Precht richtig bemerkt, kein Instrument der Wahrheit ist und auch nicht zu diesem Zwecke erfunden wurde. Meine Bemerkungen und Bewertungssterne geben eine persönliche Leseerfahrung wieder. Nicht mehr und nicht weniger.
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112 von 127 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was für eine Gesellschaft wollen wir ?, 8. Oktober 2010
Von 
Falk Müller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst, kein Egoist zu sein: Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält (Gebundene Ausgabe)
Kaum eine Talk-Show vergeht heutzutage ohne den Ruf nach einer neuen Moral. Precht geht im Buch der Frage nach was ist überhaupt Moral, und wie beeinflusst sie die Gesellschaft.

Im ersten Teil, überschrieben "Gut und Böse", geht es um die Frage, wann wir moralisch handeln und wann nicht. Die Abgrenzung ist schwieriger, als man zuerst glaubt. Denn Egoismus ist nicht immer schlecht und Altruismus nicht zwangsläufig gut. Wie viel Gutes kommt in die Welt, motiviert nur durch die Eitelkeit der Wohltäter? Und wie viel Böses geschieht im Namen einer guten Absicht? Für moralisch gutes oder schlechtes Handeln gibt es also keinen einheitlichen Maßstab.

Im zweiten Teil "Wollen und Tun" geht es um die Frage, warum wir oft nicht so moralisch handeln, wie wir das eigentlich gern tun würden. Es gibt hier ein Kapitel "Warum wir nie zuständig sind". Jeder fragt sich oft: "Warum soll gerade ich etwas tun?" Fast alle halten es z.B. für geboten, einem Mitreisenden zu helfen, der in der Bahn angegriffen oder überfallen wird. Aber wie wir wissen, schreiten nur die Wenigsten ein. Und zwar deshalb, weil der entscheidende Denkschritt dann doch nicht vollzogen wird, nämlich: Der andere braucht nicht nur Hilfe, er braucht MEINE Hilfe.

Im dritten Teil "Moral und Gesellschaft" geht es um die Frage, was können wir aus all dem lernen, wie kann man die Gesellschaft ändern, um sie langfristig besser zu machen. Hier gibt es z.B. ein interessantes Kapitel: "Warum unser Wohlstand nicht mehr wächst" Precht beschreibt hier eine gefährliche Wachstumssprirale. Viele Industrieländer hängen am Wirtschaftswachstum wie Alkoholiker an der Flasche. Dabei kann Wachstum auch zerstörerisch wirken. Wie viele Autobahnen auf Kosten der Umwelt wollen wir uns z.B. noch leisten, wie viele Einkaufscenter auf Kosten von kleinen Läden, die dabei zugrunde gehen? Der Autor plädiert daher für eine Neudefinition von Wachstum. Nicht das rein materielle , sondern das inmaterielle Wachstum entscheidet über das Glück einer Gesellschaft. Ein gutes Wachstum ist in erster Linie nicht quantitativ, sondern durch die Zunahme von Lebensqualität begründet.

Fazit: Das Buch ist nicht immer einfach zu lesen. Precht zitiert so viele Philosophen und Wissenschaftler, dass es manchmal schwer fällt, den Überblick zu behalten. Gleichwohl enthält das Buch so viele interessante Denkanstösse, dass man es auch mehrmals lesen kann und vielleicht sogar sollte.
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149 von 185 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Woher stammen Ihre moralischen Maßstäbe? (Sie werden sich wundern.), 6. Oktober 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst, kein Egoist zu sein: Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält (Gebundene Ausgabe)
Ist der Mensch gut oder schlecht? Ist er in der Tiefe seines Herzens ein Egoist oder hilfsbereit? Warum läuft so vieles schief in der Welt, wenn wir fast alle immer das Gute wollen?

Richard David Precht, ein Shootingstar in den Medien schafft es in seinen Büchern, viele Menschen für komplizierte Themen zu interessieren, ohne flach zu werden. Das ist ihm auch mit dem neuesten Buch bestens gelungen. Diesmal mit dem Thema "Moral", also einem hochaktuellen Thema, denn der Verlust der Werte und der Ruf nach einer neuen Moral ist das Fazit vieler Reden in Unternehmen, Verbänden und der Politik.

Doch Precht zeigt sehr schön auf, dass der Ruf nach Moral gut ankommt, weil er nichts kostet, denn meistens meint ja nicht sich selbst sondern die anderen - aber dass es gar nicht so einfach zu klären ist, was Moral eigentlich ist.

Beginnend bei Platon lesen wir seine Maxime eines guten Lebens: "Leidvermeidung statt Lustgewinn." "Für Platon ist das Gute eine letztlich unerklärbare Essenz, die unser Leben von »von oben herab« durchwirkt; eine übergeordnete Größe, erhabener als die menschliche Existenz." (S. 37)
Gutmenschen tun nicht immer Gutes.

Denn der Ruf nach der Moral, dem guten Handeln ist leicht. Doch müssen wir dabei nicht nur alle unsere Handlungen, sondern auch unsere "Nicht-Handlungen" berücksichtigen - und geraten damit in schwere Dilemmata.

Ein Beispiel: Haben Sie bei der letzten Flutkatastrophe in Haiti gespendet? Aber warum nicht auch für die hungernde Kinder in Ruanda? Weil Haiti öfters im Fernsehen kam? Das Gute ist eben keine Tatsache, sondern eine Interpretation eines Sachverhalts. Oder anders gesagt: "Das Gute ist eine relative Sache mit einem absoluten Anspruch."

Doch woher kommt unsere Moral? Über Exkurse zu Wittgenstein und Chomsky wird deutlich, dass Moral und unsere Sprache untrennbar verknüpft sind. "Moral ist die Folge einer Gruppenkommunikation auf einem geteilten Hintergrund. ... Als sozial intelligente Lebewesen können Menschen Absichten anderer erkennen und sich an ihnen orientieren." (S. 85)

Haben Affen ein Gefühl für Fairness? An der Biologie orientierte Moralphilosophen propagierten lange, dass "in der Natur" der Egoismus der Gene herrsche. Das Prinzip "Eigennutz" sei evolutionär angelegt. Das mag für Schnecken oder Haie gelten. Doch der Autor zeigt: Lebewesen, die Absichten haben und bei anderen erkennen können, verhalten sich ganz anders als Lebewesen, die das nicht können.Gibt man zwei Kapuzineräffchen in getrennten Käfigen, die sich sehen können, Spielmarken und belohnt sie, wenn sie diese zurückgeben mit einem Gurkenstück oder einer Weintraube, passiert etwas Erstaunliches.

Behandelt man beide gleich (jeder bekommt Gurke oder Traube), ist die Kapuzinerwelt in Ordnung. Doch was passiert, wenn man dem einen fortan immer Trauben gibt und dem anderen nur Gurke? Es ist wie bei Menschen. Der "Gurken-Affe" ist ganz schnell demotiviert und verweigert bald die Teilnahme. Am schlimmsten war es, als der andere Trauben bekam ohne Spielmarken herauszugeben. Der Zu-Kurz-Gekommene fing an zu schreien, warf seine Marken aus dem Käfig und ging in den Streik.

Offensichtlich verglichen die Tiere (!) ihre eigene Belohnung mit der Belohnung des anderen. Die Fähigkeit zur Fairness ist also keine kulturelle Zutat oder eine Erfindung der Engländer. Fairness wurzelt tief im Tierreich. Moral ist also keine freundliche Tünche auf unserer ansonsten egoistischen, bösen Natur, sondern eine tief verwurzelte moralische Empfindung.
"Intelligente Tiere und wir Menschen haben also das Bedürfnis, nicht unfair behandelt zu werden. ... Diese Erwartungshaltung ist die Grundlage des menschlichen Anspruchs auf Gerechtigkeit." (S. 110)

Kommt Moral aus der Vernunft oder aus dem Gefühl? Angeboren oder erlernt?
Mit diese Frage befasste sich 1739 schon David Hume und auch Neuropsychologen unserer Zeit untersuchen das. Schon Babys zwischen sechs und zehn Monaten (!) fühlten sich in einem Experiment zum "Guten" hingezogen. Versuchspersonen, denen man Oxytocin in die Nase sprüht, verhalten sich sofort kooperativer. Offenbar ist die Fähigkeit des Menschen zur Moral angeboren. ... Intensive Bindungen und der Einfluss der Erziehung bedingen die unterschiedlichen Ausprägungen von Charakteren. Niemand kommt also "böse" auf die Welt.

Dabei ist die stärkste Antriebskraft nicht der Egoismus der Gene, sondern unsere Gier nach Belohnungen durch unsere soziale Umwelt. Unser Gehirn ist ein social brain. "Nichts aktiviert die Motivationssysteme im Gehirn so sehr wie der Wunsch, von anderen gesehen zu werden, die Aussicht auf soziale Anerkennung, das Erleben positiver Zuwendung und - erst recht - die Erfahrung von Liebe"schreibt der Hirnforscher Joachim Bauer - und erklärt damit eigentlich auch gleich den Erfolg von Facebook.

Das sollte sich jede Führungskraft auf den Schreibtisch stellen. Wir Menschen sind nicht nur auf unseren Vorteil aus. Wir spenden Geld, helfen im Verein, pflegen Angehörige. Nicht aus Eigennutz oder der vagen Erwartung auf eine Belohnung in der Zukunft. Nein, unser Lohn für altruistisches Verhalten ist das gute Gefühl, gut zu sein.

Wann gehen Sie bei Rot über die Ampel? Studien von Jens Krause zeigen: Wenn es der Mensch neben uns tut! Vor allem wenn er gleich groß ist wie wir. Bei weiter entfernt stehenden Passanten müssen es mindestens zwei sein, damit wir "mitgerissen" werden. Auf dem Weg zum Gepäckband auf einem fremden Flughafen orientieren wir uns meist nicht an den Hinweisschildern, sondern trotten dem Pulk der anderen Reisenden nach. Intuitiv orientieren wir uns an den anderen. Die werden schon wissen, wo's hingeht.

Auch unsere moralischen Entscheidungen zeigen Reflexe des Schwarmverhaltens. Egal ob die wachsenden Widerstandsgruppen bei Stuttgart 21 oder die Anwerbung von Terroristen in Ausbildungslagern. In vielem orientieren wir uns an Vorgaben und am Verhalten anderer. Unsere Moral ist jedoch immer eine Doppelmoral.

Das für mich erschreckendste Beispiel in dem Buch zeigt, dass unser Moral nicht von edlen Werten und der Vernunft abhängt, sondern vor allem von Gefühlen. Und hier besonders vom Gefühl, wer "zu uns" gehört - und wer nicht. Hier das Beispiel:

"Stellen Sie sich vor, Sie stünden an einem Eisenbahngleis. Ein führerlos gewordener Wagen rollt heran. Wenn nichts passiert, fährt der Waggon geradeaus und tötet fünf Gleisarbeiter. Doch Sie stehen an einer Weiche. Wenn Sie jetzt die Weiche umstellen, leiten Sie damit den Waggon um auf ein Nebengleis und überfährt dort nur einen Gleisarbeiter." Was würden Sie tun?

Diese Frage stelle der US-Psychologe Marc Hauser 300.000 Menschen weltweit. Drei Viertel der Befragten antworten, dass sie die Weiche umstellen würden. Fünf Menschenleben zählen mehr als eins.

Jetzt verändern wir das Gedankenexperiment. Auf dem Nebengleis steht kein unbekannter Gleisarbeiter, sondern spielt Ihr Kind. Wer würde jetzt die Weiche umstellen? Das Ergebnis ist weltweit gleich - niemand.Wäre Moral vor allem vernunftbetont, ginge es in beiden Fällen um die Rechnung "fünf gegen eins". Unsere Moral ist aber teilbar. Wir trennen stark, wer dazugehört und wer nicht.

Auch das Milgram-Experiment, das in Realität ja auch in Vietnam oder Abu Ghraib "durchgeführt" wurde, zeigt, dass ganz normale Menschen in einer Drucksituation bereit sind, Dinge zu tun, die sie eigentlich für verwerflich halten.Dabei spielen "shifting baselines" eine wichtige Rolle. Wenn sich die Anhaltspunkte, anhand derer wir etwas einschätzen, unmerklich verändern, nehmen wir das schlechter wahr. Preiserhöhungen durch verringerten Packungsinhalt sind so ein Beispiel. Welche Bezahlung wir für eine Tätigkeit für angemessen halten wird durch shifting baselines mitbestimmt.

Selbst schwerwiegende Verfehlungen können uns so als Anpassungen erscheinen, wenn die Verschiebung langsam geschieht. Auch die Nazis begannen nicht mit der "Endlösung", sondern mit den Rassegesetzen von 1935. Dann brannten Synagogen. Wie beim Milgram-Experiment die steigende Voltzahl verschob in Deutschland fast ein ganzes Volk Stück für Stück seine Grenze für Recht und Unrecht.

In den weiteren Kapiteln des Buchs geht es u.a. um so spannende Themen wie:

* Woran unsere Gesellschaft krankt
* Warum wir unseren Wohlstand falsch messen
* Wie sich Bürgersinn fördern lässt
* Wie die Demokratie reformiert werden könnte

Das Buch ist nicht ganz leicht zu lesen. Einmal hat es 541 Seiten und zum anderen merkt man, dass Richard David Precht eben ein studierter Philosoph ist, der jedoch die Gabe hat, den Leser in den Stoff hineinzuziehen. Aber es lohnt sich. Vor allem, um über die eigenen moralischen Urteile etwas mehr nachzudenken. Und sie nicht als "gesunden Menschenverstand" einfach zu verbreiten.

Aber das Buch hilft enorm, über die eigenen Massstäbe zu reflektieren. Zu verstehen, welchen Einflüssen unser moralisches Urteil oft unterliegt. Dass es "das Böse" so einfach nicht gibt, sondern dies eine Interpretationssache ist. Und dass es uns alle zum "Guten" hinzieht. Nicht weil es an sich gut ist. Sondern weil "Gutsein" sich gut anfühlt.
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23 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein schöner Blick in die Geschichte - wenig Eigenes, 10. Mai 2011
Von 
Gunther Tutein (Nürnberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst, kein Egoist zu sein: Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält (Gebundene Ausgabe)
Kurz: ich fand das Buch sehr langatmig und irgendwann langweilig, weil es mir zur rückwärtsgewandt ist

Ich startete hoch erfreut über ein gefeiertes Buch zur Moral. Sehr schön. Ich halte wirklich für wichtig, dass sich die breite Masse mit dem Thema auseinandersetzt. Denn in meinen Augen kann es nicht angehen, dass, sobald das Thema Moral zu sprechen kommt, alle ihren Mund halten und in die Richtung des religiösen Würdenträgers des jeweiligen Landes schauen.

Insofern freue ich mich auch über jeden, der dieses Buch liest. Aber ich will die Erwartungen etwas dämpfen. Precht dreht sich rum und herum um die Geschichte. Die Rückblicke sind gut, ich will ihm das nicht absprechen. Aber wenn man Platon und Keynes und Hobbes usw aus dem Buch entfernt bleibt nicht mehr so viel. Ich hatte gehofft etwas mehr eigene Meinung des Autors zur "neuen Moral" zu hören, die auf dem Umschlag des Buches beworben wird. Davon fand ich nicht viel.

Man sieht das auch schon an den Kapitelnamen. Sie sind nahezu alle beschreibend oder anklagend, also: warum wir nie zuständig sind, warum wir nie verantwortlich sind, warum Kriege nicht sein müssen, woran unsere Demokratie leidet.... - wo soll da die "neue Moral" vorkommen?

Gegen Ende wagt er dann zwei Kapitel, die mich hoffnungsvoll machten: Wie sich Bürgersinn fördern lässt & wie die Demokratie reformiert werden könnte. Leider kommt kein Vorschlag, wie sich Bürgersinn fördern lässt, sondern eine Beschreibung des Status quo und der Vergangenheit (wieder...). Lediglich in dem Demokratie Kapitel wagt er dann einige durchaus kontroverse Thesen, was mich freute.

Insgesamt, wenn ein Buch zur Moral keine Ecken und Kanten hat mit denen es anstößt, wird es die Diskussion wenig weiter Bringen. Sein Buch ist für mich so eine nette friedliche Schrift zur Moral.

Wer sich einfach mal mit dem Thema Moral beschäftigen will erhält allerdings einen sehr gut lesbaren Schmöker mit einem breiten Spektrum an Geschichten.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Treffende Analyse und potentielle Schullektüre, 3. Juli 2011
Precht ist einer der verschwindend wenigen Protagonisten im medialen Zirkus, bei denen das Zuhören wirklich lohnt. Er denkt in großen Zusammenhängen, enthält sich auf angenehme Art jeglicher nutzlosen Polemik und besitzt das Riesentalent, seine Gedanken in glasklare - und nicht vernebelnde - Worte und Sätze fassen zu können.

All diese Eigenschaften zeichnen auch das Buch "Die Kunst kein Egoist zu sein" aus. Es ist ein großer Bogen respektive Rundumschlag, den der Autor vornimmt, und der Natur der Sache gemäß kann er einige Teilbereiche, die in seine Gesellschaftsanalyse fallen, nur streifen (wie er selbst auch zugibt). Aber das große Bild ist jederzeit vorhanden und darauf kommt es an. Das Buch ist noch nicht alt (es datiert auf 2010), und doch müsste man im Lichte dessen, was allein die erste Hälfte des Jahres 2011 an Nachrichten gezeitigt hat, hinter seine Erkenntnisse zeilenweise Ausrufezeichen setzen - so zielsicher trifft Precht mit all dem, was er beschreibt. Die Analyse liegt auf dem Tablett. Es hängt de facto an jedem einzelnen, was daraus entstehen kann oder eben nicht, denn wie der Autor richtig sagt: Dass irgendetwas mit unserem System nicht (mehr) stimmt, spüren längst viele.

Meines Erachtens nach eine vorzügliche Lektüre für den Schulunterricht, die Heranwachsenden dabei helfen könnte, den Blick hinaus über den Tellerrand vermeintlicher Sachzwänge zu weiten - und tatsächlich mal das Ganze zu betrachten.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine äußerst anregende Lektüre, 19. Oktober 2010
Von 
Lulu "Penny" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst, kein Egoist zu sein: Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält (Gebundene Ausgabe)
Ging es Josef Kirschner vor Jahren mit seinem Buch Die Kunst, ein Egoist zu sein noch vor allem um Selbstverwirklichung und die Bejahung eigener Wünsche und Bedürfnisse, so hat sich Richard David Precht mit seinem neuesten Werk nun quasi zu einem Gegenentwurf aufgemacht, denn zu unübersehbar sind mittlerweile die Folgen von Individualisierung, überbordendem Egoismus und fehlenden Werten, an denen sich die Menschen in diesen modernen und dennoch stürmischen Zeiten orientieren könnten.

Ich habe das Buch mit großem Vergnügen und Gewinn gelesen. In gewohnter Weise wählt Precht den interdisziplinären Ansatz, und das bekommt diesem Thema - wie ich finde - besonders gut. Auch ist es wirklich exzellent geschrieben. Selten habe ich mich einmal mit so viel Lesefreude durch ein Sachbuch dieser Art hindurchgewühlt.

"Die Kunst, kein Egoist zu sein" ist nicht nur ein philosophisches, sondern im Grunde ein politisches Buch, denn es fragt ja nicht nur, warum etwas so ist, wie es ist, sondern auch, was aktuell schief läuft und was wir dagegen tun könnten.

Zum Inhalt haben sich andere schon ausreichend geäußert, sodass ich mich auf die Punkte beschränken kann, zu denen ich eine geringfügig andere Auffassung als der Autor habe. Beispielsweise denke ich, dass sich manches vor dem Hintergrund der Systemtheorie noch hätte etwas prägnanter darstellen lassen.

Gemäß der Systemischen Evolutionstheorie geht es Lebewesen primär um den Erhalt ihrer Lebensraumkompetenzen. Dabei lassen sich zwei Phasen unterscheiden: 1. Selbsthalt = Erhalt der Kompetenzen während des aktuellen Lebens; 2. Fortpflanzung = Erhalt der Kompetenzen über das eigene Leben hinaus. Lebewesen geht es also nicht unbedingt um die Verdrängung aller anderen, sondern primär um die Sicherung des vorhandenen Status. Dabei arbeiten sie ständig gegen Statusverluste an. Entsprechend heißt es bei Precht etwa (349): "Menschen haben große Probleme damit, etwas zu verlieren." Verlust hat aus Sicht des Lebens immer etwas Bedrohliches an sich. Das Interessante ist nun, dass allein dieser globale Statuserhalt (diese globale Verlustvermeidung) bereits für Evolution sorgen kann, da die Individuen auf jede Veränderung reagieren müssen. Das Bemühen, nicht schlechter zu werden, führt somit indirekt zur ständigen Verbesserung und damit auch zu Wachstum (vgl. die Ausführungen von Precht zur roten Königin ab S. 341). Beispielsweise werden Unternehmen allein schon deshalb in die Verbesserung ihrer Produkte investieren, weil es die Konkurrenz tut. Würde man dagegen nichts tun, würden die eigenen Produkte schon bald veraltet sein (Red Queen) und man würde Marktanteile verlieren. Dies bringt auf ganz natürliche Weise die Evolution der Technik hervor, ein Prozess, in dem man kaum steuernd eingreifen kann.

Auf der anderen Seite kann das Bemühen um Kompetenzerhalt auch regelrecht unsoziale bis unmoralische Verhaltensweisen zur Folge haben. Beispielsweise erkrankte das Kind des Hollywood-Regisseurs Jim Abrahams im Säuglingsalter schwer an Epilepsie. Obwohl das Kind auf die medikamentösen Therapien nicht ansprach, rieten die behandelnden Neurologen von einer bewährten Ernährungstherapie ab, auf die die Eltern per Eigenrecherche stießen. Seine Wut darüber drückte Jim Abrahams später in dem Fernsehfilm First Do No Harm [UK Import] mit Meryl Streep in der Hauptrolle aus. Mersch interpretierte das auf den ersten Blick äußerst befremdliche Verhalten der hinzugezogenen Mediziner als das Bemühen der Ärzte, die Krankheit in der eigenen Fachdisziplin zu halten und hierdurch die eigenen Kompetenzen zu bewahren. Deshalb sei es für die Fachdisziplinen auch so wichtig, dass ihnen eine Krankheit "gehört". In diesem Fall war der Kompetenzerhalt also gewissermaßen die Triebfeder der Unmoral.

Precht schien mir das Thema manchmal ein wenig zu sehr vom Menschen aus und zu psychologisch zu betrachten. Beispielsweise heißt es auf S. 360: "Obwohl sich nahezu alle einig sind, dass materieller Wohlstand und Wohlbefinden nicht identisch sind, hängt unsere Gesellschaft psychologisch fest an der Idee, den materiellen Wohlstand weiter zu mehren." Ist es wirklich die Gesellschaft, die hier agiert, oder sind es nicht doch eher die miteinander im Wettbewerb stehenden Unternehmen, die für ein ständiges Wachstum sorgen? Wir Menschen könnten sicherlich vielfach auf eine Mehrung des materiellen Wohlstands verzichten, aber kann dies auch die Unternehmenswelt, bei der fast alle Bürger ihr Auskommen verdienen?

Auf den Folgeseiten setzt sich Precht kritisch mit dem Konzept des homo oeconomicus auseinander, das er für verfehlt und überholt hält. Allerdings interpretiert er es meiner Meinung nach zu strikt. Es würde ja reichen, wenn sich Menschen statistisch signifikant gemäß ökonomischen Gesichtspunkten entscheiden, z. B. bei Fertilitätsentscheidungen, wo das meiner Meinung nach längst außer Frage steht. Stellt man sich den homo oeconomicus dagegen als ein ständig rational kalkulierendes Wesen vor, dann dürfte es leicht zu Fehlschlüssen kommen. So heißt es etwa auf S. 380: "Denn wer seine Vorteile tatsächlich rational kalkuliert, der ist zum Beispiel nicht allzu abhängig vom Status. Das Geld für den Mercedes investiert er lieber für ein gewinnbringendes Objekt." Dann dürften aber Unternehmen, denen man gewiss ein ökonomisch-rationales Kalkül unterstellen darf, überhaupt nicht Status-affin sein. Das ist aber alles andere als zutreffend.

Absolut korrekt scheint mir Prechts Analyse der explodierenden Managergehälter zu sein (382f.): "Amüsant an diesem bösen Spiel ist, dass der Streit um Managergehälter oft als eine 'Neiddebatte' bezeichnet wird. Die, die dagegen protestieren, seien ja nur neidisch. Tatsächlich aber ist es eine 'Neiddebatte' in ganz anderer Hinsicht, nämlich in Bezug auf den Neid der Manager untereinander." Sehr wahr. Und ein hübsches Beispiel dafür, wie durch mehr Transparenz manchmal auch unerwünschte Wirkungen entstehen können. Denn gerade durch die Transparenz dürften sich die Gehälter - gemäß Red Queen - in immer atemberaubendere Höhe schwingen.

Zum Schluss des Buches erfolgt noch eine verhaltene Marktwirtschaftskritik (390): "Auf die Dauer gerechnet wird Marktwirtschaft deshalb zu einer Belastung und Gefahr. Je zweckrationaler die Menschen ihren Nutzen kalkulieren, umso ungesünder wird das gesellschaftliche Klima." Auch hier bin ich der Auffassung: Es sind nicht so sehr die Menschen, die die Probleme verursachen, sondern in erster Linie die im Wettbewerb stehenden Unternehmen, die als eigenständige Systeme primär den Gesetzen ihrer Lebensräume, den Märkten, folgen. Sie handeln nicht unbedingt human, da sie nicht human sind. Und ihr Agieren hat auch nicht unbedingt etwas damit zu tun, wie human oder inhuman ihre Manager sind. Das Problem könnte insoweit viel größer sein, als uns Precht glauben machen möchte. Im übertragenen Sinne: Wenn sich Menschen (Vielzeller) gegenseitig bekriegen, dann mögen deren Zellen dies zwar als äußerst unangenehm empfinden, sie sind jedoch keineswegs die Verursacher des Geschehens.

Von diesen wenigen Anmerkungen einmal abgesehen: Ein rundum gelungenes Buch, dass ich vorbehaltlos empfehlen kann.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Am Ende ein hoch politisches Buch, 8. März 2012
Von 
Apefred "Fred Ape" (Dortmund Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst, kein Egoist zu sein: Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält (Gebundene Ausgabe)
Ich habe schon an anderer Stelle geschrieben, warum mir sein Wer sind wir, und wenn ja wie viele" so gut gefallen hat. Es ist diese Leichtigkeit wie Precht schreibt, eine Transparenz der Inhalte, die auch Menschen, die einfach nur am Lauf der Dinge interessiert sind, vielleicht auch ohne Abitur - die aber in der Lage sind, zu reflektieren, äußerst zufrieden macht. Warum ist der Mensch so wie er ist? Das ist die spannende Frage in der Kunst, kein Egoist zu sein. Vielleicht sind einige Kapitel anstrengender als andere, oder wecken das Gefühl, woanders noch mal nachlesen zu müssen, wichtig ist aber, dass Precht ein Aufbau gelingt, der in einer Aufforderung zur Aktion mündet. Insofern ist das Buch ein hoch politisches. Wahrheiten wie Z.B., Politiker, sind sie einmal gewählt, interessieren sich nur noch für ihre Wiederwahl oder warum Banker so sind, wie sie sind, mögen populistisch daher kommen - sie sind aber sogar - objektiv wahrnehmbar - wahr. Im Buch geht es um Moral und Haltung, was das ist, wo das herkommt und wo es hinführt. Und zum Ende hin entlässt uns Precht nicht ohne uns eine Aufgabe zu geben. Nämlich die, endlich mal wieder die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, vor der eigenen Tür zu kehren und dabei den Nachbarn ansprechen. Und dieser wieder den nächsten und so werden Netzwerke mit den unterschiedlichsten Zielsetzungen entwickelt. Einfach machen ist die Devise, sich nicht auf irgendwen verlassen, vor allem nicht auf die Politik. Und er hat Beispiele wo dieser Gemeinsinn" geklappt hat. Das geht nur, wenn wir quasi den Fernseher abschalten, den Talkshows, Soaps und der Verblödungsindustrie aus Werbung, Medien und Politik, standhaft aus dem Weg gehen. Das ist die Kunst, kein Egoist zu sein. Soziale Kompetenz nicht als Worthülse vor sich her tragen sondern leben. Ein ganz wichtiges Buch, unbedingt lesen!
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen im letzten drittel alles vergeigt, 19. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst, kein Egoist zu sein: Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält (Gebundene Ausgabe)
die ersten zwei teile des buches haben mich amüsiert und sehr unterhalten. in typischer precht-manier eine schmissige und doch informative zusammenfassung der im moment aktuellen froschungsergebnisse zum thema. leicht und unterhaltsam zu lesen. toll für den urlaub.

leider hat der dritte teil des buches diese lust am lesen sehr zerstört. die ökonimie ist offensichtlich nicht das thema des autors, obwohl er sich auch hier als experte ausgibt. der dritte teil ist leider eine ziemlich undifferenzierte zusammenfassung von plattitüden, gefühlten wahrheiten und halbwahrheiten zur finanz- und wirtschaftskrise, die lösungsansätze wenig hinterfragt und zu ende gedacht.

schade um das buch.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wegweiser zu einer besseren Welt, 23. Juli 2012
Precht: Die Kunst, kein Egoist zu sein
Wegweiser zur vernünftigeren Welt
Das ist schon ein außergewöhnlich kluges, aber auch mit 489 Seiten (TB) sehr umfangreiches Buch. Eigentlich sind es drei Bücher in einem. Im ersten Teil geht Precht der Frage nach dem 'Guten und Bösen' nach und bietet dem Leser eine Hilfe an zur Selbsterkenntnis. Der zweite Teil führt dann zum Nachdenken über menschliches 'Wollen und Tun' und über die Diskrepanz, die häufig zwischen beiden besteht. Ganz konkret werden die so gewonnenen Erkenntnisse dann im dritten Teil umgesetzt, in dem der Frage nach der 'Moral und Gesellschaft' nachgespürt wird und sehr viele Missstände aufgedeckt werden. Prechts Stil ist faszinierend einfach. In jedem Kapitel beginnt er recht unterhaltsam mit konkreten Situationen aus seinem Leben oder allgemein bekannten Ereignissen, die als Ausgangspunkt zur Erörterung von moralischen, gesellschaftlichen, politischen und anderen Phänomenen genommen werden.
Der Leser wundert sich über das breite Wissen des Autors und liefe Gefahr, über all diesem Wissen den Überblick zu verlieren. Dieser Gefahr begegnet Precht äußerst geschickt mit einer in anderem Druck zusammengefassten Aussage des gerade Erörterten. Und daran schließt sich jeweils gleichsam als Frage die Überschrift des nächsten Kapitels an. Zu leicht meinen wir, absolut eigenständig in unserem Denken und Handeln zu sein. Das ist natürlich eine Illusion. Aber es hilft dem Menschen, mehr Eigenständigkeit zu gewinnen, wenn ihm klar wird, wie stark wir alle stärker von Gefühlen als vom Verstand geleitet werden, wie sehr wir Gruppenzwängen unterliegen. Von Medien verführt laufen wir ständig Gefahr, viel zu viel Unwichtiges aufzunehmen und dabei Wesentliches zu übersehen.
Die meisten Menschen sind sich wohl bewusst, dass in unserer Gesellschaft viele Dinge schief laufen. Wir brauchen nur daran zu denken, welche zu große Bedeutung wir dem Geld beimessen, wie unsinnig es ist, zu glauben, das Wohl der Gesellschaft hänge von der permanenten Steigerung des BIP (Bruttoinlandsprodukt) ab und dabei übersehen, wie stark wir dadurch die natürlichen Ressourcen verschwenden und irrtümlich meinen, das Glück hänge allein vom materiellen Wohlstand ab.
Die Unzufriedenheit mit den Politikern und der Zweifel, ob unser politisches System wirklich noch als Demokratie bezeichnet werden kann, sind durchaus berechtigt. Hier macht Precht einleuchtende Vorschläge, was geschehen müsste. Wir leben heute viel zu stark fast ausschließlich nur im 'Jetzt' und sind daher wenig bereit, Fehler der Vergangenheit wahrzunehmen und zu vermeiden. Und als dem Jetzt verhaftete Menschen gefährden wir leichtfertig die Zukunft.
All seine Überlegen basieren bei Precht auf Forschungs-Ergebnissen der Hirnforschung, der Medizin überhaupt, der Sozialwissenschaften usw. Bei dieser Wissenschaftsgläubigkeit ist es kein Wunder, dass der Mensch für Precht nichts anderes als ein Tier ist, ein Menschentier, wie er immer wieder betont. In dieser Denkrichtung gibt es keinen Raum für die Transzendenz, für einen Menschen, der als Geschöpf Gottes eben etwas anderes ist als ein besonders gut entwickeltes Säugetier. Und es ist gut, wenn man nach dem Lesen sich nicht durch biologische und andere Fakten determiniert fühlt und resigniert, sondern erkennt, dass Wissen um eine Gefahr hilft, den Missständen zu begegnen oder sie zu beseitigen. Wenn Menschen diese Einsicht aus dem Buch gewinnen, könnte eine vernünftigere Gestaltung der Gegenwart und Zukunft gelingen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von vielen Intellektuellen belächelt, ist Precht mehr als sie selbst in der Lage, eine große Zahl von Menschen zu erreichen, 2. Juli 2012
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Richard David Precht, ist ein Philosoph, dessen Werke man verstehen kann, ohne studiert zu haben. Allerdings: man muss sich auf seine Texte, die immer wieder den Leser mitnehmen auf eine spannende und lehrreiche Reise durch die Philosophie- und Kulturgeschichte, einlassen. Man kann sie nicht herunterlesen wie einen Roman oder wie einen der Tausenden von Ratgebern, die einem das Glück und den Lebenssinn versprechen, wenn man ihren Vorschlägen folgt.

Precht regt an zum Selberdenken, zum Reflektieren des eigenen Lebens, Verhaltens und Denkens. In seinem neuen Buch geht es darum, warum wir Menschen uns oft so schwer damit tun, gut zu sein.
"Warum wir gerne gut sein wollen, und was uns davon abhält" - dieser Frage geht eine umfangreiche Studie menschlichen Verhaltens nach, immer in der Absicht, durch die Verhaltensänderung der Vielen die Gesellschaft Stück für Stück umbauen zu können, dem Guten mehr Raum zu geben und neue Wege zu einem besseren Umgang miteinander zu finden.

In drei großen Kapiteln macht er das deutlich:

* Gut und Böse
* Wollen und Tun
* Moral und Gesellschaft

Von vielen Intellektuellen ein wenig belächelt, ist Precht aber weitaus mehr als sie selbst in der Lage, eine große Zahl von Menschen zu erreichen, ihnen auf verständliche Weise viel klassische Bildung zu vermitteln, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu erklären und immer wieder den Zusammenhang herzustellen mit dem Alltagsleben des einzelnen Lesers.
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Die Kunst, kein Egoist zu sein: Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält
Die Kunst, kein Egoist zu sein: Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält von Richard David Precht (Gebundene Ausgabe - 16. Oktober 2010)
EUR 19,99
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