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1.081 von 1.164 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spielerisch...
...dieses in der Buchbeschreibung auf dem Umschlag mehrfach auftauchende Wort beschreibt Richard David Prechts "Wer bin ich? und wenn ja, wie viele? Eine philosophische Reise" in meinen Augen soweit treffend.
Ich habe mir das Buch, weil es eingeschweißt war, einfach mal auf gut Glück gekauft und bekam einiges zu lesen.

Precht möchte mit...
Veröffentlicht am 24. November 2007 von Alexander Ewald

versus
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Was ist Philosophie... und wenn ja, wieviele saufen wieviel?
Fast Food - warum nicht? Liest sich nebenbei so weg, so man nichts Wichtigeres zu tun hat: flüssig geschrieben... "überflüssig" würde ich nicht sagen, denn wir hören ja begeisterte Stimmen von Lesern, die erstmalig an Philosophie herangeführt werden und ganz vorsichtig beigebracht kriegen, daß sie nicht gebissen oder gescholten werden,...
Veröffentlicht am 21. November 2012 von Alexa Rostoska


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94 von 116 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Viel Geschwafel, 22. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Wer bin ich - und wenn ja wie viele? Eine philosophische Reise (Broschiert)
Diese Buch habe ich geliehen bekommen, also zum Glück kein Geld dafür ausgegeben.
Nach dem Lesen des Inhaltsverzeichnisses und des Vorwortes war ich zunächst restlos begeistert. Die in den Kapitelüberschriften aufgeworfenen Fragen waren super-spannend, und die Vorgeschichte des Autors verhiessen Leidenschaft für die Philosophie und eine unkonventionelle Herangehensweise.
Leider hielt der Rest des Buches nicht im geringsten, was der Anfang versprach. Zu jeder Fragestellung wird erst mal langatmig eine Kurzbiografie eines (oder mehrerer) Philosophen dargeboten - ein Verfahren, mit dem auch andere Autoren ihre Leserschaft zu Tode gelangweilt haben. Dann versucht der Autor auch noch, die aufgeworfenen Fragen abschliessend zu beantworten, und verliert sich dabei jedes mal in einem "sowohl", "als auch" und "es könnte aber noch anders sein". Bezeichnenderweise kann ich mich bereits jetzt, nachdem ich das Buch gerade ausgelesen habe (innerhalb von 2 Wochen), bei keiner einzigen Kapitelüberschrift an den Inhalt des zugehörigen Kapitels erinnern. Es gibt keine klare oder gar provokante Aussage, keine stichhaltige Begründung, keine Fragestellung ist so präsentiert, dass sie den Leser zu Weiterdenken anregt. Das Buch macht einen zu gross angelegten Rundumschlag, und endet in einem Haufen Informationskonfetti, das den Leser letztlich nicht weiter bringt. Von der grossen Masse anderer Einführungen in die Philosophie unterscheidet es sich lediglich dadurch, dass es ausnahmsweise nicht chronologisch vorgeht, sondern statt dessen entlang der 3 grossen Fragen Kants gegliedert ist (was kann ich wissen - was soll ich tun - was darf ich hoffen).
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ein Kinderbuch, 21. Februar 2013
Da das Buch gute Kritiken unter anderem von Elke Heidenreich bekommen hatte, wollte ich es lesen. Ich habe 100 Seiten gelesen, dann hatte ich absolut keine Zweifel mehr, dass es sich um ein Kinderbuch handelt und weggelegt. Das Buch eignet sich prima um, zusammen mit Jostein Gaarders Buch "Sofies Welt", als eine Einführung in die Philosophie an interessierte 14-16 jährige zu verschenken. Als Erwachsener, der schon viele Bücher in diese Richtung gelesen hat, empfehle ich eher das "Das Handwerk der Freiheit. Über die Entdeckung des eigenen Willens" von Peter Bieri oder "Wie der Mensch zum Menschen wurde. Neue Erkenntnisse über den Ursprung und die Zukunft des Menschen" von Richard E. Leakey. Precht erwähnt das Buch von Leakey auch in einem der Kapitel in seinem Buch, aber das Original ist nun einmal ausführlicher und interessanter (zudem noch sehr leicht verständlich für den interessierten Leser).
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51 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Philosophisches Fastfood, 2. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Wer bin ich - und wenn ja wie viele? Eine philosophische Reise (Broschiert)
Das Gute an erfolgreichen Büchern ist, daß sie immer auch einen unverstellten Blick auf den Zeitgeist gestatten.

Vom Konzept her folgt das Buch der Strategie vieler Bücher aus der Bestsellerliste für Sachbücher. Klappere die beliebtesten Themen ab. Keine allzu langen Abschnitte. Keine zu langen Sätze oder Gedankengänge. Zusammenschreiben geht vor Kreativität. Heraus kommt ein Buch, dem man auch noch gemütlich mit einer Flasche Bier (oder auch zwei) folgen kann.

Als geübter Bildzeitungs- oder Fokus Leser kann man sich hier auch noch in Sachen Philosophie etwas berieseln lassen. Nach dem Motto "dabeisein ist alles" nur schnell muß es gehen, liegt das Buch voll im Trend unserer Copy & Paste Gesellschaft. Eigene Gedanken oder vielleicht sogar Humor - wer braucht das schon. Das Tempo in dem hier von Thema zu Thema gesprungen wird - auch innerhalb eines Kapitels, ohne einen einzigen tiefergehenden Gedanken zu verlieren, ist wirklich beeindruckend.

Wer also auch auf Partys mal den einen oder anderen philosophischen Hingucker liefern will, ist mit dem Buch bestens beraten.

Da wir uns im Zeitalter des Massen-Marketing befinden, wo man mit einer gut geführten Kampagne mehr erreichen kann als mit guten Inhalten, hat Goldman hier von Anfang an auf allen Kanälen die Werbetrommel gerührt.
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46 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Klatsch und Tratsch statt Selbsterkenntnis, 13. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Wer bin ich - und wenn ja wie viele? Eine philosophische Reise (Broschiert)
Als interessierter Laie suchte ich immer mal wieder den Zugang zur Philosophie. Aber die Bücher großer Philosophen verstand ich nicht wirklich, denn meistens waren mir ihre Begriffe und Konzepte unbekannt. Ich brauchte eine Einführung in die Philosophie, und dafür schien mir das Buch "Wer bin ich..." aufgrund seiner Versprechen und des Hypes geeignet zu sein.

Doch das Buch hat mich überhaupt nicht weiter gebracht. Die philosophischen Denkrichtungen werden nur oberflächlich beschrieben. Es werden Einzelfragen unter verschiedenen philosophischen Perspektiven betrachtet, aber als Fazit folgt dann jeweils, wenn überhaupt, ein unverbindlicher Ideen-Mischmasch ohne klares Konzept. Der Rest bleibt dem Leser überlassen.
Vordergründing soll hier die "Lust am Denken" geweckt werden, aber das Fehlen einer klaren Linie weist eher darauf hin, dass der Autor selber keinen Plan hat. Angesichts der vielen überflüssigen Anekdoten in dem Buch geht ihm wohl eher um die Lust am Klatschen und Tratschen. Dieser Verdacht erhärtet sich rückblickend schon in der Einleitung, wo er erzählt, dass ihm Philosophievorlesungen zu trocken waren; lieber war es ihm, mit Kommilitonen in Mensen und Kneipen zu diskutieren. Am Spaßhaben und Quatschen ist nichts einzuwenden, aber was die Erlangung von Erkenntnis betrifft, wird es schon seine Gründe gehabt haben, dass die großen Denker dafür eher die Abgeschiedenheit als den Rummel suchten.

Nebenbei, Prechts Tick, laufend Denkrichtungen mit Städten in Verbindung zu bringen, soll wohl eine Reise versinnbildlichen. Aber das ist etwa so nützlich wie eine Klassifizierung von Philosophen nach ihren Lieblingsspeisen.

Das Buch liefert dem Leser das Gefühl, sich jetzt auch mal mit Philosophie befasst zu haben und mitreden zu können, und es ist spaßig geschrieben. Das ist ja auch ganz schön, dafür zwei Sterne. Aber einen Weg zur Selbsterkenntnis und einen Einstieg in die Philosophie, der für eine anschließende Vertiefung geeignet wäre, liefert es nicht. Die Philosophieeinführung "Leben lernen" von Luc Ferry, die ich nach "Wer bin ich..." las, fand ich um Längen hilfreicher und erhellender.
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66 von 82 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ärgerliche Zeitverschwendung, 16. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Wer bin ich - und wenn ja wie viele? Eine philosophische Reise (Broschiert)
Das Buch ist eine verknüpfte Artikelsammlung wissenschaftsjournalistischer Beiträge. Deshalb sollte es der Buchhandel bei den Zeitschriften unter der Rubrik einsortieren:
"Was geo und pm wegen schlechter Recherche und sachlichen Fehlern abgelehnt haben."
Da die einzelnen Stücke recht kurz geraten sind, lässt sich das recht flüssig weglesen.Nur exemplarisch: Pauschalurteile über grosse, teilweise in der Entwicklung ihrer Gedankenwelten sicherlich heterogene und auch widersprüchliche Denker wie Wittgenstein, Freud oder Nietzsche werden jeweils mit einem einzelnen herausgestellten Aspekt ihres Werkes gefällt. Der Verdacht liegt nahe, dass der Autor vieles davon nicht selbst gelesen oder verstanden hat. Einigermassen ausführlich werden Boulevardthemen zu den behandelten Personen wie sexuelle Präferenzen und dergleichen behandelt. Hier zeigt sich der Autor voll auf der Höhe und das macht sicher auch den Erfolg des Buches aus. Man kann innen Bohlen lesen und es steht aussen Hirnforschung und Philosophie dran. Katja Kessler schreibt jedoch wesentlich pointierter.Der Schutzversuch im Schlussteil, sich mit Moralisierendem auf der richtigen Seite zu positionieren, schlägt fehl. Wer für so etwas so viele Bäume zum Papiermachen fällen lässt, scheitert auch da.
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67 von 83 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Enttäuschte Erwartung, 16. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Wer bin ich - und wenn ja wie viele? Eine philosophische Reise (Broschiert)
Leider hat mich das Buch schon nach wenigen Seiten schwer enttäuscht. In seiner Einleitung verspricht der Autor verschieden Disziplinen, wie die Philosophie, Hirn- und Verhaltensforschung, zusammenzubringen, um die übergreifenden Fragen der menschlichen Existenz zu beantworten.
Ein für mich interessanter Ansatz, dachte ich, selbst vom Gebiet der Hirnforschung kommend. Nach dem zweiten oberflächlichen Kapitel über die Entdeckung des Skeletts von Lucy, wie man es sich in jedem Schul-Biologiebuch durchlesen kann, folgte eine Einführung in die Arbeit des Neuroanatomen Ramón y Cajals. Hier verging mir jegliche Lust das Buch weiterzulesen. Der Autor lobt die Arbeit Cajals und beschreibt den Aufbau einer Nervenzelle unter falscher Verwendung der Fachbegriffe und einer falschen anatomischen Darstellung.
Wenn schon die Beschreibung des Aufbaus einer Nervenzelle so essentielle Fehler aufweist, was soll man dann von der Recherche zu anderen Themengebieten erwarten, die dem Autor fachfremd sind? So wird das Buch seinem eigenen Anspruch leider nicht gerecht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sinn und Widersinn, Grenzen menschlichen Daseins - eine geniale Bestandsaufnahme, 24. Juli 2014
Von 
Dietrich Pukas (Bad Nenndorf, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Wer bin ich - und wenn ja wie viele? Eine philosophische Reise (Broschiert)
Richard David Precht: Wer bin ich und wenn ja, wie viele?
München 2007 - Taschenbuchausgabe 2012
Rezension von Dietrich Pukas 24.08.2014

Richard David Precht, moderner Philosoph, erfolgreicher Publizist und Bestseller-Autor, ist derzeit in den Medien und auf dem Buchmarkt recht präsent. Und zwar als kompetenter Experte, der uns - d. h. einem weiten Leserpublikum - die großen Fragen des Lebens, die uns als Mensch existenziell betreffen, gekonnt, anschaulich und ansprechend in der unüberschaubaren Fülle heutigen Wissens aufbereitet.
Im vorliegenden Philosophie-Buch bringt er uns die Problematik unserer Herkunft und letzten Zielrichtung menschlichen Daseins bewundernswert vielseitig reflektiert nach den überlieferten und neuesten Erkenntnissen nicht nur der Philosophie, sondern gleichfalls der Soziologie, Psychologie, Biologie, Medizin und Hirnforschung nahe. Dies geschieht zur angenehmen Motivation der Leser/-innen auf einer "philosophischen Reise" - so der Untertitel des Werkes - durch die Lebensgeschichte und Wissenswelt der jeweils wichtigsten Forscher und Geistesgrößen aller Zeiten, die nach Prechts weitem Überblick etwas Relevantes zu den zu klärenden Einzelfragen und zur Gesamtschau beizutragen haben.

Was wir wissen können
In diesem Sinne begibt sich Precht unter dem Aspekt "Was kann ich wissen?" auf seine tief schürfende Wahrheitssuche und setzt gleich bei der Wahrheit über die Größe, Stellung und Erkenntnisfähigkeit des Menschen im Zuge seiner Abstammung aus dem Tierreich und evolutionären Entwicklung an. Danach formt der Mensch seine Welt im Rahmen der subjektiven Einsichten, die ihm seine Sinne und sein Bewusstsein erlauben. Eine objektive Sicht der Dinge und Welt an sich ist ihm letztlich verwehrt, dazu bedürfte er eines übermenschlichen Sinnesapparates. So wurde das menschliche Bewusstsein nicht durch die drängende Frage nach Wahrheit ausgeprägt, wichtiger war stets die Frage "Was ist für mein Überleben und Fortkommen das Beste?" Der Weg war und ist das Ziel und somit auch die Frage, welche Möglichkeiten sowie Grenzen wir mit unserem Wirbeltierhirn haben.
Den modernen Menschen Homo sapiens, der vor etwa 400 000 Jahren auftrat, zeichnet eine enorme Zunahme der Gehirnmasse gegenüber den Säugetieren und ersten Primaten aus. Das lässt sich nicht allein durch Anpassung an die veränderte Umwelt erklären, sodass der sprunghafte Prozess unseres rasanten Gehirnwachstums (das Hirn wächst schneller als der Körper) ein Mysterium bleibt. Durchschlagende Instinkte und Verhaltensweisen wie Triebhaftigkeit, Aggression, Krieg, Familien- und Gemeinschaftssinn teilen wir mit den Affen, aber unser Gehirn erweist sich als eine Art Hochleistungscomputer", als der komplizierteste Mechanismus im gesamten Universum.
Precht schildert eindrucksvoll, wieweit und ausführlich die moderne Hirnforschung inzwischen unser Gehirn entschlüsselt hat und in folgende anatomische Komponenten einteilt:
* den Hirnstamm und das Zwischenhirn, die als Reptiliengehirn für die angeborenen Instinkte zuständig, wenig lernfähig sind, die Sinneseindrücke verschalten und die automatisierten Bewegungsabläufe wie Herzschlag, Atmung, Stoffwechsel koordinieren, Reflexe, Schlafen und Wachen, Schmerzempfindungen, Körpertemperatur, Triebe einschließlich Sexualverhalten steuern;
* das Kleinhirn (limbisches System), das über Triebe und Emotionen hinaus entscheidend unser Bewegungsvermögen und motorisches Lernen beeinflusst, kognitive Leistungen beim Sprechen, sozialen Verhalten und Erinnern übernimmt, erste Ansätze für ein Gedächtnis und Bewusstsein liefert;
* das Großhirn (Neocortex), mehr als dreimal so groß wie die anderen Hirnteile zusammen, das als Sitz von Verstand, Vernunft, Logik fungiert und in sensorische Areale sowie höhere assoziative Regionen aufgegliedert wird.
Mit wissenschaftlicher Finesse, mikroelektronischen Messsystemen und Hochleistungs-Methoden wie Röntgen-Computer-Tomografie und Kernspinn-Tomografie liefert die Hirnforschung auch detaillierten Aufschluss über die elektro-chemische Signalübertragung im Gehirn, die neuronalen Schaltkreise, die Nervenströme in Neuronen, Axomen, Dendriten, Synapsen. Doch trotz hochauflösender Bilder und allem HighTec-Fortschritt ist es bislang nicht gelungen, die Kluft von den Zellen und Proteinen des Gehirns in die Sphäre des Geistes und Erkennens zu überwinden, d. h. die Hirnzentren und -funktionen als Mechanismus, der Geist, Sinn und Verstand erzeugt, zu enträtseln. So sind und bleiben insbesondere die subjektiven Erlebniszustände, persönlichen Gefühle und Leidenschaften der neuronalen Hirnforschung unzugänglich. Denn hier versucht das menschliche Hirn bzw. ein System sich selbst zu verstehen, womit die Hirnforscher mit einer anderen Methode das machen, was die Philosophen seit 2000 Jahren versuchen, nämlich denkend das eigene Denken zu begreifen.
Folgerichtig setzt Precht darauf beim radikalen Zweifel von Rene' Descartes an. Wir können an allem zweifeln, jedoch indem ich zweifle, muss ich denken, was mich als denkendes Wesen voraussetzt: "Cogito ergo sum". Damit hatte Descartes das Ich ins Zentrum der Philosophie gestellt. Die Welt erschließt sich in unserem Denken und mit ihm müssen wir ergründen, wer wir sind. Als Voraussetzung dafür benötigen wir eine funktionierende Sprache, um über die Dinge der Welt und unsere Zweifel daran zu kommunizieren. Das wiederum bedeutet, das Ich oder die Seele, wodurch ich bin was ich bin, ist auf die Sprach- und Denkwerkzeuge, also den Körper angewiesen. Es gibt keinen unabhängigen Ort für den Geist im Gehirn; die Hirnforscher bestätigen heute, dass Gefühle und geistige Tätigkeiten vom Aufbau und der Arbweitsweise des biologischen Organismus abhängen. Das menschliche Bewusstsein ist vom Zusammenspiel des Körpers und seiner Erfahrung mit der Umwelt geprägt. Wir wissen, wer wir sind, weil wir im Austausch mit unserer Außenwelt sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen und die Sinnesempfindungen in den komplexen Schaltkreisen des Gehirns zu unserem mehr oder weniger komplizierten und abstrakten Wissen und Denken führen und uns eine Vorstellung von unserem Dasein als Mensch und Individuum ermöglichen sowie vermitteln. Prechts Fazit: Körper und Geist bilden eine Einheit - das Gehirn denkt und erzeugt mein Ich!
Im Ringen um das Ich und die Klärung der Frage Wer bin ich?" präsentiert uns Precht u. a. die Empfindungstheorie von Ernst Mach, wonach die Empfindungen des Körpers und die Vorstellungen des Geistes aus ein und demselben Stoff seien, alles auf der Welt bestünde aus den gleichen Elementen, also gäbe es auch kein Ich als abgrenzbare, unveränderliche Einheit im Gehirn. David Hume proklamierte gleichfalls den Tod des Ich, insofern Seele oder Ich keine erfahrbaren Gegenstände darstellen und der Mensch gar kein Ich brauche, um Empfindungen, Gefühle, Begriffe wahrzunehmen. Precht fragt: Ist das Ich, mit dem wir uns durch alle Lebensjahrzehnte als dasselbe Wesen empfinden, das alle unsere geistigen, emotionalen, willentlichen Akte ausmacht, nur eine Illusion? Die Psychologie als Naturwissenschaft kann das Ich nicht als gesichertes Faktum betrachten, denn es bleibt offen, ob wir ein Ich- oder Selbstgefühl aus Empfindungen oder eine Ich-Idee aus Vorstelllungen als Selbstkonzept ableiten, wobei das Selbst als unsere Willens- und Beurteilungszentrale fungiert. Jedenfalls haben die Hirnforscher bisher kein Areal oder Zentrum im Gehirn finden können, das das Ich hervorbringt oder steuert. Dann müsste das Ich eine materielle Substanz im Körper, nämlich gegenständlich sein. Immanuel Kant bezeichnet deshalb das Ich als Gegenstand des innern Sinnes" im Gegensatz zum Gegenstand äußerer Sinne", dem Körper. In diesem Sinne lässt die Philosophie die Frage nach dem Ich weitgehend unbestimmt. Obwohl das Ich nicht zu den eindeutig auffindbaren Grundbestandteilen des Gehirns" gehört, wird es nach Precht permanent als Ichgefühl erlebt. Immerhin unterscheiden die Hirnforscher verschiedene Ich-Zustände wie u. a. Körper-Ich, Verortungs-Ich, perspektivisches Ich (als Mittelpunkt der selbst erfahrenen Welt), autobiografisches, selbstreflexives, moralisches Ich (mein Gewissen) und es können auch Störungen dieser Ichzustände identifiziert werden. Damit ist nach Precht jedoch kein entzaubernder Ich-Apparat" gefunden, sondern ein schillerndes, vielschichtiges und "multi-perspektivisches Ich", was nicht die tradierte Vorstellung widerlegt, dass der Mensch von einem Supervisor namens Ich geistig zusammengehalten wird.
Zur weiteren Erhellung, wer wir sind, setzt sich Precht noch dialektisch, Positionen und Gegenpositonen der Protagonisten kritisch abwägend, mit
* unseren Gefühlen als Partner des Verstandes, Motivatoren, moralische Emfpindungen (Pflichtgefühl),
* unserem Unterbewusstsein als wichtige unbeleuchtete Wahrnehmungen in unserem Leben,
* unserem Gedächtnis als Speicher von Bedeutungen und Grundlage von Erinnern und Verstehen,
* unserer Sprache als Erkenntnismittel für das Wissen von der Welt und unseres Wesens bzw. Selbst auseinander.

Was wir tun sollen
Die philosophische Reise zu uns selbst setzt Precht im nächsten Hauptkapitel in die moralische Dimension fort, nämlich zu der Frage, wie wir unser Handeln bewerten: "Was soll ich tun?" Ausgehend von Rousseaus These, der Mensch sei von Natur aus gut, aber die Geselligkeit mache ihn böse, klärt Precht über den Menschen als Gemeinschaftswesen auf: die Lust am Sozialen, die Hilfsbereitschaft und Freude, Gutes zu tun, die Bereitschaft zur Kommunikation mit anderen Menschen als Ausweg aus der eigenen Beschränktheit. Menschen sind wie auch die Affen dazu fähig, gut und schlecht zu sein. So stellt sich uns die Frage nach dem Gesetz in mir", weshalb wir gut sein sollen. Nach Kant zeichnet uns vor allen Wesen die Eigenschaft der Menschenwürde, die Fähigkeit zum Gutsein aus, indem wir Freiheit besitzen und moralisch handeln können. Dieses Menschsein, der gute Wille in uns, erscheint als Naturphänomen und verpflichtet uns zum grundsätzlichen Gutsein. Da wir in der Lage sind, gut sein zu wollen, sollen wir auch gut sein, sodass Kant mit seinem "kategorischen Imperativ" alle Menschen zur absoluten Vorbildrolle verpflichtet: Handle stets so, dass die Maxime deines Willens jederzeit als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne." Danach sagt uns die Vernunft, was wir zu tun haben. So suchen die Hirnforscher ein Zentrum für Moral im Gehirn und es gilt die Bedeutung des Unbewussten für unseren moralischen Willlen zu berücksichtigen. Nach Schopenhauer ist nicht die Vernunft die Kommando-Zentrale" im Gehirn, sondern der Wille, dem der Verstand folgt. Somit gilt es, die Instinkte und Antriebskräfte für das moralische Verhalten und Handeln zu untersuchen. Indes haben die Hirnforscher kein biologisches Hirnzentrum für Moral feststellen können, stattdessen sind verschiedene vernetzte Hirnregionen für unsere Empfindungen und moralischen Gefühle gleichzeitig am Werk. Jedoch kein chemischer Prozess verursacht als solcher aus sich selbst heraus Liebe, Zuneigung oder Verantwortung. Das müssen wir selbst bewirken. Nach Kant verpflichtet sich der Mensch aus Selbstachtung zur Moral, frühere Philosophen begründeten sie als Verpflichtung gegenüber Gott, nach heutigen Erkenntnissen beruht moralisches, altruistisches Verhalten eher auf Selbstbelohnung: Es lohnt sich für uns und die Gemeinschaft, gut zu sein, das macht glücklich und zufrieden. Dieses Wissen wird durch Lebenserfahrung erworben, jedoch gibt es einen Moralinstinkt, eine intuitive Moral, die sich z. B. in unseren persönlichen Gefühlen von Sympathie und Antipathie äußert. Bei aller Verschiedenheit menschlicher Moralvorstellungen geht es nach Precht im Kern um die immergleichen alten Werte": Appell ans Gewissen, Ruf nach Verantwortung, Forderung von mehr Gleichheit und Demokratie, Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit. Ethisches Verhalten erweist sich als komplexer Altruismus aus Gefühlen und Abwägungen. Wieweit wir moralisch handeln, hängt von unserer Selbstachtung und wiederum von unserer Erziehung ab, wobei der Aspekt der Selbstbelohnung eine tragende Rolle spielt.
Unter diesen grundsätzlichen Aspekten der Moral reflektiert Precht das Für und Wider konkreter moralischer Probleme unserer Gesellschaft, zeigt Grenzen für unser ethisches Handeln auf, wo sich aus unserem Selbstbestimmungsrecht als Individuum inhumane Folgen für die Gesellschaft ergeben, und vermittelt Orientierungsleitlinien zu den Fragen: Darf man Menschen töten? Ist Abtreiben moralisch? Soll man Sterbehilfe erlauben? Dürfen wir Tiere essen? Wie sollen wir mit Menschenaffen umgehen? Warum sollen wir die Natur schützen? Darf man Menschen klonen? Wohin führt die Reproduktionsmedizin? Was darf die Hirnforschung?

Was wir hoffen dürfen
Den dritten Hauptteil des Werkes, unter der Fragestellung "Was darf ich hoffen?" angesiedelt, eröffnet Precht mit der größten aller Vorstellungen: der Existenz Gottes und setzt sich dezidiert mit den Gottesbeweisen und Gottesgegenbeweisen auseinander. So führt er Anselm von Canterburys ontologischen Gottesbeweis auf, wonach Gott als die höchste aller Vorstellungen unmittelbar als Maßstab und Begriff für das Größte existieren müsse, weil darüber hinaus nichts Vollkommeneres gedacht werden kann und dieser absolute Anspruch nicht für alles Untergeordnete und Unvollkommene gelte. Dem hielt Thomas von Aquin entgegen, dass die Vollkommenheitsvorstellung von Gott nur in unserem Bewusstsein existiert und nicht unabhängig davon. Außerdem sei anzunehmen, dass Gottes Sein etwas so Großes sein muss, das mit der menschlichen Vorstellungskraft gar nicht zu erfassen ist. Daher setzt er auf den kausalen Gottesbeweis und erklärt Gott aus der Logik von Ursache und Wirkung. Die Welt muss aus einer ersten Wirkungsursache entstanden sein, die alles geschaffen und in Bewegung gesetzt hat, denn aus dem Nichts kommt nichts. Und am Anfang von allem muss etwas stehen, was selbst unbewegt ist und alles umfasst: ein "unbewegter Beweger". Diesen Gottesbegriff hat Thomas von Aristoteles übernommen. Demnach muss Gott die Eigenschaften haben, die die gegenständliche Welt nicht hat. Gott müssen wir uns als Wesen vorstellen, das nicht aus Materie besteht, nicht an Raum und Zeit gebunden und nicht dem Kausalprinzip unterworfen ist: allmächtig, allwissend, unendlich, ewig, unergründbar. "Sein Wille ist absolut und vollkommen, unendlich in seiner Liebe und das Glück selbst" (Precht). Die Kunst des Gottesbeweises bestand nach Thomas von Aquin darin zu zeigen, wie sich Gott dem Verstand vermittelt.
Das prangerte Immanuel Kant in seiner "Kritik der reinen Vernunft" als Vorstellungen in unseren Köpfen an, die nicht aus der Welt außerhalb unserer Erfahrung stammen, sodass es im Grunde müßig ist, Gott beweisen zu wollen (D.P.). Dennoch gibt es heute eine wissenschaftlich geführte Diskussion über Gottesbeweise, die gerade die nüchterne Hirnforschung anheizt. Durch Messung von Hirnströmen und die Ableitung religiöser Gefühle aus dem Einfluss von Magnetfeldern versucht man, einem religiösen Zentrum im Gehirn auf die Spur zu kommen. Motto: Wenn Gott in unserem Gehirn verankert ist, dann ist er immer in uns, erleuchtet uns und wir werden ihn nicht los! Dieser neuro-theologische Gottesbeweis kann nach Precht bestenfalls zeigen, auf welche Weise gefühlte religiöse Wahrheiten neurochemisch zustande kommen; dass hier Gott mit den Menschen sprechen soll, erweist sich als reine Spekulation. Darauf trifft ebenfalls Kants Kritik zu, dass Gottesbeweise aus der eigenen Erfahrungswelt nicht unzulässig auf eine behauptete objektive Welt übertragen werden dürfen. Demgegenüber setzt der kausale Gottesbeweis nicht bei Vorstellungen an, sondern bei der Frage, warum die Welt existiert. Dass es eine erste Ursache gibt, erscheint logisch, dass sie Gott sein muss, kann in Frage gestellt und dafür etwa eine ewige Materie (an sich) gedacht werden. So bezweifelt Bertrand Russell die Notwendigkeit einer ersten Ursache. Wenn nämlich alles eine Ursache hat, dann gibt es keinen Anfang: keinen Beginn der Materie und keinen (ersten) Gott. Daraus haben Theologen wie Rudolf Bultmann die Folgerung gezogen, jeden Gottesbeweis abzulehnen, da Gott mit unserem Wirbeltierhirn nicht erkannt und begründet, sondern höchstens wie auch immer übersinnlich erfahren werden kann oder eben nicht.
Damit befindet sich Precht noch nicht am Ende, sondern er spürt nun indirekten Gottesbeweisen nach und fragt: Hat die Natur einen Sinn? Zunächst greift er auf Paleys Natürliche Theologie zu. Als Ziel aller Philosophie postuliert dieser die Vermehrung des Glücks". Der Mensch wird nicht durch seinen Glauben gut im christlichen Sinn, sondern erst durch seine Taten, durch Übernahme von Verantwortung und soziales Engagement. Vergleichbar, wie Gott die Natur als funktionierendes System strukturiert hat, muss sich jeder Mensch in sein soziales Umfeld einpassen, um seine Bestimmung zu erfüllen. Paleys Philosophie von Gott als dem Schöpfer der Natur mit dem Prinzip der Anpassung der Organismen an die Natur wurde schließlich durch Darwins Evolutionstheorie von der selbsttätigen Anpassung der Arten an die Natur abgelöst. Statt Gott als Ursache und Wirkungsprinzip anzunehmen, ersetzte ihn Darwin durch die Natur, die im "Kampf ums Dasein" das Zweckmäßige durchsetzt. Nach dem Prinzip der Selbstorganisation im ständigen Austausch mit der Umwelt, im Rückkopplungsprozess mit dem Rest der Welt" erfindet sich die Natur mitsamt allen Lebewesen fortlaufend neu. Allerdings können wir das wunderbar zusammengesetzte Universum mit seinen genialen Gesetzen und mysteriösen Kräften, die die Konstellationen bewegen, mit unserem begrenzten Verstand nur ansatzweise verstehen, wie Precht zu bedenken gibt. Wir konstruieren die Natur stets mit den Mitteln unseres Denkens, sodass die objektive Realität für uns eine selbst erzeugte Wirklichkeit bleibt und es jedem Einzelnen überlassen ist, welchen Platz er dabei Gott einräumen will. Precht prophezeit, dass es die Biologen noch lange beschäftigen wird, ob wir die belebte Welt auf der Grundlage von Ursache und Wirkung oder auf dem Fundament der Selbstorganisation zu erklären haben.
Interessanter Weise wurde das biologische Konzept der Selbstorganisation im letzten Jahrhundert von dem Soziologen Niklas Luhmann aufgenommen und zur Deutung der Funktion sozialer Systeme verwendet. Menschen sind zwar als Lebewesen dem biologischen System von Stoff- und Energieumsätzen unterworfen, aber sie sind ebenfalls sozialen Systemen zum Austausch von Kommunikation und Sinn verhaftet. In der menschlichen Gesellschaft tauschen sich keine Stoffe und Energien aus wie bei Bakterien, keine Neuronen wie im Gehirn, sondern Erwartungen. Durch Kommunikation werden Erwartungen so vermittelt, dass soziale Systeme wie Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Erziehung, Kunst, jedoch auch die Liebe entstehen und weitgehend stabil und unabhängig von anderen Einflüssen funktionieren. Nach Luhmann ist die Liebe ein soziales System, gebildet aus Erwartungen, genau genommen aus fest geschriebenen Erwartungen oder Codes. Denn mit dem Satz "Ich liebe dich!" ist laut Precht in der Regel nicht nur eine Gefühlsäußerung, sondern ein ganzes System von Versprechungen und Erwartungen gemeint, z. B. dass derjenige, der seine Liebe versichert, sein Gefühl für zuverlässig hält und bereit ist, sich wie ein Liebender nach den Erwartungen des Partners und der Gesellschaft zu verhalten. Während Luhmann mit seinem Begriff der Liebe als Bedürfnis nach Selbstdarstellung im Blick des Anderen" die Komponente des biologischen Individuums stark vernachlässigt, stellt Precht klar: Liebe ist sowohl im biologischen wie im soziologischen Sinne eine Ausnahme-Erfahrung, die durch bekannte biochemische Muster und soziale Codes geregelt wird.

Im Zusammenhang damit stellt Precht die Frage nach der Entscheidungsfreiheit sowie Freiheit überhaupt. Er erörtert die Freiheit des Menschen vor allem auf dem Hintergrund der Philosophie des Existenzialismus von Sartre, der für eine absolute bzw. weitest mögliche Freiheit eintritt. Die Tiere sind durch festgelegte Instinkte und Handlungsmuster bestimmt, jedoch der Mensch muss seine eigenen Handlungsschemata kreieren. In einer Welt ohne Gott, wie sie Sartre annahm, haben allerdings die überlieferten Werte und moralischen Maximen keinen Sinn mehr, das einzig Existenzielle am Menschen seien seine Gefühle. Der Mensch ist das, was er vollbringt", alles Andere sei Selbstbetrug. Der Philosoph soll als Aufklärer die Anderen dazu anhalten, ihre Freiheit zu leben und sich dabei nach einem selbst gemachten Entwurf als Menschen zu verwirklichen. Diesen Radikalansatz der Willensfreiheit relativiert Precht, insofern wir durch unsere Lebensgeschichte und unsere Erfahrungen auf einen bestimmten Handlungsrahmen eingeschränkt sind, der uns aber je nach Lebensumständen und Tatkraft einen individuellen Handlungsspielraum gestattet und gewisse Veränderungen zulässt. Daran schließt Precht die Grundsatzfrage nach dem Eigentumsrecht an. Eigentum ermöglicht uns, etwas zu machen, was wir wollen, auch Herrschaft auszuüben. Der Erwerb von Dingen, die Liebe zu den Dingen fungieren als Glücksstifter. Eigentum erlaubt die emotionale Ausdehnung, mit Gegenständen lässt sich das Ich erweitern. Aber gleichfalls verpflichtet Eigentum als Vertrag unter Menschen, das Einverleiben von Besitztümern darf den Anderen nicht zu viel abverlangen, sondern muss nach den Prinzipien einer fairen Gesellschaftsordnung geschehen. Damit ist Precht bei der Problematik der Gerechtigkeit angelangt. Hier fordert er eine gerechte Gesellschaftsordnung und Fairness für alle, vor allem gleiche Grundfreiheiten und Chancengleichheit für alle. Die Gleichheit aller erweist sich als utopisch, denn nicht alle Mitglieder einer Gesellschaft sind im vollen Umfang selbstbestimmt und frei. Egoismus statt Gerechtigkeitssinn stellt die Antriebskraft für die gesellschaftliche Entwicklung dar und eine umfassende Theorie der Gerechtigkeit erweist sich als fragwürdig. Precht spitzt die Problematik schließlich auf die Frage zu, ob die Gerechtigkeit in erster Linie eine Aufgabe des Staates als moralischer Gesetzgeber" ist oder ob sie primär in der ethischen Selbstverpflichtung des Einzelnen liege. Einig sind sich die Gerechtigkeits-Theoretiker indes darin, dass Gerechtigkeit als eine Grundlage von Glück anzusehen ist, dem sich Precht im Folgenden widmet. Geld und Prestige stehen auf der persönlichen Werteskala der Bürger ganz oben vor Familie und Freunden, dabei erweist sich die materielle Orientierung im Wertesystem der Glücksökonomen als die falsche Lebensweise, materielles Streben erzeugt Sucht und Unzufriedenheit. Das von allen Industrieländern angestrebte Wachstum führt nicht zu glücklicheren Menschen. Beim privaten Glück kommt es in den meisten Glückssituationen auf das Verhältnis bzw. Spiel von Erwartung und Erfüllung an. Große Glücksgefühle sind meist ein kurzer Rausch und nicht verlängerbar. Dauerhaftes Glück lässt sich nur bei realistischen Erwartungen erreichen, also wenn ich mich nach Ludwig Marcuse mit den eigenen Erwartungen in Einklang befinde. Es gilt, seine Bedürfnisse zu regulieren, um sich Lust auf Dauer zu verschaffen. Precht gibt uns Regeln aus der Glückspsychologie, um unser Glück zu trainieren, damit wir uns ein angenehmes und sinnerfülltes Leben schaffen können. Für Precht macht am Ende selbstbestimmtes Glück den Sinn des Lebens aus. Das bedeutet, wir müssen uns durch unser eigenes Tun im Rahmen unseres Bewusstseins, unserer Logik, Sprache und Erfahrung selbst verwirklichen und so Erfüllung als Mensch finden sowie unserem Leben einen subjektiven Sinn geben.
Und wenn ich von dieser Warte abschließend auf unser nicht gefundenes, mit wissenschaftlichen Methoden sowie unseren Sinnen nicht erfassbares Ich zurückblicke, dann fällt mir ein, dass wir im Sinne von Kants Kritik der praktischen Vernunft" berechtigt sind, an die zeit- und raumlose Beständigkeit unseres Ichs oder die Unsterblickeit unserer Seele zu glauben.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Reise zum "Ich", 19. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Wer bin ich - und wenn ja wie viele? Eine philosophische Reise (Broschiert)
~°~ Eindrücke ~°~

Die „Philosophische Reise“ ist gegliedert. Die Hauptthemen sind die Fragen:
- Was kann ich wissen?
- Was soll ich tun?
- Was darf ich hoffen?
Jedes dieser Kapitel ist wiederum in mehrere kürzere aufgeteilt. Die Länge der Antworten ist dabei stark schwankend. Die Kapitel beziehen sich zwar meist auf das vorrangegangene („Fragen wir uns weiter ...“), können jedoch auch gut getrennt gelesen werden. Die Gliederung erlaubt es dieses Buch auch einige Zeit aus der Hand zu legen ohne den Faden zu verlieren. Ich empfehle jedoch ein Kapitel nicht mittendrin zu unterbrechen.

Was mir als erstes auffiel war der Schreibstil. Da es sich hier (mehr oder weniger) um ein Sach-/ Fachbuch handelt rechnete ich bereits damit das ein oder andere Wort nachschlagen zu müssen. Zu meiner Freude brauchte ich dieses jedoch nicht, da der Autor eher in Umgangssprache geschrieben hat. Wenn er wirklich einmal einen Fachbegriff verwendet, was sehr selten vorkommt, so folgt die Erklärung direkt dahinter. Beides erleichterte mir das Lesen ungemein und ich kam recht zügig voran.
Ich hege selbst ein sehr großes Interesse an der Philosophie und würde von mir auch behaupten mich dort ein wenig auszukennen. Daher langweilte mich dieses Buch doch recht schnell. Die großen Philosophen werden in diesem Buch kurz vorgestellt. Beispiele (z.B. Werke) werden gegeben und somit erinnerte mich es ein wenig an ein Lexikon. Für Einsteiger sicher sehr interessant, grade um überhaupt einen ersten Überblick zu bekommen, für Erfahrene ein netter Rückblick. Etwas neues erfuhr ich über die großen Denker unser Zeit leider nicht.

Was mir sehr positiv auffiel war das Precht sich an sehr aktuelle Themen (Abtreibung, Gentechnik, ...) heranwagt und diese philosophisch durchleuchtet. Er vermeidet es auf eine gestellte Frage eine konkrete Antwort zu geben. Sehr gut, denn genau das macht ja die Philosophie mit aus: Sich selbst seine Gedanken zu etwas zu machen – und kommen sie anderen auch noch so merkwürdig vor.
Leider schweift der Autor an sehr vielen Stellen komplett ab, so das es teils schwer ist wieder zur Ursprungsfrage zurückzufinden. Teils war mir das ein wenig viel, so das ich mit dem weiterlesen kämpfen musste.

~°~ Fazit ~°~
Wer nur mal seine „Nase“ in die Philosophie stecken möchte kann mit Precht die Reise antreten. Alle die sich intensiv mit dem Thema befassen möchten rate ich hiervon ab.
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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eher ein Kurztrip durch die Welt der Philosophie, 9. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Wer bin ich - und wenn ja wie viele? Eine philosophische Reise (Broschiert)
"Eine faszinierende Reise in die Welt der Philosophie", so wird Prechts Buch allerorts angepriesen. Ich möchte das "faszinierend" durch "schnell" ersetzen und vor "Reise" ein fettes "Kurz" stellen. Ich frage mich, was ist der Sinn solcher Werke? Es ist ja löblich, dass Precht versucht, die Philosophie, in Verbindung mit Erkenntnissen der Hirn- und Verhaltensforschung, jedem nahezubringen, doch was wird letztendlich damit erreicht? Vieles wird angesprochen, im Gröbsten angerissen und der fälschliche Eindruck erweckt, nach dieser Lektüre bestens bewandert auf allen Gebieten zu sein.

Was kann ich wissen, was soll ich tun und was darf ich hoffen? Mit diesen Fragen wird das Buch dreigeteilt. Systematisch geht Precht an das Sezieren der einzelnen Themen. Schnell, anschaulich und wortgewandt bringt er sie auf den Punkt. Was durch dieses rasante Verfahren verloren geht, ist der wichtigste Teil der Philosophie an sich: die gedankliche Auseinandersetzung und schließlich die Erkenntnis selbst.

Das Buch ist für mich daher ein nichtgelungener Spagat zwischen der Herausforderung, die großen Fragen des Lebens einem breiten Publikum verständlich zu machen und dem Anspruch auf Vollständigkeit. Ich möchte trotzdem eine Lanze für den Autor brechen, weil er es versucht, es meiner Meinung nach jedoch schlichtweg nicht möglich ist. Hier stellt sich natürlich die Frage, warum dann überhaupt dieser Ansatz? Eine Frage, auf die man leider keine charmante Antwort findet.

Für eine gelungene Sprache und das gezielte Heranführen an viele wichtige Kernthemen gibt es dann doch ein paar Pluspunkte. Mit der Gewissheit, einen oberflächlichen Streifzug durch die wichtigen Fragen des Lebens zu vollziehen, kann das Buch getrost gelesen werden.
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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Für Kinder!!!, 5. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Wer bin ich - und wenn ja wie viele? Eine philosophische Reise (Broschiert)
Ich habe das Buch tatsächlich komplett gelesen und frage mich mehr und mehr, warum Richard David Precht als Philosoph gilt. Sicher schneidet er einige interessante Fragen an, jedoch viel zu kurz gegriffen.
Man muss dazu wissen, dass das vorliegende Buch als Kinderbuch geplant war, dann jedoch anders vermarktet wurde! Und genau so muss man es verstehen. Es ist fachlich häufig brutalst verkürzt (z.B. völliges Missverständnis der Bedeutung von "cogito, ergo sum"), verwurstet Populärwissenschaftliche Erkenntnisse, insbesondere der Neurologie ("Im Gehirn gibt es keine messbare Region für das 'Ich'") und bietet trotz des hehren Zieles, die Philosophie der breiten Masse zugänglich zu machen, für den interessierten Leser nahezu keinen Mehrwert.
Wer das Buch seinem Kind/Enkel/Neffen usw. mit entsprechendem Interesse im Alter von etwa 12-15 schenken möchte soll zugreifen, wer sich tatsächlich (auch ohne Vorkenntnis) mit Philosophie beschäftigen will, sollte lieber zu Descartes' Meditationen oder Russels "Problemen der Philosophie" greifen, diese sind ebenfalls sehr leicht zu lesen, wesentlich günstiger und bieten interessante Ansätze ohne in literarisches Selbstlob à la "als ich im Studium wieder einmal eine flachgelegt hatte" zu verfallen.
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Wer bin ich - und wenn ja wie viele? Eine philosophische Reise
Wer bin ich - und wenn ja wie viele? Eine philosophische Reise von Richard David Precht (Broschiert - 17. September 2007)
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