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2,9 von 5 Sternen
Der kleine Freund: Roman
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23 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. Mai 2007
Durch die Genialität der "Geheimen Geschichte" motiviert, kaufte ich mir den "Kleinen Freund", auf den ich viele Jahre gewartet hatte. Um ehrlich zu sein, hatte ich eigentlich auf ein Buch gewartet, das, bitte schön, genauso gut sein sollte wie Die geheime Geschichte". Das ist allerdings schier nicht möglich. So ist die Enttäuschung quasi vorprogrammiert. Und trotzdem..., wenn man endlich kapiert hat, dass man sich hier einem ganz eigenen Buch gegenüber sieht, findet man doch einiges, was Donna Tartts erstes Buch so faszinierend gemacht hat, nämlich deren Fähigkeit, Stimmungen und Atmosphären einzufangen und so wiederzugeben, dass man die Gerüche riecht, die Hitze spürt, die Grillen hört. Es ist schon eine ganze Weile her, seit ich dieses Buch gelesen habe und obwohl ich es streckenweise auch recht anstrengend gefunden habe, hat es einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Ich werde also auch ein drittes von ihr lesen.
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34 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. September 2005
Der kleine Freund ist ein wunderbarer Familienroman, spannend, lustig, anrührend, großartig geschrieben. Er ist aber kein guter Thriller. Dass Donna Tartt diese Leseerwartung weckt und am Ende unbefriedigt lässt, ist das Hauptproblem des Buches. Das ist so, als würde man seinem Kind Rotkäppchen erzählen und mit den Worten beginnen: Es war einmal im Schreckensdrachenwald ... Zum Schluss wird das Kind dann enttäuscht fragen: Wann kommt denn jetzt endlich der Drache? Und es wird dem Märchen nur einen Stern geben. Der kleine Freund beschreibt das Abenteuer eines gewitzten Mädchens, einer Art weiblicher Tom Sawyer, das sich in den Kopf gesetzt hat, den Mörder seines Bruders zu entlarven. Dabei schreibt Donna Tartt so einfühlsam, elegant und mit Liebe zum Detail, dass es eine Freude ist, ihr dabei zu folgen. Für alle, die auch einmal den Weg das Ziel sein lassen können, ist dies ein empfehlenswerter literarischer Roman mit Versatzstücken eines Thrillers. Der Drache wird allerdings nicht auftauchen.
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Juni 2012
ich gebe fünf sterne, weil das buch mich gefesselt hat, weil es sehr gut geschrieben ist, weil hier kein reisserischer schund sondern wirkliche literatur geboten wird, weil die atmosphäre hier so plastisch geschildert wird, dass ich sie fühlen kann usw.usf.
man solltze sich doch hüten, von einem autoren immer dasselbe zu erwarten. dies buch hier ist so geschrieben, wie ich mir einen modernen südtaatenroman vorstelle- die familie in ihrem schmerz und in ihrer dumpfen existenz ist da, die tumben typen in der nachbarschaft, die mit einem pickup durch die gegend cruisen. ein finsteres geheimnis ist da, ein kleines mädchen, das licht ins trübe bringen will. ich finde, das alles ist großartig geschrieben und verwoben und gelöst worden. keine minute war mir langweilig- meine erwartungen wurden sogar übertroffen. also, warum soll ich da keine volle punktzahl geben?
kann das buch nur empfehlen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 15. August 2014
Ein düsterer Schatten liegt über dem Leben von Harriet und ihrer Familie: Ihr älterer Bruder wurde ermordet. Die Mutter vergräbt sich in Trauer, der Vater zieht sich von der Familie zurück. Harriet, die selbst ein Säugling war, als der Mord verübt wurde, beschließt, dass sie den Tod ihres Bruders rächen will. Bald schon meint sie den Mörder ihres Bruders gefunden zu haben. Um ihren Plan, diesen zu töten, in die Tat umzusetzen, spannt sie ihren etwas schlichter gestrickten Freund Hely ein. Durch die Rachepläne löst das Kind eine Serie von tragischen Ereignissen aus.
"Der kleine Freund" ist ein von schrägen Gaunern, exzentrischen alten Damen und anderen sorgfältig gezeichneten Charakteren bevölkertes Panoptikum.
Thematisch beschäftigt sich "Der kleine Freund" mit Rassenproblemen, soziologischen Phänomenen und gesellschaftlichen Normfragen. Doch letztendlich ist das Buch ein psychoanalytischer Roman erster Güte. Dem aufmerksamen Leser werden die Hinweise und Symbole nicht entgehen, die Rückschlüsse ziehen lassen auf die unbewussten Gefühle, die in Harriet toben, und sogar auf die Identität des Mörders. Diese Hinweise sind es, die zum wahren Verständnis dieser einzigartigen Figur führen.
Auch wenn in dem Roman viel von kriminellen Handlungen die Rede ist - es ist kein Krimi. Es geht nicht primär darum, wer den kleinen Jungen ermordet hat, sondern darum, was eine solche Tragödie aus einer Familie macht.
Donna Tartt schafft mit wundervollen Worten und Sätzen ein Leseabenteuer ohne Wertungen und lässt die Leser teilhaben an Freud und Leid von drei Generationen, an unterschiedlichsten sozialen Stimmungen und an einem seelisch aufwühlenden und rasanten Kriminalfall.
Sie schreibt sehr anschaulich und farbenprächtig, aber nicht verspielt, nicht voluminös, sondern pointiert und präzise. Dabei zeichnet sie einfühlsam, elegant und mit Liebe zum Detail die detailliert ausgemalten Bilder unzähliger Augenblicke. Und wenn wir dann etwas zurücktreten, sehen wir ein großes Bild, das alle kleinen Bilder integriert.
Für alle, die auch einmal den Weg das Ziel sein lassen können, ist dies ein empfehlenswerter literarischer Roman mit Versatzstücken eines Thrillers. Und wer dann noch Freude an ehrlichen Geschichten und an dichter Atmosphäre hat, der wird von diesem Werk fasziniert sein.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. Dezember 2012
Nach dem großen Erfolg der "geheimen Geschichte" ist es für eine/n Schriftsteller/in sicher nicht einfach, einen weiteren großen Wurf zu landen. Doch Donna Tartt enttäuscht nicht. Im Gegenteil, "Der kleine Freund" ist ein wunderbarer Roman, hervorragend übersetzt von Rainer Schmidt. Die Geschichte zweier Südstaaten-Familien ist von Anfang an von einer unheilvollen Bedrohung umgeben. Ein unaufgeklärter Mord und die Folgen zerstören letztlich beide Familien. Man bleibt über immerhin fast 800 Seiten atemlos ans Buch gefesselt und noch lange danach davon beeindruckt und beseelt. Nicht eine Zeile ist zu viel, denn hier stimmt einfach alles: Der Stil, die Sprache, die Atmosphäre, der Plot, die Figuren. Ich bin begeistert!
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. April 2006
Die Story erinnert mich an den Film "Short Cuts". Wer den Film kennt, weiss sicher noch, dass er im Kino mit (einer?) Pause lief wegen Überlänge. Eigentlich gibt es in dem Film bis auf den Unfall des kleinen Jungen keine Handlung, die sich auf eine Lösung -von was auch immer- hinbewegt, ausser dem Zusammenführen der einzelnen Personen in eine Art Handlungsnetz. Genauso ist es in "Der kleine Freund". Hauptfigur ist ein kleines, sonderbares Mädchen, dessen Familie nach dem Tod des Bruders in eine Lethargie verfällt. Das Mädchen ist besessen davon, den Mörder ihres Bruders zu finden. Vieles bleibt ungesagt und offen, zum Beispiel warum niemand mit ihr so richtig über den Tod des Bruder spricht oder wie das Leben und Empfinden der Schwester weitergeht nach dem anfänglichen Kapitel über sie. Aber es ist Donna Tartt's Roman; welche Handlungen ich gerne noch vervollständigt gelesen hätte, kann sie offen lassen wie sie will... Wie in ihrem ersten Buch habe ich Probleme, ihre Beschreibungen von Orten bildlich umzusetzen, umso mehr gefallen mir ihre Charakterbeschreibungen, die sehr differenziert sind. Trotz der vielen Seiten sollte man beim Lesen unbedingt dranbleiben, um den Faden nicht zu verlieren, weil nicht eine Handlung ansich ständig weiter aufgebaut wird, sondern die Schwere und Leichtigkeit des Seins im Vordergrund steht...
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Zehn Jahre nach ihrem fulminanten Roman-Debüt EINE GEHEIME GESCHICHTE legt die US-amerikanische Autorin Donna Tartt ihr zweites Buch vor: DER KLEINE FREUND: In einer Kleinstadt in Mississippi wächst die 12-jährige Harriet Cleve Dufresnes im Schatten ihres Bruders auf. Er ist ermordet worden, als sie noch ein Baby war und wird von der Familie bis ins Unerträgliche idealisiert. Der Mörder wurde nie gefunden, und die Familie hat sich nicht mehr von dieser Tragödie erholt. Harriets Vater verließ Frau und Kinder, die Mutter hat psychische Probleme und betäubt sich mit Medikamenten, die Schwester träumt in den Tag hinein. Und Harriet, eigenwillig, belesen und phantasiebegabt, lebt ihr eigenes Leben unter der unzureichenden Aufsicht ihrer Großmutter und einer Reihe exzentrischer Großtanten.
Eines Tages setzt Harriet sich in den Kopf, den Mörder ihres Bruders zu finden. Einen Verdächtigen hat sie sich schon ausgeguckt: Danny Ratliff, einen Schulkameraden des Ermordeten und Mitglied einer ebenso asozialen wie kriminellen Familie. Zusammen mit ihrem schwatzhaften Kumpel Hely macht Harriet sich auf, den angeblichen Mörder zu überführen - und tritt damit eine Lawine von Ereignissen los, die nicht nur sie selbst in tödliche Gefahr bringt ...
Auch wenn in dem Roman viel von kriminellen Handlungen die Rede ist - es ist kein Krimi. Es geht nicht primär darum, wer den kleinen Jungen ermordet hat, sondern darum, was eine solche Tragödie aus einer Familie macht. Über 760 Seiten lang schaut man bei den Cleve-Dufresnes und Ratliffs durchs Schlüsselloch, lernt faszinierende Charaktere kennen und wird mit wachsendem Entsetzen Zeuge gestörter Familienverhältnisse. Doch das ganze führt zu nichts. Geheimnisse bleiben geheim, Probleme ungeklärt und die Personen machen auch keine nennenswerte Entwicklung durch. So bleibt es bei einem lediglich voyeuristischen Vergnügen, und das ist ein bisschen wenig.
Dass sich das Lesen trotzdem gelohnt hat, liegt an der energischen und tatkräftigen Heldin Harriet. Auf Seite 309 heißt es so treffend: "Sie war ein helläugiges Tigerjunges: ganz niedlich als Kleinkind, aber das ließ nach mit jedem Zentimeter, den sie wuchs. Noch war Harriet nicht alt genug, um selbst für sich zu sorgen, aber der Tag würde bald genug kommen, und dann würde sie (...) blühen und gedeihen, was immer ihr widerfuhr: Hungersnot, Bankenkrach oder der Einmarsch der Russen." Nach Harriet befragt, sagte Donna Tartt in einem Interview: "Ich denke, jeder Autor wird Ihnen erzählen, dass es extrem schwierig ist, über Kinder zu schreiben, aber der Trick ist, der Versuchung zu widerstehen, sie ‚liebenswert' zu machen." Stimmt, liebenswert ist die Heldin nicht. Aber eine sehr interessante Persönlichkeit.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 31. August 2003
Eine bizarre, apokalyptische Inszenierung bildet den Auftakt: Am Himmel über Alexandrina, einem kleinen Kaff in den US-amerikanischen Südstaaten, ziehen Gewitterwolken auf, die Erde ist vom Regen durchweicht und schlammig geworden, ein Gospelchor singt im Radio Kirchenlieder, die Erlösung versprechen. Im Garten der Familie Cleve hängt der neunjährige Robin erdrosselt an einem Tupelobaum, von einem Unbekannten ermordet. Während im Haus die Familie den Muttertag feiert, befinden sich nur Robins jüngere Schwestern Allison und Harriet im Garten. Doch beide sind zu jung, um sich an den Tathergang zu erinnern.
Zwölf Jahre später: Die Erinnerung an den bisher unaufgeklärten Mord wird in der Familie Cleve verdrängt. Gleichzeitig sind jedoch die Folgen der Tat allgegenwärtig. Robins Mutter Charlotte ist seit dem Verbrechen in Lethargie verfallen, die Erziehung ihrer beiden Töchter Allison und Harriet hat sie ihrer Mutter, deren verschrobenen Schwestern und der schwarzen Haushälterin Ida überlassen. Während Allison, ähnlich ihrer Mutter, fast lebensunfähig erscheint, am liebsten schläft und in ihrer eigenen Welt gefangen bleibt, ist die jüngere Tochter Harriet ein aufsässiges, aufgewecktes und egoistisches Kind. Sie ist es, die ihre Großmutter Edith und ihre Großtanten Libby, Tat und Adelaide mit Fragen nach dem Mord an Robin löchert und regelmässig dieses Familientabu bricht. Auch wenn die Cleves von ihren gemeinsamen Erinnerungen und Erzählungen über Vergangenes leben, die Familientradition hoch halten - über den Mord an Robin wird der Mantel des Schweigens gehüllt.
Dieses Schweigen reizt die zwölfjährige Harriet: Sie will wissen, wer ihren Bruder, mittlerweile zu einem Art Heiligen stilisiert und sogar in der örtlichen Kirche in einem Glasfenster verewigt, ermordet hat. Da Harriet in ihrer Familie auf taube Ohren stößt, beginnt sie ihre Suche nach dem Schuldigen in der Stadtbibliothek, durchforstet alte Schuljahrbücher und Zeitungen und macht mit ihrer kindlichen Logik schnell den Täter aus: Danny Ratliff, ein Klassenkamerad Robins, ist nach Harriets Auffassung der Mörder. Beweise für seine Schuld findet sie nicht, dennoch will sie an ihm Rache nehmen. Danny Ratliff soll sterben und Harriet entspinnt, zusammen mit dem ihr ergebenen Schulfreund Hely Hull, einen perfiden Plan. Mit einer Giftschlange wollen die beiden Kinder den älteren Danny zur Strecke bringen. Doch bei der Ausführung ihres Plans geht einiges daneben und schließlich steht Harriet in einem dramatischen Showdown ihrem Feind Danny alleine gegenüber.
Mit ihrem Erstling "Die geheime Geschichte" legte die US-amerikanische Autorin Donna Tartt 1992 ein fulminantes Krimidebüt hin. In ihrem zweiten Roman "Der kleine Freund" vermischt die Autorin eine Kriminalgeschichte mit einer psychologischen Studie über zwei Familien. Da sind zum einen die kleinbürgerlichen Cleves, die unter den Folgen des Mordes an Robin leiden, und zum anderen die in ärmlichen Verhältnissen lebenden Ratliffs, die sich entweder als Kriminelle oder Laienprediger durchs Leben schlagen. Ist der Haushalt der Cleves vor allem durch Frauen geprägt (Robins Vater Dix hat die Familie kurz nach dessen Ermordung verlassen), die sich gegenseitig Schutz und Kraft geben, sind es bei den Ratliffs vor allem Männer, die durch ihr aggressives Konkurrenzverhalten, durch Gewalt, Drogenkriminalität und Rassismus in Erscheinung treten.
Obwohl mit vielen Gegensätzen gespickt, verzichtet Tartt dabei auf Schwarz-Weiß-Malerei. Ihre Figuren zeichnet sie differenziert und detailliert und spart nicht mit starken, manchmal allerdings auch überzeichneten und recht bizarren Bildern, wie etwa in der oben erwähnten Anfangsszene. Einige dieser Bilder geraten darum unfreiwillig komisch und absurd. Dort, wo Tartt beabsichtigt ihren trockenen Humor einsetzt, zum Beispiel bei der Schilderung der exzentrischen Großtanten, tut sie dies leise und sparsam. Ihr breit angelegtes Erzählspektrum umfasst mehr dramatische und spannende Ereignisse, etwa als Harriet und Hely gemeinsam eine Giftschlange stehlen, sowie ruhig erzählte Innenansichten ihrer Charaktere. Tartts kraftvoller, nüchterner und distanzierter Stil scheint in den stärksten Momenten die Zeit einzufrieren. Das Grauen der Erwachsenenwelt kommt für die beiden Kinder Harriet und Hely auf leisen und schleichenden Sohlen daher. Nicht ohne Grund spielen Schlangen eine wichtige Rolle in dem Roman.
Im Zentrum steht jedoch Harriet, ein Mädchen an der Schwelle zur Jugendlichen. Somit kann der Roman auch als Entwicklungsroman verstanden werden. Hier zeigt er aber auch seine größten Schwächen: Eine Entwicklung durchlebt Harriet nämlich nicht. Bis zum Ende der Handlung, die sich über einen Sommer erstreckt, bleibt das Mädchen eine störrische, egoistische und unsympathische Göre. Obwohl intelligent und aufgeweckt, lernt Harriet nichts dazu und wirkt mit ihren zwölf Jahren fast schon so verbohrt wie ihre schrulligen Großtanten, nur mit dem Unterschied, dass letztere eine Liebenswürdigkeit ausstrahlen, die Harriet vermissen lässt.
Dieses Manko führt dazu, dass nur wenig von Tartts ausschweifender Erzählkunst dem Leser wirklich nahe geht - zu distanziert, zu kalt schildert sie ihre Hauptfigur. Wesentlich gelungener sind da die dramatischen Begebenheiten, die den Leser gefangen nehmen. Trotzdem bleibt das Buch unausgewogen und hinterlässt den Eindruck, dass die Autorin eine literarisch anspruchsvolle Familiengeschichte schreiben wollte, letztlich aber durch überzeichnete Bilder und eine unterkühlt wirkende Hauptfigur gescheitert ist.
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28 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Juni 2003
Ich habe das Buch bereits in Englisch gelesen. Donna Tartts neues Buch hat mit ihrem ersten Buch "Die Geheime Geschichte" nichts gemeinsam. Wenn man die ersten Kapitel liest, könnte man glauben, das Buch sei ein Krimi, wie sie z.B. Elizabeth George schreibt. Ob wohl der Mord am 9jährigen Robin Aufhänger und Motor des Buches ist, kommt es doch eher einem ausführlichen Familiendrama gleich. Robins jüngere Schwester setzt es sich im Buch zum Ziel, den Mörder ihres geliebeten und im wahrsten Sinne vergötterten Bruders aufzuklären. Sobald sie sich sicher ist, den Mörder gefunden zu haben, plant sie einen Racheakt. Harriet ist zu diesem Zeitpunkt 12 Jahre alt und der Mord liegt bereits fast ebenso lange zurück. Die Familie hat den Todesfall verdrängt. Das Buch zeichnet jede einzelne Figur genau nach, selbst Randfiguren sind so liebenswert beschrieben, dass man manchmal schmunzeln muss, wie genau Donna Tartt das Leben in den amerikanischen Südstaaten beschreibt. Die schwarze Haushaltshilfe fehlt ebensoweinig wie eine ganze Reihe von Tanten und einer Mutter mit psychischen Problemen. Das Buch entwickelt seine Geschichte sehr langsam und sehr detailiert. Vieles Wichtige findet sich dann schließlich eben in diesen Details, man muss das Buch aufmerksam lesen, um nicht zu verpassen, wie geschickt die Geschichte aufgebaut ist.
Mir hat das Buch gut gefallen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. August 2008
"Für den Rest ihres Lebens würde Charlotte Cleve sich die Schuld am Tod ihres Sohnes geben...".
So beginnt Donna Tartts fulminantes Zweitwerk, in dem sie den Leser auf jeder einzelnen der 750 Seiten mit einer Wucht fesselt, die so groß ist, dass man droht, im Kosmos von Alexandria, Mississippi, unterzugehen. Ab dem ersten Satz taucht man ein in eine bedrohliche, wüste Welt, in der sich die Schicksale der Figuren abspielen, entwickeln, verknoten und zu entzerren suchen. Man möchte meinen, der Fokus bliebe auf Charlotte Cleve, doch wie die meisten der anderen Figuren tritt sie zurück (um im Hintergrund nicht weniger stark präsent zu sein), um den Blick freizumachen auf Harriet, ihre jüngere Tochter. Sie ist es, auf die das Augenmerk der Erzählerin nach wenigen Zeilen gerichtet wird, und dieses wird über die ganze Geschichte hinweg nie aufgegeben. Dadurch wirkt Harriet am lebendigsten, am beweglichsten, und dies ist Tartts Absicht. Denn sie, Harriet, ist es, die sich tatsächlich noch bewegt, während so gut wie alle anderen Menschen in ihrem Leben aufgehört haben, zu kämpfen. Und es ist ein Kampf, den Tartt beschreibt, so unbarmherzig klar und hart, wie er ist. Harriet kämpft gegen das Schweigen an, das seit der Ermordung ihres Bruders vor 11 Jahren über ihrer Familie schwebt, gegen die Stille, gegen den Tod selbst; gegen ein Leben, das kein Leben mehr in sich birgt: Sie ist 11 Jahre alt, als sie zu Beginn der Sommerferien beschließt, den Mörder ihres Bruders Robin zu finden.
Man verfolgt Harriet, ihre Wege, ihre Gedanken, ihre Pläne. Mit tiefer Beklommenheit und Betroffenheit, die sich bis zur Erschütterung steigert, erlebt man, wie Harriet nach Antworten sucht in einer Welt, die verstummt ist. Es ist schwer, auszuhalten, wenn man begreift, wie alleine dieses Mädchen in dieser ruhmlosen Stadt im Südwesten der USA ist, als sie beginnt, sich auf die Hinterbeine zu stellen.

Da ist Harriets Mutter, die seit dem Mord an ihrem Sohn schwer traumatisiert durch einen Tagtraum mit Tranquilizern vegetiert. Da ist Allison, Harriets ältere und depressive Schwester, die kaum spricht und sich in einem schrecklichen Kampf mit ihren inneren Dämonen befindet, da ist Harriets Vater, der sich nach dem Tod des Sohnes in einen anderen Bundesstaat abgesetzt hat und einmal im Monat einen Scheck schickt.
Und da sind Harriets Großmutter Edie und ihre drei Schwestern, die sich ebenso alle darauf verlegt haben, ein Netz des Schweigens über dieses dunkle Geheimnis zu breiten, das auf der Familie lastet.
Es ist dieses Schweigen, gegen das sich Harriet mit aller Macht stemmt, denn sie spürt, dass sie ihm - wie alle anderen - erliegen wird, wenn sie den Kampf aufgibt. Es ist die Weigerung der Familie, über Robins Tod zu sprechen, ein gemeinsames Verständnis seines Todes aufzubauen, um mit dem Leben in irgendeiner Form weitermachen zu können. Doch diese Weigerung führt dazu, dass eine Entwicklung, ein Vorwärtskommen nicht gelingen kann. Harriet merkt, wie das erlebte Grauen ihre Familie verrückt gemacht hat, und so ist es nicht nur der Wunsch, Robin posthum zu rächen und vielleicht auch zu retten, sondern auch der, ihr eigenes Leben vor dem Untergang zu bewahren, der sie antreibt.
Es ist ein verzweifeltes Aufbäumen Harriets gegen die lähmende Stille, welche sich aller anderen um sie herum bemächtigt hat. Sie weiß, dass es nur einen Weg geben kann, um dem Trauma der Psyche und dessen Folgen zu entkommen, die ihre Familie bereits zerstört haben. Sie versucht, dem Grauen und der Trauer endlich ein Gesicht zu geben.

Es gibt drei Menschen, die Harriet ein wenig Stütze und Sicherheit geben können, um sich im Leben zurechtzufinden. Ida, die schwarze Haushälterin seit Jahrzehnten, Mutterersatz für Harriet und ihre Schwester. Libby, Harriets Großtante, die dem Kind Zuneigung und Wärme bietet. Und da gibt es noch Hely, Harriets Schulfreund, mit dem sie viele Momente ihres Weges teilt.

Wie in einem Kinofilm rast man durch die Kapitel des Buches und hat eine Welt vor Augen, die so schneidend klar ist, dass man manchmal sein inneres Auge vor ihr verschließen möchte. Die Geschichte ist schnell getaktet und verliert niemals an ihrer drängenden, treibenden Energie. Es ist die Energie Harriets, die sie dazu bringt, weiterzumachen, und man spürt sie, so stark und deutlich, als spränge sie einem aus den Seiten des Buches entgegen.

Man lernt Harriets innere Welt kennen, die verstörend ist, aber nichtsdestoweniger nachvollziehbar. Man versteht, warum sie handelt, wie sie handelt. Es sind die Taten eines verlassenen Kindes, das verzweifelt einen Weg sucht, mit seinem eigenen Schmerz fertigzuwerden - einem Schmerz, mit dem es von allen anderen um es herum alleine gelassen wurde.

Tartt verschmilzt die Teile der Geschichte zu einem wunderbaren Ganzen. Thematisch beschäftigt sich "Der kleine Freund" mit Rassenproblemen, soziologischen Phänomenen und gesellschaftlichen Normfragen. Doch letztendlich ist das Buch ein psychoanalytischer Roman erster Güte. Dem aufmerksamen Leser werden die Hinweise und Symbole nicht entgehen, die Rückschlüsse ziehen lassen auf die unbewussten Gefühle, die in Harriet toben, und sogar auf die Identität des Mörders. Diese Hinweise sind es, die zum wahren Verständnis dieser einzigartigen Figur führen.

Es bleibt die Frage nach der Existenz des kleinen Freundes. Wer ist er? Die Frage bleibt offen - oder auch nicht. Vielleicht ist der kleine Freund jener Teil in Harriets Psyche, der ihr Vertrauen und Sicherheit spendet. Vielleicht ist er eine sprachliche Metapher für all die kleinen Freunde in unserem Leben, die uns unsere Aufgaben zwar erleichtern, jedoch niemals abnehmen können. Vielleicht aber steht der Begriff für einen Gott in welcher Form auch immer, der sie retten soll. Und sollte dies so sein, dann zeichnet Donna Tartt eine Kraft, die uns auffordert, mit ihr gemeinsam die Probleme dieser Welt zu lösen - und niemals aufzugeben.

Lesen Sie dieses Buch. Es wird Sie berühren. Und verändern.
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