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am 30. August 2005
Wer sich Steven Erikson's "Die Gärten des Mondes" zu Gemüte führt, der darf nicht die übliche Fantasy-Fadenspinnerei ala Jordan's "Rad der Zeit" oder Goodkind's "Schwert der Wahrheit" erwarten.
Auf den unerfahrenen Erikson Leser wirken die vielen verschiedenen Handlungsstränge des ersten Bands der Serie "Spiel der Götter" (die Serie lautet im englischen Original: Malazan Book of the Fallen) teilweise sehr verwirrend, da ständig neue Charaktere eingeführt werden. Der Leser bewegt sich regelmäßig an der Grenze zum "Jetzt reichts aber!" Doch die Belohnung kommt! Keine andere Fantasy-Welt bietet die Komplexität mit der Eriskon den Leser auf sprachlich wundervolle Weise unterhält. Seine Charaktere sind wunderbar lebendig, teilweise extrem witzig und haben alle ihre Schwächen.
Im Gegensatz zur Konkurrenz lässt Erikson bisher qualitativ nicht nach! Im Gegenteil: Je weiter die Serie fortschreitet, umso liebevoller führt er (neue) Charaktere ein/fort. Er scheut auch nicht davor Schlüsselcharaktere sterben zu lassen und Handlungsstränge gänzlich zu beenden, obwohl es sich um eine Serie handelt.
Das "Spiel der Götter/ Malazan Book of the Fallen" erhält seinen Seriencharakter dadurch, dass regelmäßig altbekannte Charaktere auftauchen und Handlungsstränge weitergeführt werden. Dabei mischt Erikson sehr gekonnt neue Aspekte, Charaktere und Sichtweisen unter fortlaufende Erzählungen. Verteufelt der Leser innerlich noch anfangs bestimmte Charaktere, schiebt ihm Erikson später bestimmte Ereignisse aus anderer Sichtweise unter.
Die Truppe um die Brückenverbrenner herum wächst einem schnell ans Herz. Man freut sich immer wieder, wenn die Handlung zu Sterblichen wie Kalam, zum schnellen Ben, Hauptmann Paran, Elster, u.a. zurückkehrt, während über allem das Intrigennetz der Götter schwebt. Sterbliche steigen zu den Göttern auf und Götter fallen tief..
Erikson's Schreibstil ist sehr metaphernhaltig ohne dabei gekünstelt blumig zu wirken. Es geht teilweise sehr blutig und brutal zu, doch rutscht Erikson sprachlich nie ab. Erikson verherrlicht Gewalt nicht, sondern schildert sie oft ernüchternd traurig.
Für Fantasyfans führt kein Weg an dieser Serie vorbei! Es ist Fantasy der Oberliga! Die Serie entfaltet ab dem 3. Band ihre volle Kraft.
Negativ: Mal wieder wurden englische Originale auseinandergerissen und aus kommerziellen Gründen auf mehrere deutsche Bände verteilt. Die Übersetzung von Tim Straetmann ist aber (zum Teil) ganz gut gelungen.
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am 28. August 2001
1000 Worte reichen kaum aus,um Eriksons Meisterwerk "Die Gärten des Mondes" ausreichend zu würdigen. Wo soll man anfangen?Vielleicht bei detaillierten Beschreibung der Welt mit seinen Kreaturen,den Völkern mit eigenen Riten und eigener Kultur,bei der Magie,die so beschrieben einzigartig in der Fantasylitertaur ist. Oder soll man die wunderbaren Charaktere würdigen? Da ist zum Beispiel Ganoes Paran,ein Hauptmann des malazanischen Imperiums,für das er als Adliger eigentlich keine wirkliche Liebe verspührt und sich trotzdem noch immer nach einem Heldenleben sehnt. Oder Rallick Nom,der Assassine,der trotz seines Berufes ein ehrenwerter Mann mit festen Prinzipien ist. Kruppe,mein persönlicher Liebling,ein kleiner,fetter Mann,der sich seiner Schwächen ,aber auch seiner besonderen Stärken bewusst ist,der sich immer wieder in nicht zu enden scheinenden Monologen verliert und der mit seinem Humor alleine schon ein ganzes Buch füllen kann. Keiner der Charaktere ist weder ganz gut,noch ein wirklich bösartiges Individuum.keiner von Ihnen ist unfehlbar oder unbesiegbar..einschlieslich der Götter.
Man sollte aber auch die Geschichte nicht vergessen:Ein weltumspannendes Imperium,welches dank der wohl diszipliniertesten Streitkräften,seiner hervorragenden Magier,den gefürchteten Assassinenkommandos und nicht zuletzt des nun verstorbenen Imperator Kellanved und seines nun ebenfalls ermordeten,charismatischen Begleiter Tanzer die halbe Welt unterworfen hat.Auf dem Kontinent Genabackis jedoch scheint dieser Feldzug in einem Disaster zu enden.Zugleich mischen sich auch die Götter ein,die ihre eigenen Spiele spielen und die dabei doch den Menschen immer noch unheimlich ähnlich sind.Eine wirklich wundervolle Geschichte beginnt sich dem Leser zu eröffnen,die er nach dem Lesen von "The Deadhouse Gates" besser zu vertshen beginnt.
Eine hervorragend erzählte Geschichte,die sich vor einem Vergleich mit George Martins "Lied von Eis und Feuer" nicht zu verstecken braucht...und ein größeres Kompliment kann man einem Fantasyauthor dieser Tage,so denke ich,kaum machen,stellt doch Martin derzeit das non-Plus-Ultra da..und damit meine ich,auch im Vergleich zu Tolkien,Feist,Williams und Kay,Jordan etc.
Man sollte sich Erikson auf keinen Fall entgehen lassen,auch wenn man sonst nicht viel mit Fantasy anzufangen weiss.Denn die Geschichte erzählt vor allem von Menschen,mit all ihren Stärken und Schwächen,mit all ihren Wünschen und Begierden...und ihren Grausamkeiten.
Wo doch die Zivilisation Homers Illias als Beginn der abendländischen Kultur begreift...warum kann man dann nicht auch wieder moderne Fantasy lesen? Es muss doch noch etwas anderes geben,als Groschenromane,Harry Potter und Tom Clancy.
Es sei nur noch angemerkt,dass das Setting relativ düster ist und sich am besten mit George Martin vergleichen lässt..trotzdem:unbedingt lesen..sie haben sonst etwas wirklich Wundervolles verpasst!
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am 7. September 2014
Weder kann man dieses Buch ohne Vorbehalte mit fünf Sternen bewerten, noch sollte man ihm nach einem Hinschmiss ohne es zu Ende gebracht zu haben, nur einen Stern geben. Weder die eine, noch die andere Bewertung wird dem Buch wirklich gerecht und dennoch kommen für mich doch nur fünf Sterne in Frage.

Hierzu muss erwähnt sein, dass ich mich in dieser Reihe im Moment auf Stand von Buch 5 (Der Tag des Sehers) befinde und ich mich im Zuge eines erneuten Lesens dazu entschieden habe, nun doch meine Meinung zu veröffentlichen. Man kann diesem Buch einen Stern geben, wenn es einem nicht gefällt. Dieses Recht kann und sollte man niemandem absprechen. Es aber zu tun unter der Begründung, der Autor würde zu kindlich schreiben, die Charaktere wären zu flach und die Intriegen nicht glaubhaft dargestellt, halte ich in vielerlei Hinsicht für falsch und zu voreilig gehandelt. Häufig wird diese Reihe mit "Das Lied von Eis und Feuer" verglichen und mir fallen spontan auch kaum Möglichkeiten ein, es nicht zu tun, da mir spontan sehr wenig Fantasyromanreihen einfallen, die eine ähnliche Tragweite und Ernsthaftigkeit vorzuweisen haben, wie "Das Spiel der Götter". Dieser Vergleich weckt aber oft falsche Erwartungen an die Leser, die mit dem Lied von Eis und Feuer möglicherweise auf diese Reihe gestoßen sind, so wie ich im weitesten Sinne. Das Lied von Eis und Feuer bietet sehr gut durchdachte, vielschichtige Charakter und eine Handlung, die fern der üblichen Klischees von Gut gegen Böse ist und auch fern der üblichen Klischees von Rassen die in dieser Art von Romanen vorherrschen. Das Spiel der Götter ist anders. Das muss einem Leser bewusst sein. Wenn ich abstimmen müsste, was ich ungerne tun würde, da mir beide Reihen über alle Maßen hinaus gefallen haben, würde ich mich am Ende dennoch für das Spiel der Götter entscheiden. Es ist die Fähigkeit des Autors, einen in eine über mehrere hunderttausende von Jahren alte Welt und in eine schon lange andauernde Handlung zu werfen, die viele interessante Punkte schon lange erlebt hat, genau so viele aber noch vor sich hat und sich dem geneigten Leser als immer interessanter präsentieren dürfte. Es ist dabei der Fähigkeit des Autors geschuldet, dem Leser immer nur genau die Informationen zukommen zu lassen, die man als Beisteher der Gespräche mitbekommen würde, ab und an gewürzt, durch Einblicke in die tatsächlichen Gedanken, die diese Buchreihe so interessant wie schwer zu lesen machen.
Der Leser ist nicht der allwissende Schlaue, der den Charaktern im Buch voraus ist und ihnen am liebsten sagen würde, wie dumm sie sich doch verhalten, aus Sicht des Lesers. Der Leser ist Teil der Geschichte, ein Mitglied, dem man genau so viel zukommen lässt, wie er in der jeweiligen Situation gerade braucht. Das macht diesen besonderen Reiz aus. In einem Konflikt zwischen menschlichen Reichen, jahrtausender alten Rassen und Völkern und einer Vielzahl von Göttern weiß man bis zum Ende dieses Buches nicht, woran man wirklich ist. Ein Ausblick, der meiner Meinung nach kein Spoiler ist, dieses Gefühl begleitet den Leser auch über die Folgebände. In dieser Buchreihe wird man nicht an die Hand genommen und durch jede Intriege geführt mit Hinweisen und Erklärungen, wieso jetzt genau die Handlung so sinnvoll ist und was genau welche zu bedeuten hat. Der Leser muss damit leben, im Unklaren gelassen zu werden. Die jeweiligen Charakter sind mit ihrer Situation beschäftigt und werfen dem Leser häufig Geschichtsbröckchen vor die Füße, Andeutungen die jeder versteht, außer dem Leser, da er zu der Zeit der Handlung noch nicht im Geschehen war, oder weit entfernt. Aber wie erwähnt, das macht seinen besonderen Reiz aus. Der Leser wird zum Mitdenken aufgefordert. Er wird aufgefordert, die Charaktere kennen zu lernen um etwas über ihre nächsten Schritte vorauszusagen, ob diese jetzt stimmen oder nicht. Er wird hierbei immer wieder überrascht werden, sowohl von seiner Intuition wie auch den Charakteren, die ihm nicht vor die Füße geworfen werden, sondern entdeckt werden wollen.

Es ist eine fertige Handlung in die der Leser fällt. Es ist alles vor seinen Füßen ausgebreitet und dennoch wird er nur sehr wenig sofort mitbekommen oder verstehen. Dieses erste Buch zu lesen ist schwer. Ich habe mich die ersten hundert Seiten gequält, dann habe ich mich noch ein paar hundert Seiten gequält, aber schon etwas weniger. Ich habe es dann zu Ende gelesen und habe mich nicht mehr gequält, obwohl eigentlich nichts beantwortet wurde. Beim ersten Mal. Mit dem Wissen bis einschließlich der Handlung über Band 5 ist es ein wahres Fest, dieses Buch erneut zu lesen. Man kann dem Autor vieles vorwerfen, aber nicht, oberflächlich und undurchdacht zu schreiben. Hinweise, die man vorher abgetan hat, weisen eine Tiefe auf, die einem beim ersten Mal gar nicht auffallen kann, so gerne einige da sicher widersprechen möchten, und wenn es ihnen aufgefallen ist, umso besser.

Was man sich in jedem Fall vor Augen führen muss. Dieses Buch ist der Anfang einer Reihe von im deutschen zumindest 15 Veröffentlichungen, die zumindest hier noch nicht abgeschlossen ist (Veröffentlichung der Bücher). Wer hier Antworten auf alle seine Fragen erwartet, ist eindeutig an der falschen Adresse. Dieses Buch ist ein einziges Fragezeichen für den Leser und soll ihm zeigen, worauf er sich einlässt, eine Welt in der nicht alles einfach ist, in der Antworten schwer zu bekommen und zu den richtigen Schlüssen zu kommen noch schwerer ist.

Dieses Buch ist weder für Kinder noch für Personen gemacht, die einfache Lektüre wollen. Weder kann man es mit dem Lied von Eis und Feuer und noch viel weniger mit Buchreihen wie "Die Zwerge", "Die Elfen" etc. vergleichen, jeglicher Versuch in diese Richtung ist eigentlich zum Scheitern verurteilt. Dies soll allerdings keine Aussage in Richtung "zu komplex für dich", "du verstehst es einfach nicht" sein, bei weitem nicht. Komplex, ja, genau das ist das Buch, über einige Maßen hinaus, die man sonst gewohnt ist, aber nicht unverständlich. Nur schwer. Man kann sich darauf einlassen, oder man lässt es. Diesem kreativen Meisterwerk aber aus der Abneigung heraus, sich selber intensiv mit etwas zu beschäftigen, was einem nicht auf dem Silbertablett serviert wird, nur einen Stern zu geben, halte ich in vielerlei Hinsicht für unangebracht.

In dem Sinne ist das Buch für mich als Einstieg in diese Ausnahmereihe im Bereich Fantasy nur fünf Sterne wert.
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am 4. November 2013
Ich bin ja kein Anhänger dieser "eingedeutschten" Titel, aber in diesem Fall finde ich "Das Spiel der Götter" sehr treffend (der Originalname "The Malazan Book Of The Fallen" ist da eher vage gehalten). Der Einfluß der Götter ist nämlich in dieser Welt so groß, daß sie sogar Menschen vollständig übernehmen und fernlenken können (ohne daß diese etwas davon wissen). Warum sie das aber tun, ist mir nach Lesen von "Die Gärten des Mondes" - wie noch so manch anderes - verborgen geblieben.

Autor Steven Erikson legt für meinen Begriff zu wenig Augenmerk auf Beschreibungen und Erklärungen. Was ist eine "Mandata"? Wie soll man sich ein "Gewirr" vorstellen? Wie schaut ein "Jaghut" aus, wie ein "T'lan Imass", wie ein "Tiste Andii", wie die schwebende(!) Festung "Mondbrut"? Sicher, Fantasy hat mit Fantasie zu tun, aber wenn ich mir alles selber vorstellen muß, wird es schwierig. Die Charaktere bleiben sehr oberflächlich, ich habe keinen gefunden, mit dem ich mich identifizieren könnte, oder der auch nur interessant wäre.

Die Story beginnt eigentlich verheißungsvoll, flacht dann schnell ab, gegen Ende scheinen die Fäden dann wieder zusammenzulaufen, aber schließlich endet das Buch nicht, es hört einfach auf und man ist genau so schlau wie vorher. Viel Stückwerk, das sich einfach nicht zu einem schlüssigen Gesamtbild formen will.

Insgesamt bin ich von dem Buch sehr enttäuscht und sehe auch keine Veranlassung, die Reihe weiterzulesen.
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am 14. Juni 2016
Kurz zum Inhaltlichen:

Die kürzlich auf den ermordeten Imperator des malazanischen Reiches gefolgte Imperatrix Laseen befindet sich mitten in einem weitumfassenden Eroberungsfeldzug quer verteilt über verschiedene Kontinente der Welt, um sowohl ihre Macht, als auch die Größe ihres Reiches zu mehren. Doch im Verborgenen regt sich bereits seit einiger Zeit Widerstand - Und um diesem und der Gefolgstreue zum verblichenen alten Imperator einen Riegel vorzuschieben, entsendet sie eine Art Elitetruppe, die Brückenverbrenner um Sergeant Elster und seine Mannen in eine ferne Stadt um diese einzunehmen.

Aber wie sich herausstellt, ist die Vernichtung eben dieses, dem alten Imperator noch immer treu ergebenen Trupps, das eigentliche Ziel des selbstmörderischen Kommendos und Elster, seine Soldaten und Magier müssen sich entscheiden, ob es ihnen um ihr eigenes Leben oder dem Fortbestand des Feldzuges geht..

Meine Meinung:

Sehr lange schon habe ich bisher gezögert mich an diese Mammutreihe zu wagen.
Zu sehr hat mich das stetige (ja schreit mich ruhig dafür an) Abfallen der Spannungs- und Geduldskurve bei unserem, von allen Fantasyfans gesungenen, Lied von Eis und Feuer enttäuscht.

Daher habe ich mir gedacht: "Hey.. Der Mr. Erikson hat es bereits fast fertiggestellt - Dann können wir jetzt starten."

Und wie es gestartet ist! Man stelle sich einen Rennwagenmotor vor. Zuerst etwas stotternd zündet er. Lässt den Wagen etwas schlingern, um uns wenig später (Seite 100-150) aber so richtig in den Sitz zu pressen.
Eines allerdings vorweg: Erikson hat viel, sehr viel sogar mir G.R.R. Martin gemeinsam. Angefangen bei einem wahren Kleinstaat an Protagonisten, die er ebenso grausam und zügig dahinscheiden lässt, sobald man sie liebgewonnen hat. Die Art und weise Kapitel für Kapitel (manchmal auch mittendrin) die POV zu ändern, was der Dynamik der Erzählung manchmal das Tempo, aber nie den Spannungsbogen rausnimmt.
Jetzt das ABER: Er ist bei Weitem nicht von der mittelalterlichen Bodenständigkeit besessen, wie Martin. Seine Welt ist zwar ebenso düster, wie in DLVEUF, aber weitaus mehr in Fantasyrichtung ausgelegt. Wo man geht und steht trifft man auf Magie, Zauber und geheimnisvolle und wenig menschliche Völker und Personen, Dämonen begegnen einem ebenso, wie die namensgebenden Götter (die weitaus weniger allmächtig und unsterblich sind, als es den Anschein haben könnte..)

Es ist große High-(Dark)-Fantasy, die Steven Erikson vor uns ausbreitet (bzw. damit beginnt sie auszubreiten) und eben KEINE variable Version der Rosenkriege, wie sie George Martin (dennoch noch wahnsinnig gut) geschaffen hat.

Und wer sich auf einen nicht immer stolperfreien Start einlässt, etwas Durchhaltevermögen an den Tag legt, der wird mit einem der gigantischsten Fantasy Zyklen belohnt, der jemals auf Papier gebracht wurde.
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am 4. Mai 2016
„Die Gärten des Mondes“ von Steven Erikson ist ein längst überfälliger Reread. Ich besitze das Buch seit Dezember 2012 und habe es etwa zur gleichen Zeit das erste Mal gelesen. Damals wusste ich noch nicht, dass es sich dabei um den Auftakt der sehr umfangreichen Reihe „Das Spiel der Götter“ handelt, die bis heute 15 Bände umfasst. Es dauerte, bis ich mich soweit vorwärts gekauft hatte, dass sich ein Reread des ersten Bandes lohnte, doch im März 2016 war es soweit. Ich holte „Die Gärten des Mondes“ aus dem Regal, bereit, erneut in Eriksons hochkomplexe High Fantasy – Welt abzutauchen.

Der Machthunger der malazanischen Imperatrix kennt keine Grenzen. Seit Jahrzehnten streckt sie ihren starken Arm nach Genabackis aus. Eine Perle fehlt noch in ihrer Sammlung: Darujhistan, die letzte freie Stadt Genabackis‘. Doch der entscheidende Feldzug wird von einer düsteren Erscheinung überschattet. Über Darujhistan thront die schwebende Festung Mondbrut und bietet der Stadt einen zweifelhaften Schutz. Um den Einfluss Mondbruts auszuhebeln, entscheidet die Imperatrix, eine Eliteeinheit nach Darujhistan zu schicken. Die Brückenverbrenner unter Sergeant Elster waren die Lieblinge des alten Imperators, die Imperatrix scheint jedoch alles daran zu setzen, Elsters Truppe loszuwerden. Darujhistan zu infiltrieren gleicht einem Selbstmordkommando. Nicht nur, weil der Herr von Mondbrut im Geheimen Intrigen mit den Meistern der Stadt schmiedet, sondern auch, weil sich die Götter selbst eingemischt haben. Unschuldige werden zu unberechenbaren Marionetten. Das Spiel um Macht zwischen Herrschern, Assassinen, Magiern und Göttern hat begonnen und niemand kann vorhersagen, wer überleben wird.

Ich muss etwas gestehen: die Aussicht auf die Rezension zu „Die Gärten des Mondes“ hat mich noch vor dem Lesen massiv eingeschüchtert. Da ich das Buch bereits kannte, wusste ich, dass ich niemals eine Rezension schreiben könnte, die diesem Reihenauftakt völlig gerecht wird. Also habe ich entschieden, es gar nicht erst zu versuchen, denn ich glaube, „Die Gärten des Mondes“ kann man sowieso nicht begreifen, indem man darüber liest. Man muss es erleben. Es gibt kein Buch und keine Reihe, mit dem oder der es vergleichbar wäre. Steven Erikson verleiht dem Genre der High Fantasy meiner Ansicht nach eine völlig neue Bedeutung und hebt es auf eine neue Stufe. Ich empfinde nichts als Ehrfurcht und tiefe Bewunderung für ihn. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie einen Schriftsteller kennengelernt, der ähnlich komplex, intelligent und anspruchsvoll schreibt. Ich kann es nicht anders sagen: Steven Erikson ist der Beste. Sein Weltendesign ist extrem detailliert, er bietet massenweise Figuren an, mit denen ich mich mal mehr, mal weniger identifizieren konnte und verarbeitet darüber hinaus noch ein wahnsinnig kompliziertes Magiesystem, ohne jemals ins Stolpern zu geraten. Alles wirkt rund, im Fluss und perfekt aufeinander abgestimmt – ein deutliches Indiz für den enormen mentalen Aufwand, den der Autor bereits vor dem Schreiben betrieben hat. Die jahrelange Vorbereitung ist auf jeder Seite spürbar, die es Erikson wohl überhaupt erst ermöglichte, für „Die Gärten des Mondes“ eine Handlung zu konstruieren, die verschachtelt, unvorhersehbar und absolut konsequent ist. Er schenkt seinen Leser_innen nichts und verlangt von ihnen ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Aufmerksamkeit; schon ein einziger Moment der Ablenkung kann ausreichen, um den Faden zu verlieren. Ich war gezwungen, während der Lektüre in regelmäßigen Abständen innezuhalten, mich zurückzulehnen und erst einmal zu rekapitulieren, was ich bis dahin über die Vorgänge in „Die Gärten des Mondes“ gelernt habe, denn Erikson treibt seine Geschichte unbarmherzig voran. Zeit zum Durchatmen gibt es nicht, jede Szene zeichnet sich durch Signifikanz für das große Ganze aus. Ich kann mir vorstellen, dass dieser strenge, rücksichtslose, äußerst ambitionierte Entwicklungsprozess der Handlung nicht allen Leser_innen gefällt, aber ich bin davon hemmungslos begeistert. Ich möchte beim Lesen nicht immer in Watte gepackt werden; ich liebe die Herausforderung und freue mich darüber, wenn Autor_innen mir zutrauen, mich in ihrer Geschichte zurecht zu finden, ohne mir alles auf dem Silbertablett präsentieren. Natürlich war die Lektüre von „Die Gärten des Mondes“ anstrengend; all den Input zu verdauen, war beschwerlich, doch dafür habe ich mich auch unvergleichlich intensiv mit dem Buch beschäftigt. Ich konnte mich nicht weigern mitzudenken, ich konnte nicht faul sein und die Geschichte einfach auf mich einprasseln lassen. Ich musste mich aktiv mit dem Gelesenen auseinandersetzen, andernfalls hätte ich es nicht verstanden. Ich feiere „Die Gärten des Mondes“, denn in meinen Augen ist es mit Abstand der beste High Fantasy – Roman, den ich je gelesen habe. Unerreicht und unübertroffen.

„Das Spiel der Götter“ ist High Fantasy auf allerhöchstem Niveau. Die Handlung des ersten Bandes „Die Gärten des Mondes“ ist nur ein winziger, aber köstlicher Bruchteil dessen, was da noch kommen mag. In einer Fantasy – Reihe, die höchstwahrscheinlich auf Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte ausgelegt ist und gigantische geografische Dimensionen umspannt, kann einfach alles passieren und ich bin überzeugt, dass Steven Erikson jeden Winkel dieses Spielraums nutzen wird. Er ist so gut. Ich kann es kaum erwarten, mich dem zweiten Band „Das Reich der Sieben Städte“ zu stellen.
Ich empfehle euch vehement, eigene Erfahrungen mit „Das Spiel der Götter“ und Steven Erikson zu sammeln, denn nur so werdet ihr wirklich verstehen, warum ich mich außer Stande sah, eine angemessene Rezension zu „Die Gärten des Mondes“ zu schreiben. Mag sein, dass diese Reihe keinen Hype ausgelöst hat. Mag sein, dass sie nicht verfilmt wurde und vermutlich auch niemals verfilmt wird. Das spielt keine Rolle. Sie ist trotzdem das Beste, was die High Fantasy zu bieten hat.
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am 22. Juli 2015
..ich bin jetzt im ZWEITEN Anlauf bis zu Seite 74 gekommen, hatte das Buch vor einem halben Jahr schon einmal weggelegt...Zäh bleibt (noch) ein gewisser Vorbehalt kleben, der auch beim zweiten Leseversuch noch nicht eliminiert ist. Denn schon damals hat mich das Gleiche gestört wie jetzt auch wieder:

Die Stimmung beim Lesen erinnert mich ein wenig an das PC/XBox-Spiel "Morrowind" oder auch dessen Nachfolger "Oblivion" (falls das jemand kennt) und gefällt mir eigentlich schon. Der Buchtitel der Reihe: "Das Spiel der Götter" und auch deren Untertitel "die Gärten des Mondes" klingt interessant und etwas mystisch, macht mir eigentlich Lust zu Lesen. Hervorragend wäre auch die Vorstellung in der langen Wartezeit auf George RR Martins nächsten ASOEAF-Band eine Reihe gefunden zu haben die zumindest halbwegs so toll wäre.

--> ABER (und das ist viel wichtiger...) ich finde es ziemlich anstrengend zu Lesen und irgendwas etymologisches stört mich gewaltig an den Namensgebungen der Personen und Städte. Sie passen einfach schlecht zueinander.
Das passt zusammen wie Ostereier an Weihnachten : "Kreisbrecher" (deutsch); "Challice" (französisch); "Lim und Lorn" (nordisch?) "Derudan und Baruk" (arabisch ?); "Topper" (amerikanisch?) etc.. Auch die Ortsnamen wollen schlecht zueinander passen : zb "Appel" und "Darujhistan" oder "Grauhund" und "Itko Khan".... Zusätzlich wird wenig Rücksicht auf den ohnehin etwas überfahrenen Leser genommen, in dem sich bestimmte Personen-oder Orts-namen auch noch verdammt gleichen ("Genabakis" (Land ?) und "Genabaris" (Stadt ?); "Ganoes und Gamet"; "Ammanas und Aragan" etc...)

Dies führt dazu, das man sich mehr schlecht als recht mühsam durch die ersten 100 Seiten kaut und mit jeder weiteren Seite scheinbar alles verwirrender zu werden scheint. Man hat ständig das Gefühl irgendeine wichtige Information nicht gelesen oder erfasst zu haben. Das liegt aber eher an dem etwas konfusen Aufbau und nicht etwa am Intelligenzquotient des Lesers (hoffe ich mal).

Ich finde die zwei Karten (Darujhistan und Genabakis) im Einband zwar eine gute Idee- aber auf den ersten 70 Seiten ist nicht eine erwähnte Stadt (außer Fahl..) oder Ort darauf zu entdecken. Das erste Kapitel spielt offenbar in einer Stadt namens Malaz bzw deren Feste Mock. Wo das liegt bleibt dem interessierten Leser allerdings verborgen. Das erwähnte "Mausviertel" von Malaz klingt ähnlich wie das auf der Darujhistan-Karte eingezeichnete "Marschviertel". Es gibt die Feste Mock und die Stadt Mott. Mag sein, dass ich es übersehen habe, aber wo liegt die Stadt Malaz denn auf der Karte? -oder wurde sie umbenannt? Die Namensgebung ist also nicht gerade hilfreich, sich etwas zu orientieren.

Es mag ja sein, dass andere Handlungsorte im weiteren Lesen eine bedeutendere Rolle spielen und wichtiger als die zunächst erwähnten sind- aber das nervt irgendwie. Vor allem da ich es momentan noch sehr schwierig finde, überhaupt eine Übersicht zu gewinnen, wer hier welche Rolle spielt oder welche Gesinnung hat. Und überhaupt; hat nicht "Hadra" a.k.a "Laseen" ein Verbot der Zauberei im ersten Kapitel festgelegt? Warum befinden sich dann Zauberer in den Heeren des malazanischen Imperiums ? Verstehe ich nicht...

Nun ja. Ich versuche mal positiv zu denken und will hoffen, daß sich die überwältigende Zahl der amazon-Leser nicht irren kann, und mir das Buch innerhalb der nächsten 100 Seiten doch noch ans Herz wächst...(ich habe nur den leisen Verdacht an "Das Lied von Eis und Feuer" wird es nicht ran reichen...)

Kleiner Nachtrag am 07.08.2015. Es gibt Hoffnung. Ich bin auf Seite 278 angelangt. Ich stelle fest irgendetwas (Talent ?) scheint ab ca Seite 150 den Autor Steven Erikson erfasst zu haben, oder er hat sich einen Ghostwriter gesucht. Denn ab da scheint die Story so langsam einen roten Faden zu entwickeln (ich will mal nicht übertreiben..) Ab dem zweiten Buch (Seite 197) nimmt der Schreibstil teils fast poetische Züge an. Zumindest läßt sich sagen, dass sich trotz der Umstände (Namen und Orte sind nach wie vor schwer zu merken) das Buch scheinbar etwas flüssiger liest. Also bin ich etwas positiver gestimmt.
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am 22. November 2011
Gleich vorweg: Ich bin schon deutlich über den ersten Band hinaus. Das muss man an dieser Stelle wohl dazusagen, sonst reagieren diverse Erikson-Fans wieder mit der Standardfloskel: "Man kann sich nach dem ersten Band noch kein Urteil erlauben." Das stimmt und stimmt doch wieder nicht. Sicher, die Geschichte ist verworren und unglaublich breit angelegt. Doch was, wenn das negative Urteil, das man über Erikson nach den ersten Romanen fällt, auch weiterhin bestehen bleibt? Wenn es daran liegt, dass man mit dem Stoff nicht viel anfangen kann, und nicht etwa daran, dass man noch keinen rechten Überblick hat? Ein Buch wird nicht dadurch besser, dass man nach dem Nachfolger die Zusammenhänge leichter durchschaut. Und selbst, wenn das so der Fall sein sollte, ändert das nichts daran, dass der Auftaktroman sehr durchwachsen geraten ist und sich Erikson meiner Meinung nach zu viel auf einmal vorgenommen hat. Der Erzählstil ist konfus, als wisse Erikson zwar, wohin er will, schreibe dabei aber aus dem Bauch heraus einfach "drauf los". Mir kann daher keiner weismachen, dass die daraus resultierende Verwirrung ein Zeichen besonderer Komplexität ist.

Oft folgt nämlich das Totschlagargument: "Dir hat das Buch nicht gefallen, weil du es nicht verstanden hast. Also war es dir zu komplex und folglich zu anspruchsvoll." Darin enthalten ist die Andeutung, dass man als Leser nicht in der Lage zum Mitdenken und folglich in einem gewissen Maße auch anspruchslos ist, und das ist als Argument etwas dürftig und im Übrigen auch eine äußerst unverschämte Unterstellung. Denn spätestens nach vier deutschen Bänden sollte man beurteilen können, ob einem der Stoff an sich ZUSAGT - wenn nicht, dann kann auch besseres Verständnis nicht viel daran ändern. Die Durchhalteparolen, die man von Erikson-Fans bei jeder Gelegenheit hört - "Dranbleiben, es wird besser!" - wirken aus meiner Sicht daher häufig etwas blauäugig, denn "besser" ist und bleibt Geschmackssache! ;-)

Doch zu meinen eigentlichen Kritikpunkten:

Einerseits schildert Erikson die Handlung mehr oder weniger konsequent aus der Perspektive der Hauptpersonen und lässt sie oft seitenlange innere Monologe führen, andererseits beschreibt er sie selbst kaum. Das Argument, es handle sich bei ihnen um Zeitzeugen, die dem Leser eben nicht alle ihre Eigenschaften - Motivation, Gewohnheiten, Aussehen, Denkweise, Wünsche, Leidenschaften usw. - auf dem Silbertablett servieren (oder - anders gesagt - als Rätsel angelegt sind und den Leser dazu auffordern, sich selbst einen Reim darauf zu machen), lasse ich nicht gelten, denn auch Zeitzeugen sind Menschen und kommen in bestimmten Situation nicht um bestimmte Gedankengänge herum, die Erikson häufig verschweigt; sei es, weil er sich nicht wirklich in seine Hauptpersonen hineinversetzen kann/will, sei es, weil er seine Ratespielchen - bewusst oder unbewusst - bis auf die Spitze treibt. Und irgendwann ist dann der Bogen überspannt. Es ergibt einfach keinen Sinn, wenn die Geschichte zwar aus der Sicht der Protagonisten erzählt wird, essenzielle Gedankengänge aber nie auch nur angerissen werden.

Ein Problem ist wohl, dass es Erikson nur selten gelingt, diese Fakten subtil in die Geschichte einfließen zu lassen, sondern dass er offenbar nur Extreme kennt: Unterschlagung auf der einen, und Infodump auf der anderen Seite. Für letzteres sorgen ausufernde (Selbst-)Gespräche und inneren Monologe, die auf mich nicht natürlich wirken, sondern wie nachgeschobene Rechenschaftsablagen, die sich die Charaktere selbst liefern, im Grunde aber nur dazu dienen sollen, die Gedankengänge bestimmter Personen besser nachzuvollziehen. Das wirkt auf mich häufig konstruiert und hölzern.

Das Problem mag aber auch mit der Erzählweise zusammenhängen, die nur auf den ersten Blick personal ist, denn es kommt durchaus nicht selten vor, dass Erikson mitten in einem Kapitel ohne Absatz und Andeutung die Perspektive wechselt oder ins Auktoriale abgleitet - für mich eines der größten literarischen Verbrechen, das von erzählerischer Inkonsequenz zeugt. Eriksons Charaktere sind so, wie er sie gerade braucht, nicht etwa so, wie es gerade vernünftig wäre. Er verlässt sich dabei nicht auf die Eigendynamik, die zwischen ihnen entstehen und die Geschichte vorantreiben kann. Und so entstehen eben solche konstruiert wirkenden Situationen, zum Beispiel in Form der ausufernden inneren Monologe, in denen man sich fragt, wie die Charaktere denn auf bestimmte, unpassend wirkende Gedankengänge kommen können. Die Antwort ist denkbar simpel: Der über den Dingen schwebende Erzähler analysiert die Charaktere und regt sie zu bestimmten Schlussfolgerungen an, die Erikson an eben dieser Stelle benötigt - zum Beispiel, weil er eingesehen hat, dass er früher darauf hätte eingehen sollen, und es nun nachholt.

Charaktere als Rätsel anzulegen ist prinzipiell kein schlechter Ansatz, aber das erfordert viel Fingerspitzengefühl, um Informationen konsequent und subtil einzuflechten. Erikson hat mit beiden Dingen große Probleme.

Als Identifikationsfiguren fallen die vermeintlichen Hauptfiguren damit weg; sie wirken auf mich eher wie ein Vorwand, dem Leser den zugegebenermaßen umfangreichen Weltentwurf näher zu bringen. In meinem Falle ist aber auch das noch nicht gelungen, denn für mich bleiben die Charaktere nicht viel mehr als die Buchstaben ihrer nicht gerade vielsagenden Namen. Ich könnte jedenfalls nur selten feststellen, welchem Kulturkreis welche Person zuzuordnen ist, wenn ich nur lese, wie sie heißt - lediglich bei den Menschen aus dem Reich der Sieben Städte, das im Folgeroman eine Rolle spielen wird, sowie bei den T'lan Imass und ihren Verwandten ist mir das gelungen.

Insgesamt wirken die Namen und Bezeichnungern auf mich willkürlich und nicht sehr einfallsreich; das zeigt sich vor allem daran, wenn vom Reich der Sieben Städte, vom Ersten Imperium und vom Ersten Held die Rede ist (jeweils groß geschrieben) - für kreativere Bezeichnungen oder Eigennamen hat's wohl nicht gereicht.

Am Umgang mit den Charakteren zeigt sich, was auch auf alle anderen Aspekte der Serie zutrifft: Dass Erikson dem Leser Wissen vorenthält - nicht, weil es logisch ist bzw. weil es zum gegenwärtigen Zeitpunkt einfach nicht bekannt sein kann, sondern weil er ihn zappeln lassen will, auch wenn es mir nicht angebracht erscheint.
Die Unterschlagung von Informationen hat jedoch einen gravierenden Nebeneffekt, der eng mit der fehlenden Nähe zu den Charakteren zusammenhängt: Ich kann nicht den leisesten Hauch der oft gepriesenen düsteren Atmosphäre ausmachen. Die drohenden Gefahren durch expandierende Reiche und grausame Rebellionen sind mir da eindeutig zu wenig. Ich mächhte in eine Welt eintauchen, wissen, wie die Menschen "ticken", Gesellschaften und Kulturen "funktionieren". Dazu gehören Beschreibungen der politischen Situation, der Geschichte und insbesondere auch der Mentalität, der Lebensphilosophie, der Bräuche sowie der Mythen und Legenden ihrer Bewohner und deren Interaktion mit der Umwelt. Atmosphäre hängt für mich untrennbar mit der Lebendigkeit einer Welt zusammen, doch Erikson geht selten wirklich in die Tiefe, sondern scheut in meinen Augen fast krampfhaft davor zurück - und das ist irgendwann nicht mehr vertretbar. Er kann seine Welt mit noch so vielen interessanten oder absurden Völker besiedeln - sie wird auf mich nie auch nur annähernd so lebendig wirken wie Westeros/Essos, Eärwa oder die Gezeitenwelt, denn in meinen Augen setzt er eindeutig eher auf Masse denn auf Klasse. Der Weltentwurf ist zwar breit angelegt, in Bezug auf die Bewohner aber eher seicht. Und so wirkt die gesamte Geschichte auf mich nicht etwa düster, sondern eher bunt und grell - wie ein farbenprächtiges Feuerwerk, das einer näheren Betrachtung allerdings nicht standhält.

Als Beispiel seien die T'lan Imass genannt, die durch ein Ritual Unsterblichkeit erlangt haben und nun als vertrocknete Mumien durch die Welt wandern. Sie sehen, sie sprechen und sie denken, als sei es das Natürlichste der Welt, doch ich frage mich: Wie gelingt es ihnen, wenn doch ihre Augen, ihre Zunge und ihr Gehirn ebenfalls vetrocknet sind? Oder nehmen wir ihre Waffen - überdimensionierte Klingen aus Feuerstein, die vermutlich mehre Dutzend Kilogramm wiegen und dabei so porös sein dürften, dass sie für einen Kampf völlig ungeeignet sind - doch wozu gibt es Magie, die jedes alltägliche Problem zu lösen vermag? Nichts gegen Magie per se, doch es nervt mich einfach, wenn man Konzepte in den Raum wirft, die einer genauen Erklärung bedürfen, letztlich aber alles wie selbstverständlich der Magie überlässt, ohne auf das "Wie" einzugehen. Kreativität?

Im Weltentwurf an sich zeigt sich in meinen Augen ebenfalls, dass es Erikson bisweilen an Subtilität mangelt.
Ich liebe komplexe Handlungen und hasse es, alle Informationen auf dem Silbertablett serviert zu bekommen (um etwaigen Argumenten vorzubeugen), doch das zugegebenermaßen recht verworrene System mit den Göttern, Elemente, Gewirren, Häusern, Festen und Drachenkarten hat mir nicht gefallen. Viele Leser hat dieses System, das - vereinfacht ausgedrückt - auf Parallelwelten mit Bindung zu einem bestimmten "Element" (Feuer, Eis, Dunkelheit, ...) beruht, die ihrerseits von fremden Völkern mit einer entsprechenden Bindung "bewohnt" und von Göttern/Aufgestiegenen beherrscht werden werden, wohl dazu bewogen, am Ball zu bleiben - mich hingegen frustriert eine derartige Herangehensweise, da es auf mich wirkt, als wolle Erikson der Natur eine völlig willkürliche Schablone überstülpen und sie in enge, wenig glaubhafte Kategorien zwängen. In Eriksons Magiesystem sehe ich nichts Innovatives, sondern eher eine andere, vielleicht durchdachtere und konsequenter umgesetzte Version klassischer Parallelwelt- und Elementsysteme.

Eriksons Hang zur Gigantomanie, der in krassem Gegensatz zu meiner Vorstellung von Subtilität stehgt, macht es nicht besser. Hier schwimmen Riesentausendfüßer von mehreren hundert Metern Länge durch die Meere, dort wachsen ganze Dämonenhäuser aus einem einfachen Samen, und jede zweite halbwegs mächtige Figur scheint in der Lage zu sein, sich bei Bedarf in irgendein anderes Wesen verwandeln zu können, vorzugsweise in einen Drachen. Mir ist das zu vielunnötiger Ballast - eben ein farbenprächtiges Feuerwerk, das die leisen Töne, sofern sie denn überhaupt vorhanden sind, einfach übertönt, und letztlich nich viel Raum für das lässt, was ich mir unter gedanklicher Tiefe vorstelle. Oftmals denke ich mir dabei eher: "Verdammt, schon wieder so ein Superlativ, das wirkt auf Dauer platt!"

Kurz gesagt: Unter anspruchsvollen Ansätzen verstehe ich etwas anders, etwa Bakkers philosophisch angehauchtes Magiesystem, nicht aber eine Aufteilung nach Elementen oder ein von unendlich vielen eigentümlichen Völkern besiedeltes (bzw. überbevölkertes) Universum, das auf mich eher grotesk, unglaubwürdig und albern wirkt und die nötige Reife oftmals vermissen lässt. Das erinnert mich tatsächlich nicht selten an eine Vermischung aus Fantasyromanen und Superheldencomics...

Sicher, es ist Fantasy, und da hat jeder hat da seinen eigenen Geschmack. Ich mag es allerdings bodenständiger und weniger abgedreht und wage zu behaupten, dass der Anspruch eines Buches auch daran festzumachen ist, wie kreativ es sich mit der Realität auseinandersetzt. Es zeugt von einer gewissen Reife, sich Gedanken über eine möglichst logische, realistische Darstellung der Welt Gedanken zu machen und nicht alles auf die Magie zu schieben. Magische Exzesse á la Erikson sind genau das Gegenteil von dem, was ich mir vorstelle.

Erikson mag viele Ideen haben, aber einige davon sind nicht nach meinem Geschmack und die anderen baut er nicht gerade auf geschickte Art und Weise ein. Die Einbindung erfolgt nicht auf subtile Art und Weise, sondern in Form einer Informationsflut, die der Leser zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht bewältigen kann und vieles davon geistig aussortiert. Wenn dann noch die bewusste Unterschlagung von Fakten ohne ersichtlichen Grund hinzukommt, wird das Gesamtbild erst recht unüberschaubar und wirr. Das ist für mich kein Zeichen eines besonderen schriftstellerischen Geschicks, denn geistiger Anspruch resultiert nicht nur daraus, dass der Leser diverse erzähltechnische Versäumnisse des Autors ausbügeln muss. Mein Eindruck ist eher, dass Erikson zwar ganz genau weiß, was er will, ihm dabei aber relativ egal ist, ob der Leser dabei auf der Strecke bleibt. Ich will als Leser zwar nicht hofiert werden, doch wenn der Autor Informationen zu unterschlagen scheint, komme ich mir veralbert vor. Auf mich wirkt es so, als habe sich Erikson an mehr als einer Stelle gedacht: "Mist, jetzt müsste ich ja weiter in die Tiefe gehen, das passt mit grad gar nicht! Was soll's, verzichte ich einfach darauf, egal, ob sich meine Charaktere darüber eigentlich Gedanken machen müssten oder nicht!"

Vielleicht hätte ich mich mit dieser Harangehensweise irgendwann abfinden können, denn Spaß am Rätselraten habe ich durchaus. Vielleicht hätte ich die Reihe durchaus als Herauforderung begriffen, mich auf Eriksons (beabsichtigtes oder unbeabsichtigtes) Katz-und-Maus-Spiel einzulassen. Doch dazu hätte mein Interesse von Anfang an größer sein müssen, und das war es angesichts dieser plumpen magischen Exzesse nie, sondern schrumpfte mit jedem Totgeglaubten, der auf wundersame Weise aus dem Reich der Toten zurückkehrt, mit jedem Aufgestiegenen, der aus der Maschine hüpft, mit jedem Azath-Haus, das einfach so aus dem Boden wuchert und Halbgötter verschlingt, und mit jedem Möchtegern-Gestaltwandler, der meint, sich in einen Dutzende Meter langen Riesentausendfüßer oder einen untoten Dämonendrachen verwandeln zu müssen. Ich habe einfach Probleme damit, diese Ideen ernst zu nehmen.

Pseudo-philosophische Gedankengänge machen es nicht besser, denn das Szenario ist derart abgedreht, dass es schwer wird, gedankliche Parallelen zu unserer Welt zu ziehen, die nun einmal völlig anders funktioniert. In Bezug auf die Charaktere liefert er einige interessante Gedankengänge, die mich ein wenig besänftigen können, doch wirkliche gedankliche Tiefe erkenne ich selten - ganz sicher nicht häufiger als bei Martin oder gar Bakker. Philosophie sollte man denjenigen überlassen, die es wirklich können und deren Konzept glaubhaft genug ist, um kluge oder zumindest interessante Gedankengänge nicht ad absurdum zu führen.

Mag ja sein, dass ein großes und "ausgefeiltes" Gesamtkonzept (wobei mir dieses Wort angesichts des Magiesystems unpassend erscheint) dahinter steckt, aber Erikson gelingt es in den ersten Bänden meiner Meinung nach nicht, den Leser in seine Welt einzuführen.

Als positiv bleibt anzumerken, dass die Bücher trotz aller Kritikpunkte in einem gewissen Maße meine Neugier und meinen Ehrgeiz geweckt und mich gut unterhalten haben. Noch ist der Reiz aber nicht groß genug, um mich zum Weiterlesen zu motivieren, denn die genannten Negativpunkte machen es mir schwer, mich für den Stoff zu erwärmen. Noch gibt es zu viele andere Bücher bzw. Autoren, die mir mehr zusagen: Bakker, Rothfuss, Hobb, ... Von Martin ganz zu schweigen, auch wenn vorerst wohl nicht viel von ihm zu erwarten ist. Doch auch seine oft kritisierten letzten beiden Eis-und-Feuer-Romane (gemeint sind die Originale) haben mir noch immer deutlich besser gefallen als alle MBOTF-Bücher, die ich bislang gelesen habe. Ich muss wohl einsehen, dass wir, Erikson und ich, uns nicht auf derselben Wellenlänge befinden - und seine Fans müssen einsehen, dass es auch solche Menschen gibt. Wer ihn gut finden will, soll ihn gut finden, doch man sollte sein Werk nicht als Maßstab für anspruchsvolle Fantasyliteratur heranziehen, alles daran messen und anderen Lesern die geistige Reife absprechen, die Bücher gut zu finden! ;-)
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VINE-PRODUKTTESTERam 26. September 2006
Vorab erst einmal: Dis Diskussion darum ob deutsch oder engl. Original erschließt sich mir schon langen nicht mehr. Es scheint sich wirklich als ein Problem heraus zu kristallisieren, das mit dem Buch/Autor/Übersetzer nicht mehr viel zu tun hat. Anstatt sich darüber zu freuen, dass man sein engl. in soweit beherrscht, dass man Erikson oder andere Autoren in der Originalversion flüssig lesen kann (und das auch noch früher…) und nicht ständig sein engl. Wörterbuch zu Rate ziehen muss, fängt man an sich darüber zu mokieren, dass einige Leser mit der Übersetzung von Namen nicht wirklich einverstanden sind. Hänsel und Gretel hätten auch Bernd und Lisa heißen können. Das hätte doch die Story nicht verschandelt – oder?

Nun, dies soll ja eine Rezension über „Gärten des Mondes“ des Mondes sein. Dem ersten Band von derzeit neun Bänden, die in der DEUTSCHEN AUSGABE bei mir im Bücherregal stehen. Und gehe ich mal davon aus, dass diejenigen Leser, die die engl. Ausgaben bevorzugen (was natürlich ihr gutes Recht ist); dann muss ich allerdings davon ausgehen, dass ihr Lesestatus der Serie Band eins ist. Denn – wäre man weiter – würden sich manche Kritikpunkte in dünne Luft auflösen. Übersetzungsfragen, Namen, die scheinbar nicht gut übersetzt oder für falsch gehalten werden? Dazu empfehle ich dem interessierten Leser malazan.de. Denn dort nimmt der m.M.n. sehr gute Übersetzer Stellung zu diesen Thematiken. Und er tut das ziemlich überzeugend. Und es leuchtet auch noch ein. Viel Spaß dort.

Zum Buch: „Die Gärten des Mondes“ ist weitab von herkömmlicher Fastfood-Fantasy. Ich persönlich bin über George R. R. Martin im Asoiaf-Forum auf Erikson gestoßen. Nachdem ich Martin regelrecht verschlungen habe, tat sich danach ein großes Fragezeichen auf: Was lese ich denn jetzt? Martins hochqualitative Reihe setzt Maßstäbe. Also habe ich nach einigem Forenstöbern den Sprung ins kalte Wasser gewagt und mir die „Gärten des Mondes“ zugelegt und musste sagen: „Buff“.

Ich gebe zu: Zuerst hat Erikson mich erschlagen. Die überaus komplexe Welt die Erikson erschaffen hat, ist um Längen komplizierter, als was der so genannte „Hohlbeinsche Quersteiger“ auf den ersten Blick verstehen oder gar ertragen kann. Bei Erikson wimmelt es nur so von neuen Ideen. Götter, Sterbliche, verschiedene Rassen in allen Ausführungen, meine geliebten Brückenverbrenner, magische Gewirre und gnadenlose Schlachten in Konstellationen, wie ich sie jedenfalls noch nicht gelesen habe. Handlungsstränge die scheinbar ins nichts laufen, aber plötzlich brutal aufeinanderprallen. Auch Erikson ist nichts heilig und es stellt sich oft die Frage: Wer ist hier eigentlich gut oder böse?

Obwohl ich ja nun von Martin einiges gewohnt bin, was breit gefächerte Handlungsstränge angeht und das er auch nicht zimperlich mit seinen Akteuren umgeht, hat es mich zunächst einmal umgehauen. Denn Erikson legt noch ein prall gefülltes Schippchen drauf. Er verschafft einem Informationen, die man am Anfang noch überhaupt nicht einordnen kann. Man wird regelrecht in eine Geschichte hineingeworfen – und lernt mit der Zeit das schwimmen. Und es macht mir höllisch Spaß. Und es emotionalisiert zum Teil heftig (und in den Folgebänden noch mehr).
Zur Handlung kann und will ich nicht viel erzählen. Erstens wäre es viel zu komplex und vielschichtig. Zweitens möchte ich hier nichts verraten.
Ich kann nur jedem, der Wert auf hochqualitative Fantasy legt, darauf Lust hat sich auf völlig Neues einzulassen (auch wenn der erste Band zuerst recht schwierig zu sein scheint) … kauft euch Erikson. Ich habe bis heute noch keine einzige Seite bereut. Die beiden Folgebände spielen im Reich im Reich der sieben Städte und bis auf wenige Akteure spielen sie in einem anderen Szenario auf. Aber ohne die „Gärten des Mondes“ gelesen zu haben, hätte ich die Zusammenhänge nicht verstanden. So, ist die „Gärten des Mondes“ der überaus gelungene Einstieg in einen Zyklus der mich nicht mehr loslässt. Einfach Klasse.

Ps.: Und da ich auch einer der geschundenen Kreaturen bin, die lieber die dt. Übersetzung lesen, liebäugle ich doch mit der Idee meinen Ponds aus dem Schrank zu holen und mein engl. aufzubessern; denn Band 10 „Bonehunters“ ist erschienen – und ich habe das verdammte Gefühl, dass ich nicht so lange werde warten können bis er auf Deutsch erscheint. Und es wird mich nicht die Mücke stören, dass einige Namen anders sind.
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am 9. März 2009
Soviel Phantasie in einem Fantasy ist selten, eine so schön verschachtelt ausgearbeitete Geschichte, so gelungene, unterschiedliche Charaktere habe ich bei noch keinem anderem Autor gefunden. Der Anfang ist etwas zäh, da man erstmal in die Geschichte reinkommen muß - dauert etwa hundert Seiten, lohnt sich aber!!
Am ehesten noch mit Donaldsons `Spiegel ihrer TräumeŽ vergleichbar, aber noch um einiges ausgefeilter, detail- udn phantasiereicher. Immer spannend und oft überraschend.
Die Sprache ist ausgefeilt, ohne mit umständlichen Sätzen zu überfordern.
Hin und wieder ein Stück trockener Humor, viel Elend, das manchmal zuviel wird, um drei Bände hintereinander weg zu lesen, aber trotzdem eine Reihe, an der man sich leicht festbeißen kann (m.E. festbeißen muß).
Meine absolute Lieblingsreihe.

Anne
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