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102 von 108 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit Ausblick auf die Serie: 5 Sterne! Oberklasse-Fantasy!
Wer sich Steven Erikson's "Die Gärten des Mondes" zu Gemüte führt, der darf nicht die übliche Fantasy-Fadenspinnerei ala Jordan's "Rad der Zeit" oder Goodkind's "Schwert der Wahrheit" erwarten.
Auf den unerfahrenen Erikson Leser wirken die vielen verschiedenen Handlungsstränge des ersten Bands der Serie "Spiel der Götter" (die Serie...
Veröffentlicht am 30. August 2005 von A. S.

versus
60 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das reinste Gewirr
Gleich vorweg: Ich bin schon deutlich über den ersten Band hinaus. Das muss man an dieser Stelle wohl dazusagen, sonst reagieren diverse Erikson-Fans wieder mit der Standardfloskel: "Man kann sich nach dem ersten Band noch kein Urteil erlauben." Das stimmt und stimmt doch wieder nicht. Sicher, die Geschichte ist verworren und unglaublich breit angelegt. Doch was,...
Veröffentlicht am 22. November 2011 von Simurgh


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102 von 108 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit Ausblick auf die Serie: 5 Sterne! Oberklasse-Fantasy!, 30. August 2005
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Gärten des Mondes. Das Spiel der Götter 01 (Taschenbuch)
Wer sich Steven Erikson's "Die Gärten des Mondes" zu Gemüte führt, der darf nicht die übliche Fantasy-Fadenspinnerei ala Jordan's "Rad der Zeit" oder Goodkind's "Schwert der Wahrheit" erwarten.
Auf den unerfahrenen Erikson Leser wirken die vielen verschiedenen Handlungsstränge des ersten Bands der Serie "Spiel der Götter" (die Serie lautet im englischen Original: Malazan Book of the Fallen) teilweise sehr verwirrend, da ständig neue Charaktere eingeführt werden. Der Leser bewegt sich regelmäßig an der Grenze zum "Jetzt reichts aber!" Doch die Belohnung kommt! Keine andere Fantasy-Welt bietet die Komplexität mit der Eriskon den Leser auf sprachlich wundervolle Weise unterhält. Seine Charaktere sind wunderbar lebendig, teilweise extrem witzig und haben alle ihre Schwächen.
Im Gegensatz zur Konkurrenz lässt Erikson bisher qualitativ nicht nach! Im Gegenteil: Je weiter die Serie fortschreitet, umso liebevoller führt er (neue) Charaktere ein/fort. Er scheut auch nicht davor Schlüsselcharaktere sterben zu lassen und Handlungsstränge gänzlich zu beenden, obwohl es sich um eine Serie handelt.
Das "Spiel der Götter/ Malazan Book of the Fallen" erhält seinen Seriencharakter dadurch, dass regelmäßig altbekannte Charaktere auftauchen und Handlungsstränge weitergeführt werden. Dabei mischt Erikson sehr gekonnt neue Aspekte, Charaktere und Sichtweisen unter fortlaufende Erzählungen. Verteufelt der Leser innerlich noch anfangs bestimmte Charaktere, schiebt ihm Erikson später bestimmte Ereignisse aus anderer Sichtweise unter.
Die Truppe um die Brückenverbrenner herum wächst einem schnell ans Herz. Man freut sich immer wieder, wenn die Handlung zu Sterblichen wie Kalam, zum schnellen Ben, Hauptmann Paran, Elster, u.a. zurückkehrt, während über allem das Intrigennetz der Götter schwebt. Sterbliche steigen zu den Göttern auf und Götter fallen tief..
Erikson's Schreibstil ist sehr metaphernhaltig ohne dabei gekünstelt blumig zu wirken. Es geht teilweise sehr blutig und brutal zu, doch rutscht Erikson sprachlich nie ab. Erikson verherrlicht Gewalt nicht, sondern schildert sie oft ernüchternd traurig.
Für Fantasyfans führt kein Weg an dieser Serie vorbei! Es ist Fantasy der Oberliga! Die Serie entfaltet ab dem 3. Band ihre volle Kraft.
Negativ: Mal wieder wurden englische Originale auseinandergerissen und aus kommerziellen Gründen auf mehrere deutsche Bände verteilt. Die Übersetzung von Tim Straetmann ist aber (zum Teil) ganz gut gelungen.
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83 von 92 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Phantastische Fantasy zum träumen!, 28. August 2001
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Gärten des Mondes. Das Spiel der Götter 01 (Taschenbuch)
1000 Worte reichen kaum aus,um Eriksons Meisterwerk "Die Gärten des Mondes" ausreichend zu würdigen. Wo soll man anfangen?Vielleicht bei detaillierten Beschreibung der Welt mit seinen Kreaturen,den Völkern mit eigenen Riten und eigener Kultur,bei der Magie,die so beschrieben einzigartig in der Fantasylitertaur ist. Oder soll man die wunderbaren Charaktere würdigen? Da ist zum Beispiel Ganoes Paran,ein Hauptmann des malazanischen Imperiums,für das er als Adliger eigentlich keine wirkliche Liebe verspührt und sich trotzdem noch immer nach einem Heldenleben sehnt. Oder Rallick Nom,der Assassine,der trotz seines Berufes ein ehrenwerter Mann mit festen Prinzipien ist. Kruppe,mein persönlicher Liebling,ein kleiner,fetter Mann,der sich seiner Schwächen ,aber auch seiner besonderen Stärken bewusst ist,der sich immer wieder in nicht zu enden scheinenden Monologen verliert und der mit seinem Humor alleine schon ein ganzes Buch füllen kann. Keiner der Charaktere ist weder ganz gut,noch ein wirklich bösartiges Individuum.keiner von Ihnen ist unfehlbar oder unbesiegbar..einschlieslich der Götter.
Man sollte aber auch die Geschichte nicht vergessen:Ein weltumspannendes Imperium,welches dank der wohl diszipliniertesten Streitkräften,seiner hervorragenden Magier,den gefürchteten Assassinenkommandos und nicht zuletzt des nun verstorbenen Imperator Kellanved und seines nun ebenfalls ermordeten,charismatischen Begleiter Tanzer die halbe Welt unterworfen hat.Auf dem Kontinent Genabackis jedoch scheint dieser Feldzug in einem Disaster zu enden.Zugleich mischen sich auch die Götter ein,die ihre eigenen Spiele spielen und die dabei doch den Menschen immer noch unheimlich ähnlich sind.Eine wirklich wundervolle Geschichte beginnt sich dem Leser zu eröffnen,die er nach dem Lesen von "The Deadhouse Gates" besser zu vertshen beginnt.
Eine hervorragend erzählte Geschichte,die sich vor einem Vergleich mit George Martins "Lied von Eis und Feuer" nicht zu verstecken braucht...und ein größeres Kompliment kann man einem Fantasyauthor dieser Tage,so denke ich,kaum machen,stellt doch Martin derzeit das non-Plus-Ultra da..und damit meine ich,auch im Vergleich zu Tolkien,Feist,Williams und Kay,Jordan etc.
Man sollte sich Erikson auf keinen Fall entgehen lassen,auch wenn man sonst nicht viel mit Fantasy anzufangen weiss.Denn die Geschichte erzählt vor allem von Menschen,mit all ihren Stärken und Schwächen,mit all ihren Wünschen und Begierden...und ihren Grausamkeiten.
Wo doch die Zivilisation Homers Illias als Beginn der abendländischen Kultur begreift...warum kann man dann nicht auch wieder moderne Fantasy lesen? Es muss doch noch etwas anderes geben,als Groschenromane,Harry Potter und Tom Clancy.
Es sei nur noch angemerkt,dass das Setting relativ düster ist und sich am besten mit George Martin vergleichen lässt..trotzdem:unbedingt lesen..sie haben sonst etwas wirklich Wundervolles verpasst!
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60 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das reinste Gewirr, 22. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Gärten des Mondes. Das Spiel der Götter 01 (Taschenbuch)
Gleich vorweg: Ich bin schon deutlich über den ersten Band hinaus. Das muss man an dieser Stelle wohl dazusagen, sonst reagieren diverse Erikson-Fans wieder mit der Standardfloskel: "Man kann sich nach dem ersten Band noch kein Urteil erlauben." Das stimmt und stimmt doch wieder nicht. Sicher, die Geschichte ist verworren und unglaublich breit angelegt. Doch was, wenn das negative Urteil, das man über Erikson nach den ersten Romanen fällt, auch weiterhin bestehen bleibt? Wenn es daran liegt, dass man mit dem Stoff nicht viel anfangen kann, und nicht etwa daran, dass man noch keinen rechten Überblick hat? Ein Buch wird nicht dadurch besser, dass man nach dem Nachfolger die Zusammenhänge leichter durchschaut. Und selbst, wenn das so der Fall sein sollte, ändert das nichts daran, dass der Auftaktroman sehr durchwachsen geraten ist und sich Erikson meiner Meinung nach zu viel auf einmal vorgenommen hat. Der Erzählstil ist konfus, als wisse Erikson zwar, wohin er will, schreibe dabei aber aus dem Bauch heraus einfach "drauf los". Mir kann daher keiner weismachen, dass die daraus resultierende Verwirrung ein Zeichen besonderer Komplexität ist.

Oft folgt nämlich das Totschlagargument: "Dir hat das Buch nicht gefallen, weil du es nicht verstanden hast. Also war es dir zu komplex und folglich zu anspruchsvoll." Darin enthalten ist die Andeutung, dass man als Leser nicht in der Lage zum Mitdenken und folglich in einem gewissen Maße auch anspruchslos ist, und das ist als Argument etwas dürftig und im Übrigen auch eine äußerst unverschämte Unterstellung. Denn spätestens nach vier deutschen Bänden sollte man beurteilen können, ob einem der Stoff an sich ZUSAGT - wenn nicht, dann kann auch besseres Verständnis nicht viel daran ändern. Die Durchhalteparolen, die man von Erikson-Fans bei jeder Gelegenheit hört - "Dranbleiben, es wird besser!" - wirken aus meiner Sicht daher häufig etwas blauäugig, denn "besser" ist und bleibt Geschmackssache! ;-)

Doch zu meinen eigentlichen Kritikpunkten:

Einerseits schildert Erikson die Handlung mehr oder weniger konsequent aus der Perspektive der Hauptpersonen und lässt sie oft seitenlange innere Monologe führen, andererseits beschreibt er sie selbst kaum. Das Argument, es handle sich bei ihnen um Zeitzeugen, die dem Leser eben nicht alle ihre Eigenschaften - Motivation, Gewohnheiten, Aussehen, Denkweise, Wünsche, Leidenschaften usw. - auf dem Silbertablett servieren (oder - anders gesagt - als Rätsel angelegt sind und den Leser dazu auffordern, sich selbst einen Reim darauf zu machen), lasse ich nicht gelten, denn auch Zeitzeugen sind Menschen und kommen in bestimmten Situation nicht um bestimmte Gedankengänge herum, die Erikson häufig verschweigt; sei es, weil er sich nicht wirklich in seine Hauptpersonen hineinversetzen kann/will, sei es, weil er seine Ratespielchen - bewusst oder unbewusst - bis auf die Spitze treibt. Und irgendwann ist dann der Bogen überspannt. Es ergibt einfach keinen Sinn, wenn die Geschichte zwar aus der Sicht der Protagonisten erzählt wird, essenzielle Gedankengänge aber nie auch nur angerissen werden.

Ein Problem ist wohl, dass es Erikson nur selten gelingt, diese Fakten subtil in die Geschichte einfließen zu lassen, sondern dass er offenbar nur Extreme kennt: Unterschlagung auf der einen, und Infodump auf der anderen Seite. Für letzteres sorgen ausufernde (Selbst-)Gespräche und inneren Monologe, die auf mich nicht natürlich wirken, sondern wie nachgeschobene Rechenschaftsablagen, die sich die Charaktere selbst liefern, im Grunde aber nur dazu dienen sollen, die Gedankengänge bestimmter Personen besser nachzuvollziehen. Das wirkt auf mich häufig konstruiert und hölzern.

Das Problem mag aber auch mit der Erzählweise zusammenhängen, die nur auf den ersten Blick personal ist, denn es kommt durchaus nicht selten vor, dass Erikson mitten in einem Kapitel ohne Absatz und Andeutung die Perspektive wechselt oder ins Auktoriale abgleitet - für mich eines der größten literarischen Verbrechen, das von erzählerischer Inkonsequenz zeugt. Eriksons Charaktere sind so, wie er sie gerade braucht, nicht etwa so, wie es gerade vernünftig wäre. Er verlässt sich dabei nicht auf die Eigendynamik, die zwischen ihnen entstehen und die Geschichte vorantreiben kann. Und so entstehen eben solche konstruiert wirkenden Situationen, zum Beispiel in Form der ausufernden inneren Monologe, in denen man sich fragt, wie die Charaktere denn auf bestimmte, unpassend wirkende Gedankengänge kommen können. Die Antwort ist denkbar simpel: Der über den Dingen schwebende Erzähler analysiert die Charaktere und regt sie zu bestimmten Schlussfolgerungen an, die Erikson an eben dieser Stelle benötigt - zum Beispiel, weil er eingesehen hat, dass er früher darauf hätte eingehen sollen, und es nun nachholt.

Charaktere als Rätsel anzulegen ist prinzipiell kein schlechter Ansatz, aber das erfordert viel Fingerspitzengefühl, um Informationen konsequent und subtil einzuflechten. Erikson hat mit beiden Dingen große Probleme.

Als Identifikationsfiguren fallen die vermeintlichen Hauptfiguren damit weg; sie wirken auf mich eher wie ein Vorwand, dem Leser den zugegebenermaßen umfangreichen Weltentwurf näher zu bringen. In meinem Falle ist aber auch das noch nicht gelungen, denn für mich bleiben die Charaktere nicht viel mehr als die Buchstaben ihrer nicht gerade vielsagenden Namen. Ich könnte jedenfalls nur selten feststellen, welchem Kulturkreis welche Person zuzuordnen ist, wenn ich nur lese, wie sie heißt - lediglich bei den Menschen aus dem Reich der Sieben Städte, das im Folgeroman eine Rolle spielen wird, sowie bei den T'lan Imass und ihren Verwandten ist mir das gelungen.

Insgesamt wirken die Namen und Bezeichnungern auf mich willkürlich und nicht sehr einfallsreich; das zeigt sich vor allem daran, wenn vom Reich der Sieben Städte, vom Ersten Imperium und vom Ersten Held die Rede ist (jeweils groß geschrieben) - für kreativere Bezeichnungen oder Eigennamen hat's wohl nicht gereicht.

Am Umgang mit den Charakteren zeigt sich, was auch auf alle anderen Aspekte der Serie zutrifft: Dass Erikson dem Leser Wissen vorenthält - nicht, weil es logisch ist bzw. weil es zum gegenwärtigen Zeitpunkt einfach nicht bekannt sein kann, sondern weil er ihn zappeln lassen will, auch wenn es mir nicht angebracht erscheint.
Die Unterschlagung von Informationen hat jedoch einen gravierenden Nebeneffekt, der eng mit der fehlenden Nähe zu den Charakteren zusammenhängt: Ich kann nicht den leisesten Hauch der oft gepriesenen düsteren Atmosphäre ausmachen. Die drohenden Gefahren durch expandierende Reiche und grausame Rebellionen sind mir da eindeutig zu wenig. Ich mächhte in eine Welt eintauchen, wissen, wie die Menschen "ticken", Gesellschaften und Kulturen "funktionieren". Dazu gehören Beschreibungen der politischen Situation, der Geschichte und insbesondere auch der Mentalität, der Lebensphilosophie, der Bräuche sowie der Mythen und Legenden ihrer Bewohner und deren Interaktion mit der Umwelt. Atmosphäre hängt für mich untrennbar mit der Lebendigkeit einer Welt zusammen, doch Erikson geht selten wirklich in die Tiefe, sondern scheut in meinen Augen fast krampfhaft davor zurück - und das ist irgendwann nicht mehr vertretbar. Er kann seine Welt mit noch so vielen interessanten oder absurden Völker besiedeln - sie wird auf mich nie auch nur annähernd so lebendig wirken wie Westeros/Essos, Eärwa oder die Gezeitenwelt, denn in meinen Augen setzt er eindeutig eher auf Masse denn auf Klasse. Der Weltentwurf ist zwar breit angelegt, in Bezug auf die Bewohner aber eher seicht. Und so wirkt die gesamte Geschichte auf mich nicht etwa düster, sondern eher bunt und grell - wie ein farbenprächtiges Feuerwerk, das einer näheren Betrachtung allerdings nicht standhält.

Als Beispiel seien die T'lan Imass genannt, die durch ein Ritual Unsterblichkeit erlangt haben und nun als vertrocknete Mumien durch die Welt wandern. Sie sehen, sie sprechen und sie denken, als sei es das Natürlichste der Welt, doch ich frage mich: Wie gelingt es ihnen, wenn doch ihre Augen, ihre Zunge und ihr Gehirn ebenfalls vetrocknet sind? Oder nehmen wir ihre Waffen - überdimensionierte Klingen aus Feuerstein, die vermutlich mehre Dutzend Kilogramm wiegen und dabei so porös sein dürften, dass sie für einen Kampf völlig ungeeignet sind - doch wozu gibt es Magie, die jedes alltägliche Problem zu lösen vermag? Nichts gegen Magie per se, doch es nervt mich einfach, wenn man Konzepte in den Raum wirft, die einer genauen Erklärung bedürfen, letztlich aber alles wie selbstverständlich der Magie überlässt, ohne auf das "Wie" einzugehen. Kreativität?

Im Weltentwurf an sich zeigt sich in meinen Augen ebenfalls, dass es Erikson bisweilen an Subtilität mangelt.
Ich liebe komplexe Handlungen und hasse es, alle Informationen auf dem Silbertablett serviert zu bekommen (um etwaigen Argumenten vorzubeugen), doch das zugegebenermaßen recht verworrene System mit den Göttern, Elemente, Gewirren, Häusern, Festen und Drachenkarten hat mir nicht gefallen. Viele Leser hat dieses System, das - vereinfacht ausgedrückt - auf Parallelwelten mit Bindung zu einem bestimmten "Element" (Feuer, Eis, Dunkelheit, ...) beruht, die ihrerseits von fremden Völkern mit einer entsprechenden Bindung "bewohnt" und von Göttern/Aufgestiegenen beherrscht werden werden, wohl dazu bewogen, am Ball zu bleiben - mich hingegen frustriert eine derartige Herangehensweise, da es auf mich wirkt, als wolle Erikson der Natur eine völlig willkürliche Schablone überstülpen und sie in enge, wenig glaubhafte Kategorien zwängen. In Eriksons Magiesystem sehe ich nichts Innovatives, sondern eher eine andere, vielleicht durchdachtere und konsequenter umgesetzte Version klassischer Parallelwelt- und Elementsysteme.

Eriksons Hang zur Gigantomanie, der in krassem Gegensatz zu meiner Vorstellung von Subtilität stehgt, macht es nicht besser. Hier schwimmen Riesentausendfüßer von mehreren hundert Metern Länge durch die Meere, dort wachsen ganze Dämonenhäuser aus einem einfachen Samen, und jede zweite halbwegs mächtige Figur scheint in der Lage zu sein, sich bei Bedarf in irgendein anderes Wesen verwandeln zu können, vorzugsweise in einen Drachen. Mir ist das zu vielunnötiger Ballast - eben ein farbenprächtiges Feuerwerk, das die leisen Töne, sofern sie denn überhaupt vorhanden sind, einfach übertönt, und letztlich nich viel Raum für das lässt, was ich mir unter gedanklicher Tiefe vorstelle. Oftmals denke ich mir dabei eher: "Verdammt, schon wieder so ein Superlativ, das wirkt auf Dauer platt!"

Kurz gesagt: Unter anspruchsvollen Ansätzen verstehe ich etwas anders, etwa Bakkers philosophisch angehauchtes Magiesystem, nicht aber eine Aufteilung nach Elementen oder ein von unendlich vielen eigentümlichen Völkern besiedeltes (bzw. überbevölkertes) Universum, das auf mich eher grotesk, unglaubwürdig und albern wirkt und die nötige Reife oftmals vermissen lässt. Das erinnert mich tatsächlich nicht selten an eine Vermischung aus Fantasyromanen und Superheldencomics...

Sicher, es ist Fantasy, und da hat jeder hat da seinen eigenen Geschmack. Ich mag es allerdings bodenständiger und weniger abgedreht und wage zu behaupten, dass der Anspruch eines Buches auch daran festzumachen ist, wie kreativ es sich mit der Realität auseinandersetzt. Es zeugt von einer gewissen Reife, sich Gedanken über eine möglichst logische, realistische Darstellung der Welt Gedanken zu machen und nicht alles auf die Magie zu schieben. Magische Exzesse á la Erikson sind genau das Gegenteil von dem, was ich mir vorstelle.

Erikson mag viele Ideen haben, aber einige davon sind nicht nach meinem Geschmack und die anderen baut er nicht gerade auf geschickte Art und Weise ein. Die Einbindung erfolgt nicht auf subtile Art und Weise, sondern in Form einer Informationsflut, die der Leser zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht bewältigen kann und vieles davon geistig aussortiert. Wenn dann noch die bewusste Unterschlagung von Fakten ohne ersichtlichen Grund hinzukommt, wird das Gesamtbild erst recht unüberschaubar und wirr. Das ist für mich kein Zeichen eines besonderen schriftstellerischen Geschicks, denn geistiger Anspruch resultiert nicht nur daraus, dass der Leser diverse erzähltechnische Versäumnisse des Autors ausbügeln muss. Mein Eindruck ist eher, dass Erikson zwar ganz genau weiß, was er will, ihm dabei aber relativ egal ist, ob der Leser dabei auf der Strecke bleibt. Ich will als Leser zwar nicht hofiert werden, doch wenn der Autor Informationen zu unterschlagen scheint, komme ich mir veralbert vor. Auf mich wirkt es so, als habe sich Erikson an mehr als einer Stelle gedacht: "Mist, jetzt müsste ich ja weiter in die Tiefe gehen, das passt mit grad gar nicht! Was soll's, verzichte ich einfach darauf, egal, ob sich meine Charaktere darüber eigentlich Gedanken machen müssten oder nicht!"

Vielleicht hätte ich mich mit dieser Harangehensweise irgendwann abfinden können, denn Spaß am Rätselraten habe ich durchaus. Vielleicht hätte ich die Reihe durchaus als Herauforderung begriffen, mich auf Eriksons (beabsichtigtes oder unbeabsichtigtes) Katz-und-Maus-Spiel einzulassen. Doch dazu hätte mein Interesse von Anfang an größer sein müssen, und das war es angesichts dieser plumpen magischen Exzesse nie, sondern schrumpfte mit jedem Totgeglaubten, der auf wundersame Weise aus dem Reich der Toten zurückkehrt, mit jedem Aufgestiegenen, der aus der Maschine hüpft, mit jedem Azath-Haus, das einfach so aus dem Boden wuchert und Halbgötter verschlingt, und mit jedem Möchtegern-Gestaltwandler, der meint, sich in einen Dutzende Meter langen Riesentausendfüßer oder einen untoten Dämonendrachen verwandeln zu müssen. Ich habe einfach Probleme damit, diese Ideen ernst zu nehmen.

Pseudo-philosophische Gedankengänge machen es nicht besser, denn das Szenario ist derart abgedreht, dass es schwer wird, gedankliche Parallelen zu unserer Welt zu ziehen, die nun einmal völlig anders funktioniert. In Bezug auf die Charaktere liefert er einige interessante Gedankengänge, die mich ein wenig besänftigen können, doch wirkliche gedankliche Tiefe erkenne ich selten - ganz sicher nicht häufiger als bei Martin oder gar Bakker. Philosophie sollte man denjenigen überlassen, die es wirklich können und deren Konzept glaubhaft genug ist, um kluge oder zumindest interessante Gedankengänge nicht ad absurdum zu führen.

Mag ja sein, dass ein großes und "ausgefeiltes" Gesamtkonzept (wobei mir dieses Wort angesichts des Magiesystems unpassend erscheint) dahinter steckt, aber Erikson gelingt es in den ersten Bänden meiner Meinung nach nicht, den Leser in seine Welt einzuführen.

Als positiv bleibt anzumerken, dass die Bücher trotz aller Kritikpunkte in einem gewissen Maße meine Neugier und meinen Ehrgeiz geweckt und mich gut unterhalten haben. Noch ist der Reiz aber nicht groß genug, um mich zum Weiterlesen zu motivieren, denn die genannten Negativpunkte machen es mir schwer, mich für den Stoff zu erwärmen. Noch gibt es zu viele andere Bücher bzw. Autoren, die mir mehr zusagen: Bakker, Rothfuss, Hobb, ... Von Martin ganz zu schweigen, auch wenn vorerst wohl nicht viel von ihm zu erwarten ist. Doch auch seine oft kritisierten letzten beiden Eis-und-Feuer-Romane (gemeint sind die Originale) haben mir noch immer deutlich besser gefallen als alle MBOTF-Bücher, die ich bislang gelesen habe. Ich muss wohl einsehen, dass wir, Erikson und ich, uns nicht auf derselben Wellenlänge befinden - und seine Fans müssen einsehen, dass es auch solche Menschen gibt. Wer ihn gut finden will, soll ihn gut finden, doch man sollte sein Werk nicht als Maßstab für anspruchsvolle Fantasyliteratur heranziehen, alles daran messen und anderen Lesern die geistige Reife absprechen, die Bücher gut zu finden! ;-)
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44 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie ihr kennt die Brückenverbrenner nicht?, 26. September 2006
Von 
Mathias Ahrens "Nachtfrost" (Bad Honnef) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Gärten des Mondes. Das Spiel der Götter 01 (Taschenbuch)
Vorab erst einmal: Dis Diskussion darum ob deutsch oder engl. Original erschließt sich mir schon langen nicht mehr. Es scheint sich wirklich als ein Problem heraus zu kristallisieren, das mit dem Buch/Autor/Übersetzer nicht mehr viel zu tun hat. Anstatt sich darüber zu freuen, dass man sein engl. in soweit beherrscht, dass man Erikson oder andere Autoren in der Originalversion flüssig lesen kann (und das auch noch früher…) und nicht ständig sein engl. Wörterbuch zu Rate ziehen muss, fängt man an sich darüber zu mokieren, dass einige Leser mit der Übersetzung von Namen nicht wirklich einverstanden sind. Hänsel und Gretel hätten auch Bernd und Lisa heißen können. Das hätte doch die Story nicht verschandelt – oder?

Nun, dies soll ja eine Rezension über „Gärten des Mondes“ des Mondes sein. Dem ersten Band von derzeit neun Bänden, die in der DEUTSCHEN AUSGABE bei mir im Bücherregal stehen. Und gehe ich mal davon aus, dass diejenigen Leser, die die engl. Ausgaben bevorzugen (was natürlich ihr gutes Recht ist); dann muss ich allerdings davon ausgehen, dass ihr Lesestatus der Serie Band eins ist. Denn – wäre man weiter – würden sich manche Kritikpunkte in dünne Luft auflösen. Übersetzungsfragen, Namen, die scheinbar nicht gut übersetzt oder für falsch gehalten werden? Dazu empfehle ich dem interessierten Leser malazan.de. Denn dort nimmt der m.M.n. sehr gute Übersetzer Stellung zu diesen Thematiken. Und er tut das ziemlich überzeugend. Und es leuchtet auch noch ein. Viel Spaß dort.

Zum Buch: „Die Gärten des Mondes“ ist weitab von herkömmlicher Fastfood-Fantasy. Ich persönlich bin über George R. R. Martin im Asoiaf-Forum auf Erikson gestoßen. Nachdem ich Martin regelrecht verschlungen habe, tat sich danach ein großes Fragezeichen auf: Was lese ich denn jetzt? Martins hochqualitative Reihe setzt Maßstäbe. Also habe ich nach einigem Forenstöbern den Sprung ins kalte Wasser gewagt und mir die „Gärten des Mondes“ zugelegt und musste sagen: „Buff“.

Ich gebe zu: Zuerst hat Erikson mich erschlagen. Die überaus komplexe Welt die Erikson erschaffen hat, ist um Längen komplizierter, als was der so genannte „Hohlbeinsche Quersteiger“ auf den ersten Blick verstehen oder gar ertragen kann. Bei Erikson wimmelt es nur so von neuen Ideen. Götter, Sterbliche, verschiedene Rassen in allen Ausführungen, meine geliebten Brückenverbrenner, magische Gewirre und gnadenlose Schlachten in Konstellationen, wie ich sie jedenfalls noch nicht gelesen habe. Handlungsstränge die scheinbar ins nichts laufen, aber plötzlich brutal aufeinanderprallen. Auch Erikson ist nichts heilig und es stellt sich oft die Frage: Wer ist hier eigentlich gut oder böse?

Obwohl ich ja nun von Martin einiges gewohnt bin, was breit gefächerte Handlungsstränge angeht und das er auch nicht zimperlich mit seinen Akteuren umgeht, hat es mich zunächst einmal umgehauen. Denn Erikson legt noch ein prall gefülltes Schippchen drauf. Er verschafft einem Informationen, die man am Anfang noch überhaupt nicht einordnen kann. Man wird regelrecht in eine Geschichte hineingeworfen – und lernt mit der Zeit das schwimmen. Und es macht mir höllisch Spaß. Und es emotionalisiert zum Teil heftig (und in den Folgebänden noch mehr).
Zur Handlung kann und will ich nicht viel erzählen. Erstens wäre es viel zu komplex und vielschichtig. Zweitens möchte ich hier nichts verraten.
Ich kann nur jedem, der Wert auf hochqualitative Fantasy legt, darauf Lust hat sich auf völlig Neues einzulassen (auch wenn der erste Band zuerst recht schwierig zu sein scheint) … kauft euch Erikson. Ich habe bis heute noch keine einzige Seite bereut. Die beiden Folgebände spielen im Reich im Reich der sieben Städte und bis auf wenige Akteure spielen sie in einem anderen Szenario auf. Aber ohne die „Gärten des Mondes“ gelesen zu haben, hätte ich die Zusammenhänge nicht verstanden. So, ist die „Gärten des Mondes“ der überaus gelungene Einstieg in einen Zyklus der mich nicht mehr loslässt. Einfach Klasse.

Ps.: Und da ich auch einer der geschundenen Kreaturen bin, die lieber die dt. Übersetzung lesen, liebäugle ich doch mit der Idee meinen Ponds aus dem Schrank zu holen und mein engl. aufzubessern; denn Band 10 „Bonehunters“ ist erschienen – und ich habe das verdammte Gefühl, dass ich nicht so lange werde warten können bis er auf Deutsch erscheint. Und es wird mich nicht die Mücke stören, dass einige Namen anders sind.
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53 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Komplexe Fantasy mit innovativen Ideen..., 10. Januar 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Gärten des Mondes. Das Spiel der Götter 01 (Taschenbuch)
...die jedoch leider zahlreiche Detailmängel aufweist.
Mit seinem Erstlingswerk "Die Gärten des Mondes" setzt der Kanadier Steven Erikson all jenen Fantasy-Liebhabern ein Festmahl vor, deren Herzen beim Gedanken an extrem epische Fantasyzyklen a la "Wheel of Time", "Song of Ice and Fire" oder der Osten-Ard-Tetralogie einen Freudensprung vollführen. Zehn Bände sollen es wohl letztendlich werden, zumindest auf Englisch. Die Story und die Welt, die Erikson dafür ausgetüftelt hat (und von Tüfteln kann hier wirklich die Rede sein, denn sein Szenario ist bis zum Rand gefüllt mit liebvollen, kleinen und feinen Details, Bräuchen und verschiedenen Kulturen) sind gleichermaßen episch angelegt. Es gibt allerdings eine Besonderheit: so hat jeder (englische) Band seine eigene Spannungskurve, das heißt, jedes der 10 Bücher wird, neben der großen Gesamthintergrundgeschichte, eine eigene kleinere Story aufweisen, deren Hauptkonflikt am Ende des Bandes gelöst wird, so wird etwa in Band 1 hauptsächlich die Situation in der genabackischen Prunkstadt Darujhistan beleuchtet, die als letzte der großen freien Städte noch Widerstand gegen das sich unerbittlich ausbreitenden Joch des malazanischen Imperiums leistet. Im deutschen Band 2 und drei (die zusammen den englischen zweiten Band ergeben) berichtet Erikson dann größtenteils von den Ereignissen im Reich der Sieben Städte, einem Land, das bereits vom erwähnten malazanischen Imperium eingenommen wurde.
Doch damit noch nicht genug der Innovationen: auch Eriksons Magiesystem ist außerordentlich ungewöhnlich und interessant, ohne, dass ich hier allzu viel darüber verraten will.
Man kann ebenfalls nicht behaupten, dass Erikson nichts getan hätte, um die Lektüre des Buches aufregend und spannend zu gestalten: es gibt Intrigen an allen Ecken und auch die unerwarteten Storywendungen sind durchaus gelungen und lockern die Geschichte auf. Zudem gibt es eine Unmenge von Charakteren, von denen die meisten sehr interessant geraten sind. Zudem weiß man sehr häufig nicht, wer denn eigentlich gut und wer böse ist und wer wem feindlich und freundlich gesonnen ist. Es gibt kein "gut" und kein "böse" in dem Sinne, fast jeder Charakter hat positive und negative Eigenschaften. Erikson zeigt uns seine Welt in schmuckem Grau, und das ist eigentlich das einzige Merkmal seines Buchs, das mit G.R.R. Martins "Song of Ice and Fire" vergleichbar ist. Ansonsten nämlich unterscheiden sich beide enorm, ja verhalten sich sogar komplett gegensätzlich zueinander: wo Martin uns mit seinem brutalen Realismus und der Reduzierung des magischen Elements zu etwas seltenem, staunenswertem begeistert, da sucht Erikson ganz bewusst das Fantastische, das Abstrakte, das Magische, wo Martin mit seiner mitterlalterlich-kargen Welt besticht, mit seinem Pessimismus und der Hoffnungslosigkeit, da präsentiert uns Erikson ein buntes Konfettifeuerwerk, in dem auf jeder zweiten Seite Magie in ihrer farbenprächtigsten Form angewendet wird. Kurz gesagt: Magie spielt eine sehr viel größere Rolle als bei GRRM.
Und das erweist sich mitunter als nicht eben günstig. Denn hier wird einem sehr schnell vor Augen geführt, weshalb es so wichtig ist, in Fantasy-Romanen mit der Magie sparsam umzugehen: wenn gar zu viele Zaubersprüche durch die Luft sausen, setzt ein gewisser Abnutzungsprozess ein: an jeder Ecke wogt einem Magie entgegen, doch dadurch wird das Buch beileibe nicht magischer, im Gegenteil: "Der Herr der Ringe" und das "Lied von Eis und Feuer" beziehen ihre magische Atmosphäre gerade aus dem Umstand, dass die Magie etwas Mysteriöses, Unirdisches, Unergründliches bleibt - daraus beziehen sie einen Großteil ihrer Spannung.
Ein weiterer negativer Aspekt des Buches ist der Schreibstil, dessen sich Steven Erikson bedient: Der ist nämlich weit weniger kunstvoll und sprachgewaltig als etwa der von GRRM oder von Tad Williams und wirkt zum Teil sogar ein wenig hölzern, wenn sich nämlich Ausdrücke und Redewendungen einschleichen, die in Fantasyromanen nichts zu suchen haben. Manche Abschnitte wirken gar lieblos heruntergeleiert, als hätte Erikson keine Zeit gehabt, sich eingehender mit dieser Stelle des Romans zu befassen. Was mich persönlich außerdem ziemlich stört ist der extrem häufige Gebrauch des Wortes "grunzen", und zwar in einem Kontext, in dem er allenfalls unfreiwillig komisch wirkt: ist es normal, dass ein Mensch ungefähr alle zwei Minuten "grunzt"? So ungefähr mutet das nämlich bei Erikson an.
Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen sind zuweilen etwas unglaubwürdig und hölzern geraten (sie werden spätestens dann wissen, was ich meine, wenn Flickenseel und Paran zusammentreffen).
Anzumerken ist ebenfalls noch, dass dies hier bei weitem nichts für zimperliche Gemüter ist: schon im ersten Kapitel waten die Charaktere im wahrsten Sinne des Wortes durch ein Meer aus verwesenden, verstümmelten Leichen und diese Spirale aus Blut zieht sich durch das gesamte Buch. Wer jedoch (wie ich) gefallen an derartige düsterer Fantasy findet, dürfte sich daran kaum stören.
Schlussendlich muss ich noch eine Warnung erteilen: an dieses Buch sollten sich nur altgediente Fantasy-Recken heranwagen, Anfänger sollten die Finger davon lassen: gerade zu Anfang der mysteriösen Handlung versteht ein flüchtiger, unaufmerksamer Leser größtenteils Bahnhof, alles ist sehr verzwickt, kompliziert, mit jeder Menge rätselhafter Hinweise und Andeutungen versehen und man muss aufpassen, um nicht den Faden zu verlieren. Nach einer Weile jedoch gibt sich das und zum Ende hin entwickelt sich das Buch zum echten "Page-Turner".
Ich komme alles in allem zu einer Wertung von 3.5 Sternen und runde großzügig und in anbetracht der Innovationen auf 4 Sterne auf. Es gehört zu den besseren Werken des Genres, der Osten-Ard-Tetralogie von Tad Williams oder gar dem "Song of Ice and Fire" ist "Das Spiel der Götter" jedoch weit unterlegen. Wer aber Magie über alles liebt, sollte es ruhig einmal darauf ankommen lassen.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geduld wird belohnt!, 15. Juli 2004
Rezension bezieht sich auf: Die Gärten des Mondes. Das Spiel der Götter 01 (Taschenbuch)
Ein phantastisches Werk! Erst einmal wird der Leser jedoch mit unglaublich vielen Namen bombadiert von denen erst im Lauf der Zeit klar wird, ob es wirklich Namen, Orte, Rassen o.Ä. sind. (Den Glossar am Ende des Buches habe ich leider zu spät entdeckt ;o))Auch werden sehr viele Handlungsstränge geöffnet, die später jedoch meisterhaft und logisch zusammengeführt und abgeschlossen werden. Nach anfänglicher Frustration über die vielen nicht erklärten Begriffe, habe ich dieses Buch später geradezu verschlungen und mir sofort die nächsten Bände bestellt. Nichts für Liebhaber von leichter Kost, aber für den Geduldigen ein Meisterwerk der Erzählkunst. Es lohnt sich diese Welt kennenzulernen.
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30 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch "zum in die Ecke schmeissen"?, 4. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Gärten des Mondes. Das Spiel der Götter 01 (Taschenbuch)
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Definitiv nicht!!!
Wenngleich - und hier kann ich andere Kritiker durchaus verstehen - ich mir mit dem Buch anfangs auch schwer tat. Es ist korrekt,
o dass das Buch "irgendwo" zu beginnen scheint...
o dass man sofort in alle möglichen Geschichten "reingeworfen" wird...
o dass es etliche Wechsel gibt...
o dass auch bei der Hälfte des Buches noch nicht klar ist, was und wer denn eigentlich wie zusammenhängt...
o dass es einem manchmal "fremdartig anmutet" wenn Magier in der gleichen Truppe wie "Bombenleger" arbeiten?!
o ...und vieles mehr.
Irgendwann (und das war durchaus ein paar hundert Seiten später) habe ich mir auch mehrmals gedacht: Also... entweder wird das nun was, ODER...
schlussendlich habe ich doch weitergelesen. Und siehe da... das Buch wird immer besser?! Nachdem man sich etwa in der Hälfte des Buches (immerhin ca. 350 Seiten) endlich mit dem Erzählstil abgefunden hat, und die geschilderte Welt auch nur halbwegs verständlich scheint, macht das ganze auf einmal Spass.
...und... es wird immer besser (siehe die folgenden Bände). Mittlerweile ist diese Saga eine meiner absoluten Favoriten... und ich warte MINDESTENS so sehnsüchtig auf den nächsten Band, wie ich auch "Feuer und Eis" warte (wenngleich mir von anderen Kritikern untersagt wurde, solche Vergleiche zu "fahren" *smile*).
Jedem, der auf Fantasy steht und sich damit abfinden kann, dass Magier mit Soldaten in der selben Armee kämpfen... und sich auch 'mal mit einem Gott anlegen... und der überdies die Ausdauer hat, die ersten 350 Seiten durchzulesen, kann ich dieses Buch ans Herzen legen. Und natürlich auch die Folgebände!
Beste Grüsse
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lesen als Achterbahnfahrt (Rezension der Reihe bis Band 10), 13. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Gärten des Mondes. Das Spiel der Götter 01 (Taschenbuch)
Hmm, die Rezension wird jetzt schwierig...

Als ich seinerzeit mit "Die Gärten des Mondes" anfing, war ich sowohl gespannt wie ein Flitzebogen als auch skeptisch, ob das Buch auch wirklich das halten würde, was es versprach.
Ich hatte gerade erst "Das Lied von Eis und Feuer" fertig gelesen und war auf der Suche, nach einem vergleichbaren Fantasy-Epos. Da Martin und Erikson ja schon fast in einem Atemzug genannt werden, lag es auf der Hand, dass ich nach einem anderen gescheiterten Versuch (M. Heitz: Ulldart...)dann doch zu "Das Spiel der Götter" griff.

Der erste Band erschwert den Einstieg in diese Serie enorm! Das ist unbestreitbar. Die Story, die Charaktere, die Welt - alles ist irgendwie sperrig und schwer aufzunehmen. Glücklicherweise entwickelt sich "Die Gärten des Mondes" etwa nach den ersten 300 Seiten und öffnet sich dem Leser etwas mehr. Nach Beendigung des Buches war ich gespannt, wie es wohl weitergeht und bestellte mir ruckzuck Band 2.

Inzwischen bin ich bei Band 10 angelangt und so langsam verlässt mich leider die Lust...

Das Lesen der einzelnen Bände war ein einziges Auf und Ab - wie eine Achterbahnfahrt. Ein Höhepunkt war für mich der dritte Band, der meines Erachtens nach wirklich unwahrscheinlich gut und spannend gelungen ist. Man kennt zu diesem Zeitpunkt die Charaktere ganz gut, hat sich mit Eriksons Stil angefreundet und vermutlich auch die eine oder andere Figur in sein Herz geschlossen. Leider wird diese Intimität fast mit jedem neuen Band zerstört, weil der Autor immerzu die Schauplätze wechselt, plötzlich die Lebensgeschichten sogenannter Nebenfiguren zu erzählen beginnt, was mich persönlich total aus der eigentlichen Geschichte gerissen hat. Natürlich entwickeln sich diese Geschichten "in sich" und deswegen würde ich keines der Bücher als schlecht bezeichnen - aber das große Ganze hat sich bei mir inzwischen doch verabschiedet. Ich kann die Zusammenhänge nicht mehr nachvollziehen, geschweige denn, zwischen Wichtig und Unwichtig unterscheiden.

Positiv zu nennen ist in jedem Fall Eriksons toller Schreibstil, der anspruchsvoll ist und sicherlich nicht geeignet für "Lese-Einsteiger". Auch das in den Büchern dargestellte Magie-Konzept ist interessant, eigen und in keiner Weise abgedroschen oder klischeehaft. Grundsätzlich würde ich auch den Anspruch, den Erikson an seine Leser stellt, als positiv bewerten, aber dem Leser sollte bewusst sein, dass es (so scheint es mir jedenfalls) nahezu unmöglich ist, alle Erzählstränge, Verquickungen und Namen hundertprozentig zu verstehen bzw. zu erfassen.

Mein Fazit ist jedenfalls trotzdem, dass ich vermutlich mit dem Lesen dieser Reihe aufhören werde, sobald ich Band 10 beendet habe, weil ich nicht das Gefühl habe, dass es Erikson gelingen wird, innerhalb von drei Bänden die Handlung merklich voranzutreiben. Ich glaube eher, dass die Geschichte sich aufgehangen hat, was ich schade finde. Ich brauche vorerst eine Pause...:)

Wer nach einem anspruchsvollen, nicht alltäglichen Fantasy-Werk auf der Suche ist, der sollte sich getrost an dieses heranwagen. Ob es einem gefällt oder nicht, muss im Endeffekt jeder selbst entscheiden. Ich für meinen Teil bin hin und her gerissen zwischen Tolle Sache und Puh - Ich kann nicht mehr...
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Macht der Magie, 24. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: Die Gärten des Mondes. Das Spiel der Götter 01 (Taschenbuch)
Klasse Fantasy! War ich vorher von Feist begeistert, so muß ich sagen, dass Erikson hier ein Meisterstück gelungen ist. Auch wenn man anfangs von Namen und Figuren überwältigt wird, so stellt sich im Laufe der Geschichte der A-HA-Effekt ein! Insbesondere wird bei Erikson die Macht der Magie deutlich gezeigt, und wesentlich besser und detailierter als in anderen "vergleichbaren" Werken. Erikson geizt nicht mit Hintergrundinformationen, so dass z.B. die Klaue oder die Assasinen förmlich greifbar werden. An manchen Stellen ist jedoch die deutsche Übersetzung einwenig sschlecht, ich habe aber auch schon wesentlich grausameres erlebt. Meine Empfehlung: Lesen und Staunen!
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16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kompliziert und anstrengend, aber es lohnt sich, 11. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Gärten des Mondes. Das Spiel der Götter 01 (Taschenbuch)
Nun, nachdem ich die Eis und Feuer-Saga (ich weiß, ich weiß, man sollte es nicht vergleichen) zügig innerhalb von drei Wochen gelesen habe, habe ich mit großer Erwartung diese Reihe angefangen. Ich muss sagen, nach 3 Wochen habe ich nun das ERSTE Buch der Reihe hinter mir und es war anstrengend! Sehr viele komplizierte Namen, Orte und Zeitsprünge haben mir zu schaffen gemacht und ich wollte schon das Buch nach 300 Seiten in die nächste Ecken stellen. Ich zwang mich jedoch weiter (ich hatte noch Band 2 und 3 da) und siehe da - das Buch gewann an Spannung - Zusammenhang und Flüssigkeit. Also, wer sich durch diese ersten Seiten quält, hat es geschafft und sieht einer sehr phantasiereichen Geschichte entgegen, die es sich lohnt zu lesen! KAUFEN und LESEN - Sehr gut!
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Die Gärten des Mondes. Das Spiel der Götter 01
Die Gärten des Mondes. Das Spiel der Götter 01 von Steven Erikson (Taschenbuch - 1. August 2000)
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