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Kundenrezensionen

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am 16. Dezember 2009
Endlich wird mal klar und deutlich die Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern erklärt und wie wichtig es ist, dass ein Kind Kind sein darf. Dies kann nur geschehen, wenn die zu erziehende Person die Verantwortung auf sich nimmt und dem Kind altersangemessene Strukturen gibt. In diesem Buch wird klar, dass es eben nicht schädlich für das Kind ist ihm (liebevoll) Grenzen zu setzen und klar zu definieren, wo das Kind steht und wo der Erwachsene.
Interessant ist auch, welche Beziehungsmuster, die so liebevoll zu sein scheinen, ausgesprochen schädlich für die psychische Entwicklung des Kindes sind. Diese Buch sollte Pflichtlektüre für alle Erziehungspersonen sein.
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Wer verändern will, der gebraucht manchmal anstoßende Begriffe und Formulierungen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Beim neuesten Buch des Kinderpsychiaters Michael Winterhoff gelingt ihm wieder mit seiner klaren Art, auch unbequeme Thesen und Analysen aufzustellen. Ob als Eltern, Pädagoge/-in oder Therapeut/-in und hoffentlich auch als Politiker/-in wird man hier wachgerüttelt und auf eine unglückliche Entwicklung der Kinder bzw. in ihrer Erziehung aufmerksam gemacht.
Nach einem kurzen Überblick über die Entdeckung der Kindheit" beschreibt der Autor vier Konzepte, nach denen in unserer Gesellschaft Kinder gesehen werden:
1. Kind als Kind"
2. Kind als Partner"
3. Ich will vom Kind geliebt werden"
4. Das Kind ist Teil meiner selbst"
In einer Mischung aus entwicklungspsychologischen, kinderpsychiatrischen und pädagogischen Erkenntnissen macht Winterhoff deutlich, wie selten Kinder tatsächlich als Kinder gesehen werden.
Ob Zuhause, im Kindergarten oder im Schulbereich (das sind die Erlebensbereiche, aus denen Winterhoff seine vielen, situativ beschreibenden Beispiele herausnimmt): der Alltag vieler Kinder ist davon geprägt, dass sie nicht klaren Erwachsenen gegenüber stehen, sondern auf Menschen treffen, die eine Partnerschaft mit den Kindern leben wollen - unabhängig der jeweiligen Entwicklungsstufe". Aus dieser gestörten Beziehung erwachse eine gestörte Kommunikation zwischen Lehrern/-innen und Schülern/-innen bzw. Eltern, zwischen (Groß-) Eltern und Kindern sowie auf der Paarebene. Aber ebenso sei in Kindergärten und in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe oftmals ein fatales Verständnis von Partnerschaft mit dem Kind zu sehen, welches vielfach die Verantwortung (der Erwachsenen) den Kindern überlasse. Was als Selbstbestimmung der Kinder daherkomme, sei oftmals eher ein überforderndes sich selbst überlassen.
Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen geht Michael Winterhoff noch auf die Auswirkungen der Tempobeschleunigung auf das Zusammenleben und die Psyche" ein und gibt richtungsweisende Auswege vor, wie mit Beziehung und Struktur eine neue Balance im Generationenverhältnis hergestellt werden kann und welche Erfordernisse auf privater, öffentlicher und politischer Ebene notwendig sind.
Wer hier einen Erziehungsratgeber schlechthin mit vielen Details vermutet, wird überrascht sein; denn es geht dem engagierten Autor vor allem um eine Veränderung in der Haltung gegenüber Kindern, ohne wieder in das Zeitalter autoritärer Extreme zu verfallen. Diese Haltungsänderung würde den Kindern wieder mehr Halt geben.
Leider fehlen in dem Buch sowohl Stichwortverzeichnis als auch ein zusammenfassendes Literatur- bzw. Quellenverzeichnis. Ansonsten aber wird die unbequeme und doch gut lesbare Lektüre Einspruch und Widerspruch hervorrufen und so mancher Ausspruch wird Anstoß erwecken.
Wenn dies geschieht und die nach dem Lesen des ganzen Buches ohne Polemik geführte Diskussion sich bis in die Elternhäuser und pädagogischen Institutionen ausweitet, dann ist den Kindern und den ihnen verantwortlichen Personen wirklich geholfen!
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am 26. September 2009
wir verbieten unserem Sohn jetzt früher manche Dinge, die wir sonst mit vielen Argumenten versucht haben zu erklären und sein Einverständins und damit eine friedliche /harmonische Stimmung zu erreichen - das Gegentail war der Fall: unser Sohn war öfter lange wütend oder unzufrieden. Jetzt machen wir eher einfach wie wir'S für richtig halten auch wenn es gründlich gegen seinen Willen ist; was unseren Sohn aber offensichtlich eher ruhiger und zufriedener gemacht hat; wenn wir ihm deutlich die Grenzen zeigen, nimmt er davon sichtilich keinen Scahden - sonst käme er wohl kaum singend aus seinem Zimmer, wenn wir trotz seines Protests auf dem Einhalten einer Regel bestehen; er kann mit Frustrationen wesentlich besser umgehen; die ewige Diskutiererei (Partnerschaftlichkeit) hat viele Nerven gekostet, weil es in jeder Situation von vorne losging. jetzt muss man einiges 1x "durchstehen" aber wir werden in der nächsten Situation nicht wieder in eine Dikussion verwickelt, weil er gelernt hat, dass es Dinge gibt, die "einfach so sind" oder die wir so machen, weil wir die ELtern sind PUNKT.
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am 31. Juli 2010
Als Dipl.-Psych. und Mutter von zwei Kindern habe ich mich immer für Erziehung interessiert und mich sehr umfangreich mit den Gedanken und Konzepten von Erziehern in Kindergärten und Schulen sowie anderen Eltern auseinandergesetzt. Mich hat immer interessiert, wie die Erfahrungen und Gedanken anderer Menschen sind, die pädagogisch arbeiten. Von professionellen berufserfahrenen Pädagogen habe ich anschaulich berichtet bekommen, dass die Arbeit mit Kindern über die Zeit schwieriger geworden sei, da viele Kinder keine Regeln akzeptieren würden, zu viel Fernseh gucken (auch Filme, die nicht altersgemäß sind) und Szenen des Gesehenen nachspielen, was zu größeren Verletzungen führt, da die Kinder Fiktion und Realität noch nicht gut unterscheiden können. Zudem haben sie weniger Achtung vor anderen und deren Eigentum, können sich weniger ruhig verhalten und konzentrieren, sind motorisch schlechter entwickelt und zeigen sich gegenüber Regeln ablehnend. Das Gespräch mit den Eltern sei schwieriger geworden, da sie das Verhalten ihrer Kinder meistens schützen, bagatellisieren oder sich auf den "Schlips getreten" fühlen. Ein konstruktiver Austausch sei sehr schwierig geworden.

Mich hat das Buch von Winterhoff angeregt, stärker noch als bisher die Augen zu öffnen und herauszufinden, warum sich viele Kinder heutzutage so unangemessen verhalten. Und wenn ich Eltern, Kinder und Pädagogen in Interaktionen beobachte, so erhalte ich viele Bestätigungen der Thesen von Winterhoff. Ich danke ihm für dieses Buch, hat es mir doch weitere Anregungen gegeben, Diskussionen und Gespräche mit anderen Eltern und Pädagogen auch hinsichtlich der Beobachtungen von Winterhoff zu führen. Für mich ist es immer wichtig gewesen, weniger auf z. B. momentanes unangemessenes Verhalten von Kindern zu achten (da sich Kinder in der Entwicklung befinden und vieles - wie wir eigentlich auch - noch lernen müssen), sondern darauf zu achten, was Eltern in einem solchen Fall tun. Und da erlebe ich zum Teil erschütternde Szenen, die sich mit Winterhoffs Erklärungsansätzen sehr gut beschreiben lassen und die Eltern und Pädagogen in den Fokus rücken.
Wie oft habe ich erlebt (ein vielleicht für manche banales Beispiel), dass aus einem liebevollen "Nein, Du kannst heute nicht bei Deinem Freund übernachten" nach endlos langer Diskussion ein ängstliches "Na gut, ich spreche mal mit dem Papa oder der Mama." und dann ein sich ergebendes : "O.k., wenn Du Dich dann beruhigst." wird. Wer die Welt beobachtet und sich mit Erziehenden bespricht, kann die Erklärungsansätze von Winterhoff tatsächlich bestätigt finden.

Es handelt sich nicht um Grusellektüre :-) - das Buch regt zum Nachdenken Diskutieren an.
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am 28. Januar 2009
Das erste Buch Michael Winterhoffs mit dem Titel "Warum unsere Kinder Tyrannen werden" ist nicht nur gut verkauft worden, sondern seine Rezeption war sehr kontrovers. Was in der Regel zeigt, dass der Autor wichtige und auch wahre Dinge angesprochen hat. Jedenfalls hat sein Buch, das kann man sagen, die Diskussion angestoßen, und den einen oder anderen auch auf mit weniger reißerisch daherkommenden Titeln publizierende Autoren wie etwa Jesper Juul aufmerksam gemacht.

Nun liegt, lange schon angekündigt, sein zweites Buch vor mit dem Untertitel "Warum Erziehung nicht reicht. Auswege". Hier erläutert er noch einmal die verschiedenen Beziehungskonzepte von Eltern: Partnerschaft, Projektion und Symbiose, in denen, in der Regel unbewusst, Erwachsene ihre Beziehung zu Kindern leben. Beziehungsstörungen nennt er diese Konzepte im ersten Buch und zeigt hier wie dort auf, welche verhängnisvollen und beklagenswerten Folgen dies für die Entwicklung der Kinder hat.

Das neue Buch stellt neben die Analyse des Problems die Suche nach Auswegen und kommt auch weniger anklagend daher. Erziehung allein, so sehr sie auch überall fehlt und manches Mal geradezu vermieden bzw. diffamiert wird, wie ich finde ( vgl. dazu kritisch die Bücher von Bernhard Bueb, "Lob der Disziplin" und "Von der Pflicht zu führen") reicht nicht aus. Sie muss in der Familie, im Kindergarten und der Schule zur Be-Ziehung werden, sollen die Kinder zu reifen und autonomen Erwachsenen heranwachsen. "Kinder müssen Kinder sein dürfen und Erwachsene müssen Erwachsene sein wollen", so nennt Winterhoff die Aufgabenstellung. Dabei ist eines vorrangig nötig:
"Kinder brauchen in der Schule und im Kindergarten genauso wie im Elternhaus Struktur, weil Struktur Halt gibt. Neben überschaubaren Abläufen (und Ritualen, wie sich der Rezensent erlaubt hinzuzufügen) gehört dazu beispielsweise auch eine sehr persönliche Ansprache des einzelnen Schülers durch den Lehrer. Es ist äußerst wichtig, als Lehrer seine Schüler gezielt auf sich zu beziehen. Aus meinen bisherigen Ausführungen ist auch klar ersichtlich, warum das so wichtig ist. Denn es geht auch hier nicht um Er-Ziehung, sondern und Be-Ziehung."

Dem Buch und seinen Thesen, die so auch schon von anderen formuliert wurden (vgl. Jesper Juul und auch Bernhard Bueb etwa) ist zu wünschen, dass sie nicht nur kontrovers (weg)diskutiert werden, sondern dass sie einsickern in die Sozialisationsinstanzen wie Kindergarten und Schule, die Beratungsstellen und Jugendämter und die politischen Entscheidungsgremien. Denn viele Erwachsene, die Eltern geworden sind, brauchen Hilfestellungen und Angebote, um in ihre Rolle wirklich hineinzuwachsen und den Regelkreis zu unterbrechen, der seit Jahrzehnten beobachtet werden kann: nicht wirklich reife und erwachsene Männer und Frauen können Kindern nicht wirklich Erzieher und Vorbild sein. Die Kinder ihrerseits werden nicht wirklich erwachsen, lernen keine Disziplin und Verantwortung zu übernehmen und geben dies, wenn sie dann überhaupt welche bekommen wollen, diese unreifen Haltungen und Werte wieder an ihre Kinder weiter.

Im Kindergarten meines Sohnes David (5), in dem ich durch eine wöchentliche "Lesezeit" mithelfe, die Sprachkompetenz und die Leselust der Kinder zu fördern, kann man gut beobachten, wie das durch das Engagement von Eltern und Erzieherinnen gut funktionieren kann. Wenn sich das dann auch in die Grundschule fortsetzt, kann die Entwicklung vielleicht für die Kinder und ihre Familien wirklich nachhaltig sein.

Wir dürfen als Gesellschaft unsere Kinder nicht einem unreifen Schicksal überlassen, müssen sie als Kinder Kind sein lassen, und den Erwachsenen helfen, ihre Rolle zu finden. Ein langer Prozess, der nötig ist und sich lohnen wird, davon bin ich als Vater überzeugt.
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am 8. Januar 2013
Die Thesen und Untersuchungen des Autoren stimmen mit meinen Erfahrungen überein.
Sehr empfehlenswert!! für Eltern, Erzieher, soz.-päd. Berufe, Institutionen in therapeutischen Einrichtungen, Lehrer!
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am 9. April 2009
Ich unterrichte seit über 20 Jahren an Lernbehinderten-Klassen. In den letzten Jahren sind meine Anordnungen nicht mehr angekommen. Alles wurde verhandelt, diskutiert und abgewertet. Durch das Buch "Tyrannen müssen nicht sein" sind mir die Augen geöffnet worden für die Problematik der jungen Generation. Sie sind nicht "entwickelt" um mit Frustrationen, Verweisen, Warten müssen, Zurückstehen umzugehen. Ihre Eltern haben das Bedürfnis, von ihnen geliebt zu werden. Deshalb sind sie nicht Erzieher sondern Partner ihrer Kinder. Dies ist ein Missbrauch und eine Überforderung! Dies in ganz kurzen Worten der Inhalt des Buches, welches sehr kurzweilig, mit Beispielen untermalt geschrieben ist. Empfehlenswert!
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am 20. Juli 2009
Wir haben einen mittlerweile acht jährigen kleinen "Tyrannen" zu Hause. Uns hat das Buch sehr geholfen, uns noch stärker zu hinterfragen. Was haben wir als "moderne" Eltern mit der Geburt unseres ersten Sohnes nicht alles gelesen, besprochen, uns Konzepte angehört, alles in der Liebe, es besser als unsere Eltern in den "spießigen" 70er Jahren zu machen. Das Ergebnis der gewährten "Freiräume", des "Einbeziehens" in unsere Erwachsenenwelt war in der Tat ein kleiner "Tyrann", aus "guten Verhältnissen". Die Erkenntisse, den Spiegel, den Winterhoff uns da vorhält, absolut hilfrich. Lösungen, also "Auswege" (Untertitel) im Sinne von ausdrücklichen Handlungsbeispielen, wie wir, oder auch Lehrer vor Klassen mit "kleinen Tyrannen" (die uns sehr vetraut scheinen)und somit aus dem nun mitverursachten Dilemma, wieder rauskommen, bietet er indes wenig an. Einzig eben, Umdenken, Kind als Kind sehen, frei nach dem Motto: "Der Weg ist das Ziel" und dafür ist es nie zu spät. Wir sind nun auf dem Weg....
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am 19. Mai 2009
Das erste Buch Michael Winterhoffs mit dem Titel "Warum unsere Kinder Tyrannen werden" ist nicht nur gut verkauft worden, sondern seine Rezeption war sehr kontrovers. Was in der Regel zeigt, dass der Autor wichtige und auch wahre Dinge angesprochen hat. Jedenfalls hat sein Buch, das kann man sagen, die Diskussion angestoßen, und den einen oder anderen auch auf mit weniger reißerisch daherkommenden Titeln publizierende Autoren wie etwa Jesper Juul aufmerksam gemacht.

Nun liegt, lange schon angekündigt, sein zweites Buch vor mit dem Untertitel "Warum Erziehung nicht reicht. Auswege". Hier erläutert er noch einmal die verschiedenen Beziehungskonzepte von Eltern: Partnerschaft, Projektion und Symbiose, in denen, in der Regel unbewusst, Erwachsene ihre Beziehung zu Kindern leben. Beziehungsstörungen nennt er diese Konzepte im ersten Buch und zeigt hier wie dort auf, welche verhängnisvollen und beklagenswerten Folgen dies für die Entwicklung der Kinder hat.

Das neue Buch stellt neben die Analyse des Problems die Suche nach Auswegen und kommt auch weniger anklagend daher. Erziehung allein, so sehr sie auch überall fehlt und manches Mal geradezu vermieden bzw. diffamiert wird, wie ich finde ( vgl. dazu kritisch die Bücher von Bernhard Bueb, "Lob der Disziplin" und "Von der Pflicht zu führen") reicht nicht aus. Sie muss in der Familie, im Kindergarten und der Schule zur Be-Ziehung werden, sollen die Kinder zu reifen und autonomen Erwachsenen heranwachsen. Kinder müssen Kinder sein dürfen und Erwachsene müssen Erwachsene sein wollen", so nennt Winterhoff die Aufgabenstellung. Dabei ist eines vorrangig nötig:
"Kinder brauchen in der Schule und im Kindergarten genauso wie im Elternhaus Struktur, weil Struktur Halt gibt. Neben überschaubaren Abläufen (und Ritualen, wie sich der Rezensent erlaubt hinzuzufügen) gehört dazu beispielsweise auch eine sehr persönliche Ansprache des einzelnen Schülers durch den Lehrer. Es ist äußerst wichtig, als Lehrer seine Schüler gezielt auf sich zu beziehen. Aus meinen bisherigen Ausführungen ist auch klar ersichtlich, warum das so wichtig ist. Denn es geht auch hier nicht um Er-Ziehung, sondern und Be-Ziehung."

Dem Buch und seinen Thesen, die so auch schon von anderen formuliert wurden (vgl. Jesper Juul und auch Bernhard Bueb etwa) ist zu wünschen, dass sie nicht nur kontrovers (weg)diskutiert werden, sondern dass sie einsickern in die Sozialisationsinstanzen wie Kindergarten und Schule, die Beratungsstellen und Jugendämter und die politischen Entscheidungsgremien. Denn viele Erwachsene, die Eltern geworden sind, brauchen Hilfestellungen und Angebote, um in ihre Rolle wirklich hineinzuwachsen und den Regelkreis zu unterbrechen, der seit Jahrzehnten beobachtet werden kann: nicht wirklich reife und erwachsene Männer und Frauen können Kindern nicht wirklich Erzieher und Vorbild sein. Die Kinder ihrerseits werden nicht wirklich erwachsen, lernen keine Disziplin und Verantwortung zu übernehmen und geben dies, wenn sie dann überhaupt welche bekommen wollen, diese unreifen Haltungen und Werte wieder an ihre Kinder weiter.

Im Kindergarten meines Sohnes David (5), in dem ich durch eine wöchentliche Lesezeit" mithelfe, die Sprachkompetenz und die Leselust der Kinder zu fördern, kann man gut beobachten, wie das durch das Engagement von Eltern und Erzieherinnen gut funktionieren kann. Wenn sich das dann auch in die Grundschule fortsetzt, kann die Entwicklung vielleicht für die Kinder und ihre Familien wirklich nachhaltig sein.

Wir dürfen als Gesellschaft unsere Kinder nicht einem unreifen Schicksal überlassen, müssen sie als Kinder Kind sein lassen, und den Erwachsenen helfen, ihre Rolle zu finden. Ein langer Prozess, der nötig ist und sich lohnen wird, davon bin ich als Vater überzeugt.
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am 30. Oktober 2009
Ich freue mich über die Ausführungen von Dr. Winterhoff. Zwar ist manches redundant in seinem Buch, aber ich denke es ist absichtlich von ihm so gemacht worden, weil er seine Botschaft verbreiten will und davon überzeugt ist und das finde ich redlich und klug.

Er scheint tatsächlich zu hoffen, daß die kinder- und jugendpsychiatrische Sicht auf die Entwicklung unserer Kinder gehört werden sollte, das sie nicht Gehör findet ist meine bittere Erfahrung. Außerdem hat er einen wichtigen Gedanken, den des Gemeinwesens in seinem Buch nicht unerwähnt gelassen. Gerade bei der Phobie in unserem Land vor solch unerhört vernunftiger Vokabel ist er meiner Ansicht nach unwahrscheinlich, dass es zu dem notwendigen Wandel in den Institutionen Schule und Kindergarten kommt.

Leider kann ich deshalb den Optimismus von Dr. Winterhoff nicht teilen. Ich denke für unsere Jugend und damit für das deutsche Volk (wenn es denn ein solches noch gibt) ist zum grössten Teil der Zug schon abgefahren. Die ganzen Versuche Deutschland in Zukunft lebensfähig zu halten, werden von der Politik, die nur noch auf Sicht agiert, den Mainstream-Medien die an der Verdummung des Landes den größten Anteil haben und der dominierenden (west)deutschen Ideologie, daß Kinder am besten bei der Mutter aufgehoben sind, weiter verschlimmert.

Mir fehlen aber besonders die Darstellungen über das sogenannte Prekariat. Denn hier ist ebenfalls , nach meinen Beobachtungen aus der Klinik, keine Anleitung der Kleinsten gegeben die wichtigsten lebenspraktischen Fähigkeiten zum Leben in der Gesellschaft zu erlernen. Ich sehe täglich Kinder aus diesen von der Gesellschaft vergessenen Gesellschaftsschicht. Ich kann den genannten Beziehungsfallen des Dr. Winterhoff noch die grausamen Bindungsstörungen hinzufügen, die ich regelmäßig diagnostizieren und behandeln muß. Sie entstehen, wenn überhaupt keine Struktur im täglichen Leben und in der Erziehung vorhanden ist. Wenn der betrunkene Vater einmal schlägt und dann wieder nicht. Wenn die niemals stillende, weil rauchende Mutter ständig wechselnde Männer nach Hause bringt und nicht unterbinden kann, daß ihre Tochter mißbraucht wird. Wenn der Säugling in seiner schmutzigen Windel schreit und weint und eine Schnapsflasche zum Spielen bekommt. Wenn Kinder hungern oder dursten, weinen oder sich freuen, aber keiner da ist, der ihre Gefühle wahrnimmt, spiegelt, sie tröstet oder in den Arm nimmt.

Wenn wir also auf einen Notstand hinauslaufen, dann in einer noch ganz anderen Dimension als Dr. Winterhoff befürchtet. Die Mittelschicht kann ihre Kinder nicht mehr angemessen erziehen, da sie ständig glaubt die Selbstständigkeit zu fördern, sei der Stein der Weisen. Das Prekariat (oder wie Marx es genannt hat das Lumpenproletariat) kann und will überhaupt nicht mehr fördern.

Das ist wahrlich etwas überspitzt und möglicherweise auch nicht statistisch vollständig zu belegen, aber es ist meine klinische Wahrnehmung. Die ständig steigenden Zahlen der notwendig gewordenen Heimeinweisungen ist beredtes Zeugnis dieser Tendenz. Ich mache übrigens nicht dieser Schicht einen Vorwurf, sondern dem deutschen Staat, der sich weiterhin weigern wird die notwendigen Gelder in die Kommunen zu pumpen um eine adäquate Betreuung für Kleinkinder (ab dem 1 Lebensjahr), Schülern und auch Studenten zu gewährleisten.

Und hier schließt sich der Kreis und die Rezension des Buches. Auch dies wurde als ein Ausweg von Dr. Winterhoff genannt. Aber er wird sicher nicht begangen werden. In unserem Land finden nämlich nur die privatwirtschaftlichen, nie die volkswirtschaftlichen Kosten Berücksichtigung.

MfG
Dr. A. Schmidt
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