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am 6. März 2014
Tomáš Sedláček hat dieses Buch seinem Sohn Chris gewidmet und ihm dabei gewünscht, er möge in seinem Leben mal ein besseres Buch als dieses schreiben. Das ist eine riesige Herausforderung, aber zugleich eine gewaltige Hypothek. Ich behaupte, ein besseres Buch als dieses zu schreiben, ist schlechterdings nicht möglich. Chris könnte vielleicht noch einschlägiges islamisches Denken einfließen und fernöstliche Philosophien zu Wort kommen lassen, er könnte zum Beispiel obendrein auf die Kaufmannskunst der Phöniker, Venezianer, Hanse und Fugger eingehen, die der Vater ausgespart hat. Er könnte auch noch über den ersten, in der Wirtschaftsgeschichte bekannt gewordenen Options-Deal der Geschichte des Thales von Milet (s. S. 128) schreiben, um zusätzlich zu unterstreichen, dass Ökonomie keine Erfindung der Heutzeitigen, sondern tief in den Kulturen verankert ist. – Ich beneide Chris nicht, er hat mit dieser Widmung einen verdammt schweren Job übertragen bekommen.

Sedláčeks Buch ist ein hochinteressanter Spaziergang durch die Menschheitsgeschichte und durchs Himmelreich. Zahllose Details der ökonomischen Weltkultur werden verarbeitet und zwar in einer Weise, dass das Lesen großen Spaß macht. Gehaltvolle, aber leicht zu lesende Lektüre (z. B. auf der Liege am Strand). Mit seinem historischen Ansatz macht er verständlich, wie und manchmal auch warum sich die Welt/die Ökonomie so entwickelt hat, wie sie heute dasteht. Sedláček bezeichnet die heutige Ökonomie als die mathematischste aller Sozialwissenschaften (S. 353). Er kritisiert heftigst die heutige Mainstream-Ökonomie und bemerkt (S. 351, Fußnote a), dass „wir das menschliche Verhalten nie besser verstehen werden, wenn wir uns mit der Ökonomie befassen, ohne über das rein Ökonomische hinauszugehen. Und dass die Vernachlässigung dieser metaphysischen Fragen zu einer düsteren Wirtschaftswissenschaft führen kann.“ Sedláček befürchtet, dass die Mainstream-Ökonomie davon nicht mehr weit entfernt sei.

Wir müssen uns von unsichtbaren Händen und vom lieb gewonnenen wie auch gehassten homo oeconomicus (s. S. 321ff.) verabschieden. Weniger Mathematik wäre mehr. Die Wirtschaftswissenschaften brauchen keinen Minderwertigkeitskomplex zu haben, wenn sie in ihren Büchern nicht mindestens so viele Formeln, Grafiken etc. vorweisen können, wie die Physik. Die Wirtschaftswissenschaften brauchen eine völlig neue Positionierung, ein neues Design und schließlich ein neues Selbstverständnis. Und wir müssen aufpassen, was wir unseren StudentInnen lehren (S. 405).

Wer tief über die Ökonomie, und zwar über die Volks- als auch über die Betriebswirtschaftslehre, reflektieren will – und das sollten wir dringend! –, der muss das prämierte Buch von Sedláček lesen. Da vieles in unserer globalisierten Welt mit dem Ökonomischen verbunden ist, würde ein ethischeres Herangehen in der Ökonomie auch unserer Welt insgesamt nur gut tun.
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Eine positive Auswirkung der Weltfinanzkrise, welche seit 2008 unzählige Volkswirtschaften in Mitleidenschaft gezogen hat, ist die wachsende Kritik an der gegenwärtigen Befindlichkeit der ökonomischen Wissenschaften. Letztere hat sich in den Jahren der Globalisierung und der wachsenden Hegemonie der Börsen zu einer alle Motive menschlichen und gesellschaftlichen Handelns leugnenden Ideologie entwickelt, die nichts mehr erklärt. Die Fokussierung auf Zahlenreihen, mathematische Formeln und Excel Sheets, die seit der kaum bemerkten Verwandlung von Analytikern zu Analysten ihren Lauf genommen hat, bewirkte eine Apotheose des positivistischen Deskriptivismus, eine Orgie in den Sphären der so genannten Wertneutralität und Welt der kalten Fakten, die nichts mehr aussagen und von den Ursachen wirtschaftlichen Handelns nichts mehr erwähnt lassen.

So ist es quasi folgerichtig, dass ein ausgebildeter Ökonom, Tomas Sedlacek, seinerseits Lehrer an der ältesten europäischen Universität zu Prag und seinerseits wirtschaftlichem Berater des ehemaligen tschechischen Präsidenten Vaclav Havel ein Buch mit dem Titel Die Ökonomie von Gut und Böse geschrieben hat, das der Misere der formularen Mystifikation in der Ökonomie ein Ende setzen soll. Die Ökonomie von Gut und Böse ist in zwei Kapitel gegliedert, eines bezieht sich auf die Ökonomie in früheren Zeiten und das andere befasst sich mit blasphemischen Gedanken zur gegenwärtigen Verfasstheit der ökonomischen Wissenschaften und ihre Implikation auf die gesellschaftlichen Erklärungsmodelle wirtschaftlichen Handelns.

Der historische Teil beginnt mit dem Gilgamesch-Epos, der ältesten schriftlichen Überlieferung überhaupt, setzt sich mit dem Alten Testament und dem antiken Griechenland auseinander, befasst sich mit dem Christentum und landet dann bei Descartes, Bernard Mandeville und Adam Smith. Von den alten Überlieferungen bis hin zu den Urvätern des modernen ökonomischen Denkens untermauert die Darstellung die These, dass wirtschaftliches Handeln nie frei von ethischen Werten betrachtet wurde, dass Kategorien wie Gut und Böse immer eine motivationale Relevanz in Bezug auf das Wirtschaften hatte. Interessant ist bei diesen sorgfältigen Recherchen und gelungenen Schlussfolgerungen, dass es keine historische Chronologie des wie auch immer gearteten Fortschrittes zu geben scheint, sondern dass sich der Prozess der wirtschaftlichen Zivilisation immer um die Frage drehte, wie Wirtschaft auf das individuelle und gesellschaftliche Wohlbefinden wirkt und wie kontrovers in allen Zeiten die Diskussion um diese Orientierung geführt wurde.

Die Blasphemischen Gedanken richten das Licht, welches aus der Analyse gewonnen wurde, folgerichtig auf die heutigen Auseinandersetzungen um eine Ökonomie, die in einfältig positivistischer Manier die ethische Relevanz von wirtschaftlichem Handeln leugnet. Wie in einem Orkan der Stumpfsinnigkeit wird die mentale Unordnung deutlich, die aus der Negation sozialer Verantwortung in einen politischer Diskurs mündete, dem es gelingt, nach Regeln der Mathematik soziale Ressentiments zu bedienen, ohne das Unterfangen bewussten politischen Handelns überhaupt noch zu reflektieren.

Das Buch wirft Fragen auf, wie z.B. in einer Welt des Überflusses und des überflüssigen Wachstums Kategorien sozialer Qualität überhaupt keine Rolle mehr spielen können. Oder wie es gelingt, die politische Dimension einer gerechten Distribution ausklammern zu können. Und, wie es sein kann, dass eine Analyse menschlicher Bedürfnisse, die jenseits der forcierten Gebrauchsgüterproduktion existiert, auf der soziales Zusammenleben überhaupt funktionieren kann, so erfolgreich ausgeblendet werden kann. Und letztendlich, wie die Blase der Überproduktion durch gesellschaftliche Verschuldung gewährleistet wird und diese fiskalisch abgesichert, statt gegen ihre Auswirkungen benutzt wird. Tomas Sedlacek ist ein Buch gelungen, das keine Patentlösungen bietet, aber mächtig zum Nachdenken anregt!
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Dem Schauspieler und Rundfunksprecher Frank Arnold möchte ich herzlich dafür danken, dass er mich mit einem Buch bekannt machte, das ich wahrscheinlich nicht gelesen hätte. Und das wäre schade. Denn der tschechische Ökonom Tomáš Sedlá'ek bestätigt mit seinen historischen Ausflügen zu den verschiedenen Modellen der Wirtschaftswissenschaftler, dass auch deren Denken von Mythen und Geschichten geprägt wird.

Da ich mich nach 6 CDs und 447 Minuten Hörgenuss fragte, warum der Autor seinem Buch diesen unpassenden Titel gab, informierte ich mich bei Wikipedia. Dort erfuhr ich, dass der Autor ökonomischer Berater von Václav Havel, dem ehemaligen Präsidenten der Tschechischen Republik war, später den Finanzminister bei seiner Arbeit bei der Reduktion des Haushaltsdefizits unterstützte, ein Stipendium an der Yale University erhielt, Wirtschaftsgeschichte lehrt, Kolumnen schreibt und heute in der Privatwirtschaft tätig ist. Ob seine Dissertation von der Karls-Universität Prag wegen des Titels abgelehnt wurde, beantwortet der Wiki-Artikel nicht. Aber 'Die Ökonomie von Gut und Böse' geht jedenfalls auf diese akademische Arbeit zurück.

Zum Bestseller konnte das Buch avancieren, weil es der Autor glänzend versteht, Wirtschaftsgeschichte lebendig zu erzählen und nachvollziehbare Kritik an der traditionellen Ökonomie anzubringen. Passender fände ich allerdings den Titel 'Wie Geschichten von Gut und Böse die Ökonomie beeinflussen'. Denn Tomáš Sedlá'ek nimmt seine Leser auf einen Zeitreise mit, auf der er die großen Mythen und Erzählungen der Menschheit kennenlernt. Und mit jeder Etappe wird klarer, wie die menschliche Suche nach Sinn zu Modellen führt, die auch das wirtschaftliche Denken und Verhalten steuern. Begonnen beim Gilgamesch-Epos über die griechischen Philosophen, das Alte und Neue Testament bis zu den Schriften von Descartes und Ökonomen der Neuzeit.

Zu den vielen Entdeckungen, die Tomáš Sedlá'ek seinen Lesern und Hörern ermöglicht, gehört sicher die Begegnung mit dem niederländischen Arzt und Sozialtheoretiker Bernard Mandeville. Jedenfalls habe ich mir dessen 1714 erschienene Schrift ' Die Bienenfabel oder Private Laster, öffentliche Vorteile' bestellt. Am wertvollsten finde ich allerdings, dass Tomáš Sedlá'ek einen Bestseller verfasst, der keinen Zweifel daran lässt, dass die Ökonomen eher auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften als auf dem der Physiker zu Hause sind. Denn der Homo oeconomicus existiert so wenig wie der Yeti oder Aschenputtel. Und mit mathematischen Formeln um sich zu werfen, ist nur deshalb nicht lächerlich, weil die Folgen dieses Spiels oft fatal sind. Das zeigt nicht zuletzt die noch immer andauernde Finanzkrise.

Mein Fazit: Ein faszinierendes Sachbuch, das von Frank Arnold so gelesen wird, dass man nie das Gefühl hat, man müsse einer langweiligen Lektion in Wirtschaftsgeschichte folgen. Man kann sicher kritisieren, dass der Autor seine Thesen meist im Raum stehen lässt und auf ausführliche Begründungen verzichtet. Doch Geschichten haben oft eine größere Beweiskraft als dies der Fall ist, wenn mit mathematischen Formeln die falschen Probleme angepackt werden. Ob es Tomáš Sedlá'ek gelingt, die Ökonomen zu etwas mehr Demut zu veranlassen, bezweifle ich. Denn immerhin leben die meisten recht gut vom Verkauf ihrer wackligen Modelle.
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am 17. August 2013
Dass die mathematische Ökonomie und das Modell des ausschließlich wirtschaftlich handelnden Menschen die Wirtschaft in der Vielfalt ihrer Dimensionen und Wertbezüge nicht erfassen (können - und wollen!), weiß man eigentlich und insofern ist die Pointe des Buches wenig ergiebig. Die Fülle der Aspekte des Wirtschaftlichen blättert Sedlacek in einem vielfach interessanten Durchgang durch die Geschichte der abendländischen Kultur und des Denkens über die Wirtschaft auf. Die Fülle des Stoffes läßt ihn dabei relativ oberflächlich und holzschnittartig bleiben und seine Deutungen sind nicht immer richtig - z. B. seine karikierende Darstellung der Lehre der Epikureer, die er fälschlicher Weise mit einem konsumorientierten Hedonismus gleichsetzt.
Dennoch bietet das Buch immerhin Einiges an Stoff und regt zum Nachdenken an in einer Phase, in der eine Wiedereinbettung des Wirtschaftlichen in Norm- und Sinnbezüge dringend geboten scheint.
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am 2. März 2012
Ökonomisches Denken braucht gerade jetzt international eine echte Reformation! Tomas Sedlacek ist der Martin Luther für die Mainstream-Ökonomie. Er bricht die gängigen Muster in einer unvergleichlichen Tiefe auf und eröffnet Raum für die wissenschaftliche Thematisierung von Fragen, die weit jenseits des verkümmerten Zustandes eines vorwiegend auf theoretische Modelle reduzierten ökonomischen Denkens liegen.

Das 02/2012 in Deutsch im Carl Hanser Verlag erschienene Werk von Tomas Sedlacek "Die Ökonomie von Gut und Böse." ist absolute Pflichtlektüre für Ökonomen weltweit. Egal in welchem Stadium der wissenschaftlichen Durchdringung des Faches Sie sich befinden, wird Sie dieses Material ökonomische Fragen in einem neuen (oder alten?) Licht erscheinen lassen.
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am 22. April 2014
Es mag dem ein oder anderen etwas zu lang erscheinen, aber inhaltlich legt Tomas Selacek wirklich breit angelegt und damit unheimlich überzeugend dar, dass wir Ökonmie wieder als ethische Wissenschaft begreifen müssen. Er deckt die Tautologien und unbewiesene Annahmen hinter der Pseudo-Objektivität der Zahlen konsequent auf und gibt damit Denkfutter in Zeiten ökonomischer Krisen und einer gesellschaftlichen Überbewertung der Ökonomie.

Dass es dabei gerade am Anfang bisweilen etwas lehrbuchhaft geschrieben ist, konnte ich gut überlesen. Der Inhalt ist überzeugend. Deswegen doch 5 Sterne.
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am 17. Mai 2013
Natürlich ist dieses Buch kein Lehrbuch über die volkswirtschaftliche Dogmengeschichte. Die Perspektive "gut und böse" wird aber interessant, lehrreich und kurzweilig geschrieben über die Geschichte des wirtschaftlichen Denkens und Philosophierens gelegt. Damit ist dieses Buch eine spannende Ergänzung zu allem, was man über das wirtschaftliche Denken bisher gelesen hat. Ich kann das Buch allen an diesen Themen interessierten Lesern nur empfehlen.
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am 27. April 2012
Hmm, diese deutsche Ausgabe ist keine Übersetzung des tschechischen Originaltextes, sondern eine Übersetzung der amerikanischen Ausgabe!

D.h. bei so einer Übersetzung der Übersetzung kommt durchaus einiges von den Gedanken des Tomas Sedlacek dann ganz anders rüber, als dieser sie im Original hatte.
Und eine Übersetzung für den US-Markt - zumal wenn ein osteuropäischer Autor sich zur Wirtschaft äußert - wird ganz bestimmt auch für den amerikanischen Leser "angepasst" worden sein.

Was soll denn das bitte ? Gibt es keine Übersetzer tschechich - deutsch?

Ich hoffe, dass es nochmal eine Version geben wird, die direkt vom tschechischen Original ins Deutsche übersetzt worden ist.
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TOP 500 REZENSENTam 5. November 2013
Der Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek hob in seiner Freiburger Antrittsvorlesung hervor, dass "Nur-Ökonomen" schlechte Ökonomen sind, je nach Position könnten solche "Nur-Ökonomen" auch zu einer Gefahr für die Gesellschaft werden.
Ein solcher "Nur-Ökonom" ist Tomás Sedláèek (TS) keinesfalls, vielmehr wird bei der Lektüre des Buches klar, dass die Etablierung der Ökonomie hin zu einem universitären Lehrfach aus vielen Quellen des ökonomischen Denkens der kulturellen Geistesgeschichte gespeist worden ist.
Eine wesentliche Quelle der Ökonomie ist in der praktischen Philosophie zu verorten - nicht umsonst war mit Adam Smith, der als Begründer der klassischen Ökonomie gilt, in Glasgow Professor der Moralphilosophie. Doch der ökonomie-geschichtliche Blick von TS geht noch viel weiter zurück. Wichtige Aussagen zur Ökonomie findet TS schon im Gilgamesch-Epos ("die unsichtbare Hand"); anschaulich stellt TS die vielen ökonomie-relevanten Passagen dar, welche in der Bibel (im Alten und Neuen Testament) zu finden sind; auch ein literarischer Spaziergang durch die großen abendländischen Werke der Dichtung und Philosophie reflektiert ökonomische Themen.
So legt TS in einen atemberaubenden Streifzug durch die Geistesgeschichte die Wurzeln ökonomischen Denkens offen, ohne dabei die Werke der wortgewaltigen Vertreter der klassischen Ökonomie zu vergessen; und schließlich bezieht TS Stellung zur mathematisierten - und damit scheinbar exakten - heutigen, modernen ökonomischen Theorie.
Dabei geht TS mit den Darlegung der Ökonomie in den modernen Lehrbüchern hart ins Gericht; die Vermathematisierung des Menschen zum "homo oeconomicus" als eine Variable in einem scheinbar exakten und wertfreien ökonomisch-mathematischen Modell ist für TS nichts weiter als ein rationalistischer Irrweg. Der Mensch ist keine mathematische Größe, die gemäß irgendeinem ökonometrisch-mathematischen Modell zu agieren hat; deshalb ist den modernen Ökonomen mehr oder weniger die Menschlichkeit abhanden gekommen.
Dabei zeigen die Einlassungen von TS zu den Punkten Arbeit, Kapital, Güter-Tausch-/-Gebrauchswert, Zinsen, Geld usw., dass er die moderne Ökonomie (die er kritisiert) sehr gut kennt und beherrscht. Seine Ausführungen zu den Krisenphänomenen (z. B. Weltwirtschaftskrise) belegen dies ebenfalls.
TS bekennt m. E. in diesem Buch, dass er ein Ökonom im eigentlichen Sinne ist, d. h., dass er eben kein "Nur-Ökonom" ist - oder anders ausgedrückt: Vertreter des ökonomischen Mainstreams ordnen TS wohl in die Schublade "Renegat" ein.

Fazit: Das Buch ist gut lesbar und zu empfehlen; insbesondere den jungen Leuten, die Ökonomie studieren möchten. Für diese Gruppe ist das Buch eine sehr gute Einführung in die Ökonomie, eine bessere Einführung als die meisten Einführungsveranstaltungen des ökonomischen Studiums oder die einführenden ökonomischen Lehrbücher. TS zeigt was die Ökonomie ursprünglich war und im Kern auch heute - trotz der Vermathematisierung des Faches - sein sollte: Eine moralische Wissenschaft.
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am 17. März 2013
Dieses Buch ist 400 Seiten lang, und in der Tat steht eine ganze Menge darin. Unterschiedliche Leser werden sicher zu unterschiedlichen Ansichten darüber kommen, was die wichtigesten Inhalte sind. Für mich sind es vor allem zwei Punkte:

1. Der Autor stellt in überzeugender Weise dar, dass der Mainstream der aktuellen Wirtschaftswissenschaft vom Wesen her stark ethisch argumentiert, dies aber nicht zugibt, sondern stattdessen von sich selbst behauptet, völlig wertfrei zu sein. Dies führt zwangsläufig zu schweren Lücken im Aufbau der Wissenschaft. Dabei kritisiert der Autor aber keinesfalls den Bezug zur Ethik an sich, den er vielmehr für unausweichlich hält. Er fordert stattdessen, den Bezug auf saubere Weise in die Wissenschaft zu integrieren. Ich schließe mich dem an, und wenn ich den Klappentext von Edzard Reuter richtg deute, tut er es ebenfalls.

2. Der Autor stellt eine vielfach missbräuchliche Anwendung der Mathematik sowohl in der Wissenschaft im Allgemeinen als auch in der Ökonomie im Speziellen fest. Es wird versäumt, die Begrenztheit der eigenen mathematischen Modelle zu berücksichtigen und die mathematischen Ergebnisse in einem dementsprechend eingeengten Kontext zu präsentieren. Ich bin selbst angewandter Mathematiker, und genau dieses Thema liegt mir persönlich seit langem auf der Seele. Sowohl Laien als auch leider die meisten Fachleute vermitteln den Eindruck, sobald irgendwo eine Zahl steht, handele es sich um eine wertfreie und absolute Wahrheit. Dem ist aber nicht im geringsten so, und der Autor zeigt dies sehr klar auf.

Diese beiden Themen allein sind m.E. schon ein starker Grund für jedermann, das Buch durchzulesen. In diesem Zusammenhang muss ich allerdings auch eine Warnung aussprechen und damit den Grund dafür nennen, dass ich einen Stern abgezogen habe. Ich finde sowohl die Einleitung als auch das Ende aufgrund der dort ganz besonders gehäuften Wiederholungen äußert ermüdend. Wiederholungen sind didaktisch sinnvoll, wenn sie aus neuen Blickwinkeln erfolgen, doch allzuviele solche neuen Blickwinkel konnte ich nicht erkennen. 200 statt 400 Seiten hätten es unter dem Strich wohl auch getan. Ich empfehle aber jedem, das durchzuhalten, denn es lohnt sich!
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