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am 31. Oktober 2010
Ha-Joon Chong ist kein "Linker", "Kommunist" oder ähnliches.
Er rechnet in diesem Buch nicht mit "DEM Kapitalismus" ab, sondern mit den Lügengeschichten, die unter den Anhängern einer "freier Markt"-Religion populär sind.

Er zeigt in 23 anschaulichen (und teilweise sehr unterhaltsamen) Beispielen, dass die Dogmen der Anhänger jener "radikalen" Form des Kapitalismus alle ihre Schwachstellen haben, führt sie mit ihren eigenen Argumenten Ad Absurdum - und dies auf eine Art die mir sehr gefallen hat. Oft bekam ich beim Lesen des Buches Lust, mir ein Glas guten Rotwein einzuschenken, denn es bereitet dem Autor offensichtlichen Genuss, seine marktradikalen Kollegen elegant und gekonnt vorzuführen.

Ich bin von Haus aus Kapitalismus-kritisch und viele Argumente waren für mich nicht neu.
Neu war für mich allerdings die locker-zynische Art des Autors. Erfrischend entwaffnend und mit einer guten Prise Humor bringt er fertig, was z.B. viele deutsche Kapitalismus-Kritiker nur geifernd und wütend zustande bringen, und alleine dafür zolle ich ihm höchsten Respekt!

Einziger Kritikpunkt: am Ende des Buches bringt Chang Vorschläge, wie die Welt der Wirtschaft in Zukunft krisensicherer gestaltet werden könnte. Nun, diese Vorschläge sind etwas, sagen wir "naiv", bzw. oft leider nur kurz und etwas lieblos angerissen. Hier wäre noch Raum für mehr Inhalt gewesen.

So ist dieses Buch zwar eine gelungene "Zerlege"-Aktion der aktuellen Zustände und jener der jüngeren Vergangenheit, bietet jedoch keine wirklich überzeugenden Vorschläge für die Zukunft an. Sonst hätte es fünf Sterne gegeben.
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am 15. Januar 2013
Sinke Realeinkommen, wachsende Ungleichheit, unterversorgte Kinder, prekäre Jobs, Mini-Rente für die meisten Alten, Finanz- und Eurokrise. Gibt es keine Alternative zu dieser Art Kapitalismus, wie man uns einreden will?

Ha-Joon Changs Buch ist Aufklärung im besten Sinne: Aufdeckung falschen Wissens und von gezielt verbreiteten Unwahrheiten. Diese Aufklärung erfolgt in allgemeinverständlicher Form und kann auf Basis des gesunden Menschenverstandes leicht nachvollzogen werden. Die Beispiele, die er vorstellt, stammen aus der realen Welt und werden nicht aus abgehobenen mathematischen Modellen abgeleitet.

Anhand von 23 Beispielen verdeutlicht der Autor, was die herrschende Lehre erzählt und was demgegenüber tatsächlich der Fall ist. Hier seine ersten vier Thesen von 23, die den üblichen Annahmen widersprechen:

1. Den "freien Markt" gibt es nicht
2. Ein Unternehmen soll man nicht zum Wohle seiner Besitzer führen
3. In den reichen Ländern verdienen die meisten Menschen mehr als ihnen zusteht
4. Die Waschmaschine war revolutionärer als das Internet

Teilweise sind diese Thesen zunächst etwas kontraintuitiv, etwa das Beispiel mit den Waschmaschinen, das für die Mechanisierung der Hausarbeit steht, mit ihren weitgehenden Auswirkungen auf den Beschäftigungsgrad von Frauen. Wenn man genauer darüber nachdenkt, wird seine Argumentation aber durchaus nachvollziehbar.

Der Autor hilft den real existierenden Kapitalismus besser zu verstehen und liefert somit auch Ansatzpunkte um ihn sinnvoll reformieren zu können.

Anhand dieser Beispiele kann jeder überprüfen wie wirtschaftliche Sachverhalte üblicherweise in der Öffentlichkeit dargestellt werden, welche praktische Wirtschaftpolitik aus diesen Annahmen folgt und welchen Interessen diese Politik eigentlich dient.

Die Beschäftigung mit wirtschaftlichen Zusammenhängen ist zu wichtig, um sie nur Wirtschaftswissenschaftlern und Politikern zu überlassen. Ha-Joon Changs Buch erlaubt einen einfachen und sogar unterhaltsamen Einstieg in das Thema.

Auf seiner Webseite finden sich noch viele weitere interessante Podcasts, Interviews und Artikel zu diesem Thema.
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am 12. Januar 2014
Da ich meistens Bücher spontan anhand der Inhaltszusammenfassung auf der Rückseite kaufe, ist für mich der erste Eindruck der wichtigste. Und der wurde nicht getäuscht. Der Autor vermag sich geschickt das verbale Rüstwerkzeug gegen die neoliberalen Lügen des Kapitalismus zu eigen zu machen und es entsprechend einzusetzen. Toll ist aber auch, dass Chang selbst das ganze Material nicht polarisiert durch irgentwelche eigene Weltanschauungen. Klar gibt es auch zutreffende Kritik von linker politischer Seite, dennoch ist es von außen bei solchen Leuten schwer einzuschätzen, wie weit links sie nun stehen, oder gar einer extremistischen Ideologie anhängen. Und dann geht die ach so geschätzte Objektivität den Bach runter.

Für mich, als allgemein ziemlich skeptischer Mensch unserer Gesellschaft und Wirtschaft, ist wunderbar, dass das hier kein Fachbuch darstellt, denn über wirklich viel wirtschaftliches Fachwissen verfüge ich schlicht nicht. Ein wenig Allgemeinwissen und auch einen Schuss schwarzen Humor sollte man dennoch mitbringen, denn der Autor bedient sich gerne der Überspitzung als Stilmittel. Klar werden hier nicht wirklich neue Erkenntnisse zu dem Ganzen auf den Tisch gelegt, das ist aber aus oben genannten Gründen auch garnicht notwendig, und würde vermutlich das Buch einer etwas allgemeineren Basis verschließen. Jedes der Kapitel bewegt sich zwischen etwa ein bis zwei Dutzend Seiten, jedes Thema wird relativ kompakt, aber dennoch mit genug Tiefgang abgehandelt. Vermutlich könnte man aus jedem einzelnen ein ganzes Fachbuch machen, aber so zutreffend, wie das hier durchgenommen wird, ist das im Grunde nicht notwendig. Wäre aber durchaus als weiterführende Literatur interessant.

Ich würde das Buch als einen scharfen Angriff auf den kompletten wirtschaftsliberalen und konservativen politischen Block verstehen, mit einem soliden logischen Fundament versehen. Jeder, der nicht einfach blind den gängigen Lehren folgt, und sich auch für Politik und dem Zusammenspiel mit der Wirtschaft interessiert, sollte mal in das Buch hineinschnuppern. Ich, für meinen Teil, wurde jedenfalls in vielen meiner Gedanken, die ich ohnehin schon hatte, bestätigt, und noch bestärkt.
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am 9. Mai 2013
Da wo Ha Joon Chang herkommt, weiß man schon lange (oder man wusste es zumindest mal), dass die schönen Phrasen von "freien Märkten" und "rationalen, informierten Individuen" der reinste Schmu sind. Immerhin wurde das südkoreanische "Wirtschaftswunder" (tatsächlich eines der wenigen, die diese Bezeichnung wirklich verdienen) erst durch einen stark regulierenden, stark lenkenden Staat ermöglicht, der so ziemlich jeden Groschen kontrolliert hat, der dort zwischen 1960 und 1980 ausgegeben wurde. "Nein", sagen die Marktfundamentalisten, "das geschah nicht wegen sondern trotz der starken Einflussnahme durch den Staat". Und schon sind wir in der wunderlichen Welt der Friedmans und Hayeks, der Republicans und Libertarians, deren zauberhafter Glaubenssätze sich Ha Joon Chang hier auf so übersichtliche, unterhaltsame und lehrreiche Weise annimmt, wie man es sich eigentlich nur wünschen kann. Überhaupt hält sich der Autor mit Kritik an der eigenen Zunft nicht zurück: Diese hätten oftmals schlicht keine Ahnung davon, was in der wirklichen Welt vor sich ging, seien für das Organisieren einer gesunden Volkswirtschaft mehr oder weniger irrelevant, und ergingen sich in einer Disziplin, in der ohnehin kaum mehr als gesunder Menschenverstand gefragt sei. Eines von den Büchern, deren Ende man bedauert.
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am 14. Mai 2014
Was uns Ha-Joon Chang da auftischt, ist absolut empfehlenswert, wenn man ein bisschen besser verstehen will, wie die moderne Wirtschaft so läuft! Dabei schreibt Chang auch noch sehr lesenswert, keine verschwiemelte, unleserliche Professoren-Sprache! Flüssig, ohne platt zu werden, beleuchtet er wirtschaftliche Zusammenhänge, denen wir leider viel zu wenig Beachtung schenken. (Jogis WM-Kader ist da offensichtlich einfach viel wichtiger. Selbst für "seriöse" Nachrichten-Formate :-p)
(leider) zielt Chang mit seiner Kritik schwerpunktmässig auf die US-amerikanische Wirtschaft. Aber im Grossen und Ganzen trifft das, was er schreibt, auch für uns hier in Europa zu.
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am 29. August 2011
Das Buch von Professor Chang ist eine sehr treffende Kritik des neoliberalen "Anarchokapitalismus" ohne selbst "rot" zu werden. Geschrieben in einer Zeit (2010), in der Kritik am Kapitalismus fast nur eine Domäne der linken Medien und Kräfte war. Mittlerweile werden ja auch aus dafür eher "unbekannten" Ecken systemkritische Aussagen lauter und die Herren Schirrmacher und Kirchhoff werden nicht müde zu Fragen - wie zuletzt die F.A.S. im August 2011 - ob die Linken nicht vielleicht doch Recht hätten.
Chang's Buch unterscheidet sich in einigen Punkten allerdings deutlich von den üblichen und gewohnten Thesen und oft pauschalen Aussagen zur Kritik am Kapitalismus:
Er tanzt geschickt auf dem Grat zwischen Populärwissenschaft und Lehrbuch. Faktenreich, anschaulich und ohne großes VWL-Wissen sehr gut verständlich, zeigt er anhand von 23 Fragen wesentliche Zusammenhänge und Probleme des heutigen Kapitalismus auf - ganz ohne die Geister des Kommunismus wieder heraufzubeschwören oder als "Antwort" zu bemühen.
Er kritisiert nicht den Kapitalismus als solches sondern zielt bewusst und scharf abgegrenzt auf die Problemfelder ab, die zur aktuellen Schieflage der Wirtschaftsgrundlage von Milliarden Menschen geführt haben. Er outet sich früh als klarer Anhänger einer kapitalistischen Marktordnung und dieser Blick inside-out machen das Buch für mich noch glaubwürdiger.
Für alle Leser meiner Meinung wertvoll ist der Blick hinter die Tatsachen. Aussagen unserer Politiker und Wirtschaftsgurus werden dargestellt, in einer Form die wir alle regelmäßig hören, und dann umfassend zerpflückt und um die Realität ergänzt.
Die einzelnen Thesen werden immer wieder durch anschauliche Beispiele erläutert und den Lesern nähergebracht, zum Beispiel wird die Frage erläutert warum ein Busfahrer in Schweden 50 Mal so viel verdient, wie einer in Indien. Und wenn sie nun immer noch glauben, dass das etwas mit der bessern Qualität des skandinavischen Busfahrers zu tun hat und nicht in erster Linie mit unfreien Märkten...
Kein Abgesang auf den Kapitalismus - aber eine Warnung an alle Liberalisierungsfanatiker und Marktradikalen. Lesenswert, spätestens vor der nächsten Wahl oder der nächsten Krise! Mann kann Chang ein wenig vorhalten, dass er mit Hinweisen zum "wie denn sonst" sparsam ist, aber mit dem richtigen Wissen über das heute erweist er uns einen guten Dienst. Und - wie er selbst sagt - sind einfache Vorschläge zur Verbesserung rar - in einem unglaublichen komplexen System.
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am 19. Januar 2013
Ich habe mir dieses Buch aufgrund einer Empfehlung eines Bekannten gekauft. Allerdings hat dieser Kenntnisse in Wirtschaftsfragen und deshalb war ich mir zuerst unschlüssig, ob ich mich auf fremdes Terrain begeben sollte. Schlußendlich hab' ich mir's doch gekauft und nicht bereut! Das Buch ist in verständlichem Deutsch geschrieben und die Themen die Herr Chang anschneidet sind wirklich sehr interessant. Allerdings warf sich bei mir die Frage auf "Wenn alles so klar und einfach ist, wieso setzt die Politik das nicht einfach um?" - Entweder möchte sie das einfach nicht oder....es ist doch nicht so einfach wie der Autor schreibt und deshalb fürchte ich, daß dem Buch eine kleine Portion Polemik hinzugegeben wurde. Aber, wie schon erwähnt, ich bin kein Spezialist in dieser Materie. Und dennoch gibt's von mir eine 100%ige Kaufempfehlung ;-)
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am 9. Februar 2014
Es gibt viele, die ahnen, daß etwas nicht stimmt. Manche erkennen den einen oder anderen Aspekt des Systems hinter all dem Wahnsinn. Aber so gründlich und argumentativ entblößt hat den Wahnsinn unseres Wirtschaftssystems bisher noch keiner - und das ohne jede Polemik. Pflichtlektüre nicht nur für Dozenten, sondern auch für hirnlose Auswendiglerner aus den juristischen und ökonomischen Fakultäten ...
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am 21. August 2015
Anschaulich werden in dem Buch von einem renommierten Ökonomieprofessor die Behauptungen der Neoliberalen mit Beispielen aus Vergangenheit und anderen Ländern widerlegt. Einfach zu lesen, merkt man dennoch das Fachwissen und stolpert über so manchen Fachbegriff und weiß nun endlich was das eigentlich bedeutet. Es ist kein Buch gegen Kapitalismus per se, es zeigt nur die Konstruktionsmängel und Lügen des Liberalismus auf und wie man die Fehler behebn kann.
Pflichtlektüre!
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am 26. Januar 2013
In den Medien hieß es: Jahr für Jahr treffen sich einige Tausend hochkarätige "Wirtschaftsführer" im idyllischen und romantischen Davos in der Schweiz. Aha, die Wirtschaft wird also von Führern geführt. Für Demokraten, kritikfähige Bürger und Nachdenker stellt sich sofort die Frage: Und wer "führt" alles andere?

Nun, alles andere regelt bekanntlich der Markt. Jedenfalls dann, wenn man der neoliberalen Ideologie glaubt, die seit den Achtziger Jahren nicht nur in Deutschland regiert. Dem neoliberalen Dogma zufolge sei der "freie" Markt die effizienteste und gerechteste Wirtschaftsform. Wenn es nämlich der Wirtschaft gut gehe, dann würde es allen Bürgern gut gehen und der Wohlstand würde bis nach ganz unten durchsickern. Alle staatlichen Eingriffe in die "Freiheit" der Märkte würden die Effizienz nur bremsen und am Ende den Kuchen, den man verteilen könne, nur kleiner machen. Dies ist eine, wenn nicht die zentrale neoliberale Behauptung.

Der Volksmund sagt zwar: Lügen haben kurze Beine. Man will damit zum Ausdruck bringen: Über kurz oder lang kommen Lügen doch an das Licht des Tages. Das muss aber nicht zwangsläufig so sein und kann sich sehr lange hinziehen. Wenn Unwahrheiten ständig und überall wiederholt werden, dann werden sie überhaupt nicht mehr hinterfragt und zur medialen "Wahrheit". George Orwell formulierte dies in seinem Buch "1984" so: "Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten – wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten –, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.”

Nun hat die Banken- und Finanzkrise 2007/08 zweifelsohne gezeigt, dass die "freie" Marktwirtschaft bzw. der ungezügelte Kapitalismus gewaltigen Mist bauen kann. Banken, die sich beim Milliardenmonopoly an den sogenannten Finanzmärkten verzocken, müssen auf Kosten der Allgemeinheit bzw. aller Steuerzahler mit Unsummen gerettet werden, weil sie angeblich systemrelevant bzw. zu groß sind, um zu scheitern.

Nichtsdestoweniger halten Neoliberale (und die gibt es selbstverständlich nicht nur bei den "Liberalen", sondern auch bei den Konservativen, Grünen usw.) fest am Dogma, der "Moloch" Staat mit seiner "Bürokratie" bzw. seiner "Überregulierung" und vor allem der "fette" Sozialstaat wären an allem schuld. Die von Spekulanten und Börsenzockern verursachte Krise 2007/08 wird in der öffentlichen Debatte nachträglich zur Staatsschuldenkrise umetikettiert. Das Kochrezept der bornierten schwäbischen Hausfrau lautet nämlich weiterhin: Nur durch einen "schlanken" Staat, deregulierte Finanzmärkte, dem Abbau von Arbeitnehmerschutzrechten und die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, die Privatisierung öffentlicher Güter (Wasser usw.) und die steuerliche Entlastung der sogenannten "Leistungsträger" bzw. "Besserverdiener" würde der Wohlstand aufs Maximum anwachsen und auch dem Rest der Gesellschaft zugute kommen. Dabei ist der Wettbewerb nicht mehr länger Mittel zum Zweck. Nein, der Steuer- und Lohnsenkungswettbewerb zwischen den Nationen selbst wird zum Ziel erklärt, ohne zu überprüfen, was für die einzelnen Bürger hinten tatsächlich raus kommt.

Das vorliegende Buch ist weder ein theoretisches Lehrbuch der (Mainstream-)Ökonomie, deren abstrakte Modelle die Wirklichkeit verzerrt und/oder verkürzt darstellen, und auch keine »Volkswirtschaftslehre für Dummies«. Es schürft erheblich tiefer als manch ein "Fachbuch" sogenannter "Experten", da es viele allgemein akzeptierte Wirtschaftstheorien, die in zahlreichen Monografien als gegeben hingenommen werden, der Realität gegenüberstellt und mit der tatsächlichen Entwicklung der letzten Jahrzehnte vergleicht.

In 23 einzelnen Punkten kommt der Autor jeweils zu dem Ergebnis, dass neoliberale Ökonomen und Politiker immer nur die halbe Wahrheit sagen. Geht man davon aus, dass es sich dabei nicht um dumme Menschen handelt, dann haben wir es hier ganz offenkundig mit Bauernfängern, Hochstaplern, Schwindlern und Lügenmäulern zu tun. Eine mögliche Erklärungsursache für dieses Verhalten liefert sicherlich auch das Buch von Hans-Jürgen Krysmanski: 0,1% - Das Imperium der Milliardäre

Im Kapitel "Dreizehn" geht der Wirtschaftswissenschaftler Ha-Joon Chang unter anderem auf die viel gepriesene »Trickle-down-Theorie« [etwa: "Theorie des Hinabsickerns"] bzw. die Entlastung der "Besserverdiener" ein und muss bei Lichte betrachtet feststellen: "Reiche Leute noch reicher zu machen, schafft für alle anderen nicht automatisch mehr Wohlstand." (Chang, S. 185)

"Nach dem Zweiten Weltkrieg waren in den meisten reichen kapitalistischen Ländern eine rapide Zunahme der Steuerprogression und der Sozialausgaben zu beobachten. Trotzdem (oder vielmehr deshalb, siehe ...) gab es in den Jahren zwischen 1950 und 1973 die höchsten Wachstumsraten aller Zeiten." (Chang. S. 192) Als sich von Mitte der Siebziger an das Wirtschaftswachstum in den reichen Volkswirtschaften verlangsamte, entstaubten die Vertreter der freien Marktwirtschaft ihre Rhetorik aus dem 19. Jahrhundert.

Seit den Achtzigerjahren herrschten dann in den meisten dieser Länder Regierungen, die eine "Politik betrieben, die in letzter Konsequenz dazu führte, dass das Einkommen von den Armen auf die Reichen umverteilt wurde." (Chang, S. 193) Steuererleichterungen für Reiche bzw. Steuersenkungen für Spitzeneinkommen, die Deregulierung der Finanzwelt und andere Bereiche, die Liberalisierung des Handels usw. führten im Ergebnis dazu, dass sich die Einkommensungleichheit in den meisten Ländern zwar erheblich vergrößerte. "Tatsache ist jedoch, dass sich das Wirtschaftswachstum seit Beginn der neoliberalen und reichenfreundlichen Reformen in den Achtzigerjahren verlangsamt hat. ... Schön und gut, die Reichen haben ihr größeres Stück vom Kuchen bekommen - die Geschwingkeit aber, mit welchem der Kuchen zunimmt, hat sich verringert." (Chang, S. 195) Das Problem ist, dass die Konzentration des Volkseinkommens in den Händen der oberen Zehntausend, wenn man alles dem Markt überlässt, entgegen der neoliberalen Theorie weder zu einem höhereren Wirtschaftswachstum noch zum propagierten "Sickereffekt" nach unten führt.

Das Buch wendet sich naturgemäß an alle (neoliberalen) Wirtschaftswissenschaftler bzw. Ökonomen, aber vor allem an Bürger, denen man das Nachdenken im Lande der Dichter und Denker noch nicht abgewöhnt hat. Bürger, denen die herrschende Nomenklatura einerseits einreden will, sie wären viel zu dumm, um die Komplexität der "Wirtschaft" auf gesamtwirtschaftlicher Ebene verstehen zu können. Gleichzeitig wird immer so getan, als ob der Kapitalismus so funktionieren würde wie der private Haushalt der bekannten "schwäbischen Hausfrau".

Der Erfolg des Buches liegt nicht zuletzt daran, dass der Autor eine einfache Sprache verwendet und Fachbegriffe auf das unbedingt Notwendige beschränkt. Englische bzw. angloamerikanische Fachbegriffe werden eingedeutscht.

Am Ende des Buches findet man noch "Anmerkungen" bzw. Quellen- und Linteraturhinweise. Ein Personen-, Orts- und Sachregister rundet das Buch ab. Ein paar Tabellen und Diagramme zur Veranschaulichung hätten aber mit Sicherheit nicht geschadet.

Das Buch ist ein Fehdehandschuh an alle neoliberalen Ökonomen, marktkonformen Politiker, Mainstream-Journalisten und Lobbyisten der Wirtschaft. Ich habe allerdings erhebliche Zweifel daran, dass diese Damen und Herrschaften so viel Mumm in den Knochen haben, um diesen Fehdehandschuh aufzunehmen.

(Die Rezension bezieht sich auf die 1. Auflage der Taschenbuchausgabe April 2012.)
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