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Diese Bemerkung schreibt der Autor Steve Eisman zu, der auf diese Weise ein Gespräch mit dem Chef der Bank of America über den amerikanischen Markt für minderwertige Hypotheken kommentierte. Eisman war einer der ganz wenigen Akteure in der amerikanischen Finanzwelt, der schon vor 2005 begann, massiv auf einen Zusammenbruch des Marktes für Subprime-Kredite zu wetten.

Dieses Buch schildert nicht nur die Geschichten und Einsichten dieser extremen Einzelgänger, sondern liefert damit auch den Beweis, dass die Implosion des amerikanischen Finanzsystems sehr wohl schon lange vor 2007 absehbar war. Die Schilderungen in diesem Buch lassen ganz nebenbei auch die Ahnungslosigkeit, die Korruptheit und den Grad der moralischen Verrottung dieses Systems erahnen. Wenn man bisher nicht verstehen konnte, wie genau die Krise von 2007/2008 entstand, dann erhält man mit diesem Buch ideologiefreie Einblicke in die wirklichen Zusammenhänge.

Im Text wird mehrfach das extreme Beispiel eines Erdbeerpflückers erwähnt, der ein Jahresverdienst von ungefähr 14.000 Dollar nachweisen kann und dennoch einen Hypothekenkredit von über 750.000 Dollar erhält. Wer zum Teufel, so fragt man sich, leiht denn diesem Menschen soviel Geld, wo doch sofort klar ist, dass er es so nie wieder sieht? Die Antwort ist banal und erschreckend zugleich. Leute, die solche Kredite vergaben, verkauften sie sofort an Großbanken weiter und waren damit in der Regel jedes Risiko los.

Die Großbanken wiederum packten diesen Schrott in großen Paketen zusammen und legten zur Tarnung oben ein paar gute Anleihen darüber. Dann ließen sie sich das von einer Rating-Agentur bewerten. In diesen Agenturen sitzen Leute, die wie Beamte agieren, keine wirkliche Ahnung von diesen wunderbaren Finanzinnovationen besitzen und deswegen natürlich nicht über vernünftige Bewertungsmodelle für solche Konstruktionen verfügen. In der Folge erhielten diese synthetischen Anleihen (CDOs), die zum größten Teil aus Schrottpapieren bestanden, die höchste Bewertung von AAA. Damit galten sie als risikolos. Nach ihrer Verbriefung als Wertpapier wurden sie handelbar.

Man konnte mit diesem Zeug so lange gute Gewinne machen, wie die Häuserpreise in den USA stiegen. Michael Burry, war wohl der erste bedeutende Hedgefondmanager, der sich Prospekte solcher Papiere ansah und ihre Explosivität begriff. Er verstand, dass die meisten Schrotthypotheken einen Lockzins hatten, der zwei Jahre galt. Danach setzten Marktzins und Tilgung ein. Das wiederum würde dann sofort mit ziemlicher Sicherheit zum gleichzeitigen Platzen vieler solcher Papiere führen. Doch genau dieser Vorgang war bei der Konstruktion der CDOs als sehr unwahrscheinlich angesehen worden.

Burry überlegte, wie er gegen die CDOs spekulieren kann und brachte Leute bei Goldman Sachs und der Deutschen Bank dazu, entsprechende Kreditausfallversicherungen zu konstruieren oder bei anderen zu besorgen. Jemand der eine solche Versicherung verkauft, hat damit automatisch für den Gegenwert des entsprechenden CDOs geradezustehen, wenn dieses platzt. Goldman Sachs ließ sich diese Versicherungen vom weltgrößten Versicherer, der AIG, verkaufen und gab sie weiter. Die AIG hatte aber offenbar keinen Plan, wie die CDOs wirklich aufgebaut sind und behandelte sie mit Modellen, die man für gewöhnliche Verbraucherkredite benutzt. Als man dort endlich merkte, was man eigentlich versicherte, hatte man bereits im Versicherungsfall für 50 Milliarden aufzukommen.

Die Palette erschreckender Ahnungslosigkeit auf der einen und krimineller Energie auf der anderen Seite war enorm, denn während die einen überhaupt keinen Durchblick zu haben schienen, mussten andere ganz genau wissen, dass die Bewertungen ihrer Konstruktionen ein einziger Betrug waren. Auf die Frage, wer denn diesen Schrott am Ende kaufe, antwortete ein amerikanischer Händler der Deutschen Bank, der Burry und Eismann Kreditausfallversicherungen anbot: "Düsseldorf. Die dummen Deutschen. Sie glauben an Ratingagenturen. Sie glauben an die Regeln." (S. 119).

Michael Lewis hat mit seinem Buch die ganze Bandbreite zwischen Blindheit und moralischem Verfall im amerikanischen Finanzsystem offengelegt. Dazu gehört zum Beispiel auch das Verhältnis von Eigen- und eingesetztem Fremdkapital, das sich wohl über 1 zu 30 einpegeln dürfte. Ein Verhältnis, das jenseits von Gut und Böse ist, jedoch offenbar keiner Regelung unterliegt.

Wenn man das Buch genau liest, versteht man auch, dass bei dieser Krise kaum "entfesselte Märkte" im Spiel waren. Im Gegenteil. Was sich hier abspielte, passierte in ungeregelten, völlig undurchsichtigen und manipulierten Kanälen, für die man das Wort Markt nicht benutzen will.

Obwohl man besser dran ist, wenn man wenigstens weiß, was ein CDO ist, liest sich dieses sehr gut geschriebene Buch für Interessierte mehr als spannend, weil es aus der persönlichen Perspektive von klarsichtigen Außenseitern verfasst wurde und somit den ganzen kriminellen Irrsinn, der auch den deutschen Steuerzahler noch lange beschäftigen wird, jenseits von platten Mainstream-Ansichten darstellt.

Fazit.
Ein sehr erhellendes Buch, das die amerikanische Subprime-Krise aus der Sicht von Leuten schildert, die massiv und erfolgreich auf den Zusammenbruch des Hypothekenschwindels spekuliert haben.
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am 22. Oktober 2010
Um es kurz zu machen: Das Buch ist einfach Megaklasse. Es liest sich wie ein Roman, an manchen Stellen bildhaft wie ein Comic und der Erkenntnisgewinn ist riesig. Michael Lewis beschreibt seine Protagonisten sehr anschaulich. Ihre Handlungen, ihre Wandlungen, ihre Erkenntnisse und ihre Urteile. Und diese fallen mehr als eindeutig aus. Was auffällt ist, dass in dem Buch an mehreren Stellen von "den dummen Deutschen in Düsseldorf" die Rede ist. Und das Urteil über die Händler, die Rating Agenturen, die Investmentbanken fällt dazu wirklich nicht besser aus. Aber was noch mehr auffällt ist, dass selbst die handelnden Akteure offenbar selbst das herannahende Unheil nicht gesehen haben, oder vielmehr nicht sehen wollten. Zum Beispiel beschreibt Lewis sehr anschaulich ein Treffen von 7.000 Händlern und Akteuren in Bezug auf den Handel mit den "Schrottanleihen", die alle nur in eine Richtung dachten: Aufwärts! Das es auch mal abwärts gehen könnte, entsprach offenbar nicht ihrer Gedankenwelt. Nur mehr eine Handvoll von Beteiligten hat "schon" im Januar 2007 in die andere Richtung gedacht. Von der großen Mehrheit verachtet, verspottet und im wahrsten Sinne des Wortes für verrückt erklärt, haben sie sich trotzdem in Ihren Ansichten und Handlungen nicht beirren lassen. Dass sie an der Krise auch noch prächtig verdienen würden, hat damals noch niemand geahnt.

Das Buch ist auch für den "Laien" durchaus verständlich. Es ist in der deutschen Übersetzung sehr anschaulich geschrieben. Der zum Teil ironische, manchmal auch etwas sarkastische Witz verleitet wirklich zum Lachen. Wenn der Hintergrund und die folgenden Ereignisse nicht so traurig wären. Und an anderen Stellen liest man die Ausführungen mit großen Augen und offenem Mund. So offen wird hier von sprichwörtlichem "Betrug" geschrieben, dass einem die Spucke wegbleibt. Insgesamt also auch zu dem Lehrmaterial noch eine Spitzenlektüre mit hohem Unterhaltungsgewinn.
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am 25. Dezember 2010
Das Buch beschreibt wirklich, wie eine Handvoll Trader die Welt verzockte. Die Wall-Street Investmentbanken hatten die Ratingagenturen Standard & Poors und Moody's irgendwie dazu gebracht, haufenweise faule Anleihen mit AAA, also als risikolos, zu bewerten. Damit war es möglich geworden, mittellosen Amerikanern Kredite in Billionenhöhe zu verhökern. Immer wieder werden die Beispiele des Erdbeerpflückers mit dem 750'000 $ Kredit oder der Stripperin in Las Vegas mit ihren 5 Eigenheimen genannt. Die mittellosen Amerikaner hatten das Spielchen nur zu gern mitgemacht und auf Aufforderung der vergebenden Kreditinstitute falsche Angaben über ihre Bonität gemacht, um die Kredite zu erhalten. Die Maschinerie der Wall Street Banken, die diese Kredite dann in angeblich risikolose Wertpapiere verwandelte, war so kompliziert, dass Investoren aufgehört hatten, die Risiken einzuschätzen. Das Problem hatte solche Ausmasse angenommen, dass es ein verheerendes Ende nehmen und beträchtliche soziale und politische Folgen haben musste. Reihenweise gingen die Investmentbanken der Wall Street wie auch die Anleger der faulen Anleihen in der ganzen Welt pleite bzw. fuhren verheerende Verluste ein. So entstand die Finanzkrise. Weltweit mussten die Staaten Billionen investieren, um das Finanzsystem und die Firmen am Leben zu halten - die Zeche zahlten die Steuerzahler.

Obwohl viel kriminelle Energie in die Entwicklung dieses Geschäfts mit sogenannten Subprime-hypothenkenunterlegten Anleihen gelegt wurde, erkennt man auch, dass die ganze Maschinerie den Wall Street Banken letztendlich selbst um die Ohren flog. Es gab zahlreiche Beispiele, die belegen, dass die einflussreichsten Investmentbanker der Wall Street das Geschäft überhaupt nicht verstanden und somit die Katastrophe auch nicht verhindern konnten. Alle waren nur getrieben von der eigenen Gier. Interessant ist aber hier die Erkenntnis, dass die meisten Verlierer in diesen Wetten trotzdem reich wurden! Es gab auch eine kleine Zahl Gewinner in diesem Geschäft, nämlich diejenigen Analysten der Hedge Fonds, die den Betrug früh durchschauten und dagegen spekulierten. Aber das waren erstaunlich wenige. Michael Lewis erzählt die ganze Geschichte anhand der Erlebnisse dieser Hedge Fonds Manager. Das Buch bekommt dadurch einen persönlichen und sehr zugänglichen Stil. Die Geschichte wird dadurch auch gut nachvollziehbar. Einer dieser Manager berichtet über seine Recherchen, um das anrüchige Geschäft zu durchschauen. "Wir haben wochenlang gebraucht, um dieses System zu durchschauen, weil es so bizarr ist. Verdammte Scheisse, das ist der blanke Wahn. Das ist Betrug ! Vielleicht lässt sich das nicht vor Gericht beweisen, aber es ist und bleibt Betrug ! " Und noch ein unglaubliches Zitat: "Es gab einfach nicht genug Amerikaner mit mangelhafter Bonität, die einen Eigenheimkredit aufnahmen, um den Hunger der Investoren auf das Endprodukt zu stillen. Sie haben einfach welche erfunden - hundert mal soviele wie es gab ! Und das war der Grund, warum die Verluste des Finanzsystems so viel höher waren als die Summe der minderwertigen Anleihen."

Die Übersetzung lässt zu wünschen übrig. Der Text ist häufig nur schwer nachvollziehbar zu lesen. Ich empfehle, das Buch im Originaltext in Englisch zu lesen.
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am 24. Dezember 2010
Durch ein Inserat in einer Finanzzeitung bin ich auf dieses Buch gestossen und finde, jeder der detaillierte Informationen über die Ursache der Finanzkrise erfahren möchte, dem empfehle ich dieses Buch. Warum? 1. Ist es sehr unterhaltsam und spannend geschrieben. 2. Werden Fachbegriffe auf verständliche Art und Weise erklärt. 3. Als jemand, der selbst in der Finanzbranche tätig ist, denke ich, ist dieses Buch voll aus der Realität geschrieben. Nun zum Inhalt: Das Buch behandelt den Zeitraum von 2003 - 2009. Es geht um einzelne Fonds-Manager, welche vor dem Ausbruch der Krise gegen minderwertige Hypothekenanleihen spekulierten. Dem Leser wird aufgezeigt, wie der ganze Mechanismus eigentlich funktionierte; von der einzelnen Hypothek bis auf die daraus konstruierten Hypothekenpapiere, welche von den grossen Investmentbanken in grossem Ausmass verkauft wurden und schlussendlich zum Ausbruch der Finanzkrise führten. Es handelt von Personen, welche schon lange vor dem Ausbruch realisierten, dass eines Tages die Finanzmärkte zusammenbrechen würden. Die Geschichte eines jeden Einzelnen dieser Fondsmanager wird eindrücklich und unterhaltsam erzählt. Wärmstens zu empfehlen!
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am 4. November 2010
Ein großes Lob für dieses Buch, weil es auf der einen Seite das erste Buch ist, das tatsächlich die genauen Details der Konstruktion der CDOs erläutert und auf der anderen Seite aus Sicht derjenigen geschrieben ist, die früh erkannt haben, dass da etwas nicht stimmen kann.

Ich hatte im Zuge der Krise stets gedacht, es gäbe da viele Spezialisten, die genau wüssten, was abläuft, nur dass ich nicht an sie heran komme. Jetzt ist mir dieser Zahn gezogen. Niemand wusste etwas Genaues. Das macht dann auch die Faszination dieses Buches aus, diese Schilderung der Suche nach den Fakten.

Großartig ist auch die Schilderung der Short-Spekulanten. Man muss schon ein Mensch und ein Charakter wie Eisman oder Burry sein, um so etwas zu machen. Und ich weiß genau, dass 99,9% aller Marktinteressierten weder so sind noch so sein wollen. Tragisch auch der Ausgang für diejenigen, die alles als Erste gewusst haben: Sie sind fortan Außgestoßene. "Dabei war nichts anderes passiert, als dass er Recht behalten und die Welt sich geirrt hatte und die Welt ihn dafür hasste."

Für die Normalos wird es sich deshalb auch zukünftig als besser erweisen, sich erneut auf der falschen Seite zu befinden. Von daher irritiert das große Lob für dieses Buch sehr. Die Täuschungen gehen also unvermindert weiter.
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am 9. Juli 2011
Wer ein nüchternes Sachbuch erwartet, wird enttäuscht sein. Das Buch ist im amerikanischen Stil wie ein spannender Roman im Genre der Historienromane geschrieben und beschreibt anhand von einer Handvoll Charaktere das grosse Pokerspiel an der Wallstreet und Umgebung. Der deutsche Untertitel des Buches ist irreführend, weil im Buch genauso wie in der Realität nicht bloss eine Handvoll die Finanzwelt verzockte, sondern Hunderte, wenn nicht gar Tausende von Investmentbankern beteiligt waren. Insgesamt spannende Urlaubslektüre.
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am 12. November 2010
Michael Lewis erzählt in seinem neuen Buch von den Menschen, die früh erkannten, dass das Finanzsystem gefährdet ist - auch wenn sie das zuweilen gar nicht im Blick hatten. Charlie Ledley zum Beispiel. Sein erstes Semester am Amherst College lag gerade hinter ihm, da unterbrach er sein Studium, um als ehrenamtlicher Helfer den Präsidentschaftswahlkampf von Bill Clinton zu unterstützen. Mit der Börse, Finanzmärkten im Allgemeinen oder dem amerikanischen Hypothekenmarkt im Besonderen hatte er damals noch nichts zu tun. Auf dieses Terrain verschlug es ihn eher durch Zufall als durch Planung.
Mit einem Freund gründete Ledley eine kleine Anlagegesellschaft und interessierte sich vor allem für eines: Ereignisse, die von der erdrückenden Mehrheit aller Anleger, vulgo: dem "Markt", für so unwahrscheinlich gehalten werden, dass es vernachlässigbar wenig kostet, auf ihren Eintritt Geld zu setzen, um trotzdem einen satten Gewinn zu machen, wenn doch geschieht, womit zuvor niemand gerechnet hatte. Mit diesem Prinzip vor Augen - der amerikanische Risikoforscher Nicholas Nassim Taleb paraphrasierte es mit der Mahnung, dass mit der Entdeckung schwarzer Schwäne gerechnet werden muss - begann Ledley sich im Jahr 2006 für den amerikanischen Hypothekenmarkt zu interessieren.
In einer Präsentation las er, wie abenteuerlich viele Häuserkredite von amerikanischen Banken vergeben worden waren. Und wie die Kredite hernach von anderen, meist größeren Banken zu neuen Wertpapiergebilden zusammengebaut und weiterverkauft wurden. Die Börsenkurse an der Wall Street stiegen parallel dazu unbeirrt weiter, was so viel hieß wie: Der Markt glaubte, da werde schon nichts passieren. Ledley wählte ein anderes Szenarium. Er investierte in das Eintreten des großen Knalls, den Zusammenbruch. Nicht aus böser Absicht und natürlich auch nicht aufgrund einer seherischen Gabe, sondern schlicht und einfach, weil es sein Geschäftsmodell war, auf solche Szenarien zu setzen. So wurde Ledley zu einem derjenigen, die an der Krise verdienten, weil sie auf sie setzten.
Michael Lewis erzählt an Beispielen wie diesem, wie es zur bisher schlimmsten Finanz- und Wirtschaftskrise seit den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam - und davon, dass sich einige wenige durchaus gegen sie gewappnet hatten. Lewis liefert damit einen Einblick bis in den Lebensalltag, in die Mikroebene der ökonomischen Weltanschauung in einem Bereich, mit dem sich sogar - oder vor allem? - viele Wirtschaftswissenschaftler schwertun. Das gelingt ihm hervorragend. Weil er die Geschichten von Investoren, die Namen tragen wie Michael Burry oder Steve Eisman, nachvollziehbar nachzeichnet. Und weil er die Akteure überdies nicht auf das Handeln in einem speziellen Bereich des riesigen amerikanischen Finanzmarktes reduziert.

Lewis geht ein auf seine Protagonisten, schildert bisweilen Szenen ihrer Kindheit, zeigt, wie sie oftmals als Außenseiter aufwuchsen. Das Buch wirkt dadurch mitunter wie ein Roman, in dem durch die Interaktion der Helden mit ihrer Umwelt an vielen Stellen Porträtausschnitte der Gesellschaft entstehen, in der sie leben, und der Werte, die in ihr (nicht) gelten. Beinahe nebenbei erläutert Lewis die Konstruktion und Funktionsweise der im Nachhinein häufig wertlos gewordenen Wertpapiere und die Logik der Infrastruktur, auf der sie gehandelt worden waren.

Lewis knüpft mit diesem Buch überzeugend an seinen im Jahr 1989 erschienenen Bestseller "Liar's Poker" an, in dem er seine Leser bereits an die Wall Street mitgenommen hatte - in den mitunter absurden Alltag einer amerikanischen Investmentbank. Sein Vorteil war und ist, dass er selbst als Anleihehändler für eine Bank arbeitete. Er weiß deshalb, wovon er schreibt. Dass er sich auch dieses Mal nicht mit der Anprangerung des "Systems" zufriedengibt, sondern konkrete Geschichten erzählt und seinen Figuren oft das Wort erteilt, ist essentiell. Es macht dieses Buch, das sicher einmal zu den wichtigsten über die jüngste Finanzkrise gezählt werden wird, lebendig, und es erleichtert den Einblick in das Innenleben und die Antriebe seiner Hauptdarsteller.

Ob es eine bürgergesellschaftliche Pflicht all der Ledleys, Eismans und Burrys gewesen wäre, ihre Meinung über die Wirtschaftswirklichkeit (auch) anders kundzutun als bloß über ihre entsprechende Geldanlage, das ist eine Frage, die dem Leser bleibt. Und es ist offen, ob sie sich mit Rückgriff auf ethische Prinzipien beantworten lässt oder ob ein solcher Anspruch schlicht und einfach an der Finanzmarktrealität scheitert. Lewis lässt die letztere Einschätzung ansatzweise durchschimmern. "Es ist wirklich schwer zu erkennen, wann man Glück hat und wann man wirklich clever ist", sagt Charlie Ledley mitten im Buch einmal über sich selbst und über sein Geschäft. Der Satz ist wichtig, auch wenn er wie eine Binsenweisheit klingt und beinahe kindlich anmutet. Von der mit ihr getroffenen Unterscheidung hängt tatsächlich eine Menge ab. Nicht zuletzt auch an den Finanzmärkten.

FAZIT: Toller Kauf! 5 Sterne!
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am 7. Januar 2011
Dass die Finanzwelt sich in eine tickende Bombe verwandelt, wenn Zehntausende "Finanzberater" über Jahre Millionen (U.S.-)Bürger/inne/n Kredite aufschwatzen, die deren Einkommensverhältnisse bei weitem sprengen und die als Wertgrundlage für Anleihen gelten, die wiederum von Pensionsfonds, Firmen und anderen Anlegern auf der ganzen Welt gekauft werden: Soweit hatte ich die Dynamik der jüngsten Mega-Krise schon als Zeitungsleser erfasst. Mit seiner rasanten Wall Street-Doku gibt Michael Lewis aber Antworten auf die viel spannenderen Fragen dahinter: Wie kann es passieren, dass die hellsten Köpfe von den renommiertesten Universitäten der USA eine Katastrophe nicht rechtzeitig erfassen, die heute jeder Wirtschaftskunde-Fachlehrer seinen Schülern zu erklären weiß? Oder: Warum fuhren viele, die die Katastrophe kommen sahen, die XL Stretch-Limousine der Wall Street-Finanzwelt unbeeindruckt an die Wand? Ein Lehrbuch über die Macht systemimmanenter Kräfte, die am Ende hochbegabte Talente als hoch wirksame Destruktoren dastehen lassen. Alles ein bissl sehr personalisiert - sprich: sehr amerikanisch - auf den Punkt hin erzählt. Aber wie es scheint kompetent. Und jedenfalls erhellend.
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am 18. Mai 2011
... das ich gelesen habe (Die Unfehlbaren, Fool's gold, Die Woche in der Jerome Kervil...). Teilweise etwas reisserrisch, aber mit den meisten Informationen über CDO und wie sie (nicht) funktioniert haben. Das Buch läßt sich leicht und flüssig lesen. Ein paar Finanzmarktkenntnisse können allerdigs nicht schaden. Der Abschuss von Lehman kommt etwas kurz im Buch; dass wird detaillierter in "die Unfehlbaren" geschildert.
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am 4. Januar 2011
Dieses Buch ist eindeutig eines der besten und unterhaltsamsten zum Thema Finanzkrise 2007 ff. Nachdem ich schon das erste Buch des Autors verschlungen habe, ging ich mit großen Erwartungen ans Lesen, und die wurden durchaus erfüllt. Der Autor beschreibt mit einem lockeren Stil aber viel Wissen, das Finanzgebaren der Wall Street in den ersten Jahren des neuen Jahrtausend.
Er erzählt die Geschichte durch Charakterisierung und Verhalten der Gewinner und Verlierer (der Verlust generierenden Manager und nicht der eigentlichen Verlierer) und erklärt nebenbei die Dynamik der entstandenen Anleihen auf Ramschhypotheken. Sein Hauptaugenmerk liegt auf Gier, Betrug und Inkompetenz der Akteure am amerikanischen Finanzmarkt, die spätestens bei den "synthetischen" CDO`s (CDO`s aus CDO`s und CDS`s) sehr offensichtlich wurden. Als die Wall Street Banken dazu übergingen Kreditausfallversicherungen(CDS) im großen Stil zu begeben , nur um die Zahlungsströme in CDO's zu bündeln(weil es ganz einfach nicht genug Ramschhypotheken zu verbriefen gab), auf die wiederum CDS's begeben wurden,usw.usf.,konnten man nur noch von Finanzalchemie sprechen.
Er beschreibt diesen Kreislauf aus Gier und Dummheit, der unvermeidlich zum Zusammenbruch führen musste, hauptsächlich aus Sicht zweier Baisse-Spekulanten und verdeutlicht dadurch, dass das alles doch nicht so unvorhersehbar gewesen ist. Und zwar durch Beispiele, die sich schon vor Ausbruch der Krise dieser Unvermeidbarkeit bewusst waren, und nicht erst danach.
Dieses Buch ist wirklich uneingeschränkt zu empfehlen, Neulingen, die sich noch nie mit dem Thema beschäftigt haben, ebenso wie Leuten, die schon das eine oder andere Buch zu dem Thema gelesen haben. Denn das lebendige Bild der eher praktischen statt theoretischen Ursachenforschung der Krise wird fast jeden in seinen Bann ziehen.
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