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am 16. April 2010
wofür ich Herrn Prof. Ziegler, Träger des Literaturpreises für Menschenrechte, sehr dankbar bin. Der Inhalt des Buches wurde hier bereits umfassend in den übrigen Rezensionen beschrieben, aber aus meiner Sicht verdient ein in dieser Zeit so wichtiges Werk so viele gute Rezensionen wie möglich, um noch mehr darauf aufmerksam zu machen.

Der Autor blickt auf eine lange persönliche Erfahrung als Sonderberichterstatter bei den Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung, sowie als Mitglied des beratenden Ausschusses des UNO - Menschenrechtsrates zurück.
Er schildert aus diesen Erlebnissen die Praktiken, wie die Kapital besitzenden Staaten, Großspekulanten und Moloch-Riesenfirmen, die potentiell auszubeutenden Länder, die über nicht genügendes Kapital verfügen, um sich dagegen wehren zu können, durch die verschiedensten, teils hoch raffinierten Druckmittel beim Zaum halten, um ein weiteres Abschröpfen der dort vorkommenden Ressourcen in Form von wertvollen Bodenschätzen, Ernten und billigsten Arbeitskräften zu gewährleisten.
Wenn man bei diesem Buch anfängt, anläßlich der geschilderten kriminellen Energie den Kopf zu schütteln, tut einem sehr schnell der Nacken weh. Ich selbst war vor allen Dingen überrascht, wie wenig ich von dem Geschilderten vorher durch die Medien erfahren hatte. Da wird anscheinend doch eine Menge Unangenehmes totgeschwiegen.

Ein Beispiel, das mich persönlich besonders berührte, war die Art des geschilderten Selbstmords eines von 125.000 (!) indischen Bauern, die in der Zeit zwischen 2001 und 2007 den Freitod wählten, weil diese den meist stark überhöhten Preis von Düngemitteln der ansässigen transkontinentalen Chemieunternehmen nicht in der Lage sind aufzubringen und dadurch ihre Ackerböden nicht ausreichend aufbereiten können um nenneswerte Ernten einbringen zu können. Geschildert am Beispiel des qualvollen Todes eines dieser Bauern nach Austrinken eines Kanisters mit Pestiziden, weil er sich auf diese Weise selbst dafür bestrafen wollte, das er nicht dazu im Stande war, seine Familie ausreichend ernähren zu können...
Im Buch gibt es viele solcher Beispiele, die unter die Haut gehen. Es ist wohl kein Buch, das man lesen sollte, wenn man danach noch etwas vorhat, bei dem man gut gelaunt sein will oder muß.

Besonders interessant fand ich auch die Erklärung, warum es für fast alle armen, ausgebeuteten, meist in der südlichen Hemisphäre befindlichen Staaten so schwer ist, aus der niederhaltenden Unterdrückung auszubrechen. Der Autor berichtet hier aus mehreren Sitzungen verschiedener Ratsorganisationen, Gipfel und Kommissionen, an denen er selbst teilgenommen hat. Wie hier unverhohlen mit der Streichung von Entwicklungshilfen nicht nur gedroht, sondern bei nicht wohlwollendem Verhalten des sich gegen zukünftige Schröpfungen wehrenden Staates ohne Rücksicht auf das dadurch verursachte immense menschliche Leid der Hahn einfach zugedreht wird, ist bedrückend, macht wütend.
Herr Ziegler schildert die Doppelmoral des Westens, dessen Aussagen und Bekenntnisse zu gerechtem, die Menschen aller Nationen achtendem Handeln, für die Bewohner der betroffenen Staaten regelmäßig durch deren tatsächliches, Nachkoloniales, rein am Profit orientiertes Vorgehen als bloße Lüge enttarnt wird.

Gut finde ich auch Zieglers Abgrenzung zum wachsenden pathologischen Hass in Form von steigender Anzahl terroristischer Akte. Der Meinung des Autors, dass sich der ideologische Hass im Idealfall in eine erneuernde, positive Kraft bündeln sollte, die Früchte für alle Menschen dieser Welt bringen kann, schliesse ich mich gerne an, denn die möglichen Folgen einer weitergehenden Ignoranz dieses neu erwachenden Bewußtseins der Betroffenen könnte verhängnisvoll sein.
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am 2. Dezember 2009
Jean Ziegler lädt uns ein zu einer Expedition in die Düsternisse der Geschichte und vielleicht auch in die Abgründe der menschlichen Natur. An mehreren Stellen gibt es geschichtliche Rückblenden, um aktuelle Ereignisse (wie beispielsweise eine salbungsvolle Ansprache von Papst Benedikt XVI) ins rechte Licht zu rücken. Ziegler verfolgt die Linie westlicher Verbrechen, angefangen beim Genozid der Konquistadoren an den Eingeborenen Süd- und Mittelamerikas bis hin zu der auch heute noch auf Hochtouren laufenden Ausbeutung Nigerias durch westliche Konzerne.
Auf meiner persönlichen Erschütterungs-Skala lässt sich dieser Band nur noch mit "Der Archipel GULAG" von Alexander Solschenizyn vergleichen. Es geht um Erinnerung, genauer, um das kollektive Gedächtnis der Entrechteten, Gefolterten, Hungernden und Ausgebeuteten. Folgende kurze Passage ist für das Buch programmatisch:

"Das kollektive Gedächtnis folgt Rythmen, die kein analytischer Verstand vollständig erklären kann. Von allen sozialen Strukturen ist es wahrscheinlich am rätselhaftesten." [27]

Nichts von den alten Greueln ist vergessen, moderne Schandtaten kommen Tag für Tag hinzu. Das Beunruhigende, das uns Ziegler vermitteln will, ist, dass ausserhalb jeder Berechenbarkeit liegt, wann und wie sich dieser aufgestaute Hass Bann brechen wird. Ein Ausdruck dieser abwartenden Haltung zeigt Ziegler durch ein Zitat Aimé Césaires (Autor von "Discours sur le colonialisme"):

"Ich bewohne eine heilige Wunde ... Ich bewohne einen dunklen Willen ... Ich bewohne ein langes Schweigen." [9]

Die Bewohner der heiligen Wunde blicken mit Hass auf das Abendland - ein Hass den Ziegler durch die Ausführungen dieses Buches nachvollziehbar macht. Der Autor spricht dies zwar an keiner Stelle direkt aus, aber ich glaube, dass uns Ziegler hier eine Art Hoffnung in Aussicht stellt, die wohl nur die Wenigsten herbeigewünscht oder auch nur vermutet hätten: im Hass der unterdrückten Völker könnte etwas geborgen sein, dass gerade wir Westler dringend benötigen, um aus dem Labyrinth der Gier, des Konsumismus und der Umweltzerstörung wieder herauszufinden. Auch in unseren Breiten beginnt sich infolge Stress, Lärm, Mobbing, Arbeitslosigkeit und Überforderung verstärkt ein Prekariat auszubilden, das wirkliche Veränderung und Umverteilung von den etablierten Institutionen und global operierenden Profitmaschinen nicht mehr ernsthaft erwartet.

Am 22. Januar 2006 wurde Evo Morales Ayma in Bolivien zum ersten Präsidenten indianischer Abstammung gewählt. Die Umwälzungen, die Evo Morales in dieser Zeit bereits zu Stande gebracht hat, lassen den Menschen in Bolivien und dem Leser etwas Hoffnung und werden von Ziegler sehr eindrücklich beschrieben. In einer der vielen Anekdoten ist Ziegler zu Gast bei einfachen Leuten in Bolivien und entdeckt an der Wand nur die Konterfeis der Libertadores Bolivar und de Sucre (18./19 Jht.), während jenes von Evo Morales fehlt:

"Ich mache keinen Hehl aus meiner Verwunderung über diesen Wandschmuck. Wo befindet sich Evo Morales, Aymara wie sie und seit drei Jahren der erste indianische Präsident? Plötzlich senkt sich Schweigen über den Saal. ... Lange blickt Felicidad mich an. Dann legt sie ihre rechte Hand aufs Herz. ... Die Bedeutung der Geste ist klar: Die kreolischen Generäle verschimmeln an den Wänden, Evo lebt in unseren Herzen." [230]

Wir verdanken diesen aufrüttelnden Text dem Erfahrungsschatz eines engagierten und courragierten Lebens. 5 Sterne.
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TOP 1000 REZENSENTam 9. November 2009
Der Autor analysiert den Gegensatz zwischen dem reichen, kapitalistischen Westen (EU,USA,...) und den armen Drittweltländern. In letzteren entwickelt sich immer mehr eine Hasssituation gegen die westlichen Länder. Diese erklärt sich daraus, dass die armen Länder seit Jahrhunderten vom Westen unterdrückt und ausgebeutet wurden und dass diese Machart auch noch weiterhin besteht.

Bestand die Ausbeutung anfangs in Sklavenhandel und kolonialer Eroberung, so schröpfen die globalisierten Unternehmen die Dritte Welt heute weiterhin ökonomisch aus. Diese Völker erinnern sich nun ihrer Demütigungen und fordern vom Westen Rechenschaft. Die Forderungen werden erst in der jetzigen Zeit gestellt, da die traumatischen Erlebnisse erst im Gedächtnis vergraben wurden, um nach einer Reifungszeit wieder emporzukommen. Der Westen weist jedoch jeden Gedanken an eine finanzielle Entschädigung oder an eine Entschuldigung von sich. Schlimmer, die PRaktiken der Ausbeutung haben noch immer Bestand, die Sklaverei ist lediglich « humaner » geworden. Die globalen, kapitalistischen Uunternehmen dirigieren die Preise, deren Dupingpolitik ruiniert die Landwirtschaft der Drittweltländer, diese Staaten verschulden sich alsdann bei dem IWF und müssen darauf ihre staatliche Kontrolle aufgeben, der Westen schafft die Einfuhrzölle dieser Länder ab und führt deren Produzenten in den Ruin. Mit Entwicklungshilfe hilft man diesen Staaten dann über die Runden und garantiert ebenfalls die Kontrolle über deren politische Regimes. Korrupte Marionettenregimes agieren dann im Sinne der westlichen Staaten und Oligarchien. Der Teufelskreis ist so komplett organisiert.

Ziegler illustriert diese Praktik am Beispiel von Nigeria. Ein rohstoffreiches Land wird schamlos ausgebeutet und die Bevölkerung leidet an Unterernährung, ein korruptes Regime lässt das Land im Chaos versinken.

Es gibt allerdings auch Lichtblicke wie in Bolivien, wo der gewählte Präsident Evo Morales, ein Mann des Volkes, sich gegen die Oligarchien auflehnt und deren Besitztümer wieder teilweise verstaatlicht. Dadurch hat die Lage in Bolivien sich verbessert. Allerdings drohen hier immer wieder Rückschläge, da die Oligarchen nicht tatenlos zusehen, und der Präsident jederzeit Opfer eines Attentats werden kann.

Trotz solcher Lichtblicke scheint es schwer, die Ungerechtigkeiten zu beenden. Die Impulse müssten ebenfalls vom Westen ausgehen, wo man bereit sein muss, die Drittweltländer zu respektieren und weniger auszubeuten.

Das Buch schildert Ereignisse welche so nicht von den Medien wieder gegeben werden. Man bekommt so einen guten Einblick in die düsteren Macharten des Westens, welche zumeist verschleiert werden. Ich empfehle ebenfalls Zieglers Buch « Das Imperium der Schande ».
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am 28. Januar 2011
Jean Ziegler, ehemaliger Sonderberichterstatter der UNO für das Recht auf Nahrung, zeichnet eine erschreckende Momentaufnahme der obszönen Auswirkungen der Globalisierung.

Ziegler berichtet exemplarisch wie es a uf der Welt zugeht: In Nigeria fehlt es der notleidenden Bevölkerung an allem, während das Land, der achtgrößte Erdölproduzent der Welt, von Konzernen ausgeplündert wird, über die eine korrupte Militärjunta die schützende Hand hält. Den damaligen Kopf der Verbrecherbande lud übrigens Bundeskanzlerin Angela Merkel als Ehrengast zum G8-Gipfel nach Heiligendamm ein, und entsprechend heftig ist auch seine Kritik am häufig ignoranten Benehmen des Westens.

Besonderheit des Buches ist die historisch - psychologische Dimension der Ausbeutung der Länder des Südens. Ert macht klar, wie verhängnisvoll Sklavenhandel und Kolonialisierung auch heute noch nachwirken. Exemplarisch kritisiert er den arroganten Umgang von Frankreichs Präsident Sarkozy mit der Vergangenheit in Afrika und nennt die Dinge beim Namen. So bezeichnet es als historische Lüge, wenn Papst Bendikt XVI sagt, die Einheimischen in Südamerika hätten eine stille Sehnsucht zur Bekehrung empfunden, wobei er drastisch von den Grausamkeiten der Conquistadores berichtet.

Ein Positivbeispiel, auf das er näher eingeht, ist Bolivien unter der Regierung Morales, auch hier besticht Ziegler durch detailreiche Sachkenntnis. Er ist gleichzeitig radikal, weil er eine Art von französischer Revolution in anderer Form für notwendig hält, gleichzeitig brilliert seine Argumentation aber durch umfassende historische Bildung und Einsichten in globale Zusammenhänge, auch wenn die Empörung manchmal aus ihm herausbricht: "Für eine Tankfüllung eines Mittelklassewagnes werden 358 kg Mais verbrannt... Davon kann ein Kind ein Jahr lang leben. Sollen die im Süden doch verrecken!"

Ein aufrüttelndes Buch, gerade weil es nur einen Teil der Mißstände beleuchtet - Ziegler könnte sicher noch fünf solche Bücher schreiben, und hoffentlich tut er es. So kann es nicht weitergehen.
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am 28. Oktober 2011
Jean Ziegler hat einen wunderbaren Schreibstil, dem man gut folgen kann, obwohl es sich um ein Sachbuch handelt. Das Buch umfasst viele Themen, wobei nicht auf jedes konkret eingegangen werden kann, aber um sich einen guten Überblick über die Ungerechtigkeiten in Vergangenheit und Gegenwart unseres Planetens zu verschaffen, eignet es sich hervoragend.
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Für sein engagiertes Werk "Der Hass auf den Westen" hat der der glasscherbenscharfe Globalisierungskritiker und indignierte Linke Jean Ziegler Ende 2008 den Literaturpreis für Menschenrechte erhalten. Er konstatiert in seinem Buch den wachsenden Hass der Armen und Unterdrückten auf den Westen. Dabei stellt er die grundsätzliche These auf, das das was der Westen in den letzten Jahrzehnten getan hat, eigentlich nur die Fortsetzung des furchtbaren Kolonialverhaltens im vorigen Jahrhundert ist.

Der Westen, so Ziegler, das sind 2,8% der Weltbevölkerung, beherrscht seit Ende des 16. Jahrhunderts diesen Planeten. Nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus betraten Abenteurer und Glücksritter die Neue Welt, die Conquistadores wollten durch den Völkermord an den Indianern zu schnellem Reichtum kommen. Es folgten dreihundert Jahre Sklavendeportation, 150 Jahre lang Kolonialmassaker in Asien und Afrika und heute die Weltdiktatur des globalisierten Finanzkapitals. Seiner Meinung nach ist dieser "Raubtierkapitalismus" die vielleicht schlimmste Ausbeutungs- Unterdrückungsform die es je gegeben hat. Letztes Jahr haben die fünfhundert größten Konzerne dieser Welt 52% des Welt- Bruttosozialproduktes kontrolliert, also alle auf der Welt in einem Jahr produzierten Waren, Kapitalien und Dienstleistungen. Zwei Drittel der Menschheit lebt im Süden und dort stirbt alle 5 Sekunden ein Kind an Hunger. 47 000 Menschen sterben jeden Tag am Hunger. Die Leichenberge steigen an und über eine Milliarde Menschen sind permanent schwerst unterernährt auf einer Welt, die auf der anderen Seite vor Reichtum überquillt. Die Weltlandwirtschaft könnte normalerweise 12 Milliarden Menschen ernähren.
Ziegler übt scharfe Kritik an den politisch Verantwortlichen, wenn er sagt, das ein Kind, welches heute stirbt, eigentlich ermordet wird, dem Schicksal fatalistisch ausgeliefert.

Über 1,4 Milliarden Menschen leben in extremer Armut, das heißt, sie haben umgerechnet täglich weniger als einen US Dollar zur Verfügung und sind so ausgeschlossen von den Segnungen des Wohlstands.

Geht es dem Westen so gut, weil es anderen Menschen so schlecht geht? Diese Feststellung wäre zu einfach, denn es gibt auch im Westen viel Hunger und viel Armut. Es sind die Herrschaftsschichten des Westens die die Goldberge anhäufen. Es gibt einen weltweiten Hass auf den Westen, dafür bringt Jean Ziegler viele Beispiele.

Es gilt zwei Arten von Hass in dem Buch zu unterscheiden. Da ist auf der einen Seite der pathologische Hass, der Terrorismus, die Al-Qaida. Das ist Verbrechen für das ein keine, wie auch immer geartete Entschuldigung gibt. Dieses Verbrechen muss bekämpft werden und es kommt im Buch auch nur am Rande vor. Daneben gibt es dann den von der Vernunft geleiteten Hass und der kommt aus dem Gedächtnis des Kolonialmassakers, das ist der Bruch mit der kannibalischen Weltordnung des globalisierten Finanzkapitals. Wenn heute zum ersten Mal seit 500 Jahren in Bolivien ein Indianer zum Präsidenten gewählt wird, dann ist in dieser Tatsache vielleicht einer von wenigen Hoffnungsfunken in diesem Buch zu sehen.

Es ist auf der einen Seite ein Horrorbuch, so viel Furchtbares wird da vom Autor erzählt, eine lange Liste all unserer Verbrechen, aber auf der anderen Seite ist es ein Buch der Hoffnung, weil es sich zeigt, dass in Venezuela, in Brasilien, in Ecuador, in Bolivien, in Kuba im demokratischen Kampf, im Bruch mit der kannibalischen Weltordnung Nationen entstehen, die die vom Westen geplünderten Reichtümer übernehmen und für ihre eigene rechtsstaatlichen Belange nutzbar zu machen. Aus dem verwundeten Gedächtnis heraus entsteht also eine Identitätsrenaissance", die Befreiung, die Emanzipation der Menschheit schreitet so voran.

Jean Paul Sartre hat einmal gesagt:"Den Feind erkennen, den Feind bekämpfen". In diesem Sinne soll das Buch eine Waffe sein zum weltweiten Aufstand des Gewissens, denn es gibt keine Ohnmacht in der Demokratie. Nur so kann die planetarische Zivilgesellschaft die Herrschaftsstruktur der Finanzjongleure, die nach wie vor funktionierende Gewalt der Weltfinanzdiktatur, die in den letzten Jahren so viel Schaden angerichtet hat, brechen. Es bleibt ein Funken Hoffnung. Ein tief beeindruckendes, zum Nachdenken anregendes Buch, das den Zorn in die Fäuste treibt. Zieglers Buch mit Anleitung zur Soforthilfe ist deshalb ein Aufruf zum Handeln an jeden Einzelnen.
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am 17. Januar 2010
Ein (zurecht) teilweise erschütterndes Buch über die Ursachen und Folgen der 'modernen' Zivilisation. Ich gebe keine Inhaltsangabe, sondern will es empfehlen,
da es einerseits den Umfang auf die wesentlichen Aspekte begrenzt, so dass man nicht ganz erschlagen wird, jedoch dort wo nötig in die schmerzhafte Tiefe der Details geht (an einzelnen Beispielen, die dann mit den Verweisen aus historischen Dokumenten belegt sind). In 1-2 Tagen gut zu lesen, fesselnd!

Ein wirklich wichtiges Buch von einem Mann der etwas zu erzählen hat und mehr 'zu sagen' haben sollte! Zudem ein guter Einstieg in ein hoch aktuelles und wichtiges Thema, das die 'Spass-Gesellschaft' verdrängen sollte!

Wer dann wirklich in die Abgründe mit allen (belegbaren, weil auch juristisch nagelfesten) Einzelheiten eintauchen will oder muss (Historiker), der kommt um die
Werke von Deschner (z.B. Moloch) eh nicht drum herum.
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am 8. November 2011
Am wichtigsten ist wahrscheinlich die Tatsache, dass dies mein erstes Buch von Ziegler war, und dass ich vollkommen andere Erwartungen daran hatte.
Ziegler beschreibt die miserablen Zustände, die auf der Welt vor allem in den Entwicklungsländern herrschen, anhand der exemplarischen Beispiele Nigerias und Boliviens, geht in kürzeren Abschnitten aber auch noch zum Beispiel auf China oder Indien ein. Die Intention Zieglers ist die Darlegung der zutiefst ungerechten Welt(wirtschafts-)ordnung, welche die etablierten, entwickelten Staaten massiv bevorteilt, und die Entwicklungsländer dabei gezielt benachteiligt, wodurch die Beseitigung der weltweiten Armut immer unmöglicher wird. Aus diesen aktuellen Umständen sowie historischen Ereignissen wie dem Kolonialismus ergibt sich nach Ziegler der "Hass auf den Westen", also die Reaktion der durch die westlichen Akteure benachteiligten Bevölkerungen der Welt auf die ihnen zugefügten Ungerechtigkeiten. Dabei unterscheidet Ziegler zwischen gerechtfertigtem Hass als verständliche Reaktion und pathologischem Hass, der sich zum Beispiel in Terrorismus oder Fanatismus ausdrückt (welchen er entschieden verurteilt).
Der unbedingte Einsatz für die benachteiligten Massen, den Ziegler an den Tag zu legen scheint (wie gesagt, sehr gut kenne ich mich mit ihm, seinen Werken und seinem Wirken nicht aus, deswegen das Wort "scheint", was keinen Zweifel an Ziegler ausdrücken soll), ist einer moralisch zutiefst bedenklichen Welt und Gesellschaft, in der wir heutzutage leben, dringend angebracht. Die Zustände, die Ziegler an einzelnen Beispielen aufzeigt, lassen sich auf so viele andere Regionen und Länder anwenden, das Ausmaß der Ungerechtigkeit ist ungeheuerlich. Ungerechtigkeit deshalb, weil es meiner Meinung nach völlig klar und unmöglich zu bestreiten ist, dass es sich um vermeidbare, zu großen Teilen von den wohlhabenderen Akteuren gewollte und bewusst herbeigeführte Zustände handelt. Insofern stimme ich Ziegler bei seinen Anklagen durchaus zu, und betone noch einmal die Wichtigkeit von solchen Zielsetzungen, also der Aufdeckung der Ungerechtigkeiten und Benennung der verantwortlichen Akteure, zu denen wir selbst (als Mitglieder einer wohlhabenden, westlichen Gesellschaft, deren Wohlstand zu Teilen auf dem Elend in den Entwicklungsländern beruht) zu zählen sind, wenn auch nicht in diesem bewusst-aktiven Sinne, in dem man einzelne Entscheidungsträger von Institutionen oder Staaten als Verantwortliche benennen muss.
Allerdings habe ich mit Zieglers Vorgehen und Stil, zumindest was dieses spezielle Werk betrifft, enorme Probleme.
Ein solch wichtiges Thema wie das, mit dem wir uns hier konfrontiert sehen, bedarf einer professionellen, bedachten Herangehensweise, wie man es zum Beispiel von wissenschaftlichen Sachtexten gewohnt ist. Genau dieser Aspekt fehlt bei Zieglers Buch vollkommen. Alle Zustände oder Akteure, die in diesem Werk behandelt werden, sind in eine Erzählung eingebunden, was für mich einfach eine vollkommen absurde Herangehensweise an solch ein Thema ist.
Ein Beispiel. Auf Seite 130 beschreibt Ziegler seine Ankunft in Abuja:

"Noch eine halbe Stunde Fahrt in der Hitze des Hamattan, und unser Fahrzeug biegt in eine prächtige Allee mit Königspalmen ein. Am Parkeingang werden wir von privaten Sicherheitsleuten, jungen Männern in tadellosen Uniformen, peinlich genau kontrolliert. Dann hält das Fahrzeug ein zweites Mal vor dem prunkvollen Portal des Hotels Transcorp-Hilton. Der Palast gehört der Transcorporation of Nigeria. Und die wiederum gehört der Familie von General Olusegun Obasanjo, dem Präsidenten der Republik. Unter dem grauen schweren Harmattan-Himmel ist Abuja ein Gewirr von Ausfall- und RIngstraßen, Verwaltungshochhäusern, Bürotürmen, prachtvollen Villen (mit Swimmingpool, Garage, gepflegten Rasenflächen, Überwachungskameras und Ringmauern), Bankpalästen, Kasernen, Pferderennbahnen, Paradeplätzen, riesigen Moscheen mit vergoldeten Kuppeln... Man sieht dort auch Kirchen,eine Kathedrale, Luxushotels, Restaurants. Und vor Allem, in den Randbezirken, endlose Elendsviertel. In der Innenstadt herrscht grauer Beton vor. (...)"

Ob in der Innenstadt Abujas grauer Beton vorherrscht oder bunt bemalte Holzverkleidungen prägend für das Stadtbild sind, ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal. Zudem spielt es eine reichlich untergeordnete Rolle im Zusammenhang mit Armut in besagter Stadt. Auf diese Weise füllt Ziegler jedoch in regelmäßigen Abständen ganze Absätze mit völlig irrelevanten Beschreibungen wie einem Sonnenaufgang über den Anden, der Architektur von Gebäuden oder zutiefst klischeebehafteten Charakterisierungen von einzelnen Akteuren (die "Guten" kriegen durchweg positive, die "Bösen" durchweg neutrale bis negative Charaktereigenschaften verliehen. Und ja, eine solch vereinfachte Einteilung von Akteuren in Gut und Böse ist über weite Strecken des Buches leider die Regel). All diese Aspekte fügen sich wunderbar in seinen Stil, nämlich den der Erzählung, ein. Der Erzählstil ist jedoch meiner Meinung nach der denkbar ungeeignetste, um sich dem Thema Weltarmut inklusive Ursachen und Verantwortung zu nähern.
Ziegler schreibt zudem ausgesprochen emotional. Das mag nicht verwundern, handelt es sich doch um Zustände, die enorme Emotionen hervorrufen können (und auch sollten). Wenn diese in Form eines Buches anderen Menschen näherbringen möchte, halte ich eine Emotionalität in diesem Maße jedoch für unangebracht. Die Liste meiner Kritikpunkte könnte ich noch auf einzelne Details bezogen weiter führen, beschränke mich allerdings darauf, alles unter einen Hut zu bringen: die Form und Herangehensweise, die Ziegler gewählt hat, um seinen Lesern besagtes Thema näherzubringen, bringt mich persönlich in keinster Weise voran. Sie mag vielleicht dazu geeignet sein, Leute mit Weltarmut etc. zu konfrontieren, die diese Erzählform brauchen, um sich auf das Thema überhaupt einlassen zu können (wofür es eine Vielzahl von Gründen gibt, hauptsächlich jedoch wahrscheinlich das Problem vorherrscht, das wissenschaftliche Texte zu diesem Themenkomplex meistens eher ziemlich trocken und daher schwer zu lesen sind), für eine wirklich ernsthafte Beschäftigung mit den Symptomen, Ursachen und Akteuren im Zusammenhang mit Weltarmut taugt dieses Buch jedoch meiner Meinung nach in fast keiner Weise. Lediglich einige Passagen, die (leider meistens recht knapp und oberflächlich gehalten) historische Gegebenheiten sowie kulturelle Besonderheiten zum Beispiel von den indigenen Bevölkerungsteilen Südamerikas darstellen, sind durchaus informativ. Abgesehen davon enthält dieses Buch jedoch eher eine Mischung aus persönlicher Meinung, Reisetagebucheinträgen, historischen Abrissen und oberflächlichen Beschreibungen vom Verhalten verschiedener Akteure.
Wie schon betont, Zieglers Intention ist eine zutiefst wichtige, die Umsetzung allerdings in meinen Augen mangelhaft.

Weitaus informativere Auseinandersetzungen mit diesem Thema liefern zum Beispiel diese Bände:

Globale Gerechtigkeit: Schlüsseltexte zur Debatte zwischen Partikularismus und Kosmopolitismus (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)

Weltarmut und Menschenrechte. Kosmopolitische Verantwortung und Reformen (Ideen & Argumente)
11 Kommentar24 von 30 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. April 2011
Ein Buch, das man lesen sollte. Aber und da stimme ich überein: nicht Jean Zieglers bestes Buch, nachdenklich macht es trotzdem.
Auf 266 Seiten zeigt er einmal mehr die Folgen von Kolonialisierung, Sklaverei und Ausbeutung sowie von "moderner" Marktwirtschaft und Profitmaximierung auf. Im kollektiven Gedächtnis liegen die Quellen des Hasses auf den Westen. Der Westen seinerseits bleibt ignorant in Anbetracht des Wunsches der Länder des Südens nach Emanzipation und Gerechtigkeit. Lässt sich ein Dialog überhaupt noch in Gang bringen? Wird sich bewahrheiten was Claude Lévi-Strauss schrieb: "Die Welt begann ohne den Menschen, sie kann ohne ihn enden."? Weil die Menschheit das Eigentliche ausblendet, Menschlichkeit und Menschenrechte, gerechte Verteilung der Güter, Schutz unserer Umwelt, und sich ihr der Weg in eine neue Gesellschaft für immer verschliesst?
Einmal mehr eine Fülle von Information und Einsichten die m.E. nicht ohne weiterführende Lektüre zu lesen ist. Sollte man finde ich.
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am 26. Oktober 2011
Wenn man sich ein wenig in die Hintergründe der Probleme des Südens einlesen will, ist dieses Buch genau das richtige. Es werden Seiten beleuchtet die sonst absolut unter den Tisch fallen, allerdings bleibt Ziegler dabei objektiv und fair.
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