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4,2 von 5 Sternen
Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition
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152 von 166 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Als Harry, ein Freund des Autors und Psychologen Gerd Gigerenzer, vor der schwierigen Wahl stand, sich für eine Partnerin entscheiden zu müssen ("Die oder Ich"), folgte er dem erprobten Rat Benjamin Franklins. Er listete Für und Wider auf, gewichtete und rechnete. Das Ergebnis unter dem Strich war eindeutig - und er wusste, dass es falsch war. Woher? Als ein Experte jene griechische Statue aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. sah, die dem J.-Paul-Getty Museum in Los Angeles für zehn Millionen Dollar zum Kauf angeboten wurde, hatte er spontan den Eindruck "frisch". Umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen hatten die Echtheit des antiken Kunstwerks bestätigt. Doch der Experte behielt Recht: Es war eine Fälschung. Wie konnte er dies erahnen? Übersinnliche Wahrnehmung? Intuition? Die beiden Beispiele (das zweite ist aus dem Bestseller "Blink - Die Macht des Moments" von Malcolm Gladwell) beleuchten eine Fähigkeit des Menschen die man zwar gemeinhin Bauchentscheidung, Intuition oder Ahnung nennt, jedoch getrost als "tiefere Intelligenz" bezeichnen kann. Die Wissenschaft beginnt, die Funktionsweise dieser Form der Intelligenz zu erfassen - und zeigt, unter welchen Umständen wir auch mit Intuitionen erheblich danebenliegen können.

Mehr als Logik.
Grundlage der menschlichen Intelligenz ist das logische Denken - so meinen immer noch viele von uns. Doch das logische Denken sieht nicht, was "zwischen den Zeilen steht" und ist blind für den Inhalt. Die Sätze "Markus wurde zornig, und Maria ging" und "Maria ging, und Markus wurde zornig" enthalten jeweils zwei gleiche Aussagen, die durch 'und' verknüpft werden. Trotzdem sind die beiden Sätze vollkommen verschieden in ihrer Bedeutung. Wir erkennen intuitiv den Inhalt und den Unterschied. Gute Intuition, so Gerd Gigerenzer, muss nicht logisch sein. Sie kann über die Logik hinausgehen, indem sie Informationen hinzuzieht, die im Augenblick gar nicht vorliegen.

Die Kunst besteht, darin zu wissen was wir *nicht* zu wissen brauchen.
Bauchgefühl, Intuition oder Ahnung war früher etwas Geheimnisvolles und Unerklärliches. Weil wir alle schon mal in dunkler Vorahnung die Erfahrung eines flauen Magens gemacht haben, oder Schmetterlinge im Bauch fühlten, glauben wir, dass die Intuition so eine Art Gefühl ist. Ist es aber nicht. Intuition ist Intelligenz und findet im Kopf statt. Intuition besteht aus der unbewussten Benutzung von Faustregeln. Wir filtern nur wenige relevante Informationen heraus, vereinfachen auf diese Weise umfangreiche Betrachtungen und erhalten schnell und effizient ein Ergebnis. Die Kunst liegt darin, die richtige Faustregel für die jeweilige Situation (unbewusst) auszuwählen. Dafür hat das Gehirn des Menschen im Laufe der Evolution ein ganzes Arsenal von Fähigkeiten entwickelt, die uns helfen, aus einer komplexen Welt schnell einen Sinn herauszufinden - Fähigkeiten, die Tiere nicht haben.

Ziel des Buches ist es, solche Faustregeln zu erläutern und zu zeigen, wann Intuition zum Erfolg, und wann sie zum Scheitern führen kann. An Hand von Untersuchungsergebnissen und mit Beispielen aus Beruf und Alltag weiht uns Gerd Gigerenzer in die Geheimnisse der Intuition ein. Er zeigt, welche Faustregeln unser Gehirn verwendet. Wir benützen diese Fähigkeiten ständig; wir können gar nicht anders, als Schlüsse zu ziehen. Neu dürfte für viele sein, dass es möglich ist, Intuition zu trainieren.

Überzeugend.
Gerd Gigerenzer ist es wieder einmal glänzend gelungen, einen komplexen und für viele undurchschaubaren Sachverhalt anschaulich darzustellen. Die Lektüre gewinnt einen besonderen Wert dadurch, dass wir daraus lernen können, bewusst an unserer Intuition zu arbeiten; sie letztlich dort einzusetzen, wo sie die verlässlichste Methode darstellt um zu einer Entscheidung zu kommen. Die Aussage des Klappentextes, "dass es gute Gründe gibt, sich auf seine Bauchgefühle zu verlassen", ist allerdings nur die halbe Wahrheit und spiegelt den Sachverhalt nicht richtig wieder. Leider können wir uns eben *nicht* immer und blind auf unsere Intuition verlassen. Und, wer das Buch - wörtlich genommen - verschlingt, wird eine echte Bauchentscheidung erfahren.
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130 von 142 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Am Denkmal des Homo oeconomicus wird in den letzten Jahren so heftig herumgehämmert, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein wird, bis die Statue fällt. Was dann an seiner Stelle stehen wird, ist zwar noch völlig offen, aber irgendeine Figur, die an unser Unbewusstes erinnert, wird es bestimmt sein. Abbruch und Neugestaltung gingen wahrscheinlich etwas schneller voran, wenn die Beteiligten etwas mehr auf ihre Wortwahl achten würden. Denn mit dem missglückten Titel erneut zu suggerieren, das Unbewusste sei irgendwo im Bauch angesiedelt, zementiert nur alle Irrtümer. Zu welchen Entschlüssen unsere neuronalen Netzwerke gelangen, spüren wir zwar auch im Bauch, aber die Entscheide fallen nun mal im Kopf.

Wie solche Entscheidungen getroffen werden und was dabei alles berücksichtigt wird, erklärt Gerd Gigerenzer in diesem Buch auf selten anschauliche Weise. Das gelingt ihm vor allem mit guten Geschichten und prägnanten Formulierungen. Und weil der Autor nicht irgendeiner ist, sondern das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin leitet, wird seine Botschaft auch Menschen erreichen, die aus reflexartigem Abwehrverhalten normalerweise weghören. Wie auch Linda Pelzmann aus Wien in ihrer Rezension ausdrücklich betont, geht es in Gigerenzers Buch nicht darum, die Vernunft gegen die Intuition auszuspielen. Vielmehr ist es das Anliegen des Autors, die Stärken und Anwendungsbereiche der beiden neuronalen Datenverarbeitungssysteme aufzuzeigen. Dass allein gibt schon genügend Diskussionsstoff für die nächsten Jahre und wird scheinbar unantastbare Glaubensmodelle erschüttern.

Mein Fazit: Der Autor versteht es ausgezeichnet, seiner eigenen Theorie gerecht zu werden und Komplexes so zu vereinfachen, dass es verstanden wird und seinen wahren Kern trotzdem behält. Wir erfahren zwar nicht so viel über die Vorgänge in unserem Gehirn, wie der Autor immer wieder verspricht, aber dafür gibt es ja inzwischen viele andere empfehlenswerte Bücher. Die Reduktion auf einleuchtende Geschichten, kurze Theorieblöcke und einprägsame Formeln ist genau der Stoff, aus dem unsere Intuition schließlich unser Verhalten beeinflusst.
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40 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der Psychologie-Professor Gerd Gigerenzer hat über das vermeintlich Ungenaue sehr genau nachgedacht. Auf verblüffende Weise füllt er den Begriff der Intuition (vulgo 'Bauchentscheidung') mit erstaunlich konkretem Inhalt und gibt ihm eine klare Kontur. Intuition galt im abendländischen Denken einmal als sicherste Form der Erkenntnis, wohingegen sie heute oft belächelt wird. Gigerenzer beschreibt nicht nur sehr genau die Merkmale und Funktionen der Intuition, sondern er zeigt auch, welche enorm wichtige Rolle sie im Alltag spielt, auch wenn uns diese Macht des Unbewussten nicht ausreichend bewusst ist. Weil gelegentlich Begriffe wie "Adaptive Theorien" oder "Heuristik" auftauchen, ist das Buch nicht immer ganz leicht zu lesen, trotzdem ist es größtenteils anschaulich geschrieben '- wenn auch nicht in gleichem Maß wie Malcolm Gladwells Bestseller zum selben Thema, "Blink!" Allen Lesern ' insbesondere Entscheidungsträgern ', die sich vertiefend mit dem Zustandekommen von Entscheidungen befassen wollen, empfehlen wir das Buch als höchst anregende Lektüre.
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28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. August 2011
Da ich inzwischen aus eigener Erfahrung und aus umfassender Recherche einiges über Intuition gelernt habe, schlage ich bei einem neuen Werk zuerst das Kapitel auf, in dem erklärt wird was Intuition eigentlich ist. Dadurch erspare ich mir viel Zeit und Mittelmäßigkeit. Denn wenn die Detailtiefe schon bei den Kernfragen zum Thema fehlt, bleibt es in der Regel auch dabei. So begann ich auch dieses Buch mit dem Kapitel: Wie Intuition funktioniert. Leider sind die Ausführungen sehr dürftig und der Autor liefert keine detaillierte Erkenntnis darüber wie Intuition funktioniert. In den anderen Kapiteln werden Beispiele aus unterschiedlichen Disziplinen herangezogen, die nicht unbedingt neu aber teilweise unterhaltsam und auch interessant sind, aber das Thema verfehlen. Wer aufschlussreiche Erkenntnisse darüber erwartet wie Intuition und Bauchgefühl funktionieren, oder wodurch sie sich unterscheiden, der wird durch das Lesen dieses Buchs keine Klarheit gewinnen. Um Redundanzen zu vermeiden, verweise ich auf die anderen ausführlichen 2-Sterne-Rezensionen.
Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition
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103 von 121 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. März 2007
Die Wertschätzung der Intuition boomt derzeit. Man kann sich allgemeiner Zustimmung sicher sein, wenn man mehr Bauchentscheidungen fordert; Seminare für mehr Emotionalität sind Marktrenner. Gerd Gigerenzer kommt zur richtigen Zeit mit dem richtigen Buch auf den Markt. Er informiert fundierter, besser, spannender, als alle anderen Quellen.

Er definiert Intuition als ein Urteil, das drei Kriterien erfüllt: Erstens ist es ganz schnell im Bewusstsein da; zweitens wissen wir nicht, warum wir dieses Gefühl haben; drittens ist es dennoch stark genug, um unsere Handlungen zu leiten. Gigerenzer betont, dass eine Intuition viel Information ignoriert und sich nur auf die ein, zwei oder drei wesentlichen Gründe konzentriert; dadurch sind intuitive Urteile schnell zur Hand.

Allerdings, damit man intuitiven Urteilen auch trauen kann, muss man sie genauso lernen, schulen, entwickeln und trainieren wie die analytische Vorgangsweise. Für diesen Prozess gibt es interessante neue Forschungsergebnisse und gute alte Faustregeln, die Gigerenzer anregend und spannend berichtet; sie machen den Großteil des Buches aus. Die Kernfrage ist nicht, ob eine Person intuitiv vorgeht, sondern ob sie die richtige Entscheidung trifft oder die falsche. Wie sieht es denn aus mit der Richtigkeit der Entscheidungen aus dem Bauch? Ist Intuition ein guter Ratgeber?

Wer analytische gegen intuitive Entscheidungen ausspielt, begeht einen schweren Kunstfehler. Qualifizierte Führungskräfte, Wissenschafter, Ärzte, Feuerwehrleute und Rettungsmannschaften müssen in der Lage sein, Probleme systematisch und unter Einsatz des modernen analytischen Instrumentariums zu lösen und sie müssen außerdem schnell auf Situationen reagieren können und das erfordert Intuition. Erfolgreiche Profis können es sich nicht leisten, zwischen analytischer und intuitiver Problembewältigung einen Gegensatz aufzubauen; sie müssen den Werkzeugkasten in seinem ganzen Spektrum beherrschen und je nach Situation richtig einsetzen. Analytische Methoden, die in eine intuitive, erkennungsgesteuerte schnelle Reaktionsfähigkeit eingebettet sind, das ist der Königsweg.

Wer sich auf unbekanntes Terrain wagt, hat gar nicht die Wahl, nur jene Aspekte einzubeziehen, die er bewusst durchschaut. Wer nach neuen, noch unbekannten Lösungen sucht, kann sich nicht nur auf das stützen, was er bewusst durchdacht und geklärt hat. Und er hat auch nicht die Zeit, so lange weitere Informationen zusammenzutragen, bis er alle Möglichkeiten überblickt. Wenn die zu bewältigende Informationsmenge unüberschaubar ist und viele irrelevante Informationen enthält, dann reicht angestrengtes Nachdenken allein nicht aus. Unter solchen Umständen hat man gar keine andere Wahl, als der Intuition Raum zu geben. Damit intuitives Vorgehen zur richtigen Entscheidung führt, braucht es Regeln, Lernprozesse und Begleitmaßnahmen, die Professor Gigerenzer beschreibt.

Intuition hängt essentiell zusammen mit dem Erkennen der wesentlichen Gesetzmäßigkeiten. Personen, die intuitiv richtig handeln, gehen more principled - bezogen auf die zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten - vor und verwenden aufgrund ihrer Erfahrung profunde und wirksame Kriterien anstatt irrelevante und falsche. Sie haben sich dazu erzogen, in die Tiefe zu gehen und relevante von irrelevanten Hinweisen zu unterscheiden. Intuitiv Erfolgreiche gehen schnurstracks auf den Kern der Sache los. Während sich Anfänger und Unkundige dem Problem in kleinen Schritten nähern müssen, haben erfahrene Experten schnellen Zugriff auf das Wesentliche und eine gut organisierte Vorgangsweise.

Im Gegensatz zu den kleinen Schritten des Anfängers macht der Experte in seinem Denkprozess riesige intuitive Sprünge. Das lässt sich dadurch erklären, dass er mit einem Erkennungs- und Abfrageprozess arbeitet, der eine große Anzahl von Kombinationsmustern absucht, die im Langzeitgedächtnis gespeichert sind. Demnach ist die Intuition kein von der Analyse getrennter Prozess, sondern beide Vorgangsweisen ergänzen einander und wirken komplementär.

Ein weiteres Geheimnis der "richtigen" Intuition ist, dass genug Aufmerksamkeit und Arbeitsspeicher offen bleiben dafür, was sich im Umfeld abspielt. Den Spielraum im Arbeitsspeicher braucht man für die situationsgerechte Anpassung einer Entscheidung. Das Bedürfnis, sich von Angst, Druck und Peinlichkeit zu befreien, löst ein Verhalten aus, das zwar kurzfristig Erleichterung verschafft, aber diese intuitive Reaktion unterscheidet sich maßgeblich von der qualifizierten Intuition des Experten.

Die Schwächen der Intuition kommen etwas zu kurz bei Gigerenzer. Das intuitive Vorgehen hat sich in Jahrmillionen der Evolution entwickelt; es hat sich bewährt und es hat auch in die Irre geführt. Die intuitive Angst vor einem Verlust wirkt sich ungefähr doppelt so stark aus wie die Aussicht auf einen Gewinn. Beim Spekulieren mit Aktien führt das zu einem systematischen Fehler, einem sogenannten bias: Bei steigenden Aktienkursen neigen Anleger dazu, zu früh den Gewinn mitzunehmen; bei fallenden Kursen hingegen erliegen sie dem gegenteiligen bias, indem sie mehr riskieren um erlittene Verlusten zu reparieren. Ein weiterer Intuitions-Defekt besteht darin, dass Menschen ihre Fähigkeit überschätzen, die Zukunft zu überblicken. 80 Prozent aller Firmengründer glauben daran, dass sie sich am Markt behaupten können. Tatsächlich sind aber schon nach fünf Jahren 75 Prozent wieder vom Markt verschwunden. Ohne diesen bias zum Optimismus gäbe es die wirtschaftliche Dynamik nicht in diesem Maße. Das führt aber auch dazu, dass Unternehmer das Risiko des Scheiterns unterschätzen; dass Konzerne viel zu viel Geld für die Übernahme anderer Firmen bieten; dass Privatleute in die Schuldenfalle geraten, weil sie ihre künftigen Einnahmen zu hoch veranschlagen. Der intuitive bias ist ein starker Motor, er bewirkt Optimismus und stete Geschäftigkeit.

Was viele in die Irre führt, ist die starke, ja zwingende Empfindung subjektiver Gewissheit, die in der Regel mit intuitiven und emotionalen Urteilen verbunden ist. Aber subjektiv empfundene Gewissheit, und mag sie noch so stark sein, hat absolut gar nichts zu tun mit objektiver Richtigkeit. Es braucht die qualifizierte Intuition, um eine richtige Entscheidung zu treffen und der Weg dorthin ist lang und steinig. Das Buch ist ein unverzichtbarer Wegbegleiter für Führungskräfte in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, für Ärzte, Rettungsmannschaften und Feuerwehrleute in allen Situationen, in denen sie schnelle Entscheidungen treffen müssen.

Professor Gigerenzer macht die Frage, ob Intuition ein guter Ratgeber ist, so spannend, dass ich sein Buch in einer Nacht durchgelesen habe.
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28 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. September 2007
Nach der Lektüre von Jens Försters Meisterwerk "Kleine Einführung ins Schubladendenken" habe ich eine Lesereihe "Sozialpsychologie" initiiert, die vor allem leicht geschriebene Bücher zu den Themen Entscheidungen und Personenbewertungen beinhaltet. Auch dieses Buch gibt einen wunderbaren Überblick zum Stand der Entscheidungsforschung, auch dieses Buch ist schön geschrieben, mit zahlreichen Beispielen ausgestattet und unbedingt lesenswert. Manchmal fehlt ihm die Frische, mancherorts kommt es ein wenig unbescheiden daher und natürlich kann es mit dem rasanten, kreativen Schreibstil von Förster nicht mithalten. Insgesamt jedoch ist es wunderbar, wie gerade die deutsche Psychologie den Spagat zwischen leserfreundlicher Vermittlung und Wissenschaftlichkeit meistert. Dagegen sollte man amerikanische Bestseller wie Gladwells "Blink" oder Cialdinis "Sozialer Einfluss" lieber meiden. Jene lesen sich dagegen wie verklemmte Kinderbücher aus den 50er Jahren.
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47 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. Mai 2008
Professor Gerd Giegerenzer ist Direktor am Max-Plack-Institut für Bildungsforschung in Berlin und beschreibt in seinem Buch Bauchentscheidungen und wie sie funktionieren, sehr anschaulich.
Darüber hinaus wird beschrieben, warum diese Entscheidungen, insbesondere bei Unwissenheit, sehr präzise sein können. Auch logische Berechnungen von Maschinen können zu falschen Entscheidungen führen. Gute Intuitionen müssen nicht logisch sein und führen doch zum richtigen Ergebnis. Giegerenzer hat die intuitiven Bauchentscheidungen systematisiert und kommt zu unterschiedlichen Methoden und Werkzeugen, die diese Bauchentscheidungen untermauern.
Als Werkzeuge beschreibt er u.a die Rekognitionsheuristik, den weniger-ist mehr-Effekt oder die moralischen Intuitionen und sozialen Instinkte. Nicht zuletzt beschreibt Giegerenzer, wie ein Gerücht die Berliner Mauer eingerissen hat. Die komplizierte Materie der Intelligenz des Unbewußten, die Macht der Intuition wird vom Autor auch für einen psychologischen Laien sehr überzeugend, systematisch und anhand von Beispielen erklärt. Ich möchte das Buch daher sehr empfehlen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Juli 2013
So wie im neuesten Buch von Dr. Gigerenzer - welches übrigens ein schlechter Abklatsch von diesem Buch ist - wird das Thema Bauchentscheidung mit vielen Beispielen dargestellt und mit Risikoverhalten verglichen. Das anwenden von Faustregeln und Beispiele davon werden behandelt, aber wie man die Faustregeln erarbeitet und/oder feststellt wird nicht nachvollziehbar erklärt.
Zusammenfassend kann ich nur sagen, einiges Interessantes aber viel BlaBla für Personen die sich bereits teilweise mit diesem Thema beschäftigt haben.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
In diesem Buch des Direktors des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung geht es darum, wie Menschen Entscheidungen oder Urteile treffen. Es geht um die meist unbewussten Mechanismen und wie diese oft auf vereinfachten Faustregeln zurückgreifen oder eine viel geringere Informationsbasis nutzen als dies möglich wäre. Neben 'echten' und eher sachorientierten Entscheidungen geht es auch um Intuition (aber nicht um Kreativität) und moralische Urteile.

Das Buch beinhaltet eine ganze Reihe von interessanten Befunden, pfiffigen Untersuchungen, guten Überlegungen und klugen Konzepten und ist in dieser Form gewinnbringend und bietet einen erhellenden Einblick in die 'Wahrheit' menschlicher Entscheidungfindung und die Einsicht, dass vermeintlich 'irrationale' Entscheidungsfindung oft so schlecht gar nicht ist. Für diesen positiven Effekt vier Sterne.

Gestört hat mich allerdings, dass es sehr weitschweifend geschrieben ist (viele Wiederholungen und Schwurbeleien). Ein Drittel der Seiten hätte für die pure Information auch gereicht. Der Stil ist durchaus freundlich, nicht arrogant und kolloquial, aber durchaus selbstverliebt, professoral ausschweifend und distanziert und der Autor ist sich deutlich der eigenen (vermeintlichen) Bedeutung bewusst. Zudem besteht es fast nur aus Fließtext mit sehr wenig Abbildungen und Aufzählungen oder ähnlichen Textstrukturierungen (schwaches Lektorat). Dass es eine (vermutlich wörtliche) Rückübersetzung einer englischen Fassung ist, merkt man der manchmal etwas holprigen Sprache an.

Gleichzeitig hätte es pschyologisch etwas präziser und umfassender sein dürfen (dann auch wieder länger). Auf Erkenntnisse aus Sozialpsychologie, Entscheidungsfindung, Gedächtpsychologie, etc., die nicht (!) von Gigerenzer selbst stammen, wird zu wenig Bezug genommen. Der Leser erfährt über die Gedanken und Ergebnisse des Autors, nicht unbedingt über die gesamte erhältliche Wissenbasis.
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. Mai 2008
Diese Rezension erschien von mir in der Zeitschrift SKEPTIKER - Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken Heft 1/2008

Bewusst rationales Handeln ist in unserer Gesellschaft hoch angesehen. Intelligente, streng logisch entscheidende Menschen faszinieren nicht erst seit "Mr. Spock'"Viele Informationen beschaffen, diese clever analysieren, und schließlich eine optimale Entscheidung treffen, so lautet das ermeintliche Erfolgsrezept. Gefühle oder Intuition stören nur, glauben viele Menschen. Doch ist das rationale Vorgehen tatsächlich immer die bessere Alternative? Der renommierte Psychologieprofessor Gerd Gigerenzer, Direktor des Center for Adaptive Behavior and Cognition am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, hat sein neuestes Buch der Intuition gewidmet und erschüttert darin einige liebgewonnene Annahmen. Skeptikern ist er bereits durch sein Werk 'Das Einmaleins der Skepsis' (siehe Skeptiker 4/2002, S. 182f.) bekannt. Nach Gigerenzer ist 'weniger manchmal mehr', denn er glaubt, dass die Intuition (d. h. das Bauchgefühl) in manchen Situationen durchaus zu guten, wenn nicht sogar besseren Ergebnissen führt als die rationale Strategie. Diese Aussage widerspricht jedoch zwei in unserer Kultur stark verankerten Überzeugungen,
nämlich dass mehr Informationen und mehr Auswahl immer besser sind.

Bei berechenbaren Ereignissen (z. B. der nächsten Mondfinsternis) oder bei der Beurteilung der Vergangenheit sind mehr Informationen besser. Doch bei
Entscheidungen mit hohem Unsicherheitsfaktor können Bauchgefühle sehr nützlich sein. Doch was sind Bauchgefühle? Gigerenzer versteht unter dem Begriff Bauchgefühl ein Urteil, '1. das rasch im Bewusstsein auftaucht, 2. dessen tiefere Gründe uns nicht ganz bewusst sind und 3. das stark genug ist, um danach zu handeln.' (S. 25). Bauchgefühle bestehen nach Gigerenzer aus zwei wesentlichen Elementen: '1. einfacher Faustregeln, die sich 2. evolvierte Fähigkeiten des Gehirns zunutze machen' (S. 26). Besonders wichtig für den erfolgreichen Einsatz von Faustregeln (Heuristiken) sind unsere im Laufe der Evolution entwickelten Fähigkeiten, beispielsweise mit den Augen ein bewegtes Objekt zu verfolgen oder intuitiv die Wünsche anderer Menschen zu erkennen. Zeigt man Kindern die Zeichnung eines Gesichtes ('Charlie'), das von vier leckeren Süßigkeiten umgeben ist und fragt diese dann, welche Süßigkeit Charlie gerne hätte, kommen fast alle Kinder zu der richtigen Lösung. Doch wie gehen sie dabei vor? Ganz einfach, indem sie, oft auch unbewusst, kleine Hinweise nutzen. In der oben beschriebenen Abbildung sind Charlies Augen nämlich auf eine bestimmte Süßigkeit gerichtet. Die angewandte Heuristik beschreibt Gigerenzer folgendermaßen: Wenn jemand eine Alternative (länger als andere) anblickt, ist es wahrscheinlich diejenige, die er sich wünscht (S. 55).

Astrologen und Wahrsager machen sich nicht selten ebenfalls unbewusst solche Heuristiken zu Nutze. So kommen sie zur Verblüffung der Klienten zu richtigen Aussagen über ihnen unbekannte Menschen (Cold Reading, siehe auch Skeptiker 1/2007, S. 4-12).Bauchgefühle entstehen unbewusst, können aber bewusst gemacht werden. Die Suche nach Mustern macht einen wichtigen Teil der Intuition aus. Einiges davon scheint angeboren zu sein, kann aber durch kognitive Prozesse verändert werden, beispielsweise wenn das Kind der Meinung ist, Charlie will uns austricksen, indem er absichtlich auf eine Süßigkeit schaut, die er gar nicht mag. Die Intuition kommt auch im Wirtschaftsleben zum Einsatz, wo man doch eher ein rein rationales Vorgehen vermuten würde. Der Homo Oeconomicus, der sich in Entscheidungssituationen über alle Alternativen informiert, diese seinen Präferenzen entsprechend bewertet und auf dieser Grundlage die Alternative mit dem maximalen Nutzen wählt, kommt nur dann zum besten Ergebnis, wenn vollständige Informationen über die Alternativen und deren Konsequenzen vorliegen. Je mehr Alternativen zur Verfügung stehen, je mehr Aspekte zu berücksichtigen sind und je größer der Zeitdruck ist, desto deutlicher zeigen sich die Grenzen dieses Modells. Erfolgreiche Manager entscheiden oft intuitiv aufgrund der relevanten Fakten. Menschen maximieren auch nicht immer ihren Nutzen, sondern nehmen oft die erstbeste Alternative und es zeigt sich, dass sie damit gar nicht schlecht fahren. Drei Gründe sprechen Gigerenzer zufolge gegen eine rationale Nutzenoptimierung: 1. Oft ist gar nicht klar, was denn eigentlich der Nutzen ist, der optimiert werden soll. 2. Wer Kosten und Nutzen stets genau berechnen will, macht sich das Leben schwer. 3. Berechnete Entscheidungen sind häufig schlechter als intuitive. Für gute Entscheidungen in einer unsicheren Welt müssen Informationen weggelassen werden. Das steigert die Qualität. Dabei sind sowohl das rationale als auch das intuitive Denken nützliche Werkzeuge.

Gigerenzer geht in seinem Buch ferner der Frage nach, warum eigentlich unlogische Überlegungen dennoch zu sinnvollen Schlussfolgerungen führen können. Dies illustriert er anhand eines schönen Beispiels (S. 103): Linda ist einunddreißig Jahre alt, ledig, sehr intelligent und sagt offen ihre Meinung, im Hauptfach hat sie Philosophie studiert. Als Studentin hat sie sich für Fragen der Gleichberechtigung und der sozialen Gerechtigkeit engagiert, außerdem hat sie an Demonstrationen gegen Atomkraftwerke teilgenommen. Welche der beiden folgenden Alternativen ist wahrscheinlicher? 1. Linda ist Bankangestellte. 2. Linda ist Bankangestellte und in der Frauenbewegung aktiv. Wie würden Sie sich entscheiden? Die meisten Menschen wählen intuitiv die zweite Alternative. Die Psychologen Amos Tversky und Daniel Kahnemann weisen jedoch darauf hin, dass diese Entscheidung gegen die Gesetze der Logik verstößt. Denn eine Konjunktion zweier Ereignisse ist nicht wahrscheinlicher als eines von ihnen. A kann nicht weniger wahrscheinlich sein als A und B. Sind die Menschen zu dumm, dies zu erkennen? Gigerenzer erklärt die Situation anders. Die Intuition die Alternative 2 auszuwählen, baut auf folgender Faustregel auf: 'Die Informationen, die der Frage vorangestellt wurden, sind relevant. Unsere evolvierten Fähigkeiten sind nicht für Entscheidungen auf der Basis von Wahrscheinlichkeitsregeln ausgelegt. Handelt es sich nun um einen Fehlschluss oder einer intelligenten Intuition? Nach Gigerenzer besteht der Irrtum darin, dass das Wort wahrscheinlich nicht im Sinne von mathematisch wahrscheinlich zu verstehen ist.

Und in der Tat zeigten seine und andere Untersuchungen, dass solche Urteile kein Beleg für eine fehlerhafte Urteilsfindung darstellen. Einfach ausgedrückt ist es so, dass eine gute Intuition gar nicht logisch, sondern nur plausibel sein muss. Die praktische Relevanz des Themas zeigt Gigerenzer an zahlreichen Beispielen. Besonders eindrucksvoll ist das Beispiel eines Krankenhauses in Michigan. Stellen Sie sich vor, Ärzte vermuten bei einem gerade eingetroffenen Patienten mit starken Brustschmerzen einen Herzinfarkt und müssen entscheiden, ob er auf die kardiologische Intensivstation oder auf eine reguläre Station mit elektrokardiografischem Überwachungssystem gebracht werden soll. Wie treffen die Ärzte die Entscheidung? Da die Voraussage eines Herzinfarktes recht schwierig ist, orientierten sich die Ärzte an langfristige Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck etc. und verlegten ca. 90% der Patienten auf die Intensivstation. Dadurch war die Intensivstation überfüllt, die Qualität der medizinischen Versorgung sank und die Kosten stiegen. Als eine universitäre Forschungsgruppe die Qualität der ärztlichen Entscheidungen untersuchte, stellte sie fest, dass die Ärzte auf Zufallsniveau entschieden, wer auf die Intensivstation verlegt werden sollte. In einer zweiten Studie zeigte sich, dass die langfristigen Risikofaktoren, an denen sich die Ärzte orientierten, zum Zeitpunkt der Entscheidung keineswegs relevant waren. Zunächst versuchte die Forschungsgruppe, die komplexe Situation durch eine komplexe Strategie zu lösen, indem sie den Ärzten eine Tabelle mit rund fünfzig berechneten Wahrscheinlichkeiten und einer langen Formel sowie einen Taschenrechner an die Hand gab. Erfreulicherweise verbesserten sich danach die Arztentscheidungen und die Überbelegungen gingen zurück. Als die Forscher den Ärzten die Tabellen und Taschenrechner wegnahmen, erwarteten sie, dass die Entscheidungen der Ärzte wieder auf Zufallsniveau sinken würden. Zur Überraschung der Wissenschaftler blieb dies aus. Nachdem sie andere Erklärungen ausgeschlossen hatten, kamen die Forscher auf die Lösung: Die Ärzte nahmen überhaupt keine Berechnungen vor, sie hörten auf ihre Intuition, und diese verbesserte sich, nachdem sie sich die wichtigsten Faktoren eingeprägt hatten. Davon inspiriert, entwickelten Wissenschaftler einen effizienten Entscheidungsbaum, der nur eine Handvoll Ja-Nein-Fragen beinhaltet. Dies führte dazu, dass weniger Infarkte übersehen wurden und die Zahl an falschen Alarmen deutlich reduziert werden konnte. In den letzten Kapiteln beschäftigt sich Gigerenzer mit dem Thema Moralität und soziale Instinkte. Auch hier sieht er als Grundlage die evolvierte und somit genetisch bestimmte Fähigkeit zur Anwendung von Faustregeln, etwa: Wenn es eine Vorgabe gibt, weiche nicht von ihr ab.

Am schönen Beispiel der Organspende zeigt er die Wirksamkeit dieser Regel. Anders als in Deutschland muss man in Frankreich explizit erklären, wenn man nicht als Organspender zur Verfügung steht. Deshalb liegt dort die Quote der potenziellen Spender bei 99,9 % , während sie in Deutschland nur 12 % beträgt. Dieses ein moralisch sinnvolle Verhalten der Franzosen hat nichts mit Religion oder menschlicher Güte zu tun, sondern vielmehr mit einem genetisch bedingten Moralkompass. Das Buch beinhaltet noch zahlreiche weitere Themen, die ebenfalls ein wahres Lesevergnügen darstellen. Insgesamt überzeugt es durch seine interdisziplinäre und spannende Beschäftigung mit dieser bis dato schwer zu greifenden Materie. Wer die Intuition noch immer für einen unzuverlässigen Ratgeber hält, dürfte nach der Lektüre seine Position überdenken. Oder er spürt intuitiv, dass sie nicht mehr haltbar ist.
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