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Kundenrezensionen

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am 4. August 2006
Bin in der EVU-Branche als Experte (soll heißen Sachbearbeiter) tätig und von Beratern verfolgt. Gleich vorab: Habe viele Dinge im Buch wiedererkannt. Die Beratungsprojekte die ich begleiten musste, hatten ausnahmslos die gleiche Charakteristik: Zeitgeist-Powerpoint-Folien, Berater in dunklen Anzügen mit sicherem Auftreten aber ohne Fachkenntnis, nach Abschluss der Beratung entweder keine Umsetzung der empfohlenen Massnahmen oder noch schlimmer in seltenen Fällen: Umgesetzte Beratungsprojekte mit katastrophalen Auswirkungen die dann wieder zurückgefahren werden mussten. Habe diese Dinge auch in diesem Buch gefunden.

Mein Hauptkritikpunkt: Das Buch sollte besser "der Bluff der GROSSEN Unternehmensberater" heissen, weil es wirklich sehr viele kleine spezialisierte Beratungsunternehmen gibt, die wirklich noch Fachkennnisse haben. Diese sollte man nicht alle über einen Kamm scheren!
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am 17. Oktober 2013
Die Idee so ein Buch zu schreiben halte ich für vollkommen richtig. Große Unternehmensberatungsfirmen rekrutieren junge beruflich unerfahrene Studienabgänger, damit diese das Blendwerk erlernen, das notwendig ist um den Kunden für hunderttausende von Euro Beratungen aufzuschwatzen, die die Kunden meist sowiso nicht umsetzen und alles beim Alten belassen.

So verdienen die erfolgreichen Berater pro Tag mehrere Tausend Euro damit, Massenentlassungen zu empfehlen oder andere Maßnahmen vorzuschlagen, ohne jemals die Folgen verantworten zu müssen.
Unternehmensberater sind schweigsamer als Geheimdienste und ihre Machenschaften und Fehler werden der Öffentlichkeit verschwiegen. Private Unternehmer lassen sich darauf ein und wollen ihr Tun legitimieren lassen, weil sie Ihr Gewissen beruhigt sehen wollen, wenn es um gravierende Entscheidungen geht.

Beim größten Beratungsunternehmen McKinsey heißt es, entweder regelmäßig aufzusteigen oder rausgeschmissen zu werden. Eine Insiderin schätzt, daß 90 % aller McKinsey-Mitarbeiter CDU wählen würden. McKinsey berät aber auch Arbeitsämter und Gewerkschaften.
Z.B. drängt McKinsey darauf, ältere Mitarbeiter aus der Beschäftigung heraus zu drängen.

Daß das Beratungsunternehmen Roland Berger um 2004 die niedersächsische SPD für Tagesgagen von 3500 Euro in Millionenhöhe beraten hat, wurde auch vom späteren Ministerpräsidenten Wulf kritisiert.

Meine schlechte Meinung über Unternehmensberater, die sich auf Erzählungen ehemaliger Kollegen stützt, hat sich mit diesem Buch verfestigt. Richtig empören kann das Buch aber nur bei sozialdemokratisch eingestellten Lesern. Der typische CDU-Wähler fragt sich: Was außer hohen Gagen für beruflich unerfahrene Berater ist außerdem noch verwerflich?
Man hätte also das Buch auch etwas kürzer schreiben können.
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am 14. Januar 2007
Wer (wie ich) die Beraterbranche als Insider kennengelernt hat und nach viel zu langer Zeit eines Tages spontan ausgestiegen ist, weil einem diese sprachliche Großkotzerei, dieses perfektionierte Halbwissen, diese powerpointierte Klugscheißerei den Charakter bereits so verbogen haben, dass man von (meist ehemaligen) Freunden nicht mehr erkannt wird, fühlt sich von diesem Buch natürlich bestätigt.

Bestätigt fühlen sich auch alle, die als Mitarbeiter beratener Unternehmen mit diesen mittzwanzigjährigen Klonen zu tun haben, die zu zweit mit Laptops und Notizblock durch die Unternehmen rauschen, sich wichtig geben und doch nur banale Fragen stellen, aus denen dann kluge (vorgefertigte und immer gleiche) Sprüche zusammen mit gebeamten Folien mit bunten Grafiken und unverständlichen Tabellen resultieren.

Thomas Leif hat natürlich recht mit allem, was er schreibt. Auch die Recruitingevents sind treffen und richtig beschrieben. Und doch fehlt die Objektivität. Ich würde sogar noch weiter gehen und dieses Buch als einseitig negativ und wertend bezeichnen. Das ist gewollt, klar. Aber das kennen wir alles schon. Ich will mehr, einen Insiderbericht, der Bericht ist und keine Polemik. Eine launig erzählte Analyse, die aber bitte auch das Positive beschreibt. Denn das gibt es, darin sind sich auch die Ehemaligen einig.
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am 8. November 2014
Jeder, der sich kopfschüttelnd wundert, welche Unternehmensberatungen er schon erleben durfte und welche trotz Mißerfolg weiterhin beauftragt werden, dem werden hier humorvoll ( wenngleich der Humor oft bitter ist ), die Augen geöffnet. Ein Buch, dass man wie einen guten Roman locker liest und ihn nur ungern weglegen möchte. Die "Geheimnisse", um den uniformierten Einheitslook, das Auftreten und die zelebrierte Wirkung auf andere werden gelüftet und verlieren augenblicklich das Mystische ;))

Bei jedem Berater, den sie treffen, werden sie an das Buch denken und kopfschütteln sehen, welches Spiel hier gespielt wird. Ich habe das Buch schon anderen empfohlen, die nun die Berater sehen, wie sie wirklich sind. Cool wirkende Berater beeindrucken mich nun nicht mehr . VOLLE PUNKTZAHL - ein Buch, das ihr Leben bereichert.
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am 24. Mai 2016
Dieses Buch ist einfach gut! Da werden die Machenschaften mal richtig aufgedeckt und Firmen, die sowieso schon kurz vor der Insolvenz stehen, werden noch richtig abgezockt. So selbst erlebt in der Firma, in der ich gearbeitet habe. Gebracht hat es nichts, außer noch mehr Schulden. Jeder Verantwortliche in den Firmen sollte dieses Buch erst lesen, bevor er sich diese Beraterfirma ins Haus holt!
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am 1. August 2010
... seit der Journalist Dr. Leif (nicht nur) dieses "Beratungs"-Unternehmen kritisch analysiert hat. Was in der Branche zwar schon vielen bekannt war - daß die Vorgehensweise von McKinsey im Normalfall auch vom Kapitalstandpunkt mehr schadet als nützt -, beweist der Autor. Und das nicht nur in seiner Journalisten-, sondern auch seiner Wissenschaftler-Rolle: Die Thesen sind nach allen Regeln der Kunst mit Quellen belegt!
Die journalistische Seite wird noch brisanter durch einen Beitrag der "undercover" bei McKinsey "rekrutierten" Autorin Julia Friedrichs, die eine sanfte Gehirnwäsche eher durch Bestechung als durch Erpressung der Kandidaten beschreibt.
Trotz des etwas reißerischen Untertitels "... der große Bluff der Unternehmensberater" differenziert Leif durchaus zwischen unterschiedlichen unter den Branchenführern, abgerundet auch durch Interviews mit teils namentlich genannten, teils anonym bleibenden Insidern aus dem Consulting.
Eigentümlich, daß anscheinend die Preisbindung der gebundenen Ausgabe mittlerweile wegfiel - da heißt es: Sichern Sie sich dieses Wissen, bevor es in den modernen Antiquariaten landet (und damit schwerer zugänglich wird).
Ich habe jedenfalls Leifs Werk als 1 von 3 Büchern auf die Literaturliste des Seminars "Unternehmensberatung" in (kleine "Schleichwerbung" wird wohl gestattet sein) unserem KMU-Master gesetzt.
Prof. Dr. rer. pol. Harald Wilde, FH Stralsund
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a) Gekauft habe ich "Beraten und Verkauft" weil ich eines der (betroffenen) Menschlein bin, die in einem großen deutschen mittelständischen Unternehmen arbeiten, das, damals als ich das Buch gekauft hatte BERATEN wurde und nun, einige Monde später grad zum dritten Mal BERATEN wird.
Erwähnenswert ist vielleicht noch: Das Unternehmen wurde vor fünf Jahren aus Familienhänden an eine amerikanische Fond-Gesellschaft verkauft und einige Jahre danach an eine neue "private equity"- Gesellschaft weitergereicht. Letztgenannte arbeitet wohl mit dem Beratungsunternehmen zusammen, das in der "Top 25 Managementberatungs-Unternehmen in Deutschland"-Liste (Seite 26) auf Platz neun liegt.
Ich kenn mich also einigemaßen aus, mit den gut gekleideten, distinguiert aussehenden, fleißigen, belaptopten jungen Männern, die in unserem Haus sich die Klinke in die Hand gaben. Außerdem mit "Interviews", best-practice und sonstigen Kostenreduzierenden Maßnahmen. Es rollten Köpfe ... und sie werden es wieder. Ob irgendwo am Balkan und in China sich Menschen über neue Arbeitsplätze - weiß ich nicht genau.
- Mein Interesse an Leifs Buch war entsprechend groß.

b) Was ich von "Beraten und Verkauft" erwartet habe, hat sich in einigen Punkten einerseits bestätigt, regt mich entsprechend auf und ÄNDERT ZUNÄCHST AN NICHTS ETWAS.

Andererseits habe ich aus dem Buch durchaus eine Lehre gezogen: Es ist dämlich die "Beraterbranche" an sich schlecht zu machen, denn Berater werden nun einmal von ohnmächtigen Managern bzw. Politikern engagiert um etwas zu ändern, und sei es eben nur die Rendite. In vielen Fällen tut die Sache leider wirklich Not. In vielen Fällen geht vielleicht nur über die Berater-Schiene, weil NUR NOCH die Berater das Potential haben ein MACHTWORT zu sprechen. Die Unternehmensinhaber (oder Politiker, Ministerien) sind in vielen Fällen nämlich machtlos, was die gewachsene (schier unentfilzbare) Bürokratie betrifft. In Politik, wie Privatwirtschaft sind doppelte und dreifache Führungsebenen, Doppelfunktionen und sonst wie gewachsene Strukturen entstanden, die niemand mehr aufzulösen vermag. - Genau auf solche verfilzten Strukturen spricht der Autor an.

Das Problem an den Beratungsorgien ist aus meiner bescheidenen Sicht aber: Anstatt die human ressources (es gibt so doll viele Anglizismen, dass man als normaler Techniker nur noch mit dem Kopp schüttelt) für den Erhalt der Qualität der Produkte zu nutzen, sind alle damit beschäftigt munter Excel-Tabellen zu pflegen um Einsparpotentiale zu berechnen. Anstatt sich mich Innovation / Neuentwicklung zu beschäftigen werden Konstrukteure genötigt an vorhandenen Produkten Einsparpotentiale zu finden.
Es wird viel Zeit vergeudet, in der ich mir Gedanken hätte machen können etwas Neues zu konstruieren/ entwickeln und voranzutreiben um es in Zukunft auch noch vor Ort zu produzieren - um meine Leute" weiter beschäftigen zu können um neue Infrastrukturen zu schaffen und damit noch weitere Arbeitsplätze zu schaffen!

Aber dort setzen Berater - in den Fällen die mir bekannt sind - leider nicht an, bzw. die erarbeiteten Konzepte (siehe Agentur für Arbeit) werden schließlich nicht umgesetzt, sind von vornherein nicht umsetzbar gewesen. Man setzt dort an, wo's am einfachsten scheint und verlagert Arbeitsplätze, anstatt kostbare Zeit zu nutzen sich mit Innovation zu beschäftigen.
Genbau das schreibt Thomas Leif auch. Freilich drischt er damit auf die Berater ein, aber dabei kommen Deutsche Manager, Großkonzerne und Bemtenstrukturen auch nicht gut weg!

c) Spaß hat das Lesen von "Bearten und Verkauft" nun wahrlich nicht gemacht. Die vielen Zahlen und Statistiken kann ich freilich weder infrage stellen, noch bestätigen - nur zu Kenntnis nehmen. Wie Beraterunternehmen funktionieren wollte ich ohnehin nicht so genau wissen und ob man es mit seiner Ethik vereinen kann einen Job zu haben, bei dem man Arbeitsplätze kaputt macht? Das muss jeder für sich entscheiden. Der Erfahrungsbericht von Julia Friedrichs (Seite 96ff) "Recruiting bei McKindesy" amüsant, und liest sich erfrischend, nach all den trockenen Fakten - aber - sonst auch nix.

Erhellend war einzig und allein diese Art Fazit am Ende des Buches: "10 zusammenfassende Thesen zum Beratermarkt". Hierin steckt das meines Erachtens wichtigste Potential des Buches: Die Berater von dem sagenumwobenen Thron ihrer mystischen Macht zu entheben.
Das war ein heißes Thema, lieber Herr Leif, aber g'nutzt hat's nix. - Schade.
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am 14. April 2013
In Deutschland stehen sie an ICE-Bahnsteigen, auf dem Flughafen oder holen sich ein Leihwagen ab, um zu einer Firma zu fahren, bei der sie nur ein Zwischenspiel einlegen: Die Berater - eine abgeschirmte, intransparente und elitäre Gruppe. Hier kommt die CDU locker auf 60 und die FDP auf mindestens 25 Prozent: Berater wählen neoliberale, bürgerliche Parteien und zählen sich zu einem elitären Zirkel. Trotzdem zieht das Treiben und Wirken der Berater eine Blutspur nach sich: Entlassene, geschloßene Betriebe, gescheiterte Turn-Arounds (Abwendung der Zahlungsunfähigkeit), kaputte, ausgebrannte Ex-Berater und eine Megaruine namens Hartz-IV. Das Sündenregister der Berater ist lang und die sozialen Folgekosten sind gewaltig. Wie bei guten Wirtschaftsmenschen bergen deren Taten aber noch gewaltige Wachstumschancen: Nach Hartz-IV, Zeit- und Leiharbeit, Job-Floater und Aufstockung kommt die Rentenarmut der Niedrigverdiener.

Das Schöne an diesen Misständen ist, dass sie sogar noch weiteren Beratungsbedarf schaffen: Die Berater mögen für viele Arbeitslose sorgen, sie selbst werden dieses Schicksal meist nicht erreichen, es sei denn sie brennen runter und schaffen beim 'up or out' weder das Eine, noch das andere, dann sind sie allerdings fertig. Wie beknackt die Berater-Welt ist und wie wenig intellektuelles Niveau wirklich hinter dem Schwarz der Berateranzüge steckt, deckt dieses Buch zum Teil sehr pointiert auf. Am Besten ist allerdings das Thomas Leif Berater interviewt und damit unfreiwillig dafür sorgt, dass diese Leute ihre Unfähigkeit so dick kommunizieren, dass man aus dem Staunen nicht rauskommt.

Die Berater können mit der Normalwelt wenig anfangen. Zwar geben sie unisono zu, dass sie wohl am meisten nur altbekannte Informationen bündeln, auswerten, vereinfachen und zunächst dem 'Kunden' wieder unter die Nase halten, dennoch wollen die (interviewten) Berater einfach nicht wahrhaben, dass ihre Profession nur von der Angst der Kunden lebt. Das Management hat vielfach nicht den Mut, Entscheidungen wirklich so zu vertreten, wie sie manchmal sind: Es müssen Strukturen aufgelöst, Menschen entlassen werden. Damit die Manager sich die Hände nicht schmutzig machen müssen, holen sie sich die Expertise der Berater. Die wissen sogar, dass sie nur die Hilfstruppe des Management sind und dennoch berichten sie voller stolz, wie toll der Job doch war und ist. Ihr Denken ist dabei von einer mittleren Reichweite geprägt. Das bedeutet, dass es eine übergeordnete Werte- und Philosophieordnung bei ihnen gar nicht gibt. Dass die entlassenen Mitarbeiter der Allgemeinheit Kosten bescheren, dass viele Unternehmen ihr Humankapital schneller verschrotten, als sie neues überhaupt aufbauen oder erwerben können, ist schwere Kost für die Berater, denn sie wollen nicht beraten, sondern sie wollen vor allem Aufträge. Und je dämlicher sich der Kunde verhält, desto stärker gerät er in die Abhängigkeit von seinen Clowns im schwarzen Anzug. Zwar sind die meist lebensunerfahren, unter 30 Jahren und aus den oberen Schichten der Gesellschaft, aber vom Schneid, Auftreten, Anspruch und dem Notendurchschnitt sind sie toll.

Dass die Kunden fast nie koscher (halal) oder was auch immer sind, ist den Beratern zwar nicht verborgen geblieben, aber sie spielen mit und sie funktionieren. Dass sie interne Zwänge erster Güte haben, verschweigen die Leute in den Interviews nicht. Einer berichtet vom Druck der bei McKinsey herrscht und der auch noch bleibt, wenn die Berater längst beim Kunden gelandet sind, wenn sie gar nicht mehr bei dieser Firma arbeiten. Dann gibt es immer noch den Zwang, Beratungsleistungen einzukaufen und zwar beim alten Arbeitgeber. Denn, wer aus dem Club ein Mal rausfliegt, der kann schnell Probleme bekommen, schließlich nimmt die Verweildauer in den Vorständen kontinuierlich ab. Dass die Verweildauer von Arbeitnehmern in den Betrieben ebenfalls drastisch sinkt, dafür sorgen die Berater, wenn sie die schmutzige Wäsche der Vorstände mit ihrer 'Expertise' untermauern.

Dass selbst Gewerkschaften auf die Werbung und den Mythos Beratung hereinfallen oder hereingefallen sind, das verschweigt Leif nicht. Nur hat der Turn-Around beim DGB wohl nicht geklappt. Dass die Gewerkschaften nach dem Weltbild der Berater abgeschafft gehören, hatte man wohl im Gewerkschaftsvorstand vergeßen. Lange hielt die Verdrängung aber nicht, denn Gerhard Schröder buchte die 'Berater' für die Hartz-Reformen und schuff das Megaauftragsvolumen für sie. Dass Hartz-IV ein Erfolg ist, glauben auch heute noch manche Menschen, viel spricht dafür, dass es ein extrem teurer Flop geworden ist. Aber selbst wenn die eine oder die andere Variante stimmt, für die Berater gibt's noch viel zu tun, denn Beratung baut auf Lernunfähigkeit bei Entscheidern und diese Krankheit verbreitet sich schneller als die Pest im Mittelalter.

Schade an dem Buch ist, dass Thomas Leif keinen zusammenhängenden Text produziert hat. Sein größter Verdienst besteht darin, dass er die 'Berater' zum Sprechen gebracht hat. Deren Perspektive, Selbstverständnis und logisches Denken schockiert durch seine Schlichtheit und seine gelernte Vorgehensweisheit. Beratungsunternehmen vernichten wahrscheinlich einen großen Teil der schlausten Menschen, die unsere Universitäten verlassen - nur, diese Menschen merken es irgendwann nicht mehr. Das bringt mich zum letzten Gedanken: Das Buch zeigt dem Leser, dass Berater nie die sozialen und wirtschaftlichen Gesamtkosten ihres Handelns betrachten. Bei den Beratern ist die Welt Klein-Klein, egal ob es um Millionen Arbeitslose, Automobilkonzerne oder einen kleinen Maschinenbaufabrikanten geht. Alles ist gleich und für alles gibt's einen Fundus an Arbeitsweisen und Rezepturen, die zwar regelmäßig scheitern, aber dennoch immer wieder angewendet werden. dass es schon einige ausgebrannte, gescheiterte Berater gab und gibt, das will niemand hören oder lesen, der momentan 10 bis 14 Stunden an Werkstagen als Berater arbeitet, denn Berater sind per se käuflich.

Welcher Akademiker fängt heute noch mit 40 bis 60.000 EURO seinen Job an? Praktisch gibt es das gar nicht. Und dort, wo es solche Gehälter gibt, da wird auch mehr als Leistung, Ausbildung und Engagement gekauft - hier verkaufen ein paar Akademiker ihre Seele. Das müssen sie auch, denn unsere Eltern haben uns meist nicht beigebracht, dass es toll ist, Menschen zu entlassen, Know-how zu vernichten oder unfähigen 'Nieten in Nadelstreifen' ihre Arbeit abzunehmen. Eine gewisse Brutalität, Dreistheit und starre Hierarchie gehört zu dieser Zunft, die das Alles komplett verneinen würde. Klar: Wenn ich Menschen mit Arbeit so runterbrenne und mit so viel Geld kaufe, dann erschaffe ich eine eigene bizarre Welt mit eigenen Regeln. Die Welt der Berater gleicht dem Rotlichtmilie, der Mafia oder der Perspektive Bürgerkriegsmilizionäre: Es ist ein Schlachtfeld ohne erkennbare Regeln, aber voller Profite und Tote. Hier muss jeder so viel absahnen, wie er kann, denn 'up or out' - er selber ist genauso eine vergängliche Ressource, wie die eben entlassenen Fachkräfte bei der Firma, die den Berater buchte. Dass 99 Prozent der Leichen, Flops, Insolvenzen, Selbstmorde und Depressionen nie an die Öffentlichkeit gelangen, liegt an der Verschwiegenheit der Branche. Die Omertá der Berater ist krisensicherer als die in Palermo. Auch dieses Buch kann nur kleine Spitzen einfangen, zeigt aber was die Branche antreibt (Aufträge, Geld).
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am 31. Oktober 2013
Das Buch ist etwas langatmig geschrieben, aber dennoch gut. Die Machenschaften der Beraterbranche von Roland Berger, McKinsey & Co werden sehr detailliert beschrieben. Interviews mit Beratern runden das Bild ab.
Es bleibt der schale Beigschmack, daß die Beraterindustrie uns für teures Geld im besten Fall Potemkinsche Dörfer verkauft und im schlechtesten Fall internes Wissen aus einem Unternehmen an ein anderes als best practice weiterverkauft.
Außerdem bilden Berater, hat man sie einmal im Unternehmen, Seilschaften und holen ihresgleichen entweder als Festangestellte oder Berater ins Haus. Das ganze hat teilweise schon sektenähnlichen Charakter.
Mich hat das Buch nur darin bestätigt, dass Berater der großen Unternehmensberatungen Blender sind und man sie niemals in die Firma lassen sollte. Kleine Beratungsfirmen, Freelancer und Einzelkämpfer sind da wohl besser.
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am 27. Mai 2006
Verweigerte Interviews, anonyme Insiderberichte, etc.: Nicht nur die Roland Bergers, McKinseys und BCGs, auch Autor Thomas Leif versteht es verkaufsfördernde Aufmerksamkeit zu schüren. Wie bei den Beratern stellt sich auch bei diesem Buch die Frage: Wie viel ist dahinter? Ich komme zum Ergebnis dieses Buch ist außerordentlich gut gelungen und gibt fundierten Einblick in das Wesen und die Webart des Beratungsgeschäfts. Gelungen ist es gerade deshalb, weil nicht standardisiert auf Berater geschimpft wird, sonder durch eine Vielzahl von gut dokumentierten Quellen und Befragungen ein sehr gut strukturiertes und differenziertes Bild entsteht. Insbesondere die wiedergegebenen Interviews zeigen deutlich, dass es auch bei den Beratern solche und solche gibt. Sie zeigen, dass auch Berater in Kategorien von Moral und Ethik denken können.
Was das Buch darüber hinaus noch herausstellt ist die Beleuchtung der Auftraggeberseite. Das an vielen Stellen verschwendete Geld wird ja von Auftraggebern in Wirtschaft und Politik mehr als großzügig bereitgestellt. Der Erkenntnis dienend sind hierbei die Aussagen von echten Fachleuten mit Durchblick sowohl auf der Auftragnehmer- als auch auf der Auftraggeberseite: Die Verschwendungen begründen sich in der Regel durch fehlende Führungskultur, unternehmerische Feigheit und mangelndem politischem Rückgrat. Wirklich gut geführte Unternehmen und Organisationen ziehen nur vorübergehend und für klar umrissene Aufgaben Berater heran. Je schlechter die Führungsqualität desto größer der Zoo an Berater-Domestiken. Vor dem Hintergrund der Klage über leere öffentliche Kassen ist die ausführliche Auflistung der unzähligen gescheiterten Beratungsprojekte im öffentlichen Bereich der vergangenen Jahre ein weiterer Höhepunkt des Buches. Von der LKW-Maut über die Bundeswehr bis zur Bundesanstalt für Arbeit wird eine grandiose Geldverschwendung dokumentiert, die den Eindruck erweckt Inkompetenz sei zwischenzeitlich zur deutsche Staatsreligion erhoben geworden.
Lobenswert kritisch wird auch mit der Rolle der Journalisten in diesem Zusammenhang umgegangen: Statt solide zu recherchieren und aufzudecken, werden allzu häufig die richtigen Freundschaften gepflegt.
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