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am 4. Dezember 2004
Erneut hat Samuel Huntington ein Skandalbuch geschrieben. Diesmal ist sein Thema der ethnische Zerfall Amerikas. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte, so Huntington, scheinen die Vereinigten Staaten ihre Einwanderer nicht mehr integrieren zu können.

Zwei Annahmen liegen Huntingtons Überlegungen zugrunde:
Die erste besteht in der grundlegenden Bedeutung der nationalen Identität für den Zusammenhalt moderner Staaten. Fehle eine solche Basis, könnten Konflikte zwischen Interessengruppen leicht zur Auflösung eines Gemeinwesens führen.

Huntingtons zweite Voraussetzung betrifft die inhaltliche Bestimmung der Nationalidentität: Hier erscheint ihm eine starke kulturelle Komponente unentbehrlich. Ein reiner "Verfassungspatriotismus" reiche nicht aus. Dieses bei Intellektuellen beliebte Konstrukt lasse die Mehrheit der Bevölkerung gleichgültig und könne keine ausreichende Integrationskraft mobilisieren.

Im Falle der Vereinigten Staaten bestünde das kulturelle Bindemittel aus der englischen Sprache, einem sehr einflußreichen, protestantisch geprägten Christentum (selbst die katholische Kirche habe sich in Amerika "protestantisiert"), britischen Vorstellungen von Rechtsstaatlichkeit, einem ausgeprägtem Individualismus, einer hochentwickelten Arbeitsethik, sowie der klassischen europäischen Kunst, Literatur, Philosophie und Musik.

Die weitverbreitete Vorstellung von Amerika als dem "Schmelztiegel der Völker", der alle Zutaten in gleicher Weise auflöse und durchmische, sei falsch. In Wirklichkeit habe sich das Land aus einer angelsächsisch-protestantischen Siedlungskolonie entwickelt, deren Kultur von späteren Einwanderern im Kern übernommen worden sei. Die Erfolgsgeschichte der Immigration in die Vereinigten Staaten beruhe darauf, daß die meisten Neuankömmlinge bislang bereit gewesen seien, sich spätestens in der dritten Generation kulturell zu "amerikanisieren". Die Immigranten seien also weitaus stärker von Amerika geprägt worden, als Amerika von ihnen. Zur Illustrierung dieses Vorganges schlägt Huntington das Bild einer Tomatensuppe vor, die man mit neuen Zutaten geschmacklich verfeinern könne, ohne dabei ihren Grundcharakter zu ändern.

Gegenwärtig sei dieses Integrationsmodell durch mehrere Entwicklungen gefährdet. Neben der wichtigsten, dem massiven Einwandererstrom aus Mexiko (erstmals stammt der größte Teil der Immigranten aus einem einzigen Land, mußte nicht alle Brücken hinter sich abbrechen, wohnt im Grenzgebiet der früheren Heimat, betrachtet seinen neuen Aufenthaltsort als von Mexiko geraubtes Territorium, ist zur Assimilation nicht willig und auch nicht gezwungen, da die mexikanischen Gemeinden groß genug sind, um ihre Sprache und Traditionen dauerhaft zu konservieren), führt Huntington die Denationalisierung der amerikanischen Eliten, sowie den abnehmenden öffentlichen Anpassungsdruck auf Einwanderer an. Dadurch verwandele sich Amerika aus einem Land mit hoher Immigration und hoher Assimilation in ein Land mit hoher Immigration ohne Assimilation.

Für die Zukunft sieht Huntington fünf verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten:
1) den "verfassungspatriotischen" Weg, der wahrscheinlich zur inneren Auflösung des Landes führe,
2) die Spaltung der Gesellschaft in zwei große kulturelle Lager: Ein anglo-amerikanisches und ein hispanisches,
3) die Rückkehr zu einer auf ethnische Abgrenzung setzenden Dominanz des weißen Bevölkerungsteils,
4) die erneute Bekräftigung der anglo-protestantischen Nationalkultur Amerikas und deren Übernahme durch Immigranten als Grundlage erfolgreicher Integration, oder
5) eine Kombination dieser vier Möglichkeiten.

Hier endet der Gedankengang des Buches. Eine Gewichtung der vorgestellten Alternativen nimmt Huntington nicht vor, er unternimmt keinen Versuch, das für die Vereinigten Staaten wahrscheinlichste Zukunftsszenario zu zeichnen und entwickelt auch keine Strategie, die es den Verantwortlichen ermöglichen könnte, auf die Ereignisse Einfluß zu nehmen. So hinterläßt die Abhandlung beim Leser einen unbefriedigenden und unabgeschlossenen Eindruck.

Verglichen mit Huntingtons letzter großer Veröffentlichung über den Zusammenprall der Kulturen ist sie mit ihrem ausschließlichem Fokus auf die USA auch geographisch beschränkt. Dies ist umso bedauerlicher, als die europäischen Gesellschaften infolge der starken Einwanderung aus muslimischen Ländern vor noch größeren Identitäts- und Integrationsproblemen stehen als ihr westlicher Bündnispartner. Eine erweiterte, Europa einschließende Betrachtungsweise hätte die Studie für Leser außerhalb der Vereinigten Staaten interessanter gemacht, und die Gegenüberstellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden auf beiden Kontinenten zu ihrer inhaltlichen Vertiefung beigetragen.

Der Wert von Huntingtons Analyse des amerikanischen Integrationsmodells wird dadurch jedoch in keiner Weise beeinträchtigt. Huntington ist es gelungen, Voraussetzungen und Geschichte dieses Modells glänzend herauszuarbeiten, und auf Entwicklungen aufmerksam zu machen, welche sein künftiges Scheitern denkbar erscheinen lassen. Trifft seine Diagnose zu, dürften nicht allein die Vereinigten Staaten, sondern auch Europa in den nächsten Jahrzehnten existentiellen Herausforderungen ausgesetzt sein.
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am 15. November 2004
Wie auch schon bei seinem Weltbestseller "Kampf der Kulturen" erforscht Samule P. Huntington einen Sachverhalt in seltener Detailschärfe und mit hohem intellektuellen Anspruch.
Sicherlich wird auch dieses Werk des renomierten Harvard-Professors wieder für kontroverse internationale Diskussionen sorgen, aber genau darum geht es.

Huntington schreibt über die Identitätsfindung des amerikanischen Volkes in Bezug auf seine traditionellen Ursprungsreligionen.
Getreu dem Motto "Nur wer weiss, woher er kommt, weiss, wohin er geht." zeigt er Amerikas geistige und geistliche Anfänge, fordert ein Bekennen dazu ein und deckt eklatante Missstände in jener Gesellschaft gnadenlos und mit spitzer Feder auf.

Aber nicht nur für US-Amerikaner ein Leckerbissen, sondern auch für Europäer, welche sich im Zeitalter der Globalisierung, der Islamisierung und des internationalen Terrorismus auf bis dato nie da gewesene Art und Weise mit ihren eigenen Anfängen und Werten auseinandersetzen müssen.

Huntington ist wieder einmal großartiger Visionär und Vordenker.
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am 27. Januar 2006
Es gibt wohl kaum in Werk von Samuel P. Huntington, das nicht für eine lang andauernde Kontroverse sorgt. Vielleicht liegt es bereits an dem leicht provokanten Titel "Who are we?", der - folgt man der Argumentation von Huntington - vielleicht besser hätte "Who would we like to be?" lauten müssen, wobei man das Wort "WE" gewaltig hinterfragen müßte. Huntington unterläßt dies. WE - das sind weiße Englisch sprechende US-Bürger, wobei Hispanics bei Huntington nicht weiß sind.
Huntington behauptet, dass Menschen generell nach der Suche einer nationalen Identität sind. Für ihn ist diese Suche eine Art anthropologische Konstante. So behauptet er: " Fast überall wird von Menschen hinterfragt, neu überdacht und neue definiert, was sie mit anderen gemeinsam haben und was sie von anderen unterscheidet. Wer sind wir? Wohin gehören wir? Das sind die Fragen" (S. 29) - Es fehlen bei Huntington Belege dafür, ob Menschen sich überhaupt generell diese Fragen stellen, und es bleibt offen, welche Antworten sie suchen. Stattdessen gibt Huntintgon einfache Erklärungsmuster, wie z. B. "Die Menschen identifizieren sich mit denen, die ihnen am ähnlichsten sind und denen sie sich durch die gleiche Ethnizität ode Religion, durch gemeinsame Traditionen, einen gemeinsamen Abstammungsmythos (was immer das ist!) und eine gemeinsame Geschichte verbunden fühlen." (S. 30). - Der Leser mag das glauben oder nicht. Von einer wissenschaftlichen Argumentation sind diese Aussagen weit entfernt.
Zur Klärung der Identitätsproblematik geht Huntington in die Gründungsgeschichte der USA zurück. Die "wahren" Gründer sind für ihn die Siedler, die er von den Immigranten scharf abgegrenzt wissen will. Dass Siedler letztlich auch Immigranten sind, bedarf keiner weiteren historischen Begründung. - Bei allen Schwierigkeiten im Umgang mit dem 'Begriff "amerikanische Identität" bleiben einige Elemente, die Huntington beschreibt, durchaus nachvollziehbar. Dazu gehören seine (nicht neuen) Aussagen zur anglo-protestantischen Kultur, zum amerikanischen Arbeitsethos und zur Bedeutung der Religion. Hier findet der Leser etwas, was man bei allen Vorbehalten als "typisch amerikanisch" charakterisieren könnte. Schwer nachvollziehbar sind die von Huntington wahrgenommenen "Angriffe auf die amerikanische Identität". Im klassischen Einwanderungsland USA gehen laut Huntington die "Angriffe" von den Einwanderern aus. Hispanisierung fordert angeblich die anglo-amerikanische Kultur heraus und treibt sie in die Defensive. Huntington hält hier an Dogmen fest und kann deshalb den Wandel der US-amerikanischen Gesellschaft durch Einwanderung nicht einordnen. "Es gibt nur einen amerikanischen Traum, den die angloprotestatische Gesellschaft geschaffen hat."
" (S. 325) Hier entgeht Huntington völlig, dass es sich bei der hispanischen Einwanderung letztlich um europäische Einwanderung handelt, denn anlglo-protestantische und hispanische Kultur haben beide ihre Wurzeln in Europa. Das Herausarbeiten dieser Gemeinsamkeiten hätte vermutlich meh zur Antwort auf die Frage "Who are we?" beigetragen.
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am 18. Oktober 2004
Der konservative Politologe Samuel P. Huntington hat es vor einigen Jahren mit seinem „Kampf der Kulturen/The clash of civilizations" auch in Europa zu Bestsellerehren gebracht. Vor allem nach dem 09/11 erreichte dieses Buch etliche Neuauflagen, da es nichts weniger zu versprechen schien, als die Antwort auf das Mirakel des Twintower-Anschlages bereits gelöst zu haben. Dass dem nicht so war und dieses Buch einem gar nicht so verdeckten Rassismus das Wort sprach, wurde seinerzeit in vielerlei Kommentaren angemerkt. Das jetzige Buch beschäftigt sich nunmehr nicht mit der Welt, sondern mit dem amerikanischen Ego, mit der Suche nach dem, was der Autor unter amerikanischer Identität versteht. Kurz gesagt: Für ihn sind es die Angehörigen der angelsächsischen protestantischen Kultur, welche mit Amerika gleichzusetzen sind. Alle anderen Einwanderer haben sich diesem Modell angepasst oder sich anzupassen. Dass dies keineswegs der historischen Realität entspricht, da die Beiträge osteuropäischer, asiatischer, jüdischer, lateinamerikanischer und afrikanische Einwanderer auf vielfältige Weise die heutige ebenso vielfältige Kultur der USA prägten und prägen, entgeht einem Autor, der dieses Buch „als Patriot und Wissenschafter" geschrieben hat und darauf hinweist, dass ihm der Patriotismus über die Wissenschaft ginge. War in seinem „Clash" der Hauptfeind „des Westens" der Islam, so sind es an der Heimatfront die Latinoamerikaner, vor allem die Mexikaner, deren Massenhaftigkeit Huntington fürchten läßt, dass seine amerikanische Identität bald perdu sei. Daher werden sie wegen angeblich mangelnder Loyalität und fehlendem Anpassungswillen zur nationalen Gefahr im heutigen Amerika hochstilisiert. Wie auch schon im „Clash" lässt sich der Autor von Fakten wenig beeindrucken, wohl im Vertrauen darauf, dass die seinen Thesen Zugeneigten - jene von ihm beschworenen Vertreter eines „weißen Nativismus" - mit Faktenwissen ohnehin nichts am Hut haben.
Alles in allem ein schwerfällig geschriebenes, inhaltlich obskures und basal rassistisches Buch.
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