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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. Dezember 2010
Ich weiß nicht recht. Das ist das Gefühl, das sich in mir einstellt, wenn ich über das Buch nachdenke. Packend, nachgerade fesselnd beginnt Tanja Kinkel, die beim Verfassen des Buches grade mal 20 Jahre alt war, die Geschichte der kindlichen Alienor, Enkelin des großen Troubadours und Herzogs von Aquitanien, Guillaume IX. Aber Achtung: Es handelt sich hierbei um wenig mehr als ein historischer Roman, es ist beileibe keine Biografie, wie der Klappentext vermitteln möchte.

Der zunächst wirklich sehr amüsante und scharf beobachtende Schreibstil nimmt analog zur Geschichte stetig Fahrt und Spannung auf, bis... ja bis die Autorin der Versuchung erliegt, ihr gesamtes geschichtliches Wissen - und dieses muss beträchtlich sein - innerhalb eines wohl selbst auferlegten Textumfangs auszubreiten. Nebensächliche geschichtliche Handlungsstränge werden eingebaut und bleiben aber dabei so an der Oberfläche, dass man Mühe hat, Zusammenhänge zum Plot des Buches herzustellen. An dieser Stelle kippt das Buch, weg vom spannend zu lesenden historischen Roman, hin zum Kurzreferat über das Aquitanien des 12. Jahrhunderts, und das in atemberaubender Geschwindigkeit, die unnötig erscheint - gerne hätte das Buch 200 Seite mehr umfassen können, wenn dadurch die Figur der Alienor mehr Tiefe erlangt hätte und wichtige geschichtliche Ereignisse verständlicher beleuchtet worden wären. So ist das Buch weder ein reiners Unterhaltungsroman - hierfür verlangt es seinem Leser zu viel Konzentration ab - noch ein Werk für historisch Interessierte - hierfür ist es zu unpräzise und bisweilen schlicht falsch.

Faszinierend erscheint zunächst Kinkels Charakterdarstellung der Alienor - sie lässt eine Frau erstehen, die außer durch (äußere und wohl überragende) Schönheit insbesondere für ihr politisches Geschick und ihre Spitzzüngigkeit bekannt und gefürchtet war - und das, so will es das Klischee - in einer Zeit, in der die Frauen des Adels doch nur wenig mehr waren als schmückendes Beiwerk für den edlen Ritter (von den Frauen im einfachen Volk ganz zu schweigen). Doch leider bleibt Kinkel in diesem Spannungsfeld zwischen Mittelalter-Nostalgie und fiktivem Charakter hängen. Sie wird der historischen Alienor höchstens im Ansatz gerecht. Die wahre Größe dieser Frau im Kontext der Zwänge ihrer Zeit können wir heute nur erahnen, Tanja Kinkel ist selbst von dieser Ahnung weit entfernt. Die Figur der Alienor entwickelt sich im Laufe des Romans nicht weiter. Hatte die Autorin schon in der ersten Hälfte des Buches Mühe, Alienors Figur wachsen zu lassen, werden die wenigen Eigenschaften, die der Figur etwas Leben einzuhauchen vermögen, spätestens in der zweiten Hälfte des Romans vollends der Geschichte geopfert. Alienor wird numehr zur eindimensionalen Schachfigur im Historienspiel um Macht und Territorien beschnitten.

Es ist wohl dem jungen Alter der Autorin und ihrer schriftstellerischen Unerfahrenheit geschuldet, dass sie ein solch großes Thema nicht ganz zufriedenstellend bewältigt hat. Offensichtliche historische Unrichtigkeiten - und das sind mehr, als Kinkel selbst im Buch herausstreicht - fallen wohl der Dramaturgie zum Opfer, was ebenfalls nicht nötig gewesen wäre. Die Geschichte dieser Zeit, das Leben dieser Frau, ist ein Stoff, den sich kein Autor ersinnen kann. Und ihn deshalb auch nicht zu verbiegen braucht.

Im Großen und Ganzen ist es ein nettes Buch, daher drei Sterne. Wer jedoch etwas tiefer in die Materie einsteigen möchte - und glauben Sie mir, es lohnt sich - sollte sich Régine Pernouds "Königin der Troubadoure" zu Gemüte führen. Die zwischenzeitlich verstorbene französische Nationalhistorikerin Pernoud zeichnet ein wortgewaltiges Bild des Mittelalters und der Alienor, sachlich fundiert und dabei recht verständlich zu lesen.
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62 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
"Die Löwin von Aquitanien" wird immer einer meiner liebsten Historischen Romane sein. In meinem Beruf als Buchhändlerin bekome ich so manchen Historischen Roman in die Hände, das Genre ist ja momentan sehr angesagt. Leider ist da auch allzu oft viel
schnell runtergeschriebener Schund bei. Tanja Kinkels Romane zählen für mich ganz klar zu dem besten was man auf diesem Gebiet überhaupt bekommen kann!!!
Warum begeistert mich "Die Löwin..." so? Ganz klar, vor allem wegen der Hauptfigur! Eleonore (manchmal auch Alienor genannt) von Aquitanien ist für mich eine der faszinierendsten Frauen der Weltgeschichte. Sie war mit zwei Königen verheiratet, Louis von Frankreich und Henry Plantagenet, sie brachte 10 Kinder zur Welt (leider überlebte sie 8 davon) regierte zeitweilig für ihren Sohn Richard Löwenherz über England, und war ständig in Sachen Politik auf "Achse". Und das alles als Frau im 12 Jahrhundert wohlgemerkt! Leider ist Eleonore heute ziemlich unbekannt, was ich sehr schade finde! Ich selber habe sie erst als Mäzenin der Troubadoure kennenglernt, bis ich selber mal nachgeforscht habe und auf dieses wunderbare Buch gestossen bin. Tanja Kinkel ist eine fantastische Autorin, gerade was Romane übr Historische Persönlichkeiten angeht. Sie schafft es uns Eleonore wirklich nahe zu bringen, mit all ihren Fehlern und Unzulänglichkeiten, aber auch mit ihrer Lebenslust und ihrem Scharfsinn. Vielen Dank dafür!!!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. März 2009
Alienor von Aquitanien? Ja, den Namen hat man doch schon mal gehört ... aber wer war sie gleich noch? Die Inhaltsangabe weckt Interesse an dieser Frau, an diesem Buch.

Es ist gut untergliedert, nämlich in die einzelnen Zeitabschnitte ihres Lebens. Ihr Aufwachsen in Aquitanien, ihre Zeit als Königin von Frankreich an der Seite von Louis VII, ihr Leben mit Henry II und als Königin von England, ihre jahrelange Gefangenschaft, dann ihr Handeln als Mutter von König Richard Löwenherz sowie die letzten Jahre ihres Lebens, während ihr Sohn John an der Macht ist.

Wer wie ich in dieser Epoche nicht "daheim" ist, hat eine Vielzahl an Personen zu sortieren, was gelegentlich nicht ganz so einfach ist. Sehr hilfreich fand ich die angefügten Übersichten, die sowohl eine Landkarte mit den einzelnen Herzogtümern und Königreichen beinhalten sowie die entsprechenden Familienstammbäume. Trotz der verwirrenden Menge an historischen Persönlichkeiten, die in diesem Buch auftauchen, kann man der Sache damit gut folgen.

Ich habe mich bis zum Schluss nicht entscheiden können, ob ich Alienor mag oder nicht. Ihr Charakter prägt das Buch, machthungrig, ruhelos und zweifelsfrei auch gnadenlos. Gewiss war sie aber in dieser Zeit eine herausragende Persönlichkeit, die ihre Spuren hinterlassen hat. Während mich weder Louis noch Henry besonders beeindruckt haben, bin ich dem von der Autorin gesponnenen Faden gern gefolgt, und habe mich sehr für Richard Löwenherz begeistert. Sie sind allesamt gut skizziert, die einzelnen Charaktere sind sehr deutlich rausgearbeitet, was mir sehr gut gefallen hat. Der Schreibstil ist insgesamt rund und das Buch liest sich flüssig weg. Ob die Ausdrucksweise zeitlich passend gewählt ist, vermag ich nicht zu beurteilen.

Mein Interesse, mehr über die Personen, Orte und die geschichtlichen Zusammenhänge zu erfahren, ist geweckt worden, so dass ich nun im Anschluss ans Lesen noch einige Wissenslücken zu schließen habe!

Einziges Manko für mich ist der Einbruch nach dem ersten großen Streit mit Henry. War die Erzählung vorher sehr emotional und lebendig, knickt sie spätestens im vierten Kapitel aus nicht nachvollziehbaren Gründen ein, wird sehr sachlich. Hier büßen leider auch die Protagonisten an Farbe ein, der Tiefgang geht merklich verloren.

Ein Sternchen Abzug dafür, aber trotz dieses Schönheitsfehlers bleibt es ein Buch, das ich gern empfehlen werde!
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
In "Die Löwin von Aquitanien" beschreibt Tanja Kinkel das Leben der sagenumwobenen Eleonore von Aquitanien, einer großen Königin des 12. Jahrhunderts. Als Herzogin von Aquitanien geboren, wird sie jung mit dem König von Frankreich verheiratet. Doch die Ehe wird später wieder annulliert und Alienor, wie sie in der Landessprache Aquitaniens genannt wird, heiratet den zukünftigen König von England. Insgesamt bekommt Alienor zehn Kinder. Sie führt ein bewegtes Leben, nimmt an Kreuzzügen teil und mischt sich erfolgreich in politische Angelegenheiten ein. Alienor wird als starke, kluge, aber auch machtbesessene Frau dargestellt, deren Lebenshunger auch dann nicht versiegt, als ihr zweiter Ehemann sie jahrelang in Gefangenschaft hält.

Acht ihrer zehn Kinder hat sie überlebt, als sie schließlich über achtzigjährig in einem Kloster stirbt.

Der Schreibstil dieses Romans ist ansprechend, die Handlung mitunter recht spannend. Tanja Kinkel hat sehr genau recherchiert und so ziemlich alles, was sie über diese Frau in Erfahrung gebracht hat auch in das Buch reingequetscht. Doch kaum einmal wird bei einer Szene länger verweilt. Dies ist meines Erachtens auch das große Manko dieses Romans - Geschichte wird im Eiltempo durchgezogen. Der Roman ist Handlung pur, und darunter leiden Stimmung und Tiefe. Alles wirkt seltsam unbelebt und berichthaft

Fazit: Ein interessanter, spannender Roman, der aber durch sein rasantes Tempo ein wenig an Tiefe vermissen lässt.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. Juli 1999
Bis ich dieses Buch las, wußte ich nichts von der Herzogin von Aquitanien und konnte mir auch nicht vorstellen, daß Frauen zu der Zeit (12.Jhd.) irgendeinen Einfluß auf die Politik hatten. Tanja Kinkel schafft es die Geschichte lebendig werden zu lassen und einen spannenden Roman zu schreiben, in dem die historischen Personen "menschlich" werden. Wenn man bis dahin die Geschichte von Robin Hood (der kommt allerdings nicht vor) und Richard Löwenherz, sowie Prinz John nur aus Filmen kennt, bekommt man durch dieses Buch die Zusammenhänge und Hintergründe vermittelt. Was man im Geschichtsunterricht vielleicht nur als langweilige Epoche Englands und Frankreichs kennengelernt hat, wird auf lebendig vor dem inneren Auge und man fragt sich unwillkürlich, warum Geschichte immer so trocken präsentiert wird. Hier wird wieder einmal deutlich, wie wichtig die "starke Frau" im Hintergrund ist.
Die Herzogin von Aquitanien war erst mit dem König von Frankreich und dann mit dem König von England verheiratet. Das allein ist schon sehr ungewöhnlich, aber daß sie bei einem Kreuzzug teilnahm und die meisten ihrer Kinder überlebt hat, macht sie zu einer absolut außergewöhnlichen Frau, die leider in Geschichtsbüchern viel zu wenig beachtet wird. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. Februar 2001
Nach dem Coverangaben handelt es sich bei der "Löwin von Aquitanien" um ein Frühwerk von Kinkel, einen ihrer 1. Romane, vielleicht sogar ihren ersten überhaupt. Dieser Roman zeigt auch die "Handschrift" einer Anfängerin, die unterhaltsam zu schreiben versteht, der es jedoch noch nicht wirklich gelungen ist, ihre Geschichte formal und inhaltlich zu bewältigen. Kinkel folgt hier noch brav ihren Quellen, ohne sie zu wirklich bereichern oder souverän auszugestalten. Alienors Lebensgeschichte beschränkt sich weitgehend auf eine Nacherzählung der(eher) bekannten (historischen, pseudohistorischen und legendären) Fakten. Die junge Autorin hat ausreichende, sicher umfangreiche Quellenstudien betrieben, was ihr noch nicht wirklich gelungen ist, ist eine geistige Durchdringung und souveränere Handhabung dieser Quellen. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass das Verfassen von historischen Romanen, in denen die Geschichte nicht nur den Hintergrund bildet, sehr schwer und sehr anspruchsvoll ist. (Nicht zufällig kenne ich in dieser Sparte nur wenige wirklich herausragende Bücher). Trotz dieser grundlegenden (Anfänger-)Schwäche ist "Die Löwin ..." aber zu empfehlen, da der Roman sich gut liest und einen unproblematischen ersten Zugang zu einem interessanten Abschnitt der Geschichte des europäischen Mittelalters bietet. An einigen Stellen gelingen Kinkel zudem einprägsame Momente, auch die Motivierung einiger historischer Romanfiguren ist im Einklang mit den historischen Fakten plausibel gelungen. Dieselbe Schwäche zeigt auch der 2. Romane über Lord Byron(besonders in der 2. Hälfte. Hier profitiert Kinkel profitiert jedoch von der Tatsache, dass der Dichter zwar dem Namen nach sehr bekannt ist, aber keineswegs die Lebensgeschichte (umso mehr die Legenden). Gegenüber dem 1. Werk ist das Buch ein großer Fortschritt, die es Kinkel hier - besonders im Mittelteil - stellenweise gelingt, aus den Quellen bekannte Fakten freier auszustalten. Die Autorin nützt den historischen Spielraum, den ihr die Lebensgeschichte Byrons und seiner Halbschwester, die eigentlich im Mittelpunkt steht. Zusammenfassend: Beide Romane sind flüssig geschrieben und bieten gute Unterhaltung.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. August 2001
Dieser Doppelband vereint zwei frühe Romane der Autorin und gleichzeitig zwei höchst unterschiedliche Gestalten der englischen Geschichte. Auf den ersten Blick scheinen Eleonore, Herzogin von Aquitanien, nacheinander Königin von Frankreich und England, Mutter von Richard Löwenherz und "Königin der Troubadoure", und Lord Byron, erfolgreichster Dichter der englischen Romantik, Skandalheld der Sensationspresse, Vorbild für schauerromantische Schurken, Skeptiker und Freiheitskämpfer, nicht viel gemeinsam zu haben. Doch beide müssen äußerst charismatische Persönlichkeiten gewesen sein, die bei ihren Zeitgenossen starke Gefühle (positive wie negative) hervorriefen und schon zu Lebzeiten zun Legenden wurden. Beider Leben war so ereignisreich und abenteuerlich, dass es für einen historischen Roman gerazu prädestiniert ist. Zudem sind sowohl Byron als auch Eleonore Gesamteuropäer, deren Wirkung und Mythos weit über ihre Herkunftsländer hinausgeht. Kinkel zeigt in ihren Romanbiographien deutlich das Charisma der beiden, stellt sie gleichzeitig aber auch als Menschen dar, deren Liebes- und Familienleben oft turbulent und problematisch war, und sie in viele Probleme stürzte. In beiden Büchern konzentriert sie sich stark auf das Familienleben ihrer Helden. Neben guter Recherche ist dabei eine besondere Stärke, dass sie alle Charaktere gerecht behandelt und auch die Nebenfiguren zu interessanten Persönlichkeiten werden. Schade ist nur, dass einige Lebensabschnitte der Protagonisten etwas kurz abgehandelt werden, während anderen viel Raum gegeben wird. In dieser Hinsicht hätten beide Romane etwas länger sein dürfen. Trotzdem ist der Doppelband für Fans historischer Romane uneingeschränkt zu empfehlen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Zeitsprung: Anfang der 1990er kurz nach meinem Abitur las ich diese beiden Romane Tanja Kinkels zum ersten Mal. In einem kleinen Artikel in einer Frauenzeitschrift hatte ich etwas über diese junge Autorin gelesen, die nur 2 Jahre älter als ich ist, und war neugierig geworden. Also besorgte ich mir den Erstling "Wahnsinn, der das Herz zerfrisst", da mich Byron ohnehin faszinierte, ich wusste aber eigentlich nicht sehr viel über ihn. Angenehm überrascht vom flüssigen Schreibstil, las ich gleich darauf auch "Die Löwin...". Mehr Bücher gab es damals von Kinkel noch nicht.
Dieses Jahr, über zehn Jahre später, las ich die Bücher erneut.

Zu "Wahnsinn...": Bei der Erstlektüre fand ich an dem Buch nichts zu bemängeln, flott und lebhaft wird die Geschichte des jungen Exzentrikers und seiner geliebten Schwester Augusta erzählt. Das sparsame Eingehen auf Byrons Werk, welches Teil seiner zumindest öffentlichen Person war, störte mich nicht. Sehr gelungen fand ich auch die Darstellung der Inzest-Beziehung, die als eine hofflungslose Liebe und Seelenverwandschaft gezeigt wird.
Heute muss ich bemängeln: man merkt dem Buch doch an, wie jung die Autorin war. Byron ist viel zu brav, wirkt bis zu seinem Tod wie ein "großer Junge", der doch nur geliebt werden will. Dezent nur deutet Kinkel an, dass Byron so manche Affäre hatte. Byron war jedoch ein Womanizer, ein Pop-Star, eine Art Mick Jagger, seiner Zeit. Er konnte sie alle haben - und er nahm sie auch. Zu Herzen ging ihm das nur selten, zynisch verspottete er oft die "Weiber", die ihm zu Füßen lagen. Zugleich gab es tatsächlich zwei große Lieben in seinem Leben, eben Augusta, mit der er, anders als Kinkel es sich traut zu sagen, wohl wirklich ein Kind hatte, und Percy Shelley, bei dessen Verlust Byron vor Verzweiflung ins Meer sprang (er konnte aber, im Gegensatz zu Shelley, schwimmen).
Fazit: eine charmante Lektüre sowohl für den Strand als auch für die dunkle Jahreszeit, mehr aber im Stil einer Jane Austen als eines Byron. Für einen alternativen, weitaus sinnlicheren und drastischeren Einblick in Byrons Person ist Ken Russels Film "Gothic" mit Gabriel Byrne unbedingt empfehlenswert.

Zu "Die Löwin":
Beim ersten Lesen verschlang ich die spannende Lebensgeschichte der mittelalterlichen Emanze, ohne große Gedanken um einzelne geschichtliche Details (die ohnehin so zahlreich sind, dass man den Überblick schnell verliert). Allerdings war ich gegen Ende des Buches doch etwas genervt, denn die ganzen Reibereien schienen in ihrer Gänze schließlich so kleinlich und unwichtig. Am Ende sterben sowieso alle und das Spiel geht ewig auf Kosten der einfachen Leute weiter.
Eben diese Details sehe ich heute als Manko: Kinkel erstickt die Story mit historischen Kleckerkram, erwähnt jede noch so kleine Verschiebung von Lehnsverhältnissen, jeden noch so nebensächlichen Zwist zwischen Adligen. Dies liegt daran, dass sich die junge Autorin einfach zuviel vornahm: sie wollte die ganze Geschichte der Alienor (tatsächlich von der Zeugung bis zum Tod) schreiben, zugleich aber konnte sie es nicht bei einer Auswahl besonders wichtiger Ereignisse belassen, sondern versuchte, so ziemlich alles in die Geschichte zu bekommen, was ihre Recherchen ergeben hatten. (Ich denke heute sieht Kinkel dieses Problem selbst, sie sagte einmal, sie würde das Buch jetzt anders angehen.)
Die Folge daraus ist, dass Alienors Leben immer mehr im Zeitraffer verläuft, nach einem noch recht ruhigen ersten Drittel rauschen Jahrzehnte am Leser in wenigen Seiten vorbei, damit die Autorin auch alle Nebenfiguren historisch "einlochen" kann. So erscheint die schöne Königin irgendwann als eine gefühllose Herrscherin, die nur mit sanften Bedauern die Tode ihrer Angehörigen in einem Satz verwindet und dann gleich wieder mit den Überlebenden weiter Intrigen spinnt.
Störend ist auch, dass Alienor (anders als Byron im ersten Roman) zu "perfekt" und jeder Lage gewachsen, allen anderen haushoch überlegen erscheint. Nur einmal kommt die Autorin auf die Idee, diese Perfektion als Fassade zu zeigen, als Alienor in der Gefangenschaft in Tränen ausbricht.
Fazit: Eine ausführliche Geschichtsstunde verbunden mit dem Versuch einer Annäherung an eine beeindruckende Frau, deren Gestalt aber trotz allen von Kinkel beschworenen "Feuers" ihres Charakters eher unterkühlt bleibt. Immerhin ist dies aber dennoch ein mutiges Porträt einer Frau, die als die mächtigste des Mittelalters gilt.

Gesamtfazit:
Zwei Romane, die sich mit Personen der britischen Historie befassen, die beide in Deutschland zuvor wenig Aufmerksamkeit genossen. Beide Bücher sind gut recherchiert und in einem angenehmen, leicht konsumierbaren Stil geschrieben. Trotz kleiner Abstriche daher eine empfehlenswerte Lektüre zur Entspannung und für Freunde historischer Romane.
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VINE-PRODUKTTESTERam 27. September 2006
Nach "Die Puppenspieler" ist dies ein weiterer schön geschriebener Roman von Tanja Kinkel, den ich gelesen habe. "Die Löwin von Aquitanien" hat mir wirklich gut gefallen und die Autorin versteht es gekonnt, Historie und Fiktion miteinander zu verknüpfen. Hier beschreibt sie das Leben von Eleonore (wird aber meistens "Alienor" genannt) von Aquitanien, einer sehr starken Frau in einer von Männern dominierten Welt des 12. Jahrhunderts.

Die Personen sind liebevoll gestaltet, so dass ich sofort einen guten Bezug zu den Charakteren bekam. Besonders gut hat mir natürlich Alienor gefallen, die den Leser vom Kindesalter bis zu ihrem Tod mit über 80 Jahren begleitet. Ich würde sie nicht unbedingt als liebenswert bezeichnen (obwohl sie mir nicht unsympathisch erscheint), vor allem ist sie interessant und durch ihre starke Persönlichkeit beeindruckend. Ihre Politik wurde sehr beschaulich dargestellt und war sehr gut nachvollziehbar. Auch die vielen anderen Personen sind glaubwürdig und sympathisch.

Der Schreibstil ist flüssig und leicht zu lesen. Es kommen zwar viele Personen vor, aber ich habe nie den Überblick verloren. Dieses Buch hat keine Längen und ist wirklich spannend. Einzige Kritik die ich habe ist, dass einige Passagen etwas abgehackt und nicht richtig ausgereift wirkten. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass Kinkel etwas mehr auf einige Sachen hätte eingehen können und es nicht hätte so kurz fassen brauchen. Aber so hat sie auch auf unnötige Sachen verzichtet, die vielleicht auch langweilig gewirkt hätten. Ich bekam aber reichlich Informationen über diese Zeit und es wirkte sehr gut recherchiert.

Ich kann dieses Buch auf jeden Fall weiter empfehlen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Egal was man erwartet - ob historischen Roman oder Biographie - dieses Buch ist zunächst eine Enttäuschung. Die Jahre mit Louis VII lesen sich wie ein seichter Arztroman (so stelle ich mir diese zumindest vor) - es hat keinerlei historischen oder politischen Tiefgang, da ist kein literarischer Spannungsbogen und die Gespräche der Protagonisten sind gestelzt und seicht.

Interessant wird das Buch ab Eleonores Ehe mit Henry II. Dies liegt vermutlich darin begründet, daß die Autorin auf sehr viel mehr historisches Basismaterial zurückgreifen konnte als bei der Ehe mit Louis. Dieses hat sie dann auch sehr schön in eine spannende Unterhaltungslektüre eingebaut, bei der man nebenbei viel interessantes über Eleonore und ihr europäisches "Familienimperium" erfährt.

Also -kein Highlight aber nett zu lesen. Und einiges an Wissen fällt allemal ab. Wer aber eine wirklich brilliant aufbereitete Biographie lesen möchte, dem empfehle ich "Die Königin der Troubadoure" von Regine Perinaud. Siehe meine Rezension des Werkes...
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