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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Anspruch? - Ja! Aber einer, der sich lohnt., 20. August 2012
Von 
Jörg Belden (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Schrift: Aus dem Hebräischen verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig - CD-ROM in Super-Jewel-Case (CD-ROM)
Texte lassen sich nie aus einer Sprache in eine andere übersetzen. Alle Versuche, sind Übertragungen, die Wert darauf legen, ganz bestimmte Charakteristika des Textes zu vermitteln. Soll der INHALT möglichst genau wiedergegeben werden? - Die LYRISCHE GESTALT des Textes? - Der "KLANG" des Textes oder von Schlüsselwörtern?

Der Übersetzer muss Schwerpunkte setzen. Und dies muss verantwortungsvoll geschehen, und das umso mehr, wenn es um die von Juden und Christen gemeinsam bekannte "Heilige Schrift" geht. Die traditionellen Übersetzungen gehen vom hebräischen Text aus und übersetzen die Inhalte ins Deutsche. Vieles an sprachlichen und literarischen Mitteln, die im Hebräischen der Schrift ihren literarischen Wert geben, geht hierbei verloren. Die hebräische Schrift wird europäisiert und ist damit für uns Deutsche gut lesbar.

Martin Bubers und Franz Rosenzweigs Übersetzung macht es uns da nicht so leicht: sie nimmt das hebräisch-literarische ernst und entführt uns wieder in die Heimat der Schrift. Sie eröffnet uns die Schrift als Literatur und es gelingt, unübersetzbare Wendungen dem aufmerksamen Leser verständlich zu machen. Wer noch näher am Originaltext die Schrift lesen will, muss wohl Hebräisch lernen.

Natürlich liegt keine Übersetzung für "Anfänger" vor - da würde ich andere (jüdische) Übertragungen empfehlen. Aber für neugierige "Bibelentdecker" bietet sie die Möglichkeit, in eine andere (sprachliche, kulturelle, literarische) Welt einzutauchen.

Für alle, die es genauer interessiert, skizziere ich einige Impulse kurz an den ersten Versen der Schrift, Gen 1,1-4a. Wer mag, kann sich ja einmal durch die Kommentare durchkämpfen. Es zeigt sich dort: in der ökumenischen "Einheitsübersetzung" ist der Text korrekt widergegeben und es ist dort vieles dem deutschen Ohre geläufiger. Sie übersetzt die Schrift "deutsch" ins Deutsche. Buber und Rosenzweig übertragen die Schrift "hebräisch" ins Deutsche. Ein Anspruch? Ja! Aber: einer, der sich lohnt.

Jörg P. Belden
Diplom-Theologe (röm.kath.)

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Als Beispiel anhängend die ersten Verse der Heiligen Schrift kommentiert

EI: Einheitsübersetzung (Die Bibel. Einheitsübersetzung. 1980; Katholische Bibelanstalt, Stuttgart 2004.)
BR: Buber/Rosenzweig

Gen 1,1
BR: Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.
EI: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde;
a. Der Artikel (DEN Himmel, DIE Erde) ist im Hebräischen eine kurze Vorsilbe und kann auch, wie in EI, weggelassen werden.
b. Im Hebräischen ist der Vers abgeschlossen. Das Semikolon der EI klingt im westlichen Denken mit: "Hebräisch" muss ein Punkt gesetzt werden.

Gen 1,2
BR: Die Erde aber war Irrsal und Wirrsal.
Ei: die Erde aber war wüst und wirr,
- Irrsal und Wirrsal, wüst und wirr: Tohu vavohu ("Tohuvabohu") im Hebräischen.
- Das "va" heißt "und",
- "tohu" bedeutet "etwas wüstes" - oft bildlich benutzt.
- Die Bedeutung von "vohu" ist nicht geklärt (evtl "etwas leeres"?); das Wort tritt in der Schrift aber immer gemeinsam mit "tohu" auf.
- Hier ahmen BR gekonnt den Klang der Wörter, das Wortspiel, mit "Irrsal und Wirrsal", nach.
- Sie benutzen dabei deutsche Wörter, die ebenso vage und ungeklärt sind, wie die entsprechenden Wörter im Hebräischen Text.

BR: Finsternis über Urwirbels Antlitz.
Ei: Finsternis lag über der Urflut,
a. "über ... Antlitz": Die hebräische Wendung "al-pnej" wird geläufig mit "über" übersetzt, es steckt aber im zweiten Teil das hebräische Wort "Antlitz, Gesicht" mit drin. Dieses steht eng zusammen mit dem "Urwirbel/Urflut". "Über der Urflut" ist inhaltlich korrekt, aber sprachlich viel zu kurz.
b. "lag" (EI): Wieso fügt die EI das Verb "lag" ein?
- Im Hebräischen sind Nominalsätze ohne Verb sehr geläufig.
- Im Deutschen muss man aber ein Verb in den Satz einfügen.
So kann man im Deutschen übersetzen mit "war über..." oder mit "lag über der U." (EI)
- Im Hebräischen liegt eine "reine Prädikation" also ohne Verb vor, wie bei "BR"

BR: Braus Gottes schwingend über dem Antlitz der Wasser.
EI: und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
- Im Hebräischen ein Nominalsatz mit Partizip ("schwingend, schwebend"). EI setzt dies in eine Zeitform ("schwebte").
- Wieder al-pnej ("über", eigentlich "über dem Antlitz").

Gen 1,3
BR: Gott sprach: Licht werde! Licht ward.
EI: Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.
- Es steht im hebr. Text: "Es werde Licht, und es wurde Licht."
- Die Einheitsübersetzung ist, wie sonst auch, inhaltlich korrekt.
- Allerdings hört sich die Wendung im Hebräischen viel kürzer, fast wie ein "Slogan" an: "Jehi 'or, vajehi 'or".
- Wer genau hinhört, kann im Klang vernehmen: "Jehi 'or vajehi 'or" - "Licht werde! Licht ward."

Gen 1,4a
BR: Gott sah das Licht: daß es gut ist.
EI: Gott sah, daß das Licht gut war.
- Wörtlich liest es sich etwa so: Gott sah das Licht, dass gut.
- Der Satz ist so un-, ja missverständlich. Ganz klar besteht er aus zwei Teilen:
1. "Gott sah das Licht" (Verbalsatz)
2. "dass (es) gut (ist)" (Nominalsatz).
- Diese Zweiteilung macht "EI" nicht mit. Sie zieht beide Sätze zu einem zusammen. Bei BR finden wir beide Sätze, die ihr eigenes Gewicht haben.
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