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am 7. Oktober 2009
Rebecca Gables neuem Roman "Hiobs Brüder" gelingt es, den Leser von den ersten Seiten an zu fesseln und in die Geschichte eintauchen zu lassen. Und so erscheint die Vorstellung eines Lebens ohne die allabendliche Lektüre von "Hiobs Brüder" und ohne das damit verbundene Abtauchen in diese so gänzlich andere, erschreckende und doch bunte und faszinierende Welt schon nach den ersten zwanzig Seiten ungemein betrüblich.

Auf einem verfallenen Inselgefängnis werden all jene eingesperrt, die durch körperliche und geistige Gebrechen gezeichnet sind, körperlich Deformierte oder geistig Behinderte, all jene eben, denen Fortuna schon bei ihrer Geburt nicht besonders wohlgesinnt war. Durch einen gewaltigen, zerstörerischen Sturm können manche von ihnen fliehen - und hier beginnt eine abenteuerliche Reise, eine Odyssee von acht Männern und Jugendlichen, von acht "Verlierern", die eine unverhoffte Chance bekommen: die Chance auf ein Leben in Freiheit.
Der Anführer der Gruppe ist Losian, der sein Gedächtnis verloren hat. Er leitet die Flucht und führt die Gruppe quer durch das (in der Mitte des 12. Jahrhunderts) vom Bürgerkrieg gebeutelte England, ist gleichzeitig aber auch auf der Suche nach seiner eigenen Geschichte, auf der Suche nach seiner Vergangenheit.

Obwohl Gables Geschichte erneut im englischen Mittelalter spielt, geht die Autorin neue Wege:
Die Geschichte spielt diesmal weniger im Umfeld der Mächtigen, der Herrscher und Könige, der "Gewinner", sondern gibt verstärkt Einblick in das gesellschaftliche und kulturelle Leben im England des 12. Jahrhunderts und schildert vermehrt auch das Leben der normalen Bürger und der "Verlierer" dieser Zeit. "Hiobs Brüder" ist ein - wie sich Gable selbst ausdrückt - "historisches Road-Movie" vor dem Hintergrund des Englands um die Mitte des 12. Jahrhunderts.
Doch trotz allem ist auch "Hiobs Brüder" kein unpolitischer historischer Roman, denn Losians Suche nach seiner Vergangenheit und die Erkenntnisse, zu denen er dabei gelangt, machen ihm immer klarer, dass er mit Blick auf das Schicksal des erschütterten Englands keine unbedeutende Rolle gespielt hat - und je mehr er über sich selbst, über seine Vergangenheit, erfährt, desto mehr wird ihm bewusst, dass er die Verantwortung für seine Taten, vor allem für seine Fehler, übernehmen muss und ihm das Schicksal des Landes nicht gleichgültig sein kann.

Denn Losian ist kein fehlerfreier, kein perfekter Held, sondern eine authentische Figur seiner Zeit, eine Figur mit Stärken und Schwächen, ist ein vielschichtig-facettenreich und glaubwürdig gezeichneter Charakter (diesbezüglich durchaus vergleichbar mit John, Raymond oder Julian of Waringham), dem es jedoch trotzdem von Anfang an gelingt, die Sympathien des Lesers zu gewinnen - zumindest bei mir war dies der Fall.
Und genau das ist eine der Stärken von Rebecca Gable: es gelingt ihr wie kaum einem anderen Autor, den Leser mit den jeweiligen Charakteren leiden und bangen, hoffen und enttäuschen, erheitern und erfreuen - kurz um: mit ihnen empfinden zu lassen, wodurch ein ausgeprägtes Identifikationspotential zwischen Leser und Figuren entsteht. Mehr und mehr fiebert man als Leser mit seinen Lieblingsfiguren mit; so war es schon bei den Waringhams oder Caedmon of Helmsby, und genau so ist es auch bei Losian.

Mit "Hiobs Brüder" gelingt es Rebecca Gable also erneut, Historisches und Fiktives in eine fast wundersame Einheit zu versetzen, weshalb mir der Roman mit seinen über 900 Seiten noch viel zu kurz erschien, da ich - auch wenn es pathetisch klingen mag - am liebsten immer weiter gelesen hätte, um immer tiefer in diese fremde, vergangene, aber immer vertrauter werdende Welt eintauchen zu können.
88 Kommentare331 von 353 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 12. August 2011
Ausstattung: Das Cover ist relativ schlicht und verrät nur wenig über den Inhalt. Der Titel lässt erahnen, dass es um Menschen, um Männer geht, die ein schweres Leben führen, denn auch der biblische Hiob hatte es selten leicht. Die gebundene Ausgabe ist unter dem Schutzumschlag dunkelrot und weist in dieser Farbe auch ein Lesebändchen auf.
Zu Beginn und am Ende des Buches findet sich eine Karte Englands zu der Zeit. Dort sind auch die wichtigsten Städte eingezeichnet, sodass der Leser sich schnell zurecht findet auf der Reise der Männer.
Das Buch ist in insgesamt 3 große Abschnitte eingeteilt, die jeweils einen Titel tragen und deren Inhalt durch eine nette zweiseitige Illustration veranschaulicht wird. Natürlich wird hier nicht zu viel verraten, sondern lediglich die Neugier geweckt.
Es gibt keine Kapiteleinteilung, nur Abschnitte oder aber Sprünge in der Zeit und dem Ort weisen auf Sinnabschnitte hin. Das finde ich immer etwas schade, da ich persönlich Kapiteleinteilungen sehr schätze, aber wie sich im Laufe der Rezension zeigen wird, kann ich dieses Mal großzügig darüber hinweg sehen.
Das Papier dieses Buches ist sehr dünn und erinnert beinahe an das Bibelpapier. So glaubt man auch kaum, dass dieses dünne Buch über 900 Seiten aufweist. Das Papier ist aber zum Glück noch dick genug, dass schnelles Reißen nicht zu befürchten ist.

Meine Meinung:
Schon nach den ersten paar Seiten hatte ich keinerlei Probleme mich in der Welt, die Gablé schafft einzufinden. Der junge Simon wird auf eine Insel verbannt, auf die einige Geistliche als jene bringen, die von Dämonen besessen sind und denen man nicht mehr helfen kann und will.
So findet sich eine bunte Gemeinschaft zusammen: Simon de Clare, Sohn eines englischen Edelmannes, der an der Fallsucht, also an Epilepsie leidet, Oswald mit dem Downsyndrom, Godric und Wulfric, die siamesischen Zwillinge, Luke, der davon überzeugt ist, dass in seinem Bauch eine Schlange wohnt, König Edmund, der glaubt der wiedergeborene heilige Edmung zu sein, Reginald de Warenne, der ein dunkles Geheimnis mit sich trägt, Kinder geschändet hat und vor keiner Gewalttat zurückscheut und Losian, der sein Gedächtnis verloren hat und sich nicht mehr an seine eigene Vergangenheit erinnern kann.
Diese acht Männer fristen ein trauriges Dasein auf der kleinen Insel, die England vorgelagert ist. Durch einen Zufall gelingt ihnen dann die Flucht und sie schlagen sich durch England. Hier herrscht seit Jahren Krieg und natürlich begegnet man dieser bunten Reisetruppe mit Misstrauen. Es scheint keinen Platz für sie zu geben.
Erst als Losian nach und nach entdeckt, wer er wirklich ist, zeichnet sich eine bessere Zukunft ab, doch da ist noch dieser Krieg zwischen der Kaiserin Maud und dem König Stephan und Losian war in seinem früheren Leben einer der besten Kämpfer innerhalb dieses Krieges. All dies verblasst beinahe zur Bedeutungslosigkeit, als er sich verliebt ' in eine Frau, die er niemals heiraten dürfte.
Gablé erschafft wunderbare Charaktere. Jeden dieser Männer und auch die weiteren Charaktere, die man näher kennenlernt, muss der Leser einfach lieb gewinnen. Das gilt sogar für Reginald de Warenne, der zwar wirklich wahnsinnig sein muss und vor Brutalität nicht zurückschreckt und doch eine Seite im Leser berührt. Aber auch all die anderen sieht man mit ihren kleineren oder größeren Gebrechen vor sich und würde sie am liebsten in die Arme schließen, um sie in schlechten Momenten zu trösten. Letzteres gilt am meisten für Oswald.
Die gesamte Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt. Die eine Seite erzählt aus Losians Sicht, der im Laufe der Handlung auch zu seinem richtigen Namen zurückfindet. Die zweite Seite wird aus Simons Persepktive geschildert. In einigen Abschnitten fällt dieses auch zusammen. Dabei gibt es keinen Ich-Erzähler, sodass der allwissende Erzähler zwar die Gefühle der Charaktere aufzeigen kann, aber je nach Belieben auch etwas Abstand bewahrt.
Behinderte Menschen sind bis heute ein wunder Punkt in der Gesellschaft und die Geschichte über diese Menschen, die damals auf so brutale Weise aus der Gesellschaft verbannt wurden, animiert den Leser zum Nachdenken.
Wie in jedem historischen Roman sind hier natürlich Fakten und Fiktion miteinander vermischt. Ich sehe darin überhaupt kein Problem, denn wir haben hier einen Roman zur Unterhaltung liegen und keinesfalls eine geschichtliche Abhandlung, die bis ins kleinste Detail korrekt und gesichert sein muss. Das Lesen soll erfreuen und Spaß machen.

Fazit: Rebecca Gablé erzählt eine wunderbare Geschichte über eine Handvoll Männer, die aus einer unfreiwilligen Gemeinschaft das Beste machen müssen. Im Laufe der Zeit werden sie zu Freunden und gehen mit erhobenem Hauptes durch die Welt. Leider darf man ja in einer Rezension nicht einfach schreiben: 'Lest dieses Buch! Lest einfach dieses Buch! Es ist wunderbar!' Aber genauso empfinde ich.
Also 5 von 5 Punkte und lest das Buch, wenn ihr historische Romane mögt.
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am 12. Oktober 2009
Eins vorne weg: Als echter Fan von Rebecca Gablés historischen Romanen sehe ich dieses Buch im Vergleich zu seinen Vorgängern. Trotz einigen Kritikpunkten gehört es für mich deshalb immer noch mit zu den lesenswertesten Vertretern seines Genres.

Merkwürdig, wie schnell 900 Seiten vorbei sein können. Diese Erkenntnis kam für mich als Kenner einiger anderer Romane der Autorin natürlich nicht überraschend- überrascht hat mich allerdings das Gefühl, das "Beste" verpasst zu haben, das sich nach der Lektüre einstellte. Trotz der unbestreitbaren Länge des Romans scheint die Autorin sich diesmal weder für die historischen Persönlichkeiten, noch für die Entwicklung der fiktiven Charaktere besonders viel Zeit genommen zu haben. Das liegt wohl teilweise am Aufbau der Geschichte, der diesmal vom bewährten Schema abweicht. Hiobs Brüder beginnt nicht mit einem jungen Protagonisten in der überschaubaren Welt seiner Kindheit, der dann auszieht, um Erfahrungen zu machen und den bedeutenden Persönlichkeiten der Weltgeschichte zu begegnen, sondern mit einem Mann, der nach dem Verlust seines Gedächtnisses und seiner Stellung zu den Ausgestoßenen der Gesellschaft gehört. Die verwirrten und verlorenen Hauptpersonen passen gut zur Darstellung einer Epoche, die als die Anarchy bekannt ist. (Leser von Ken Follett dürften mit dieser Zeit übrigens schon vertraut sein. Da Die Säulen der Erde sich aber nur am Rand mit politischen Entwicklungen beschäftigt und über weite Strecken eher eine Art literarischer Kostümporno ist, hält sich die Wiedererkennung in Grenzen.)
Das erste Drittel des Romans, in dem der Leser mit der chaotischen Situation im Land vertraut gemacht wird, ist eindeutig der eindrucksvollste Teil. Es hat seelische Abgründe, skurrile Figuren und ein spannendes Geheimnis zu bieten. Nachdem der Protagonist Losian/Alan sich erwartungsgemäß als wichtiger Mann herausgestellt hat, weist die Geschichte allerdings doch einige Schwächen auf. Die romantischen Verwicklungen, die zu Alans Geburt geführt haben, wirken in der Nacherzählung ziemlich unglaubwürdig und weit hergeholt. Auch der Konflikt mit seinem Cousin und seiner Frau macht einen merkwürdig lieblosen Eindruck. Überhaupt werden die weiblichen Figuren diesmal hastig abgehandelt. Eleonore von Aquitanien, dem "It-Girl" ihrer Zeit, wird ebenso wie der streitbaren Kaiserin Maud nur ein sehr kurzer Auftritt zugestanden, für die Charakterisierung von Alans Frauen bleibt so wenig Raum, dass der Leser sich auf dessen persönliche Einschätzung verlassen muss: Miriam ist äußerlich gelassen, aber klug und lebhaft, Susanna dagegen dumm und niederträchtig (Was man offenbar schon daraus schließen sollte, dass sie wie ihre Vorfahrin Beatrice Baynard aus Das zweite Königreich aussieht). Auch Alan ist als Protagonist weit weniger interessant, nachdem sich herausgestellt hat, dass sein dunkles Geheimnis darin besteht, Zeuge eines Verbrechens geworden zu sein.
Überhaupt fehlt der Geschichte in den beiden letzten Teilen ein grundlegender Konflikt, wie etwa in Das Lächeln der Fortuna Robins Kampf um Waringham, oder Caedmons Kampf um Aliesa in Das zweite Königreich, oder Julians Interessenskonflikt zwischen Sympathie für Edward und Loyalität zu den Lancasters. Für jedes Problem wird diesmal gleich eine Lösung gefunden, und auch mit Schicksalsschlägen hält die Autorin sich zurück. Sterben müssen nur die Bösen; kann sich jemand nicht entscheiden, wird ihm das auch durch das Schicksal abgenommen. Irgendwie läuft hier alles immer ein bisschen zu glatt und geht zu schnell. Das liegt wohl auch daran, dass der Zeitrahmen diesmal wesentlich enger gesteckt ist als sonst.
Natürlich ist es Geschmackssache, ob man sich von einem historischen Roman die Darstellung einer längerfristigen Entwicklung oder die genaue Schilderung gesellschaftlicher Verhältnisse zu einem Zeitpunkt in der Geschichte wünscht. Meiner persönlichen Meinung nach führt die Beschränkung hier dazu, dass Gablé einen ihrer größten Pluspunkte, nämlich ihr historisches Fachwissen, weniger zur Geltung bringen kann als in den vorangegangenen Büchern. Ich hoffe, diese Entscheidung hängt nicht damit zusammen, dass der Trend in der historischen Literatur zur Zeit zu Krimis geht, oder damit, dass ihr jemand nahe gelegt hat, sich kürzer zu fassen. Simon, Godic und Wulfric, King Edmund, Henry Plantagenet und Aliénor hätten mich auch noch über weitere zweihundert Seiten gefesselt. Für Fans langer und gut recherchierter historischer Romane führt an Rebecca Gablé zur Zeit kein Weg vorbei. Hoffentlich lernt sie auch in Zukunft nicht, sich kurz zu fassen.
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am 29. Januar 2011
Schon lange bin ich ein uneingeschränkter Fan von Rebecca Gable, auch weil ihre Bücher von englischer Geschichte handeln.
Das neue Gable Buch sollte ja etwas anders werden, zumindest war es so angekündigt und der Beginn des Buches ist doch nicht ganz typisch für Rebecca Gable, denn auf einer Insel findet sich eine Gruppe schwacher, behinderter Menschen zusammen, welche dort gezwungen werden, außerhalb der Gesellschaft zu leben.
In dieser Gruppe findet sich ein zwar gesunder Mann, der aber sein Gedächtnis verloren hat und in Wahrheit ein Adeliger ist.
Der Roman handelt in Kriegswirren um den englischen Thron, letztendlich wird Heinrich II König von England, seine Mutter die Kaiserin hat ihren Cousin, König Stephan (den Thronräuber) besiegt.
Wie schon Ken Follett in "Die Säulen der Erde" beschäftigt sich nun auch R. Gable mit dieser Zeit und obwohl das Thema den Englandfans wohl bekannt sein dürfte, ist Frau Gable mit diesem Buch nicht nur ein spannender historischer Roman gelungen, er zeigt auch die Verhältnisse von behinderten Menschen zu dieser Zeit auf.
Toller Roman und hoffentlich erscheint bald wieder ein neues Buch dieser Autorin.....................
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am 10. August 2011
Die Autorin hat sich dieses Mal nicht ganz an ihren bewährten Plot gehalten. Darüber ist hier schon geschrieben worden, doch ich empfinde das als überhaupt nicht schlimm. Hier ist der Protagonist ein Mann, kein Jugendlicher. Dieser Mann hatte zudem schon eine bedeutende Stellung inne, woran er sich aufgrund einer Amnesie genauso wenig erinnern kann wie an seinen Namen. Er muss also nicht erst in der Gunst eines Königs über Jahre aufsteigen, um seine persönlichen Ziele zu erreichen. Trotzdem lässt es sich die Autorin nicht nehmen, dem Hauptcharakter auf den künftigen und bedeutenden Herrscher (Henry Plantagenet) stoßen zu lassen. Es ist einmal etwas anderes, dass die Autorin ihren Helden auf die Suche nach der eigenen Vergangenheit und dem damit verbundenen Geheimnis schickt. Auch die Begleiter sind in diesem Roman abweichend von den Mitstreitern seine Vorgänger (die Rede ist von den Waringhams der anderen Romane). Es sind körperlich und geistig behinderte Menschen. Dieser Einfall ist vielleicht nicht ganz neu aber hier überraschend und gelungen. Was ich persönlich gut fand, ist, dass man nun endlich einmal etwas von den Nachfahren Caedmons aus "Das Zweite Königreich" erfährt. "Das Lächeln der Fortuna", "Der König der pupurnen Stadt", "Das Spiel der Könige" und "Die Hüter der Rose" beschäftigen sich - in unterschiedlichem Maße - mit den Waringhams. Hiobs Brüder ist eine "Fortsetzung" der Geschichte derer zu Helmsbys. Die Erzählweise ist bewährt gut. Davon, dass man sich durch das Buch "durchquälen" muss kann nicht die Rede sein. Von der Komplexität und Vielschichtigkeit kommt das Buch jedoch nicht an "Das Lächeln der Fortuna" und "Das Zweite Königreich" heran. Deshalb nur 4 Sterne.
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am 15. März 2013
Das ist bereits der fünfte Roman, den ich von Rebecca Gablé lese - und der beste! Im Unterschied zu den historischen Romanen rund um die Könige und Königsfamilien des Mittelalters hat sich die Autorin hier ein Sujet ausgesucht, das wirklich einmalig ist. Eine Gruppe von weggesperrten und dem Tod geweihten "Behinderten" macht sich auf den Weg in eine Freiheit, die voller Ungewißheit ist, aber zumindest nicht den sicheren Tod bedeutet. Die Charaktere könnten nicht unterschiedlicher sein: Ein Mörder, der an einer Halskette mitgeführt wird wie ein Tanzbär; ein Paar siamesischer Zwillinge, die unglaublich gute Kämpfer sind, ein Fallsüchtiger, ein adliger Krieger von hohem Rang, der komplett sein Gedächtnis verloren hat, ein irrer Priester, ein infantiler Schwächling sind einige der illustren Gestalten, deren Freundschaft mit der Herausforderung im Laufe des Romans wächst. Natürlich wie immer bei RG gespickt mit Erotik, Kampf, Blut und Tränen - und einem gehörigen Schuß (Galgen-)humor. Eine ideale Bettlektüre...auch für den Kindle.
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TOP 1000 REZENSENTam 10. Februar 2010
Obwohl ich kein großer Fan historischer Romane bin und langsam genervt von all den Zuckerspinnerinnen, Wanderhebammen, Brillenmacherinnen, Puppenspielerinnen und Weberknechtgärtnerinnen hat mich dieses Buch förmlich umgehauen, von der allersten Seite an.
Die wunderlichen Figuren, die mit den unterschiedlichsten Gebrechen und Absonderlichkeiten von angeblich barmherzigen Mönchen auf einer kargen Insel ausgesetzt wurden, um dort zu sterben, hatten sofort meine komplette Sympathie. Jeder Einzelne ist interessant genug, um einen weiterlesen zu lasssen,und wie die Autorin die Geschichte ihrer Flucht und ihrer Rückkehr in ein - nun ja, normales Leben entwickelt, wie sie die angeblich lebensunfähigen Aussätzigen wiedder zu Kraft und Lebensfreude kommen lässt, ist herrlich und unglaublich spannend zu lesen. Wobei ich gestehen muss, daß auch ich sehr schnell ein Anhänger der "Free Regie!"-Kampagne wurde, denn dieser abgrundtief grausame Psychopath ist eine hinreißend böse geschilderte Figur, schillernd und vielschichtig wie Dr. Lecter und so unendlich viel interessanter als der eigentliche Held, der beinahe allzu gute Alan. Neben Regie fand ich natürlich auch die Geschichte des Epileptikers Simon, der sich zu einer wirklich charismatischen Figur entwickelt, wirklich unterhaltsam und großartig beschrieben.Daß Henry II. nebst Eleanor von Aquitanien, das Brangelina -Paar des Mittelalters eine große Rolle spielt, machte das Buch zu einem noch größeren Lesevergnügen, in dem historische Fakten und eine wunderbar gesponnene liebevoll und aufregend erzählte fiktive Geschichte um Außenseiter und Helden wider Willen das Herz des Lesers wärmen.
Eins der wenigen Bücher, das man uneingeschränkt empfehlen kann, tolle Story, gut geschrieben, seit langen das erste Buch aus der historischen Ecke, das den bisher unerreichten "Säulen der Erde" das Wasser reichen kann.
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am 6. Oktober 2009
Das neue Buch von Rebecca Gablé befasst sich mit einem sehr ungewöhnlichen Thema. Es handelt von Menschen, die entweder ein körperliches oder geistiges Manko haben. Auf eine Insel werden alle Kreaturen gebracht, die vor Gott nicht einwandfrei geschaffen sind. Mönche bringen diesen Mensch, oder Krüppel, einmal in der Woche das Allernötigste zum Leben vorbei, ansonsten sind ganz auf sich alleine gestellt. Unter ihnen befinden sich Losian, der sein Gedächtnis verloren hat und Simon, der an epileptischen Anfällen leidet.
Als nach einem gewaltigen Sturm ihr Gefängnis auf der Insel zerstört wird, bietet sich einigen von ihnen die Chance zur Flucht...

Ich war äußerst gespannt auf das neue Buch von Rebecca Gablé und begann sofort zu lesen als ich es erhielt.
Das Thema ist ungewöhnlich, aber schon nach den ersten Seiten wusste ich, dass die Autorin es hervorragend verstanden hat, dieses doch nicht so einfache Thema mit dem entsprechenden Feingefühl so aufzubereiten, dass eine spannende und vielschichtige Geschichte entsteht.
Die Protagonisten sind Losian und der junge Simon. Weitere äußerst wichtige Figuren sind Oswald, ein Junge mit Down Syndrom, Luke, der meint, dass eine Schlange in seinem Bauch wohne, Wulfric und Godric, die siamesischen Zwillinge, King Edmund, der sich für einen Heiligen hält und letztendlich noch Regy, ein bestialischer Massenmörder.
Alleine die unterschiedlichen Figuren verheißen eine interessante Geschichte und Rebecca Gablé enttäuscht den Leser auch nicht. Vielschichtig, bunt und in einem rasanten Tempo nimmt die Geschichte einem von Beginn an mit in diese eigentümliche Welt mit den sonderbaren Gestalten. Simon kommt sich minderwertig vor, da er immer damit rechnen muss, einen Anfall zu bekommen. Eigentlich wäre er der Erbe des großen Gutes seines Vaters, der bereits verstorben ist, aber sein Onkel hat ihn verraten und wegen der Fallsucht verstoßen. Losian kann sich an nichts mehr erinnern. Er weiß nur, dass er einen Mantel der Kreuzfahrer trug, als man ihn verletzt fand und da er jede Nacht von schrecklichen Albträumen heimgesucht wird, ist er sich sicher, dass er in der Vergangenheit Schreckliches getan haben muss.

Man kann das Buch kaum aus der Hand legen, weil man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht und was die doch etwas sonderbar anmutende Gruppe alles erlebt Ich war wirklich begeistert, da ich von der Autorin auch die Trilogie über die "Waringhams" las, die mir zwar sehr gut gefiel, aber als großes Manko die sehr schwarz/weiß gezeichneten Figuren auffielen. Sehr positive überraschte mich nun dieses Buch. Aber leider nur so lange, bis Losian sein Gedächtnis wieder findet und aus ihn ein nicht unbedeutender Mann wird...
Ab diesem Zeitpunkt wird das Buch wieder ein "typischer Gablé". Typisch dahingehend, dass die Autorin eine selten feine Begabung hat, den Leser so an ihre Erzählung zu binden, dass er sich in einem richtigen Sog befindet und einfach weiter lesen muss. Typisch weiters, dass die politischen Hintergründe nicht nur perfekt und akribisch recherchiert sind, sondern auch wunderbar mit der Erzählung verwoben sind.
Aber leider auch typisch dahingehend, dass die Figuren sehr stark abgegrenzt in Gut und Böse sind. Gablé ist zwar bemüht ihrem Protagonisten einen vielschichtigen Charakter zu vermitteln, aber man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass sie trotzdem nicht an seinem perfekten Lack kratzen möchte und so lässt sie all die "schlimmen Dinge" seinem ersten "Ich" tun und jetzt, nach dem er sein Gedächtnis wieder gefunden hat, tritt die wundersame Wandlung ein und er wird wieder ein perfekter Held.
Die einzig wirklich herausragende Figur ist die von Regy. Regy (eigentlich Reginald de Warenne) erinnert einen unweigerlich an "Hannibal Lecter" vom "Das Schweigen der Lämmer". Äußerst intelligent, aber unberechenbar. Meines Erachtens die beste Figur aller Bücher die ich bis jetzt von der Autorin las.
Auch auf die sehr ausgeschmückten und detailliert beschriebenen Sexszenen hätte ich gut und gerne verzichten können.

Fazit: Ein kurzweiliges Lesevergnügen mit äußerst interessanten Einblicken in die Politik des 12. Jahrhunderts. Wer sich nicht daran stört, dass die Protagonisten die Guten sind ohne Fehl und Tadel und die Bösen so richtig böse, wird mit diesem Roman ein wunderbares Buch in den Händen halten. Wer jedoch auf anspruchsvolle Kost mit vielschichtigen Figuren hofft, wird enttäuscht werden.
Letztendlich ist ausschlaggebend was man sich erwartet und was man lesen möchte. Unbestritten ist, dass Gablé eine begnadete Erzählerin ist (obwohl die Sprache nicht außergewöhnlich ist), die es versteht, den Leser so zu fesseln, dass er das Buch unbedingt zu Ende lesen möchte.
Gerne gäbe ich 3 1/2 Sterne, da dies aber nicht möglich ist und die Figuren wieder so einseitig geschaffen sind wie in den vorhergehenden Büchern, vergebe ich nur 3.
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am 15. Dezember 2014
So sehr ich die Bücher von Rebecca Gablé liebe, eines haben sie doch meistens gemein: Der Protagonist befindet sich zu Beginn des Buches in einer denkbar schlechten Startposition (Familie wurde enteignet, mittelloser Waisenjunge, jüngster Sohn ohne Aussicht auf Karriere, schwarzes Schaf der Familie...) und arbeitet sich im Laufe der Geschichte zu einer nicht immer unbedingt reichen, aber doch bedeutenden Position auf. Vielleicht liegt es daran, dass es in "Hiobs Brüder" diesmal ein wenig anders läuft, dass ich dieses Buch so mag.

Zugegeben: Losian, der als "Verrückter" auf einer Insel von Aussätzigen lebt, ist auch nicht unbedingt besser dran, als Robin of Waringham oder Jonah Durham (siehe andere Werke Gablés). Allerdings stellt sich ziemlich schnell heraus, dass hinter dem Mann mit Gedächtnisverlust einer der mächtigsten Getreuen Königin Mathildes (Maud) steckt. Statt sich seine Position erkämpfen zu müssen, wie die anderen Hauptfiguren Gablés, hat Losian es mit sehr viel persönlicheren Dingen zu tun. Natürlich muss er dabei helfen, die in England herrschende "Anarchy" zu beenden. Er ist aber auch für das Schicksal seiner "Verrückten" Mitgefangenen (Der fallsüchtige Simon, der perverse Kindermörder Regy, der "Heilige Edward") verantwortlich, muss gegen seinen persönlichen Widersacher kämpfen und liebt auch noch eine Frau, die für einen englischen Adligen nicht unerreichbarer sein könnte.

Zugegeben, mit diesen Problemen haben Gablés sonstige Romanhelden auch zu kämpfen, aber sie befinden sich dabei eben in einer gänzlich anderen Position. Was mir an "Hiobs Brüder" wieder einmal sehr gut gefällt, ist die überzeugende Charakterzeichnung aller Figuren. Insbesondere Regy, der sich mit seinem Hang zum Mord stets zwischen Himmel und Hölle zu befinden scheint, ist sehr überzeugend gelungen. Aber auch die anderen Mitfiguren zeigen sehr deutlich, wie man im Mittelalter mit Kranken und Verrückten umging.

Wie immer ist das Buch sehr ausführlich recherchiert und bietet einen meiner Einschätzung nach sehr realistischen Blick auf die Zeit der Anarchy. Man ist also nicht nur unterhalten, sondern lernt dabei auch noch etwas. Und was ich an der Autorin besonders schätze: Natürlich begegnen wir wie gewohnt auch Hauptfiguren aus anderen Büchern wieder.

Wer die Bücher Gablés in ihrer historischen Reihenfolge (also nicht zwangsläufig nach Erscheinungsdatum sortiert) lesen möchte, der sollte das wie folgt tun:

1. Das zweite Königrech
2. Hiobs Brüder
3. König der purpurnen Stadt
4. Das Lächeln der Fortuna
5. Die Hüter der Rose
6. Das Spiel der Könige
7. Der dunkle Thron

Auf diese Weise bekommt man einen fast lückenlosen Überblick über die Wirrungen und Irrungen des englischen Mittelalters und über die Schicksale liebgewonnener Buchfiguren.
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am 21. Mai 2010
Rebecca Gablé und Detlef Bierstedt sind ein Dream-Team.

Mich hat bis jetzt nichts, was ich von ihr gehört habe, enttäuscht. Historische Fakten sind i.d.R. sauber recherchiert und sie schafft es immer wieder in ihrer unvergleichlichen Art, die Leben ihrer Protagonisten mit der Zeitgeschichte zu verknüpfen. Spannend und mit enormer Leichtigkeit.

In Hiobs Brüder macht sie thematisch eine ungewöhnliche "Baustelle" auf: Der junge Simon, Sproß eines Adelsgeschlecht, gerät wegen seiner Fallsucht in die Hände der Kirche, die ihn, den Bessenen, nach einem wirkungslosen Exorzismus auf eine Inselfestung bringen lässt, auf der körperlich und geistig behinderte Menschen ein karges Schicksal fristen. Diesen Menschen, so unterschiedlich sie auch sind, bleibt keine andere Möglichkeit, als zusammenzuhalten, um zu überleben. Und diese Personen beschreibt Gablé so liebe- und würdevoll, dass das Zuhören eine reine Freude ist. Ob es sich nun um den an Trisomie 21 leidenden Oswald handelt, den Ritter mit Gedächtnisverlust, die siamesischen Zwillinge Godric und Wulfric (für die wohl die im England des 12. Jahrhunderts dokumentierten Biddenden Maids Pate gestanden haben dürften), der alte Geistliche, der steif und fest behauptet, der Märtyrerkönig Edmund zu sein, der alte Luke, der felsenfest davon überzeugt ist, eine Schlange im Leib zu haben, die ihn von innen heraus auffrisst, und Reggie, der Psychopath, gefährlich und clever.

Diese Gruppe "komischer Heiliger" erlangt die Freiheit, als eine Sturmflut die Insel verwüstet. Sie begeben sich auf einen Marsch durch England und mitten hinein ins Geschehen um den Kampf um die englische Krone.

Kurzweilig, voller Gefahren, Verwicklungen und mit netten Liebeleien gespickt, eröffnet Gablé hier eine ganz neue (alte) Welt. Bierstedt trifft wie immer den richtigen Ton, und dezente Hintergrundgeräusche und zuweilen Musik sind gekonnt und stimmungsvoll eingesetzt.

Ich kann das Hörbuch uneingeschränkt empfehlen. Für Gablé-Fans ist es ohnehin ein Muss. Alle anderen haben hier die Gelegenheit, sich bekehren zu lassen.

Volle Punktzahl.
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