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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DDR Live !, 18. September 2002
Von 
Dr. Matthias Korner "brundisium" (Ratingen, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Abgehauen (Gebundene Ausgabe)
Am 20. Juni 1977 verläßt der im Westen Deutschlands später durch seine Rollen als 'Liebling Kreuzberg' und 'Kommissar Stöver' bekannt gewordene Schauspieler Manfred Krug die DDR. Er und 11 DDR - Schriftsteller hatten am 17. November 1976 schriftlich dagegen protestiert, daß die Führung der DDR dem Liedermacher Wolf Biermann nach einem 4-stündigen Auftritt am Vortag in Köln die Wiedereinreise in die DDR verweigert hatte. Was der Autor, der als Schauspieler weitaus stärker als seine Schriftstellerkollegen von öffentlichen Aufträgen und Engagements abhängig war, daraufhin an Repressalien erleben mußte, führte dazu, daß er den Ausreiseantrag stellte.
Das aus drei (und nicht nur zwei, wie der Untertitel vermuten lassen könnte) Teilen bestehende Buch läßt einen hautnah die ganze Tragik von Krugs Schicksal miterleben.
Der erste Teil enthält den heimlichen Tonbandmitschnitt eines Streitgespräches zwischen 12 Schriftstellern und Schauspielern (Hilmar Thate, Stefan Heym, Jurek Becker, Klaus Schlesinger, Christa Wolf, Jutta Hoffmann, Angelika Domröse, Dieter Schubert, Ulrich Plenzdorf, Heiner Müller, der Regisseur Frank Beyer, Manfred Krug) und 3 hochrangigen Vertretern der DDR - Führung (dem Leiter der Abteilung Agitation und Propaganda) Werner Lamberz, seinem Mitarbeiter Karl Sensberg sowie dem Intendanten des Fernsehens der DDR Heinz Adameck) über das Wiedereinreiseverbot gegenüber Biermann.
Im zweiten Teil kommt Krug selbst zu Wort. Vom Zeitpunkt der Abgabe seines Ausreiseantrages an bis kurz vor seiner tatsächlichen Ausreise schildert er in einem Tagebuch all seine Anspannung, Gemütsregungen, Verzweiflung und Gespräche mit Freunden wie Jurek Becker und Armin Mueller-Stahl oder Gegnern wie Werner Lamberz.
Den Schlußteil bildet das Protokoll eines IM (informellen Mitarbeiters), der Krug offenbar sehr nahe stehen mußte, über mitunter belanglose Details der Abschiedsfeier von Krug und seiner Frau Ottilie und ihren letzten Abreisevorbereitungen.
Krugs Werk führt einem drastisch vor Augen, wie ohnmächtig der einzelne Bürger gegenüber einem allmächtigen Staat und seinen immensen Einflußmöglichkeiten ist, wenn der ihn erst einmal auf dem Kicker hat. Das gilt um so mehr, als es sich bei Krug sicherlich nicht um einen leicht einzuschüchternden Genossen handelte. Die Lektüre des IM - Protokolls wahrscheinlich erst einige Zeit nach der Wende muß für ihn ein Schock gewesen sein. Dieses Dokument des Verrats wird dazu beigetragen haben, daß Krug sich erst 19 Jahre nach seiner Ausreise zur Veröffentlichung in der Lage sah.
Fazit : Keiner, der sich für die Zeit der deutsch-deutschen Frage interessiert, wird an dem in seiner Art einzigartigen Buch vorbeikommen. Es gibt ein erschütterndes Zeugnis ab über Lebensumstände, die sich Menschen kaum vorstellen können, die in einer in vielerlei Hinsicht einfacheren und unkomplizierteren westdeutschen Welt aufgewachsen sind. Reizvoll am Rande ist überdies so manche Anspielung auf Zeitgenossen Krugs und den einen oder anderen Schriftsteller.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keine Biographie aber ein saugutes Zeitdokument, 4. September 2006
Von 
Peter Müller "meoda" (Frankfurt am Main) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Abgehauen (Gebundene Ausgabe)
Manfred Krug, Schauspieler und Sänger beschreibt in "Abgehauen" die Umstände seiner "Freiwilligen" Ausbürgerung aus der DDR im Jahr 1977.

Dabei handelt es sich hierbei keineswegs um eine Klassische Biographische Lebensabschnittsbeschreibung sondern um ein in drei Teile separiertes Stück DDR Zeitgeschichte.

So beginnt das vorliegende Buch mit dem abgeschriebenen Tonbandmitschnitt einer Diskussionsrunde einiger Zeitgenössischer DDR Schauspieler und Schriftsteller sowie 3 hoher Parteifunktionäre. Gegenstand dieser Unterhaltung ist Wolf Biermanns "Rauswurf" aus der DDR und ein dazu verfasstes und veröffentlichtes Protestschreiben der bei dieser Diskussion anwesenden Kulturschaffenden.

Der zweite Teil des Buches enthält die Tagebucheeinträge Manfred Krugs aus der anschließenden Zeit in welcher sein Ausreiseantrag lief bis zur Übersiedlung nach Westdeutschland.

Der dritte Teil ist ein Protokoll (unter anderem über Krugs Abschiedsfeier) eines Nachbarn welcher für die Staatssicherheit als informeller Mitarbeiter tätig war und offensichtlich die Aufgabe hatte Staatsfeindliches verhalten zu dokumentieren.

Da Krug bei der mitgeschnittenen Diskussion, seiner Tagebuchveröffentlichung und dem Protokoll des Informanten auf jegliche Erläuterungen oder Stilmittel verzichtet, ergibt sich ein Authentisches und durch die Zeitgenössische Wortwahl teilweise sogar witziges Dokument damaliger Argumentation, sowohl auf Seiten der Parteiangehörigen als auch bei Kritikern oder Mitläufern.

Dabei wären allerdings einige kurze Erklärungen zu Personen und Umständen als Einleitung speziell für Leser die diese Zeit nicht miterlebten sicherlich hilfreich gewesen. So braucht man eine weile bis die zusammenhänge erkennbar sind, hat dann aber eine wirklich originelle und sehr lebensnahe Schilderung einer Konfrontation vor sich wie sie für diese Zeit in der DDR wohl typisch war.

-- Peter Paul Müller --
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannende Zeitgeschichte, 2. September 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Abgehauen (Taschenbuch)
DDR 1977. Die Unzufriedenheit der Intellektuellen mit dem politischen System des Zweiten Deutschland ist so groß wie nie. Der Liedermacher Wolf Biermann gibt ein umjubeltes und kritisches Konzert in Köln und wird daraufhin aus der DDR ausgebürgert, darf nicht mehr zurück. Biermanns Kollegen, unter ihnen auch Manfred Krug, fordern die Regierung auf, die Maßnahmen zurückzunehmen, machen ihren Protest öffentlich.
Zwanzig Jahre nach seiner eigenen Ausreise aus der DDR (1978) schildert Manfred Krug eindrucksvoll, welches Repressionen er sich als kritischer Künstler in der DDR ausgesetzt sah, obwohl er ein großer Star dort war. Repressionen, die an ein Berufsverbot für den gefeierten Sänger und Schauspieler grenzten und die ihm keine Wahl ließen - außer einem Ausreiseantrag.
Den ersten Teil des Buches nimmt ein Tonbandprotokoll ein, welches Krug anläßlich einer Diskussion führender Künstler mit der "Kulturabteilung" von DDR-Regierung und Staatssicherheit heimlich - und unter Lebensgefahr - aufzeichnete. Eindrucksvoll sind hier nicht nur die unverhohlenen Drohungen der Staatsgewalt, sondern auch das Prominenz-Aufgebot (neben Krug u.a. Jurek Becker, Stefan Heym oder Angelika Domröse oder Ulrich Plenzdorf) welches sich in den Kampf mit dem Staat involvierte.
Manfred Krug, dem Unterhalter, ist ein Stück Zeitgeschichte und DDR-Vergangenheitsbewältigung gelungen, welches unbedingt lesenswert ist ! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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5.0 von 5 Sternen Ein gutes Buch., 9. April 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Einer unserer Lieblingsdichter ist der 2012 verstorbene Heinz Kahlau. In Manfred Krugs "Abgehauen" wird er auf Seit 194 im ersten Absatz kurz erwähnt. Dort heißt es: "...Ich habe meinen Fotoapparat bei mir und mache unauffällig Porträts von den Dichtern, da ist das greise, noch immer schöne Gesicht der Großmeisterin Seghers, das verschlissene von Kant, das feiste von Kahlau, das gütige von de Bruyn, das würdige von Heym..." Die Sprache des Autors ist stellenweise sehr bildhaft, er findet für seine Einschätzung der Gesamtsituation meist genau die richtigen Worte. Ein spannendes Buch, wir haben uns beim Lesen nicht gelangweilt.
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5.0 von 5 Sternen Eine Tragikomödie aus der DDR, 20. November 2013
Von 
H. P. Roentgen - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Im November 1976 passierte etwas verblüffendes. Die DDR liess Wolfgang BIermann, einen kritischen Liedermacher, nach Westdeutschland ausreisen. Dort ist er auf ein Konzert der IG Metall eingeladen. Das Konzert wird vom dritten Programm nach Mitternacht übertragen und die DDR ist wütend, hat Biermann doch Kritik an der DDR und vor allem an ihrer Führung geübt. Das geht nun gar und das Politbüro beschließt, dass Biermann ausgebürgert wird und nicht zurück darf ins Paradies der Bauern und Arbeiter.

Doch Biermann will zurück. Bald meldet sich Protest gegen den Beschluss, nicht nur in Westdeutschland, selbst in der DDR setzen zwölf Künstler eine (gemäßigte) Protestnote an das Politbüro auf. Bald schließen sich zahlreiche andere an, die DDR Führung möchte das unterbinden und vereinbart mit ihnen ein geheimes Gespräch. Drei hochrangige Politker sprechen mit den zwölfen in der Wohnung von Manfred Krug. Der ist der beliebteste Schauspieler der DDR. Und er tut, was einigen Mut erfordert: Er versteckt ein Tonband und nimmt das Gespräch auf. Dieses Gespräch bildet den ersten Teil des Buches. Wir hören Christa Wolf, Stefan Heym, Jurek Becker und andere, die mit Verve ihre Argumente vorbringen, warum Biermann die Rückkehr erlaubt werden sollte. Und drei Politbürokraten, die eigentlich nur ein Argument haben: Man darf nicht gegen die Partei protestieren, denn das nutzt dem Klassenfeind. Ein Lehrstück, das uns mehr über die DDR verrät und das Denken der Partei, die sich für die Hauptverwaltung ewiger Wahrheiten hielt.

Die Künstler ziehen ihre Protestnote nicht zurück, sie sind auch nicht bereit, diese abzuschwächen. Die Partei belegt sie mit Veröffentlichungsverboten, sie erhalten keine Engagements mehr und viele von ihnen stellen schließlich frustriert Ausreiseanträge wie auch Manfred Krug. Diese Zeit danach, diese Zeit kleiner oder größerer Schikanen durch die allmächtige Partei schildert der zweite Teil des Buches.

Der dritte Teil enthält die Stasi Berichte über Manfred Krug. Ein Nachbar hat sie verfasst.

Wer etwas über die DDR wissen will, darüber, wie deren Machthaber dachten und handelten, erhält hier Anschauungsmaterial. Besser kann man sie kaum charakterisieren und wir müssen Krug danken, dass er den Mut hatte, das Gespräch aufzunehmen.

Ein Lehrstück über Diktatur, über Bürokraten, die glauben, sie dürften, ja müssten alles bestimmen und denen jede auch noch so kleine abweichende Meinung eine Katastrophe erscheint, die man umgehend und mit allen Mitteln unterbinden müsse. Dass auch die CDU die Übertragung im Fernsehen unterbinden wollte (allerdings nicht mit der Begründung, dass BIermann die DDR verunglimpft habe, sondern weil es nicht angehe, Kommunisten Wort und Gesang im Fernsehen zu gestatten) zeigt, dass Politbürokraten überall ähnlich denken. Zum Glück haben sie in der Bundesrepublik nicht die Macht, die sie in der DDR hatte.

Ein Lehrstück, wie lächerlich, aber auch gefährlich, solche Typen sind.

Hans Peter Roentgen
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5.0 von 5 Sternen Manne Krug - Danke, 17. April 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Herr Krug, wir sind ein Jahrgang, wir sind beide Ostler, gab der deutschen Unterhaltung sehr viel. Der Inhalt des Buches zeigt den Mut und die Wut des Autors. Das System hatte sich schon entblößt durch die Ausweisung Biermanns. Krug und seine Mitstreiter tun was, erst durch ihre Unterschriften, dann durch das Gespräch mit der Obrigkeit. Krug legt noch ne Schippe drauf, lässt ein Tonband mitlaufen, Sehr mutig? - Tollkühn! Ich Ossi - kann das beurteilen. Das Buch gibt Einblicke in das Leben danach, nach der Biermannausweisung, nicht bei " Hinz und Kunz und Popelmann ", sondern bei einem mutigen A-Promi im Osten.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Intensiver Einblick in die Künstler-Problematik der DDR, 28. Juli 2006
Das Buch vermittelt einen sehr guten Einblick in die damalige Situation bzw. in die Lage der DDR-Künstler. Krug stellt sich selbst nicht als Held dar, sondern zeigt offen seine Schwäche u. letztlich auch Ausweglosigkeit, in die ihn die Unterschrift u. Kritik gebracht hat. Hinzu kommt sein offener u. humoriger Stil, der das Denken von damals deutlich wiedergibt.
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Abgehauen
Abgehauen von Manfred Krug (Gebundene Ausgabe - 1. Oktober 1996)
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