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190 von 199 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen schonungslos ehrlich
Ausgeprägt analytisch und tabulos setzt sich Abdel-Samad mit sich selbst, seiner Geschichte, den archaischen Traditionen Ägyptens und den Versuchungen und Überforderungen, die das Leben in Deutschland für ihn mit sich bringen, auseinander.

Die innere Zerrissenheit des Autors ist für den Leser schmerzhaft spürbar, die schonungslose...
Veröffentlicht am 12. November 2009 von Hattie

versus
24 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen vom Himmel zur Erde - da ist das Leben hart
Wenn man vom Himmel Abschied nehmen muss, landet man unweigerlich auf der Erde. Mindestens. Und dazu noch mit einem harten Aufprall. Wobei mir in dem vorliegenden Buch nicht ganz klar wurde, wo der Himmel sich für Abdel-Samad befand. Bereits in Kinderjahren musste er schlimme Erfahrungen mit Missbrauch machen, nichts wurde thematisiert oder irgendwie zur Sprache...
Veröffentlicht am 16. Januar 2010 von Gabriele B.


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190 von 199 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen schonungslos ehrlich, 12. November 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ausgeprägt analytisch und tabulos setzt sich Abdel-Samad mit sich selbst, seiner Geschichte, den archaischen Traditionen Ägyptens und den Versuchungen und Überforderungen, die das Leben in Deutschland für ihn mit sich bringen, auseinander.

Die innere Zerrissenheit des Autors ist für den Leser schmerzhaft spürbar, die schonungslose Ehrlichkeit des Autors sich selbst gegenüber mutig und schwer erträglich zugleich.

Anhand seiner eigenen Geschichte, der Geschichte eines zutiefst verletzten Menschen, gewährt Abdel-Samad dem Leser einen tiefen Einblick in die Lebenssituation der Menschen in Ägypten, in die gewaltproduzierenden, von arabischen Clanstrukturen geprägten, gesellschaftlichen Strukturen in arabischen Ländern, die in dem Individuum auch nach der Emigration weiter wirken. Abdel-Samad zeigt auf, worin die Faszination des Lebens in Deutschland, die Sehnsucht nach Freiheit und die gleichzeitige Überforderung des Einzelnen nach der Immigration begründet ist.

Ohne je seinen analytischen Blick zu verlieren, erklärt er den gesellschaftlichen Konflikt der Herkunftsgesellschaft, der, von dem Individuum verinnerlicht, in der Aufnahmegesellschaft Gestalt annimmt. Das Ankommen in Deutschland provoziert die kritische Auseinandersetzung mit den Lebensverhältnissen und Traditionen der Herkunftsgesellschaft und setzt sie zugleich voraus.

Insgesamt lässt sich daher sagen, dass dieses Buch, fesselnd geschrieben, ein sehr persönlicher und zugleich wichtiger Beitrag ist, sowohl im Rahmen der Integrationsdebatte als auch für die Menschen in den arabischen Ländern selbst.

Ein Buch, über das man lange nachdenkt.
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53 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Reise in den Westen, 1. November 2010
Von 
Klaus Engelhardt (Portland/Oregon, USA) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mein Abschied vom Himmel: Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland (Taschenbuch)
Hamed Abdel-Samad wurde in einem kleinen Dorf südlich von Kairo als Sohn eines Imam geboren. Seine tief religiöse Erziehung dient vor allem dem Zweck, dass er eines Tages das geistliche Amt des Vaters übernehmen sollte. Nach einem Fremdsprachenstudium in Kairo reist er, dreiundzwanzigjährig, 1995 zum weiteren Studium nach Deutschland, wo er heute als Historiker tätig ist.
Besonders im Zusammenhang mit seinem nachfolgenden Werk, Der Untergang der islamischen Welt (2010), kann Mein Abschied vom Himmel als Beitrag zu der intensiven öffentlichen Islamdiskussion gelesen werden, die gegenwärtig in den deutschen Medien geführt wird. Heute sieht sich Abdel-Samad als Muslim der sich ,,vom Glauben zum Wissen' gewandt hat, aber schon seine frühe Kindheit und Jugend waren mit ernsten Problemen befrachtet, für deren Überwindung seine religiöse Erziehung ihm keinerlei Handhabe oder Trost bot. Gewalt und körperliche Züchtigung -- auch die seiner Mutter durch den Vater -- gehörten in seinem Elternhaus zum Alltag. Dies, sowohl wie die Rituale seiner eigenen Beschneidung und der genitalen Verstümmelung seiner Schwester beschreibt der Autor in schonungsloser Offenheit, desgleichen das Trauma seiner eigenen Vergewaltigung, die ein fünfzehnjähriger Kairoer Mechanikerlehrling an dem Vierjährigen verübt hat. In der Rückschau schreibt der nunmehr fünfunddreißigjährige Hochschuldozent: ,,Das Leben der Stadt ging weiter, als sei nichts geschehen, als wären nicht gestern einem Kind alle Hoffnungen und Träume mit einer glühenden Zange aus dem Leib gerissen worden.' (S. 94).
Sowohl das soziale Umfeld auf dem Dorf als auch die verwirrenden Lebensverhältnisse der Studenten in Kairo weisen chaotische Züge auf und bieten dem jungen Hamed weder inneren Halt noch eine politische Heimat. Er kokettiert zeitweise mit der Muslimbruderschaft, dann wieder mit den Kommunisten, der ,,Muslimbruderschaft ohne Gott', wie er schreibt. Kritiklos macht er sich den Judenhass der ägyptischen Medien zu eigen. Obwohl ihm auch deren Hassliebe gegenüber dem Westen nicht fremd ist, bewirbt er sich mit Erfolg um ein Studentenvisum für Deutschland.
Seine Integration gestaltet sich schwieriger als er erwartet hatte. Es kommt zunächst zu einer Zweckehe mit einer Frau, die er in Ägypten als Touristin kennengelernt hat. Zeitweise betrachtet er sein Gastland mit den kritischen Augen vieler anderer radikalisierter Muslime, während er gleichzeitig die eigene Heimat und Religion idealisiert. Diese ungelösten Spannungen führen zu akuten köerperlichen und seelischen Krankheitszuständen.
Um seine japanischen Sprachkenntnisse zu vervollkommnen, entschließt er sich, ein Studienjahr in Japan zu verbringen. Dort begegnet er in Connie einer jungen Frau dänisch-japanischer Herkunft, ,,die Liebe [meines] Lebens', die ihm einen vertieften Einblick in die japanische Kultur und Religion vermittelt. Er vergleicht schintoistisches Denken mit seiner eigenen Religion: ,,Wenn der Japaner den Tempel verlässt, verfolgen ihn diese Götter nicht mit Verboten und Geboten. Der Mensch bringt die Götter zum Leben, nicht umgekehrt. Ein faszinierender Gedanke' (Seite 246).
Wie sein Verhältnis zu den meisten Frauen gestaltet sich auch die Beziehung zu Connie, obgleich sie später in eine Ehe mündet, vielschichtig und problematisch.
Der allmähliche Glaubensverlust des Autors wird auf den verschiedenen Stufen seiner Entwicklung immer wieder erneut thematisiert und zu erklären versucht. Dennoch entschloss sich Abdel-Samad, das Werk zunächst in Ägypten zu veröffentlichen, wenn auch als ,,Roman'. Es fand große Beachtung, aber auch heftige Kritik und wurde von islamischer Seite mit einer Fatwa belegt. Der Autor lebt heute in München unter Polizeischutz.
Es gehört Mut dazu, sein Innerstes so schonungslos preiszugeben; aber Hamed Abdel-Samad bietet dem deutschen Publikum damit einen authentischen, ganz persönlichen Bericht der schwierigen Reise eines Muslimen nach Westen, wie sie sich heute tausendfach vor unseren Augen abspielt.
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67 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Versuch einer offenen Bilanz im Leben eines zweifelnden Muslims, 27. April 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Sicher ein diskussionswürdiges Buch, teilweise in ungewohnter Offenheit geschrieben, aber immer wieder unter verwirrter Inkonsequenz leidend.
Etwas überspitzt könnte man sagen: Es geht um den Lebensweg und die Erfahrungen eines, heute in Deutschland lebenden Ägypters, der auf der Suche nach sich selbst ist, hierbei immer wieder an sich selbst scheitert, dies aber regelmäßig larmoyant anderen oder den "Umständen" in die Schuhe schiebt. Seine nicht erfüllten Erwartungen an ein glückliches Leben in Deutschland, seine sexuellen und religiösen Probleme führen ihn in eine starke psychische Krise (mit zeitweisem Aufenthalt in einer Klinik), dann bezeichnender Weise ans andere Ende der Welt, nach Japan, wo er (natürlich) ebenfalls nicht sein Glück findet. Im Gegenteil, er "ertappte sich dabei Deutschland zu vermissen". Es ist sicher kein Zufall, dass er immer wieder auch an Beziehungen zu Frauen scheitert. Seine religiöse Auseinandersetzung mit dem Islam nimmt breiten Raum ein und ist vom Ansatz her nachzuvollziehen, dann aber zeigt sich oft, dass der Autor erheblich Probleme hat, konsequent zu sein. Er scheint ein Gefangener zu sein. Er kämpft, aber aus seiner tief verinnerlichten muslimischen Tradition kann er sich letztlich nicht lösen.
Richtig fand ich den Hinweis Hamed Abdel-Samads, dass die arabische Welt gegenüber Europa insgesamt ein Gefühl der Ohnmacht verspürt, und dass die materielle Unterlegenheit mit moralischer Überlegenheit kompensiert wird.
Insgesamt ein sehr persönliches, mutiges Buch, das Einblick in die Konflikte eines nach Deutschland ausgewanderten, traditionell erzogenen Muslims gibt.
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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen verschlungen, 23. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mein Abschied vom Himmel: Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland (Taschenbuch)
Fünf Sterne - ohne zu zögern. Das Buch hat mich bewegt, ich habe es verschlungen - auch wenn es teilweise schwer zu ertragen ist, was der Autor berichtet. Fünf Sterne, weil es hier nicht um einen geht, der sich von seiner Kultur abgewendet hat, um sich der "richtigen", der westlichen anzuschließen. Ich gebe zu, dass ich beim Lesen zunächst so etwas vermutet oder erwartet habe, aber es kam anders, in Deutschland (und somit in der "Freiheit") angekommen, lösen sich eben nicht die Probleme in Luft auf. Gerade das sehe ich als eine Qualität das Buches an, denn Abdel-Samad hat auch in Deutschland, hat auch in Japan Probleme und legt auch hier (zum Teil sehr berechtigt) den Finger in die Wunde. Deshalb ist auch der Klappentext eher irritierend (wahrscheinlich aufgrund der Verkürzung), denn es geht hier meines Erachtens eben nicht nur um die "schizophrene Welt einer unaufgeklärten Gesellschaft", es geht auch um Deutschland, es geht auch um die "Bilder" (die in der Regel verkürzten), welche sich die deutsche Gesellschaft (wie jede andere auch) von der Welt macht, vor allem aber geht es um die Macht dieser Weltbilder. Gerade diese Passagen haben mich fasziniert, diese Passagen, in denen deutlich wird, wie sehr wir alle in unserer Sicht gefangen sind, wie wenig man sich aus den Fesseln der eigenen Erziehung und Sozialisation lösen kann. Das Buch mag bisweilen sprunghaft sein, es ist nicht immer wirklich zu verstehen, in welche Richtung sich der Autor gerade bewegt, es mag auch stilistische Mängel haben, es ist aber mitnichten ein Buch, welches für den schnellen Erfolg geschrieben wurde, sondern es ist meines Erachtens verdammt mutig, sich seinem Leben und seinen Defiziten auf diese Weise zu nähern. Mabrouk!
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zerrissen, 14. März 2011
Von 
Stefan Schröder "Libraraptor" (Ostentrop, Sauerland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Mein Abschied vom Himmel: Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland (Taschenbuch)
Schön flüssig liest sich das Buch, aber nur bezüglich seiner Sprache. Inhaltlich enthält es ein Auf und Ab von Banalitäten, Schockierendem und Wissenswertem. Eine wirkliche Handlung oder Gliederung ist nicht vorhanden. Abdel - Samad erzählt so, wie ein innerlich zerrissener Mensch erzählt: Äußerlich darauf bedacht, dass das Erzählte irgendwie einheitlich und auf eine Identität begründet rüberkommt, im Detail aber voller Sprünge. So spiegelt sich in der Art, wie Abdel - Samad seine Lebensgeschichte erzählt auch die Art, in der er sie erlebt hat: Undurchschaubar, oberflächlich, von tiefer Spaltung und Verwundung durchzogen.
"Show your scars" singen Metallica, "Zeige Deine Wunden und Du wirst geheilt", steht sinngemäß in der Bibel. Das tut der Autor auf eindrucksvolle, mutige und manchmal auch aufdringlich wirkende Weise. Aufdringlich dann, wenn man das Geschilderte kaum ertragen kann (z.B. bei der Beschreibung von Beschneidungsszenerien, Vergewaltigungen und der fast schon an Hirnlosigkeit grenzenden Passivität mancher Islam - Vertreter)
Besonders gut gefällt mir die Definition des Dschihad durch Abdel - Samads Vater. Demnach besteht die größte Herausforderung eines "echten" Mannes nicht darin, sich für andere in die Luft zu sprengen und für irgendwelche idiotischen Fantasien von Himmel un Gott zu sterben. Sondern darin, täglich für seine Familie und sich selbst zu sorgen. Das ist lange nicht so feige wie die Attentatshandlungen von Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben, weil man ihnen nie ein Leben gab.
Der Autor wollte so jemand niemals sein. Und so wünsche ich ihm alles erdenklich Gute mit seiner Ehefrau! Es sind ehrliche, reflektierte, zu differenzierten Betrachtungen fähige, schonungslose und mutige Menschen wie der Autor, die wir wirklich für unsere Integrationsdebatten brauchen. Da kann Sarrazin gerne einpacken.
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64 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Es bleibt ein Unbehagen - dennoch lesenswert, 24. November 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Autor erzählt seine Geschichte weitgehend schonungslos. Aber es bleibt ein grosses Fragezeichen. Sehr Problematisches wird nur angedeutet, wie zum Beispiel, dass er nach diversen Therapien und im vermeintlich geheilten Zustand seine Ehefrau krankenhausreif schlug, oder dass er seine erste - 17 Jahre ältere - deutsche Ehefrau offensichtlich ausnützte, und dass er seine Gewalttätigkeit kaum im Griff hatte. Insgesamt macht er seine Geschichte für sein Verhalten veranwortlich, die archaische Gesellschaft, die unterdrückte Sexualität, als ob andere Gesellschaften, auch in Europa, keine unterdrückte Sexualität gekannt hätten. Schuld sind die anderen. Auch ist sein Verhältnis zum Islam entgegen dem Titel nur oberflächlich distanziert. So wettert er kurz aber heftig gegen Necla Kelek, der er vorwirft, den Deutschen nach dem Mund zu reden. Es bleibt ein Unbehagen. Gerade darum finde ich das Buch lesenswert.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hamed Abdel-Samad macht das Gefühlsleben und die Gedankenwelt eines Moslems in Deutschland nachvollziehbar., 4. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Autor beschreibt seine Jugend im ländlichen Ägypten, seine Auswanderung und seine Schwierigkeiten sich als islamisch sozialisierter Sohn eines Imams, in der deutschen Gesellschaft zurechtzufinden.

Der Text ist eine persönliche Geschichte, nicht eine intellektuelle Analyse. Die Verbitterung und das Misstrauen das viele Moslems gegenüber der säkularen Gesellschaft haben wird nachvollziehbar. Gleichzeitig zeigt Abdel-Samad wie er sich davon befreit hat.

Für mich war die Lektüre ein Einblick in eine Welt, die ich zuvor überhaupt nicht verstanden habe. Sehr Aufschlussreich.

Es handelt sich natürlich um den subjektiven Bericht eines Einzelnen, dennoch empfehle ich das Buch für alle, die sich für das Thema interessieren. Für mich wären die bewegenden Schilderungen und die packende Erzzählweise alleine ein Kaufgrund.
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81 von 92 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Suche nach dem richtigen Gott und damit dem Halt in der Welt., 16. September 2009
Als der junge Ägypter Hamed Abdel-Samad 1985 auf dem Flughafen in Frankfurt / M landet, ist er voller Hoffnung und Zuversicht auf sein Leben in Deutschland.
Bald aber muss er feststellen, dass einem auch in Deutschland die gebratenen Tauben nicht in den Mund fliegen. In einer recht depressiven, wenig zukunftsfreudigen Haltung berichtet Hamed Abdel-Samad über seine ersten Eindrücke und sein Leben in Deutschland, das ihn in eine wenig Erfolg versprechende Ehe mit einer viel älteren Frau führt.
Daneben versucht er sich mit einem Studium und verdient sein Geld in einer Kraftfahrzeugwaschanlage.

In der Gegenüberstellung seines Heimatlandes, dessen Sitten, Gebräuche und Lebensformen mit den von ihm erwarteten Fortschritten des Landes, das er sich zum Gastland auserkoren hat, kann man bald schon erkennen, dass er weder dem einen Land noch dem anderen viel Gutes abgewinnen kann.
Der Bericht ist einem an sich selber zweifelnden und aus allen Bezügen heraus gefallenen Mannes geschuldet, der alle Orientierung verloren zu haben scheint. So sind seine Bilder eher schwarz gefärbt, denn hoffnungsfroh.

Er studiert eher nebenbei, fühlt sich nirgendwo glücklich und zu Hause und startet eine Abrechnung mit seiner Kindheit, in der ihm mehrfach Gewalt angetan wurde.
Die eigene willkürlich und unverständlich erlebte Beschneidung und die seiner Schwester lösten Widerstand und Abwehr in ihm aus.
Nachdem er schon einige Zeit in Deutschland gelebt hat, scheitert seine Ehe und er hat wiederholt Angstzustände zu bewältigen. Sexuelle Not ist einer der Gründe für seine Ängste.
Als gestörte Persönlichkeit landet er zu Zeiten in einer psychiatrischen Klinik, in der er zwar Medikamente aber keine seelischen Hilfen finden kann. Er reist nach Japan, immer auf der Suche nach der richtigen Lebensform und einem Glauben, der ihn erlösen könnte. Eine neue Frau und neues Glück bei einer Halbjapanerin befreien ihn vorübergehend aus seinen Nöten.Am Ende entschließt er sich zu einer weiteren Behandlung und dem Schreiben seiner Autobiographie.
Bemerkenswert ist die Suche eines Moslems, der in seinem Glauben den Halt verloren hat und keinen neuen finden kann. Als hoch begabter, sehr sensibler und feinfühliger Charakter ist er früh mit dem System der Familienordnung in Ägypten in Konflikt geraten und konnte sich in der Welt keinen Platz sichern. Vorgesehen war für ihn vom Vater die Berufung zum Imam.
Er schwankt zwischen verschiedenen Lebensformen und Welten hin und her und leidet doch zutiefst innerlich an einem eigenen Mangel an Standortbestimmung.

Er bezeichnet sich selber als Teil eines Konflikts zwischen "Ambivalenz, Dogmen und Vernunft; Monokultur und Vielfalt."' Er sieht diesen Konflikt nicht alleine als Problem des Islams.
Seine Autobiographie bietet Einblicke in die tiefen Schichten seiner Psyche bei gleichzeitig hoher Fähigkeit, die kulturellen und religiösen Konflikte auszumachen und als Zeit- und Gegenwartsprobleme zur Diskussion zu stellen.

Heute arbeitet er am Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität in München und steht unter Polizeischutz, da er mit seiner kritischen Haltung dem Islam gegenüber gefährdet ist.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Abschied vom Tabu!, 18. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Mein Abschied vom Himmel: Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland (Taschenbuch)
Tabubrüche sind zwingend, um alte Machtstrukturen aufzubrechen. Man kann Herrn Abdel-Samad nur seinen größten Respekt dafür bekunden, dass er den Mut zu diesen Tabubrüche hatte. Auch wenn er Frau Kelek kritisch betrachtet, hat diese sich auch schon darauf bezogen und die Tabuisierung, als einer der wesentlichen Gründe angeführt, weshalb sich in archaisch-islamisch geprägten Gesellschaften und Clans nichts ändert. Wo die Opfer nicht wagen können den Mund aufzumachen, wird es auch niemand geben der ihnen beisteht. Aber, aus diesem Buch geht auch deutlich hervor, dass beide, Frauen und Männer Opfer sind.

Auch wenn es derzeit für uns so aussieht, das die Bürger von Ägypten vom Regen in die Traufe kommen, durch die Wahl von Kandidaten der Moslembruderschaft, werden die Kräfte die das Land erneuern und moderner gestalten wollen nicht ignoriert werden können. Zu diesen Kräften gehören eindeutig auch die Frauen in den Großstädten. Hamed Abdel-Samads Mutter konnte zu ihrer Zeit, obwohl sie gebildet war, für ihre Töchter noch wenig tun.
Sein Buch ist nicht nur für ihn sehr wichtig, sondern besonders auch für die jüngere Generation seines Landes. Ich hoffe nur, dass die Diskussion die es in seinem Land angestoßen hat weiter geht. Die aufgeschlossenen Menschen dort weiter ermutigt, dran zu bleiben. Veränderungen in einer Gesellschaft, so auch in der ägyptischen, kann nur durch seine Bürger selber bewirkt werden und durch mutige Persönlichkeiten wie Herrn Abdel-Samad. Das Risiko, dass ihn Islamisten Mundtot machen können, wie es seinerzeit mit Salman Rushdie passierte, dürfte diesmal relativ gering sein. Seine Bekanntheit und auch seine öffentliche Stellung in Deutschland schützen ihn. Hoffentlich.

Ich bin sehr erfreut das hier ein weiteres system- und gesellschaftkritisches Buch von einem Autor aus der arabisch sprechenden Welt veröffentlicht wurde. Rajaa Alsanea aus Saudi Arabien hat vor einigen Jahren ebenfalls ein sehr lesenswertes Buch herausgebracht, was sich mit ähnlicher Thematik befasst -Die Girls von Riad - .
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit ungewohnter Offenheit durch die ägyptische Kultur, 16. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mein Abschied vom Himmel: Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland (Taschenbuch)
Wie schafft es ein Einzelner, der in einem ägyptischen Dorf aufgewachen ist, das voller Verdrängung, Verlogenheit und innerer Widerspräche ist, zu solch einem offenen und ehrlichen Bericht zu gelangen? Und er hat es nicht getan, ohne sein Leben auf's Spiel zu setzen. Wunderbar zu lesen, teilweise auch bedrückend, aber vor allem eben ehrlich.
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Mein Abschied vom Himmel: Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland
Mein Abschied vom Himmel: Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland von Hamed Abdel-Samad (Taschenbuch - 10. September 2010)
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