Kundenrezensionen


125 Rezensionen
5 Sterne:
 (45)
4 Sterne:
 (21)
3 Sterne:
 (11)
2 Sterne:
 (10)
1 Sterne:
 (38)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


55 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kurzweilige Auseinandersetzung für Zweifler
Sicherlich kein Buch um überzeugte Atheisten zum Christentum zu bewegen. Vielmehr ein Buch das sich an jene wendet, die den inneren Zweifel spüren und mit dem Gott den wir aus dem Religionsunterricht zu kennen glaubten nichts anzufangen wissen.

Der Titel machte mich neugierig. Mit anfänglicher Skepsis, schließlich bin ich schon vor Jahren...
Veröffentlicht am 20. August 2010 von Sucher

versus
12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Enttäuschung kommt zum Schluss
Mit großem Interesse habe ich über die Hälfte dieses Buches gelesen und mich gefreut, vom Wissen des Manfred Lütz zu profitieren. Besonders gefallen hat mir, wie der Autor die Geschichte des Christentums in die Chronologie der gesellschaftlichen Entwicklung gestellt hat. Eine hilfreiche Fleißarbeit; ich vermute, dass diese Inhalte seines Buches...
Veröffentlicht am 20. November 2012 von WolfRam


‹ Zurück | 1 213 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

55 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kurzweilige Auseinandersetzung für Zweifler, 20. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Gott: Eine kleine Geschichte des Größten (Taschenbuch)
Sicherlich kein Buch um überzeugte Atheisten zum Christentum zu bewegen. Vielmehr ein Buch das sich an jene wendet, die den inneren Zweifel spüren und mit dem Gott den wir aus dem Religionsunterricht zu kennen glaubten nichts anzufangen wissen.

Der Titel machte mich neugierig. Mit anfänglicher Skepsis, schließlich bin ich schon vor Jahren aus der Kirche ausgetreten, habe ich angefangen zu lesen. Die Skepsis wich und echtes Interesse kam. Ich habe das Buch nicht so verstanden das 100% überzeugte Atheisten von Gott überzeugt werden sollten. Vielmehr scheint es so als wenn das Heer der Enttäuschten und der Zweifler angesprochen werden sollte.

Beginnend mit einem Abriss über Atheismus in den einzelnen Epochen nutzt Manfred Lütz die Gelegenheit um mit einigen Gottesbildern aufzuräumen.
Ich war erstaunt wie viele Vorurteile über Gott, Dogmen und Kirche ich während des Lesens über Bord werfen oder doch zumindest hinterfragen musste.

Manfred Lütz hat es mit seinem Buch zumindest geschafft bei mir wieder Neugierde auf diesen Gott zu wecken. Sofern man bereit ist seine eigenen Vorstellungen von Gott mal zu hinterfragen ist es ein Buch das nachwirkt und dazu einlädt Antworten auf längst beantwortet geglaubte Fragen zu suchen.

Der Autor stellt dem Leser einen sehr persönlichen Gott vor, keinen vergeistigten oder gar den älteren Herrn im weißen Gewand. Durch seinen Hintergrund ist die Suche nach Gott katholisch eingefärbt, was mich als Protestant aber nicht daran gehindert hat das Buch mit Neugierde und wachsendem Interesse zu lesen. Der Schreibstil ist alles andere als frömmelnd von daher liest es sich sehr flüssig.

Fazit: Ein sehr interessantes Buch über ein ernstes Thema, das ohne Drohungen auskommt und, sofern man sich darauf einlässt, Lust auf mehr macht.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


125 von 163 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Persönlich und auch kritisch, Religion und Atheismus auf dem Prüfstand, 29. Dezember 2007
Religion und Glaube sind heute wieder in aller Munde. In zahlreichen Talkshows und Büchern schmeißen sich Gegner und Befürworter der Religion die Argument für und gegen diese um die Ohren. Ein wenig spiegelt sich diese "ewige Auseinandersetzung" auch in dem vorliegenden Buch von Manfred Lütz wieder, der nicht verschweigt auf welche Seite er sich schlägt: pro Religion und mehr: pro Gott! Allein diese Tatsache wird im Zeitalter von Richard Dawkins "Gotteswahn" so manchen davon abhalten dem vorliegenden Buch etwas Konstruktives abgewinnen zu können, denn wer so klar und deutlich Stellung bezieht - so ein all zu oft anklingendes Argument - wird wohl kaum eine faire und reflexive Aufarbeitung des Themas erwarten lassen. So gesteht auch Lütz in diesem Buch ein, dass es sich um eine klar persönlich bestimmte Herangehesweise an das Thema "Gott" handelt, eine andere - so lautet eine Botschaft des Buches - ist gar nicht möglich. Lütz demonstriert, dass weder die Psychologie, noch die Philosophie mit ihren starren Götterbildern wirklich etwas über Gott aussagen können, Gott zu erfassen - was vollends nie gelingen kann -ist immer ein "Mehr" und hat im Wesentlichen mit persönlichen Erfahrungen zu tun. Einen wesentlichen Teil des Buches nimmt die Auseinandersetzung mit dem Atheismus und der "Wissenschaft" ein, welche Lütz als die Hauptgegner der Religion in den vergangenen Jahrhunderten ausmacht. Kurz und knapp schildert er dabei die wesentlichen Formen des Atheismus von der Antike bis zur Gegenwart, zeigt aber auch an gegebenen Stellen dessen Schwächen auf. Nach Lütz ist der Atheismus heute eigentlich überwunden, da seine wesentlichen Argumente hinfällig geworden sind, was nach Lütz auch an der wissenschaftlichen Erkenntnis liegt, dass eigentlich keine streng allgemeingültigen Aussagen mehr gemacht werden können. Wer die Aussage "Gott gibt es nicht" propagiert, muss gleichfalls auch die Aussage "Gott gibt es" auf eine gleiche Stufe stellen und damit anerkennen.
Die Sprache von Lütz in diesem Buch ist sehr eingängig, d. h. vor allem locker und all zu oft (polemisch) flapsig. Die philosophischen/ psychologischen (atheistischen) Konzeptionen auf die eingegangen wird in diesem Buch, werden in wenigen Sätzen zusammengefasst, wobei man als Leser schonmal schlucken muss, wenn Freud, Platon, Aristoteles, Kant, Hegel, Augustin, Rahner u. a. sprachlich so frei und verkürzt abgehandelt werden. Hier zeigt sich aber zum Einen die Stärke von Lütz, nämlich jedermann/frau (!!!) die großen Denker der Weltgeschichte vereinfacht - aber korrekt - zu vermitteln, zum anderen verbirgt sich hier aber auch eine Schwäche des Buches, es fehlt manchmal etwas an Tiefe. Kenner der genannten Denker werden sich nicht immer zufrieden geben. Nach Lütz Eigenaussage (Nachwort) ist sein Werk aber von zahlreichen Experten gegengelesen, daher sind inhaltliche Fehler in der Darstellung ausgeschlossen, was m. E. auch zutrifft. Da das Buch für eine breite Öffentlichkeit verfasst ist, fehlen Literaturangaben und Register, was zumindest bei den zahlreichen Zitaten schmerzt, hier hätte man auch als wissenschaftlicher Laie gern das ein oder andere Mal gewusst, aus welchem Werk der großen Denker es stammt, bzw. in welchem Zusammenhang das Zitat im Originalwerk steht. Insgesamt eignet sich die Lektüre des Buches aber als ein guter Einstieg in die Auseinandersetzung zwische Religion, Wissenschaft und Atheismus und deren gegenseitigen Verquickungen, es ist aber auch persönlich, weshlab Lütz - zu Recht - keine Allgemeingültigkeit beansprucht, es bietet aber Argumente und Gedankengänge, die jeden einladen können, mit- und weiterzudenken, was auch selbsternannte Atheisten und Agnostiker ansprechen sollte.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Gott erkennen bedeutet Gottes Liebe zum Guten nachahmen - Rezension zu Manfred Lütz "Gott ", 8. März 2013
Wer "Gott: Eine kleine Geschichte vom Größten" von Manfred Lütz zur Hand nimmt, sollte wissen, worauf er sich einlässt: auf eine anregende, humorvolle, gut lesbare, facettenreiche und unverkürzte Hinführung zum christlichen Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel (das er übrigens auf S. 239f vollständig zitiert). Es ist für das Christentum seit über eineinhalb Jahrtausenden verbindlich. Lütz betont, dass dieses Glaubensbekenntnis "nicht nur in seinen Begriffen, sondern auch in seinen Bildern den menschgewordenen Gott verkündet, ohne ihm zu nahe zu treten. ... Alles andere [in seinem Buch] können Sie vergessen." (S. 239f)

Sehr anregend und informativ analysiert Manfred Lütz den Idealismus der modernen atheistischen Theorien aus Philosophie, Psychologie und Naturwissenschaften. All diese Theorien sind, wie ihre Urheber wissen, gedankliche Konstrukte. (Idealismus oder Ideologie: Grundätzlich stehen Erkenntnistheoretiker immer vor der Frage: Skeptizismus oder Heroismus, wann sie zweifeln müssen und wann sie - ohne Bodenhaftung zu verlieren - "heldenhaft" in den Bereich des Unbekannten vorstoßen dürfen.) Für den gläubigen Christen Manfred Lütz steht fest, dass der Glaube des Christentums keinerlei logische Widersprüche enthält, dass er der Vernunft gerecht wird – und dass er jene existentielle Wahrheit verkündet, die das Handeln der Menschen bestimmt: „Der Geist war nicht ein Nebenprodukt der Materie, er war deren beherrschende Struktur. Das erkennende menschliche Denken war nur ein Nachdenken des schon Vorgedachten.“ (S. 134)

Der künstlerische Ausdruck von Gotteserfahrung

Sehr lesenswert sind die eindrucksvollen Kunstbeschreibungen, mit denen der Psychotherapeut Lütz die Einsicht vermittelt, dass der Mensch nicht auf die natürliche, irdische Psyche beschränkt ist, dass er vielmehr eine Seele hat, die auf eine geheimnisvolle Wirklichkeit hin angelegt ist, die weit mehr umfasst als unsere diesseitige vergängliche Welt. Lütz: "Musik ist der existentielle Beweis, dass es etwas Immaterielles gibt und dass das gut sein und Bestand haben kann." Selbst Lenin habe von Beethoven "Appassionata" gesagt: "Ich kann sie nicht hören, sonst bringe ich die Revolution nicht zu Ende."

Das Thema Schuld und Vergebung erläutert Lütz an Jacopo Tintorettos Meisterwerk "Jesus und die Ehebrecherin". Und bei der Frage nach Leid und Erlösung verweist er auf die wunderbare Pieta des Michelangelo: "Sie ist ein Andachtsbild, denn mit dem linken Arm lädt die Madonna uns voller Anmut ein, mit ihr zusammen diesen Christus Gottes Sohn anzubeten. Wer dieser Einladung folgt ist Christ. Die Pietà des tieffrommen Michelangelo gehört zu den Kunstwerken, bei deren Anblick man Christ werden kann." (ausführlichere Leseproben siehe unten)

Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs: Gott ist die Liebe zum Guten

Nach Zurückweisung von rational konstruierten (idealistischen) Gottesbildern des "Gottes der Wissenschaftler, Psychologen und Philosophen“ führt uns Manfred Lütz zur existentiellen Glaubenserfahrung des Blaise Pascal (1623-1662): "Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, nicht der der Philosophen." (S. 180. Blaise Pascal war ein bedeutender Mathematiker, Physiker, Literat und Religionsphilosoph. Er kritisierte die Verweltlichung der damaligen Kirche, weshalb seine religiösen Schriften verboten waren.) Nach der jüdisch-christlichen Lehre kommt bekanntlich nicht derjenige ins Heil, der meint die Wahrheit zu besitzen, sondern nur wer die Wahrheit tut. Jeder sollte das universale Gebot der Nächstenliebe nach seinen Kräften in alltägliche Praxis umsetzen: Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten. (Matthäus 7,12) Die Wahrheit von der Liebe Gottes zum Guten verfehlt, wer es versäumt, in dieser Welt Gottes Liebe nachzuahmen. (Übrigens: Der Sozialdarwinist Richard Dawkins bezeichnet den "Drang zur Nächstenliebe" als "Fehlfunktion im darwinistischen Sinn". "Der Gotteswahn", S. 306)

Der Weg zur Gotteserfahrung

Doch wie kommen Menschen zum Glauben an Gott? Lütz erklärt das am Beispiel der atheistischen Philosophin Edith Stein, einer Mitarbeiterin von Edmund Husserl, dem Begründer der Phänomenologie. Das (kindliche) Staunen und jenes metaphysische Philosophieren, dass die Welt da ist und dass sie schön ist, hatte Edith Stein bereits verinnerlicht, als sie von der Ehefrau eines Kollegen tief beeindruckt wurde, die den Tod ihres Ehemanns im christlichen Glauben ertrug. Dann wurde sie, bei "zufälliger" Lektüre von den tiefen Gedanken einer Kirchenlehrerin, der heiligen Theresa von Avila ergriffen. Damit aber ist für Lütz bei weitem nicht alles erklärt. Deuten solche Bekehrungen doch darauf hin, dass wir eine geheimnisvolle, das Übernatürliche berührende Seele haben. Wir können also die Seele nicht wie selbstverständlich als naturgegeben, innerweltlich, tiefenpsychologisch, irrational oder wahnhaft abtun. Viel sei darüber diskutiert worden, ob Heilige „geisteskrank“ sind. Doch bei gründlichen wissenschaftlichen Untersuchungen bestätige sich immer wieder, dass Heilige geheimnisvolle Besonderheiten aufweisen, doch niemals psychisch krank sind. Heilige haben immer eine ungewöhnliche Offenheit für Welt, Natur, Menschen und Gott, während psychisch Kranke sich der Welt verschließen.

Fazit:
Ein anregendes Buch, das den Leser auf jene prinzipiell allen Menschen zugängliche, universale existentielle Gotteserfahrung aufmerksam machen will - die man beim Nachdenken über den tiefsten Sinn von Vertrauen, Treue, Hoffnung und Liebe machen kann. (Der marxistische Psychoanalytiker Erich Fromm hält die Gotteserfahrung für eine "Definitionsfrage", denn er glaubt, dass eine solche “X-Erfahrung“ generell bei allen Menschen, Gottgläubigen und atheistische Humanisten, die Motivation zur Nächstenliebe sei.) Wir Menschen sollten uns nicht zu rechthaberischen Diskussionen über „Gott und die Welt“ hinreißen lassen – zumal auch Atheisten zu wissen glauben, was das Wort „Gott“ nicht bedeutet. Wenn wir Gott erkennen und wirklich wie Gott sein wollen, dann müssen wir in unserem Leben Gottes Liebe zum Guten nachahmen. Oder negativ formuliert:

"Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüßte und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts." (1.Kor 13,2)

---------------------------------------------------------------------------------------------
Anhang:
(I.) Philosophische Prämissen des Monotheismus und (II.) Leseproben aus diesem Buch

I. Philosophische Prämissen des Monotheismus:

Der Kulturkritiker Terry Eagleton weist in "Der Sinn des Lebens" darauf hin, dass es gegenwärtig für die Glaubens-Fragen nach Sinn und Bedeutung des Lebens keine einvernehmlichen Antworten gibt. Während die Anhänger der Moderne im zwanzigsten Jahrhunderts verzweifelt nach einer naturwissenschaftlichen Problemlösung suchten, lehnen die Vertreter der Postmoderne jedes Nachdenken über den Sinn des Lebens ab. (Postmoderne bekämpfen im Namen ihres elitären Freiheitsbegriffs die Mehrheitsmeinung der universalen "großen Erzählungen oder Glaubenssysteme" um gleichzeitig "Gerechtigkeit" für den Subjektivismus und Partikularismus von unzähligen Minderheitskulturen zu fordern.) Hier seien nun einige Aspekte des monotheistischen Glaubenssystems dargestellt.

1. Leib-Seele-Problem:
"Der Geist war nicht ein Nebenprodukt der Materie, er war deren beherrschende Struktur. Das erkennende menschliche Denken war nur ein Nachdenken des schon Vorgedachten." (S. 134)

2. Ontologischer Realismus:
"Der Realismus ist, wenn wir ihn auf eine einfache Formel bringen, die Auffassung, dass die Welt von unserem Geist unabhängig ist. … Ein solches Weltbild enthält uns Menschen zwar als Bestandteile der Welt, die in der Lage sind, ein Stück von ihr objektiv zu erfassen, aber ein wesentlicher Ausschnitt der Welt könnte uns aus konstitutionell bedingten Gründen für immer unzugänglich bleiben." (Der Atheist und philosophische Realist Thomas Nagel in „Der Blick von nirgendwo“ S. 47ff, 157, 181 )

3. Ethischer Realismus:
Letztlich geht es schlicht und einfach darum, ob folgende besondere objektive Voraussetzung für unseren gesunden Menschenverstand wirklich eingängiger und "glaubhafter ist als ihre Negation: dass erstens unser Bewusstsein, die Welt statte uns mit Gründen für unser Wirken aus, nichts als eine subjektive Täuschung ist, die darauf zurückgeht, dass wir unsere eigenen präexistenten Motive in die Welt hineinprojizieren, und dass es zweitens aus objektiver Sicht für unser Wirken keine Gründe gibt - obgleich es freilich `Motive` gibt, die teilweise ihrer Form nach solche normativen Gründe imitieren." (Der Atheist und ethische Realist Thomas Nagel in „Der Blick von nirgendwo“, S. 246f)

4. Transzendenzerfahrung (Ist Gott tot?):
Der marxistische Philosoph, atheistische Psychoanalytiker und hervorragende Kenner der Bibel Erich Fromm rät uns, wir sollen die Frage „Ist Gott tot?“ nach zwei Aspekten angehen: „Ist die Gottesvorstellung tot, oder ist die Erfahrung, auf welche diese Gottesvorstellung hinweist, und ist der höchste Wert, der darin zum Ausdruck kommt, tot? – Im ersten Fall könnte man die Frage auch formulieren: Ist Aristoteles tot? Man könnte das deshalb tun, weil es hauptsächlich dem Einfluss des Aristoteles zu verdanken ist, dass Gott als gedankliche Konzeption diese Bedeutung gewann und die Theologie ihren Aufschwung nahm. … Wenn wir andererseits die Frage stellen wollen, ob die Erfahrung tot ist, dann sollten wir – statt zu fragen ob Gott tot ist – lieber fragen, ob der Mensch tot ist. Er läuft Gefahr, zu einem Ding zu werden, die wirklichen Probleme der menschlichen Existenz aus den Augen zu verlieren und sich nicht mehr für diese zu interessieren. Wenn der Mensch in dieser Richtung weitergeht, wird er selber [geistig] tot sein, und das Problem von Gott als Vorstellung oder als poetisches Symbol des höchsten Wertes wird kein Problem mehr sein.“
Dieser profunde Kenner des Juden-Christentums fasst zusammen: "In der Überlieferung von der Bibel bis Maimonides bedeutet Gott erkennen und wie Gott sein, Gottes Wirken nachzuahmen und nicht, über Gottes Wesen Bescheid zu wissen." Fromm ist fest davon überzeugt, dass es für alle Menschen verbindliche, universale moralische Gesetze gibt. (S. 153) Sein "Wert X als höchster Wert“" entspricht einer Hoffnung auf das Gute, als die "dem Gottesbegriff zugrunde liegende Realität der Erfahrung". (Erich Fromm, "Ihr werdet sein wie Gott", S. 61, S. 194f)

5. Die Wahrheit in analoger Begrifflichkeit und symbolhafter Erzählung:
Das christliche Glaubensbekenntnis verkündet "nicht nur in seinen Begriffen, sondern auch in seinen Bildern den menschgewordenen Gott, ohne ihm zu nahe zu treten." (S. 239f)
Der marxistischer Katholik und Literaturwissenschaftler Terry Eagleton stellt klar, dass man Wahrheit in Sinnfragen nicht an naturwissenschaftlichen Erkenntnissen messen kann: "Es ist als hätte eine homöopathische Natur uns mit dem Gift auch das Heilmittel geschenkt, und beide trügen den Namen “Bewusstsein“. Wir können düstere Spekulationen darüber anstellen, warum die Natur in ihrem rücksichtslosen Streben nach Erhaltung der Art dem einzelnen Leben gegenüber gleichgültig ist. Oder wir können unseren Verstand dafür verwenden, lebensspendende Mythologien wie Religion, Humanismus und dergleichen zu ersinnen, die uns einen gewissen Status und eine gewisse Bedeutung innerhalb eines unwirtlichen Universums zuweisen. Solche Mythologien mögen aus wissenschaftlicher Sicht nicht wahr sein. Aber vielleicht überbewerten wir die wissenschaftliche Wahrheit, wenn wir sie für die einzige Wahrheit halten, die es gibt. Wie bei den Geisteswissenschaften generell, so können wir auch von diesen Mythen sagen, sie enthielten eine Wahrheit eigener Art, die eher in ihren Wirkungen als in ihren Aussagen liegt. Falls sie uns möglich machen, mit einem Gefühl von Wert und Ziel zu handeln, sind sie für unsere Ansprüche vielleicht wahr genug." (Terry Eagleton, "Der Sinn des Lebens", S. 76f)

6. Die unerschütterliche Hoffnung auf die Erlösung:
Gemeinsam haben Marxismus und Juden-Christentum die Hoffnung auf Erlösung. Der Atheist Erich Fromm stellt fest: "Man darf den Messias nicht herbeizwingen, aber man muss ihn jeden Augenblick erwarten. Die richtige Einstellung ist weder stürmische Ungeduld noch passives Abwarten; richtig ist eine dynamische Hoffnung. Diese Hoffnung ist in der Tat paradox. Sie setzt eine Haltung voraus, die mit der Möglichkeit rechnet, dass das Heil in eben diesem Augenblick eintritt, während wir gleichzeitig bereit sind es hinzunehmen, dass es zu unseren Lebzeiten und vielleicht in vielen künftigen Generationen nicht zur Erlösung kommt. Dieses Paradoxon der Hoffnung hinzunehmen, ist nicht leicht, wie es ja nie leicht ist, ein Paradoxon irgendwelcher Art zu akzeptieren. Wir neigen natürlicherweise dazu, die beiden widerstreitenden Seiten des Paradoxons auseinanderzureißen. Eine Hoffnung, die ihre unmittelbare Erfüllung im Hier und Jetzt nicht erwartet, entartet zu einem passiven Abwarten; das ersehnte Ziel wird in ferne Zukunft verlagert und verliert all seine Kraft. Diese Entartung der Hoffnung zu einem passiven Abwarten ist in vielen Religionen und politischen Bewegungen zu beobachten. Während viele gläubigen Christen noch immer auf die Wiederkunft Christi warten, ist diese Hoffnung für die meisten Christen in ferne Zukunft gerückt." ("Ihr werdet sein wie Gott" S. 133f)

7. Das Vertrauen auf die Zukunft:
Der Christ handelt nach einer absoluten ethischen Richtlinie in Freiheit geschichtlich ungewiss - im Glauben an eine absolute Wahrheit, die er nur ahnen kann. Der religionskritische Philosoph Karl Jaspers weist darauf hin: "Die Frage: Wo stehen wir heute? … kann meinen: Wo stehen wir im Ganzen einer erkennbaren Weltgeschichte? Oder sie meint: Wo stehen wir im undurchdringlichen Horizont des Geschehens, dessen Gang sich unserem Blick entzieht. Die erste Frage will den Standort auf dem zu erkennenden Weg wissen; die zweite will die Situation erhellen, in der wir uns finden, ohne deren Herkunft und Ziel im Ganzen und ohne den Weg zu kennen. Der Sinn der Frage hat eine in beiden Fällen verschiedene Motivation des eigenen Handels zur Folge. Will ich den Standort auf dem an sich vorgegebenen, zu erkennenden Weg wissen, so möchte ich mit meinem Tun auf dem einzigen allein möglichen Weg mitgehen, meine Sicherheit in der Hingabe meines Daseins an die erkannte Notwendigkeit des Ganzen haben. Will ich dagegen die Situation, in der wir uns finden, erhellen, so weiß ich selber mich als noch mitverantwortlich für das keineswegs als notwendig vorgegebene Geschehen; es liegt auch an mir, was aus der Welt wird. -- Im ersten Fall habe ich nur die Wahl entweder des Mitmachens, das mir Daseinsberechtigung gibt, oder des Gegenagierens, das mich nichtig werden lässt. Dort wachse ich als lebenswürdig mit der Macht des Ganzen, hier werde ich ausgelöscht als lebensunwert, werde zugleich vernichtet und verachtet. Daher gehorche ich und wage nichts aus eigener Verantwortung. Wage ich mein Dasein, gehorsam im Dienst, so gelte ich für den Befehlenden und dadurch für mich selbst als "Held", denn ich sterbe als Glied der als notwendig erkannten Geschichte. -- Im zweiten Fall dagegen will ich wirken für das, was aus eigener, sich ständig prüfender, in Kommunikation mit meinen Freunden reifender Einsicht als gut begreife, ohne das Ganze zu wissen.“ (Der Philosoph Karl Jaspers in „Wo stehen wir heute?“ Hrsg Hans Walter Bähr)

8. Die existentiellen Grenzen der Freiheit:
Liebe ist nicht göttlich, vielmehr: Gott ist die Liebe. Er ist die "Bedingung der Möglichkeit allen Seins". Seine Liebe stellt für die Freiheit Bedingungen:
"Eine sich selbst setzende Aktivität, die das Menschsein allein aus Eigenem leisten will, ist ein Widerspruch zu seinem Wesen. Louis Evely hat diese Einsicht einmal großartig formuliert: Die ganze Geschichte der Menschheit wurde irregeführt, bekam einen Bruch wegen Adams falscher Gottesvorstellung. er wollte wie Gott werden. Ich hoffe, dass ihr niemals die Sünde Adams hierin saht. ... Hatte Gott ihn nicht dazu eingeladen? Adam hat sich nur im Vorbild getäuscht. Er glaubt, Gott sei ein unabhängiges, autonomes, sich selbst genügendes Wesen; und um wie er zu werden, hat er sich aufgelehnt und Ungehorsam gezeigt. Aber als Gott sich offenbarte, als Gott erweisen wollte, wer er war, erschien er als Liebe, Zärtlichkeit, als Ausströmen seiner selbst, unendliches Wohlgefallen in einem anderen, Zuneigung, Abhängigkeit. Gott zeigte sich gehorsam, gehorsam bis zum Tode. Im Glauben, Gott zu werden, wich Adam völlig von ihm ab. Er zog sich in die Einsamkeit zurück, und Gott war doch Gemeinschaft." ("Joseph Ratzinger, Einführung in das Christentum: Vorlesungen über das apostolische Glaubensbekenntnis", S. 251)

9. Die Dialektik von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit:
"Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist Grausamkeit. Liebe ohne Gerechtigkeit ist die Mutter der Auflösung." (Thomas von Aquin)

10. Zurückweisung der Theodizee-Frage:
Die Lehre des Christentums ist – wie schon der hl. Paulus in seinem "Brief an die Römer" darlegte - keine Rechtfertigung Gottes. Der Christ vertraut in Gott auf ein letztlich gutes Schicksal, trotz aller Widrigkeiten seiner Geschichte. Er betrachtet die Theodizee-Frage als ein für die Philosophie letztlich unlösbares Problem. (Aporie)

II. Leseproben aus „Gott - Eine kleine Geschichte des Größten“

1. Manfred Lütz – Die traditionelle christliche Glaubenswahrheit:
"In der Regierungszeit des Kaisers Augustus wird in Palästina der Jude Jesus geboren. Er ist ein ganz normaler Mensch, lebt, lehrt, dass Gott die Liebe ist und die Menschen von aller Not befreien will, wird unschuldig zum Tode verurteilt und stirbt am Kreuz. Dieser Mensch Jesus wird zugleich als Sohn Gottes verehrt und er steht vom Tode auf. Er betet zu Gott seinem Vater und sagt, dass der eine Gott selbst als Heiliger Geist bis ans Ende aller Tage bei den Menschen bleiben wird. Für diesen Befund gibt es eine einfache Erklärung. Wenn man jemand anderem seine Liebe erklären will, kann man dafür keinen Vertreter schicken, das muss man schon selber machen. Und wenn es eine ganz uneingeschränkte Liebe ist, dann ist man bereit, für diesen geliebten Menschen ganz ernsthaft sogar sein Leben einzusetzen. … Gott musste bereit sein sogar zu sterben.“ (S. 215)

2. Manfred Lütz - Kunstbetrachtung zu Schuld und Vergebung:
"Kein Maler hat den Umgang Jesu mit der Schuld besser darzustellen vermocht als Jacopo Tintoretto in seinem großartigen Werk "Jesus und die Ehebrecherin", das sich heute im Palazzo Barberini in Rom befindet. Die biblische Geschichte ist bekannt: Die Schriftgelehrten zerren eine Ehebrecherin vor Jesus und fragen ihn, was sie mit ihr machen sollen. Es ist eine Falle, denn Jesus weiß und sie wissen, dass in den Schriften steht, man solle sie steinigen. Was sich nun abspielt, ist von dichtester Dramatik. Jesus blickt den auf ihn eindringenden Schriftgelehrten ins Gesicht und – schweigt. Dann beugt er sich langsam nieder und malt mit dem Finger ruhig in den Sand. Die Schriftgelehrten sind verblüfft. Erneut dringen sie in ihn. Doch Jesus malt ungerührt weiter im Sand. Nun fühlen sie sich provoziert und bestehen auf einer Antwort. Da richtet sich Jesus auf und spricht die berühmten Worte: „Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“, beugt sich nieder und malt ruhig wieder in den Sand. Und dann schreibt die Bibel, dass nach und nach alle weggingen. Nach einiger Zeit blickt Jesus auf und sieht, dass alle weg sind. Vor ihm steht nur noch die Ehebrecherin. -- Und was nun folgt, hat Tintoretto meisterhaft dargestellt. Man sieht Jesus auf einem Stein sitzen, den Körper ein wenig nach vorne gebeugt und einen Blick höchst intensiv – liebevoll, aber ernst – nur auf einen Menschen gerichtet, auf die in eitler Kleidung und in diesem Moment geradezu erstarrte Ehebrecherin. Die um sie her schemenhaft wegeilenden Menschen, die sie völlig isoliert und allein zurücklassen, nimmt Jesus gar nicht wahr. Fast hypnotisch schaut er die Frau an mit einer freundlich einladenden Geste der Hand und sie schaut ihn an. In diesem Augenblick scheint es nur diese beiden Menschen zu geben. Und was Jesus jetzt sagt, hat die Bibel überliefert: „Hat dich denn keiner verurteilt?“ Sie sagt: „Keiner Herr.“ Und nun antwortet Jesus: „Dann will auch ich dich nicht verurteilen. Geh hin und sündige nicht mehr." -- Das ist der Gott der Liebe, nicht der liebe Gott aus dem christlichen Schlussverkauf. … Das ist wirksame Vergebung der Schuld, aber auch die ernsthafte Aufforderung, künftig nicht zu sündigen. Und aus dem Munde Jesu ist das noch viel mehr, es ist geradezu eine Berufung. Dass Jesus gerade Schwache und Schuldige beruft, ist ein besonderer Hinweis darauf, dass er die Erlösung aller Menschen verkündet."

3. Manfred Lütz - Kunstbetrachtung zu Leid und Erlösung:
"Und Michelangelo schuf ein Kunstwerk von ewiger Gültigkeit, das einzige, das er bis zur Politur vollendete. Die Pietà, die heute in der ersten Seitenkapelle in Sankt Peter in Rom steht, ist der berückende und erschütternde sinnliche Ausdruck des christlichen Glaubens an den menschgewordenen, mitleidenden und erlösenden Gott. In den unruhigen Gewandfalten Mariens scheint noch das quälende Leid nachzuklingen, doch je mehr es dem Gesicht zugeht, desto ruhiger werden die Linien, und im wunderbar schönen jugendlichen Antlitz der Madonna ist alle Not und alles Leid überwunden. Dieser Gesichtsausdruck ist nicht rätselhaft wie bei der Mona Lisa des Leonardo, er ist voll geheimnisvollen Wissens. Gefasst, ja fast lächelnd richtet sie den Blick auf ihren toten Sohn im Schoß. -- In diesem herrlich modellierten toten Christus hat Michelangelo mit aller Kunst seiner Zeit und seines Genies den Menschen schlechthin dargestellt – den Menschen, dieses wunderbare Geschöpf Gottes, das aus einer Mutter geboren wird, das leidet und stirbt – und um dessen gewisse Auferstehung das Lächeln der Madonna schon weiß. Menschwerdung Gottes, Leiden, Tod und Auferstehung – die Pietà umfasst das ganze Christentum. Doch die Pietà ist kein stilles Zwiegespräch zwischen Mutter und Sohn. Sie ist ein Andachtsbild, denn mit dem linken Arm lädt die Madonna uns voller Anmut ein, mit ihr zusammen diesen Christus Gottes Sohn anzubeten. Wer dieser Einladung folgt ist Christ. Die Pietà des tieffrommen Michelangelo gehört zu den Kunstwerken, bei deren Anblick man Christ werden kann." (S. 283f)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Enttäuschung kommt zum Schluss, 20. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Gott (Kindle Edition)
Mit großem Interesse habe ich über die Hälfte dieses Buches gelesen und mich gefreut, vom Wissen des Manfred Lütz zu profitieren. Besonders gefallen hat mir, wie der Autor die Geschichte des Christentums in die Chronologie der gesellschaftlichen Entwicklung gestellt hat. Eine hilfreiche Fleißarbeit; ich vermute, dass diese Inhalte seines Buches seinen wissenschaftlichen Arbeiten im Rahmen seines Studiums entstammen, er sie also nicht neu recherchiert hat.

Je weiter ich in seinem Buch kam, desto auffälliger wurde mir, dass der Autor keine "kleine Geschichte des Größten" schrieb, sondern (s)eine erzkatholische Sicht formuliert. Schade ist das. Sämtliche (Irr)Lehren der katholischen Kirche werden mit großer Überzeugung dargestellt. Dabei wundert mich, wie ein kluger Mensch, zu denen ich den Autor gerne zählen möchte, derart unkritisch den "Weisungen aus Rom" Folge leistet. Gibt man in einem Theologiestudium vor jeder Vorlesung sein Gehirn ab?

Seine Bemerkungen über die Himmelfahrt der "Jungfrau Maria" waren erster Anlass, dass ich hier zu seinem Buch Stellung nehme. Jesus hatte bekanntlich Geschwister, von "Jungfrau" kann deshalb wohl keine Rede sein und von ihrer Himmelfahrt steht in der Bibel kein Wort. Das, wie vieles anderes, ist schlichter katholischer Schwachsinn, der auch durch regelmäßige Wiederholung seit Jahrhunderten nicht wahr wird.
Die Autoren der Bibel und die Künstler, die später die biblische Geschichte in großartigen Gemälden dargestellt haben, vereint, dass keiner von ihnen Jesus selbst erlebt hat. Alle Berichte und Gemälde sind das Ergebnis ihrer Fantasie. Der Autor reiht sich deshalb leider ein in die Gilde der Erzähler biblischer Geschichten, die ihre eigene Wahrheit verkünden - oder das nachplappern, was sie unkritisch von anderen übernommen haben. Beispiel: Maria hätte die göttliche Zeugung in ihrem Leib verweigern können. Wo steht denn das in der Bibel geschrieben? - Nein, Katholizismus und biblische Lehre waren, sind und bleiben unvereinbar. Die "größte Christenkirche" in Rom bietet dem Gottsuchenden einen vergleichbaren Wahrheitsgehalt wie die "größte Tageszeitung Deutschlands". Verdummung mit Absicht. Warum bleibt der aktuelle Stand der Bibelforschung gänzlich unberücksichtigt?

Und noch ein Unding: Der Autor will zwischen der "Anbetung" Marias und der "nur Fürbitte Marias" unterschieden wissen. Das ist akademischer Unsinn und Ablenkung, denn die "Heilige" Maria ist einzig ein Produkt der katholischen Kirche. Welcher Stellenwert der Mutter Jesu tatsächlich zukommt, wird deutlich, wenn man die Bibel liest - und nicht nach Rom hört.
Die "Mutter Gottes" ist Teil der biblischen Geschichte - keine Frage, sie gehört dazu und wird erwähnt, aber nicht "geheiligt" und in der Weise verehrt, wie dies die "größte Christenkirche" in Rom verkündet und praktiziert. Merkwürdigerweise haben die Frauen bei den Herren in Rom bis zum heutigen Tag ansonsten und allgemein einen anderen Stellenwert. Selbst bei der Beschreibung der sogenannten Gottesfamilie, der irrigen Mähr von der Dreieinigkeit, fehlt in der katholischen Kirche die Frau. (Familie ohne Frau, da sollte jeder Katholik stutzen und vielleicht einmal anfangen, selbst in der Bibel zu lesen.)

Und auch der Seitenhieb des Autors auf Martin Luther - und damit wohl auf alle Protestanten - ist unerträglich, dass nämlich die Kirchengeschichte Europas anders verlaufen wäre, wenn Luther bei seinem Besuch in Rom mehr Kunstverstand gezeigt hätte - und in den Kirchenmalereien den Genius der wahren Darstellung der biblischen Ereignisse und den Willen Gottes erkannt hätte. So ein Blödsinn, von einem promovierten Menschen. Einfach unerträglich. Ich dachte, solche Kleinkariertheit zwischen Katholiken und Protestanten hätte die Ökumene längst überwunden. Nicht so bei Herrn Lütz.

Der Autor zeigt sich als ein Handlanger der römischen Kirche. Der Mensch darf und soll Gott direkt anbeten; deshalb ist die beschriebene "katholische Methode", via Fürbitte Marias mit Gott in Kontakt zu kommen, eine von vielen anderen unsinnigen Gewohnheiten der Katholiken, und so von gestern, wie alles andere aus Rom.

Nein, der Kauf des Buches hat sich nicht gelohnt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


149 von 199 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wie gerne hätte ich dieses Buch uneingeschränkt gelobt..., 8. Februar 2008
Von 
isy3 (lebt nun am Bodensee) - Alle meine Rezensionen ansehen
... hätte der Autor dem Titel seines Buches nur den Buchstaben "M" hinzugefügt. Es hätte heißen sollen: Gott - MEINE kleine Geschichte des Größten. So hätte der Leser gewusst, was ihn erwartet - nämlich ein langes persönliches und individuell begründetes Glaubensbekenntnis zum Christentum anstatt einer kurzen seriösen Arbeit über die Geschichte der Religion. So aber erscheint ein ganzes Buch, das in seiner Konzeption gut für die Seele ist, allgemein verständlich und unterhaltsam geschrieben, leider als geistige Mogelpackung. Und dafür gibt es von mir 3 Sterne Abzug; denn das Buch ist noch nicht als Taschenbuch erschienen und noch ziemlich teuer.

Der Text des Buches ist ganz besonders gut für die katholische Seele, weil es insbesondere den katholischen Christen einige schöne Argumentationshilfen an die Hand geben kann, um sich gegen bestimmte, besonders platte und abgenutzte Angriffe von Atheisten zu verteidigen. Dies gelingt besonders dort, wo Psychologie und Neurologie als Begründung eines atheistischen Weltbilds angeführt werden. Autor Manfred Lütz ist von Beruf Arzt und Psychotherapeut und entkräftet schwache Argumentationen auf diesen Gebieten sehr elegant. Auch sind in dem Buch einige schöne geradezu poetische persönliche Erfahrungen mit dem Christentums enthalten, die einen gläubigen Leser bereichern können. Das Ganze ist auch unterhaltsam und allgemeinverständlich geschrieben und liest sich von vorne bis hinten leicht und locker weg. Manfred Lütz schreibt mit viel Humor und teilt uns seine persönlichen Ansichten mit. Das ist meiner Ansicht nach gerade bei einem Buch über den Glauben völlig legitim, und meinem Empfinden nach das Wertvollste an dem Buch. Es enthält aber zum Christentum und den historischen Fakten die dem Leser als Begründungen angeboten werden sollen, eine Menge Lücken, Ungenauigkeiten und Vermutungen. Und zwar gerade dann, wenn es dem Autor wieder einmal nicht in seine Gedankenführung passt. So starb der Diktator Stalin nicht friedlich und unbehelligt in seinem Bett, wie Lütz es behauptet. Er erlitt einen Schlaganfall und lag viele Stunden stöhnend und röchelnd auf dem Fußboden, während sich im Zimmer nebenan Berater, Parteifreunde und sein Arzt aufhielten, die es aus schierer Angst vor ihm nicht wagten, dem Kranken zu helfen.

Die einzelnen Kapitel des Buches reißen bestimmte Themen nur an - der gesamte Buddhismus beispielsweise wird in sieben Seiten eines Unterkapitels kurz abgehandelt und leichthin beiseite geschoben. Ich zitiere: "Der Buddhismus gilt als eine der großen Weltreligionen. Doch ist er wirklich eine Religion? Man kann das mit guten Gründen bestreiten. Denn zumindest Gott kommt kommt bei ihm nicht vor. ... Nehmen wir den Buddhismus einfach als das was er ist, nämlich eine... durchaus beeindruckende Weisheitslehre." Aha. Dem Autor gilt der Buddhismus also nicht als Weltreligion, weil Gott nicht ausdrücklich darin vorkommt. Das ist sehr geschickt geschrieben - aus "ist" wird hier "gilt als" und aus einer verbreiteten und angesehenen "Weltreligion" wird eine nützliche und ehrenwerte "Weisheitslehre" - etwas irgendwie Geringerwertiges als eine "echte" Religion, wie es der Autor immerhin dem Judentum und dem Islam zugesteht. Diese Argumentation wird in ihrer Verkürzung dem Buddhismus nicht gerecht. So überzeugt man keinen Andersdenkenden, sondern erfreut nur diejenigen, die vorher sowieso schon der gleichen Meinung waren.

Je fadenscheiniger übrigens das Argument des Autors, desto flapsiger wird dann sein Ton. Ein origineller und witziger Schluss-Satz und schon geht es weiter zum nächsten Thema. Nach diesem Rezept sind viele Kapitel des Buches aufgebaut.

Ich hatte nach der Lektüre diesen faden Nachgeschmack im Mund, den ich immer bekomme, wenn in einer Talkshow ein Gast alle anderen an die Wand spielt, die nicht so geschickt argumentieren können, aber die Sache um die es dabei geht im Kern nicht berührt wird.

Schade!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


187 von 251 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das Elend der Theologie, 7. April 2008
Sigmund Freud hat einmal gesagt: „Wenn es sich um Fragen der Religion handelt, machen sich die Menschen aller möglichen Unaufrichtigkeiten und intellektuellen Unarten schuldig.“ Der Bestseller „Gott. Eine kleine Geschichte des Größten“ von dem Theologen und Psychiater Manfred Lütz dürfte ein Paradebeispiel für Freuds Beobachtung sein. In seinem Bemühen, uns von dem Glauben der römisch-katholischen Kirche zu überzeugen, bedient sich Lütz aller unredlichen Tricks, die sich christliche Apologeten über die Jahrhunderte hinweg haben einfallen lassen.

Der erste Kunstgriff besteht bekanntlich darin, sich das Vertrauen seiner Leser zu erschleichen, indem man sich ausdrücklich von dem salbungsvollen Ton und dem frömmelnden Gehabe typischer Kleriker distanziert. Unglücklicherweise geht die Rechnung nicht ganz auf, da der Leser während der Lektüre den vom Autor mit gespielter Jovialität um die Schulter gelegten Arm zu spüren meint und seinen etwas zu kumpelhaften Ton schlicht als zudringlich erlebt. Die Sprache ist da auch nicht sonderlich hilfreich. Vermeintlich „coole“ Interjektionen wie „Wow“, „Woom“ und „Super-GAU“ geben dem Leser das Gefühl, abermals ein mit Pickeln übersäter Halbstarker im Konfirmandenunterricht zu sein. Die einzig werbewirksame Phrase, die dem Buch noch fehlt, ist: „Gott ist geil!“

Der zweite, ebenfalls hinreichend bekannte Kunstgriff besteht darin, rasch einen frei inszenierten Sieg zu erringen. So „beweist“ Lütz seinen Lesern mit sichtlicher Genugtuung, dass Feuerbach, Marx und Freud die Existenz Gottes nie widerlegt haben. Darin hat er freilich recht. Doch ist dies selbstverständlich kein Grund zum Triumphieren, da die genannten Religionskritiker auch nie den Anspruch erhoben hatten, die Existenz Gottes zu widerlegen. Sie haben sich für die Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht, noch nicht einmal interessiert. Vielmehr sind sie schon immer von seiner Nichtexistenz ausgegangen und haben sich die wissenschaftlich weit interessantere Frage vorgelegt: „Wie kommt es eigentlich, dass so viele Menschen an einen Gott glauben?“

Der dritte Kunstgriff besteht darin, sich gegen jede Kritik immun zu machen, indem man seinen Gegnern kurzerhand unterstellt, lediglich einen Strohmann zu bekämpfen. Nach Lütz haben Religionskritiker wie Holbach, Voltaire oder Hume nur dem auf der Wolke sitzenden Gott mit dem Rauschebart etwas anhaben können, doch nicht dem Gott der einzig wahren Kirche. Der Gott der römisch-katholischen Kirche sei nämlich ganz anders. Wie jeder weiß, richteten sich die Argumente von Holbach, Voltaire und Hume jedoch keineswegs gegen irgendwelche „selbstgemachten Götter“, sondern durchaus gegen den Gott des Nicäischen Glaubensbekenntnisses, dem sich die Christen aller Konfessionen noch heute verpflichtet fühlen.

Der vierte Kunstgriff besteht darin, seinen Kontrahenten mit einer falschen Alternative zu erpressen. Wer nicht an Gott glaubt, habe sich nach Lütz noch gar keine wirkliche Vorstellung von den verheerenden Konsequenzen seines Unglaubens gemacht. Ohne Gott bleibe uns nämlich nur noch der Nihilismus eines Friedrich Nietzsche: „An Gott glauben oder Nietzsche folgen, das scheint die wirkliche Alternative zu sein. Wenn man aber Nietzsche folgt, dann muss man auch bereit sein, den bitteren Kelch des Atheismus bis zur Neige zu trinken. Dann hat man keine Argumente gegen Hitler, Stalin oder Mao Tse-Tung mehr.“ Es bedarf hoffentlich keiner besonderen Erklärung, dass der Nihilismus keineswegs die logische Konsequenz des Atheismus ist. Der säkulare Humanismus eines Bertrand Russells ist beispielsweise eine durchaus gangbare Alternative zum moralischen Nihilismus.

Der fünfte Kunstgriff besteht darin, seinen Gegner moralisch zu diskreditieren, indem man sein Weltbild diffamiert und für menschenverachtend erklärt. So bezeichnet Lütz den Faschismus und den Kommunismus als „atheistische Freilandversuche“, die womöglich mehr unschuldige Menschen auf dem Gewissen haben „als alle Religionen zusammen“. Dass sowohl der Faschismus als auch der Kommunismus zwei quasi-religiöse Heilslehren waren, die mit dem Atheismus säkularer Humanisten nicht das Geringste zu tun haben, ficht ihn dabei nicht an. Auch scheint er bequemerweise ganz zu vergessen, dass die Soldaten der Wehrmacht „Mit Gott und dem Führer“ in den Krieg gezogen sind und über ein Viertel der SS-Angehörigen treu ergebene Mitglieder seiner katholischen Kirche waren.

Der sechste Kunstgriff besteht darin, ein argumentatives Zugeständnis zu machen, das man bereits im nächsten Satz möglichst unbemerkt wieder zurücknimmt. So gesteht Lütz bereitwillig zu, dass der Vatikan selbstverständlich nicht immer von Engeln regiert wurde. Er nennt die Kirche in seiner erwähnt hemdsärmeligen Art sogar einen „Saustall“, doch selbstverständlich nur, um sogleich hinzuzufügen, dass es ja auch „total frustrierend“ wäre, wenn sie nur von Heiligen geleitet würde. Ich fürchte, man darf mit guten Gründen bezweifeln, dass die Juden „total frustriert“ gewesen wären, wenn der Vatikan zur Zeit des Dritten Reiches wenigstens ein einziges Wort gegen den Holocaust gesagt hätte.

Der siebte Kunstgriff besteht darin, dass man vermeintliche oder tatsächliche Autoritäten für seine Sache vereinnahmt. Die am häufigsten missbrauchte Autorität dürfte zweifellos Albert Einstein sein, dessen metaphorisches Reden von einem „Schöpfer“ – „Gott würfelt nicht!“ – geradezu wie eine Einladung an die Christen wirken musste. Lütz schreibt denn auch: „Albert Einstein war zuerst natürlich Atheist geworden. Aber je tiefer er in die Wissenschaft eindrang, desto mehr entwickelte er sich zu einem Bewunderer des Göttlichen.“ Lütz weiß natürlich so gut wie jeder andere, dass Ein-stein alles andere als ein Christ war. Wenn Einstein überhaupt an einen Schöpfer glaubte, dann an den von Lütz verlachten „Rentnergott Epikurs“.

Der achte Kunstgriff besteht darin, die ganze Hand zu ergreifen, sobald einem der kleine Finger gegeben wird. Dass Wissenschaftstheoretiker wie Karl Popper offenherzig von der Fehlbarkeit unserer Vernunft und der Vorläufigkeit all unseres Wis-sens sprechen, nutzt Lütz sogleich dazu aus, um einige aus der Vordertür herausbe-förderte Dogmen rasch durch die Hintertür wieder hineinzuholen. So sei etwa die „Himmelfahrt Christi“ zwar „höchst unwahrscheinlich“, doch nicht „prinzipiell unmöglich“. Die Bescheidenheit der Wissenschaft dient jetzt also als intellektueller Freifahrtschein der Theologen.

Der neunte Kunstgriff besteht darin, dass man sich auf die Bildungslücken seiner Leser verlässt und schwer verständlichen naturwissenschaftlichen Theorien kühn einige Implikationen unterstellt, die sie nicht haben. So dürfte es beispielsweise die Physiker überraschen zu hören, dass die Quantentheorie „die Ehe zwischen Atheismus und Wissenschaft argumentativ zerrüttet“ habe. Nach Lütz ist der Zweifel an Gott als „intellektuelle Option zusammengebrochen“, weil die Quantentheorie zum „argumentativen Super-GAU des Atheismus“ geführt habe. Natürlich ist nichts von alledem wahr. Und man fragt sich wie Schopenhauer bei der Lektüre von Hegel: „Ist das nun Dummheit oder Niedertracht?“ Wie jeder Abiturient weiß, hat die Quantenphysik die klassische Physik Newtons erweitert und – zumindest nach einigen ihrer Interpretationen – den Determinismus des mechanistischen Weltbildes in Frage gestellt. Doch der Determinismus der mechanistischen Physik hat nichts mit dem Atheismus der naturalistischen Philosophie zu tun.

Der zehnte und letzte Kunstgriff besteht darin, seinen Gegner, wenn nötig, zu beschämen. So zitiert Lütz bei der Behandlung des Theodizee-Problems sein philosophisches Vorbild Robert Spaemann, der auf die Frage „Wo war Gott in Auschwitz?“, kurz mit „Am Kreuz!“ antwortete. Angesichts dieser entwaffnenden Antwort verbietet sich freilich jede weitere Frage; es sei denn, man nimmt es in Kauf, als herzlos zu gelten. So geschickt dieser moralistische Schachzug auch sein mag, dass Gott ebenfalls gelitten hat, kann selbstverständlich keine Antwort auf die Frage sein, warum Millionen von Juden in den Tod gehen mussten, wenn ihnen ein ällmächtiger und allwissender Gott doch problemlos hätte zu Hilfe eilen können.

Für den Fall, dass ein Leser auf Lützens Kunstgriffe hereingefallen ist, sollte man annehmen, dass er jetzt vor der Wahl stehe und entscheiden müsse, ob er nun Christ, Muslim, Jude, Hinduist, Buddhist, Jainist oder was auch immer werden wolle. Doch Lütz ist derart zuvorkommend, dass er seinen Lesern die Qual der Wahl auch hier gerne abnimmt. Die anderen Religionen seien keine wirkliche Option. Sie seien „religiöser Ramsch“. „Das Wirrwarr des hinduistischen Götterhimmels“ etwa sei schlichtweg „abstoßend“. Der Buddhismus habe zwar einige „tiefe Einsichten“, sei aber letztlich „unbefriedigend“. Und im Islam sei der Mensch einfach „zu weit ent-fernt“ von Gott. Gegen das Judentum sagt Lütz eigentümlicherweise nichts. Wahrscheinlich schweigt er sich aber nur deshalb aus, weil man in einer „Theologie nach Auschwitz“ mit solcher Kritik vorsichtig sein muss.

Die erste Frage, die man sich nach der Lektüre, stellt, ist: Wie kann ein so billiges Buch nur so teuer sein?
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


182 von 245 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Locker, flockig und ziemlich rasant, 15. Oktober 2007
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Bestsellerautor, Psychotherapeut, Arzt, Theologe und Kenner der Philosophie. Das ist laut Klappentext der Autor dieses Buches. Falls er trotz der vielen Betätigungsfelder in finanzielle Nöte komme sollte, kann er auch bei einer Werbeagentur anheuern. Denn ganz ohne Zweifel ist Manfred Lütz auch in der Kunst der Verführung bewandert. Und sein Verlag gab mit dem genialen Cover noch eins obendrauf. Aber wie steht es mit der Substanz des schön verpackten Inhalts? Wie die bereits erschienenen Rezensionen zeigen, kann man bei dieser Frage verschiedenster Meinung sein. Ich gehöre zur Fraktion, die Manfred Lütz nicht zu begeistern vermochte.

Da ich kein Mitglied der Lützerschen Fangemeinde bin, kannte ich auch seine persönliche Einstellung zum Thema nicht. Vorwort, Einleitung und die ersten Seiten weckten große Erwartungen. Zu große, wie sich im Verlauf der Lektüre herausstellen sollte. Oder einfach falsche. Zu Beginn dachte ich noch, Manfred Lütz sei ein offener und abwägender Autor auf der Suche nach seinem persönlichen Glauben und Gottesbild. Doch am Schluss wurde ich das Gefühl nicht mehr los, er hätte mir eine Mogelpackung verkauft. Denn letztlich vertritt er einen Katholizismus, der auch in Rom auf Wohlwollen stoßen würde. Das ist natürlich sein gutes Recht. Aber wenn mir den Klappentexter verspricht, Manfred Lütz spreche Klartext, dann erwarte ich Klartext. Und zwar von Anfang an.

Die zweite Enttäuschung bescherte mir die wissenschaftliche Ebene, auf die sich der Autor beruft. Denn passt ihm eine Erkenntnis nicht in den Kram, putzt er sie mit wenigen, dafür umso flapsigeren Wort hinweg. Und damit stellt er sich selber in eine rhetorische Tradition, die er bei anderen Autoren ins Kreuzfeuer nimmt. Wortgewandt macht er widerspenstige Zweifler zu Befürwortern seines persönlichen Denk- und Glaubensgebäudes. Und wenn ihm sein eigenes Gewissen zu signalisieren scheint, er treibe es mit seiner Taktik allzu bunt, beschließt er den Abschnitt mit einer verbalen Beschwichtigung. Was Manfred Lütz etwa zum kindlichen Wahrnehmungs- und Urteilsvermögen sagt, treibt jedem Entwicklungspsychologen die Schamröte ins Gesicht. Oder wenn er sich zu hirnphysiologischen Vorgängen äußert, muss es Neurowissenschaftlern schaudern. Wieso bleibt er nicht einfach bei seinen persönlichen Bekenntnissen und Erlebnissen? Wieso muss er historische Persönlichkeiten, Wissenschaftler und Stars der Unterhaltungsbranche auf die Bühne locken, wenn diese mit dem gespielten Stück nichts zu tun haben? Wieso hat er sich dazu hinreißen lassen, mit altbekannten Techniken den x-ten Gottesbeweis vorzulegen?

Mein Fazit: Weshalb Manfred Lütz zu den Bestseller-Autoren gehört, wundert mich nach der Lektüre nicht mehr. Mich wundert nur, wieso er mit den Argumenten der Vernunft das Unvernünftige erklären will. Manfred Lütz ist ohne Zweifel ein begnadeter Rhetoriker. Aber das reicht nicht aus, um die Schwächen seiner Beweisführungen zu überdecken.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


53 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Gehaltlose, 26. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Gott: Eine kleine Geschichte des Größten (Taschenbuch)
Wie schade! Als diskussionsfreudiger Atheist bin ich immer sehr an pro-religiösen Streitschriften interessiert. Leider macht Manfred Lütz nicht einmal einen Versuch, durch ernsthafte Argumentation zu überzeugen. Sein gesamtes Buch besteht nur aus Stimmungsmache, Anekdoten und kleinen Geschichten über Feuerbach, Einstein oder Nietzsche. Wenn überhaupt einmal Argumente gebracht werden, dann sind es primitive Fehlschlüsse, die in der seriösen Religionsphilosophie längst widerlegt wurden. Etwa die Behauptung, der Atheismus müsse in den Amoralismus führen, während es in Wirklichkeit genau umgekehrt ist: Es ist nämlich die religiöse Moralbegründung, die zum Scheitern verurteilt ist. Stichwort: Euthyphrons Dilemma.

Uralte Kamellen wie Pascals Wette werden aufgewärmt, wobei die Besprechung dieser "Argumente" so oberflächlich bleibt, dass die schreienden Logikfehler kaschiert werden. So werden natürlich auch die thomistischen Gottesbeweise angeführt, ohne auf die Gegenargumente von Hume und Kant (zwei der größten Philosophen aller Zeiten) auch nur einzugehen.

Unterm Strich gibt es über dieses Buch eigentlich nichts positives zu sagen. Es ist weder als Verteidigung noch als Geschichte der Religion gelungen. Vielmehr ist es eine Propaganda im schlimmsten und dümmsten Sinne des Wortes. Ein gläubiger Katholik, der nach billiger Munition sucht, wird dieses Buch vielleicht mögen. Wer an Argumenten interessiert ist - egal ob er Atheist oder Christ ist - sollte sich anderswo umsehen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


35 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Missionierung auf etwas andere Art, 19. Juni 2010
Von 
Dankward Sellin (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Gott: Eine kleine Geschichte des Größten (Taschenbuch)
Der Titel und der Klappentext dieses Buches sind irreführend. Tatsächlich versteckt sich hinter der lockerflockigen Aufmachung ein Missionstraktat für die katholische Kirche. Nach einer nicht sehr tiefgehenden Auseinandersetzung mit verschiedenen alternativen Glaubens- und Weltanschauungsrichtungen folgt ein leidenschaftliches Plädoyer des Autors für seine "alleinseligmachende" Kirche. Das, was mich dabei am meisten erschüttert hat, ist die Art und Weise, wie ein scheinbar aufgeklärter Autor der Gegenwart die Verbrechen, mit denen die katholische Kirche ihre Macht begründet und über Jahrhunderte erhalten hat, mit einem Federstrich beiseite wischt. Das dies heute noch so einfach zu funktionieren scheint, ist das, was mich regelrecht entsetzt hat.
Dieses Buch belegt nur eins: Ein derartiger Glaube funktioniert offensichtlich nur durch Verdrängung und Ausblendung der Realität. Insofern war dieses Buch auf eine vom Autor sicher nicht beabsichtigte Weise trotz allem eine Lehre für mich.
Für bestimmte Katholiken mag dieses Buch eine Bestätigung sein, für alle anderen ist es trotz oder gerade wegen der heiteren Aufmachung einfach nur ärgerlich.
Zur Klarstellung:
Im Gegensatz zu Herrn Lütz respektiere ich den Glauben anderer Menschen; ich stelle auch die Existenz Gottes nicht in Frage! Dieses Buch aber erklärt zwar GOTT zum zentralen Inhalt, hat aber völlig das Thema verfehlt.
Ich habe das Buch gelesen, weil ich mich mein Leben lang mit der Frage nach Gott beschäftigt habe, und habe festgestellt, dass dieses Buch kein bisschen weiterführend ist. Ich war so enttäuscht, dass ich - ganz gegen meine Art - diese negative Rezension geschrieben habe. Ich denke, dass es auch viele gläubige Katholiken gibt, die sich mit mir über dieses unsägliche Buch ärgern! Und denen fühle ich mich verbunden und werde nie im Leben auf die Idee kommen, deren Glauben "mit einem Federstrich" beiseite zu wischen!
Nicht verbunden fühle ich mich allerdings mit sogenannten Christen (egal welchen Konfession), die auf jede Kritik mit Hass reagieren. Das sind offenbar diejenigen, die Manfred Lütz mit seinem Machwerk bedient. Ich bin sehr froh darüber, dass es heute keine Kirche mehr gibt, die Andersdenkende auf den Scheiterhaufen schicken kann! Das ist aber nicht das Verdienst der Kirche, sondern der Aufklärung. Herr Lütz ignoriert (oder bedauert?) das. Gott sei Dank hat er nicht die Macht, das zu ändern.
Es gibt heute ca. 6.000 verschiedene christliche Glaubensrichtungen (ganz abgesehen von den vielen nichtchristlichen Religionen, die auf ihre Weise auch nach GOTT suchen), fast alle von ihnen glauben die absolute Wahrheit gefunden zu haben.
Ich will wirklich niemandem seinen Glauben nehmen, wenn er ihm zum Leben hilft, aber die sehr oft damit verbundene Intoleranz ist die Ursache von Hass, Elend und Krieg. Das Buch "GOTT" ist eine Anmaßung, die Leuten, die wirklich nach Gott suchen, in keiner Weise hilft, sondern zu Hass und Intoleranz beiträgt. Und dafür ist der eine Stern, den ich in meiner Rezension vergeben habe, viel zu viel - minus x Sterne wären angemessener.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


27 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Lütz' Credo: Eine unreflektierte und unsubstantiierte Apologetik, 25. Oktober 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Gott: Eine kleine Geschichte des Größten (Taschenbuch)
(Eine Bemerkung vorweg: Bücher mit religiösen Themen werden manchmal verrissen, weil der Rezensent grundsätzlich anderer Meinung als der Autor ist. Das ist hier nicht der Beweggrund der schlechten Bewertung. Ich bin Christ, und damit Theist.)

Eines Tages entschied sich Manfred Lütz, ein Credo zu verfassen. So oder so ähnlich dürfte es zu diesem Buch gekommen sein. Recherchiert scheint Lütz dafür nicht zu haben. Nicht nur, dass fast allen Zitaten die Quelle fehlt - selbst der Verfasser/Urheber div. Aussprüche bleibt ungenannt und wird nonchalant durch "man" ersetzt. "Man sagt." Aha.

Doch auch dort, wo Lütz sich explizit auf Autoritäten bezieht, neigt er stark dazu, Standpunkte tendenziell darzustellen und sie beliebig bis zur Unkenntlichkeit zu verkürzen. Auch hinterfragt er die Weisheit der Masse oder eines Gelehrten nur dort, wo es ihm argumentatorisch in den Kram passt, und übernimmt andererseits selbst so öffentlichkeitswirksam entkräftete Aussagen wie die Pascal'sche Wette bedenklos bzw. ohne die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen. Wer dem Mediziner und Theologen bis dato zugetraut hatte, mit wissenschaftlicher Integrität verschiedene Standpunkte fair gegeneinander abzuwägen, wird leider schon in diesem Punkt enttäuscht.

Andere Themen (wie beispielsweise Freuds mittlerweile ja zurecht umstrittene Psychoanalyse) scheint Lütz nur deshalb so ausführlich zu behandeln, um im nächsten Atemzug halbwegs verwandtes Gedankengut (hier Feuerbachs Projektionsthese) per Analogieschluss ("Freuds Psychoanalyse ist falsch, also auch die psychologische Erklärung der Entstehung eines Gottesbildes") zu widerlegen. Wie unsinnig dieses Vorgehen ist, wird in diesem Beispiel deutlich, führt man sich vor Augen, dass Feuerbachs "Wesen des Christentums" 15 Jahre vor Freuds Geburt erschien. Richtig ist, dass Feuerbachs Thesen nichts Definitives darüber aussagen können, ob es nun tatsächlich einen Gott gibt oder nicht - das kann Lütz' Buch aber ebensowenig.

Dazu kommt ein Nachwort, dass besser als Vorwort dem Werk vorangestellt worden wäre, da Lütz darin unumwunden zugibt, hier nicht nur rein subjektiv zu fabulieren (weckt doch der Untertitel mit seiner Andeutung von "Geschichte" die unterschwellige Erwartung nach Transsubjektivität und dem Abwägen aller beteiligten Seiten), sondern das Ganze eigentlich witzig zu meinen. Viele seiner Plattitüden und groben Ungenauigkeiten können ihm so ja nachgesehen werden - Fasching bspw. ist ebenfalls meine Sache nicht, vielleich also kein Wunder, dass ich beim Lesen diese "lustigen" Textes immer wieder die Hände über soviel Blödsinn vor den Kopf schlagen musste. Der Fremdschäm-Faktor war stellenweise auch wirklich ebenso hoch wie beim Ansehen der TV-Übertragung einer Karnevalssitzung.

Trotzdem gebe ich diesem Buch 2 Sterne. Warum? Weil es Lütz immerhin gelungen ist, mein kritisches Denken zu vielen seiner Thesen zu aktivieren. Das fing gleich auf der ersten Seite an, wo Lütz behauptet, Theisten und Atheisten würden natürlich vollkommen unterschiedlich leben. Wirklich? Wäre das so, müsste man beide Gruppen auf den ersten Blick auseinanderhalten können, was aber in der Regel nicht der Fall ist. Überhaupt ist überall dort Vorsicht geboten, wo Lütz behauptet, etwas sei "natürlich" so oder so. Diese skeptische Haltung hielt beim weiteren Lesen an, wobei ich lediglich beklagen möchte, dass Lütz es dem Kritiker wirklich oft zu einfach macht. So kann dieses Buch auch als mahnendes Denkmal dafür gelten, wie man heutzutage besser keine Religionsapologetik mehr betreibt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 213 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Gott: Eine kleine Geschichte des Größten
Gott: Eine kleine Geschichte des Größten von Manfred Lütz (Taschenbuch - 1. Februar 2009)
EUR 9,99
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen