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58 von 73 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kurzweilige Auseinandersetzung für Zweifler
Sicherlich kein Buch um überzeugte Atheisten zum Christentum zu bewegen. Vielmehr ein Buch das sich an jene wendet, die den inneren Zweifel spüren und mit dem Gott den wir aus dem Religionsunterricht zu kennen glaubten nichts anzufangen wissen.

Der Titel machte mich neugierig. Mit anfänglicher Skepsis, schließlich bin ich schon vor Jahren...
Veröffentlicht am 20. August 2010 von Sucher

versus
3.0 von 5 Sternen Stellenweise unterhaltsam, aber sehr Subjektiv
Ich habe dieses Buch bisher zweimal gelesen. Einmal vor einigen jahren als Christ und jetzt nochmal als Atheist und kann aus heutiger Sicht sehr gut nachvollziehen, warum mich das Buch damals sehr ermutigt hat, ich aber heute immer wieder mit kopfschütteln davorsitze. Wer hier eine neutrale Auseinandersetzung erwartet bei der die besten Argumente und bohrensten...
Vor 16 Tagen von theRastaDan veröffentlicht


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58 von 73 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kurzweilige Auseinandersetzung für Zweifler, 20. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Gott: Eine kleine Geschichte des Größten (Taschenbuch)
Sicherlich kein Buch um überzeugte Atheisten zum Christentum zu bewegen. Vielmehr ein Buch das sich an jene wendet, die den inneren Zweifel spüren und mit dem Gott den wir aus dem Religionsunterricht zu kennen glaubten nichts anzufangen wissen.

Der Titel machte mich neugierig. Mit anfänglicher Skepsis, schließlich bin ich schon vor Jahren aus der Kirche ausgetreten, habe ich angefangen zu lesen. Die Skepsis wich und echtes Interesse kam. Ich habe das Buch nicht so verstanden das 100% überzeugte Atheisten von Gott überzeugt werden sollten. Vielmehr scheint es so als wenn das Heer der Enttäuschten und der Zweifler angesprochen werden sollte.

Beginnend mit einem Abriss über Atheismus in den einzelnen Epochen nutzt Manfred Lütz die Gelegenheit um mit einigen Gottesbildern aufzuräumen.
Ich war erstaunt wie viele Vorurteile über Gott, Dogmen und Kirche ich während des Lesens über Bord werfen oder doch zumindest hinterfragen musste.

Manfred Lütz hat es mit seinem Buch zumindest geschafft bei mir wieder Neugierde auf diesen Gott zu wecken. Sofern man bereit ist seine eigenen Vorstellungen von Gott mal zu hinterfragen ist es ein Buch das nachwirkt und dazu einlädt Antworten auf längst beantwortet geglaubte Fragen zu suchen.

Der Autor stellt dem Leser einen sehr persönlichen Gott vor, keinen vergeistigten oder gar den älteren Herrn im weißen Gewand. Durch seinen Hintergrund ist die Suche nach Gott katholisch eingefärbt, was mich als Protestant aber nicht daran gehindert hat das Buch mit Neugierde und wachsendem Interesse zu lesen. Der Schreibstil ist alles andere als frömmelnd von daher liest es sich sehr flüssig.

Fazit: Ein sehr interessantes Buch über ein ernstes Thema, das ohne Drohungen auskommt und, sofern man sich darauf einlässt, Lust auf mehr macht.
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126 von 165 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Persönlich und auch kritisch, Religion und Atheismus auf dem Prüfstand, 29. Dezember 2007
Religion und Glaube sind heute wieder in aller Munde. In zahlreichen Talkshows und Büchern schmeißen sich Gegner und Befürworter der Religion die Argument für und gegen diese um die Ohren. Ein wenig spiegelt sich diese "ewige Auseinandersetzung" auch in dem vorliegenden Buch von Manfred Lütz wieder, der nicht verschweigt auf welche Seite er sich schlägt: pro Religion und mehr: pro Gott! Allein diese Tatsache wird im Zeitalter von Richard Dawkins "Gotteswahn" so manchen davon abhalten dem vorliegenden Buch etwas Konstruktives abgewinnen zu können, denn wer so klar und deutlich Stellung bezieht - so ein all zu oft anklingendes Argument - wird wohl kaum eine faire und reflexive Aufarbeitung des Themas erwarten lassen. So gesteht auch Lütz in diesem Buch ein, dass es sich um eine klar persönlich bestimmte Herangehesweise an das Thema "Gott" handelt, eine andere - so lautet eine Botschaft des Buches - ist gar nicht möglich. Lütz demonstriert, dass weder die Psychologie, noch die Philosophie mit ihren starren Götterbildern wirklich etwas über Gott aussagen können, Gott zu erfassen - was vollends nie gelingen kann -ist immer ein "Mehr" und hat im Wesentlichen mit persönlichen Erfahrungen zu tun. Einen wesentlichen Teil des Buches nimmt die Auseinandersetzung mit dem Atheismus und der "Wissenschaft" ein, welche Lütz als die Hauptgegner der Religion in den vergangenen Jahrhunderten ausmacht. Kurz und knapp schildert er dabei die wesentlichen Formen des Atheismus von der Antike bis zur Gegenwart, zeigt aber auch an gegebenen Stellen dessen Schwächen auf. Nach Lütz ist der Atheismus heute eigentlich überwunden, da seine wesentlichen Argumente hinfällig geworden sind, was nach Lütz auch an der wissenschaftlichen Erkenntnis liegt, dass eigentlich keine streng allgemeingültigen Aussagen mehr gemacht werden können. Wer die Aussage "Gott gibt es nicht" propagiert, muss gleichfalls auch die Aussage "Gott gibt es" auf eine gleiche Stufe stellen und damit anerkennen.
Die Sprache von Lütz in diesem Buch ist sehr eingängig, d. h. vor allem locker und all zu oft (polemisch) flapsig. Die philosophischen/ psychologischen (atheistischen) Konzeptionen auf die eingegangen wird in diesem Buch, werden in wenigen Sätzen zusammengefasst, wobei man als Leser schonmal schlucken muss, wenn Freud, Platon, Aristoteles, Kant, Hegel, Augustin, Rahner u. a. sprachlich so frei und verkürzt abgehandelt werden. Hier zeigt sich aber zum Einen die Stärke von Lütz, nämlich jedermann/frau (!!!) die großen Denker der Weltgeschichte vereinfacht - aber korrekt - zu vermitteln, zum anderen verbirgt sich hier aber auch eine Schwäche des Buches, es fehlt manchmal etwas an Tiefe. Kenner der genannten Denker werden sich nicht immer zufrieden geben. Nach Lütz Eigenaussage (Nachwort) ist sein Werk aber von zahlreichen Experten gegengelesen, daher sind inhaltliche Fehler in der Darstellung ausgeschlossen, was m. E. auch zutrifft. Da das Buch für eine breite Öffentlichkeit verfasst ist, fehlen Literaturangaben und Register, was zumindest bei den zahlreichen Zitaten schmerzt, hier hätte man auch als wissenschaftlicher Laie gern das ein oder andere Mal gewusst, aus welchem Werk der großen Denker es stammt, bzw. in welchem Zusammenhang das Zitat im Originalwerk steht. Insgesamt eignet sich die Lektüre des Buches aber als ein guter Einstieg in die Auseinandersetzung zwische Religion, Wissenschaft und Atheismus und deren gegenseitigen Verquickungen, es ist aber auch persönlich, weshlab Lütz - zu Recht - keine Allgemeingültigkeit beansprucht, es bietet aber Argumente und Gedankengänge, die jeden einladen können, mit- und weiterzudenken, was auch selbsternannte Atheisten und Agnostiker ansprechen sollte.
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3.0 von 5 Sternen Stellenweise unterhaltsam, aber sehr Subjektiv, 11. März 2015
Ich habe dieses Buch bisher zweimal gelesen. Einmal vor einigen jahren als Christ und jetzt nochmal als Atheist und kann aus heutiger Sicht sehr gut nachvollziehen, warum mich das Buch damals sehr ermutigt hat, ich aber heute immer wieder mit kopfschütteln davorsitze. Wer hier eine neutrale Auseinandersetzung erwartet bei der die besten Argumente und bohrensten Fragen der jeweiligen Seite beleuchtet werden, der wird ziemlich enttäuscht werden, obwohl Manfred Lütz diesen Anspruch im Vorwort erhebt. Zugegeben, ich glaube kaum das irgendjemand jemals neutral über diese Frage schreiben kann, von daher sei ihm da vergeben. Was mich in erster Linie gestört hat, ist eine Art christlich-katholischer Chauvinismus. Christen mag das nicht auffallen, aber mir hat noch keiner ein schlüssiges Argument genannt warum es ausgerechnet ihr Gott wahrscheinlicher ist, als alle anderen. Bei Lütz wird Polytheismus regelmäßig als abstoßend und chaotisch bezeichnet, aber kein Grund genannt, warum er sich so auf den christlichen Gott stürzt, außer das es nunmal sein "Heimatreligion" (was bei vielen auch der einzige Grund zu sein scheint). Ich halte zwar beides für gleich unwahrscheinlich, könnte aber alle Theisten, die keine Christen sind, verstehen, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen.
Zweitens drängt er den Leser im Kapitel "Der Gott der Philosophen" zu einer Alles-oder-nichts-Entscheidung. Als einzige Option die einen Atheismus zulässt, sieht er die Philosophie Nietzsches, denn wenn es keinen Gott gibt, gibt es auch keine Moral und jedes moralische Handeln sei unvernünftig, man lebt letztendlich in einer sinnlosen Welt und geht zum Schluss ins Nichts. Alle konsequenten Atheisten müssten also nach ihm auch Nihilisten sein. Daran haben mich zwei Dinge gestört. Erstens, warum braucht man eine göttliche, absolute Moral überhaupt? Und wo soll die herkommen, aus der Bibel? Die ist zwar im NT stellenweise okay, was die Moral angeht,a ber alles in allem doch eher kein Buch, das man als die absolute Grundlage der Moral nehmen sollte. Vor allem weil sich so viele Leute darüber uneinig sind.
Zweitens stellt er das "ewige Nichts", für das sich die Atheisten entscheiden immer als extrem unangenehme Option dar, die man ja kaum ernsthaft wählen könne. Was daran so schlimm sein soll, erschließt sich mir nicht. Schließlich ist ja aus seiner Sicht nicht die Hölle, wie es im katholischen Kathechismus steht. Der Zustand nach dem Tod wird wahrscheinlich der selbe sein, wie vor der Geburt. Das ist weder angenehm noch unangenehm, sondern einfach neutral und aus meiner Sicht, auch ein wenig erleichternd.

Fazit: Als Christ findet man dieses Buch gewiss sehr erbaulich, aber es sei gesagt, dass es die harten Fragen des Glauben oder eben Nicht-Glaubens verpasst. Für Atheisten ist dieses Buch unterhaltsam zu lesen und auch ein geistige Herausforderung durch alle Gebiete hindurch, auch wenn es ein paar mal die ewig durchgekauten Vorurteile mit sich bringt.
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182 von 244 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Locker, flockig und ziemlich rasant, 15. Oktober 2007
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Bestsellerautor, Psychotherapeut, Arzt, Theologe und Kenner der Philosophie. Das ist laut Klappentext der Autor dieses Buches. Falls er trotz der vielen Betätigungsfelder in finanzielle Nöte komme sollte, kann er auch bei einer Werbeagentur anheuern. Denn ganz ohne Zweifel ist Manfred Lütz auch in der Kunst der Verführung bewandert. Und sein Verlag gab mit dem genialen Cover noch eins obendrauf. Aber wie steht es mit der Substanz des schön verpackten Inhalts? Wie die bereits erschienenen Rezensionen zeigen, kann man bei dieser Frage verschiedenster Meinung sein. Ich gehöre zur Fraktion, die Manfred Lütz nicht zu begeistern vermochte.

Da ich kein Mitglied der Lützerschen Fangemeinde bin, kannte ich auch seine persönliche Einstellung zum Thema nicht. Vorwort, Einleitung und die ersten Seiten weckten große Erwartungen. Zu große, wie sich im Verlauf der Lektüre herausstellen sollte. Oder einfach falsche. Zu Beginn dachte ich noch, Manfred Lütz sei ein offener und abwägender Autor auf der Suche nach seinem persönlichen Glauben und Gottesbild. Doch am Schluss wurde ich das Gefühl nicht mehr los, er hätte mir eine Mogelpackung verkauft. Denn letztlich vertritt er einen Katholizismus, der auch in Rom auf Wohlwollen stoßen würde. Das ist natürlich sein gutes Recht. Aber wenn mir den Klappentexter verspricht, Manfred Lütz spreche Klartext, dann erwarte ich Klartext. Und zwar von Anfang an.

Die zweite Enttäuschung bescherte mir die wissenschaftliche Ebene, auf die sich der Autor beruft. Denn passt ihm eine Erkenntnis nicht in den Kram, putzt er sie mit wenigen, dafür umso flapsigeren Wort hinweg. Und damit stellt er sich selber in eine rhetorische Tradition, die er bei anderen Autoren ins Kreuzfeuer nimmt. Wortgewandt macht er widerspenstige Zweifler zu Befürwortern seines persönlichen Denk- und Glaubensgebäudes. Und wenn ihm sein eigenes Gewissen zu signalisieren scheint, er treibe es mit seiner Taktik allzu bunt, beschließt er den Abschnitt mit einer verbalen Beschwichtigung. Was Manfred Lütz etwa zum kindlichen Wahrnehmungs- und Urteilsvermögen sagt, treibt jedem Entwicklungspsychologen die Schamröte ins Gesicht. Oder wenn er sich zu hirnphysiologischen Vorgängen äußert, muss es Neurowissenschaftlern schaudern. Wieso bleibt er nicht einfach bei seinen persönlichen Bekenntnissen und Erlebnissen? Wieso muss er historische Persönlichkeiten, Wissenschaftler und Stars der Unterhaltungsbranche auf die Bühne locken, wenn diese mit dem gespielten Stück nichts zu tun haben? Wieso hat er sich dazu hinreißen lassen, mit altbekannten Techniken den x-ten Gottesbeweis vorzulegen?

Mein Fazit: Weshalb Manfred Lütz zu den Bestseller-Autoren gehört, wundert mich nach der Lektüre nicht mehr. Mich wundert nur, wieso er mit den Argumenten der Vernunft das Unvernünftige erklären will. Manfred Lütz ist ohne Zweifel ein begnadeter Rhetoriker. Aber das reicht nicht aus, um die Schwächen seiner Beweisführungen zu überdecken.
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149 von 200 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wie gerne hätte ich dieses Buch uneingeschränkt gelobt..., 8. Februar 2008
Von 
isy3 (lebt nun am Bodensee) - Alle meine Rezensionen ansehen
... hätte der Autor dem Titel seines Buches nur den Buchstaben "M" hinzugefügt. Es hätte heißen sollen: Gott - MEINE kleine Geschichte des Größten. So hätte der Leser gewusst, was ihn erwartet - nämlich ein langes persönliches und individuell begründetes Glaubensbekenntnis zum Christentum anstatt einer kurzen seriösen Arbeit über die Geschichte der Religion. So aber erscheint ein ganzes Buch, das in seiner Konzeption gut für die Seele ist, allgemein verständlich und unterhaltsam geschrieben, leider als geistige Mogelpackung. Und dafür gibt es von mir 3 Sterne Abzug; denn das Buch ist noch nicht als Taschenbuch erschienen und noch ziemlich teuer.

Der Text des Buches ist ganz besonders gut für die katholische Seele, weil es insbesondere den katholischen Christen einige schöne Argumentationshilfen an die Hand geben kann, um sich gegen bestimmte, besonders platte und abgenutzte Angriffe von Atheisten zu verteidigen. Dies gelingt besonders dort, wo Psychologie und Neurologie als Begründung eines atheistischen Weltbilds angeführt werden. Autor Manfred Lütz ist von Beruf Arzt und Psychotherapeut und entkräftet schwache Argumentationen auf diesen Gebieten sehr elegant. Auch sind in dem Buch einige schöne geradezu poetische persönliche Erfahrungen mit dem Christentums enthalten, die einen gläubigen Leser bereichern können. Das Ganze ist auch unterhaltsam und allgemeinverständlich geschrieben und liest sich von vorne bis hinten leicht und locker weg. Manfred Lütz schreibt mit viel Humor und teilt uns seine persönlichen Ansichten mit. Das ist meiner Ansicht nach gerade bei einem Buch über den Glauben völlig legitim, und meinem Empfinden nach das Wertvollste an dem Buch. Es enthält aber zum Christentum und den historischen Fakten die dem Leser als Begründungen angeboten werden sollen, eine Menge Lücken, Ungenauigkeiten und Vermutungen. Und zwar gerade dann, wenn es dem Autor wieder einmal nicht in seine Gedankenführung passt. So starb der Diktator Stalin nicht friedlich und unbehelligt in seinem Bett, wie Lütz es behauptet. Er erlitt einen Schlaganfall und lag viele Stunden stöhnend und röchelnd auf dem Fußboden, während sich im Zimmer nebenan Berater, Parteifreunde und sein Arzt aufhielten, die es aus schierer Angst vor ihm nicht wagten, dem Kranken zu helfen.

Die einzelnen Kapitel des Buches reißen bestimmte Themen nur an - der gesamte Buddhismus beispielsweise wird in sieben Seiten eines Unterkapitels kurz abgehandelt und leichthin beiseite geschoben. Ich zitiere: "Der Buddhismus gilt als eine der großen Weltreligionen. Doch ist er wirklich eine Religion? Man kann das mit guten Gründen bestreiten. Denn zumindest Gott kommt kommt bei ihm nicht vor. ... Nehmen wir den Buddhismus einfach als das was er ist, nämlich eine... durchaus beeindruckende Weisheitslehre." Aha. Dem Autor gilt der Buddhismus also nicht als Weltreligion, weil Gott nicht ausdrücklich darin vorkommt. Das ist sehr geschickt geschrieben - aus "ist" wird hier "gilt als" und aus einer verbreiteten und angesehenen "Weltreligion" wird eine nützliche und ehrenwerte "Weisheitslehre" - etwas irgendwie Geringerwertiges als eine "echte" Religion, wie es der Autor immerhin dem Judentum und dem Islam zugesteht. Diese Argumentation wird in ihrer Verkürzung dem Buddhismus nicht gerecht. So überzeugt man keinen Andersdenkenden, sondern erfreut nur diejenigen, die vorher sowieso schon der gleichen Meinung waren.

Je fadenscheiniger übrigens das Argument des Autors, desto flapsiger wird dann sein Ton. Ein origineller und witziger Schluss-Satz und schon geht es weiter zum nächsten Thema. Nach diesem Rezept sind viele Kapitel des Buches aufgebaut.

Ich hatte nach der Lektüre diesen faden Nachgeschmack im Mund, den ich immer bekomme, wenn in einer Talkshow ein Gast alle anderen an die Wand spielt, die nicht so geschickt argumentieren können, aber die Sache um die es dabei geht im Kern nicht berührt wird.

Schade!
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187 von 251 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das Elend der Theologie, 7. April 2008
Sigmund Freud hat einmal gesagt: „Wenn es sich um Fragen der Religion handelt, machen sich die Menschen aller möglichen Unaufrichtigkeiten und intellektuellen Unarten schuldig.“ Der Bestseller „Gott. Eine kleine Geschichte des Größten“ von dem Theologen und Psychiater Manfred Lütz dürfte ein Paradebeispiel für Freuds Beobachtung sein. In seinem Bemühen, uns von dem Glauben der römisch-katholischen Kirche zu überzeugen, bedient sich Lütz aller unredlichen Tricks, die sich christliche Apologeten über die Jahrhunderte hinweg haben einfallen lassen.

Der erste Kunstgriff besteht bekanntlich darin, sich das Vertrauen seiner Leser zu erschleichen, indem man sich ausdrücklich von dem salbungsvollen Ton und dem frömmelnden Gehabe typischer Kleriker distanziert. Unglücklicherweise geht die Rechnung nicht ganz auf, da der Leser während der Lektüre den vom Autor mit gespielter Jovialität um die Schulter gelegten Arm zu spüren meint und seinen etwas zu kumpelhaften Ton schlicht als zudringlich erlebt. Die Sprache ist da auch nicht sonderlich hilfreich. Vermeintlich „coole“ Interjektionen wie „Wow“, „Woom“ und „Super-GAU“ geben dem Leser das Gefühl, abermals ein mit Pickeln übersäter Halbstarker im Konfirmandenunterricht zu sein. Die einzig werbewirksame Phrase, die dem Buch noch fehlt, ist: „Gott ist geil!“

Der zweite, ebenfalls hinreichend bekannte Kunstgriff besteht darin, rasch einen frei inszenierten Sieg zu erringen. So „beweist“ Lütz seinen Lesern mit sichtlicher Genugtuung, dass Feuerbach, Marx und Freud die Existenz Gottes nie widerlegt haben. Darin hat er freilich recht. Doch ist dies selbstverständlich kein Grund zum Triumphieren, da die genannten Religionskritiker auch nie den Anspruch erhoben hatten, die Existenz Gottes zu widerlegen. Sie haben sich für die Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht, noch nicht einmal interessiert. Vielmehr sind sie schon immer von seiner Nichtexistenz ausgegangen und haben sich die wissenschaftlich weit interessantere Frage vorgelegt: „Wie kommt es eigentlich, dass so viele Menschen an einen Gott glauben?“

Der dritte Kunstgriff besteht darin, sich gegen jede Kritik immun zu machen, indem man seinen Gegnern kurzerhand unterstellt, lediglich einen Strohmann zu bekämpfen. Nach Lütz haben Religionskritiker wie Holbach, Voltaire oder Hume nur dem auf der Wolke sitzenden Gott mit dem Rauschebart etwas anhaben können, doch nicht dem Gott der einzig wahren Kirche. Der Gott der römisch-katholischen Kirche sei nämlich ganz anders. Wie jeder weiß, richteten sich die Argumente von Holbach, Voltaire und Hume jedoch keineswegs gegen irgendwelche „selbstgemachten Götter“, sondern durchaus gegen den Gott des Nicäischen Glaubensbekenntnisses, dem sich die Christen aller Konfessionen noch heute verpflichtet fühlen.

Der vierte Kunstgriff besteht darin, seinen Kontrahenten mit einer falschen Alternative zu erpressen. Wer nicht an Gott glaubt, habe sich nach Lütz noch gar keine wirkliche Vorstellung von den verheerenden Konsequenzen seines Unglaubens gemacht. Ohne Gott bleibe uns nämlich nur noch der Nihilismus eines Friedrich Nietzsche: „An Gott glauben oder Nietzsche folgen, das scheint die wirkliche Alternative zu sein. Wenn man aber Nietzsche folgt, dann muss man auch bereit sein, den bitteren Kelch des Atheismus bis zur Neige zu trinken. Dann hat man keine Argumente gegen Hitler, Stalin oder Mao Tse-Tung mehr.“ Es bedarf hoffentlich keiner besonderen Erklärung, dass der Nihilismus keineswegs die logische Konsequenz des Atheismus ist. Der säkulare Humanismus eines Bertrand Russells ist beispielsweise eine durchaus gangbare Alternative zum moralischen Nihilismus.

Der fünfte Kunstgriff besteht darin, seinen Gegner moralisch zu diskreditieren, indem man sein Weltbild diffamiert und für menschenverachtend erklärt. So bezeichnet Lütz den Faschismus und den Kommunismus als „atheistische Freilandversuche“, die womöglich mehr unschuldige Menschen auf dem Gewissen haben „als alle Religionen zusammen“. Dass sowohl der Faschismus als auch der Kommunismus zwei quasi-religiöse Heilslehren waren, die mit dem Atheismus säkularer Humanisten nicht das Geringste zu tun haben, ficht ihn dabei nicht an. Auch scheint er bequemerweise ganz zu vergessen, dass die Soldaten der Wehrmacht „Mit Gott und dem Führer“ in den Krieg gezogen sind und über ein Viertel der SS-Angehörigen treu ergebene Mitglieder seiner katholischen Kirche waren.

Der sechste Kunstgriff besteht darin, ein argumentatives Zugeständnis zu machen, das man bereits im nächsten Satz möglichst unbemerkt wieder zurücknimmt. So gesteht Lütz bereitwillig zu, dass der Vatikan selbstverständlich nicht immer von Engeln regiert wurde. Er nennt die Kirche in seiner erwähnt hemdsärmeligen Art sogar einen „Saustall“, doch selbstverständlich nur, um sogleich hinzuzufügen, dass es ja auch „total frustrierend“ wäre, wenn sie nur von Heiligen geleitet würde. Ich fürchte, man darf mit guten Gründen bezweifeln, dass die Juden „total frustriert“ gewesen wären, wenn der Vatikan zur Zeit des Dritten Reiches wenigstens ein einziges Wort gegen den Holocaust gesagt hätte.

Der siebte Kunstgriff besteht darin, dass man vermeintliche oder tatsächliche Autoritäten für seine Sache vereinnahmt. Die am häufigsten missbrauchte Autorität dürfte zweifellos Albert Einstein sein, dessen metaphorisches Reden von einem „Schöpfer“ – „Gott würfelt nicht!“ – geradezu wie eine Einladung an die Christen wirken musste. Lütz schreibt denn auch: „Albert Einstein war zuerst natürlich Atheist geworden. Aber je tiefer er in die Wissenschaft eindrang, desto mehr entwickelte er sich zu einem Bewunderer des Göttlichen.“ Lütz weiß natürlich so gut wie jeder andere, dass Ein-stein alles andere als ein Christ war. Wenn Einstein überhaupt an einen Schöpfer glaubte, dann an den von Lütz verlachten „Rentnergott Epikurs“.

Der achte Kunstgriff besteht darin, die ganze Hand zu ergreifen, sobald einem der kleine Finger gegeben wird. Dass Wissenschaftstheoretiker wie Karl Popper offenherzig von der Fehlbarkeit unserer Vernunft und der Vorläufigkeit all unseres Wis-sens sprechen, nutzt Lütz sogleich dazu aus, um einige aus der Vordertür herausbe-förderte Dogmen rasch durch die Hintertür wieder hineinzuholen. So sei etwa die „Himmelfahrt Christi“ zwar „höchst unwahrscheinlich“, doch nicht „prinzipiell unmöglich“. Die Bescheidenheit der Wissenschaft dient jetzt also als intellektueller Freifahrtschein der Theologen.

Der neunte Kunstgriff besteht darin, dass man sich auf die Bildungslücken seiner Leser verlässt und schwer verständlichen naturwissenschaftlichen Theorien kühn einige Implikationen unterstellt, die sie nicht haben. So dürfte es beispielsweise die Physiker überraschen zu hören, dass die Quantentheorie „die Ehe zwischen Atheismus und Wissenschaft argumentativ zerrüttet“ habe. Nach Lütz ist der Zweifel an Gott als „intellektuelle Option zusammengebrochen“, weil die Quantentheorie zum „argumentativen Super-GAU des Atheismus“ geführt habe. Natürlich ist nichts von alledem wahr. Und man fragt sich wie Schopenhauer bei der Lektüre von Hegel: „Ist das nun Dummheit oder Niedertracht?“ Wie jeder Abiturient weiß, hat die Quantenphysik die klassische Physik Newtons erweitert und – zumindest nach einigen ihrer Interpretationen – den Determinismus des mechanistischen Weltbildes in Frage gestellt. Doch der Determinismus der mechanistischen Physik hat nichts mit dem Atheismus der naturalistischen Philosophie zu tun.

Der zehnte und letzte Kunstgriff besteht darin, seinen Gegner, wenn nötig, zu beschämen. So zitiert Lütz bei der Behandlung des Theodizee-Problems sein philosophisches Vorbild Robert Spaemann, der auf die Frage „Wo war Gott in Auschwitz?“, kurz mit „Am Kreuz!“ antwortete. Angesichts dieser entwaffnenden Antwort verbietet sich freilich jede weitere Frage; es sei denn, man nimmt es in Kauf, als herzlos zu gelten. So geschickt dieser moralistische Schachzug auch sein mag, dass Gott ebenfalls gelitten hat, kann selbstverständlich keine Antwort auf die Frage sein, warum Millionen von Juden in den Tod gehen mussten, wenn ihnen ein ällmächtiger und allwissender Gott doch problemlos hätte zu Hilfe eilen können.

Für den Fall, dass ein Leser auf Lützens Kunstgriffe hereingefallen ist, sollte man annehmen, dass er jetzt vor der Wahl stehe und entscheiden müsse, ob er nun Christ, Muslim, Jude, Hinduist, Buddhist, Jainist oder was auch immer werden wolle. Doch Lütz ist derart zuvorkommend, dass er seinen Lesern die Qual der Wahl auch hier gerne abnimmt. Die anderen Religionen seien keine wirkliche Option. Sie seien „religiöser Ramsch“. „Das Wirrwarr des hinduistischen Götterhimmels“ etwa sei schlichtweg „abstoßend“. Der Buddhismus habe zwar einige „tiefe Einsichten“, sei aber letztlich „unbefriedigend“. Und im Islam sei der Mensch einfach „zu weit ent-fernt“ von Gott. Gegen das Judentum sagt Lütz eigentümlicherweise nichts. Wahrscheinlich schweigt er sich aber nur deshalb aus, weil man in einer „Theologie nach Auschwitz“ mit solcher Kritik vorsichtig sein muss.

Die erste Frage, die man sich nach der Lektüre, stellt, ist: Wie kann ein so billiges Buch nur so teuer sein?
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14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Enttäuschung kommt zum Schluss, 20. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Gott (Kindle Edition)
Mit großem Interesse habe ich über die Hälfte dieses Buches gelesen und mich gefreut, vom Wissen des Manfred Lütz zu profitieren. Besonders gefallen hat mir, wie der Autor die Geschichte des Christentums in die Chronologie der gesellschaftlichen Entwicklung gestellt hat. Eine hilfreiche Fleißarbeit; ich vermute, dass diese Inhalte seines Buches seinen wissenschaftlichen Arbeiten im Rahmen seines Studiums entstammen, er sie also nicht neu recherchiert hat.

Je weiter ich in seinem Buch kam, desto auffälliger wurde mir, dass der Autor keine "kleine Geschichte des Größten" schrieb, sondern (s)eine erzkatholische Sicht formuliert. Schade ist das. Sämtliche (Irr)Lehren der katholischen Kirche werden mit großer Überzeugung dargestellt. Dabei wundert mich, wie ein kluger Mensch, zu denen ich den Autor gerne zählen möchte, derart unkritisch den "Weisungen aus Rom" Folge leistet. Gibt man in einem Theologiestudium vor jeder Vorlesung sein Gehirn ab?

Seine Bemerkungen über die Himmelfahrt der "Jungfrau Maria" waren erster Anlass, dass ich hier zu seinem Buch Stellung nehme. Jesus hatte bekanntlich Geschwister, von "Jungfrau" kann deshalb wohl keine Rede sein und von ihrer Himmelfahrt steht in der Bibel kein Wort. Das, wie vieles anderes, ist schlichter katholischer Schwachsinn, der auch durch regelmäßige Wiederholung seit Jahrhunderten nicht wahr wird.
Die Autoren der Bibel und die Künstler, die später die biblische Geschichte in großartigen Gemälden dargestellt haben, vereint, dass keiner von ihnen Jesus selbst erlebt hat. Alle Berichte und Gemälde sind das Ergebnis ihrer Fantasie. Der Autor reiht sich deshalb leider ein in die Gilde der Erzähler biblischer Geschichten, die ihre eigene Wahrheit verkünden - oder das nachplappern, was sie unkritisch von anderen übernommen haben. Beispiel: Maria hätte die göttliche Zeugung in ihrem Leib verweigern können. Wo steht denn das in der Bibel geschrieben? - Nein, Katholizismus und biblische Lehre waren, sind und bleiben unvereinbar. Die "größte Christenkirche" in Rom bietet dem Gottsuchenden einen vergleichbaren Wahrheitsgehalt wie die "größte Tageszeitung Deutschlands". Verdummung mit Absicht. Warum bleibt der aktuelle Stand der Bibelforschung gänzlich unberücksichtigt?

Und noch ein Unding: Der Autor will zwischen der "Anbetung" Marias und der "nur Fürbitte Marias" unterschieden wissen. Das ist akademischer Unsinn und Ablenkung, denn die "Heilige" Maria ist einzig ein Produkt der katholischen Kirche. Welcher Stellenwert der Mutter Jesu tatsächlich zukommt, wird deutlich, wenn man die Bibel liest - und nicht nach Rom hört.
Die "Mutter Gottes" ist Teil der biblischen Geschichte - keine Frage, sie gehört dazu und wird erwähnt, aber nicht "geheiligt" und in der Weise verehrt, wie dies die "größte Christenkirche" in Rom verkündet und praktiziert. Merkwürdigerweise haben die Frauen bei den Herren in Rom bis zum heutigen Tag ansonsten und allgemein einen anderen Stellenwert. Selbst bei der Beschreibung der sogenannten Gottesfamilie, der irrigen Mähr von der Dreieinigkeit, fehlt in der katholischen Kirche die Frau. (Familie ohne Frau, da sollte jeder Katholik stutzen und vielleicht einmal anfangen, selbst in der Bibel zu lesen.)

Und auch der Seitenhieb des Autors auf Martin Luther - und damit wohl auf alle Protestanten - ist unerträglich, dass nämlich die Kirchengeschichte Europas anders verlaufen wäre, wenn Luther bei seinem Besuch in Rom mehr Kunstverstand gezeigt hätte - und in den Kirchenmalereien den Genius der wahren Darstellung der biblischen Ereignisse und den Willen Gottes erkannt hätte. So ein Blödsinn, von einem promovierten Menschen. Einfach unerträglich. Ich dachte, solche Kleinkariertheit zwischen Katholiken und Protestanten hätte die Ökumene längst überwunden. Nicht so bei Herrn Lütz.

Der Autor zeigt sich als ein Handlanger der römischen Kirche. Der Mensch darf und soll Gott direkt anbeten; deshalb ist die beschriebene "katholische Methode", via Fürbitte Marias mit Gott in Kontakt zu kommen, eine von vielen anderen unsinnigen Gewohnheiten der Katholiken, und so von gestern, wie alles andere aus Rom.

Nein, der Kauf des Buches hat sich nicht gelohnt.
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28 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Lütz' Credo: Eine unreflektierte und unsubstantiierte Apologetik, 25. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Gott: Eine kleine Geschichte des Größten (Taschenbuch)
(Eine Bemerkung vorweg: Bücher mit religiösen Themen werden manchmal verrissen, weil der Rezensent grundsätzlich anderer Meinung als der Autor ist. Das ist hier nicht der Beweggrund der schlechten Bewertung. Ich bin Christ, und damit Theist.)

Eines Tages entschied sich Manfred Lütz, ein Credo zu verfassen. So oder so ähnlich dürfte es zu diesem Buch gekommen sein. Recherchiert scheint Lütz dafür nicht zu haben. Nicht nur, dass fast allen Zitaten die Quelle fehlt - selbst der Verfasser/Urheber div. Aussprüche bleibt ungenannt und wird nonchalant durch "man" ersetzt. "Man sagt." Aha.

Doch auch dort, wo Lütz sich explizit auf Autoritäten bezieht, neigt er stark dazu, Standpunkte tendenziell darzustellen und sie beliebig bis zur Unkenntlichkeit zu verkürzen. Auch hinterfragt er die Weisheit der Masse oder eines Gelehrten nur dort, wo es ihm argumentatorisch in den Kram passt, und übernimmt andererseits selbst so öffentlichkeitswirksam entkräftete Aussagen wie die Pascal'sche Wette bedenklos bzw. ohne die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen. Wer dem Mediziner und Theologen bis dato zugetraut hatte, mit wissenschaftlicher Integrität verschiedene Standpunkte fair gegeneinander abzuwägen, wird leider schon in diesem Punkt enttäuscht.

Andere Themen (wie beispielsweise Freuds mittlerweile ja zurecht umstrittene Psychoanalyse) scheint Lütz nur deshalb so ausführlich zu behandeln, um im nächsten Atemzug halbwegs verwandtes Gedankengut (hier Feuerbachs Projektionsthese) per Analogieschluss ("Freuds Psychoanalyse ist falsch, also auch die psychologische Erklärung der Entstehung eines Gottesbildes") zu widerlegen. Wie unsinnig dieses Vorgehen ist, wird in diesem Beispiel deutlich, führt man sich vor Augen, dass Feuerbachs "Wesen des Christentums" 15 Jahre vor Freuds Geburt erschien. Richtig ist, dass Feuerbachs Thesen nichts Definitives darüber aussagen können, ob es nun tatsächlich einen Gott gibt oder nicht - das kann Lütz' Buch aber ebensowenig.

Dazu kommt ein Nachwort, dass besser als Vorwort dem Werk vorangestellt worden wäre, da Lütz darin unumwunden zugibt, hier nicht nur rein subjektiv zu fabulieren (weckt doch der Untertitel mit seiner Andeutung von "Geschichte" die unterschwellige Erwartung nach Transsubjektivität und dem Abwägen aller beteiligten Seiten), sondern das Ganze eigentlich witzig zu meinen. Viele seiner Plattitüden und groben Ungenauigkeiten können ihm so ja nachgesehen werden - Fasching bspw. ist ebenfalls meine Sache nicht, vielleich also kein Wunder, dass ich beim Lesen diese "lustigen" Textes immer wieder die Hände über soviel Blödsinn vor den Kopf schlagen musste. Der Fremdschäm-Faktor war stellenweise auch wirklich ebenso hoch wie beim Ansehen der TV-Übertragung einer Karnevalssitzung.

Trotzdem gebe ich diesem Buch 2 Sterne. Warum? Weil es Lütz immerhin gelungen ist, mein kritisches Denken zu vielen seiner Thesen zu aktivieren. Das fing gleich auf der ersten Seite an, wo Lütz behauptet, Theisten und Atheisten würden natürlich vollkommen unterschiedlich leben. Wirklich? Wäre das so, müsste man beide Gruppen auf den ersten Blick auseinanderhalten können, was aber in der Regel nicht der Fall ist. Überhaupt ist überall dort Vorsicht geboten, wo Lütz behauptet, etwas sei "natürlich" so oder so. Diese skeptische Haltung hielt beim weiteren Lesen an, wobei ich lediglich beklagen möchte, dass Lütz es dem Kritiker wirklich oft zu einfach macht. So kann dieses Buch auch als mahnendes Denkmal dafür gelten, wie man heutzutage besser keine Religionsapologetik mehr betreibt.
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53 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Gehaltlose, 26. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Gott: Eine kleine Geschichte des Größten (Taschenbuch)
Wie schade! Als diskussionsfreudiger Atheist bin ich immer sehr an pro-religiösen Streitschriften interessiert. Leider macht Manfred Lütz nicht einmal einen Versuch, durch ernsthafte Argumentation zu überzeugen. Sein gesamtes Buch besteht nur aus Stimmungsmache, Anekdoten und kleinen Geschichten über Feuerbach, Einstein oder Nietzsche. Wenn überhaupt einmal Argumente gebracht werden, dann sind es primitive Fehlschlüsse, die in der seriösen Religionsphilosophie längst widerlegt wurden. Etwa die Behauptung, der Atheismus müsse in den Amoralismus führen, während es in Wirklichkeit genau umgekehrt ist: Es ist nämlich die religiöse Moralbegründung, die zum Scheitern verurteilt ist. Stichwort: Euthyphrons Dilemma.

Uralte Kamellen wie Pascals Wette werden aufgewärmt, wobei die Besprechung dieser "Argumente" so oberflächlich bleibt, dass die schreienden Logikfehler kaschiert werden. So werden natürlich auch die thomistischen Gottesbeweise angeführt, ohne auf die Gegenargumente von Hume und Kant (zwei der größten Philosophen aller Zeiten) auch nur einzugehen.

Unterm Strich gibt es über dieses Buch eigentlich nichts positives zu sagen. Es ist weder als Verteidigung noch als Geschichte der Religion gelungen. Vielmehr ist es eine Propaganda im schlimmsten und dümmsten Sinne des Wortes. Ein gläubiger Katholik, der nach billiger Munition sucht, wird dieses Buch vielleicht mögen. Wer an Argumenten interessiert ist - egal ob er Atheist oder Christ ist - sollte sich anderswo umsehen.
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61 von 85 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Einseitig, widersprüchlich und teilweise einfach falsch, 9. Januar 2009
Dem Buch gestehe ich seinen lockeren Stil gerne zu, dieser kann aber nicht den schwachen Inhalt verdecken. Meine wichtigsten Kritikpunkte sind:

1) Nach Lütz' Ansicht müssten Atheisten, wenn sie konsequent sind, Nihilisten werden, so wie Nietzsche (S. 62, 228). Doch Atheismus führt nicht zwangsläufig zum Nihilismus. Moral muss nicht theistisch begründet werden. Man kann genauso konsequent seine Werteorientierung säkular begründen. Wer etwas anderes sagt, verunglimpft nichtreligiöse Menschen.

Noch dazu müssen Gläubige ihre (religiös vermittelte) Ethik für gottgegeben und damit letztlich für unhinterfragbar halten. So kommen wir aber im internationalen und interreligiösen Dialog nicht weiter. Besser sieht es bei säkularen Ethiken aus, die man argumentativ begründen muss und über die man daher auch wirklich diskutieren kann.

2) Nach Lütz wäre die Quantentheorie der argumentative Super-GAU des Atheismus, denn jetzt seien unerwartete Ereignisse (also ein Eingreifen Gottes) jederzeit möglich (S. 65). Das ist erstens physikalisch fragwürdig, denn auch nach der Quantentheorie ist nicht jederzeit jede beliebige Verletzung der Naturgesetze möglich. Zweitens ist es auch theologisch fragwürdig: denn wenn der Gott der Christen laut Credo allmächtig ist, wozu braucht er dann die undeterminierte Welt der Quantentheorie, um eingreifen zu können - müsste er das nicht in jedem Fall können?

Anders als von Lütz behauptet, ist ein materialistisch-deterministisches Weltbild übrigens auch gar nicht das "entscheidende Argument" (S. 65) für den Atheismus. Das entscheidende Argument ist, dass wir die Hypothese "Gott" nicht unbedingt brauchen, um die Welt und die Entstehung des Lebens zu erklären. Es gibt keinen rational zwingenden Grund, an Gott zu glauben, das ist der springende Punkt.

3) Lütz zitiert zustimmend R. Spaemann: wenn vernünftig sei, was alle vernünftigen Wesen für vernünftig hielten, könnten gerade einmal 250 Jahre Atheismus einer kleinen Minderheit den Atheismus nicht vernünftig machen (S. 179). Doch dieses Argument ist unrichtig und widersprüchlich: an anderer Stelle gibt Lütz nämlich selbst zu, dass es den Atheismus schon über 2000 Jahre gibt (S. 65). Außerdem ist Vernünftigkeit keine Frage der Mehrheit. An anderer Stelle in seinem Buch gibt Lütz auch das zu, wo es ihm in die Bezug auf die Deutschen passt: da schreibt er dann auf einmal, dass die Mehrheit auch gerne mal ziemlich viel Unsinn glaubt (S. 271).

Zudem sind nach einer aktuellen Statistik (Britannica online) etwa 777 Millionen Menschen nichtreligiös und 153 Millionen sind Atheisten - das kann man nicht als "kleine Minderheit" abtun. Hinzu kommen noch 385 Millionen Buddhisten, die auch nicht einfach als Theisten zu verbuchen sind, weil der Buddhismus keinen Schöpfergott kennt. Und was wirklich am vernünftigsten wäre, ergibt sich nicht aus irgendwelchen Mehrheiten, sondern aus einer einfachen Überlegung: Unbestritten kann man die Existenz Gottes weder beweisen noch widerlegen, also wäre es das vernünftigste, genau diese Ansicht auch zu vertreten - also mit anderen Worten Agnostiker zu sein.

4) Nach Lütz würde die sogenannte Pascalsche Wette auch heute noch zweifelnde Menschen überzeugen (S. 42). Tatsächlich läuft die Pascalsche Wette nur auf die altbekannte Drohung hinaus: "Besser, du glaubst an Gott, bevor du in die Hölle kommst". Menschen Angst zu machen ist aber wahrlich etwas anderes als sie zu überzeugen.

Interessant ist hierbei, dass Lütz sich scheut, das unpopuläre Wort "Hölle" auszusprechen. Er fasst die Pascalsche Wette zusammen: "Wenn man leichtsinnigerweise so lebt, als gäbe es Gott nicht - und es gibt ihn in Wirklichkeit doch, dann würde man mit dem ewigen Nichts bestraft" (S. 42). Streng genommen wird Lütz hier häretisch, denn nach Neuem Testament und kirchlicher Lehre kommen Ungläubige nicht in ein "ewiges Nichts" (d. h. sie hören nicht auf zu existieren), sondern sie müssen für immer in der Hölle bzw. im ewigen Feuer leiden (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche §§ 1034-35). Wollte Lütz hier etwa nicht zugeben, wie grausam sein christlicher Gott sein kann, der doch ein Gott der Liebe sein soll? Deshalb macht mir die Pascalsche Wette auch keine Angst: ein wirklicher, glaubwürdiger Gott der Liebe würde, wenn es ihn gäbe, moralisch lebende Skeptiker eben nicht in die Hölle werfen.

5) Lütz erwähnt ein Experiment des Stauferkaisers Friedrichs II., Säuglinge ohne Sprache aufzuziehen, in der Erwartung, sie würden dann von allein in einer Art Ursprache reden. Jedoch: "Das Experiment scheiterte, man bekam die Ursprache nicht heraus, denn alle Kinder - starben" (S. 259). So jedenfalls Lütz, doch hätte er auch hier besser recherchieren sollen. Das angebliche Experiment Friedrichs II. wird nur von einem einzigen Chronisten berichtet, nämlich Salimbene von Parma, und der kolportierte gern Gerüchte und war außerdem ein erklärter Gegner Friedrichs II. Heutige Historiker bezweifeln deshalb diese Geschichte.

6) Nach Lütz hätte Stephen Hawking in seinem Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit" behauptet, Papst Johannes Paul II. habe die Urknalltheorie und christliches Schöpfungsdenken für unvereinbar erklärt. Eine solche Papst-Ansprache habe es aber nicht gegeben (S. 141) - nur hat das Stephen Hawking auch nie behauptet. Was Hawking wirklich schreibt, ist: Bei einer Konferenz im Vatikan ermahnte der Papst die Wissenschaftler, sie sollten zwar die Entwicklung des Universums nach dem Urknall erforschen, aber nicht den Urknall selbst, denn der sei das Werk Gottes (Eine kurze Geschichte der Zeit, Paperback-Ausgabe 1995, S. 148). Über diese Aufforderung mag man zwar geteilter Meinung sein (immerhin erteilte der Papst hier ein Denkverbot!), aber von einer Unvereinbarkeit des Urknalls mit der christlichen Schöpfungsidee hat er auch laut Hawking nicht gesprochen. Dabei nennt Lütz sogar ein eigenes Unterkapitel auftrumpfend "Der Irrtum des Stephen Hawking" - schon peinlich, wenn das dann nicht stimmt.

Fazit: Nichts gegen saloppe Bücher, aber ich habe etwas gegen Bücher, wo ständig unfair argumentiert wird (meine Punkte sind nur Beispiele). Von einem christlichen Buchautor erwarte ich, dass er sich auch an das achte Gebot hält: "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden" - d. h. also dass er keine Fakten verdreht. Auch ehrliche Christen werden zugeben müssen, dass ihrer Religion mit so einem Buch nicht gedient ist. Und die Wissenschafter, denen Lütz im Nachwort seines Buches für die Durchsicht des Manuskripts dankt (S. 297), haben sich in meinen Augen blamiert, weil sie dem Autor derart viele Unkorrektheiten durchgehen ließen. Manfred Lütz sollte sich bei Stephen Hawking und bei seinen vielen enttäuschten Lesern entschuldigen.
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Gott: Eine kleine Geschichte des Größten
Gott: Eine kleine Geschichte des Größten von Manfred Lütz (Taschenbuch - 1. Februar 2009)
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