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TOP 500 REZENSENTam 12. April 2016
Wenn es einen guten Verriß dieses Buches des bekannten Psychiaters, Theologen und Kabarettisten Manfred Lütz gibt, dann muß er doch bei den organisierten deutschen Atheisten der Giordano Bruno Stiftung zu finden sein. In der Tat stößt man auf den Seiten des hpd (Humanistischer Pressedienst) auf eine Rezension (hpd.de/node/4160), die den interessanten Versuch unternimmt, mit bezug auf ein Freud-Zitat Lütz der argumentativen Trickserei zu überführen, indem zehn seiner Kunstgriffe oder Tricks aufgedeckt werden. Das Freud-Zitat, um das es geht, lautet: "Wenn es sich um Fragen der Religion handelt, machen sich die Menschen aller möglichen Unaufrichtigkeiten und intellektuellen Unarten schuldig." Einer der Kunstgriffe, der Lütz vorgeworfen wird, soll darin bestehen, daß er sich auf die Bildungslücken seiner Leser verlasse und schwerverständlichen naturwissenschaftlichen Theorien Implikationen unterstellt, die sie nicht haben. So solle nach Lütz die Quantentheorie „die Ehe zwischen Atheismus und Wissenschaft argumentativ zerrüttet" haben. Nach Meinung von Lütz sei der Zweifel an Gott als "intellektuelle Option zusammengebrochen", weil die Quantentheorie zum "argumentativen Super-GAU des Atheismus" geführt habe. Natürlich sei nichts von alledem wahr.

SO EINFACH IST ...
… das allerdings nicht. Die Quantentheorie als "argumentativer Super-GAU des Atheismus", wie Lütz behauptet, ist sicher ein bißchen übertrieben, aber die atheistischen Kritiker unserer Tage vergessen, wie sehr die Heisenbergsche Unschärferelation von 1927 und die damit eingehenden Zweifel an Kausalität und Determinismus die Materialisten im sowjetischen Machtbereich in früheren Tagen in helle Aufregung versetzten. Heisenberg war dort jahrzehntelang als "physikalischer Idealist" und seine Anhänger als "Heisenbergisten" verpönt. Nach Lenin war ja der dialektische Materialismus eine "auf dem Determinismus aufgebaute Weltanschauung". Sie allein gestatte "eine strenge und richtige Bewertung" menschlichen Verhaltens und verhindere schließlich, "daß alles mögliche auf den freien Willen abgewälzt wird". Willensfreiheit war nach Lenin "eine unsinnige Fabel". Es verwundert daher nicht, daß der atheistische Philosoph Helmut Korch an der Universität Jena noch 1961 nachdrücklich feststellte: "Der Determinismus verkörpert" ein "notwendiges Prinzip" der materialistischen Weltauffassung.

POSITIV DENKEN
Unter Atheisten ist die Haltung verbreitet, nicht das Negative, sondern das Positive zu fürchten: Nachdem sie sich sicher sind, daß Gott tot ist, treibt sie nun die Sorge um, ist, daß noch etwas von ihm übrig ist. Sie bestreiten, daß es in einer deterministischen Welt so etwas wie einen freien menschlichen Willensentschluß geben könnte. Im "freien Willen" steckt - so befürchten sie - womöglich noch ein göttlicher Funke. Mittlerweile weiß aber auch die Wissenschaft, daß eine negative Weltsicht sich ihre eigenen Probleme schafft. Wer nämlich glaubt, daß er eine Marionette ist, verhält sich tendenziell auch wie eine. Gar nicht hoch genug einzuschätzen ist, daß der Autor mit der positiven und zuversichtlichen Haltung, die er ausstrahlt, hierzu ein performatives Gegengewicht bildet.

FAZIT
Mit seinem Sahnetortenargument beweist Lütz nichts, er illustriert damit aber einen wesentlichen Punkt. Inwieweit geht es denn um eine Frage des Glaubens und inwieweit ist es eine Frage der Haltung, nämlich der zwischen positivem und negativen Denken. Lütz liefert keine durchwegs strenge Argumentation, aber eine kurzweilige. Andersgläubige wird er wohl nicht überzeugen, aber bei indifferent-säkularen Zeitgenossen die scheinbaren Gewißheiten einer modischen Theologiekritik in Zweifel ziehen und sie auch ein bißchen auf den Arm nehmen, könnte ihm gelingen.
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am 2. April 2016
Das Buch ist sehr persönlich geschrieben, auch als eigenes Bekenntnis, und oftmals den Leser ganz direkt ansprechend. Viele persönliche Kontakte fließen hier ein und werden auch namentlich benannt. Die Sprache ist bildreich und manches auch zum Schmunzeln, ungeheuer sympathisch und von daher auch leicht zu lesen.
Der Autor gibt einen guten wertenden Überblick einerseits über die Gottsuche in der Menschheitsgeschichte und andererseits über die Bestrebungen, ohne Gott auszukommen. Auf eine Theologensprache wird weitgehend bewusst verzichtet.
Grundtendenz des Buches ist nämlich auch darzulegen, dass das „arme alte Mütterchen“ den vollen christlichen Glauben auszudrücken vermag, wie Lütz ihn im Credo oder auf einer einzigen Textseite zusammen fasst. Was darüber hinaus geht, also die umfänglichen theologische Bemühungen aller Zeiten, sieht Lütz dem Umstand geschuldet, dass der Mensch ein Vernunftwesen ist. Diese Vernunft ermöglicht ihm, auf Fragen an den Glauben verantwortbare Antworten zu finden - Anfragen, wie sie dem einzelnen und ganzen Generationen in den verschiedenen Zeiten der Kirchengeschichte vom gesellschaftlichen Kontext her aufgegeben werden. Wer keine solche Fragen hat, braucht auch keine hohe Theologie und hat gleichwohl das Ganze. Weil der Glaube die Vernunft aber auch nicht zu scheuen braucht, entwickelten sich Theologie und auch Dogmen (in der konziliaren Abwehr von theologischen Verstehensmodellen) zu einem Lehrgebäude.
Suchenden Menschen kann das unterhaltsame Buch nur empfohlen werden. Karl Dieter Sorg
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am 16. Mai 2016
Dieses Buch lässt sich wunderbar lesen im Verbund mit der Gotteswahn von Richard Dawkins. Beiden Bücher ist ein Populismus nicht fern und zeigen eindrücklich das es ab einem bestimmten Punkt eben keine Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Glaube gibt. Glauben ist nicht Wissen :-)

Wie man der Sternevergabe von mir sieht war ich arg entäuscht von dem Buch. Der schnoddrige Schreibstil soll das Thema zugänglicher machen das funktioniert aber nur wenn sich dahinter Inhalt verbirgt. Leider wurde mir dieser Inhalt nicht sichtbar und in der Tat sind manche Behauptungen schlicht nicht richtig. Einstein war nicht gläubig und die Psychologie hat einiges zu sagen zu Leuten die einer imaginären Person huldigen.

Die größte Schwäche dieses Buches ist es zeigen zu wollen warum die katholische Kirche allen anderen Überlegen ist und sich zu verteidigen gegenüber dem Atheismus. Was soll das ? Entweder ich habe Selbstvertrauen und bin der ich bin oder ich lasse es und grenze mich nicht von anderen ab um zu zeigen was ich sein will.

Die Innovationen des Christentum wie Vergebung und Nächstenliebe werden recht kurz behandelt zu Gunsten oben stehender Abgrenzungen und Angriffe.

Leider versteht Hr. Lütz nicht das manche Menschen eben dieses "Heftpflaster" Gott nicht brauchen sonst hätte er das Buch anders schreiben können.
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am 20. August 2010
Sicherlich kein Buch um überzeugte Atheisten zum Christentum zu bewegen. Vielmehr ein Buch das sich an jene wendet, die den inneren Zweifel spüren und mit dem Gott den wir aus dem Religionsunterricht zu kennen glaubten nichts anzufangen wissen.

Der Titel machte mich neugierig. Mit anfänglicher Skepsis, schließlich bin ich schon vor Jahren aus der Kirche ausgetreten, habe ich angefangen zu lesen. Die Skepsis wich und echtes Interesse kam. Ich habe das Buch nicht so verstanden das 100% überzeugte Atheisten von Gott überzeugt werden sollten. Vielmehr scheint es so als wenn das Heer der Enttäuschten und der Zweifler angesprochen werden sollte.

Beginnend mit einem Abriss über Atheismus in den einzelnen Epochen nutzt Manfred Lütz die Gelegenheit um mit einigen Gottesbildern aufzuräumen.
Ich war erstaunt wie viele Vorurteile über Gott, Dogmen und Kirche ich während des Lesens über Bord werfen oder doch zumindest hinterfragen musste.

Manfred Lütz hat es mit seinem Buch zumindest geschafft bei mir wieder Neugierde auf diesen Gott zu wecken. Sofern man bereit ist seine eigenen Vorstellungen von Gott mal zu hinterfragen ist es ein Buch das nachwirkt und dazu einlädt Antworten auf längst beantwortet geglaubte Fragen zu suchen.

Der Autor stellt dem Leser einen sehr persönlichen Gott vor, keinen vergeistigten oder gar den älteren Herrn im weißen Gewand. Durch seinen Hintergrund ist die Suche nach Gott katholisch eingefärbt, was mich als Protestant aber nicht daran gehindert hat das Buch mit Neugierde und wachsendem Interesse zu lesen. Der Schreibstil ist alles andere als frömmelnd von daher liest es sich sehr flüssig.

Fazit: Ein sehr interessantes Buch über ein ernstes Thema, das ohne Drohungen auskommt und, sofern man sich darauf einlässt, Lust auf mehr macht.
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am 4. Februar 2016
Dem Autor gelingt es tatsächlich eine Geschichte zu erzählen, die sich gut liest und seine ganz persönlichen Erfahrungen mit den Dingen des Lebens die uns alle berühren zu verknüpfen.
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am 29. Dezember 2007
Religion und Glaube sind heute wieder in aller Munde. In zahlreichen Talkshows und Büchern schmeißen sich Gegner und Befürworter der Religion die Argument für und gegen diese um die Ohren. Ein wenig spiegelt sich diese "ewige Auseinandersetzung" auch in dem vorliegenden Buch von Manfred Lütz wieder, der nicht verschweigt auf welche Seite er sich schlägt: pro Religion und mehr: pro Gott! Allein diese Tatsache wird im Zeitalter von Richard Dawkins "Gotteswahn" so manchen davon abhalten dem vorliegenden Buch etwas Konstruktives abgewinnen zu können, denn wer so klar und deutlich Stellung bezieht - so ein all zu oft anklingendes Argument - wird wohl kaum eine faire und reflexive Aufarbeitung des Themas erwarten lassen. So gesteht auch Lütz in diesem Buch ein, dass es sich um eine klar persönlich bestimmte Herangehesweise an das Thema "Gott" handelt, eine andere - so lautet eine Botschaft des Buches - ist gar nicht möglich. Lütz demonstriert, dass weder die Psychologie, noch die Philosophie mit ihren starren Götterbildern wirklich etwas über Gott aussagen können, Gott zu erfassen - was vollends nie gelingen kann -ist immer ein "Mehr" und hat im Wesentlichen mit persönlichen Erfahrungen zu tun. Einen wesentlichen Teil des Buches nimmt die Auseinandersetzung mit dem Atheismus und der "Wissenschaft" ein, welche Lütz als die Hauptgegner der Religion in den vergangenen Jahrhunderten ausmacht. Kurz und knapp schildert er dabei die wesentlichen Formen des Atheismus von der Antike bis zur Gegenwart, zeigt aber auch an gegebenen Stellen dessen Schwächen auf. Nach Lütz ist der Atheismus heute eigentlich überwunden, da seine wesentlichen Argumente hinfällig geworden sind, was nach Lütz auch an der wissenschaftlichen Erkenntnis liegt, dass eigentlich keine streng allgemeingültigen Aussagen mehr gemacht werden können. Wer die Aussage "Gott gibt es nicht" propagiert, muss gleichfalls auch die Aussage "Gott gibt es" auf eine gleiche Stufe stellen und damit anerkennen.
Die Sprache von Lütz in diesem Buch ist sehr eingängig, d. h. vor allem locker und all zu oft (polemisch) flapsig. Die philosophischen/ psychologischen (atheistischen) Konzeptionen auf die eingegangen wird in diesem Buch, werden in wenigen Sätzen zusammengefasst, wobei man als Leser schonmal schlucken muss, wenn Freud, Platon, Aristoteles, Kant, Hegel, Augustin, Rahner u. a. sprachlich so frei und verkürzt abgehandelt werden. Hier zeigt sich aber zum Einen die Stärke von Lütz, nämlich jedermann/frau (!!!) die großen Denker der Weltgeschichte vereinfacht - aber korrekt - zu vermitteln, zum anderen verbirgt sich hier aber auch eine Schwäche des Buches, es fehlt manchmal etwas an Tiefe. Kenner der genannten Denker werden sich nicht immer zufrieden geben. Nach Lütz Eigenaussage (Nachwort) ist sein Werk aber von zahlreichen Experten gegengelesen, daher sind inhaltliche Fehler in der Darstellung ausgeschlossen, was m. E. auch zutrifft. Da das Buch für eine breite Öffentlichkeit verfasst ist, fehlen Literaturangaben und Register, was zumindest bei den zahlreichen Zitaten schmerzt, hier hätte man auch als wissenschaftlicher Laie gern das ein oder andere Mal gewusst, aus welchem Werk der großen Denker es stammt, bzw. in welchem Zusammenhang das Zitat im Originalwerk steht. Insgesamt eignet sich die Lektüre des Buches aber als ein guter Einstieg in die Auseinandersetzung zwische Religion, Wissenschaft und Atheismus und deren gegenseitigen Verquickungen, es ist aber auch persönlich, weshlab Lütz - zu Recht - keine Allgemeingültigkeit beansprucht, es bietet aber Argumente und Gedankengänge, die jeden einladen können, mit- und weiterzudenken, was auch selbsternannte Atheisten und Agnostiker ansprechen sollte.
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am 13. Januar 2015
Es regt zum Nachdenken an, wenn man offen an das Thema "Gott" und "Atheismus" ran geht. Und wenn man Lust seine eigene Spiritualität bzw. Gottesglaube oder auch Nichtglaube zu hinterfragen und eine neue Standortbestimmung zu machen. Hier mag einem mal eine Aussage nicht gefallen, dafür kann die nächste dann vielleicht schon wieder begeistern.
Wenn man Antworten der Art „Wer oder was ist Gott für mich“ oder „Was bringt mir Glaube“ beantwortet haben möchte ist man hier falsch. Hier werden Analysen vorgestellt, die den Verstand ansprechen nicht das Herz. Für die Suche nach der eigenen Spiritualität gibt es andere Wege und Bücher, wie bei mir z.B. „Gespräche mit Gott“ (Neale Donald Walsch), „Lieben was ist“ (Byron Katie). Wer suchet der findet etwas passendes für sich.
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Bestsellerautor, Psychotherapeut, Arzt, Theologe und Kenner der Philosophie. Das ist laut Klappentext der Autor dieses Buches. Falls er trotz der vielen Betätigungsfelder in finanzielle Nöte komme sollte, kann er auch bei einer Werbeagentur anheuern. Denn ganz ohne Zweifel ist Manfred Lütz auch in der Kunst der Verführung bewandert. Und sein Verlag gab mit dem genialen Cover noch eins obendrauf. Aber wie steht es mit der Substanz des schön verpackten Inhalts? Wie die bereits erschienenen Rezensionen zeigen, kann man bei dieser Frage verschiedenster Meinung sein. Ich gehöre zur Fraktion, die Manfred Lütz nicht zu begeistern vermochte.

Da ich kein Mitglied der Lützerschen Fangemeinde bin, kannte ich auch seine persönliche Einstellung zum Thema nicht. Vorwort, Einleitung und die ersten Seiten weckten große Erwartungen. Zu große, wie sich im Verlauf der Lektüre herausstellen sollte. Oder einfach falsche. Zu Beginn dachte ich noch, Manfred Lütz sei ein offener und abwägender Autor auf der Suche nach seinem persönlichen Glauben und Gottesbild. Doch am Schluss wurde ich das Gefühl nicht mehr los, er hätte mir eine Mogelpackung verkauft. Denn letztlich vertritt er einen Katholizismus, der auch in Rom auf Wohlwollen stoßen würde. Das ist natürlich sein gutes Recht. Aber wenn mir den Klappentexter verspricht, Manfred Lütz spreche Klartext, dann erwarte ich Klartext. Und zwar von Anfang an.

Die zweite Enttäuschung bescherte mir die wissenschaftliche Ebene, auf die sich der Autor beruft. Denn passt ihm eine Erkenntnis nicht in den Kram, putzt er sie mit wenigen, dafür umso flapsigeren Wort hinweg. Und damit stellt er sich selber in eine rhetorische Tradition, die er bei anderen Autoren ins Kreuzfeuer nimmt. Wortgewandt macht er widerspenstige Zweifler zu Befürwortern seines persönlichen Denk- und Glaubensgebäudes. Und wenn ihm sein eigenes Gewissen zu signalisieren scheint, er treibe es mit seiner Taktik allzu bunt, beschließt er den Abschnitt mit einer verbalen Beschwichtigung. Was Manfred Lütz etwa zum kindlichen Wahrnehmungs- und Urteilsvermögen sagt, treibt jedem Entwicklungspsychologen die Schamröte ins Gesicht. Oder wenn er sich zu hirnphysiologischen Vorgängen äußert, muss es Neurowissenschaftlern schaudern. Wieso bleibt er nicht einfach bei seinen persönlichen Bekenntnissen und Erlebnissen? Wieso muss er historische Persönlichkeiten, Wissenschaftler und Stars der Unterhaltungsbranche auf die Bühne locken, wenn diese mit dem gespielten Stück nichts zu tun haben? Wieso hat er sich dazu hinreißen lassen, mit altbekannten Techniken den x-ten Gottesbeweis vorzulegen?

Mein Fazit: Weshalb Manfred Lütz zu den Bestseller-Autoren gehört, wundert mich nach der Lektüre nicht mehr. Mich wundert nur, wieso er mit den Argumenten der Vernunft das Unvernünftige erklären will. Manfred Lütz ist ohne Zweifel ein begnadeter Rhetoriker. Aber das reicht nicht aus, um die Schwächen seiner Beweisführungen zu überdecken.
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am 7. April 2008
Sigmund Freud hat einmal gesagt: „Wenn es sich um Fragen der Religion handelt, machen sich die Menschen aller möglichen Unaufrichtigkeiten und intellektuellen Unarten schuldig.“ Der Bestseller „Gott. Eine kleine Geschichte des Größten“ von dem Theologen und Psychiater Manfred Lütz dürfte ein Paradebeispiel für Freuds Beobachtung sein. In seinem Bemühen, uns von dem Glauben der römisch-katholischen Kirche zu überzeugen, bedient sich Lütz aller unredlichen Tricks, die sich christliche Apologeten über die Jahrhunderte hinweg haben einfallen lassen.

Der erste Kunstgriff besteht bekanntlich darin, sich das Vertrauen seiner Leser zu erschleichen, indem man sich ausdrücklich von dem salbungsvollen Ton und dem frömmelnden Gehabe typischer Kleriker distanziert. Unglücklicherweise geht die Rechnung nicht ganz auf, da der Leser während der Lektüre den vom Autor mit gespielter Jovialität um die Schulter gelegten Arm zu spüren meint und seinen etwas zu kumpelhaften Ton schlicht als zudringlich erlebt. Die Sprache ist da auch nicht sonderlich hilfreich. Vermeintlich „coole“ Interjektionen wie „Wow“, „Woom“ und „Super-GAU“ geben dem Leser das Gefühl, abermals ein mit Pickeln übersäter Halbstarker im Konfirmandenunterricht zu sein. Die einzig werbewirksame Phrase, die dem Buch noch fehlt, ist: „Gott ist geil!“

Der zweite, ebenfalls hinreichend bekannte Kunstgriff besteht darin, rasch einen frei inszenierten Sieg zu erringen. So „beweist“ Lütz seinen Lesern mit sichtlicher Genugtuung, dass Feuerbach, Marx und Freud die Existenz Gottes nie widerlegt haben. Darin hat er freilich recht. Doch ist dies selbstverständlich kein Grund zum Triumphieren, da die genannten Religionskritiker auch nie den Anspruch erhoben hatten, die Existenz Gottes zu widerlegen. Sie haben sich für die Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht, noch nicht einmal interessiert. Vielmehr sind sie schon immer von seiner Nichtexistenz ausgegangen und haben sich die wissenschaftlich weit interessantere Frage vorgelegt: „Wie kommt es eigentlich, dass so viele Menschen an einen Gott glauben?“

Der dritte Kunstgriff besteht darin, sich gegen jede Kritik immun zu machen, indem man seinen Gegnern kurzerhand unterstellt, lediglich einen Strohmann zu bekämpfen. Nach Lütz haben Religionskritiker wie Holbach, Voltaire oder Hume nur dem auf der Wolke sitzenden Gott mit dem Rauschebart etwas anhaben können, doch nicht dem Gott der einzig wahren Kirche. Der Gott der römisch-katholischen Kirche sei nämlich ganz anders. Wie jeder weiß, richteten sich die Argumente von Holbach, Voltaire und Hume jedoch keineswegs gegen irgendwelche „selbstgemachten Götter“, sondern durchaus gegen den Gott des Nicäischen Glaubensbekenntnisses, dem sich die Christen aller Konfessionen noch heute verpflichtet fühlen.

Der vierte Kunstgriff besteht darin, seinen Kontrahenten mit einer falschen Alternative zu erpressen. Wer nicht an Gott glaubt, habe sich nach Lütz noch gar keine wirkliche Vorstellung von den verheerenden Konsequenzen seines Unglaubens gemacht. Ohne Gott bleibe uns nämlich nur noch der Nihilismus eines Friedrich Nietzsche: „An Gott glauben oder Nietzsche folgen, das scheint die wirkliche Alternative zu sein. Wenn man aber Nietzsche folgt, dann muss man auch bereit sein, den bitteren Kelch des Atheismus bis zur Neige zu trinken. Dann hat man keine Argumente gegen Hitler, Stalin oder Mao Tse-Tung mehr.“ Es bedarf hoffentlich keiner besonderen Erklärung, dass der Nihilismus keineswegs die logische Konsequenz des Atheismus ist. Der säkulare Humanismus eines Bertrand Russells ist beispielsweise eine durchaus gangbare Alternative zum moralischen Nihilismus.

Der fünfte Kunstgriff besteht darin, seinen Gegner moralisch zu diskreditieren, indem man sein Weltbild diffamiert und für menschenverachtend erklärt. So bezeichnet Lütz den Faschismus und den Kommunismus als „atheistische Freilandversuche“, die womöglich mehr unschuldige Menschen auf dem Gewissen haben „als alle Religionen zusammen“. Dass sowohl der Faschismus als auch der Kommunismus zwei quasi-religiöse Heilslehren waren, die mit dem Atheismus säkularer Humanisten nicht das Geringste zu tun haben, ficht ihn dabei nicht an. Auch scheint er bequemerweise ganz zu vergessen, dass die Soldaten der Wehrmacht „Mit Gott und dem Führer“ in den Krieg gezogen sind und über ein Viertel der SS-Angehörigen treu ergebene Mitglieder seiner katholischen Kirche waren.

Der sechste Kunstgriff besteht darin, ein argumentatives Zugeständnis zu machen, das man bereits im nächsten Satz möglichst unbemerkt wieder zurücknimmt. So gesteht Lütz bereitwillig zu, dass der Vatikan selbstverständlich nicht immer von Engeln regiert wurde. Er nennt die Kirche in seiner erwähnt hemdsärmeligen Art sogar einen „Saustall“, doch selbstverständlich nur, um sogleich hinzuzufügen, dass es ja auch „total frustrierend“ wäre, wenn sie nur von Heiligen geleitet würde. Ich fürchte, man darf mit guten Gründen bezweifeln, dass die Juden „total frustriert“ gewesen wären, wenn der Vatikan zur Zeit des Dritten Reiches wenigstens ein einziges Wort gegen den Holocaust gesagt hätte.

Der siebte Kunstgriff besteht darin, dass man vermeintliche oder tatsächliche Autoritäten für seine Sache vereinnahmt. Die am häufigsten missbrauchte Autorität dürfte zweifellos Albert Einstein sein, dessen metaphorisches Reden von einem „Schöpfer“ – „Gott würfelt nicht!“ – geradezu wie eine Einladung an die Christen wirken musste. Lütz schreibt denn auch: „Albert Einstein war zuerst natürlich Atheist geworden. Aber je tiefer er in die Wissenschaft eindrang, desto mehr entwickelte er sich zu einem Bewunderer des Göttlichen.“ Lütz weiß natürlich so gut wie jeder andere, dass Ein-stein alles andere als ein Christ war. Wenn Einstein überhaupt an einen Schöpfer glaubte, dann an den von Lütz verlachten „Rentnergott Epikurs“.

Der achte Kunstgriff besteht darin, die ganze Hand zu ergreifen, sobald einem der kleine Finger gegeben wird. Dass Wissenschaftstheoretiker wie Karl Popper offenherzig von der Fehlbarkeit unserer Vernunft und der Vorläufigkeit all unseres Wis-sens sprechen, nutzt Lütz sogleich dazu aus, um einige aus der Vordertür herausbe-förderte Dogmen rasch durch die Hintertür wieder hineinzuholen. So sei etwa die „Himmelfahrt Christi“ zwar „höchst unwahrscheinlich“, doch nicht „prinzipiell unmöglich“. Die Bescheidenheit der Wissenschaft dient jetzt also als intellektueller Freifahrtschein der Theologen.

Der neunte Kunstgriff besteht darin, dass man sich auf die Bildungslücken seiner Leser verlässt und schwer verständlichen naturwissenschaftlichen Theorien kühn einige Implikationen unterstellt, die sie nicht haben. So dürfte es beispielsweise die Physiker überraschen zu hören, dass die Quantentheorie „die Ehe zwischen Atheismus und Wissenschaft argumentativ zerrüttet“ habe. Nach Lütz ist der Zweifel an Gott als „intellektuelle Option zusammengebrochen“, weil die Quantentheorie zum „argumentativen Super-GAU des Atheismus“ geführt habe. Natürlich ist nichts von alledem wahr. Und man fragt sich wie Schopenhauer bei der Lektüre von Hegel: „Ist das nun Dummheit oder Niedertracht?“ Wie jeder Abiturient weiß, hat die Quantenphysik die klassische Physik Newtons erweitert und – zumindest nach einigen ihrer Interpretationen – den Determinismus des mechanistischen Weltbildes in Frage gestellt. Doch der Determinismus der mechanistischen Physik hat nichts mit dem Atheismus der naturalistischen Philosophie zu tun.

Der zehnte und letzte Kunstgriff besteht darin, seinen Gegner, wenn nötig, zu beschämen. So zitiert Lütz bei der Behandlung des Theodizee-Problems sein philosophisches Vorbild Robert Spaemann, der auf die Frage „Wo war Gott in Auschwitz?“, kurz mit „Am Kreuz!“ antwortete. Angesichts dieser entwaffnenden Antwort verbietet sich freilich jede weitere Frage; es sei denn, man nimmt es in Kauf, als herzlos zu gelten. So geschickt dieser moralistische Schachzug auch sein mag, dass Gott ebenfalls gelitten hat, kann selbstverständlich keine Antwort auf die Frage sein, warum Millionen von Juden in den Tod gehen mussten, wenn ihnen ein ällmächtiger und allwissender Gott doch problemlos hätte zu Hilfe eilen können.

Für den Fall, dass ein Leser auf Lützens Kunstgriffe hereingefallen ist, sollte man annehmen, dass er jetzt vor der Wahl stehe und entscheiden müsse, ob er nun Christ, Muslim, Jude, Hinduist, Buddhist, Jainist oder was auch immer werden wolle. Doch Lütz ist derart zuvorkommend, dass er seinen Lesern die Qual der Wahl auch hier gerne abnimmt. Die anderen Religionen seien keine wirkliche Option. Sie seien „religiöser Ramsch“. „Das Wirrwarr des hinduistischen Götterhimmels“ etwa sei schlichtweg „abstoßend“. Der Buddhismus habe zwar einige „tiefe Einsichten“, sei aber letztlich „unbefriedigend“. Und im Islam sei der Mensch einfach „zu weit ent-fernt“ von Gott. Gegen das Judentum sagt Lütz eigentümlicherweise nichts. Wahrscheinlich schweigt er sich aber nur deshalb aus, weil man in einer „Theologie nach Auschwitz“ mit solcher Kritik vorsichtig sein muss.

Die erste Frage, die man sich nach der Lektüre, stellt, ist: Wie kann ein so billiges Buch nur so teuer sein?
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am 8. Februar 2008
... hätte der Autor dem Titel seines Buches nur den Buchstaben "M" hinzugefügt. Es hätte heißen sollen: Gott - MEINE kleine Geschichte des Größten. So hätte der Leser gewusst, was ihn erwartet - nämlich ein langes persönliches und individuell begründetes Glaubensbekenntnis zum Christentum anstatt einer kurzen seriösen Arbeit über die Geschichte der Religion. So aber erscheint ein ganzes Buch, das in seiner Konzeption gut für die Seele ist, allgemein verständlich und unterhaltsam geschrieben, leider als geistige Mogelpackung. Und dafür gibt es von mir 3 Sterne Abzug; denn das Buch ist noch nicht als Taschenbuch erschienen und noch ziemlich teuer.

Der Text des Buches ist ganz besonders gut für die katholische Seele, weil es insbesondere den katholischen Christen einige schöne Argumentationshilfen an die Hand geben kann, um sich gegen bestimmte, besonders platte und abgenutzte Angriffe von Atheisten zu verteidigen. Dies gelingt besonders dort, wo Psychologie und Neurologie als Begründung eines atheistischen Weltbilds angeführt werden. Autor Manfred Lütz ist von Beruf Arzt und Psychotherapeut und entkräftet schwache Argumentationen auf diesen Gebieten sehr elegant. Auch sind in dem Buch einige schöne geradezu poetische persönliche Erfahrungen mit dem Christentums enthalten, die einen gläubigen Leser bereichern können. Das Ganze ist auch unterhaltsam und allgemeinverständlich geschrieben und liest sich von vorne bis hinten leicht und locker weg. Manfred Lütz schreibt mit viel Humor und teilt uns seine persönlichen Ansichten mit. Das ist meiner Ansicht nach gerade bei einem Buch über den Glauben völlig legitim, und meinem Empfinden nach das Wertvollste an dem Buch. Es enthält aber zum Christentum und den historischen Fakten die dem Leser als Begründungen angeboten werden sollen, eine Menge Lücken, Ungenauigkeiten und Vermutungen. Und zwar gerade dann, wenn es dem Autor wieder einmal nicht in seine Gedankenführung passt. So starb der Diktator Stalin nicht friedlich und unbehelligt in seinem Bett, wie Lütz es behauptet. Er erlitt einen Schlaganfall und lag viele Stunden stöhnend und röchelnd auf dem Fußboden, während sich im Zimmer nebenan Berater, Parteifreunde und sein Arzt aufhielten, die es aus schierer Angst vor ihm nicht wagten, dem Kranken zu helfen.

Die einzelnen Kapitel des Buches reißen bestimmte Themen nur an - der gesamte Buddhismus beispielsweise wird in sieben Seiten eines Unterkapitels kurz abgehandelt und leichthin beiseite geschoben. Ich zitiere: "Der Buddhismus gilt als eine der großen Weltreligionen. Doch ist er wirklich eine Religion? Man kann das mit guten Gründen bestreiten. Denn zumindest Gott kommt kommt bei ihm nicht vor. ... Nehmen wir den Buddhismus einfach als das was er ist, nämlich eine... durchaus beeindruckende Weisheitslehre." Aha. Dem Autor gilt der Buddhismus also nicht als Weltreligion, weil Gott nicht ausdrücklich darin vorkommt. Das ist sehr geschickt geschrieben - aus "ist" wird hier "gilt als" und aus einer verbreiteten und angesehenen "Weltreligion" wird eine nützliche und ehrenwerte "Weisheitslehre" - etwas irgendwie Geringerwertiges als eine "echte" Religion, wie es der Autor immerhin dem Judentum und dem Islam zugesteht. Diese Argumentation wird in ihrer Verkürzung dem Buddhismus nicht gerecht. So überzeugt man keinen Andersdenkenden, sondern erfreut nur diejenigen, die vorher sowieso schon der gleichen Meinung waren.

Je fadenscheiniger übrigens das Argument des Autors, desto flapsiger wird dann sein Ton. Ein origineller und witziger Schluss-Satz und schon geht es weiter zum nächsten Thema. Nach diesem Rezept sind viele Kapitel des Buches aufgebaut.

Ich hatte nach der Lektüre diesen faden Nachgeschmack im Mund, den ich immer bekomme, wenn in einer Talkshow ein Gast alle anderen an die Wand spielt, die nicht so geschickt argumentieren können, aber die Sache um die es dabei geht im Kern nicht berührt wird.

Schade!
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