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am 25. Februar 2013
Louise war "ein Kind aus dem Schlaraffenland", ihre Familie (die Bremer Kaffeeröster-Familie Jacobs) zählt zu den reichsten Familien Europas. Sie wächst mit 5 Geschwistern in einem großbürgerlichen Haus ohne Geldsorgen auf. Die Eltern bemühen und sorgen sich liebevoll um ihre Kinder, fördern sie, wo sie nur können. Alles wäre gut, wenn da nicht die einzige Sache wäre, die den Eltern unabdingbar erscheint: die Tochter soll Abitur machen. Das ist Ziel und Angelpunkt - das ist Pflicht für eine Jacobs-Tochter.

Und genau das wird zum Problem, an dem Louise fast zerbricht. Denn Louise leidet an Legasthenie und an Dyskalkulie, einer Rechenschwäche. Das bedeutet, dass Louise schon in der Grundschule nicht mitkommt und in den Grundfächern Lesen, Schreiben und Rechnen vollkommen versagt. Sie bekommt auch keine wirkliche Hilfe von den Lehrern, sondern ihre Eltern erkennen Louises Probleme und organisieren außerschulischen Förderunterricht. Statt mit anderen Kindern fröhlich zu spielen, muss das kleine Mädchen Stunde um Stunde bei allerlei Therapeuten, Psychologen und Nachhilfelehrern zubringen. Aber der Förderunterricht nützt nichts. Es kommt - wie sollte es auch anders sein - zu tiefen Depressionen. Eine traurige Kindheit. Tochter Jacobs versagt. Tochter Jacobs funktioniert nicht.

Und nun? Die Familie hat eine Farm in den USA, in Vermont. Dorthin fliegt Louise in jeden Ferien, dort fühlt sie sich frei und unbeschwert vom Leistungsdruck. Dort kann sie sie selbst sein, frei und glücklich. Dorthin sehnt sie sich während ihrer gesamten Kindheit. Sie möchte mit Pferden arbeiten, am liebsten Cowboy sein. In der Pubertät beginnt Louise, sich wie ein Junge zu kleiden, sich wie ein Junge zu benehmen. Sie ist so schlank, dass keine weiblichen Rundungen das Mädchen verraten. Vermutlich war dies schon der Anfang ihrer Magersucht.

Warum haben sich Louises Eltern nicht gefragt, ob es auch ein Leben ohne Abitur für eine Jacobs-Tochter geben kann? Wie viel Leid wäre Louise erspart geblieben, wenn sie nicht von ihren Eltern mit psychischem Druck zum Abitur getrieben worden wäre? Wer in seiner Jugend mit 18-19 das Abitur nicht schafft, der ist doch ein vollwertiger Mensch, genau so liebenswert wie andere jungen Menschen auch, oder etwa nicht? Man kann doch auf dem 2. Bildungsweg das Abitur nachmachen, die Hochschulreife erlangen und studieren. Man kann auch Fachabitur machen und, und, und. Aber für eine Jacobs war der 2. Bildungsweg offenbar undenkbar.

Als Louise in der Züricher Schule immer schlechter mitkommt, beschließt sie zusammen mit ihren Eltern, für ein Jahr in die USA nach Vermont auf eine Highschool zu gehen. Dort bessern sich ihre schulischen Leistungen erheblich, weil Mathematik dort ganz anders gelehrt wird und weil sich Louise unendlich viel Mühe gibt. Und das wird ihr dann zum Problem, sie isst immer weniger, wird immer magerer, als sie nach einem Jahr wieder nach Hause kommt, wiegt sie nur noch 39 Kilo. Ihre Eltern bringen sie in eine psychosomatische Klinik und retten ihr - wie sie rückblickend feststellt - damit das Leben. Die Schilderungen aus dieser Klinik sind sehr bewegend. Wie hat Louise es nur geschafft, dort seelisch zu überleben? Sie muss stark sein!

Und das zeigt sie dann auch. Louise schafft es, mit einem Gewicht von 50 kg aus der Klinik entlassen zu werden. Sie zieht auf eigenen Wunsch in die Großstadt Berlin und erarbeitet sich dort an einem ganz normalen Gymnasium (keinem Eliteinternat) ihr Abitur. Und das mit den Fächern Mathematik und Deutsch. Trotz (anfänglicher) Dyskalulie und Legasthenie. Was für eine Leistung! Alle Achtung Fräulein Jacobs!

Selten habe ich eine Biographie mit größerem Interesse und mit mehr Anteilnahme gelesen. Louise Jacobs schreibt gut. Sie schildert Landschaften, Situationen und Gefühle so anschaulich, lebensnah und nachvollziehbar, dass sich der Leser unmittelbar in das Geschehen hineingezogen fühlt. Man liebt und hasst mit dieser Louise, man fühlt die Faszination der Großstadt Berlin und kann doch ihre Sehnsucht nach dem weiten Land Amerika so gut nachvollziehen. Sie sind eine gute Schriftstellerin geworden, liebe Louise. Fünf Sterne.
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Louise, eins von 6 Geschwistern, ist ein Kind wie jedes andere ... Bis sie zur Schule kommt. Plötzlich ist sie nicht mehr wie alle anderen, denn bei ihr wird Legasthenie diagnostiziert. Es reicht aber nicht, dass sie Probleme mit dem Lesen hat, sie kann auch nicht Rechnen, weder addieren noch subtrahieren. Die Folge darauf - Untersuchungen, Therapien, Übungen, Nachhilfen, Lernen, das zum absoluten Leistungsdruck mutiert.
Durch ihr zusätzliches Lernpensum, das sie täglich zu absolvieren hat, verliert sie den Anschluss an ihre Klasse. Freunde hat sie keine, sie gehört nicht dazu und sie entwickelt sich zum Außenseiter.

Sie träumt davon, ein Cowboy zu sein, eine große Farm zu besitzen und abseits vom geschäftigen Leben der Allgemeinheit zu wohnen.
Ihr Vater besitzt in Vermont eine Farm, auf der sie sich wohl fühlt und wo sie sie selber sein kann.

Nachdem sie sich durch viele Klassen in der Schweiz gequält hat, nutzt sie die Chance, in den USA zur Schule zu gehen. Dort hat sie es anfänglich etwas leichter, sie versucht dazuzugehören, zwingt sich, auf ihre Mitschüler zuzugehen. Als sie sich zum allerersten Mal verliebt, in Mike, scheint es zu funktionieren, denn Mike hat einen großen Freundeskreis und ist beliebt. Aber diese Liebe ist nicht von Dauer, sie steht wieder fast allein da. Sie lernt wie besessen und verlangt ihrem Körper vieles ab, indem sie ihn sportlich antreibt. Vor lauter Sport und Ehrgeiz vergisst sie zu essen und wiegt eines Tages nur noch 39 kg.
Nach einem Jahr in den USA holen ihre Eltern sie wieder zurück in die Schweiz, wo sie nie wieder zurückkehren wollte, jedenfalls nicht längerfristig.
Ihre Eltern weisen sie in eine Heil- und Erholungsstätte für psychisch, psychosomatisch und suchtkranke Menschen ein und retten ihr damit wahrscheinlich das Leben.

Wird es ihr gelingen, sich körperlich zu erholen und einen Schulabschluss zu erhalten, den ihre Eltern für absolut erforderlich halten? ...

Louise wurde mit dem legendären Löffel im Mund geboren, denn ihre Eltern gehören zur Kaffeeröster-Dynastie Jacobs. Dieser Name verpflichtet, sie ist zu höherem geboren.
Dass sie die Erwartungen nicht erfüllen wird, zeigt sich bereits in der 1. Klasse, als festgestellt wurde, dass sie Legastheniker ist.

Die Autorin Louise Jacobs schreibt mit diesem Buch ihre Biographie. Sie ist schonungslos offen und lässt den Leser an ihrem Leben teilhaben.
Ihre Ängste und Sorgen bezüglich des Pensums in der Schule sowie ihre immer weiterschreitende Vereinsamung bringt sie zu Papier. Ihre Verzweiflung über ihr Unvermögen und ihren Hass auf sich selbst lässt sie genauso wenig aus wie ihre Bemühungen, Freunde zu finden.
Ganz oft hatte ich das Bedürfnis, Louise einfach nur in den Arm zu nehmen und wie ein Schutzschild vor ihr zu stehen.
Von ihr wurde immer nur gefordert, sie sollte "ticken" wie eine Jacobs und dabei wurde sie immer einsamer, so dass der Wunsch in ihr reifte, sie möchte ein Cowboy sein.
Aber Louise ist stark und sie rappelt sich auf, geht mutterseelenallein nach Amerika, um dort ihre Schule erfolgreich beenden zu können.
Sie will nur noch weg aus der Schweiz, auch wenn ihre Familie dort lebt, sie selbst fühlt sich dort nur eingeengt.
Auch an dem, was sie in dem einen Jahr in Amerika erlebt, lässt sie den Leser teilhaben, an ihrer Freizeit auf der Farm ihrer Eltern und in der Schule.

Sehr beklemmend empfand ich die Zeit, die sie in der Heilstätte verbrachte. Ihre Erlebnisse dort reichen für ein eigenes Menschenleben. Dass sie dort überlebt hat, welchen Willen und welche Stärke sie dort aufbringen musste, um dort wieder rauszukommen zollt ihr meinen Respekt, vor allem, wenn man bedenkt, wie jung sie derzeit war.

Nie hatte sie es leicht, es gab auch für ein Fräulein Jacobs keine Sonderkonditionen, so dass sie wirklich behaupten kann, alles was sie heute ist, hat sie sich schwer erarbeitet.

Das Buch ist in der Ich-Form geschrieben.
Sie ist zu Besuch auf der Farm in Vermont und erzählt im fließenden Wechsel zwischen jetzt und ihrem bisherigen Werdegang. Das hatte mich anfangs ein wenig irritiert, aber an die Wechsel gewöhnt man sich schnell, auch wenn es keine Überschriften dazu gibt.

Ein schonungslos ehrliches Buch über eine sehr sympathische Frau, die hier ihre Biographie vorstellt. Ihr Schreibstil ist flüssig und das Buch lässt sich sehr gut lesen.
Wenn ich ehrlich bin, sagte mir die Autorin bisher nichts, aber nun werde ich dafür sorgen, dass ich auch die anderen bereits erschienenen Bücher von ihr lesen werde.
Ich für mich kann nur hoffen, dass sie noch viel veröffentlichen wird.
Louise Jacobs selbst wünsche ich, dass sich alle ihre Wünsche und Hoffnungen erfüllen, sie hat es verdient.

Das ist ein Buch, das ich uneingeschränkt und gern weiter empfehle.
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am 4. Februar 2013
Ein Mädchen was sehr früh merkt,dass es anderes ist, als die anderen in der Schule. Sie hat große Schwierigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen zu erlernen. Sie wird von Pontius zu Pilatus geschickt. Mit sehr geringen Erfolg, dafür wird ihr immer wieder bestätigt,dass sie anderes ist. Sie fällt aus dem Raster, einige halten sie für blöd. Die Anpassung an die Erwartungen von Eltern Mitschülern,Lehrer,Therapeuten und Ärzten, macht sie krank und setzt ihr unheimlich zu. Egal, was sie macht und unternimmt sie gehört nie dazu, fühlt sich unverstanden. Sie sucht sich Nischen zum Wohlfühlen, Montana ist so ein Ort, wo sie mit Tieren zusammen, ihre Freiheit spüren kann und Gespräche mit Farmarbeitern führt. Sie fühlt sich dort verstanden und angekommen. Dass mit sich Selbst sein und die Natur zu spüren, ist ihr großer Schatz. Letztendlich schafft sie ein unterdurchschnittliches Abitur.

Ein Buch mit schonungslosen Tiefgang, kein bla, bla, sie sollte auf die Sonderschule geschickt werden. In der Realität wäre dies auch passiert, wenn sie nicht so wunderbare Eltern gehabt hätte, die ihr wirklich fast alles ermöglicht haben.Im Grunde zu viel und das hat auch eine Überforderung da gestellt. Auch viel Geld ist kein Schutz, vor Schmerz und viel menschlicher Missachtung, kein Schutz vor Ausgrenzung. Ich habe auch die Familiengeschichte der Jacobs gelesen, wo sie auch schon sehr gut reflektiert hat. Bemerkenswert ist, dass sie zwei Bücher geschrieben hat, wo man den durchgemachten Schmerz förmlich fühlen kann.
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am 10. November 2013
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es war für mich ein echtes Lesevergnügen. Wenn ich aufhören musste zu lesen, habe ich mich regelrecht aufs Weiterlesen gefreut. So sollte ein Buch doch sein...

Louise Jacobs bisheriger Lebensweg ist wirklich sehr interessant. Überraschend, wie unfähig das Schulsystem auf Schüler reagiert, die nicht in's normale Raster passen. Louise beschreibt, welch massive Probleme sie hat, überhaupt lesen und schreiben zu lernen und wie schwer ihr auch das Rechnen fällt. Irgendwann hat sie es dann doch geschafft. Leider beschreibt sie nicht, wie, wann und wodurch es denn "klick" gemacht hat, oder ob es gar kein "Klick-Erlebnis" gab, sondern nur eine langsame positive Lernentwicklung...

Was mich besonders berührt hat, war die Tatsache, dass ihre Eltern ihr zwar jede erdenkliche Hilfe in Form von Nachhilfe, Förderunterricht, Therapien usw. ermöglicht haben, sich also sehr bemüht haben, ihr zu helfen, diese Hilfe aber insgesamt "nach hinten losging". Wenn in der Schule ein Wandertag oder eine Klassenfahrt anstand, so durfte Louise nicht mit, sie hätte ja ihre Nachhilfe usw. verpasst. Aber was um Himmels Willen soll denn in einer Nachhilfestunde so Bahnbrechendes passieren, was nicht auch einige Tage später nachholbar gewesen wäre? Auch der Kunstunterricht war für sie gestrichen, da er als unwichtig für ihr Fortkommen erachtet wurde. Aber Louise konnte gut malen und zeichnen, hatte Spaß daran und hätte hier einmal die Gelegenheit gehabt, ihr angeknachstes Selbstbewußtsein zu stärken. Das wäre wichtig für sie gewesen. Und auch ihre Eltern, Lehrer und Mitschüler hätten sie mal von einer anderen Seite kennengelernt.

Ihre Eltern und Lehrer hätten meines Erachtens sehen müssen/können, dass Louise durch die ständigen Förderungsbemühungen zu einer Art weiblichem Kaspar Hauser wurde. Sie verlor nach und nach den Kontakt zu ihren Mitschülern bzw. konnte diesen erst gar nicht richtig aufbauen, keine wirklichen Freundschaften schließen. Lernen kann man eben nicht nur, indem man gezielt etwas für seine Bildung tut, sondern auch einfach, indem man mal "nur lebt".

Obwohl ich gar kein ausgesprochener Natur- und Wildnis-Fan bin, so fand ich Louises Schilderungen von der Schönheit der Natur in Vermont echt toll.

Spannende Einblicke boten auch ihre Schilderungen ihrer High School-Zeit.

Lediglich am Ende, als Louise in Berlin ihr Abitur machte, nervte es mich ein wenig, zu lesen, dass sie auch dort keinen richtigen Anschluß fand. Natürlich ist dies erklärbar durch das, was sie hinter sich hatte. Aber man kann eben nicht erwarten, dass man integriert wird, wenn man ausstrahlt, dass man eigentlich gar nicht dazugehören will, wenn man eine Ausstrahlung hat, die andere Leute irritiert, die sie vielleicht sogar etwas ängstigt.

Insgesamt kann ich manche Meinungen hier aber nicht nachvollziehen, die Louise für eine undankbare verwöhnte Göre reicher Eltern halten, die sich nur selbstmitleidig in Luxusproblemen wälzt. Auch Kinder aus der Oberschicht können ein schweres Schicksal haben. Nicht nur finanzielle Probleme sind echte Probleme. Den Erwartungen der Eltern und der Umwelt nicht gerecht werden zu können, ist ein Problem, das in jeder Schicht auftreten kann. Wenn ein Kind keinen Anschluß in der Klasse findet, weil es gar keinen normalen Schüler-Alltag hat, dann ist das sehr traurig. Wie zerstörerisch Einsamkeit macht, sieht man in Louises Biographie an unzähligen Stellen.

Ich wünschte, Louise Jacobs würde ein weiteres Buch über ihr Leben schreiben. Ich fände es sehr interessant, zu erfahren, ob sie ihren Traum von einer eigenen Farm hat Wirklichkeit werden lassen.
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am 23. August 2013
Ich finde ihre Lebensthematik interessant, aber vom Schreibstil her etwas langatmig und zu oft zwischen den Zeiten - Gegenwart, Vergangenheit - wechselnd. Obwohl viele Gefühle beschrieben werden, blieb es irgendwie an der Oberfläche. Man hat Mühe mitzufühlen. Die Zeit in der Klinik fand ich am spannendsten und emotionalsten geschrieben.
Was mir auch missfiel und da seien schon mal alle Vegetarier gewarnt:
Dass in allen Einzelheiten beschrieben wurde, wie Tiere geschossen, gehäutet und auseinandergenommen wurden. Ausführlicher kann man es kaum beschreiben. Diese Auführlichkeit fehlt an anderen Stellen.
Insgesamt fand ich es vom Thema her aber interessant.
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am 8. Juli 2013
Das Buch hätte - auch aufgrund der durchaus vorhandenen literarischen Qualitäten der Autorin - das Zeug dazu gehabt, eine sehr gute Autobiographie zu werden.
Dieses Ziel hat die Autorin aber dadurch verfehlt, dass sie meines Erachtens in ihren Ausführungen durchweg an den Knackpunkten, an den potentiell tatsächlich wichtigen Informationen, vorbeischrammt.
Wie kann es sein, dass in einer Autobiographie, deren Protagonistin zeitweise unter massivsten psychischen Schwierigkeiten litt, die Familie, die Eltern, die Beziehung zu den Geschwistern so komplett ausgeklammert werden? Ist das nun eine bewusste Intention der Autorin (beiße nicht die Hand, die dich füttert?), oder ist dieses Ausklammern, Nicht-benennen-Wollen, Nicht-benennen-Können inhärenter Teil ihrer psychischen Schwierigkeiten? Selbst wenn sie nicht unter psychischen Problemen gelitten und das Buch einen ganz anderen Fokus gehabt hätte, wäre es für mein Empfinden ein großes Manko gewesen, so wenig über ihre Eltern, die Geschwister, eventuelle Konflikte etc. zu erfahren.
So war das Ganze letztlich von der Substanz her für mich ein wenig dünn und es blieben viele offene Fragen - schade!
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Während Bildungsforscher seit PISA unerschütterlich danach suchen, was „gute Schule“ bzw. „guten Unterricht“ ausmacht und dabei immer mehr unüberschaubare Datenberge produzieren, die nur selten umsetzbares Handlungswissen erzeugen, oft am Wesentlichen vorbeigehen und bislang die schulische Wirklichkeit kaum verbessert haben, gelingt es bisweilen Schriftstellern, wie z.B. Daniel Pennac in seinem Buch „Schulkummer“Schulkummer und jetzt auch Louise Jacobs mit „Fräulein Jacobs funktioniert nicht“ mit berührenden und mitreißenden Schulerzählungen die Abgründe auszuleuchten, die unsere überholte Art des Schulemachens noch immer zu oft charakterisieren.

Pennac, der beschreibt, wie er unter einer Schule litt, die kein Gespür für seine besonderen Voraussetzungen hatte, wurde nach Schulflucht und dramatischen Umwegen später selbst Lehrer und entwickelte eine beeindruckende Genialität im Umgang mit benachteiligten bzw. unangepassten SchülerInnen.
Die Schilderungen von Pennac und Jacobs zeigen, dass sich die traditionelle Schule nur verändern lässt, wenn wir verstehen, was sie bei den Kindern auslöst, die sich nicht in die Normen eines bürokratisierten Schulsystems einfügen, das nach wie vor Bildung und Erziehung nach dem Vorbild industrieller Massenproduktion organisiert und darauf abzielt, die nicht Anpassten quasi als „Ausschuss“ bzw. als Mängelwesen auszusortieren.

In die bislang zu geringe Zahl solcher aufhellenden Schilderungen persönlicher Schulerlebnisse reiht sich Louise Jacobs dichte Darstellung ein und doch ist sie etwas Besonderes, thematisiert sie doch die hochaktuelle Frage, wie Schule auf Kinder wirkt, für die ein „besonderer Förderbedarf“ diagnostiziert wird – die – in ihren Worten – „nicht funktionieren“.

Als lebenslustiges und glückliches Kind kommt Louise in die Schule – doch dieser Übergang sollte ihr Leben radikal verändern, denn obwohl sie bislang keine Probleme hatte, diagnostiziert sie die Institution schon nach kurzem Aufenthalt als Mängelwesen:
„Als ich acht war, begann man mich zu untersuchen. Und das faszinierende war: Je genauer man mich untersuchte, desto weniger an mir stimmte. Ich wurde immer falscher.“

Louise Jacobs liefert mit ihrer berührenden Schilderung einen Einblick in die Katastrophen, die die Diagnosen „Legasthenie“ und „Dyskalkulie“ bei einem Kind auslösen können, das – eben noch „normal“ – mit dem Schuleintritt zum Objekt einer Vielzahl von zum Teil identitätszerstörenden pädagogischen und therapeutischen Maßnahmen wird. Der Schulschock und die damit verbundene Kränkung ihres Selbstwertgefühls treiben sie schließlich in eine lebensbedrohende Magersucht, aus der sie sich erst nach einem dramatischen Ringen befreien kann. In ihrem Ideal des „Cowboys“, verdichtet sich ihr Ruf nach Freiheit, dem der Zwang fremdbestimmter Leistungsanforderungen entgegensteht.
Statt sie darin zu fördern, ihre innere Berufung zu erkennen und zu entwickeln ist die Schule, wie sie sie schildert, nur an der Unterwerfung an ein standardisiertes Programm interessiert.
Aus dieser Perspektive liest sich ihr Buch über weite Strecken so nicht nur als sensible Schilderung der Identitätsnöte eines heranwachsenden Mädchens, sondern zugleich auch als erhellende Illustration, der aktuellen Debatte um „Doing Inclusion“ Doing Inclusion. Inklusion in einer nicht inklusiven Gesellschaft : Wie können wir unsere Schulen so umbauen, dass sie statt auf exklusive Selektion auf inklusive Förderung aller Schüler – gleich welcher Voraussetzungen setzen und sie darin unterstützen, ihre individuellen Persönlichkeiten zu entwickeln?

Ihre Schilderungen der LehrerInnen und Therapeuten machen deutlich, dass wir eine Neuausrichtung der Schulpädagogik brauchen – eine Positive Pädagogik Positive Pädagogik: Sieben Wege zu Lernfreude und Schulglück, die ihr vorrangiges Ziel nicht darin sieht Kinder Jugendliche zum Funktionieren in einem überholten Schulsystem zu dressieren, sondern sie darin unterstützt, ihr „Element“ zu entdecken, wie es Ken Robinson in seiner gleichnamigen Untersuchung beschreibt In meinem Element: Wie wir von erfolgreichen Menschen lernen können, unser Potenzial zu entdecken, oder ihnen Wege zu weisen, ihr Potenzial zu entfalten, wie es der Hirnforscher Gerald Hüther beschreibt Jedes Kind ist hoch begabt: Die angeborenen Talente unserer Kinder und was wir aus ihnen machen. Statt persönlichkeitszerstörender Anpassung sollten die Ermöglichung von Lernfreude und bisweilen sogar Schulglück im Zentrum stehen. In diesem Sinne brauchen wir angesichts der Datenflut eine Rückbesinnung auf die Wirklichkeit der SchülerInnen – genau dies ist Louise Jacobs in herausragender Weise gelungen!

Mit „Fräulein Jacobs funktioniert nicht“ hat Louise Jacobs also nicht nur ihre persönlichen Leidensgeschichte beschrieben, sondern zugleich einen erhellenden, literarischen Berichte über die Auswirkungen einer antiquierten Fließbandpädagogik vorgelegt, der allen angehenden Lehrer/innen und PädagogInnen als Standardlektüre empfohlen sei.

Fazit: Wie die nicht-inklusive Regelschule SchülerInnen mit "besonderem Förderbedarf" schädigt. Pflichtlektüre für Pädagogen und Eltern.

Prof. Dr. Olaf-Axel Burow Universität Kassel
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am 22. Juli 2015
Zum Inhalt (laut Buchrückseite):

Es könnte so schön sein, das Leben

Louise Jacobs kommt aus gutem Haus und hat alles, wovon man nur träumen kann. Doch sie scheitert an den in sie gesetzten Erwartungen und an den Ansprüchen an sich selbst. Wie aus dem Erwachsenenwerden ein Alptraum wird, erzählt sie in ihrem sehr persönlichen Buch. Die authentische Geschichte einer jungen Frau, die sich aus ihren Zwängen befreit.

Der erste Satz: Ich wollte immer Cowboy werden.

Meine Meinung:

Louise wird als eines von sechs Kindern in die Jacobs-Dynastie geboren. Ihr Leben beginnt sehr angenehm und unbeschwert, sie wohnt mit ihrer Familie in der Schweiz und ihr fehlt es an nichts. Als sie jedoch in die Schule kommt, stellt sich schnell heraus, dass sie weder lesen noch rechnen besonders gut kann. Ihre Eltern versuchen alles, um die Legasthenie in den Griff zu bekommen. Damit ihr Kind den Anschluss an den Schulstoff nicht verliert, schicken sie zu Therapien und Nachhilfelehrern und Louise muss unzählige Untersuchungen über sich ergehen lassen. So wächst der Leistungsdruck, der auf dem jungen Mädchen lastet, immer weiter.

Dabei ist ihr einziger Traum, Cowboy zu werden, eine Farm in Amerika zu besitzen und den Tag mit Ausritten durch das weite Land und damit, die täglichen anfallenden Arbeiten zu erledigen, zu verbringen. Der einzige Ort, an dem sie sich frei fühlt, ist die Farm ihres Vaters in Vermont, auf der sie ihre Ferien am liebsten verbringt.

Irgendwann ist ihr Verlangen, die Schweiz zu verlassen so groß, dass sie beschließt, eine Schule in den USA zu besuchen. Doch auch dort entkommt sie dem Leistungsdruck nicht. Sie versucht, immer besser zu werden, ihre Eltern zufriedenzustellen, treibt Sport bis zur völligen Entkräftung und vergisst über ihr großes Lernpensum das Essen, wodurch sie bald stark abmagert. Dies ist allerdings nicht ausschließlich auf ihren Lernwahn zurückzuführen, denn erstens schmeckt das Internatsessen Louise nicht und zweitens verspürt sie auch den Drang, sich wortwörtlich “wegzuhungern”, um all dem zu entkommen. Dies geht so weit, dass sie schließlich in einer Einrichtung für suchtkranke Menschen landet, um ihren Gesundheitszustand wieder zu stabilisieren – damit Louise ihr Abitur machen kann. Denn das ist das einzige Ziel ihrer Eltern: Ihre Tochter, eine Jacobs, hat ihr Abitur zu machen. Doch damit ist die Rückkehr in die Schweiz verbunden, ein Ort, an den Louise nie wieder zurückwollte.

Louise Jacobs schreibt in ihrem Buch sehr offen, direkt und ehrlich, was mir sehr gut gefallen hat. Dabei beschreibt sie Gefühle und Ängste, die bestimmt jeder von uns in irgendeiner Art und Weise kennt: Den Leistungsdruck, das Gefühl, nicht gut genug zu sein, einen Weg gehen zu müssen, der nicht dem eigenen Wünschen und Zielen entspricht, die Unzufriedenheit mit, ja sogar den Hass auf sich selbst. Auch ihre Eindrücke aus der Einrichtung für suchtkranke Menschen beschreibt sie sehr eindrücklich und unbeschönigt. Das Buch liest sich sehr flüssig, einziger Kritikpunkt waren für mich einige sehr ausschweifende und detaillierte Passagen über die Landschaft oder die Arbeiten auf der Farm, die meiner Meinung nach gerne etwas kürzer hätten gefasst werden können. Auch der Wechsel zwischen dem Leben im Internat und den Erlebnissen auf der Farm sind anfangs etwas verwirrend, da kommt man jedoch recht schnell herein.
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Die Geschichte ihrer Familie hat sie schon nieder geschrieben – ich hatte sie seinerzeit mit Interesse gelesen – nun horchte ich auf, als ich von ihrer eigenen ganz persönlichen und sehr offenen Biografie hörte. Ich musste das lesen, und ich möchte euch von meinen Eindrücken berichten ….

Über den Autor
Louise Jacobs, geboren 1982, wuchs in der Schweiz und den USA auf. Ihr erstes Buch "Café Heimat", die Geschichte ihrer Familie, erschien 2006 und stand monatelang auf der Bestsellerliste.
Quelle: amazon.de

Inhalt und Gliederung:
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Das Buch besteht aus Prolog und einem Epilog.
Dazwischen liegen:

Erster Teil: Im Tobel
Zweiter Teil: In den grünen Bergen
Dritter Teil: Littenheid
Vierter Teil: Am Teufelsberg

Es geht um Louise Jacobs selbstpersönlich. Sie schildert in der Ich-Schreibweise offen und ungeschminkt, wie es ihr von Kindheit an erging – wie es ihr erging in einem Haus, in dem Reichtum und Erfolg sowie Bildung ein und aus gingen, in dem sie aber nicht mithalten konnte – Außenseiterin war …

In diesem so genannten „guten Hause“ ging es ihr nicht wirklich gut, weil sie anders war, als die anderen – als die anderen von ihr erwarteten. Der Lebensweg, der für sie vorgezeichnet war, diesen konnte und wollte sie nicht einhalten – und so kam alles anders …

Sie litt unter Legasthenie und war dem Leistungsdruck nicht gewachsen. Sie ließ Therapien über sich ergehen, die aber sämtlich nicht fruchteten, bis sie endlich die Möglichkeit beim Schopf packte, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen …

Vermont in Amerika sollte ihre Chance werden, die sie auch ergriff …
Sie wird dort zur guten Schülerin, sie lernt gern und mit Erfolg.
Aber dann passiert wieder etwas, was sie zurück wirft, sie treibt neben dem ständigen Lernen Sport und nimmt immer mehr ab, weil sie wenig isst, sie muss in eine Klinik.

Danach kommt dann wieder ein Umzug – sie erlebt aber auch ihre erste große Liebe …

Was noch alles passiert möchte ich gar nicht so gern berichten, lest doch einfach selbst.

Dieses Buch ist einfach ehrlich, ist ungeschminkt und offen – es ist spannend und tiefsinnig zugleich und es zeigt den Charakter und das Leben der Louise Jacobs innerhalb ihrer Familie, die es doch nur gut mit ihr meint, sie aber nicht wirklich verstehen kann, es zeigt, wie sie ihren Weg geht, der gut für sie ist, es zeigt Höhen und Tiefen und das alles aus der Sicht der Autorin selbst …

Eingängig geschrieben, gefühlvoll geschrieben, ehrlich geschrieben, spannend geschrieben und bildhaft !!!

Leseprobe:
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Der Tag beginnt mit Schneegestöber. Francis begrüßt mich nach einem Blick auf meine Kleidung mit den Worten: „So kalt ist es doch noch gar nicht!“ Er lacht. Auch heute trägt er wieder ein blaues Hemd und Krawatte. Seine hellen Reithosen haben Bügelfalten, und die braunen Stiefel sind geputzt.
Ich muss auch lachen. „Aber heute Morgen war es unter null! Muss mich eben noch akklimatisieren.“
Wir reiten mit zwei Braunen aus. Der kleinere, auf dem ich sitze, heißt Giovanni, der lange große, auf dem Francis reitet, heißt Walther.
Im Wald ist es still. Nur die Schritte von Walther und Giovanni im knöcheltiefen Laub durchdringen das Schweigen der Bäume. Kein Vogel singt, kein Wind geht, es fällt kein Regen, und auch kein Schnee mehr, es ist, als gingen wir durch längst verlassene räume eines alten Hauses. Hier und da stehen nur noch ein paar Gegenstände herum: Quer und über Kreuz liegen umgestürzte Baumstämme …

Meine zusammenfassende Meinung:
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Diese authentische – da in der Ich-Schreibweise geschrieben – Abrechnung mit dem eigenen bisherigen Leben – ist bildhaft und zeigt die Familie Jacobs und besonders Louise als die Andere, die nicht so ist, wie man sie sich gewünscht hätte, die aber aus ihrem Leben etwas macht, es selbst in die Hand nimmt und den Spieß umdreht – gerade das macht sie für mich als Leser auch so sympathisch.

Von Kindheit, über Jugend bis hin zum Erwachsenenalter schreibt die heute 31jährige über ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit dem Älterwerden – mit dem sich Finden – mit dem Anderssein …

Sie schreibt einfach und ehrlich und als Leser kann man sich von Beginn an in die „Geschichte“ hinein versetzen und die Autorin verstehen. Man lernt sie als einfachen und sympathischen Menschen kennen, mit Fehlern, Schwächen und Stärken. Man lebt mit ihr – man erlebt mit ihr – und man lernt sie so schrittweise kennen und verstehen.

Die Art und Weise, wie die Autorin ihr Leben und ihre innersten Gefühle vor dem Leser auf den Tisch legt sozusagen, ist schon sicher nicht einfach gewesen, sich so „nackig“ zu machen – aber ich denke, es ist auch ein Stück Abrechnung und Rückblick, der der Autorin selbst gut tut.

Für mich als Leser war es eindrucksvoll dieses Buch zu lesen, ich bin bestens unterhalten worden. Das Geschriebene kommt kurzweilig rüber und ich konnte es glauben, weil es glaubhaft und authentisch verfasst ist.

Alles in allem ein Buch für Biografiefans !!!!
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am 7. Oktober 2013
Das Buch zeigt die Lücken der Gesellschaft bei Legasthenie und anders denkenden Menschen sehr gut auf.Es hat mich berührt und auch aufgeklärt über Magersucht .
Gut und spannend geschrieben
Susanne Steffens
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