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am 27. Dezember 2011
Geschichtlicher Hintergrund

Als der Stauferkaiser Heinrich VI (Sohn des Friedrich I Barbarossa) im Jahre 1197 starb, war sein Sohn Friedrich erst drei Jahre alt. Die Staufer wählten Heinrichs Bruder Philipp von Schwaben zum deutschen König, er sollte regieren, bis sein Neffe Friedrich alt genug wäre, das Erbe seines Vaters anzutreten. Die Welfen erhoben dagegen Otto IV zum Gegenkönig, dieser war als Sohn Heinrichs des Löwen und Mathildes von England gleichzeitig der Neffe des englischen Königs Richard Löwenherz. Der kriegerische Konflikt zwischen den Staufern und den Welfen erstreckte sich über gut anderthalb Jahrzehnte, während der designierte Thronerbe Friedrich auf Sizilien, der Heimat seiner Mutter Konstanze, heranwuchs.

Inhalt und Aufbau des Romans

Dieser sehr komplexe Roman ist in sieben Hauptteile gegliedert, die sich auf insgesamt 46 Kapitel verteilen und deckt die Jahre 1192 bis 1212 ab. Passend zum Titel des Buchs und zur Hauptfigur Walther von der Vogelweide sind die Hauptteile teilweise als "Gesänge /Lieder " überschrieben:
Prolog: Aufgesang 1192, I. Werbelied 1194 - 1195, II. Wechsellied 1195 - 1197, III. Wahl 1197 - 1198, IV. Krieg 1199, V. Tagelied 1202 - 1203, VI. Fall 1207 - 1208, VII. Frauenlied 1209 - 1212
Dem eigentlichen Romantext ist glücklicherweise ein umfangreiches Personenverzeichnis (Dramatis personae) vorangestellt.

Der Protagonist des Romans ist der Meistersinger Walther von der Vogelweide (ca 1170 - ca 1230), über dessen Leben man wenig Fakten findet, jedoch vieles aus seinen überlieferten Liedern erschließen kann. Walther war wesentlich mehr als ein Minnesänger. Im Minnesang führte er "deftigere" Varianten ein, indem er im Gegensatz zu seinen Kollegen nicht nur über die unerfüllte Liebe zu gesellschaftlich hochgestellten Damen sang, sondern auch über die erfüllte Liebe. Sein Repertoire beschränkte sich allerdings nicht auf Liebes- und Frühlingslieder, vielmehr zog er durch das ganze deutsche Reich von einem Hof zum nächsten und gab politische Lieder zum Besten. Dabei fiel er wegen seiner scharfen Beobachtungsgabe ebenso wie durch sein freches Mundwerk auf, denn er scheute sich nicht, die Kirche, den Papst und diverse Adelige anzuprangern und zu verspotten. Im vorliegenden Roman nutzt er seine Wortgewalt - seiner Meinung nach können Worte wie Waffen sein - um auf die an der Königswahl beteiligten Adeligen und damit indirekt auf die politische Lage im Reich Einfluss zu nehmen.
Als zweite Hauptfigur ist Walther die fiktive jüdische Ärztin Judith gegenübergestellt. Sie ist zwar eine von der Autorin erfundene Figur, die Umstände ihres Lebens und ihrer Ausbildung zur Magistra (Ärztin) an der berühmten Medizinschule von Salerno sind jedoch wirklichkeitsgetreu wiedergegeben. Judith bleibt im Herzen immer eine gläubige Jüdin, sie praktiziert aber als (vermeintlich christliche) Magistra Jutta von Köln unter den Christen und steigt dabei zur Leibärztin und Vertrauten der Königin Irene, Gemahlin des Philipp von Schwaben auf. Ihr zum Christentum konvertierter und mit einer Christin verheirateter Onkel Stefan ist ein reicher Kölner Kaufmann, der Judiths Beziehungen immer wieder ausnutzen will, um auf die politische Entwicklung im Land Einfluss zu nehmen und der Kaufmannschaft den größtmöglichen Profit zu sichern. Auch Philipp und Irene scheuen nicht davor zurück, Judith als "Spionin" ins gegnerische Lager des ihr verhassten Otto IV zu schicken. Walther und Judith begegnen einander bei ihren Reisen immer wieder. Obwohl sie eine beständige Liebe miteinander verbindet, ist ihre Beziehung dennoch auch sehr konfliktbeladen, da Judith eine starke Persönlichkeit ist, der Lügen und Vorteilsstreben zuwider sind und die ihren aufrechten Charakter für nichts und niemanden verbiegen lässt.
Sowohl Walther als auch Judith ziehen - teilweise gemeinsam, oft auch getrennt - unermüdlich durch das riesige Deutsche Reich und geraten in lebensgefährliche Situationen...
Landkarten des Deutschen Reichs und des Kirchenstaats um 1200 im vorderen und hinteren Einband des Buchs erlauben es dem Leser, den Wegen der Protagonisten zu folgen. Im Anschluss an den Roman erläutert die Autorin in einem Nachwort kurz die weitere Entwicklung der politischen Lage nach 1212 und ergänzt eine sehr ausführliche Bibliographie zur Thematik und den wichtigsten Figuren des Romans.

Fazit

"Das Spiel der Nachtigall" ist ein ausgezeichnet recherchierter und sehr anspruchsvoller Roman über eine faszinierende Epoche der deutschen Geschichte. Größtenteils wird diese Geschichte sehr spannend und bei glaubwürdiger Ausgestaltung der Charaktere erzählt. Manchmal gerieten mir die Abschnitte über die Intrigen und "Spionageaufträge" etwas zu ausführlich und erforderten für mich als Nicht-Historiker zusätzliche Recherchen. Wer sich für die deutsche Geschichte des Mittelalters interessiert und sich damit ein bisschen auskennt, sollte sich diesen Roman nicht entgehen lassen. Ich vergebe 4,5 Sterne.
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am 5. November 2011
Zugegeben, ich bin ein Tanja Kinkel Anhänger. Warum? Keine mir bekannte aktive Autorin schreibt so überzeugend Bücher aus der Geschichte von drei Jahrtausenden. Was sie jetzt vorgelegt hat: Manchmal scheint die Quadratur des Kreises doch möglich. Diesen Eindruck gewinnt man jedenfalls bei diesem Buch. Dass der Kreis eine kleine Delle hat, ich hätte jederzeit weiterlesen mögen, ändert daran nichts. Warum ich das so sehe?
1. Es ist ein wunderbar deutsches Thema, als staufische Kaiser Europa dominierten.
2. Menschen aus dem Volk sind die Protagonisten, aber sie bewegen sich zwischen den bedeutendsten Persönlichkeiten ihrer Zeit, Bischöfen, Herzögen, Königen, ja Kaisern und dem Papst mit Aufgaben, die ihnen Ehre - aber auch täglich den Tod hätte bringen können.
3. Eine glaubhaft geschilderte emanzipierte Frau, in jener Zeit fast nicht darstellbar, begegnet dem Helden immer auf Augenhöhe.
4. Durch das ganze Buch zieht sich eine so ungewöhnliche, zärtliche, gewaltige, dornige Liebesgeschichte, dass man kaum sagen kann, war Scarlett O'Hara mit Rhett oder Jenny Cavalleri und Oliver das Vorbild, oder wird es Judith und Walther sein, an denen sich ab jetzt die Paare messen lassen müssen.
5. Auch nach mehr als achthundert Seiten, die gefühlte Spannung, der Wunsch die Bilder lebendig auf sich einwirken zu lassen, geht nie verloren
Da es bisher noch keine Zusammenfassung gibt, hier ein Versuch, dem Inhalt gerecht zu werden.
Walther, Sohn eines Beamten, der sich als Sprössling eines Ritters (von der Vogelweide) ausgibt, kommt an den Wiener Hof um dort, von einem der damals größten Minnesänger, die Kunst des Dichtens zu lernen. Die Auseinandersetzungen mit diesem, die Hintergründe warum Walther der über Jahrhunderte gehenden Tradition des Minnesangs nicht folgen will, führen in das Buch und in die Zeit.
Einer seiner Beweggründe, als erster seiner Zunft nur die gegenseitige Liebe als erstrebenswert zu sehen, hatte auch einen Namen, Judith. Tochter eines jüdischen Arztes aus Köln, auf dem Weg nach Salerno, wo es damals für Frauen, als einzigem Platz in Europa, schon möglich war zu studieren. Sie muss es gewesen sein, die Spuren hinterlassen hat welche in seinen Dichtungen unübersehbar wurden. Größer hätte die Kluft aber zwischen den Beiden damals nicht sein können. Würde heute eine Tochter von Obama einen Sohn von George W. Bush heiraten, wäre das eine Nebensächlichkeit dagegen.
Mit der Ermordung von Wiener Juden, Verwandten von Judith, beginnt nun ein Akt von Schuld und Sühne, wie er mir vorher nie begegnet ist. Er macht sie zeitweilig zu Freunden, Feinden, einem Liebespaar und zu Menschen, die sich gegenseitig die Pest an den Hals wünschen.
Beide werden verstrickt in den Kampf der Welfen mit den Staufern um die Macht im Deutschen Kaiserreich, um die deutsche Krone; wie in die Ermordung des ersten Königs in unserem Land. Was sie erleben, das mutet manchmal sehr modern an; das Spiel der deutschen Fürsten um die Macht im Land, ihr Geschachere um Zugeständnisse, Wahlkampfversprechungen und Bestechlichkeit. Es war auch die Zeit, wo die Kirche, wo ein Papst sich als der wahre Herrscher über alle Christlichen Länder sah, nicht Könige, nicht Kaiser. Wer nun aber Geschichtsunterricht erwartet, wird angenehm überrascht. Alles Wichtige aus dieser Zeit erfahren wir durch das persönliche Schicksal von Walther und Judith, von ihren Aufgaben, ihren Beweggründen, ihren ganz persönlichen Erlebnissen, nicht durch den gehobenen Zeigefinger eines Autors, der perfekt recherchiert hat. Niemals taucht der Eindruck auf, dass nur etwas geschildert wurde um Wissen weiterzugeben. So sind es auch immer die Menschen, die neben Judith und Walther noch beeindrucken; Domherrn in ihrem Kampf um Pfründe, ein Kaufmann, welcher der Kirche wie dem Adel nicht mehr allein die Wahl des nächsten Königs überlassen möchte, eine Frau, die erstmals in dieser Zeit voller Veränderungen ein Hurenhaus führen darf und versucht zu begründen, warum es besser sei, dabei bezahlt zu werden, anstatt sich von Familienangehörigen oder irgendwelchen Mächtigen regelmäßig ohne Belohnung vergewaltigen zu lassen.
Dieses Buch ist im positiven Sinn wie ein guter Film. Was man liest entsteht vor den Augen und man fühlt, ja so war es, so muss es gewesen sein. Wie sich dabei ein allen Fürsten eigentlich unbequemer Dichter unverzichtbar macht, ja sein Lehen bekommt, ohne je ein Schwert in die Hand zu nehmen, und ob die Liebe zwischen zwei ebenbürtigen Charakteren überhaupt möglich ist, zum Ende hin eine Chance erhält, das möchte ich nicht verraten. Ich kann nur empfehlen, lesen, genießen, freuen, denn es lässt sich mit keinem anderen Buch vergleichen
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am 15. November 2011
Spannung über fast 1000 Seiten, ohne irgendeinen Abbruch, das habe ich ganz selten erlebt. Was für ein großer Wurf. Allein die Hauptperson, Walther von der Vogelweide, wäre allein Grund gewesen dieses Buch auszuwählen. Die weibliche Inspiration für seine Liebesgedichte, auch wenn ich vorher von ihr noch nie gehört habe - was das Nachwort erklärt, stand ihm um nichts nach. Ich werde gleich wieder von vorne anfangen.
Dieser Roman führt nicht zu irgendwelchen unbekannten Grafen einer Provinz sondern zum Who is Who seiner Zeit, als Deutsche Kaiser große Teile der damals bekannten Welt beherrschten. Es führt so von Herzögen zu Königen, zu Kaisern, zum Papst, ohne einen Moment zum Geschichtsunterricht zu werden, vielleicht auch, weil er trotz dieser handelnden Mächtigen, die Schicksale von Menschen aus dem Volk im Mittelpunkt hat und mitten unter ihnen, Walther und Judith. Nie vorher habe ich so gekonnt von den politischen, sozialen, religiösen Konflikten einer Epoche in einem Roman gelesen, so viele Anspielungen auf die Verhältnisse der Gegenwart gefunden, wie beim Spiel der Nachtigall".
Was für ein Revolutionär dieser Walther war, erkennbar durch eingefügte kurze Gedichte, was sein Leben über Jahrzehnte zu einer Gratwanderung gemacht haben muss, ist schon beachtlich. Dass eine Frau damals schon studieren und Ärztin sein konnte, was für mein vorheriges Wissen bisher Jahrhunderte später begann, hat mich ebenfalls fasziniert und seine Judith zu meiner Lieblingsfigur gemacht, obwohl sie mit Irene und Beatrix durchaus Konkurrenz hatte. Was für ein Paar, was für eine toll in die Handlung eingefügte Liebesgeschichte.
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am 11. Dezember 2011
"Das Spiel der Nachtigall" ist der neueste historische Roman aus der Feder von Tanja Kinkel. Mit diesem Band heftet Kinkel sich an die Fersen des Minnesängers Walther von der Vogelweide. Doch nicht nur er gibt hier den Ton an, auch eine jüdische Ärztin entpuppt sich als gleichwertige Figur in diesem Buch.

Die erste Überraschung dürfte den Leser mit der einfachen Tatsache treffen, dass Walther von der Vogelweide ihm zwar sehr wohl ein Begriff sein dürfte, es aber längst nicht jedem bekannt ist, dass dieser ein Pionier seiner Zeit war, der auch vor politischen Themen keinen Halt machte - eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass Minnesänger von den hohen Herren abhängig waren.
An der Seite dieser Figuren wird man durch das 12. Jahrhundert geführt - eine Zeit der Kreuzzüge, die nur zu oft scheiterten, bevor sie überhaupt das Gelobte Land erreichten, da die Teilnehmer zuvor Seuchen oder kriegerischen Handlungen zum Opfer fielen. Wen verwundet es da, dass auch die Oberhäupter, in diesem Fall die des Deutschen Reiches, schneller wechseln, als ihnen gut tut - da ein eindeutiger Nachfolger zur Rarität wird. Und während den einfachen Bürgern so gut wie egal ist, wem sie nun letzten Endes ihre Steuern zahlen müssen, setzen die Reichen und Mächtigen alles daran, noch reicher und mächtiger zu werden, und verwüsten bei ihren Streitereien das Land.

Die Hauptfiguren Walther und Judith entpuppen sich hierbei als Schachfiguren in diesem Spiel, die eingesetzt werden, um die Geschicke des Reiches zu beeinflussen. Und obwohl die Autorin dafür sorgt, dass sich die Wege der ungleichen Figuren sich immer wieder kreuzen sind, sind sie oft genug getrennt, um verschiedene Perspektiven auf die aktuelle Lage zu geben. Doch bei zwei Parteien herauszufinden, welche im Recht ist und welcher Mann wohl der rechte Herrscher für das Deutsche Reich sein kann, ist schwer zu sagen. Auch die Protagonisten müssen dies herausfinden und das Buch erlebt dadurch einige interessante Wendungen.

Abgerundet wird das Ganze durch eine Karte des Deutschen Reiches und des Kirchenstaats um 1200 zu Anfang und Endes des Buches. Außerdem bietet der Roman ein 'Dramatis Personae', ein Nachwort sowie eine Bibliografie.

So macht Geschichte Spaß und wird dem Leser lebendig und spannend näher gebracht - eine klare Leseempfehlung für dieses Werk von Tanja Kinkel, die immer wieder aus einer authentisch wirkenden Mischung aus Fakten und Fantasie eine mitreißende Geschichte zaubert!
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Walther von der Vogelweide ist ein besonderer Mann. Aus relativ einfachen Verhältnissen kommend, hat er nur ein Ziel: Er will ein berühmter Minnesänger werden. Dazu muss er an die Höfe der Herrscher, und schnell wird seine Existenz nicht nur durch seine Armut, sondern auch durch die vielfältigen Fehden zwischen den Herrschenden bedroht. Aber Walthers Wortgewalt und seine Intelligenz lassen ihn immer wieder davonkommen, obwohl er mit seiner spitzen Zunge selbst Kaiser und Papst verspottet.
Judith von Köln ist eine besondere Frau. Sie ist als Jüdin und Frau im mittelalterlichen Köln ohne Rechte, schafft es aber trotzdem, sich in Salerno als Ärztin ausbilden zu lassen und zieht als Magistra von Hof zu Hof. Eine Ehe mit einem Christen und ihre Heilkunst sind ihr einziger Schutz vor Verfolgung.
Die Wege von Walther und Judith kreuzen sich immer wieder. Aus der Annäherung wird eine Liebesgeschichte, die aber stets von Gefahren und Missverständnissen bedroht ist. Beider Leben ist eine ständige Gratwanderung, und so wechselt auch ihre Liebesgeschichte dauernd zwischen Nähe und Distanz.
Die größte Bedrohung stellen die Streitigkeiten und tödlichen Intrigen zwischen den Staufern und den Welfen um die deutsche Krone dar, von denen Walther und Judith direkt betroffen sind. Nach Kräften versuchen sie, Einfluss zu nehmen, damit die endlosen Auseinandersetzungen, die so viel Leid und Zerstörung über die Menschen bringen, endlich aufhören. Beide haben die innere Stärke, niemals aufzugeben, auch wenn die Lage aussichtslos zu sein scheint.
Tanja Kinkel lässt in diesem flüssig geschriebenen Mittelalter-Schmöker das 12. Jahrhundert so lebendig werden, als würde man eine Zeitmaschine besteigen. Besonders gut gefallen haben mir die sorgfältig ausgearbeiteten Charaktere. Selbst die Nebenfiguren bleiben nachhaltig im Gedächtnis, zum Beispiel die Prostituierte Maria, durch die Judith lernt, Gefallen am Liebesakt zu finden.
Gründlich recherchiert wird eine Zeit beschrieben, in der das Leben der einfachen Leute völlig von Kräften bestimmt war, die sie nicht beeinflussen konnten. Immer wieder wurden ihre Dörfer zerstört, mussten sie in den Krieg oder auf Kreuzzüge ziehen für Herrscher, die dauernd wechselten, aber immer die gleichen negativen Ereignisse für die Menschen brachten. Besonders schlecht war die Situation der Frauen, die einfach nur als Verfügungsgut gesehen wurden, selbst wenn sie adlig waren. Da wurden schon Kinder verheiratet, nur um sich Verbündete zu sichern. Die Frauen waren ihren Männern vollkommen ausgeliefert. Auch das beschreibt die Autorin so plastisch, dass es mich beim Lesen sehr berührt hat.
Mir hat dieser intelligente Roman Walther von der Vogelweide so nahe gebracht, dass ich gleich nach dem Lesen den Großen Conrady aus dem Regal gezogen und die Gedichte von Walther von der Vogelweide genossen habe, einem wirklich großen Dichter, dessen Ansichten so zeitlos sind, dass sie auch in unsere Zeit passen.
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am 24. Dezember 2011
Wow, offenbar muss sehr mutig sein, wer hier bei Amazon zugibt, von einem Buch einer beliebten Autorin nicht begeistert zu sein. Die harschen "Kommentare" der begeisterten Leser zu kritischen Rezensionen können einem echt die Sprache verschlagen und den Entschluss reifen lassen, lieber den Mund zu halten. Schade. Ich dachte, hier könne man seine Meinung ungestraft äußern.
Sei's drum. Ich bin normalerweise auch beisterte Leserin von Tanja Kinkel. Aber dieses Buch gehört eindeutig nicht zu meinen Lieblingsbüchern. Mit Walter von der Vogelweide wurde ich einfach nicht warm, die Geschichte zog sich und zog sich und schaffte es an keiner Stelle, mein Interesse zu wecken. In den meisten anderen Büchern dieser Autorin lebte ich mitten in der Geschichte - hier blieb ich außen vor, quälte mich durch lange, erklärende Absätze und vermisste schmerzlich die schlagfertigen Dialoge, die ich von ihr gewöhnt bin.
Auch wenn ihr mich jetzt in der Luft zerreist, werte Kommentatoren: Ich lese lieber noch einmal "Venuswurf", "Im Schatten der Königin" und die "Schatten von La Rochelle" als "Das Spiel der Nachtigall".
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am 5. Dezember 2011
Tanja Kinkel beweist im Spiel der Nachtigall", das beeindruckende Heldinnen keine "femme fatal" sein müssen, oder verleugnete Töchter von prominenten Zeitgenossen die durch ihr Schicksal entweder zu Kampfmaschinen, aufopferungsvollen Geliebten, oder Mata Haris werden; das wirkliche Helden nicht automatisch muskelbepackt und vor Kraft kaum noch gehen können, sondern, dass es heute wie in der Vergangenheit immer auf den Glauben an sich ankommt, den Willen, unbefriedigende Zustände zu verändern, um gestärkt aus einer noch so verfahrenden Situation herauszukommen. Wer sich vergegenwärtigt, dass die Handlungsweisen von Walther damals lebensgefährlich waren, seine Kritik an Adel, Kirche und Papst jeden Muskelmann" garantiert sehr früh das Leben gekostet hätte, lernt viel über die Macht des eigenen Willens aus dem Buch und man wünscht sich, heutzutage einen neuen Walther zu haben der den Mächtigen in ähnlicher Form einen Spiegel vorhält, ohne wegen der eigene Karriere, oder aus Rücksicht auf die Familie, bei noch so großen Vergehen um den Machterhalt, Samthandschuhe anzieht, anstatt Zähne zu zeigen. Für mich ist so Walther von der Vogelweide durch seine Werke, durch dieses Buch, welches aus seinen Werken nachvollziehbar solche Handlungen belegt, der erste ehrliche Journalist der Zeitgeschichte; ( analog zu Bernstein und Woodward, die auch den mächtigsten Präsidenten unserer freien Welt wegen dessen Fehlverhalten zu Fall brachten). Was das Buch aber einzigartig macht ist der Kunstgriff, ihm eine gleichwertige Gefährtin zur Seite zu stellen, um so die Ereignisse dieser Zeit auch aus der Perspektive einer Frau und einer Minderheit darzustellen, denn sie ins Jüdin.

Wer in diesem Buch dadurch reinen Geschichtsunterricht erwartet, wird enttäuscht. Fakten, Fakten, Fakten erhält der Leser, wenn überhaupt, in Handlung verkleidet. Nie gibt es Vermutungen über das, was Geschichtsforscher glauben zu wissen. (Zwei haben mindestens drei unterschiedliche Meinungen). Dagegen klare Aussagen über das, was damals sicher war, wie vieles über das pralle und das bedrückende Leben auf dem Land, den Städten und den Burgen. So wird wahrlich alles Notwendige aus dieser Zeit um 1200, auf über 900 Seiten erzählt. Erzählt aber durch die Lebens- und Liebesgeschichte von Walther und Judith, ihren Begegnungen mit den Mächtigen ihrer Zeit, deren Stärken und Schwächen wie die des Systems, in der Verflechtung von Kirche und Staat. Alles ist eingebunden in ein Umfeld, dass stark an die Jetztzeit erinnert, wo wieder Länderchefs unter Einsatz von Wirtschaftsmacht versuchen die Weichen in Europa allein nach ihrem Verständnis des eigenen Überlebens zu stellen, und erneut Supermänner" von außen immer die Lösungen der Anderen kennen, ihre eigenen Probleme aber nicht unter Kontrolle bringen. Walther komm zurück, kann man da nur sagen!

PS: Bei allem was hier über Walter vermittelt wird, es ist keine Biographie: Es ist ein Roman, der seinen Inhalt über Walthers Werke findet, aber dadurch ein unglaublich unterhaltender Ausflug in eine Zeit und zu Menschen, die Geschichte schrieben.
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Ein dicker Wälzer von über 900 Seiten ' man meint, da braucht man viele Wochen zum Lesen ' weit gefehlt '. Ich hatte in kürzester Zeit schon die Hälfte gelesen und bis zum Schluss war es auch nicht mehr weit ' leider, das war so richtig ein Buch nach meinem Geschmack, ich könnte noch 1000e Seiten lesen '.

Kurzer Inhaltsabriss und meine Meinung zur Umsetzung des Stoffes:
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Man steigt mit dem Prolog im Dezember 1192 in Erdberg nahe Wien in die Handlung ein. Danach folgt Kapitel 1, welches in Klosterneuburg in den Jahren 1194 und 1195 spielt.

Insgesamt beinhaltet das Buch 46 Kapitel.

Das Mittelalter mit all seinen Fassetten. Der Minegesang mit Walter von der Vogelweide, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, der Papst, Bischöfe, Kaiser ' dieser Zeit, alle erstehen mit und in diesem Buch zum Leben.

Es sind Walther von der Vogelweide, und die Ärztin Judith, die als Hauptcharaktere dargestellt werden. Walther ' seines Zeichens Minnesänger ' bringt neuen Wind in das Genre. Die Keuschheit ist nicht sein Metier. Er verspottet in seinen Liedern die Obrigkeit und klagt an. Er hat eine spitze Zunge und macht sich daher viele Feinde. Ketzerei kann den Tod bedeuten, aber darum schert sich Walther nicht. Sein Weg wird immer wieder von Judith gekreuzt. Sie ist eine Frau, die keine Rechte hat, weil sie Jüdin ist, aber sie schafft es, dass sie in Salerno als einer von wenigen Frauen studieren darf. Heilkunde ist ihr Fach.

Die teilweise fiktive Geschichte dieser beiden Menschen in Bezug zur Zeit, den damaligen Gegebenheiten und vielen historisch belegten realen Fakten

ACHTUNG !!!

Die Autorin hat über das Buch verteilt die Texte Walthers von der Vogelweide aus dem 19. Jahrhundert unsere heutige Sprache 'übersetzt', damit vor allem bei den Details zur politischen Dichtung die Hinweise zum Inhalt des Romans einfacher nachvollzogen werden können.

Der Roman spielt in der Zeit, als die Staufern und den Welfen ihre Erbstreitigkeiten austrugen, als Richard Löwenherz eine Geisel war und zur Zeit der Kreuzzüge.

Walther von der Vogelweide war dabei, als man Richard Löwenherz festnahm und auch Judith, die angehende Ärztin war Augenzeuge.

Ich finde es gelungen, wie die politischen Begebenheiten damaliger Zeit in die fiktive Handlung eingebunden werden. Aber eigentlich ist es mehr ein 'Sachbuch' ' topp recherchiert bringt die Autorin wieder einmal historische Fakten einer spannenden Zeit in einem noch spannenderen historischen Roman unter, der vieles aufzeigt, was es damals an Missständen gab, sie bringt Politisches und Historisches in Zusammenhang und die wahrhaft lebenden Personen stellt sie charakterlich und in ihrer Zeit lebend bildhaft dar.

Die Entwicklung der Charaktere während und im Laufe der Handlung werden ausschweifend in Zusammenhang gebracht.

Man muss dazu sagen, dass es Walther von der Vogelweise wirklich gab, das ist ja klar, Judith hingegen ist von der Autorin als fiktive Figur erschaffen, die aber so oder ähnlich gut und gerne in dieser Zeit gelebt haben könnte. Sie verkörpert die moderne Frau, die mutige Frau, die ihren Weg geht, die Walther von der Vogelweide einerseits hilft, ihm aber auch immer mal wieder im Weg steht ' Sie bringt Spannung und auch Erotik in die Handlung ein.

Das Buch ist abwechslungsreich und mit einer sehr dichten Handlung behaftet. Es ist in einer literarisch ausgereiften und für das Genre perfekten Schreibweise geschrieben, wie man das von der Autorin erwartet, da sie sich im Bereich historischer Roman schon einen Namen machen konnte. Schön ist auch eingangs auf der vorderen inneren Umschlagseite die Abbildung einer Karte Deutschlands um 1200 und auf der inneren hinteren Umschlagseite eine Abbildung der Karte des Deutschen Reichs und Kirchenstaates um 1200.

Die Handlung insgesamt ist schlüssig aufgebaut, da sich ein roter Faden hindurch zieht, hat man keine Probleme zu folgen, und man kann das Buch wirklich kaum aus der Hand legen, weil immer wieder etwas passiert, was den Leser am Buch fesselt, weil man wissen möchte, wie es weiter geht. Ich zolle der Autorin großen Respekt ob der detaillierten Recherchearbeit, die dem Romanschreiben voran gegangen sein muss, um ein solche inhaltlich hochwertiges Buch schreiben zu können. Sehr schön erfährt man vieles über das Leben in dieser Zeit, über die politischen Gegebenheiten, die Traditionen, das Schreckliche, aber auch das Faszinierende und vor allem über den Minnegesang und den Klerus, aber auch die geografischen Gegebenheiten. Das Worte Waffen sein können, kommt sehr stark zum Ausdruck !!!

Spannend, aufschlussreich und unterhaltsam !!!!
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am 29. März 2012
Tanja Kinkels historische Romane zeichnen sich durch exzellente Recherche und interessante Figuren aus. "Das Spiel der Nachtigall" bildet da keine Ausnahme. Im Gegenteil: Nach Ausflügen unter anderem ins antike Rom und das elisabethanische England gelingt der Autorin ihre Rückkehr ins deutsche Mittelalter ausgesprochen gut. Eingewebt in die Geschichte von Walther und Judith ist die antisemitische Haltung, mit der die Juden auch im Mittelalter zu kämpfen hatten, sowie der politische Kampf um die Königskrone. Besonders interessant ist dabei, dass sie diesen Konflikt nicht nur aus der Sicht Adeliger schildert, sondern auch durch die Augen der Kölner Kaufleute, zu denen Judiths Onkel zählt. Dadurch, dass Walther und Judith nicht immer die gleiche Position einnehmen, erhält der Zuhörer ein facettenreiches Bild der damaligen Lage. Sehr angenehm und keinesfalls trocken wird das deutsche Mittelalter so lebendig. Die Handlung selbst ist kein Actionfeuerwerk, sondern bezieht ihre Spannung aus der interessanten Darstellung der damaligen Zeit und der Interaktion der Figuren untereinander. Dadurch ist "Das Spiel der Nachtigall" ein eher ruhiger Roman, der durch seine beiden Protagonisten lebt. Interessanterweise ist trotz (oder vielleicht auch wegen) Walthers verbürgtem Status Judith die interessantere der beiden Figuren. Zwar fühlt sie sich ihrer Religion und ihrer Tradition verbunden, dennoch führt sie in erster Linie ein eigenbestimmtes Leben und ist somit ihrer Zeit voraus. Durch ihre Intelligenz und Schlagfertigkeit ist sie ein passendes Gegenüber für den spitzzüngigen Walther, der von großem Ruhm und einem angenehmen Leben träumt.

Als Sprecher für "Das Spiel der Nachtigall" wurden Katrin Fröhlich und Uve Teschner verpflichtet, die wechselseitig die Passagen aus der Sicht Judiths und Walthers einlesen. Beide sind erfahrene Synchron- und Hörbuchsprecher und ihre jeweiligen Stimmen passen sehr gut zu den Charakteren, denen sie folgen. Trotz der langen Laufzeit kommt durch die gelungene Lesung keine Langeweile auf. Sowohl Fröhlich als auch Teschner halten durch eine einfühlsame, aber nicht übertriebene Lesung die Spannung oben.
Wer fundiert recherchierte historische Romane und eine stimmungsvolle Lesung schätzt, ist mit der Hörbuchversion von Tanja Kinkels "Das Spiel der Nachtigall" sehr gut beraten!
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HALL OF FAMETOP 500 REZENSENTam 21. November 2011
Tanja Kinkel gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Autoren von historischen Romanen. Die Bücher spielen mal im Altertum, mal im 20. Jahrhundert. In ihrem jüngsten Buch widmet sich die Autorin dem Mittelalter. Im Übergang vom 12. zum 13. Jahrhundert trägt Minnesänger Walther von der Vogelweide seine Texte vor, in denen er von der erfüllten Liebe - und nicht nur von der unerreichten wie seine Kollegen - singt. Der Mann aus einfachen Verhältnissen lebt zunächst einige Zeit am Hof in Wien, um dann mit seinen adligen Arbeitgebern zu den Hoftagen nach Frankfurt zu ziehen. Und jeder weiß, dass dort nicht nur eine Hochzeit gefeiert werden soll...
Bereits in Wien kreuzen sich seine Wege mit denen der jüdischen Ärztin Judith, die zunächst noch gemeinsam mit ihrem Vater nach Salerno reist, um eine der besten Ärztinnen der Welt zu werden. Von Beginn an fühlen sich die beiden zueinander hingezogen - doch das Verhältnis der beiden steht unter keinem guten Stern.
Tanja Kinkel gelingt es, das Mittelalter lebendig werden zu lassen. Die Kreuzzüge und der deutsche Thronstreit zwischen Staufern und Welfen bilden den politischen und religiösen Hintergrund, vor dem die Lebensgeschichte des bekanntesten deutschen Minnesängers erzählt wird. Die Autorin hat gründlich und gewissenhaft recherchiert und im 'Spiel der Nachtigall' viele Fakten verarbeitet. Obwohl die Figur der Judith erfunden ist, wäre es doch möglich, dass Walther eine ähnliche Frau kennen gelernt hat, die ihn zu seinen unvergänglichen Liedern inspirierte.
Die Geschichte führt den Leser durch viele deutsche Städte und Gegenden und ist aufgrund ihres bekannten Helden (der sich allzu oft recht wenig heldenhaft gebärdet) ein eindrucksvolles deutsches Mittelalter-Epos, das sowohl im Bezug auf den Umfang als auch auf den Inhalt ausgesprochen opulent ist.
Für Mittelalterfans und Liebhaber von historischen Stoffen eine wunderbare Lektüre!
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