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am 31. Juli 2011
Mit Tabor Süden hat Friedrich Ani einen ungewöhnlichen Protagonisten geschaffen, der sich durch eine besondere Wahrnehmung der Menschen seiner Umwelt auszeichnet. Mit zunehmender Auseinandersetzung mit seinem Fall und den Angehörigen des Vermissten ist Süden in der Lage sich in den Gesuchten und seine Gefühls- und Erlebniswelt so einzufühlen, dass sich ihm der Vermisste besser erschließt als den Menschen, die ihn schon Jahre begleiten. Süden hört auch das, was die Angehörigen vor ihm verschließen, liest dieses mühsam zwischen den Zeilen des Erzählten.

Friedrich Ani führt uns in seinem Roman "Süden" in die Erlebniswelt von unauffälligen, scheinbar gesichtslosen Menschen, die von den meisten von uns auf der Straße gar nicht wahr genommen werden, Menschen die längst zu gesellschaftlichen Außenseitern geworden sind und die trotz vorhandener sozialer Kontakte isoliert sind und eigentlich schon verschwunden sind, so lange sie noch im Umfeld ihrer Angehörigen leben. Tabor Südens eigenes Schicksal weist im vorliegenden Roman erstaunliche Parallelen zu dem vermissten Raimund Zacherl auf.

Friedrich Anis Roman "Süden" ist Krimi und gleichzeitig verblüffend reale Milieu- und Charakterstudie. Damit fordert Ani dem Leser einiges ab, denn "Süden" zu lesen verlangt nach einer Auseinandersetzung mit dem Leben gescheiterter Existenzen, deren alltäglichen Konflikten und Ängsten, deren verlorenen Träumen und verzweifelten Hoffnungen. Melancholie und Depression sind tragende Stimmungen des Romans, die Ani für den Leser sprachlich versiert und wortgewaltig so berührend, greifbar und authentisch vermittelt, dass es fast ausgeschlossen scheint, seinen Roman nur zur Unterhaltung zu lesen.

Friedrich Ani hat mit "Süden" einen außergewöhnlichen Krimi geschaffen, der ohne großes Blutvergießen und Actionelemente spannend ist, und feinfühlig und tiefsinnig die Komplexität des Zusammenlebens von Menschen beleuchtet.
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Mit "Süden" gelingt Friedrich Ani ein lakonischer Krimi, der vor allem durch seine feinsinnig-treffenden Beschreibungen glänzt und mit ihnen eine ganz spezielle, eigentümliche Stimmung aufbaut, die der Autor auch konsequent bis zum Ende durchhält. Anis Story lebt von ihrer intensiven Atmosphäre, nicht von ihrer Action. Die Figur des Tabor Süden, der in Köln nach seiner aktiven Polizeidienstzeit als Kellner arbeitet, lässt Friedrich Ani nun als Privatermittler zur Höchstform auflaufen. In seiner ganz eigenen Art recherchiert der erfahrene Profiler den Fall des verschwundenen Gastwirtes und wandert zugleich auf den Spuren seines Vaters, der als Obdachloser ein ebenso umtriebiges wie schwieriges Leben führte. 'Süden' ist ein glänzend geschriebener Kriminalroman, der mit Recht den deutschen Krimipreis 2012 bekommen hat.
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am 21. Mai 2012
Tabor Süden begegne ich zum ersten Mal, eine weitere Begegnung strebe ich (noch) nicht an. Ein Krimi, der eigentlich keiner ist, der die Geschichte einer vermissten Person und die Suche nach ihr erzählt. Was Süden sich erlaubt, ist vor allem Schweigen und Zuhören, Handeln, schnell und präzise Handeln erst am Ende. Bis zum Show-Down sah nur noch grauen Himmel, graue Menschen, graue Tage und schwarze Nächte.
Die Suche nach seinem Vater, der ihn vor Jahrzehnten verlassen hat und nun plötzlich anruft, die Suche nach einer Mutter, die nicht mehr nach Hause zurückfindet und ihren Sohn tagelang im Ungewissen lässt begleiten Süden auf seinem Weg zum Ziel den Mundl zu finden, den Wirt, der '"einfach so'" verschollen ist.
Das Buch endet konventionell, wie eben ein Krimi enden soll, erfolgreich.
Die Erfahrung Geschichten solchen Schlages zu lesen, will ich nicht missen (als ein Gelegenheits-Krimi-Leser), ziehe jedoch etwas 'gepflegtere', auch Ex-Polizisten, Erscheinungen vor - im Meer der Detektiv-Romane.
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am 12. April 2011
Von 1998 bis 2005 hatte der Münchner Schriftsteller Friedrich Ani in 14 Büchern seinen Kriminalkommissar Tabor Süden mit seinem Team bei der Münchner Kripo Morde aufklären und schwerpunktmäßig nach vermissten Menschen suchen lassen. Obwohl diese Bücher niemals die Auflagen erzielten, wie etwa die vieler skandinavischer Krimireihen, wurden sie regelmäßig von der Literaturkritik hoch gelobt, die seit den Romanen von Sjöwahl/Wahlhöö von einem Krimiautor nicht mehr so begeistert war.

Und das lag an der Perspektive von Friedrich Ani, an der Weise, wie er selbst und mit ihm seine Hauptfigur Tabor Süden die Welt und die Menschen betrachtet, wahrnimmt, erleidet, spürt und nicht selten regelrecht "liest."

Mit dem Roman "Süden und der Mann im langen, schwarzen Mantel" war dann für Tabor Süden Schluss. Er hängte den Polizistenberuf an den Nagel und wollte etwas ganz anderes machen. Ob Friedrich Ani damals schon daran dachte, ihn irgendwann nach einigen Jahren wieder zurückzuholen, wie er es jetzt mit dem hier vorliegenden Roman tut, glaube ich weniger. Zunächst erfand er mit dem ehemaligen Priester Polonius Fischer einen Ermittler im Münchner Dezernat 11, der in leider nur drei Bänden seine Ermittlungstätigkeit nicht nur verband mit tiefen philosophischen und theologischen Reflexionen auch über sein eigenes bewegtes Leben, sondern auch ein ähnliches Faible entwickelte wie Tabor Süden für die Outlaws, die Unsichtbaren und unsichtbar gemachten Menschen in einer Gesellschaft, die ihr unteres Segment aufgegeben hat.

Fast zeitgleich entwickelte er bei DTV eine Reihe von kurzen Krimis um den "Seher", den bei einem Einsatz erblindeten Kommissar Jonas Vogel und seinen ebenfalls bei der Münchner Kripo arbeitenden Sohn.

Allen drei Polizistenfiguren von Friedrich Ani hat er seine eigenen Fähigkeiten und Vorlieben angedichtet. Sie sehen die Menschen, dort, wo anderen blind sind, sie lieben, jeder auf seine Weise, die Menschen, auch wenn die anderen und sie sich selbst längst aufgegeben haben. Und sie suchen nach dem, was dahinter ist, was verschwunden ist, sie fühlen und lesen "die leeren Zimmer."

Nun ist Tabor Süden zurück. All die Jahre war er Köln, hat dort als Kellner gearbeitet, als ihn ein Anruf aus München dorthin regelrecht zurückzwingt. Sein Vater, der vor 35 Jahren einfach verschwand und damit eine noch immer schmerzende Wunde in Süden zurückließ, hat sich gemeldet. Weil er, ihn suchend, sich in München von irgendetwas ernähren muss - Süden ist ein armer Mann geblieben-, heuert er bei einer Detektei an, die er aus seiner Zeit als Kommissar kennt und bekommt einen Fall eines Mannes, der seit zwei Jahren verschwunden ist.
Die Frau des Gastwirts Zacherl hat den Auftrag erteilt, noch einmal nach ihrem Mann zu suchen, und Süden spürt, dass sie ihm zunächst nicht alles erzählt, was sie weiß. Er begibt sich, wie früher auch schon, auf die Spuren, redet mit vielen Menschen, liest zwischen den Zeilen, hört das, was verschwiegen wird, und wird irgendwann selbst zu dem Verschwundenen, lernt so zu denken und zu fühlen wir er.

Parallel sucht er nach dem verschwundenen Vater und spürt erneut die schmerzhafte Wunde in seinem Leben, das auch mit diesem neuen Fall - wieder einmal - auf dem Spiel steht.
In einer Zeitungsrezension war einmal über Anis Bücher folgender Satz zu lesen: "Wer Anis Geschichten liest, lernt anders denken".
Das trifft auch und erst recht auf das neue Buch zu. Aber ich möchte ergänzen: er lernt auch anders mitfühlen und anders über Menschen urteilen, die die Gesellschaft längst abgeschrieben hat, die lebendig tot sind, und schon lange, bevor sie abtauchen, längst in sich selbst verschwunden sind, in "leeren Zimmern" leben.

Man wird sehen, ob Ani Tabor Süden "weiterleben" lässt, und vielleicht auch lieben (im neuen Roman gibt es dazu einen zarten Ansatz) oder ob möglicherweise auch Polonius Fisher einmal wiederkehrt. Ich hätte nichts dagegen.
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am 2. Mai 2012
Von 1998 bis 2005 hatte der Münchner Schriftsteller Friedrich Ani in 14 Büchern seinen Kriminalkommissar Tabor Süden mit seinem Team bei der Münchner Kripo Morde aufklären und schwerpunktmäßig nach vermissten Menschen suchen lassen. Obwohl diese Bücher niemals die Auflagen erzielten, wie etwa die vieler skandinavischer Krimireihen, wurden sie regelmäßig von der Literaturkritik hoch gelobt, die seit den Romanen von Sjöwahl/Wahlhöö von einem Krimiautor nicht mehr so begeistert war.

Und das lag an der Perspektive von Friedrich Ani, an der Weise, wie er selbst und mit ihm seine Hauptfigur Tabor Süden die Welt und die Menschen betrachtet, wahrnimmt, erleidet, spürt und nicht selten regelrecht "liest."

Mit dem Roman "Süden und der Mann im langen, schwarzen Mantel" war dann für Tabor Süden Schluss. Er hängte den Polizistenberuf an den Nagel und wollte etwas ganz anderes machen. Ob Friedrich Ani damals schon daran dachte, ihn irgendwann nach einigen Jahren wieder zurückzuholen, wie er es jetzt mit dem hier vorliegenden Roman tut, glaube ich weniger. Zunächst erfand er mit dem ehemaligen Priester Polonius Fischer einen Ermittler im Münchner Dezernat 11, der in leider nur drei Bänden seine Ermittlungstätigkeit nicht nur verband mit tiefen philosophischen und theologischen Reflexionen auch über sein eigenes bewegtes Leben, sondern auch ein ähnliches Faible entwickelte wie Tabor Süden für die Outlaws, die Unsichtbaren und unsichtbar gemachten Menschen in einer Gesellschaft, die ihr unteres Segment aufgegeben hat.

Fast zeitgleich entwickelte er bei DTV eine Reihe von kurzen Krimis um den "Seher", den bei einem Einsatz erblindeten Kommissar Jonas Vogel und seinen ebenfalls bei der Münchner Kripo arbeitenden Sohn.

Allen drei Polizistenfiguren von Friedrich Ani hat er seine eigenen Fähigkeiten und Vorlieben angedichtet. Sie sehen die Menschen, dort, wo anderen blind sind, sie lieben, jeder auf seine Weise, die Menschen, auch wenn die anderen und sie sich selbst längst aufgegeben haben. Und sie suchen nach dem, was dahinter ist, was verschwunden ist, sie fühlen und lesen "die leeren Zimmer."

Nun ist Tabor Süden zurück. All die Jahre war er Köln, hat dort als Kellner gearbeitet, als ihn ein Anruf aus München dorthin regelrecht zurückzwingt. Sein Vater, der vor 35 Jahren einfach verschwand und damit eine noch immer schmerzende Wunde in Süden zurückließ, hat sich gemeldet. Weil er, ihn suchend, sich in München von irgendetwas ernähren muss - Süden ist ein armer Mann geblieben-, heuert er bei einer Detektei an, die er aus seiner Zeit als Kommissar kennt und bekommt einen Fall eines Mannes, der seit zwei Jahren verschwunden ist.
Die Frau des Gastwirts Zacherl hat den Auftrag erteilt, noch einmal nach ihrem Mann zu suchen, und Süden spürt, dass sie ihm zunächst nicht alles erzählt, was sie weiß. Er begibt sich, wie früher auch schon, auf die Spuren, redet mit vielen Menschen, liest zwischen den Zeilen, hört das, was verschwiegen wird, und wird irgendwann selbst zu dem Verschwundenen, lernt so zu denken und zu fühlen wir er.

Parallel sucht er nach dem verschwundenen Vater und spürt erneut die schmerzhafte Wunde in seinem Leben, das auch mit diesem neuen Fall - wieder einmal - auf dem Spiel steht.
In einer Zeitungsrezension war einmal über Anis Bücher folgender Satz zu lesen: "Wer Anis Geschichten liest, lernt anders denken".
Das trifft auch und erst recht auf das neue Buch zu. Aber ich möchte ergänzen: er lernt auch anders mitfühlen und anders über Menschen urteilen, die die Gesellschaft längst abgeschrieben hat, die lebendig tot sind, und schon lange, bevor sie abtauchen, längst in sich selbst verschwunden sind, in "leeren Zimmern" leben.

Man wird sehen, ob Ani Tabor Süden "weiterleben" lässt, und vielleicht auch lieben (im neuen Roman gibt es dazu einen zarten Ansatz) oder ob möglicherweise auch Polonius Fisher einmal wiederkehrt. Ich hätte nichts dagegen.
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am 17. Januar 2012
Inhalt:
Süden ist wieder zurück in München. Eigentlich wollte er gar nicht mehr zurück und wollte auch keinen mehr suchen, aber dann bekam er den Anruf seines Vaters, der ihn treffen möchte. Allerdings wurde die Verbindung unterbrochen. Zurück in München sucht er nach dem hinkenden Mann aber ohne Erfolg. Dann tritt er eine Stelle als Detektiv an und soll Raimund Zacherl suchen ein Wirt aus Sendling. Er ist schon seit zwei Jahren spurlos verschwunden, die Polizei hat die Suche schon aufgegeben aber die Ehefrau möchte gerne wissen was mit ihm passiert ist...

Meine Meinung:
Das zweite Buch das von Droemer ist und es auf die Krimi Bestenliste 2011 geschafft hat, aber anders als bei Das vergessene Kind konnte ich dieses hier kaum zur Seite legen. Es ist nicht mein erstes Buch von Friedrich Ani und wie beim ersten auch hat er mich mit seinem Schreibstil und seiner Geschichte in den Bann gezogen. Es geht um einen Vermissten im speziellen den Süden im ganzen Roman sucht, nebenher geht es aber auch um seinen Vater den er seit 35 Jahren nicht mehr gesehen hat und der als verschollen gilt und um einen kleinen Jungen der Tagelang alleine zu hause ist weil seine Mutter verschwunden ist. Die Beiden kleinen Nebenstränge werden recht früh aufgeklärt so dass man sich zum Schluss nur noch auf den Vermissten Raimund "Mundl" Zacherl konzetrie3ren kann. Süden verfolgt seine Spuren und ....Na ob er ihn findet oder nicht müsst ihr schon selber lesen. Ich fand die Geschichte schlüssig auch wenn ich manchmal von der eigenen Art und Weise von Süden irritiert war, aber nie so sehr das es mich aus dem Konzept gebracht hätte. Es las sich leicht und war eine nette Unterhaltung für zwischendurch. Die Spannung hielt sich ziemlich von Anfang an. Ich wollte wissen ob er ihn findet. Eigentlich gibt es aber neben der Geschichte des Findens noch eine traurige Nebenbotschaft. Erstens es gibt Leute die wollen nicht gefunden werden (was mich stark an meinen Onkel erinnert) und es gibt Menschen mit denen lebt man Jahrelang zusammen, aber man kennt sie doch nicht wirklich. Vielleicht sollten wir wieder anfangen Mitmenschen bewusster wahr zu nehmen.
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Der inzwischen 51-jährige Tabor Süden quittiert seinen Dienst als eigentlich erfolgreicher Haupt-Kommissar der Vermisstenstelle der Münchner Polizei, zieht nach Köln und vereinsamt dort vollständig abgebrannt und fast verwahrlost, bis ihn ein kurzer Anruf seines seit seiner Kindheit vermissten und verschwundenen Vaters nach München zurück holt. Um während seines Aufenthaltes über die Runden zu kommen, beginnt er widerwillig, als Privatdetektiv zu arbeiten und soll den seit mehreren Jahren verschwundenen, ehemaligen Gastwirt Zacherl auf Wunsch seiner Ehefrau aufspüren, nachdem frühere Versuche von früheren Kollegen seiner Dienststelle und anderer Privatermittler längst scheiterten. Aufgrund seiner von Schweigsamkeit geprägten, introvertierten Beharrlichkeit und seiner Menschenkenntnis entdeckt er nicht nur eine erste Spur, auch nähert er sich seinem ebenfalls spurlos verschwundenem Vater und entdeckt weitere Menschen, die dringend gefunden werden müssen. Seine nur gemächlich voran schreitenden Recherchen führen ihn zurück in seine eigene, selbst verloren geglaubte Vergangenheit und durch das Münchner Milieu bis nach Sylt, bis er entdeckt, dass alles anders zu sein scheint, als ihm vielleicht glauben gemacht werden sollte.

Ani bleibt seinen Milieu- und Charakterstudien auf literarisch unglaublich hohem, sprachlich eigensinnigem Niveau treu und fasziniert und schockiert zugleich durch seine brutale, ehrliche und offene Authentizität, die somit immer wieder punktuell krasse Zweifel an der Fiktion dieses Romans entstehen lassen und bewusst irritieren. Wortgewaltig und in seitenlangen Monologen lässt er tiefe Blicke in das Denken, in das Fühlen, in die Köpfe, Herzen und Seelen seiner Protagonisten zu, packt verstörend plastisch die alltägliche Ängste und geplatzte Träume, die alltägliche Resignation gescheiterter Existenzen und drischt damit mit aller Härte auf den Leser ein. Der scheinbare Realismus wirkt krass und verstört zutiefst, so dass ich selbst nach einigen Kapiteln immer wieder Abstand gewinnen musste, weil die manische Melancholie und die depressiven Schilderungen der traurigen Schicksale des 'echten Lebens' so bildhaft geschildert werden, dass es nur schwer ist, sie als Fiktion und als Roman wahrzunehmen. Damit ist Ani erneut ein packender Krimi gelungen, der tief in das menschlische Dasein gescheiterter und nicht gescheiterte Existenzen, noch offener und längst geplatzter Hoffnungen blicken lässt, wie ich selbst es so von keinem anderen Autoren kenne. Klappt man die letzte Seite zu, ist man vielleicht kurz erleichert, geht man aber hier in München an einer kleinen, dunklen, bierdunstigen Stadtrand-Kneipe weit nach Sonnenuntergang vorbei und lauscht den vorbei fliegenden Wortfetzen der einsamen, verlassenen Seelen, die dort nach nach dem längst verlorenen Sinn ihres Lebens suchen oder die Suche längst in Alkohol ertrunken haben, weicht die Erleichterung sogleich wieder einer Schwermut, die noch lange nach der Lektüre seines Romans wirkt und es schwer macht, den Roman zu vergessen. Ein anfänglich unscheinbarer Krimi, der schnell einen tiefen Sog in die tiefsten Abgründe entwickelt und von seiner brutalen Authentizität lebt.

Für nicht in Bayern lebende Leser mag die Mundart und die so detaillierte Skizzierung Münchens anfänglich vielleicht verwirrend wirken, wer sich aber etwa auch mit den Münchner Tatort-Folgen um Batic und Leitmayr anfreunden kann und etwa an der Folge "Nie wieder frei sein" Gefallen aufgrund der ebenso verstörenden Authentizität der krass sozialkritischen Milieustudie fand, wird sich auch schnell auf einen Ani einlassen können und verstehen, warum er zwischenzeitlich zahlreiche und nicht nur bayerische Literaturpreise gewonnen hat.
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am 21. Januar 2014
Der namensgebende Privatermittler Tabor Süden ist ein innerlich getriebener Mann in der zweiten Lebenshälfte mit den normalen körperlichen Verschleißerscheinungen. Er lebt v.a. von Bier, gelegentlich gibt's dazu eine ungesunde Mahlzeit. Zum Zahnarzt geht er erst, wenn der Schnaps nicht mehr wirkt. Bei seiner Arbeit nimmt er den Leser mit in eine trostlose Welt aus verwahrlosten Kindern, depressiven Müttern in lieblosen Zufalls-Beziehungen, Alkoholiker-Vätern ohne Sinn für Verantwortung und anderen traurigen Figuren. In diesem Geflecht ist Herr Süden auch nicht besser als der Rest. Als sich ihm eine junge Frau sexuell aufdrängt, nimmt er dankend an, obwohl diese Frau den früh erlebten sexuellen Missbrauch durch ihren Vater und dessen Freunde sowie ihre frühere Zwangsprostitution erwähnt. Der Autor zeigt die Täter beim Schönreden („Er mag sehr junge Frauen, ist das ein Verbrechen?“) ohne Reflektion darüber. Dafür kriegt man den Deutschen Krimipreis? Mich hat's gelangweilt. Gealterte Möchte-gern-Rock'n'Roller kann man in jeder grauen Eckkneipe sehen, darüber braucht man nicht auch noch ein Buch, das keinen Erkenntnisgewinn zu bieten hat.
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am 12. Dezember 2012
Friedrich Ani hat sich den Deutschen Krimipreis 2012 verdient "erschrieben". Die Hauptfigur des Buches, Tabor Süden, ermittelt nehr im "Innen" als im "Außen", was diesen Krimi einzigartig macht. Er greift den roten Faden, der sich durch das Leben der vermissten Person zieht auf, indem er sich oft nur durch zuhören, ein Bild macht. Er sieht die Person nicht so, wie Angehörige, Bekannte und Freunde sie schildern, er sieht das wahre Bild, nämlich das, das die Umwelt der vermissten Person, gar nicht sehen will. Ich würde fast sagen, er wird immer mehr und mehr diese Person und denkt deren Gedanken.
Ungewöhnliche Methoden erfordern auch ungewöhnliche Menschen und Denkweisen. Der Lebensstil von Tabor Süden war absolut stimmig mit seiner Arbeitsweise, immer einen Tritt neben der Spur. Friedrich Ani ist mit diesem Krimi ein außergewöhnliches Werk gelungen und wie gesagt, der Krimipreis 2012 war absolut verdient. Es war mein erstes Buch dieses Autors und mit Sicherheit nicht das letzte.
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am 15. März 2016
Tabor Süden ist zurück. Er war die letzten Jahre in Köln und hat dort als Kellner gearbeitet. Bis er den Anruf aus München bekam, der ihn zurück in die Stadt brachte. Vor 35 Jahren verschwand sein Vater und ließ ihn tief gekränkt zurück. Jetzt ist er zurück in München um nach ihn zu suchen. Da er aber kaum Geld hat, geht er zu einer Detektei, die er noch aus seiner Zeit als Kommissar kennt und bittet um einen Job. Und er bekommt einen Fall. Er soll sich auf die Suche nach einem seit zwei Jahren verschwundenen Mann machen.
Der Gastwirt Zacherl verschwand spurlos und so wand sich seine Frau an die Detektei, mit dem Auftrag, noch einmal nach ihrem Mann zu suchen. Süden merkt sofort, dass sie ihm nicht alles erzählt, was sie weiß. Und so begibt er sich, wie früher, auf die Suche. Er redet mit Menschen, liest zwischen den Zeilen, versetzt sich in die Lage des Verschwundenen, und versucht die Gedanken und Gefühle des Gastwirts nachzuempfinden.
Nebenbei sucht er nach seinem verschwundenen Vater und er spürt erneut diesen Schmerz von damals, welcher eine tiefe Wunde in seinem Leben hinterlassen hat, dieses Leben, das sich auch mit diesem Fall wieder in große Gefahr begibt.
Der Sprachstil ist außergewöhnlich aber sehr ansprechend. Der Protagonist kommt trotz seiner Probleme mit Alkohol usw. sympathisch rüber. Und auch die anderen Charaktere sind gut beschrieben, so das man sich gut in die einzelnen Personen hineinversetzen kann. Es ist teilweise eine sehr melancholische Erzählweise.
Durch die Stimme und seine Art und Weise zu lesen, schafft es Christian Berkel, dass man sich Personen und Handlungen sehr gut vorstellen kann.
Fazit: Ein spannender Krimiroman, für Leute, die Tiefgang mögen.
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