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Kundenrezensionen

3,4 von 5 Sternen222
3,4 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
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am 19. Januar 2012
Mit diesem Werk kann ich nicht einverstanden sein! Ich habe die Hardcover Ausgabe gelesen und schon bei der Aufmachung des Einbandes, des Klappen- und Rückentextes schlich sich das Gefühl eines "oh oh, hoffentlich hält der Inhalt was der Deckel verspricht" bei mir ein. Leider kam es wie befürchtet: Aussen hui, innen nicht ganz pfui aber dennoch... An der eigentlichen Tat kann ich mich nicht grausen, ok es ist scheusslich ein Mädchen in ein Verliess einzusperren, aber sind nicht alle kriminellen Akte scheusslich? Allen voran Mord und darüber wird wie am Fliessband geschrieben. Das was grausam ist, ist unsere Vorstellung und Fantasie die uns ein klares Bild vom Opfer verschafft. Bis dahin funktioniert die Story, aber sie hängt sich an dem sehr schwachen Protagonist auf. Durch Demenz gehandicapt und ferngesteuert durch die nie enden wollenden Stimmen seiner verstorbenen drei Angehörigen, die sich pausenlos zu Wort melden und quasi aktiv ins Geschehene eingreifen, das geht mir zu weit. Erinnerungen an ehemals formulierte Sätze dieser Leute hätten gereicht; aber die andauernden Antworten auf die selbstgestellten Fragen à la "was hätte wohl mein im Krieg gefallener Bruder dazu gesagt" finde ich zu einfach und unrealistisch. Zu oft und zu abrupt sind die Wechsel von der Realität in die bizarre Gedankenwelt des Protagonisten.
Eigentlich ist der Hauptcharakter nicht handlungsfähig, die sogenannte Hauptermittlerin ist kaum präsent und dümpelt ebenfalls in anderen Problembereichen ihres Lebens herum und ermittelt in diesem Fall so nebenher. Was dann am meisten stört ist dass die Story niemals eine unvorhergesehene Wendung einnimmt, das Böse, die Guten, die Opfer, jeder spielt seine Rolle ohne weiteres Aufsehen zu erregen. Dann machen die minutiös vorgehenden Täter auf einmal Fehler. Ein Helfer wird vom Protagonisten angeheuert, der meiner Meinung zufolge so veranlagt ist, dass der alles tun kann aber nur nicht dem schussligen Professor helfen. Genau das tut er aber, es bedarf keiner grossen Überzeugungsarbeit, man versteht sich blindlings, binnen kurzer Zeit wird grosse Hilfe von irgendeinem Internet Kauz geliefert. Sehr unglaubwürdig....
Der Anfang der Story verspricht noch, dann verflacht alles um den faden, ausdruckslosen Hauptdarsteller, der kaum etwas macht, viel denkt und eine Menge Selbstgespräche führt und in seine eigene Welt abzurutschen droht. Und dennoch überlegt er irgendwie in die richtige Richtung und es kommt wie es kommen muss bzw wie man es erahnt.
Das ungleiche Kräfteverhältnis der Gegner zu Beginn des Buches steht nicht in Relation zu ihren Handlungen; der starke wird auf einmal sehr schwach und der schwache Kranke kann sich gerade dazu überwinden, alles in Bewegung zu setzen um eine Straftat aufzuklären.

Ich habe das Buch zu Ende gelesen, aber ich musste es öfters weglegen, irgendwie hält einen der Stoff nicht bei der Stange. Zum Schluss der Geschichte kommt etwas mehr Fahrt auf, trotz des vorhersehbaren Endes der Showdown ist flüssig und hält das Interesse am Ausgang des Falls bzw. Überleben des Opfers wach.

Der Plot an sich ist genial, die Umsetzung gefällt mir nicht, dazu gibt es zu viele Stellen, die sich mehr mit dem Professor beschäftigen als mit der Story wobei diese tiefgründige Wesenserforschung des kranken Mannes gar nicht zum Rest der Geschichte passen will sondern eher das Gefühl eines forcierten oder gar künstlichen Pausenabschnitts liefert. Wen interessiert es denn, während eines Strandspaziergangs eine metertiefe Feldspate zu erforschen, wenn ich in Reichweite meine Strandbude sehe wo ich eigentlich hin will.

2 Sterne gibt's von mir, nach langem Überlegen. Einen dafür dass ich das Buch zu enden lesen wollte und einen weiteren für die vielversprechende Geschichte. Hätte ich den Roman später als Taschenbuch, mit weniger ansprechender Aufmachung entdeckt, hätte ich es vermutlich ins Regal zurückgestellt. Ob ich mir einen weiteren Katzenbach zulegen will muss ich mir noch gut überlegen; denn die anderen Titel klingen ebenfalls vielversprechend und das irritiert. Ich denke, das haben es mehrere Darsteller zugleich von irgendeiner Anstalt schnurstracks in Katzenbachs Bücher geschafft...
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am 1. Juni 2011
Ein dementer Professor, der mit Halluzinationen spricht, ein vorbestrafter Pädophiler, ein brutales, psychopathisches Pärchen, ein unschuldiges Mädchen im Keller und eine Website: Whatcomesnext.com.
Das sind die Zutaten für den Thriller von John Katzenbach.

Jennifer wird am hellichten Tag entführt, Professor Adrian Thomas, der vor kurzem von seinem Arzt die erschütternde Diagnose "Demenz" bekommen hat, beobachtet dieses Geschehen, ist sich jedoch zunächst nicht sicher, ob ihm sein Verstand wieder einmal einen Streich spielt. Doch schliesslich kommt er - mit Hilfe seiner verstorbenen Verwandten - zu der Überzeugung, tatsächlich eine Straftat beobachtet zu haben und macht sich auf die Suche nach dem Mädchen Jennifer. Es macht nur Sinn, nach Jennifer zu suchen, wenn sie noch nicht tot ist und daher geht er allein von dieser Prämisse aus, wenn man sie nicht gleich getötet hat, will man was von ihr und dann kann man sie auch finden. Um einen Blick in die Abgründe der Menschheit werfen zu können, benutzt er den Sexualstraftäter Wolfe. Gemeinsam tauchen sie in die dunklen Seiten des Internets ab. Dort wird Jennifer von dem kranken Pärchen zur Schau gestellt und misshandelt und tausende User weltweit zahlen dafür, sich die Demütigungen in Realtime ansehen zu können. Der Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Ich bin zwiegespalten, was diesen Thriller angeht. Zum einen ist er gut geschrieben, er ist spannend und macht es nicht einfach, das Buch aus der Hand zu legen. Die wechselnden Perspektiven geben dem Buch etwas Lebendiges. Adrian Thomas als Hauptfigur ist sympathisch, die Szenen um ihn herum allerdings manchmal zu lang, da verliert sich Katzenbach in überflüssigen Details und man neigt dazu, Zeilen zu überspringen. Das kranke Pärchen wirkt erschreckend real und pragmatisch angesichts ihres brutalen Verhaltens. Das Ende ist gelungen, wenn auch etwas zu geradlinig.

Es gibt aber einen Aspekt, der mich abgestossen hat. Während der Szenen im Keller und der detailreichen Beschreibung der Vorkommnisse hat man zeitweise das Gefühl selbst zu den ekelhaften Usern zu werden, die bei diesem "Spektakel" live dabei sind und sich das einiges kosten lassen. Hier wird in meinen Augen eine Grenze überschritten. Es geht um die Demütigung und sexuelle Zurschaustellung eines Kindes. Sollte sowas Bestandteil eines Buches sein, vor allem in dieser Art und Weise? Wer sagt mir, dass sich einige Kranke nicht eher an dem Geschriebenen aufgeilen anstatt abgestossen zu sein?
Gerade in letzter Zeit fällt mir auf, dass Thriller immer ekelhafter werden, immer öfter Grenzen überschreiten, detailreicher, ja pervers werden. Brauchen wir das in unserer heutigen Gesellschaft? Kann ein wirklich gutes Buch nicht ohne solche Grenzgänge auskommen? Ist es nicht möglich, Spannung zu erzeugen, ohne, dass man dem Leser das Gefühl gibt, dass er sich selbst schmutzig macht?

Wie gesagt, das Buch ist gut geschrieben, hätte vielleicht 50 Seiten kürzer sein können (es hat 560 Seiten), aber wegen den teilweise voyoristischen Zügen gibt es von mir nur 3 von 5 Sternen.
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TOP 500 REZENSENTam 19. November 2010
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )|Verifizierter Kauf
Um dieses Buch richtig verdauen zu können, braucht man schon eine dicke Haut, die für mich im Moment wohl nicht vorhanden war.
Das der Autor Katzenbach gerne Bücher schreibt, die sich mit der Psyche des Menschen befassen, ist mir schon aus seinen Vorgängern bekannt. Das Thema Demenz greift er hier schon von einer interessanten Seite auf. Der Professor, der nach Diagnosestellung, soweit ist, sich das Leben zu nehmen und durch die Beobachtung des jungen Mädchens, einen Kampf mit seiner Krankheit aufnimmt und somit etwas Gutes
für sich tut.
Die Spannung dieses Buches hat mir gefallen, allerdings musste ich bei manchen Schilderungen schon schlucken, was mich aber nicht davon abhält erneut ein Buch dieses Autors zu lesen. Die Charaktere in diesem Buch haben mir gut gefallen und die subtile Spannung auch, allerdings habe ich schon so meine Probleme mit übersinnlichen Schilderungen in Form von Geistergesprächen .Aber das ist ein subjektiver Eindruck. Alles in allem ein guter Psychothriller, allerdings meiner Meinung nach mit kleinen Schwächen und nur für hart Gesottene geeignet.
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am 5. Juli 2012
Dass John Katzenbach keinen hochliterarischen Schreibstil hat, ist bekannt. Dass er es aber versteht, den Leser zu packen und Spannung zu erzeugen, weiß man auch.
Dieses Buch wirkt aber leider "schlecht durchdacht", "unvollständig" ausgearbeitet oder "schnell dahingeschrieben".
Es fehlt die Interaktion zwischen Täter und Professor (außer beim Showdown),es gibt kein Katz-und-Maus-Spiel, alle drei Protagonisten (Täter, Polizistin, Professor) agieren alleine vor sich hin und die Handlungsstränge verweben sich kaum. Aber das, was ich am störendsten fand, war die Krankheit des Professors. Am Klappentext hörte sich das ganze ja noch interessant an, im Buch selber sind seine Aussetzer, die Halluzinationen und fiktiven Dialoge irgendwie nur mühsam und völlig unrealistisch.
Wo ich einem anderen Rezensent zustimme, ist bei der Beschreibung des entführten Opfers. Man kommt sich nach einiger Zeit wirklich vor wie ein Voyeur und obwohl man von Katzenbach einiges an Brualität und Thrill gewohnt ist, muss ich sagen, dass es hier eindeutig zuviel des Guten war.

Alles in allem ein Werk, das man sich sparen kann oder nur der Vollständigkeit halber lesen sollte!
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am 20. März 2011
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
"Der Professor" von John Katzenbach ist ein Psychothriller, der diese Bezeichnung wirklich verdient und eigentlich eine Kennzeichnung der Altersfreigabe erhalten sollte. Der Autor lässt den Leser tief in die Abgründe der menschlichen Psyche abtauchen, er erlaubt ihm dort eine sehr intime Innenansicht auf die in Ausnahmesituationen handelnden Charaktere und das mit einer Intensität, die ihresgleichen sucht. Ein mulmiges Bauchgefühl beim Lesen ist so kaum zu vermeiden.

Der Autor greift für seinen Thriller sehr unterschiedliche zeitgemäße Themen auf. Demenz, Voyeurismus, Internetkriminalität, Entführung und Gefangenschaft sind aktuelle Phänomene, die den Zeitgeist treffen und den Leser interessieren. Die Handlung an sich birgt wenig Spektakuläres, ein Satz aus dem Buch bringt es auf den Punkt: "Es geht nur um ein kleines Mädchen, das entweder tot lebendig sein wird." Und auch die Charaktere sind nicht frei von bekannten Klischees - den zerstreuten Professor, die rebellische Jugendliche, die desillusionierte Polizistin oder das verbrecherische Paar sind einem auch schon an anderer Stelle begegnet.

Alles in allem ist das Buch ein echter Thriller für eine Leserschaft, die bereit ist, sich fiktiv in psychische Tiefen zu begeben, die man im realen Leben nicht kennenlernen möchte. Wer das nicht mag, wird an diesem Buch keinen rechten Gefallen finden.
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TOP 500 REZENSENTam 31. März 2011
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
und das ist es, was nach meiner Meinung ein Buch ausmacht. Es muss einfach faszinieren und einem in den Bann ziehen. Man muss die Protagonisten mit Leib und Seele begleiten und das ist genau das was dieses Buch auch vermittelt.

"Als die Tür aufging, wusste er, dass er tot war." Schon allein dieser Einstieg verbreitet sofort Spannung und es fiel wirklich schwer das Buch beiseite zu legen. Gerade der Protagonist Adrian Thomas ragt aus diesem Buch hervor. John Kaltenbach schafft es im wahrlich leben einzuhauchen.

Da dieses mein erstes buch von Kaltenbach war, war ich beeindruckt von der Schreibweise die er an den Tag legt. Unglaublich einfühlsam bringt er einem die Menschen näher, aber genauso schafft er es die dunklen Seiten aufzuzeigen. Teilweise sehr am Rande dessen was akzeptabel ist, aber nach meiner Meinung nie darüber hinaus.

Der Handlung ist von Anfang spannend und auch leicht zu folgen. Die Sprache empfinde ich als herausragend und sehr treffend, auch wenn manchmal eine Nuance zu verspielt durchschimmert.

Ein besonderes Lob an die Gestaltung des Umschlages, der noch Einblicke in die Arbeitsweise und Informationen zum Roman gibt.

Für mich ein wirklich guter Psychothriller, den ich beim ersten Mal verschlungen habe, aber dennoch ein zweites Mal lesen werde.
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am 12. Juni 2013
Das war mein erster Katzenbach, aber auch nur, weil ich das Buch für wenige Euro bei den Aussortierten gefunden habe. Ich hatte schonmal einen Katzenbach Zuhause, aber da hab ich mich einfach nicht durchkämpfen können.
Beim "Professor" war das anders. Es packte mich von der ersten Seite - auch wenn es mir als Leser bis zur letzten Seite verborgen blieb, wieso ein Professor mit einem so hohem akademischen Grad so dermaßen verwirrend mit den Geistern seiner Vergangenheit kämpft.

Katzenbachs Schreibstil ist wirklich gut, es behält einen beim Lesen.
Die Story an sich ist auch gut, wenn auch sehr gewagt, doch nie zu sehr ins Detail gehend...
Pornografie, Kinderpornografie, Sex mit Minderjährigen, sadistische Ausmaße. Und dazwischen ein wirrer Professor, der mit seinen verstorbenen Angehörigen redet.

Verwirrend sind auch die Abschweifungen zu den Betrachtern an den Bildschirmen. Sie werden in aller Intensität vorgestellt, aber sind total unwichtig.

Das Ende ist durchaus vorhersehbar, aber dennoch schockierend. Denn so, wie es kommt, hat man es sich wohl doch nicht gedacht.

Alles in allem: ein Katzenbach für ein paar lesenswerte Momente zwischendurch. Aber nichts für Bücherregal!
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Ein Professor beobachtet die Entführung eines jungen Mädchens. Normalerweise würde seine Aussage einen polizeilichen Großeinsatz auslösen. Nicht aber in diesem Fall. Denn der Professor gibt keinen besonders guten Zeugen ab. Er leidet an einer seltenen und besonders aggressiven Form der Demenz, die zu Halluzinationen führt. Und das Mädchen, Jennifer, wollte von zu Hause ausreißen.
Wir Leser sind den Ermittlern voraus, denn wir erfahren durch ständige Szenenwechsel, was mit Jennifer passiert.
Der Professor ermittelt auf eigene Faust und nimmt dabei jede Hilfe an, die er kriegen kann: Die Hinweise, die er von seinen toten Familienmitgliedern bekommt (Halluzinationen können ganz praktisch sein) und das Fachwissen eines Sexualverbrechers. Dabei muss er sich ständig mit seiner Erkrankung und deren Folgen auseinander setzen.
Dies ist wirklich einer der ungewöhnlichsten Ermittler, die ich kenne. Dabei wird seine Krankheit realistisch, aber nicht reißerisch, beschrieben.
Die Perspektivwechsel der Erzählung bringen zusätzliche Spannung, so dass es mir schwer fiel, das Buch aus der Hand zu legen.
Leider ist der Grund für die Entführung Jennifers auch in der Wirklichkeit denkbar; das Buch wird hier bedrückend realistisch.
Ein rasanter Showdown führt zu dem glaubwürdigen Ende dieses ungewöhnlichen und sehr empfehlenswerten Thrillers.
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am 20. Mai 2014
Leider muss ich mich vielen der bereits geschriebenen Rezensionen anschließen. Von Buch zu Buch wächst in mir immer mehr der Verdacht, dass Katzenbach sich genötigt sieht, sich einer Gesellschaftsperversion anzuschließen, welche dem stetig wachsenden Minderwertigkeitssyndrom der männlichen Gesellschaft Rechnung trägt, die immer jüngeren Mädchen hinterherhechelt, um sich der erwachsenen Frauenwelt zu entziehen, die als bedrohlich wirkt, da sie sich gegen die männliche Dominanz-Rolle zu wehren weiß. So zielt der neue Sexismus darauf ab, der naiven Kindlichkeit junger Mädchen zu suggerieren, in den Augen erwachsener Männer begehrenswürdig zu sein. Dies erweckt ein falsches Selbstbewusstsein und Hoffnungen auf Freiheit und Anerkennung, wodurch immer größere Anstrengungen seitens der Kinder motiviert werden, zu sogenannten "Schlampen" zu mutieren, zu Reifung findende Prozesse zu vernachlässigen und selbstzerstörende narzistische Persönlichkeitsstörungen zu entwickeln. Die voyeuristische Darstellungsweise der Vorgänge in Katzenbachs Thriller scheint so zur Gänze dieses Milieu der geschlechtlichen Entartung (ich bitte dies in der tatsächlichen Definition zu verwenden) zu bedienen. Viel mehr, als ich mich beim Lesen genötigt sah, das Konsumieren dieser gesellschaftlichen Missbrauchsanteile als normal zu empfinden, habe ich mich fremdgeschämt für Katzenbach, der sich über seine Dramaturgie und Sprache selbst implizit in die Ecke des alternden Männchens gestellt hat, der heimlich kleinen Mädchen unter die Röcke schaut und dessen Roman zugunsten eines widerwärtigen Opportunismusses die heilende Moral (als Chance gesehen) vermissen lässt. Seit Katzenbachs "Anstalt" scheint nicht nur die Zeit vergangen zu sein, sondern auch Katzenbachs schriftstellerischer Anspruch an sich selbst. Ich zumindest nehme hiermit Abschied von Katzenbach und wende mich Krimis zu, denen weniger zweifelhafter Bodensatz zugrundeliegt.
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am 18. Januar 2012
Ein dementer Mann wird Zeuge einer Entführung. Hat er sie tatsächlich gesehen? Und wenn ja, wird er sich daran erinnern? Was hätte man aus diesem Plot nicht alles machen können '

Ein 16jähriges Mädchen wird auf offener Straße entführt ' vor den Augen von Professor Adrian Thomas. Der hat noch ein ganz anderes Problem: Sein Arzt hat ihm vor wenigen Minuten eröffnet, daß er an Demenz leide und deswegen nicht nur immer häufiger Sache vergesse, sondern auch Dinge sehe, die gar nicht existieren.

Ergo: Hat die Entführung tatsächlich stattgefunden, oder war das nur eine weitere Schimäre, von denen Adrian verfolgt wird?
Der einzige Hinweis, dass ein solches Verbrechen tatsächlich verübt wurde, scheint die rosa Kappe des Mädchens zu sein, die am Straßenrand liegt. Adrian hört sich in der Nachbarschaft um, ob ein Mädchen vermißt wird. Und siehe da, tatsächlich '

Keine Frage, Katzenbach hat bereits in mehr als einem halbem Dutzend Thrillern bewiesen: Wenn es darum geht, die psychischen Untiefen seiner Protagonisten auszuloten, versteht er sein Handwerk. Es ist tragisch, zu verfolgen, wie sich der Professor an die kläglichen Resten seines Verstandes klammert; nicht nur, um ein Verbrechen aufzuklären, sondern auch, um sich selbst einen Rest menschliche Würde zu bewahren. Und es nimmt einen mit, wenn der Autor das Leid der jungen Jennifer schildert, die in einem Kellerloch von ihren Peinigern gefangengehalten, gequält und mißbraucht wird.
Was allerdings die eigentliche Story betrifft ' nun ja, da hakt es an manchen Ecken und Enden.

Dabei ist es nicht einmal die Folter Jennifers ' von ihren Peinigern quasi als Live-Snuff im Internet übertragen -, über die man als Leser stolpert. Keine Frage, in den dunklen Ecken des WWW treibt sich jeder erdenkliche Abschaum herum, und die Existenz solcher Foltershows ist in einer kranken Welt wie der unseren ganz sicher realistisch.

Aber: Dass es Unmengen an Zuschauern geben soll, die sich für diese Livestreams begeistern - wie Katzenbach behauptet -, ohne dass sich das in unserer heutigen Medienwelt auch nur ansatzweise herumspricht bzw. die Cyberdetektive der Behörden darauf aufmerksam werden, ist nahezu unmöglich. Auch dass sich keiner der Zuschauer angewidert an die Polizei wendet, ist eher unwahrscheinlich.

Natürlich mag es für Viele verlockend sein, zu erfahren, was sich hinter einer mysteriösen Website mit dem Schriftzug whatcomesnext (übrigens der Originaltitel des Romans) verbirgt. Aber die Zugriffberechtigung muss man erst erwerben - absurderweise per Abrechnung mittels Kreditkarte! -; ziemlich unglaubwürdig, dass hier niemand Verdacht schöpft. Und schließlich treiben sich ja nicht nur Perverse im Netz herum.
Dass also die Polizei, hier in Person der Ermittlerin Terri Collins, völlig im Dunkeln tappt und nur ein dementer alter Mann die Übeltäter schließlich zur Strecke bringt ' ja, das mag sich in einem Thriller einfallsreich lesen, und hätte durchaus viel Potential geboten. Aber realistisch ist das, was Katzenbach daraus macht, keineswegs.

Was dann auch am Ende liegt, das er seinem Professor bereitet: Bereits in Die Rache: Psychothriller - zugegeben eines seiner Frühwerke - ließ Katzenbach seiner Freude an Schießorgien freien Lauf (und offenbar an dem Recht jedes guten US-Bürgers, nicht nur eine Waffe zu tragen, sondern diese auch »zu seinem Schutz« zu benützen).

So präsentiert sich auch das Finale des vorliegenden Buches als wüstes Feuergefecht zwischen den verrückten Tätern und der Hauptfigur. Also, einfallsreich ist was anderes.

»Der Professor« hinterläßt nach der Lektüre gemischte Gefühle: Der Roman spielt einerseits vor einem wahren Hintergrund, dessen Psycho-Effekte durchaus noch mehr Tiefe verdient hätten, wird aber andererseits von einer Story ausgebremst, deren Glaubwürdigkeit gleich Null ist.
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