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41 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Hoffnungsträger wird demaskiert
Die Wellen der Emotionen in der deutschen Medienlandschaft und in den Internet-Foren über Karl-Theodor zu Guttenberg schlagen mit unverminderter Wucht hoch und man könnte angesichts des vorliegenden Informationsstandes eigentlich unterstellen, dass eine weitere Biographie über diesen ungewöhnlichen Politiker eher überflüssig ist. Doch weit...
Veröffentlicht am 6. März 2011 von Dirk Wolff-Simon

versus
15 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht angemessen
Man könnte diese "Biographie" in drei Teile spalten. Erst einmal wird auf vielen Seiten ausgiebig und detailliert auf Herkunft, Verwandtschaft mit Gott-weiß-wem-alles und sonstigen Familienverwebungen eingegangen. Als Leser fragt man sich: Will ich all das wirklich wissen? Dann wird wiederum auf sehr wenigen Seiten die aktuelle private Situation beschrieben,...
Veröffentlicht am 10. März 2011 von roya blue


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41 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Hoffnungsträger wird demaskiert, 6. März 2011
Von 
Dirk Wolff-Simon (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Guttenberg: Biographie (Gebundene Ausgabe)
Die Wellen der Emotionen in der deutschen Medienlandschaft und in den Internet-Foren über Karl-Theodor zu Guttenberg schlagen mit unverminderter Wucht hoch und man könnte angesichts des vorliegenden Informationsstandes eigentlich unterstellen, dass eine weitere Biographie über diesen ungewöhnlichen Politiker eher überflüssig ist. Doch weit gefehlt! Zwar erfolgte die Drucklegung der Biographie der beiden FAZ-Redakteure bereits im Januar 2011 und konnte somit die aktuelle Entwicklung um die Dissertationsarbeit von zu Guttenberg nicht berücksichtigen, für die Beurteilung und Einordnung der Person zu Guttenberg ist dieses jedoch nicht von Nachteil. Vielmehr stellt die seit einigen Tagen vorliegende Guttenberg-Biographie von Eckart Lohse und Markus Wehner eine sachliche und inhaltliche Bereicherung in der nach wie vor aufgeheizten Stimmung zur Plagiats-Affäre um den ehemaligen Verteidigungsminister dar.
Es mag sogar von Vorteil sein, dass die jüngsten Vorgänge in ihr keine Aufnahme finden konnten, denn dadurch konzentriert sich der Fokus auf die Person des Protagonisten und seiner bisherigen Leistungen in seiner späteren politischen Karriere. Im Gegensatz zur jüngst veröffentlichten Biographie von Anna von Bayern hebt sich die vorliegende Biographie durch ihre sachlich-kritische Bewertung von Karl-Theodor zu Guttenberg wohltuend von der üblichen Hofberichterstattung ab. Sie beleuchtet zunächst den familiären Hintergrund von Herrn zu Guttenberg und nimmt den Leser mit zu einer tour d'horizon der Verflechtungen des Hauses zu Guttenberg mit anderen Linien des süddeutschen Adels. Die Verfasser zeigen hierbei eine ganze Reihe von Zusammenhängen auf und geben dem Leser dabei einen Eindruck vom Werteverständnis des deutschen Adels. Man begreift, dass aus diesem Selbstverständnis heraus eine wesentliche Antriebskraft für den Widerstand katholisch geprägter, national-konservativer Offiziere gegen die national-sozialistische Herrschaft resultieren musste.
So erfährt man, dass die Familien Guttenberg und Stauffenberg nicht nur ideell durch den Widerstand gegen Hitler miteinander verbunden waren, sondern dass ihre Beziehung qua Heirat bereits weit vor der Zeit des National-Sozialismus zurückreichte, wurde, wie in anderen Teilen des bayerischen Adels Usus, schließlich 'standesgemäß' geheiratet. Daß solche 'Arrangements' nicht immer glücklich verlaufen, zeigt sich am Beispiel der Eltern von Karl-Theodor zu Guttenberg. Man erfährt Aufschlussreiches über die Jugend Karl-Theodors, seiner Einstellung zum Lernen per se, seiner Affinität zu Latein und Alt-Griechisch und seinen Qualitäten in Rethorik und gerade auch im 'persönlichen Marketing'. Der junge KT ist geprägt durch ein gesellschaftliches und familiäres Ambiente, in dem Standesbewusstsein und die moralische Handlungsverpflichtung gegenüber der Gesellschaft als tragende Säulen, als inhärente Verpflichtung 'des Standes' gelten. Die Autoren arbeiten dies im ersten Teil des Buches sehr gut heraus und geben über Quellennachweise, die als relativ umfassend bezeichnet werden können, dem Leser die Möglichkeit, sich hier näher zu vertiefen.
Wie glaubwürdig und berechenbar muß ein Karl-Theodor zu Guttenberg gelten? Anschaulich beschreiben die Autoren hierzu im zweiten Teil des Buches, daß sich bereits in der Opel-Krise die Grenzen der intellektuellen Leistungsfähigkeit einer sprunghaften und unkalkulierbaren Person abzeichneten. Ein Bild, das sich später im Fall 'Quelle', in der 'Kunduz-Affäre', der Vorgänge um die Gorch Fock und letztendlich in der Plagiatsaffäre bestätigte.
Den Autoren ist es gelungen, das Phänomen 'zu Guttenberg', die zuweilen penetrante Markenpflege von 'KT' durch Teile der Medien und die Rolle, die beide Ehepartner in der gezielten Hintergrundregie dabei wechselseitig spielen, ohne hämischen Unterton verständlich und plausibel aufzuzeigen. Lohse und Wehner haben dabei auf eine Vielzahl von Quellen und Beobachtungen zurückgegriffen. Dadurch bleibt das Buch nicht an der Oberfläche, sondern läßt Erklärungslinien hervortreten, die für den Leser das jüngste Verhalten von Herrn zu Guttenberg plausibel erscheinen lassen. Bei aller Jovialität im Umgang mit dem gesellschaftlichen Mainstream definiert zu Guttenberg aus seinem Standesverständnis heraus und in der faktischen wirtschaftlichen Unabhängigkeit die für ihn geltenden moralischen Maßstäbe durchaus aus einem anderen Paradigma, als dies für die bürgerliche Mehrheit in unserer Gesellschaft gilt.
Die Autoren konzidieren dabei, daß zu Guttenberg sich sowohl von der Haute-Volée der Neureichen-Schickeria als auch von der inzwischen stark angewachsenen Masse der Polit-Apparatschicks durch Charme, Eleganz und Weltläufigkeit abhebt. Treffend beschreiben sie dieses Phänomen, das sich als 'Volksadel mit Glamour-Faktor' auf einen kurzen Nenner bringen läßt und sich in mehreren, zuweilen grotesk-komischen, Bilddokumenten visualisieren läßt.

Leicht getrübt wird der durchweg positive Eindruck dieses keineswegs tendenziösen Buches lediglich an der einen und anderen Stelle, wo sich die Autoren von den tradierten Klischees zu der einen und anderen Persönlichkeit leiten ließen. So wird ein Seitenhieb auf die vermeintlich ambivalente Einstellung von Claus Schenk Graf von Stauffenberg gegenüber der Demokratie von Weimar unternommen, die er mit den Guttenberg-Brüdern Georg Enoch und Karl Ludwig teilte. An anderer Stelle ' man beleuchtet das verwandtschaftliche Verhältnis zwischen Karl-Theodors Mutter und ihrem zweiten Ehemann, Adolf von Ribbentrop, - wird man mit der gängigen Charakterisierung des durchaus zwiespältigen Außenministers des Dritten Reiches Joachim von Ribbentrop in keiner Weise gerecht. Doch mit Ausnahme dieser Arabesken folgt das Buch einer überaus sachlichen Betrachtungsweise der Person des Protagonisten und seines näheren Umfeldes.
Am Ende der Lektüre legt man das Buch mit der Einschätzung aus der Hand, daß es in fachlicher Hinsicht und angesichts des gesellschaftlichen Anspruchsniveaus an ministeriell Verantwortliche zu begrüßen ist, von einem Karl-Theodor zu Guttenberg nunmehr entlastet zu sein. Auch ohne Plagiats-Affäre wäre dieser politisch schillernden Persönlichkeit keine allzu lange Zukunft als Minister beschert gewesen, da er angesichts der gelebten Unabhängigkeit und der fehlenden fachlichen Bodenhaftung nicht die Grenzen seiner Handlungsmöglichkeiten abzuschätzen vermochte. Das Buch leistet einen Beitrag, einen Menschen verständlicher zu machen, für den Politik Spaß macht, der sich durchaus leidenschaftlich für die Vermittlung 'politischer Botschaften' engagiert, es jedoch nicht vermochte, den 'Elchtest' der harten und zuweilen detailreichen politischen Sacharbeit zu bestehen. Zu Guttenberg ist ein Markenträger seiner selbst, ein Meister der Selbstinszenierung, ein politischer Luftikus, werteorientiert und einem Moralkodex verhaftet, der sich zu dem einer wesentlich konziser und konsequenter definierenden bürgerlichen Gesellschaft in fast prosaischer Weise abhebt. Eckart Lohse und Markus Wehner haben mit ihrer sorgfältig recherchierten Arbeit auf 385 Seiten und einem dezidierten Quellennachweis die Biographie eines ungewöhnlichen deutschen Nachwuchspolitikers erstellt, bei der, angesichts der aktuellen Entwicklung, am Ende wesentliche Fragen unbeantwortet bleiben. Aber das schmälert ihren Wert in keiner Weise. Der fast irrationale Hype um die Figur zu Guttenberg ist nicht nur Ausdruck des gestörten Wahrnehmungsempfindens einer zunehmend manipulierbareren Gesellschaft gegenüber vermeintlichen Hoffnungsträgern, sondern verdeutlicht auch die Armut an Originalität und intellektuellem Reichtum, die Politik in der Vergangenheit immer wieder ausmachte.
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86 von 103 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Warum man diese Biographie lesen sollte, 3. März 2011
Von 
Falk Müller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Guttenberg: Biographie (Gebundene Ausgabe)
Die Diskussion um seine Doktorarbeit und den Rücktritt hat sich inzwischen so verselbstständigt, dass es schwer ist, den Menschen Guttenberg dahinter noch zu sehen, ihn kritisch, aber fair zu beurteilen. Genau das aber macht das Buch. Die Autoren schürfen tief in der Ahnengeschichte derer zu Guttenberg, sie recherchieren die Familienverhältnissse, zeichnen seine atemberaubende politische Karriere nach und vor allem beleuchten sie Guttenbergs Medienwirksamkeit.

Die Kunst des gewinnenden Auftritts erlernt er früh. Als 13-jähriger hält Guttenberg seine ersten öffentlichen Reden - auf Beerdigungen und Feuerwehrfesten. Bezeichnendes Zitat seines Vaters: "Ein Guttenberg schafft es, ein Bierzelt zum Schweigen zu bringen. Es geht nicht darum, was die Leute hören wollen, sondern wie". Karl-Theodor habe das gleich beherrscht.

Interessant auch seine Lebensstation Wehrdienst. Statt für den für Abiturienten üblichen Offizierslehrgang entscheidet er sich für den Unteroffizierslehrgang, der eigentlich für Haupt- und Realschüler gedacht ist. Guttenberg hat sich also schon früh mit denen zusammengetan, die eigentlich weit unter ihm stehen. Hier kündigt sich schon der spätere Verteidigungsminister an, der mit den einfachen Soldaten "auf Du und Du" steht, und gerade bei einfacheren Menschen so beliebt ist.

Sehr schön arbeiten die Autoren Guttenbergs zwiespältiges Verhältnis zu Bildung und Wissenschaft heraus. Hier spielt seine adlige Herkunft eine wichtige Rolle. Sie schreiben dazu: Für den Adel hat Bildung nie die Rolle gespielt, wie für das Bürgertum. Für den Adel sind eher andere Tugenden wichtiger: Charakter, Auftreten und Moral. Und das gilt auch für Guttenberg selbst. Obwohl er kein schlechter Schüler war, ist seine akademische Laufbahn eher zäh. Auf Seite 122 findet sich ein Hinweis auf seine inzwischen "berühmte" Doktorarbeit. Zitat: '''Doch auch später wird sich Guttenberg mit dem Abfassen seiner Doktorarbeit schwertun". Wie schwer, wissen wir ja jetzt...

Gibt es Hinweise im Buch, dass Guttenberg schon früher - na sagen wir die Wahrheit so ausgelegt hat, wie er sie gern hätte? Ja die gibt es. Ein Beispiel.Auf seiner Webseite steht der Eintrag "Freier Jornalist" bei der Zeitung "Die Welt" bis 2002. Das klingt nach jahrelanger freier Mitarbeit. Tatsächlich handelte es sich um ein Praktikum im Jahre 2001. 8 Artikel verteilt auf 6 Monate verzeichnet das dortige Archiv unter seiner Autorenschaft - 4 davon zusammen mit anderen Autoren geschrieben. Eine vergleichsweise magere Ausbeute für einen "Freien Journalisten".

Seine politische Karriere ist im Buch mit der Überschrift "Aufstieg" überschrieben. Das Wort sagt schon viel. Die Autoren zählen im Buch die Zutaten auf, die für eine politische Karriere notwendig sind und die Guttenberg in besonderen Maße verkörpert: einen bekannten Namen, die Fähigkeit zu begeistern und der Instinkt für die entscheidende, reifgewordene Situation. Ein Beispiel ist hier die Erlangung des Bundestagsmandats nach gerade 3 Jahren Mitgliedschaft in der CSU: Er merkt, dass der eigentlich vorgesehene CSU-Kanditat durch eine Steueraffäre angeschlagen ist und holt sich dessen Wahlkreis handstreichartig, indem er die Mehrzahl der Mitglieder auf seine Seite zieht.

Fazit: Lohse und Wehner ist eigentlich genau das passiert, war Autoren, die eine Biographie über eine noch lebende Person herausbringen am meisten fürchten: dass sie schon bei Erscheinen nicht mehr aktuell ist. Aber das ist vielleicht gerade die Stärke des Buches: den Menschen Karl-Theodor Guttenberg zu betrachten unabhängig von der derzeit laufenden hitzigen Diskussion - mit all seinen Schwächen aber auch Stärken. Und damit ist das Buch ein wichtiger Beitrag zur Versachlichung der aktuellen Debatte, auch wenn es die Autoren in dieser Form nicht unbedingt so beabsichtigt hatten.
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22 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mission not accomplished - Aufstieg und Fall eines deutschen Polit-Superstars, 18. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Guttenberg: Biographie (Gebundene Ausgabe)
Zwei FAZ-Redakteure beschreiben in diesem Werk Leben und Karriere des Polit-Shootingstars und Medien-Phänomens Karl-Theodor zu Guttenberg, teils kommentierend und analysierend. Dem Buch liegen intensive Recherchen zugrunde, es ist sehr gut lesbar und interessant aufbereitet. In der 2. Auflage ist ein Vorwort namens "Abgeschrieben" hinzugefügt, das die Affäre um die "Gorch Fock" wie auch die des "Plagiators" aufgreift. Die Plagiatsaffäre wurde dem Polit-Star zum Verhängnis, der immer wieder lauthals die Tugenden "Prinzipienfestigkeit", "Grundsatztreue" wie auch "Klarheit" und "Wahrheit" als Richtschnur seines Handelns betonte.
Durch dieses Vorwort ist die 2. Auflage nun ausgewogen und aktualisiert.

Beim ersten Durchblättern des Werkes fallen die Farbfotos auf, die in der Mitte zusammengewürfelt sind. Sie überbringen den Eindruck geschniegelten Glamours "der Guttenbergs" wie auch gekonnter Inszenierung der Medien.
Doch das Farbfoto, das ihn in "Top Gun-Manier" im Kampfjet-Piloten-Outfit zeigt, erinnert eben auch fatal an das "Mission Accomplished"-Foto des George W. Bush mit all seiner Wirkungsgeschichte.
In der zugehörigen Bildunterschrift wird "KT" wohl wegen seines kometenhaften Aufstiegs aber auch seiner Selbstinszenierung treffend und vielleicht auch etwas spöttisch als "Karl-Theodor zu Cruise" betitelt - nach dem Schauspieler Tom Cruise. Doch der führt seine "Mission impossible" jeweils als strahlender Superheld zu Ende und es wartet hierbei stets ein nächster glanzvoller Auftrag auf ihn...

Natürlich fehlen in dem Werk die Wurzeln des uralten Adelsgeschlechts nicht, das seit 1315 in Schloss Guttenberg des gleichnamigen Ortes in Oberfranken seinen Sitz hat. Schon der Großvater war CSU-Politiker gewesen, dessen Vornamen "unserem KT" - neben vielen und Vielem anderen - mit in die Wiege gelegt wurden. Auch die darauf folgende Generation, die Elterngeneration des Hauses, erfährt ihre würdigende Darstellung. Der "junge Guttenberg", der wie sein Bruder die Trennung der Eltern verkraften musste, der Frösche jagte, fischen ging, Klavier üben musste und ministrierte, sowie - ein Omen? - durch "Umtriebigkeit" auffiel und danach für ein Dreivierteljahr eine Eliteschule besuchte, er wird ebenso geschildert wie seine Zeit bei den Gebirgsjägern und seine Studienjahre. Es wird deutlich, dass "KT" den Weg zum Volljuristen nicht konsequent zu Ende beschritt und das zweite Staatsexamen nicht abolvierte. Das unkritisch übernommene Wort "Prädikatsexamen", das auch in Guttenbergs Homepage auftaucht, ist in der 2. Auflage allerdings noch nicht getilgt, während eine andere Legende, die biographische Lücken überdeckt, von den Autoren aufgedeckt wird - die scheinbar erwähnenswerte Tätigkeit als "freier Journalist", in diesem Genre kennen sich die Autoren gut aus.

Nach diesem Werdegang zeigen die Verfasser in allen Details auf, welche Sprungbretter von "KT" auf welche Weise genutzt wurden, mittels derer der Überflieger "sich" zum Medien-Star und in einer Blitz-Karriere zum Minister "empor schnellte", unter dem akklamierenden Jubel nicht nur von CSU und CDU als Booster. Selbstbewusst, reich, jung, gut aussehend, männlich, sportlich, energiegeladen, "der andere Politiker": Das sind die ihm zugeschriebenen Attribute, die in dem Buch herausgearbeitet und teils hinterfragt werden. Genüsslich analysieren die Autoren die inszenierten Bilder und das wohlüberlegt und fein ziseliert aufgebautes Image "eines Märchenprinzen, auf den die Deutschen gewartet haben", noch dazu garniert mit einer "attraktiven Prinzessin". Sie entdecken Eigenschaften, die zum tiefen Fall beitrugen. Auf der anderen Seite erkennen sie aber auch die Begabungen an, die zur Karriere des damals jüngsten Wirtschaftsministers Deutschlands und mehr noch als Verteidigungsminister mit der "Lieblingsbühne Afghanistan" beitrugen.

Insgesamt eine ausgewogene, lebendig geschriebene und nicht ermüdende Darstellung, die in erhellenden Streiflichtern die Schwächen und die Stärken Karl-Theodor zu Guttenbergs ausleuchtet!

Eckart Lohse & Markus Wehner: Guttenberg Biographie. München (Droemer Verlag) 2011. 432 Seiten, zahlreiche Farb- und SW-Fotos, gebunden, ISBN 3-426-27554-6
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zum Glück vor dem Absturz erschienen, 11. März 2011
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Guttenberg: Biographie (Gebundene Ausgabe)
Als die beiden Redakteure der FAZ dieses Buch schrieben, konnten sie noch nicht wissen, wie sehr sie mit ihren kritischen Anmerkungen zum Selbstdarstellungstrieb des politischen Shooting-Stars ins Schwarze trafen. Aber angesichts des Gejammers über Herrn zu Guttenbergs tiefen Fall, ist es nur gut, dass dieses Buch bereits vor der Plagiats-Affäre erschien. Denn das macht es Guttenbergs Anhängern sehr viel schwieriger, diese Biographie als journalistische Abrechnung mit einer Lichtgestalt der deutschen Politik zu bezeichnen. Die Geschehnisse, welche zum Rücktritt des Verteidigungsministers führten werden in einem Vorwort zur zweiten Auflage nachgetragen. Und dass diese 16 Seiten mit römischen Ziffern nummeriert sind, hat nichts mit Guttenbergs Liebe zur Antike zu tun, sondern erleichterte einfach die Produktion.

Eine Biographie im strengen Sinn ist das Werk von Eckart Lohse und Markus Wehner eigentlich nur im ersten Teil. Denn um sich dem Phänomen Guttenberg zu nähern, mussten sich die Autoren zwangsläufig auch zur Rolle der Medien äußern und in die Niederungen der politischen Machtspiele hinabsteigen. Und um ihren Lesern beim Verständnis zu helfen, warum ein junger Quereinsteiger in so kurzer Zeit zum populärsten Minister wird, sind auch Ausflüge in die schillernde Welt des Adels notwendig.
Was sie dabei entdeckten, hat nicht zuletzt deshalb hohen Unterhaltungswert, weil viele Funde ungewollt komisch wirken. Immerhin war die Mutter von Karl-Theodor zu Guttenberg nach der Scheidung von Enoch zu Guttenberg nicht mehr erpicht, mit "Christiane Gräfin und Edle Herrin von und zu Eltz genannt Faust von Stromberg" angesprochen zu werden.

Da ich die Meinung vieler Neurowissenschaftler teile, dass Geschichten der frühen Kindheit, der Pubertät und von Ersterlebnisse besonders prägend sind, suche ich in jeder Biographie nach solchen Berichten. Weniger um menschliche Verhaltensweisen moralisch zu beurteilen, sondern um ihr Zustandekommen besser zu verstehen. Herr zu Guttenbergs Hang und Begabung zur Selbstinszenierung findet Parallelen im adligen Umfeld, das ihm das Schicksal bescherte. Und dass diese Gesellschaftsschicht etwas leichter der Doppelmoral verfällt, wird durch die Lektüre wenig überraschend bestätigt. Doch von Sippenhaftung halten die beiden FAZ-Redakteure wenig. Das zeigt sich vor allem in den Passagen, die vom Widerstand gegen den Nationalsozialismus handeln. Ohne die von Stauffenbergs und von Moltkes zu verklären, beschreiben die Autoren, welche Überzeugungen und Lebensgeschichten es braucht, um für die Verteidigung wichtiger Werte sogar das eigene Leben zu riskieren. Aber es wird auch klar, wie schnell Biographien und Familiengeschichten umgeschrieben werden, sobald der Wind aus einer anderen Richtung dreht.

Neutral kann selbstverständlich keine Biographie sein. Aber man kann zumindest versuchen, beim Opfer-Täter-Spiel am Seitenrand zu stehen. Dass genau dies den beiden Autoren weitgehend gelungen ist, halte ich für eine der wichtigsten Qualitäten dieses Buches. Ziemlich nüchtern halten sie fest, welche Faszination Macht ausübt und wie sie auf Menschen mit verschiedenen Charaktereigenschaften wirkt. Und dass wir Menschen unser Schicksal nicht immer selber bestimmen können, sondern auch vom Zufall und vom Glück abhängig sind, wird den Lesern dieser Biographie spätestens dann bewusst, wenn auch von anderen Politikern die Rede ist, von denen Joschka Fischer nur einer unter vielen ist. Wer dem Glück allerdings zu sehr nachhelfen will, geht im Internetzeitalter mehr Risiken ein als früher. Auch das ist eine Lektion, die uns diese Biographie erteilt.

Mein Fazit: Wer mit der Macht liebäugelt, tut gut daran, auch ungeschriebene Regeln zu beachten und bei Selbstinszenierungen das Publikum nicht aus den Augen zu verlieren. Da die beiden Autoren primär am phänomenalen Aufstieg von Karl-Theodor zu Guttenberg interessiert waren, ist ihr Buch weit mehr als die Biographie eines Politikers, der die Massen bewegt. Sie geben auch spannende Einblicke in menschliche Sehnsüchte, kleine und große Familiendramen, Betriebsabläufe der Massenmedien, Machtspiele im scheinbaren Dienste der Allgemeinheit und in den ganz normalen politischen Alltag. Gut recherchiert und größtenteils frei von persönlichen Moralvorstellungen. Ach ja, natürlich wird auch den Auftritten Stephanie zu Guttenberg genügend Aufmerksamkeit geschenkt.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Relativ weit gekommen, 9. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Guttenberg: Biographie (Gebundene Ausgabe)
Vor wenigen Wochen kündigte der so unrühmlich aus der Politik ausgestiegene Karl-Theodor zu Guttenberg an, er werde Deutschland für eine bestimmte Zeit verlassen. Landauf, landab war das Radio- und Fernsehstationen Sendezeit wert, Zeitungen meldeten die Nachricht auf Seite 1, einige machten sogar den Aufmacher daraus. Das Phänomen Guttenberg interessiert, ja fasziniert also noch immer. Warum bloß?

Wer das Buch von Eckart Lohse und Markus Wehner gelesen hat, der dürfte rasch vom "KT-Fieber" geheilt sein. Bekanntlich ist das Buch unmittelbar vor der Affäre "Doktorarbeit" abgeschlossen worden und am Tag des Rücktritts erschienen. Für die Autoren ist das aus mehreren Gründen tragisch. Denn das Buch ist entlarvend, es wäre für Guttenberg brenzlig geworden. So liefert das Buch "nur" nachträglich Erklärungsmuster, warum auch dieser "Ikarus" abstürzen musste.

In fünf Kapiteln beschreiben die Autoren den Lebensweg Guttenbergs, von den Ahnen bis zu seiner Zeit als "Kriegsminister". Einen eigenen Abschnitt ist seiner Frau Stephanie gewidmet. Das, was Lohse und Wehner die "Methode Guttenberg" nennen, zeigt sich schon, als der junge Baron 2002 erfolgreich die Kandidatur für die Bundestagswahl anstrebt: bekannter Name, Fähigkeit zu begeistern, Instinkt und Kaltblütigkeit, Situationen für sich auszunutzen (siehe Seite 153). Und so geht es weiter: Bezirksvorsitz der CSU in Oberfranken, CSU-Generalsekretär, Wirtschafts- und schließlich Verteidigungsminister. Triebfeder? "Er will populär sein. Solange es geht." (203) Und so inszeniert er sich als "Anti-Politiker", der Dinge beim Namen nennt, zumindest sprachlich Klarheit schafft, wo andere beschönigen, verschleiern, ausweichen. Das war so bei Opel, das war so bei Afghanistan, wo er den Krieg auch Krieg nannte und die toten Soldaten Gefallene. Zur "Anti-Politiker"-Dramaturgie gehört auch das Kokettieren mit dem Rücktritt "aus Prinzip" (der tatsächliche hatte damit dann so gar nichts mehr gemein).

Ein Spitzenpolitiker braucht Spürsinn, Talent zur Inszenierung, dramaturgisches Geschick. Keine Frage. Aber eben auch mehr: Kampfgeist, Zähigkeit, Durchhaltevermögen und - das doch vor allem - ein inhaltliches Ziel. Für Lohse und Wehner hat Guttenberg genau das alles nicht. Lohse und Wehner entlarven so manche Schönfärberei im Lebenslauf von "KT": seine Tätigkeit für das Familienunternehmen, seine freie Mitarbeit für die Tageszeitung "Die Welt" und einiges mehr. Dem Minister für Wirtschaft schreiben sie die Attribute "überfordert", "lausig vorbereitet", "fahrig, unsortiert und unsystematisch" ins Stammbuch.

Niemand - auch die Biographen tun das nicht - wird dem CSU-Politiker absprechen, dass er den Krieg in Afghanistan, das, was Bundeswehrsoldaten dort erleben und erleiden, ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt hat. Aber was noch? Für was stand er sonst?

Auf die Spitze treibt Guttenberg seine "Methode" im Zusammenhang mit den Vorgängen in Kundus. Verbündet mit der veröffentlichten Meinung und einer wild zur Verehrung entschlossenen Bevölkerung nutzt er die Situation für sich. Auf der Strecke bleiben sein Vorgänger im Amt des Verteidigungsministers, ein Staatssekretär, ein Generalinspekteur. Wie es dazu kam, schildern Lohse und Wehner in einer packenden und sehr dichten Art, die das Glanzstück des Buches darstellen. Und es sind diese Passagen, die Guttenberg - auch ohne Plagiat - hätten sehr gefährlich werden können. Denn: "Guttenberg hat es mit der Wahrheit nicht so genau genommen." (292)

Was machen Lohse und Wehner aus diesem Befund, aus den an mehreren Stellen im Buch klar herausgearbeiteten Wesenszügen des oberfränkischen Adeligen? Etwas zu wenig. Sie sind am Ende zu zurückhaltend in ihren Wertungen. Sie erklären und analysieren gekonnt, aber am Ende fehlt ihnen - anders als Guttenberg - die Kaltschnäuzigkeit. Zugegeben, dieses Urteil fällt im Rückblick, lange nachdem der Held gestolpert und gestürzt ist. Lohse und Wehner hatten zu werten in einer Phase der allgemeinen Besoffenheit über einen Polit-Star, dem selbst "Hamburger Magazine" gehuldigt haben.

Vielleicht war den Autoren auch selbst nicht so ganz geheuer, was sie da zutage gefördert hatten. Angst vor der eigenen Courage? Dabei hätten sie doch nur einmal einen Blick auf das werfen brauchen, was sie recherchiert und auf den Seiten 120 bis 122 festgehalten haben: die Unterschiede zwischen Adel und Bürgertum, wie Guttenberg sie verstand und praktizierte, die "regelrechte Verachtung für Bildung", statt dessen "Charakter, Auftreten, Moral, auch Opferbereitschaft". Was heisst das, wenn Guttenberg hieraus offensichtlich einen Gegensatz konstruiert? Befähigen Selbstbewusstsein und Herkunft und die Eigenschaft, "mit relativ geringem Aufwand realtiv weit zu kommen" (O-Ton KT laut Seite 120f.) für öffentliche Ämter, für das Kanzleramt gar?

Die Autoren zitieren Vater Enoch zu Guttenberg, der seinem Sohn Karl-Theodor oft gesagt haben soll: "Du bist auf dem Sonnendeck der Titanic geboren." (so auf S. 120) Der Titanic! Im Rückblick eine wahrlich prophetische Aussage.
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4.0 von 5 Sternen Guttenberg Biographie, 21. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Guttenberg: Biographie (Gebundene Ausgabe)
....ich hatte das Buch mit nach Peru genommen, da ich mich dort einige Wochen aufhielt; und es war eine spannende Lektüre. Sehr unterhaltsam.
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10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf den Spuren eines Phänomens, 5. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Guttenberg: Biographie (Gebundene Ausgabe)
Es stimmt zwar, dass diese Biografie von den Ereignissen überholt und damit zum Zeitpunkt ihres Erscheinens schon nicht mehr aktuell war. Das macht sie aber nicht weniger lesenswert. Wer das Phänomen KTG begreifen will, hat mit diesem Buch eine ebenso präzise recherchierte wie unterhaltsame Hilfe. Zumal die Autoren alles andere als eine Hofberichterstattung machen, sondern klug-distanziert den Menschen und Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg beschreiben. Man erfährt, mit welch großer Energie er sich schon zu Beginn seiner Ministerkarriere in Szene setzte, aber auch, was ihn zu einem außergewöhnlichen Polittalent macht. Fast prophetisch klingt es, wenn die Autoren schreiben, dass große politische Karrieren durch Niederlagen und Wiederaufstiege geprägt sind und dass diese Entwicklung ihre eigentliche Basis ausmacht. Zu Guttenbergs Basis hingegen, gründe sich bislang vor allem auf seiner hohen Beliebtheit in der Bevölkerung und sei damit alles andere als solide. Durch solche Beobachtungen wird das Buch zu mehr als einer bloßen Biografie, sondern auch zu einer interessanten Analyse politischer Mechanismen.
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7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glück, Machtinstinkt, Ausstrahlung, 20. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Guttenberg: Biographie (Gebundene Ausgabe)
Das ist das Erfolgrezept von Guttenberg. Das Buch wurde zum Glück vor dem Doktorarbeits-Skandal geschrieben und erhält damit eine ordentliche Portion Glaubwürdigkeit, die ihm sonst sicher abgesprochen worden wäre.

Der erste Teil ist recht mühselig zu lesen und erinnert einen etwas an das 1. Buch Moses "und XYZ zeugte DEF"... Dennoch gewährt es interessante Einblicke in den deutschen Adel und dessen Verwandschaftsverhältnisse.

Danach kommt es zur politischen Karriere von Guttenberg samt Frau, und hier wird es wirklich interessant, zeigt es doch auf das deutlichste, warum Guttenberg zum dem beliebten Politstar wurde. Vor allem zeigt es aber, was er nie wurde: ein fähiger Politiker. Immer wieder tauchen die Punkte: "schlecht vorbereitet", "intellektuell nicht durchdrungen", "bequem", usw. auf, mit Detailfragen beschäftigt sich Guttenberg nicht, intensives Einarbeiten in Themen ist nicht seine Stärke, er erkennt viel mehr schnell, welche Meinung beim Wahlvolk vorherrscht und macht sich sie zu Eigen.

Ich kann das Buch nur jedem empfehlen!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kritisch - zeig taktisches Geschick - zeig einen deutschen Politstar!, 4. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Guttenberg: Biographie (Gebundene Ausgabe)
Die Autoren sind mit Ihren Ausfühungen und Recherchen sehr gründlich. Krisch betrachen Sie zu Guttenbergs Werdegang. Dabei fällt die ein oder andere Bemerkung die contra-Guttenberg eingestellte Leser überaschen wird. Alles in allem ist diese buch eine Biographie über KT und seine Familiengeschichte.
Der Schreibstil der Autoren ist frisch und lässt sich gut lesen. Seite um Seite kann man sagen blättert man und auf einmal ist die Biographie ausgelesen. Jedoch nicht beendet - denn von Karl-Theodor zu Guttenberg wird man auch in Zukunft das ein oder andere hören!
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7 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auf dem Sonnendeck der Titanic ....., 12. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Guttenberg: Biographie (Gebundene Ausgabe)
Die Autoren Eckart Lohse und Markus Wehner, beide promovierte Historiker, sind Politik-Redakteure bei der FAZ, und haben Guttenberg in den vergangenen beiden Jahren intensiv beobachtet. Zudem schürfen sie tief in der Ahnengeschichte des Reichsrittergeschlechts derer zu Guttenberg, sie recherchierten seine Familienverhältnisse, beleuchten die Frau des CSU-Politikers, und sie ergründen Guttenbergs Medienwirksamkeit. Vor allen Dingen entschlüsseln sie Guttenbergs Erfolgsrezept als beispiellose "Souveränitäts-Show".Die Kunst des gewinnenden Auftritts wurde ihm früh beigebracht. Karl-Theodor scheint das Talent von seinem gleichnamigen Großvater, einem Bundespolitiker, und seinem Vater Enoch vererbt zu sein. Vom Vater, dem Dirigenten und Apokalyptiker, stammt das Zitat, Karl-Theodor sei "auf dem Sonnendeck der Titanic geboren". Als 13-Jähriger hält Guttenberg seine ersten öffentlichen Reden. Auf Feuerwehrfesten und Beerdigungen zwar nur, aber immerhin. Es gehe, trichtert ihm der Vater ein, "nicht darum, was die Leute hören wollen, sondern wie". Karl-Theodor habe das gleich beherrscht!

Sehr aufschlussreich sind die Studien über Guttenberg als Wirtschaftsminister - ein lustiges Kapitel seiner Karriere, denn wenn man den Autoren glauben darf, hatte Guttenberg denkbar wenig Ahnung von seinem Metier. Seine Referenz, im eigenen Familienbetrieb Erfahrung gesammelt zu haben, erweist sich als ... naja ..! Das Familienvermögen verwaltet heute der jüngere Bruder - damit erübrigt sich die deutsche Erbschaftssteuer - in einer österreichischen Stiftung. Renommierte Unionspolitiker raufen sich in dem Kapitel die Haare ob der mit Naivität gepaarten Chuzpe des aufstrebenden Einzelgängers, der schnell die Beliebtheitsrankings dominiert.

Alles in allem liest sich diese famos recherchierte, gut geschriebene Biographie wie die Vorlage für ein Filmdrehbuch von Til Schweiger (auch er ist übrigens ein Liebling der Bild-Zeitung). Der Plot: Ein Strahlemann düpiert seine Antipoden, Altvordere aus der eigenen Partei, verbissene Oppositionspolitiker und verknöcherte Generäle mit seinem Charme. Er hatte alles, was ein Held braucht: Charisma, Stammbaum, Reichtum, eine schöne Frau und ein großes Amt. Der Verteidigungsminister war beliebter als Angela Merkel, viele sahen in ihm schon ihren Nachfolger ... Gleichgültig wo man selbst politisch sich einordnet oder was man von Guttenberg als Person, Politiker oder ebend auch als "Plagiator" hält, ich denke, in dieser Biografie kann man sehr gut erkennen, wie die Demokratie unseren Landes und vorallem die Mediengesellschaft funktioniert.
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Guttenberg: Biographie
Guttenberg: Biographie von Markus Wehner (Gebundene Ausgabe - 1. März 2011)
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