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TOP 500 REZENSENTam 26. August 2013
Dieses Buch ist sehr speziell. Man hat zunächst den Eindruck, eine nette Familiengeschichte zu lesen.
Im Winter 1910 wird Ursula Todd geboren. Die Geburt ist schwierig. Leider überlebt sie nicht. Diese Szene lesen wir dann mehrfach in Varianten. In einer davon kommt der Arzt rechtzeitig, und Ursula kann leben.

Man verfolgt Ursulas Leben weiter, lernt ihre recht skurile Familie kennen, und durchlebt mit ihr ihre Jugendzeit als Tochter reicher Eltern in England. Ursula ist sehr nachdenklich. Manchmal hat sie seltsame Deja-Vues und das Gefühl von Gefahr. Trotzdem passiert gelegentlich ein Unglück, dass leider ihren Tod zur Folge hat, und schon bekommen wir eine andere Variante der Geschehnisse zu lesen. Sie erlebt den ersten und den zweiten Weltkrieg, was auch nicht einfach ist.

So erfährt man in Vor- und Rückblenden, wie Ursulas Leben verlaufen könnte, wenn sie an entscheidender Stelle anders handelt. Kleine Begebenheiten können katastrophale Konsequenzen haben. Besonders in Kriegszeiten ist das relevant. Man kommt deutlich ins Grübeln: Was wäre wenn. Ja, und was wäre, wenn Hitler 1930 erschossen worden wäre? Wie würde die Welt heute aussehen, hätte der zweite Weltkrieg nicht stattgefunden?

Die Geschichte wird aus Ursulas nachdenklicher und origineller Sicht erzählt und liest sich höchst unterhaltsam, auch wenn zwischendurch Furchtbares passiert. Neben manch interessantem Gedankenexperiment, bekommt man auch einen intensiven Eindruck vom Leben zu jener Zeit, was dieses Buch besonders für Freunde historischer Romane lesenswert macht.

Ein besonderes und mitreißendes Buch, unterhaltsam und bestürzend gleichzeitig. Absolute Leseempfehlung.
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TOP 1000 REZENSENTam 8. September 2013
"Die Unvollendete" von Kate Atkinson ist ein Roman mit einer interessanten Idee: Was wäre, wenn man sein Leben immer wieder leben könnte? Wenn man jede Entscheidung im nächsten Versuch zurücknehmen könnte, wenn man jedes Mal eine Kleinigkeit verändern könnte? Wäre das Leben irgendwann perfekt?

11. Februar 1910. Ursula Todd wird als drittes Kind einer wohlhabenden englischen Familie geboren. Vor ihr liegen jedoch nicht nur eine behütete Kindheit und unendlich viele Möglichkeiten, sondern auch zwei Weltkriege. Welchen Weg soll sie einschlagen? Studieren oder nicht? Heiraten oder nicht? Für Ursula ist keine Entscheidung endgültig, denn sie wird ihr Leben immer wieder von vorn beginnen und die Fehler korrigieren. Doch wie viel kann sie überhaupt beeinflussen? Kann sie glücklich werden und ihre Familie vor jedem Leid bewahren?

"Die Unvollendete" heißt im englischen Original "Life after Life". Beide Titel beschreiben auf verschiedene Weise wunderbar, worum es hier geht: Ursula Todd lebt ein Leben nach dem anderen. Doch es ist nicht der klassische Gedanke der Wiedergeburt, der hier greift, denn Ursula kehrt nicht in neuer Gestalt in einer zukünftigen Zeit zurück, sondern wiederholt ihr eigenes Leben wieder und wieder. Immer geboren in einer verschneiten Februarnacht 1910 in England, als Tochter von Sylvie und ihrem Mann Hugh, mit zwei älteren Geschwistern. Mit jeder Rückkehr bekommt sie eine neue Chance andere Entscheidungen zu treffen und Fehler zu beheben, zunächst eher intuitiv, doch mit jedem Leben wächst die Wahrnehmung für ihre Gabe. Sie verändert ihr Leben mit jeder Wiedergeburt, ist sozusagen "unvollendet", ständig versucht, ihr Leben zu perfektionieren. Manchmal brauchen schon kleine Veränderungen mehrere Versuche - manchmal erfordern sie rabiate Maßnahmen - und manchmal verändert eine einzige Entscheidung das gesamte Leben. Wie weit Ursula diese Perfektionierung treiben kann, ist eine der großen Fragen, welche die Autorin dem Leser durch ihre Geschichte stellt. Ist ein perfektes Leben für Ursula möglich?

"Es wurde dunkel" ist wahrscheinlich der häufigste Satz im ganzen Roman. In der Regel leitet er einen Sprung in die Vergangenheit ein - ein weiteres Leben für Ursula. Was wird sie dieses Mal anders machen, was hat sie schon anders gemacht? Nicht immer begleitet der Leser Ursula von Geburt an, manchmal muss er große Veränderungen nach großen Zeitsprüngen hinnehmen. "Die Unvollendete" ist dadurch kein Buch für ein kurzes, oberflächliches Lesevergnügen. Der Leser braucht seine gesamte Aufmerksamkeit, um Ursulas Entwicklung nicht aus den Augen zu verlieren. Gerade im späteren Mittelteil wird das schwierig. Ursulas Erwachsenenleben wird durch Kleinigkeiten von einem Leben zum Nächsten oft völlig auf den Kopf gestellt. Mal wünscht man ihr das Glück in einem Leben, dann ist man schockiert von den Tragödien und wünscht sich das nächste herbei. Ursulas Leben begleiten die Weltkriege. Den ersten erlebt sie noch recht behütet im Kindesalter, der zweite involviert sie bis zum Äußersten und prägt ihre Leben durch viel Leid, Tod und Traurigkeit.

Nicht immer ist es einfach, sich auf jedes neue Leben einzulassen, die großen Veränderungen lassen die Zahl der Nebenfiguren auch mit der Zeit ein wenig unübersichtlich werden und durch eine gewisse Detailverliebtheit der Autorin bleibt der Roman leider auch nicht ohne Längen. Allerdings lohnt es sich, konzentriert bei der Sache zu bleiben, denn der Facettenreichtum eines einzelnen Lebens, wie ihn sich die Autorin für Ursula erdacht hat, ist spannend und beeindruckend. Und ebenso beeindruckend ist es, wie sich am Ende die Erfahrungen verschiedener Leben verbinden und einen runden Abschluss bilden, der tief berührt. Die große Stärke des Romans ist es tatsächlich um eine einzelne Figur schier unendliche Möglichkeiten zu entwickeln und immer wieder aufs Neue die Frage zu beantworten, wo es Ursula hingeführt hätte, wenn sie einmal eine andere Abzweigung genommen hätte. Was sind ihre Konstanten, was kann sie beeinflussen, wohin führt ihr Charakter sie immer wieder zurück?

Sprachlich ist "Die Unvollendete" durchaus anspruchsvoll, aber wunderbar zu lesen. Es vermittelt einen authentischen Eindruck der Handlungszeit und lebt nicht zuletzt auch von der starken Protagonistin, deren Persönlichkeit sich immer neu entfaltet und daran wächst. Die Autorin hat ein Händchen für die Details, aber auch für den mal subtilen, mal etwas schwarzen Humor. Dennoch war es das ein oder andere Mal ermüdend, Wiederholungen in Ursulas Leben zu lesen oder ihr neuestes Leid mit zu verfolgen. Dennoch ist vor allem das Ende unglaublich stark und entschädigt für jedes Durchhaltevermögen.

Fazit: Der Roman „Die Unvollendete“ setzt die Frage nach dem „Was wäre, wenn?“ großartig um, indem er seine Protagonistin ihr Leben immer wiederholen und korrigieren lässt. Die Autorin präsentiert eine unerwartete Vielfalt an Möglichkeiten für das Leben von Ursula Todd. Einige Längen im Mittelteil wurden nicht vermieden, doch ein ausdrucksstarkes Ende entschädigt. Sehr gute 4 Sterne für diesen Roman mit Tiefgang.
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am 23. August 2013
Die Protagonistin Ursula Todd lebt ihr Leben zwischen ihrer Geburt im Jahr 1910 und ihrer Pensionierung im Jahr 1967 wieder und wieder. Dem Leser werden wichtige Abschnitte in ihrem Leben präsentiert, die durch geringfügig veränderte Weichenstellung unter Beibehaltung wesentlicher Eckpunkte in der sich wiederholenden Darstellung zu einem gänzlich anderen Lebenslauf Ursulas führen. Gemeinsam ist allen Leben, dass Ursula immer bestrebt ist, alles richtig zu machen. Schicksalsschläge und Tragödien in ihrem Umfeld bleiben dennoch nicht aus.

Thematisiert wird durchgängig die Frage "Was wäre, wenn …", die sich vielleicht schon jeder einmal gestellt hat. Um diesen abstrakt klingenden Buchinhalt plastisch zu veranschaulichen, möchte ich einige Textbeispiele nennen: Mehrfach wird derselbe Augusttag nach Ursulas 16. Geburtstag unterschiedlich geschildert - was wäre gewesen, wenn sie hier von dem Freund ihres Bruders vergewaltigt und geschwängert worden wäre oder wenn sie es geschafft hätte, den Freund in seine Schranken zu weisen? Wie verhält es sich mit der Friedensfeier in London im November 1918 - was wäre gewesen, wenn das Hausmädchen der Todds sie besucht, sich dort die spanische Grippe geholt und zu Hause eingeschleppt hätte oder wenn Ursula vorher das Hausmädchen die Treppe hinuntergestoßen hätte, so dass dieses nicht ausgehen konnte? Was ist mit Ursulas Deutschlandbesuch in den 30er Jahren - was wäre gewesen, wenn sie in München die Bekanntschaft der berüchtigten Eva Braun gemacht hätte?

Fazit der Lektüre ist m.E. das im Buch oft zitierte Wort Nietzsches "Amor fati", d.h. man soll das Leben so annehmen, wie es kommt, das Gute und das Schlechte gleichermaßen.

Das zum Nachdenken anregende Buch ist also auf jeden Fall für den philosophisch bewanderten Leser interessant. Aber auch historisch und literarisch Interessierte werden an ihm ihre Freude habe. Erstere, weil beide Weltkriege, insbesondere die Bombardierungen Londons und Berlins, aus der Sicht der Zivilbevölkerung gut aufgearbeitet werden und sogar die Frage angeschnitten wird, was gewesen wäre, wenn Ursula Hitler erschossen hätte. Letztere, weil durchgehend aus den Werken bedeutsamer Schriftsteller der Weltliteratur zitiert wird, z.B. "Was, wenn das jetzt der Welt letzte Nacht wäre" von Donne. Seine Freude an dem Buch findet aber auch jemand, der einfach nur eine Familiensaga lesen möchte. Denn im Mittelpunkt steht die der britischen Oberschicht angehörende Familie Todd mit ihren fünf Kindern und Ursula als dem mittleren. Jedes Mitglied hat seine Marotten, was sprachlich sehr lebendig durch zahlreiche Klammerzusätze zum Ausdruck gebracht wird, die die unterschiedlichen persönlichen Ansichten der Clanmitglieder wiedergeben.

Wie der Website der Autorin zu entnehmen ist, ist dieses Buch für den "Women's Prize for Fiction" 2013 vorgeschlagen. Diesen Preis würde es verdienen. Ich spreche eine uneingeschränkte Leseempfehlung aus
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am 25. Juni 2014
„Die weiche Dunkelheit lockte sie mit dem Versprechen von Schlaf, endlosem Schlaf, und sachte begann der Schnee zu fallen, bis sie ganz davon bedeckt und alles dunkel war.“

So endet das Leben von Ursula Todd. Eines zumindest. Denn jedesmal, wenn sie stirbt, springt die Geschichte zurück, z.B. zum Tag ihrer Geburt. Allein bis sie ihren sechzehnten Geburtstag erlebt, stirbt sie acht Mal um wieder- und wiedergeboren zu werden. Mit der Chance, das Leben anders zu leben und vermeintlich bessere Entscheidungen zu treffen. Doch man darf nicht vergessen, dass auch äußere Umstände und das Verhalten der Mitmenschen eine große Rolle spielen…

Eine großartige Buchidee, ausgezeichnet umgesetzt. Kate Atkinson hat mit Die Unvollendete einen eindringlichen, nachdenklichen, gefühlvollen Roman geschrieben, der sich aber auch nicht scheut, die Grauen und das Elend des zweiten Weltkriegs schonungslos darzustellen, das Ursula so oft hautnah miterlebt.

Die Figur der Ursula ist sehr tiefgründig, sie macht sich Gedanken um das Weltgeschehen, ist außerdem sehr belesen und findet für jede Situation ein entsprechendes Zitat. An ihrem Charakter kann man sehr gut ablesen, dass auch dieser durch Lebensumstände und Mitmenschen geprägt wird, mal ist Ursula eine toughe Frau, in einem anderen Leben völlig eingeschüchtert von ihrem Ehemann. Auch die anderen Protagonisten sind sehr plastisch, mit jedem neuen Leben lernt man auch die Familie und Mitmenschen von Ursula von einer neuen Seite kennen. Das Mutter-Tochter-Verhältnis beispielsweise zeigt alle Facetten von Liebe bis Verachtung und Hass.

Obwohl manche Tage in den verschiedenen Leben von Ursula immer wieder gelebt werden (beispielsweise der Tag ihrer Geburt), ist das keineswegs langweilig; denn jedes Mal wird eine andere Facette des Tages beleuchtet und jedes Mal ist ein Detail anders und man überlegt sich als Leser, welche Auswirkungen einen wohl erwarten werden. Wer ein Buch sucht, um mal schnell ein paar Seiten vor dem Einschlafen zu lesen, für den ist die Unvollendete nicht das Richtige. Um den Überblick über das aktuelle Leben zu behalten, muss man schon aufmerksam lesen, denn sonst geht es einem wie Ursula: „Die Vergangenheit war ein großes Durcheinander in ihrem Kopf“.

Dieses Buch spielt mit der Frage: was wäre wenn? Wenn dieses und jenes anders gelaufen wäre, welche Folgen hätte das? Und man erkennt: manche Zusammenhänge lassen sich nicht vorhersagen; kleine Dinge haben oft Konsequenzen, die man einfach nicht überblicken kann. Und das ist auch gut so.
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am 15. September 2013
In Kate Atkinson Die Unvollendete" geht es um Ursula Todd. Aus unerfindlichen Gründen kann sie ihr Leben immer und immer wieder neu leben und Entscheidungen, die sie getroffen hat, in einem nächsten Leben noch einmal ganz anders treffen...
Vermutlich kennt jeder den Wunsch, erfahren zu wollen, wie das Leben verlaufen wäre, wenn man sich manchmal anders verhalten hätte. Ursula kann genau das. Wir begleiten sie ihr(e) ganze(n) Leben lang und in der Zeit ist sie mir sehr ans Herz gewachsen. Die Idee hinter der Geschichte hat mich unglaublich fasziniert und neugierig gemacht. Vor allem in der ersten Hälfte des Buches gab es öfter diesen Wow"-Effekt, wenn es plötzlich in der Geschichte einen Cut gibt und Ursula sich in einem neuen Leben wiederfindet.
Leider wurden die Kapitel aber ab der zweiten Hälfte des Buches immer länger und dadurch auch sehr langwierig. Die Geschichte hat sich meiner Meinung nach sehr in Einzelheiten und an Spannung verloren. Ich hab sogar immer mal wieder ein paar Seiten vorgeblättert in der Hoffnung, dass bald ein neues Kapitel beginnt und es wieder an Spannung gewinnt.
Was mir ebenfalls vor allem in der zweiten Hälfte des Buches aufgefallen ist, ist dass die Atmosphäre in dem Buch sehr, sehr düster ist. Ursula lebt teilweise während der Zeit des Zweiten Weltkrieges und dementsprechend düster war an diesen Stellen auch die Atmosphäre.
Ansonsten würde ich den Schreibstil als etwas anders" beschreiben. Er kommt einem manchmal etwas wirr vor, aber dadurch auch zu etwas besonderem. Insgesamt ist das Buch irgendwie etwas anders" und manchmal auch seltsam - aber wie gesagt auch ganz besonders und völlig unkonventionell.

Fazit: Trotz einiger eher langwieriger Passagen ist Die Unvollendete" für mich ein Buch, das mich sehr beeindruckt und gefesselt hat. Die Idee hinter der Geschichte ist genial und die Umsetzung bis auf ein paar Mängel auch. Für alle, die die Idee des Buches ebenso faszinierend finden, dramatische und etwas andere" Bücher mögen, ist es absolut lesenswert.
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am 15. September 2013
Ursula ist ein ganz besonderer Mensch. Sie besitzt die Gabe, Situationen immer wieder neu zu erleben und zu verändern. Bei der Geburt stirbt sie. Dann überlebt sie, weil der Arzt doch rechtzeitig kommt. So geht es in ihrem Leben weiter, nach einem Unfalltod bekommt sie die Möglichkeit, dieselbe Situation wieder zu erleben und durch Änderungen zu überleben.

Nach einer schönen aber ungewöhnlichen Kindheit in ländlicher Umgebung in der Nähe Londons beginnt eine spannende Jugend. Man fühlt mit Ursula mit und ist immer wieder überrascht, geschockt, verwundert. Schreckliche Dinge geschehen, enden mit Ursulas Tod und werden im nächsten Kapitel in ganz andere Richtungen geführt.

Mich hat das Thema, ein Leben immer wieder neu zu leben, sehr interessiert. Ich bin aber doch überrascht, wie gut es der Autorin gelungen ist, diese Idee umzusetzen. Der Roman ist sehr spannend aber auch schön und bietet tiefe Einblicke in die Geschichte. Plötzlich findet man sich im Krieg wieder und erlebt die Schrecken dieser Zeit mit.

"Die Unvollendete" ist ein Roman voller Gefühle, der immer wieder überrascht und den man nur ungern wieder aus der Hand legt. Es gibt in jedem Leben Situationen, die man im Nachhinein betrachtet gern ändern möchte. Aber wenn man diese Geschichte liest, ist man vielleicht froh, doch nur ein Leben zu haben.
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am 4. September 2013
Neben Zeitreisegeschichten faszinieren mich Bücher im "Was wäre wenn-Schema" nicht minder. Wenn Zeit und Muße ist, denkt man ja schon an entscheidende Wendepunkte im eigenen Leben zurück und versucht (was fast unmöglich ist), alles aufzudröseln und andere Lebenswege weiterzuspinnen.

In diesem Buch weiß die Protagonistin nicht, dass sie ihre Leben wiederholt. Es gibt natürlich Deja-Vus, die sie wahrnimmt und auch Handlungen, die sie instinktiv anders macht, aber die werden nur eingestreut. Ab dem Alter einer jungen Frau werden komplett verschiedene Lebensentwürfe daraus.

In den ersten zwei Dritteln wiederholt sich vieles, aber immer anders. Die Abschnitte sind kürzer und für mich sehr spannend. Spätestens das letzte Drittel bringt uns den 2. Weltkrieg viel näher, als man sich das manchmal wünschen würde. Detailgetreu und fundiert wird hier der Alltag der Betroffenen geschildert - besonders interessant, da Ursula verschiedenste "Rollen" in verschiedenen Machtgefügen annimmt. Alles ist authentisch, hautnah und macht das Buch für mich zu einem Pageturner, da ich wissen wollte, wie es "diesmal" endet.

Der Schreibstil liest sich gut und flüssig, keine allzu abgehobene Sprache, aber dennoch mit Anspruch. Durch die Wiederholungen wird es auch zu einer Art Familienchronik, dessen Angehörige irgendwann auch lieb gewinnt und auch nach der zehnten "Änderung" wiedererkennt.

Fazit: Trotz der vielen Seiten ein kurzweiliges Buch, das mich zum Nachdenken angeregt und die Zeit des 2. Weltkriegs "anfassbarer" gestaltet hat. Spannend bis zur letzten Seite!
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am 23. September 2013
Wer im Rahmen des Klappentextes davon ausgehen sollte, das hier eine Variante des „Täglich grüßt ein Murmeltier“ vorliegt, der sieht sich nur einem weitesten Sinne im Ansatz bestätigt.

Atkinson nimmt nicht die Grundidee der Zeitschleifenwiederholung eines bestimmten Tages auf. Ebenso wacht ihre „Ursula“ auch nicht zu einem bestimmten Zeit-Zeitpunkt immer wieder am Anfang einer solchen Zeitschleife auf.
Atkinson setzt ihre „Lebens-Wiederholung“ im Buch sehr viel grundsätzlicher an.
Wenn es an der Zeit ist, dann stirbt jene „aus der Art der Familie gefallene“ Ursula und der Leser wird, postwendend, in den „Schnee“ zurückgeschickt, an den Tag der Geburt Ursulas. Wobei bei der ersten „Schleife“ man auch direkt dort verweilt, denn zunächst stirbt Ursula bei ihrer Geburt, erstickt von der Nabelschnur.

Doch auf einer ganz unterschwelligen Ebene lernen die Personen im Haus (nicht nur Ursula). So dass irgendwann unter anderem eine scharfe Schere von der Mutter vor der Niederkunft Ursulas bereit gelegt wurde (ohne dass diese so genau wüsste, warum sie das tut). Oder andere, tödliche Gefahrenquellen, ,von der „Welle“ bis zum „verschneiten Dach“ oder der spanischen Grippe, von weiteren Unfallherden oder gefährlichen Entwicklungen, wie in einem „Deja Vu“ gelingt es Ursula, andere Wege zu finden, nicht nur sich, auch andere Menschen vor einem frühzeitigen Ableben zu bewahren und den Faden der Lebensgeschichte immer wieder eine bis zwei Rollen weiter zu drehen.

Was den Leser zunächst einige Anstrengung kostet, in den mancherlei assoziativ daherkommenden Veränderungen in der Familie, in dem immer wieder „Auf Null stellen“ und sich neu in veränderte Situationen einfinden, den Überblick zu bewahren. Hat man dies Phase jedoch hinter sich gebracht und sich eingelesen, verfolgt man durchaus interessiert die immer wieder sich neu wendenden Entwicklungen Ursulas im England von 1910 bis 1945.

Wobei diese Hauptlinie des Romans in seiner praktischen Umsetzung fast eher wie nebenbei im Hintergrund abläuft, denn in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen, durchaus an John Irving erinnernd, setzt Atkinson vor allem die Familie Todd und deren Ergehen durch diese Zeiten.

Hier spielt sie ihre wahren Stärken aus. Die sorgfältige Zeichnung von ganz eigenen Figuren (von der naiv wirkenden, durchaus aber lebensnahen Sylvie, der Mutter, über Hugh, den trockenen Vater, die verschiedenen Kinder und die, ebenfalls liebevoll in Szene gesetzten, Hausangestellten. Diese intensiv beleuchteten Figuren und deren ständige Interaktion untereinander bieten, gemeinsam mit den luftigen Schilderungen des Lebens in England zu jener Zeit („Es werde Licht“) einen schön zu lesenden Rahmen um die stille, klare, ernste und gradlinige Ursula, die ihren Weg durch all die Irrungen und (Lebens-) Gefährdungen in diesem Umfeld zu finden hat, irgendwann auch einen Psychiater ertragen muss und dann, eines Tages, mit dem alten Armeerevolver Ihres Vaters in einem Münchner Kaffee an einem Tisch sitzen wird. Mit der durchaus durch das Buch laufenden Spannung, warum sie dann eigentlich da sitzt mit ihrem Revolver.

Ursula, die in gewisser Form mehr und mehr zu einer „Bewahrerin“ der Familie werden wird. In einem Roman, der seine Längen und, vor allem im ersten Drittel, Wirrungen aufzuweisen hat, dennoch aber die Atmosphäre jener Zeit gut transportiert (alleine schon die naive , unwissende Haltung zur Sexualität ist präzise erlebbar umgesetzt).

Alles in allem bietet Atkinson eine später im Tempo zunehmende Unterhaltung, in der sie Zeitambiente und Personen sich entfalten lässt und miteinander in interessanten Konstellationen verknüpft. Immer wieder aufs Neue und mit „neuem Anlauf hinein in das Leben und über die Hürden“.
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am 24. September 2015
Von anderen Lesern empfohlen, habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut und hatte dementsprechend auch eine gewisse Erwartungshaltung. Und diese wurde noch übertroffen!

Bevor man dieses Buch gelesen hat, kann man sich kaum vorstellen, dass eine Geschichte, die immer wieder von vorne beginnt, so spannend und mitreißend sein kann. Kleinigkeiten verändern den Lauf der Dinge immer wieder aufs neue, und auch das eigene Empfinden wandelt sich mit der Zeit deutlich. War ich anfangs dankbar über jeden Moment, den die kleine Ursula überleben durfte, so frustriert war ich nach einer Weile, dass sie die wirklich schlimmen Dinge überstand und weiterleben musste. Das war für mich eine sehr verstörende Situation, hofft man doch eigentlich immer mit den Protagonisten bis zum Ende durchzuhalten.
Aber es gibt kein Ende! Ein Leben ohne Fehler, ob eigene oder die der anderen, scheint nicht möglich zu sein. Jeder von uns kennt wohl dieses Deja-vu-Gefühl. Jeder hatte schonmal unterschwellig ein Gefühl im Magen, dass etwas schlimmes passieren wird. Was, wenn unser Leben auch immer wieder von vorne beginnt? Was, wenn wir immer wieder alle guten und schlechten Dinge erneut durchleben müssen?

Natürlich hat das Buch auch so einige kleinere Schwächen, etwa wird gegen Ende des Buches durch einen Selbstmord ihrerseits suggeriert, dass damit ihre Rückreisen unterbunden werden, doch dem ist scheinbar nicht so. Auch sind manche Geschichtssprünge so angelegt, dass man nicht so recht weiß, welche Entscheidungen in diesem einen Leben getroffen wurden, wie die vorrausgegangen Situationen endeten, aber wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, ist dieses Buch eines der Besten, die ich je gelesen habe.

Ursula, kleiner Bär, du wirst in meinem Herzen einen Platz haben.
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Ursula Todd ist eine besondere Frau. Geboren im November 1910 erlebt sie, wie jeder andere Mensch auch, Situationen, in denen sie sich fragt: Was wäre geschehen, wenn? Doch bei Ursula Todd bleibt es nicht bei diesen Fragen. Sie bekommt eine weitere Chance. Und nicht nur eine.

Die britische Schriftstellerin Kate Atkinson greift in ihrem Roman DIE UNVOLLENDETE das Thema der Zeitschleifenwiederholung auf. Immer wieder wird ihre Heldin geboren und kann Ereignisse in ihrem Leben verändern. So erlebt man Stück für Stück mit, wie das Leben von Ursula weitergeht. Auch der Leser stellt sich die Frage, wie wäre Ursulas Leben und damit die Weltgeschichte verlaufen, wenn sie an bestimmten Stellen anders gehandelt hätte. Was, wenn sie wirklich Adolf Hitler erschossen hätte?

Bereits der Einstieg in den Roman fällt alles andere als leicht. Trotz (oder gerade wegen) der kurzen Einstiegskapitel fällt es dem Leser nicht leicht, sich an die Erzählweise der Autorin zu gewöhnen. Im weiteren Verlauf nimmt sich Kate Atkinson dann sehr viel Zeit, um ihre Figuren vorzustellen und ein glaubhaft, authentisches Bild der damalige Zeit zu zeichnen. Hat man die ersten gut hundert Seiten überstanden, nimmt das Erzähltempo der Geschichte ein wenig zu. Abhängig von ihren Lebensentscheidungen lebt Ursula mal in London oder gehört zum Bekanntenkreis von Eva Braun. Auch Ursulas Charakter ist den jeweiligen Situationen angepasst.

Auch wenn der Roman mit zunehmender Dauer an Tempo gewinnt, musste ich mich schon ein wenig durch die Handlung kämpfen. Kate Atkinson verlangt dem Leser einiges ab. Sowohl in sprachlicher, als auch in erzählerischer Hinsicht. Der Kampf zwischen Anspruch und Handlung geht an einigen Stellen deutlich zu Lasten des Lesevergnügens aus, so dass es immer wieder Kapitel gibt, durch die ich mich regelrecht kämpfen musste. Auch die zahlreichen Vor- und Rückblenden erfordern erhöhte Aufmerksamkeit und gingen (zumindest in meinem Fall) zu Lasten des Lesevergnügens.

Kate Atkinson ist mit DIE UNVOLLENDETE ein überaus anspruchsvoller Roman gelungen. Hat man den Einstieg gefunden, ist der Roman für alle Leser interessant, die sich speziell für die Zeit zwischen 1910 und 1945 interessieren. In der detaillierten Schilderung der damaligen Lebensumstände liegt die große Stärke des Romans. Anhänger historischer Werke kommen hier mit Sicherheit voll auf ihre Kosten. Insgesamt hat der Roman viele detailverliebte Szenen, die mich nicht ganz so begeistern konnten. Daher kann ich hier nur eine eingeschränkte Empfehlung aussprechen.
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