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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unterhaltsam und bestürzend zugleich
Dieses Buch ist sehr speziell. Man hat zunächst den Eindruck, eine nette Familiengeschichte zu lesen.
Im Winter 1910 wird Ursula Todd geboren. Die Geburt ist schwierig. Leider überlebt sie nicht. Diese Szene lesen wir dann mehrfach in Varianten. In einer davon kommt der Arzt rechtzeitig, und Ursula kann leben.

Man verfolgt Ursulas Leben weiter,...
Vor 15 Monaten von Sursulapitschi veröffentlicht

versus
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Immer wieder auf ein Neues
Wer im Rahmen des Klappentextes davon ausgehen sollte, das hier eine Variante des „Täglich grüßt ein Murmeltier“ vorliegt, der sieht sich nur einem weitesten Sinne im Ansatz bestätigt.

Atkinson nimmt nicht die Grundidee der Zeitschleifenwiederholung eines bestimmten Tages auf. Ebenso wacht ihre „Ursula“ auch nicht...
Vor 14 Monaten von M. Lehmann-Pape veröffentlicht


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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unterhaltsam und bestürzend zugleich, 26. August 2013
Von 
Sursulapitschi - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Unvollendete (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist sehr speziell. Man hat zunächst den Eindruck, eine nette Familiengeschichte zu lesen.
Im Winter 1910 wird Ursula Todd geboren. Die Geburt ist schwierig. Leider überlebt sie nicht. Diese Szene lesen wir dann mehrfach in Varianten. In einer davon kommt der Arzt rechtzeitig, und Ursula kann leben.

Man verfolgt Ursulas Leben weiter, lernt ihre recht skurile Familie kennen, und durchlebt mit ihr ihre Jugendzeit als Tochter reicher Eltern in England. Ursula ist sehr nachdenklich. Manchmal hat sie seltsame Deja-Vues und das Gefühl von Gefahr. Trotzdem passiert gelegentlich ein Unglück, dass leider ihren Tod zur Folge hat, und schon bekommen wir eine andere Variante der Geschehnisse zu lesen. Sie erlebt den ersten und den zweiten Weltkrieg, was auch nicht einfach ist.

So erfährt man in Vor- und Rückblenden, wie Ursulas Leben verlaufen könnte, wenn sie an entscheidender Stelle anders handelt. Kleine Begebenheiten können katastrophale Konsequenzen haben. Besonders in Kriegszeiten ist das relevant. Man kommt deutlich ins Grübeln: Was wäre wenn. Ja, und was wäre, wenn Hitler 1930 erschossen worden wäre? Wie würde die Welt heute aussehen, hätte der zweite Weltkrieg nicht stattgefunden?

Die Geschichte wird aus Ursulas nachdenklicher und origineller Sicht erzählt und liest sich höchst unterhaltsam, auch wenn zwischendurch Furchtbares passiert. Neben manch interessantem Gedankenexperiment, bekommt man auch einen intensiven Eindruck vom Leben zu jener Zeit, was dieses Buch besonders für Freunde historischer Romane lesenswert macht.

Ein besonderes und mitreißendes Buch, unterhaltsam und bestürzend gleichzeitig. Absolute Leseempfehlung.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Immer wieder auf ein Neues, 23. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Unvollendete (Gebundene Ausgabe)
Wer im Rahmen des Klappentextes davon ausgehen sollte, das hier eine Variante des „Täglich grüßt ein Murmeltier“ vorliegt, der sieht sich nur einem weitesten Sinne im Ansatz bestätigt.

Atkinson nimmt nicht die Grundidee der Zeitschleifenwiederholung eines bestimmten Tages auf. Ebenso wacht ihre „Ursula“ auch nicht zu einem bestimmten Zeit-Zeitpunkt immer wieder am Anfang einer solchen Zeitschleife auf.
Atkinson setzt ihre „Lebens-Wiederholung“ im Buch sehr viel grundsätzlicher an.
Wenn es an der Zeit ist, dann stirbt jene „aus der Art der Familie gefallene“ Ursula und der Leser wird, postwendend, in den „Schnee“ zurückgeschickt, an den Tag der Geburt Ursulas. Wobei bei der ersten „Schleife“ man auch direkt dort verweilt, denn zunächst stirbt Ursula bei ihrer Geburt, erstickt von der Nabelschnur.

Doch auf einer ganz unterschwelligen Ebene lernen die Personen im Haus (nicht nur Ursula). So dass irgendwann unter anderem eine scharfe Schere von der Mutter vor der Niederkunft Ursulas bereit gelegt wurde (ohne dass diese so genau wüsste, warum sie das tut). Oder andere, tödliche Gefahrenquellen, ,von der „Welle“ bis zum „verschneiten Dach“ oder der spanischen Grippe, von weiteren Unfallherden oder gefährlichen Entwicklungen, wie in einem „Deja Vu“ gelingt es Ursula, andere Wege zu finden, nicht nur sich, auch andere Menschen vor einem frühzeitigen Ableben zu bewahren und den Faden der Lebensgeschichte immer wieder eine bis zwei Rollen weiter zu drehen.

Was den Leser zunächst einige Anstrengung kostet, in den mancherlei assoziativ daherkommenden Veränderungen in der Familie, in dem immer wieder „Auf Null stellen“ und sich neu in veränderte Situationen einfinden, den Überblick zu bewahren. Hat man dies Phase jedoch hinter sich gebracht und sich eingelesen, verfolgt man durchaus interessiert die immer wieder sich neu wendenden Entwicklungen Ursulas im England von 1910 bis 1945.

Wobei diese Hauptlinie des Romans in seiner praktischen Umsetzung fast eher wie nebenbei im Hintergrund abläuft, denn in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen, durchaus an John Irving erinnernd, setzt Atkinson vor allem die Familie Todd und deren Ergehen durch diese Zeiten.

Hier spielt sie ihre wahren Stärken aus. Die sorgfältige Zeichnung von ganz eigenen Figuren (von der naiv wirkenden, durchaus aber lebensnahen Sylvie, der Mutter, über Hugh, den trockenen Vater, die verschiedenen Kinder und die, ebenfalls liebevoll in Szene gesetzten, Hausangestellten. Diese intensiv beleuchteten Figuren und deren ständige Interaktion untereinander bieten, gemeinsam mit den luftigen Schilderungen des Lebens in England zu jener Zeit („Es werde Licht“) einen schön zu lesenden Rahmen um die stille, klare, ernste und gradlinige Ursula, die ihren Weg durch all die Irrungen und (Lebens-) Gefährdungen in diesem Umfeld zu finden hat, irgendwann auch einen Psychiater ertragen muss und dann, eines Tages, mit dem alten Armeerevolver Ihres Vaters in einem Münchner Kaffee an einem Tisch sitzen wird. Mit der durchaus durch das Buch laufenden Spannung, warum sie dann eigentlich da sitzt mit ihrem Revolver.

Ursula, die in gewisser Form mehr und mehr zu einer „Bewahrerin“ der Familie werden wird. In einem Roman, der seine Längen und, vor allem im ersten Drittel, Wirrungen aufzuweisen hat, dennoch aber die Atmosphäre jener Zeit gut transportiert (alleine schon die naive , unwissende Haltung zur Sexualität ist präzise erlebbar umgesetzt).

Alles in allem bietet Atkinson eine später im Tempo zunehmende Unterhaltung, in der sie Zeitambiente und Personen sich entfalten lässt und miteinander in interessanten Konstellationen verknüpft. Immer wieder aufs Neue und mit „neuem Anlauf hinein in das Leben und über die Hürden“.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Amor fati, 23. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Unvollendete (Gebundene Ausgabe)
Die Protagonistin Ursula Todd lebt ihr Leben zwischen ihrer Geburt im Jahr 1910 und ihrer Pensionierung im Jahr 1967 wieder und wieder. Dem Leser werden wichtige Abschnitte in ihrem Leben präsentiert, die durch geringfügig veränderte Weichenstellung unter Beibehaltung wesentlicher Eckpunkte in der sich wiederholenden Darstellung zu einem gänzlich anderen Lebenslauf Ursulas führen. Gemeinsam ist allen Leben, dass Ursula immer bestrebt ist, alles richtig zu machen. Schicksalsschläge und Tragödien in ihrem Umfeld bleiben dennoch nicht aus.

Thematisiert wird durchgängig die Frage "Was wäre, wenn …", die sich vielleicht schon jeder einmal gestellt hat. Um diesen abstrakt klingenden Buchinhalt plastisch zu veranschaulichen, möchte ich einige Textbeispiele nennen: Mehrfach wird derselbe Augusttag nach Ursulas 16. Geburtstag unterschiedlich geschildert - was wäre gewesen, wenn sie hier von dem Freund ihres Bruders vergewaltigt und geschwängert worden wäre oder wenn sie es geschafft hätte, den Freund in seine Schranken zu weisen? Wie verhält es sich mit der Friedensfeier in London im November 1918 - was wäre gewesen, wenn das Hausmädchen der Todds sie besucht, sich dort die spanische Grippe geholt und zu Hause eingeschleppt hätte oder wenn Ursula vorher das Hausmädchen die Treppe hinuntergestoßen hätte, so dass dieses nicht ausgehen konnte? Was ist mit Ursulas Deutschlandbesuch in den 30er Jahren - was wäre gewesen, wenn sie in München die Bekanntschaft der berüchtigten Eva Braun gemacht hätte?

Fazit der Lektüre ist m.E. das im Buch oft zitierte Wort Nietzsches "Amor fati", d.h. man soll das Leben so annehmen, wie es kommt, das Gute und das Schlechte gleichermaßen.

Das zum Nachdenken anregende Buch ist also auf jeden Fall für den philosophisch bewanderten Leser interessant. Aber auch historisch und literarisch Interessierte werden an ihm ihre Freude habe. Erstere, weil beide Weltkriege, insbesondere die Bombardierungen Londons und Berlins, aus der Sicht der Zivilbevölkerung gut aufgearbeitet werden und sogar die Frage angeschnitten wird, was gewesen wäre, wenn Ursula Hitler erschossen hätte. Letztere, weil durchgehend aus den Werken bedeutsamer Schriftsteller der Weltliteratur zitiert wird, z.B. "Was, wenn das jetzt der Welt letzte Nacht wäre" von Donne. Seine Freude an dem Buch findet aber auch jemand, der einfach nur eine Familiensaga lesen möchte. Denn im Mittelpunkt steht die der britischen Oberschicht angehörende Familie Todd mit ihren fünf Kindern und Ursula als dem mittleren. Jedes Mitglied hat seine Marotten, was sprachlich sehr lebendig durch zahlreiche Klammerzusätze zum Ausdruck gebracht wird, die die unterschiedlichen persönlichen Ansichten der Clanmitglieder wiedergeben.

Wie der Website der Autorin zu entnehmen ist, ist dieses Buch für den "Women's Prize for Fiction" 2013 vorgeschlagen. Diesen Preis würde es verdienen. Ich spreche eine uneingeschränkte Leseempfehlung aus
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Life After Life, 5. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Unvollendete (Gebundene Ausgabe)
"Life After Life" ist der englische Originaltitel von "Die Unvollendete" und passt in meinen Augen viel besser zu dem Roman, da er einfach besser beschreibt was der Kern der Geschichte ist. Das Cover lässt bereits auf einen schönen und ruhigen Roman hoffen und das ist "Die Unvollendete" auch zu weiten Teilen.

Es geht um Ursula Todd. Ursula hat die Gabe oder den Fluch, je nachdem aus welchem Blickwinkel man die Geschichte betrachtet, ihr Leben immer wieder zu leben. Sie kann sich zwar nur schwer an alle Details erinnern aber es bleiben ihr trotzdem wichtige Eckpunkte aus ihrem vorherigem Leben erhalten. Und so versucht Ursula das Beste aus ihrem Leben zu machen und muss erkennen, dass es immer wieder Fallen gibt, die einem das Schicksal stellt. Und obwohl Ursula alles tut um das Leben zum Besseren zu wenden, muss sie sich immer wieder neuen Tiefschlägen und Tragödien stellen.

Die Idee der Geschichte ist gut, der Vergleich mit "Der Frau des Zeitreisenden" hinkt in meinen Augen aber ein wenig. Ich fand "Die Unvollendete" auch nicht ganz so einfach zu lesen wie Audrey Niffeneggers Roman. Oft ist man gerade in einem Lesefluss gefangen, der dann abrupt endet und mit einem neuen Leben beginnt. Die neuen Leben sind sich meist sehr ähnlich oder aber ganz anders. In jedem Fall beginnen die Leben, von denen wir lesen dürfen aber oft zu verschiedenen Zeitpunkten (also mal steigt man bei der Geburt Ursulas ein und dann wieder an ihrem 16 Geburtstag). Diese vielen und teils unerwarteten Wechsel machen ein unaufmerksames Lesen unmöglich.

Aber gleichzeitig ist es auch wirklich spannend zu sehen, wie Ursula sich von Leben zu Leben weiter entwickelt und sich stets einen Sinn gibt. Sie lässt ihre Chancen nicht einfach verstreichen und arbeitet hart für das eine gute Leben. Und auch ihre Familie ist jedes mal ein wenig verändert und darf andere Stationen durchleben. So verwirrend das auf der einen Seite sein mag, so spannend ist es auf der anderen. Der Stil der Autorin ist dabei durchaus anspruchsvoll, aber immer noch angenehm zu lesen.

Mein Fazit: Für mich ein spannender Roman, der mich aber durchaus hin und wieder etwas verwirrt zurückließ oder auch manchmal zu viele Lebenswechsel vollzog. Trotzdem ein tolles Buch mit einer sympathischen und aufrechten Frau als Protagonistin!
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4.0 von 5 Sternen Was wäre, wenn..., 18. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Unvollendete (Gebundene Ausgabe)
„Was wäre, wenn wir die Chance hätten, es noch einmal zu tun und noch einmal, bis wir es endlich richtig machen? Wäre das nicht wunderbar?“

Ursula hat eine besondere Gabe: Immer wieder gibt ihr das Leben eine neue Chance. Wenn sie stirbt, wird sie wieder neu geboren. Jedes Mal ist es wieder das Jahr 1910 und die gleiche bürgerliche Familie in England. Dort wächst sie auf in einer Zeit, die durch zwei Weltkriege geprägt ist. Viele Schicksalsschläge treffen Sie und ihre Lieben und Ursula bemüht sich in vielen, vielen Anläufen, bei jedem neuen Leben alte Fehler zu vermeiden und endlich alles richtig zu machen.

Das Thema des Buchs fand ich von Anfang an faszinierend. Wer hat sich noch nie diese Frage gestellt, was gewesen wäre, wenn er etwas anders gemacht hätte, wenn bestimmte Dinge anders gelaufen wären. Ich persönlich muss gestehen, dass ich schon häufig solche Gedanken gewälzt habe. In diesem Buch werden sie durchgespielt, immer und immer wieder. Und erstaunt stellt man fest, dass die Frage „Was wäre, wenn…“ gar nicht so leicht zu beantworten ist. Denn scheinbar resultieren aus jeder neuen „anderen“ Handlungsweise immer wieder andere Folgen.

Das ist überaus interessant zu lesen, vor allem, weil auch Fragen gestellt werden, wie „Aber wenn Hitler getötet worden wäre, bevor er Reichskanzler wurde…“. Trotzdem hatte das Buch für mich einige Längen, waren es für meinen Geschmack ein paar Wiederholungen zu viel. Aber möglicherweise war das genau die Intention der Autorin, die auch zeigen wollte, dass eine solche Gabe, eine solche Chance, nicht unbedingt nur wunderbar ist. So lässt sie auch Ursula auf die an sie gerichtete „Was wäre, wenn…“ Frage antworten: „Ich glaube, das wäre sehr ermüdend.“

Fazit: Sehr interessantes Thema, gut geschrieben mit einigen Längen, die mich aber trotzdem zum Nachdenken angeregt haben.
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4.0 von 5 Sternen Erinnerungen befinden sich manchmal in der Zukunft, 17. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Unvollendete (Gebundene Ausgabe)
In Kate Atkinsons neuem Roman “Die Unvollendete” (im Original: "Life After Life”) geht es um die Familie Todd, Sylvie und Hugh und ihre fünf Kinder, dabei vor allem um Ursula, ihr drittes Kind. Die Tochter stirbt zunächst bei ihrer Geburt am 11. Februar 1910, weil sich die Nabelschnur um ihren Hals gewickelt hat und Arzt und Hebamme nicht rechtzeitig eintreffen. Dann fängt alles noch einmal von vorn an. Das Baby lebt. Damit ist das Handlungsmuster festgelegt. Ursula stirbt am Ende jeder Episode ihres Lebens und wird wiedergeboren. Danach bekommt ihr Leben eine neue Richtung. Sie lebt an anderen Orten, trifft andere Menschen und hat verschiedene Berufe. Ihre Umgebung merkt schnell, dass Ursula anders ist als andere Menschen. Sie hat Déjà-vu-Erlebnisse und erwähnt Dinge, die sie eigentlich nicht wissen kann. Ursula erinnert sich nicht an ihre anderen Leben, aber sie verspürt Angst und Beklemmung an Wendepunkten ihres Lebens und handelt für sich und andere. Dabei ist die Szene des Prologs, in der die 20-Jährige in einem Café in München ein Attentat auf Hitler verübt, um den Lauf der Geschichte zu ändern, sicherlich die bemerkenswerteste. Auch in dieser Episode kommt Ursula ums Leben und kehrt zurück.
Die Erklärung des Klappentextes, es ginge um die Gabe, sein Leben wieder und wieder zu leben, bis man alles richtig macht, aus Fehlern zu lernen und dadurch vielleicht ein glücklicher Mensch zu werden, wird durch mehrere Textstellen widerlegt. Ursula selbst ist überzeugt, dass die Menschen nur ein Leben haben (S. 497). Sie weiß nichts Konkretes über ihre alternativen Lebenswege und trifft keine bewussten Entscheidungen auf Grund klarer Erinnerungen: “Sie kannte die Stimme. Sie kannte die Stimme nicht. Die Vergangenheit schien in die Gegenwart zu sickern (kursiv), als ob irgendwo eine undichte Stelle wäre. Oder war es die Zukunft, die in die Vergangenheit tropfte? (…) Hier auch, dachte sie. Hier war sie auch schon einmal gewesen. Sie war noch nie hier gewesen.” (S. 562). Ihrem Psychiater sagt sie: “…Erinnerungen befinden sich manchmal in der Zukunft.” (S. 563).
Die zahlreichen Variationen über Ursulas Leben und das Vor und Zurück in der Zeit, der genau recherchierte zeitgeschichtliche Hintergrund mit zwei Weltkriegen und ihren Folgen für die Menschen sowie zahlreiche literarische Anspielungen machen den Roman zu einer lohnenden Herausforderung für den Leser. Ich empfehle den Roman Lesern, die bereit sind, sich diesem innovativen literarischen Experiment zu stellen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Variationen eines Lebens, 12. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Unvollendete (Gebundene Ausgabe)
Wer hat sich das nicht schon einmal gewünscht: Noch einmal leben zu können - und alles besser zu machen als beim ersten Mal? Ursula Beresford Todd hat diese Möglichkeit, aber sie hat sie auch dringend nötig: Im Jahr 1910 wird sie geboren, aber gleich ihr erster Eintritt in die Welt geht schief - die Nabelschnur hat sie erstickt. Tatsächlich benötigt sie fast zehn Versuche, um das Erwachsenenalter zu erreichen; nur einmal schafft sie es bis ins Rentenalter, und als sie geht, hat sie sich fürs nächste Mal eine historische Mission vorgenommen.

Nicht weiter verwunderlich, dass Ursula nach den ersten Wiedergeburten ständig von seltsamen Träumen, Déja vus und Bildern geplagt wird, die sich wie Erinnerungen anfühlen. Manchmal scheint sie gar das zweite Gesicht zu haben und weiß, was jemand als Nächstes sagen wird. Vor Situationen, die sich in früheren Leben als fatal erwiesen haben, wird Ursula von einer seltsamen Angst und Unruhe erfasst, die sie treibt, etwas zu tun oder zu unterlassen. Ihre Mutter Sylvie, die sich Sorgen um ihre geistige Gesundheit macht, vertraut Ursula der Obhut des Psychiaters Dr. Kellet an, ein einfühlsamer Mann, der in ihr eine alte Seele erkennt.

Man hat es nicht leicht als Leserin dieses Romans: Kaum hat man Ursula von neuem lieb gewonnen, wird sie einem wieder entrissen. Wird sie es diesmal richtig machen? Sie wird, aber es gibt so viele andere Fehler, die sie machen kann, und so viele Umstände, die unerwartet nachhaltige Wirkung entfalten. Nie ist vorauszusehen, was die mehr oder weniger großen Änderungen auslösen werden. Manchmal bewirkt eine Kleinigkeit, wie ein anderer Weg nach Hause, einen völlig anderen Lebenslauf. Oder Kate hat für sich eine bessere Situation geschaffen, die aber jemand anderem zum Verhängnis wird. Ihre Gabe erspart ihr weder Verluste, noch Krieg noch eine katastrophale Ehe. Sie erlebt den 2. Weltkrieg einmal auf englischer und einmal auf deutscher Seite, heiratet oder bleibt ledig, wird psychisch versehrt oder bleibt heil - und manches bleibt sich stets gleich durch ihren ureigenen charakterlichen Kern.

Neben dem phantastisch-historischen Strang benutzt Atkinson die Figur Ursula und ihre Familie, um die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüche der englischen Gesellschaft durch die beiden Weltkriege zu thematisieren. Das ländlich-bukolische England von 1910 hat mit dem der Popkultur von 1969 nicht mehr viel zu tun. Ihre Stärke ist die Zeichnung von Familien, besonders die von Geschwisterbeziehungen. Ursula ist das dritte Kind von fünfen, ihre beste Freundin zeitlebens ihre um zwei Jahre ältere Schwester Pamela. Teddy, nach Ursula geboren, wird ihr Liebling; und dem Charme von Jimmy, dem jüngsten, erliegt restlos jeder. Maurice, der Älteste, ist hingegen ein Egoist, der rücksichtslos seinen Weg macht. Trotzdem gehört er zur Familie, ebenso wie Tante Izzie, Schwester von Vater Hugh, das skandalträchtige schwarze Schaf der Familie. Dazu gibt es schöne Nebenfiguren, wie Mrs. Glover, die Köchin, deren verdrossene Bodenständigkeit zum Lachen reizt, oder die unerschütterliche Miss Woolf, Einsatzleiterin der Londoner Luftschutzhelfer.

Nicht nur wegen der kunstvollen Struktur oder wegen der Figuren, auch stilistisch ist der Roman ein Genuss. Kate Atkinsons lakonischer Stil hat die Komprimierung perfektioniert: Ein Partizip Perfekt ersetzt ganze Sätze, und mit einem Screwball-Dialog von fünf Zeilen skizziert sie komplette Beziehungsgeflechte. Dabei scheint überall diese so britische Mischung aus stiff upper lip und trockenem Humor durch: Ihre Figuren nehmen sich selbst nicht so ernst und bewahren auch im größten Unglück Haltung - getreu dem Motto "Keep calm and carry on". Die Verflechtung immer anderer Details wie auch die häufigen Zeitsprünge verlangen der Leserin zwar einiges an Konzentrationsvermögen ab, sind aber andererseits immer wieder überraschend und unterhaltsam.

Ein wunderbares Buch - in perfekter Balance zwischen Heiterkeit und Melancholie - über die Unmöglichkeit, ein perfektes Leben zu führen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Buch, was sicherlich nicht Jedermanns Sache ist..., 28. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Unvollendete (Gebundene Ausgabe)
Worum gehts?
Ursula Todd wird immer wieder geboren. Und zwar immer dann, wenn ihr Leben aus der Bahn gerät. Sie versucht die Dinge besser zu machen, Menschen vor gewissen Fehlern zu bewahren und lernt auch selbst viel drauß. Doch alles hat so seine Konsequenzen und so treten auch viele neue Gefahren in Ursulas Leben auf!

Auszug aus dem Buch Seite 36
"Ursula erreichte ihren fünften Sommer, ohne weitere gravierende Zwischenfälle. Ihre Mutter war erleichtert, dass das Baby trotz (oder vielleicht wegen) seines beängstigenden Starts ins Leben und dank (oder veilleicht trotz) Sylvies strammen Regiment zu einem stabilen Kind heranwuchs."

Meinung:
An dieses Buch ging ich ohne jegliche Erwartungen dran. Ich habe es nur durch Zufall in einer Zeitschrift entdeckt und war vom Klappentext fasziniert. Wie schaffte es eine Frau die Welt zu verändern? Ja das fragte sich auch Ursula.
Gleich beim Einstieg in das Buch bemerkte ich den einfachen und flüssigen, aber gehobenen Schreibstil der Autorin. So fand ich auch sehr schnell in die Geschichte hinein und dies fiel mir nicht schwer. Ich bemerkte, dass die Kapitel sehr kurz gehalten wurden und es immer wieder neue Abschnitte gab welche mit den Worten "Es wurde dunkel" endeten. Das machte das Buch zu etwas Besonderem. Immer wenn ein Abschnitt endete, Kate Atkinson die Protagonistin sterben ließ, wurde der Leser "in den Schnee" geschickt. Dorthin, wo alles Begann. Am Tag als Ursula geboren wurde. So merkte man deutlich, wann das Leben derer zu Ende ging.
Auf verschiedenen Ebenen lernten wir neben Ursula einige weitere Personen in diesem Buch kennen. Vorallem in Ursulas Familie ereigneten sich immer wieder neue Dinge. Es war leider nicht immer einfach hier den Überblick zu behalten und so kam es vor, dass ich das ein oder andere Mal zurück blättern musste. Ebenso empfand ich auch die Zeitsprünge als teilweise sehr anstrengend. Man musste sich schon sehr konzentrieren, um nicht noch den Faden zu verlieren. Ich denke, ich hätte es besser gefunden, wenn Ursula nicht sooft wieder geboren wäre.
Die verschiedenen Gefahren, die Ursula in ihren ganzen Leben mitmachte wurden sehr detailliert und vorallem bildlich dargestellt. So durchlebte sie den Krieg, die spanische Grippe und noch viele weitere schlimme Dinge. Doch man merkte ganz deutlich die Veränderungen an ihrer Person selbst. Sie wurde nach und nach reicher an Erfahrungen und somit erwachsener. Das konnte die Autorin hier ganz wundervoll beschreiben. Auch interessant fand ich den geschichtlichen Hintergrund. Ursula durchlebte hier z. B. den ersten und den zweiten Weltkrieg. Ebenso gab es die ein oder andere Phase in dem Buch, welche mich zum Nachdenken anregte.
Was ich leider sehr schade fand, war das Ende. Es war vorhersehbar und mir leider nicht originell genug.
Das Cover des Buches ist relativ schlicht gehalten, in meinen Augen nichts Besonders. Es wurde mit einem grünlichen Farbton versehen. Darauf zu erkennen ist vermutlich Ursula.

Ich mochte Ursula. Anfangs erfuhr man noch sehr wenig über sie. Man erfuhr eher etwas über ihre Freunde und ihre Familie, doch nach und nach wurde sie dann zu einer interessanten Person und ihre Fähigkeit immer wieder neu zu leben kam ins Spiel. Ab und zu wirkte sie sehr nachdenklich und es kamen Déjà-Vues dazu. Das machte den Charakter für mich interessant.
Natürlich gab es noch die ein oder anderen Nebencharaktere, vorallem ihre Mutter oder ihre Familie die mir sehr gefielen, doch teilweise sehr im Hintergrund blieben.

Fazit:
Dies war ein Buch, was wohl bestimmt nicht für Jedermann geeignet ist. Ich empfehle es daher eher einem geschichtlich - literarischen und philosophisch angehauchtem Leser. Mir hat es gefallen und mich unterhalten und bekommt gute 3 Palmen dafür!

- Cover: 3/5
- Story: 3/5
- Charaktere: 3/5
- Emotionen: 3/5
- Schreibstil: 3/5
Gesamt: 3/5 Palmen

Copyright Sharons Bücherparadies
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dieser Roman ist fast vollendet"..., 15. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Unvollendete (Gebundene Ausgabe)
In Kate Atkinson Die Unvollendete" geht es um Ursula Todd. Aus unerfindlichen Gründen kann sie ihr Leben immer und immer wieder neu leben und Entscheidungen, die sie getroffen hat, in einem nächsten Leben noch einmal ganz anders treffen...
Vermutlich kennt jeder den Wunsch, erfahren zu wollen, wie das Leben verlaufen wäre, wenn man sich manchmal anders verhalten hätte. Ursula kann genau das. Wir begleiten sie ihr(e) ganze(n) Leben lang und in der Zeit ist sie mir sehr ans Herz gewachsen. Die Idee hinter der Geschichte hat mich unglaublich fasziniert und neugierig gemacht. Vor allem in der ersten Hälfte des Buches gab es öfter diesen Wow"-Effekt, wenn es plötzlich in der Geschichte einen Cut gibt und Ursula sich in einem neuen Leben wiederfindet.
Leider wurden die Kapitel aber ab der zweiten Hälfte des Buches immer länger und dadurch auch sehr langwierig. Die Geschichte hat sich meiner Meinung nach sehr in Einzelheiten und an Spannung verloren. Ich hab sogar immer mal wieder ein paar Seiten vorgeblättert in der Hoffnung, dass bald ein neues Kapitel beginnt und es wieder an Spannung gewinnt.
Was mir ebenfalls vor allem in der zweiten Hälfte des Buches aufgefallen ist, ist dass die Atmosphäre in dem Buch sehr, sehr düster ist. Ursula lebt teilweise während der Zeit des Zweiten Weltkrieges und dementsprechend düster war an diesen Stellen auch die Atmosphäre.
Ansonsten würde ich den Schreibstil als etwas anders" beschreiben. Er kommt einem manchmal etwas wirr vor, aber dadurch auch zu etwas besonderem. Insgesamt ist das Buch irgendwie etwas anders" und manchmal auch seltsam - aber wie gesagt auch ganz besonders und völlig unkonventionell.

Fazit: Trotz einiger eher langwieriger Passagen ist Die Unvollendete" für mich ein Buch, das mich sehr beeindruckt und gefesselt hat. Die Idee hinter der Geschichte ist genial und die Umsetzung bis auf ein paar Mängel auch. Für alle, die die Idee des Buches ebenso faszinierend finden, dramatische und etwas andere" Bücher mögen, ist es absolut lesenswert.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die vielen Leben der Ursula Todd, 15. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Unvollendete (Gebundene Ausgabe)
Ursula ist ein ganz besonderer Mensch. Sie besitzt die Gabe, Situationen immer wieder neu zu erleben und zu verändern. Bei der Geburt stirbt sie. Dann überlebt sie, weil der Arzt doch rechtzeitig kommt. So geht es in ihrem Leben weiter, nach einem Unfalltod bekommt sie die Möglichkeit, dieselbe Situation wieder zu erleben und durch Änderungen zu überleben.

Nach einer schönen aber ungewöhnlichen Kindheit in ländlicher Umgebung in der Nähe Londons beginnt eine spannende Jugend. Man fühlt mit Ursula mit und ist immer wieder überrascht, geschockt, verwundert. Schreckliche Dinge geschehen, enden mit Ursulas Tod und werden im nächsten Kapitel in ganz andere Richtungen geführt.

Mich hat das Thema, ein Leben immer wieder neu zu leben, sehr interessiert. Ich bin aber doch überrascht, wie gut es der Autorin gelungen ist, diese Idee umzusetzen. Der Roman ist sehr spannend aber auch schön und bietet tiefe Einblicke in die Geschichte. Plötzlich findet man sich im Krieg wieder und erlebt die Schrecken dieser Zeit mit.

"Die Unvollendete" ist ein Roman voller Gefühle, der immer wieder überrascht und den man nur ungern wieder aus der Hand legt. Es gibt in jedem Leben Situationen, die man im Nachhinein betrachtet gern ändern möchte. Aber wenn man diese Geschichte liest, ist man vielleicht froh, doch nur ein Leben zu haben.
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Die Unvollendete
Die Unvollendete von Kate Atkinson (Gebundene Ausgabe - 2. September 2013)
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