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5.0 von 5 Sternen Eine Suche nach der eigenen Mutter mittels einer literarischen Familienaufstellung -ein berührender Roman
Mit viel Mut und großer Sensibilität nähert sich die französische Schriftstellerin Delphine de Vigan in ihrem neuen Roman dem Schicksal nicht nur ihrer Mutter Lucile, sondern auch einer geheimnisvollen Familiengeschichte voller Höhepunkte und dramatischer Lebensläufe.

Der französische Originaltitel „Rien ne...
Vor 16 Monaten von Winfried Stanzick veröffentlicht

versus
0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ja, interessant
Das Buch ist interessant, etwas anspruchsvoll und nicht mal so nebenbei zu lesen. Man muss auch dran bleiben und kann nicht mal eben so zwischendurch ein paar Seiten lesen und dann wieder weglegen. Für mich nicht so gut ;-(
Vor 9 Monaten von ilse veröffentlicht


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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Suche nach der eigenen Mutter mittels einer literarischen Familienaufstellung -ein berührender Roman, 7. März 2013
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Das Lächeln meiner Mutter (Gebundene Ausgabe)
Mit viel Mut und großer Sensibilität nähert sich die französische Schriftstellerin Delphine de Vigan in ihrem neuen Roman dem Schicksal nicht nur ihrer Mutter Lucile, sondern auch einer geheimnisvollen Familiengeschichte voller Höhepunkte und dramatischer Lebensläufe.

Der französische Originaltitel „Rien ne s`óppose a la nuit“ (Nichts steht der Nacht entgegen) ist viel poetischer und passt zum Inhalt des Buches besser, als der deutsche. Er ist einem Chanson entnommen, das die Autorin während des schwierigen Schreibens dieses Buches immer begleitet hat.

Warum, das ist die quälende Hauptfrage des Buches, warum hat sich Lucile, diese schöne und besondere Frau, umgebracht? Warum hat sie sich dafür entschieden, freiwillig aus dem Leben zu gehen? Seit dem Tag, als dies geschah, konnte ihre Tochter Delphine nicht ruhen, bis sie auf diese Frage eine Antwort fand und sich so nicht nur mit ihrer Mutter, sondern mit ihrem eigenen, aus der Spur gekommenen Leben versöhnen konnte.

In einem langen und für sie und ihre Familienangehörigen, die sie alle befragt, nicht leichten Prozess trägt sie alles zusammen, was sie findet: Tonbänder, Briefe, Fotoalben und viele Bilder. Sie führt viele und lange Gespräche mit den Geschwistern ihrer Mutter, mit Freunden und Bekannten einer weit verzweigten Familie. Und langsam, in einem schmerzhaften Schreib- und Selbstverständigungsprozess entsteht das Bild einer ganz außergewöhnlichen Frau, widersprüchlich und geheimnisvoll. Eine Frau, die ihr ganzes Leben auf der Suche war nach sich selbst.

Delphine de Vigan ist mit ihrer literarischen Suche nach dem Lächeln ihrer Mutter ein Familienroman gelungen, der über drei Generationen wie in einer romanhaften Familienaufstellung ein Bild von einer französischen Großfamilie des Bürgertums der 50 er und 60 er Jahre zeichnet, aber auch ihre dunkle Seiten, ihre Familiengeheimnisse und die Ängste der einzelnen Mitglieder offenlegt. Es herrscht in dieser Familie, geprägt auch durch viele unbearbeiteten Schicksalsschläge eine tiefe Verzweiflung am Leben, eine Familienstruktur, die sich für Einzelne anfühlt wie ein Fluch.

Delphine de Vigan hat diesem Fluch widerstanden und ihn, wohl auch für viele andere Mitglieder ihrer Familie durch das Schreiben gebannt. Das darf man jedenfalls annehmen, wenn sie die Suche nach ihrer Mutter und ihrem Leben für sich so zusammenfasst: „Jetzt suche ich nicht mehr (…) ich verstehe Lucile, wie sie gerne verstandne wurde: wortwörtlich (…) Lucile starb, wie sie es sich wünschte: lebendig. Jetzt bin ich in der Lage, ihren Mut zu bewundern.“
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schmerzliche Erinnerungsreise, 9. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Lächeln meiner Mutter (Gebundene Ausgabe)
Es ist ein Schock. Da ist der eigene Durchbruch als Schriftstellerin gelungen, eine Preisverleihung steht an, man geht die Mutter an einem Januarmorgen besuchen und da liegt diese tot in ihrem Bett. Ein Tod, der zunächst wie verschlossen in der Tochter liegt. Ein Buch hat sie in dieser Trauerphase zunächst fertig geschrieben und weiß gar nicht, wie. Angesichts dieses freiwilligen Scheidens aus dem Leben.

Doch dann spürt De Vigan, das es damit nicht getan sein kann, mit diesem „Sich Wegwenden“, und beginnt, den Nachlass der Mutter zu sichten. Alben, Briefe, Notizen, Erinnerungsstücke, Gespräche mit Verwandten, mit Geschwistern der Mutter und den eigenen Geschwistern. Solange und so intensiv, dass sich ein Bild beginnt zu ergeben.

„Und dann lernte ich, an Lucile zu denken, ohne dass mit der Atem stockte: an die Art, wie sie ging,...... wie sie die Zigarette fest eingeklemmt zwischen den Fingern hielt,... an das Zittern ihrer Hände“.

Ein Bild einer Frau und Mutter, die anders war. Die als Kind als Model gefragt war (und damit die ein oder andere Weihnachtsfeier der Familie maßgeblich mit finanzierte), die mit vielen Geschwistern in bürgerlichen Verhältnissen, ohne allzu großen Reichtum aufwuchs.

Die als Kind den Unfalltod eines Bruders (Antonin) zu verkraften hatte, ein Tod, an dem (fast) alle anwesend waren. Die den Pflegesohn, den die Familie einige Zeit später aufnimmt, zunächst kaum annehmen will. Eine Frau, die anders war und durchaus ihre „wahnsinnigen“ Momente hatte, die eine Weile lang keine Schecks mehr ausstellen durfte, da sie das Geld einfach so auf der Strasse verteilte. Eine Frau, die Teil dieser „vergnügten, vernichteten Familie“ war, die „wir bilden“.

Und De Vigan schreibt dies alles auf und vollzieht das Leben ihrer Mutter nach. Ein nicht einfacher Weg der Autorin, den der Leser ebenfalls mit begleitet im Buch.
„Es funktionierte nicht, es war nicht das Richtige, es hatte nichts mit dem zu tun, was ich wollte“.
Denn nicht äußerlich erzählen will De Vigan im Blick auf ihre Mutter, sondern „innerlich“, die Person erfassen, den Menschen erfahrbar machen. Ein Prozess, der gelingen wird, soviel kann vorweg gesagt werden. Und interessant ist es durchaus für den Leser, die einzelnen Etappen dieses inneren Schreibprozesses hier und da für einen Augenblick zu erleben. Einschübe, die dem Buch eine noch weitere, persönliche Note geben, als diese sowieso bei einem schmerzlichen Bericht über die eigene Mutter bereits im Raume steht.

Ein Lebensbild einer Frau, empathisch und feinfühlig erzählt, damit aber auch ein Zeitbild der 50er, 60er, 70er Jahre in Frankreich, in denen De Vigans Mutter aufwuchs. Unbeschwert, einerseits, dem Leben zugewandt, aber daneben auch mit dunklen Gefühlen, Ängsten, durchaus Depressionen zu nennenden Umständen zu Zeiten bei dem ein oder anderen Mitglied der Familie. Und mitten drin Lucille. Eine Frau mit Sehnsucht, die sich nicht wirklich angekommen fühlte, zu wohl keiner Zeit ihres Lebens. Die verschlossen war und dennoch zugewandt, die ihre dunkle Seite besaß und ihre Widersprüche und sich nie wirklich fand.

Ein persönliches, im Stil empathisches und wortreiches, Buch, dass den Leser berührt und, trotz der Geschichte einer ihm eigentlich fremden Familie an Grundfragen des Lebens und der Suche nach sich selbst heranführt.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Leben voller Emotionen und gravierender Einbrüche, 9. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Lächeln meiner Mutter (Kindle Edition)
Die wunderschöne Mutter der Autorin Delphine de Vigan umgibt eine geheimnisvolle Aura aus Schönheit, Sensibilität und Geheimnis.
Delphine möchte Näheres über ihre Mutter in Erfahrung bringen.

Wer und wie war diese Person, die sie einst tot aufgefunden hat?

In ihrem Buch befasst sie sich intensiv mit der Herkunftsfamilie, in der es zahlreiche Kinder und Anverwandte gab. Ihre Mutter Lucile gehörte zu den älteren Schwestern einer großen Geschwisterschar. Man erlebt ein lautes, munteres und selten intensives Familienleben. Jedes Jahr kommt ein neues Kind dazu, und Lucile kann sich nicht vorstellen, dass die Fruchtbarkeit der Mutter womöglich einmal enden könnte. Gesellige Runden und ein lebhaftes Miteinander bestimmen den Familienalltag. Der tragische Tod eines kleinen Bruders, der in einem Brunnenschacht ertrunken ist, wirft einen ersten Schatten von Tod und Verzweiflung auf das Leben Luciles.

Es ist das Geheimnis um ihre Mutter, das die Autorin antreibt, sich intensiver mit dem Leben dieser Frau zu befassen.

Sie wechselt erst im zweiten Teil zur Icherzählung, um ihre eigene Eingebundenheit in den Familienclan zu dokumentieren.
Herausgekommen ist mit ihrer Geschichte das Psychogramm einer Familie, in der es alles gab: Schönheit, Vitalität, Lebendigkeit, inzestuöse Bedrängungen, Zusammenhalt, Unglück und vieles andere mehr, das zum Bild dieser Großfamilie gehörte.

Die Autorin verstand erst nach und nach, dass das runde und gute Bild nicht dem wahren Kern der Familie entsprach. Die freie und offene Erziehung imponiert der Erzählerin. Erst spät merkt sie, welche Tücken in dieser Erziehungsform lauerten.

Delphine de Vigan zeigt sich als einfühlsame Schriftstellerin. Sie bringt mit feinem Gespür für das Hintergründige die Licht - und Schattenseiten ihrer Herkunftsfamilie zur Entfaltung.

Die Erinnerungen an ihre Mutter Lucile, die sehr früh schon Mutter geworden war, sind durchzogen von Angst um deren seelische Gesundheit. Lucile hatte einen fragilen Charakter, zahlreiche Liebhaber und immer wieder Schübe von manisch-depressiven Phasen. Sie musste schließlich in die Psychiatrie eingewiesen werden und war von nervöser Zerrissenheit, die sich ihrer Umwelt massiv mitteilte. Ihre Töchter wuchsen zeitweise beim Vater und immer wieder auch bei der Mutter auf.

Delphine de Vigan kann in ausdrucksstarken Bildern über die Labilität ihrer Mutter reflektieren. In ihnen zeigt sie ihre eigene unruhige und beängstigende Kindheit.

Durch alle Familiengeschichten hindurch zieht sich das Interesse Delphines am Schicksal ihrer Mutter. Sie hat dieser schönen, interessanten und von Emotionen unterschiedlichster Qualität gebeutelten Frau ein humanes und mitreißendes Denkmal gesetzt. Bei allen schrecklichen Erfahrungen, die sie mit ihrer Mutter durchstehen mussten, haben sie und ihre Schwester in unergründlicher Weise einen tiefen Zugang zu ihr gesucht und kaum wirklich gefunden. Geblieben ist eine innere Zuneigung, die sich erst bei ihrem Tod wirklich zeigt.

Die gesamte Familiengeschichte ist in ungewöhnlicherweise lebendig, bunt und erlebnisreich. Zahlreiche psychische Störungen findet man bei einzelnen Familienmitgliedern, so dass sie alle von immer währenden neuen Schrecknissen bedroht zu sein scheinen.

Das Buch der Erinnerung über eine psychisch labile Frau und ihren Lebenskampf ist ergreifend und anrührend. Man legt es nachdenklich und berührt über die wechselnden Gefühlsausbrüche aller Beteiligten aus der Hand.

Delphine de Vigan lebt mit ihren beiden Kindern in Paris.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Lektüre, die einem durch Mark und Bein geht, 8. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Lächeln meiner Mutter (Gebundene Ausgabe)
"Das Lächeln meiner Mutter" von Delphine de Vigan ist wahrlich eine Hommage an ihre Mutter Lucile, die mit nur 61 Jahren Selbstmord begeht. Ihr ganzes Leben lang kämpfte sie schon gegen die Schatten ihres Lebens an. Lucile wuchs in einer bürgerlichen Großfamilie auf. Einer Familie, die trotz vieler Schicksalsschläge nie ihre Fröhlichkeit und die Freude am Lachen verlor und einfach immer weitermachte. Immer wieder betont die Autorin, dass es sich bei diesem Roman lediglich um einen Versuch handelt ihrer Mutter, die ihr bis zum Ende geheimnisvoll und unnahbar vorkam, näher zu kommen. Sie ist fest davon überzeugt, dass es ein vorher und ein nachher gegeben hat. Ein Vorher, bevor ihre Mutter zu dieser unendlich traurigen, in sich zurückgezogenen jungen Frau wurde und sich schließlich in dem "nachher", das durch mehrere schwere paranoide Wahnanfälle und Klinikaufenthalten gekennzeichnet war, auflöste. So müssen ihre Töchter noch im Kindes- und im Jugendalter hilflos mitansehen, wie ihre Mutter immer mehr abdriftet, sich immer weiter entfernt - sie spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist, dass sich ein Unheil anbahnt, doch sie sind Kinder und nicht in der Lage dazu die Tragödie abzuwenden. Diesen Bruch im Leben ihrer Mutter versucht Delphine de Vigan auf die Spur zu kommen. Welcher Moment, welches Ereignis war ausschlagend gewesen und dafür verantwortlich, dass ihre Mutter in tausend Stücke zerbrach?

Eine Stelle am Ende des Buches - als Luciles Töchter den Psychiater ihrer verstorbenen Mutter aufsuchen, um mögliche Antworten zu bekommen und dieser zu ihnen meint "die Frage sei nicht, warum Lucile gerade jenen Augenblick gewählt habe, sondern eher, wie sie die ganze Zeit, all die Jahre, durchgehalten habe" - hat mich besonders berührt.

Dieses Buch ist meiner Meinung nach ein Juwel, erzählerisch sowie thematisch. Es hat mich vollkommen in seinen Bann gezogen, mich tagelang beschäftig und nicht mehr losgelassen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Geschichte einer Familie, ein Einblick in die französische Gesellschaft, 22. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Lächeln meiner Mutter (Gebundene Ausgabe)
Der Selbstmord ihrer Mutter veranlasst die Autorin, sich intensiv mit dem Leben ihrer Mutter auseinanderzusetzen. In Gesprächen mit den Schwestern der Mutter, aus ihren Briefen beginnt sie, die seelischen Nöte ihrer Mutter zu verstehen, deren Ursprünge sie bereits in der Kindheit der Mutter erkennt. Und sie erzählt diese Geschichte von dieser Kindheit an bis zu dem Selbstmord der Mutter. Die Autorin schreibt gefühl- und verständnisvoll, aber vollkommen unsentimental.

Im ersten Teil des Buches erzählt die Autorin von der Kindheit und Jugend ihrer Mutter in einer leicht unkonventionellen, kinderreichen Familie des französischen Bildungsbürgertums. Sie konzentriert sich nicht allein auf die Geschichte ihrer Mutter, sondern erzählt recht ausführlich von den Geschwistern und Eltern. Zugleich werden an der Entwicklung der Kinder zu Erwachsenen die Veränderungen der gesellschaftlichen Werte im 20. Jahrhundert deutlich.

Der zweite Teil erzählt von der Kindheit und Jugend der Autorin, die in zunehmendem Maß geprägt ist von der schweren psychischen Erkrankung ihrer Mutter, die aufgrund ihres Wirklichkeitsverlustes und ihrer Wahnvorstellungen immer wieder in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden muss. Im dritten Teil beschreibt die Autorin - inzwischen selbst Mutter - wie sie ihre Mutter als Erwachsene wahrnimmt: Die Mutter hat sich aus ihrer schweren Erkrankung befreien können. Sie ist eine etwas exzentrische Frau, die aber ihr Leben selbstverantwortlich führt und ihren Enkeln eine liebevolle Großmutter ist.

Darüber hinaus - und das gefällt mir besonders gut - reflektiert die Autorin immer wieder ihr Schreiben. Auf diese Weise gewährt sie dem Leser Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Buches. So erfährt der Leser nicht allein von den Erlebnissen und Gefühlen der Mutter, sondern vor allen Dingen davon, wie diese Erlebnisse und Gefühle auch das Leben der Tochter dauerhaft beeinflusst haben und noch über den Tod hinaus beeinflussen. Diese Reflexionen stören den Erzählfluss aber in keiner Weise. Im Gegenteil: Sie verhindern eine zu große Verdichtung der geschilderten Ereignisse und gönnen dem Leser so eine "Ruhepause".
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "...dass eine Spur bleibt...", 28. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Lächeln meiner Mutter (Gebundene Ausgabe)
Wir haben es zu tun mit dem Psychogramm einer französischen Großfamilie, die wir von den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts bis in die Gegenwart begleiten. Es ist ein authentischer, größtenteils autobiografischer Roman von Delphine de Vigan.

30. Januar 2008. Delphine findet ihre Mutter Lucile leblos auf. Minuten vergehen, bis sie realisiert, daß Lucile tot ist, tot seit mehreren Tagen, aus dem Leben geschieden durch einen suizidalen Akt.
Angetrieben durch die Frage nach dem Warum rekonstruiert sie das 61 Jahre währende Leben ihrer Mutter, um aus der chronologischen Abfolge der schicksalhaften Ereignisse zu der Bruchstelle zu gelangen, die zu der unaufhaltsamen, endgültigen, finalen Selbstaufgabe geführt hat. Nichts, nicht eine Kleinigkeit darf sie übersehen, nichts, was einen Hinweis darauf geben könnte, auf welche Weise "Verhaltensmuster weitergegeben werden, die wie ein erbarmungsloser Fluch eine ganze Familie heimsuchen und Spuren hinterlassen, die der Zeit und allem Leugnen trotzen". (S.246)

Ihre anfängliche Absicht, aus Stichworten der Erzählungen von Familienangehörigen, Tonbandmitschnitten, Filmen, Fotos, Briefen, Tagebuchaufzeichnungen und losen Blättern mithilfe ihrer schriftstellerischen Fähigkeiten eine gefällige Geschichte zu fabulieren, erweist sich bereits nach wenigen Seiten, in denen sie frühe Kindheitserlebnisse ihrer Mutter zu schildern versucht, als über alle Maßen riskant und im Blick auf die erforderliche Ernsthaftigkeit und Authentizität unverantwortlich. Aus all den Bruchstücken zu einer Wahrheit zu gelangen, die alle Fragen beantwortet und jeder Analyse standhält, ist ein Unterfangen, das sie an die Grenzen ihrer eigenen Belastbarkeit stoßen lässt und sie in einem Wechselbad der Gefühle zwischen der scheinbaren Unmöglichkeit ihres Vorhabens und der Entschlossenheit, dieses Projekt zu einem guten Ende zu bringen, gefangen hält. Denn die Aufarbeitung der Lebenskatastrophen ihrer Mutter ist längst zu ihrer eigenen Angelegenheit geworden. Trotz oder gerade wegen ihrer inneren Distanz ist sie doch die Tochter, diejenige, die der Mutter einerseits am nächsten stand und doch andererseits am meisten an ihr gelitten hat, an der fehlenden Mutterliebe, deren unmittelbare Folgen sie selbst in ihrer Jugend an den Rand des Todes gebracht hat (Magersucht!). Somit gleicht ihr Schreiben einer Gratwanderung zwischen den Familientabus und der Schuldigkeit, letzte Geheimnisse aufzudecken, die das Unfassbare erklären und - wer weiß - vielleicht postum versöhnen.

So liest sich die Geschichte von Lucile wie eine Tragödie in 3 Akten.

1.Akt
Wir lernen sie kennen als überaus schweigsames, ängstliches Kind, Papas Liebling, das sich in der Dunkelheit fürchtet, als fragile Prinzessin, die als Fotomodell für Kinderkleidung schon früh den Nimbus der Außergewöhnlichen einnimmt. Die Prädestination für Einsamkeit, Unverstandensein, den Hang zum Exzentrischen, Grenzüberschreitenden, autodestruktivem Verhalten, der Unfähigkeit zu lieben? So einfach ist es wohl nicht.
2.Akt
Die Geburt ihrer Töchter Delphine und Manon, das Scheitern ihrer Ehe, wechselnde Liebesbeziehungen, abgebrochene Arbeitsverhältnisse, Verwahrlosung, Zeichen einer bipolaren Persönlichkeitsstörung, Alkohol, Drogen, depressiv-apathische und manische Phasen, der erste Zusammenbruch, Wahnsinn, Einweisung in die Psychiatrie am 31. Januar 1980.
3.Akt
Entlassung, hoffnungsvoller Neubeginn, Rückfälle, endgültiger Durchbruch, Studium, Berufsausbildung, Erfolg, Krebsdiagnose, AUS.
Die Geschichte endet, wo sie begann.

Delphine de Vigan ist über der Niederschrift 'um Jahre gealtert', in ihrem Herzen sicherlich an der selbst gestellten Aufgabe gewachsen. Vieles ist ihr klar geworden, noch mehr bleibt rätselhaft. Sie hat ihre Mutter auf den Sockel zurückgestellt, von wo sie herabgestürzt war. Ich sehe ihr Buch als einen Akt der Liebe. Liebe verzeiht. Nimm sie an, lass es gut sein, Delphine.
..."denn etliche gehen mit Notwendigkeit in die Irre,
weil es den rechten Weg für sie überhaupt nicht gibt"...(Thomas Mann)
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5.0 von 5 Sternen Tapferer Kampf einer Frau gegen Depression, 9. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Lächeln meiner Mutter (Gebundene Ausgabe)
Lange Zeit haben das Buch und ich uns in gebührendem Abstand umkreist - zu dunkel? Aber wie Goethe sagt, bedarf es des Schattens, um das Licht zu erkennen. Da der Leser um das Ende weiß scheint die Lebensfreude von Lucile umso heller. Ich lese in dem Text eine große Kraft und innere Schönheit. Und dass es sich unter allen Umständen lohnt, für sein Lebensglück zu kämpfen.

Ist es nicht eine der Ur-Fragen: was ließ Mutter lächeln, was machte sie traurig? Delphine, die Tochter, hat umfangreich recherchiert. Daher kann sie eine pralle Familiengeschichte liefern, intelligent, präzise, wie mit dem Seziermesser "seit diesem Tag war nichts mehr wie zuvor". Wann ist das Leben der Mutter vom Besonders-Sein ins Morbide abgerutscht? Wieviel ist in einem Menschen angelegt, was durch Erziehung und frühe Erfahrungen bedingt?

Delphine geht mutig in die familiäre Vergangenheit. Wissend, auch mit der umfangreichsten Recherche die Mutter niemals zu 100% abbilden zu können. Auch ist ein solches Buch nicht möglich, ohne Verletzungen bei noch lebenden Personen hervorzurufen. Gerade die Zweifel der Autorin, die den Rahmen der Erzählung bilden, geben für mich eine besondere Einsicht. Was sonst kaum oder gar nicht möglich ist, weil es entweder zu wenig Aufzeichnungen gibt, keiner mehr über dunkle Familienereignisse sprechen möchte oder weil die Personen ganz einfach verstorben sind: Delphine de Vigan gräbt hartnäckig und entblättert gerade die frühen Erfahrungen, über die für die meisten in der Umgebung die Bande des Schweigens gewachsen sind. Und gerade diese haben die mächtigsten Auswirkungen, bis in die Gegenwart.

Eine französische Großfamilie, deren Höhepunkte (Werbeagentur, Eltern-Konstellation) als auch Tragödien (Tod von drei Brüdern) durchaus über das "normale" hinausgeht.

Überzeugend die Geschichte der Mutter: So viele dunkle Jahre und Ereignisse hat sie überstanden. Beziehungen geführt, Kinder bekommen. Mit welcher Kraft sie gegen ihre Depression ankämpft, wie sie nach Jahren der Medikamentierung eine Ausbildung durchzieht, schwachen Menschen immer wieder hilft. Eine extrem große Lebensleistung, auch die letzte Entscheidung der Mutter war eine aktive. Wie der Psychiater sagt "es war nicht die Frage, wie sie zu dem Freitod kam, viel eher war die Frage, wie sie so lange durchhalten konnte".

Auch und gerade durch die dunklen Erlebnisse, erlebt man die Stärken der Familie umso stärker mit. Hut ab - eine ganz starke Erzählung von de Vigan.
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5.0 von 5 Sternen Eine Geschichte wie ein Sog, 26. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Lächeln meiner Mutter (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte dreier Generationen (Großmutter, Mutter, Autorin) hat mich Seite für Seite in den Bann gezogen. Sie spannt einen zeitlichen Bogen vom großbürgerlichen Leben der Nachkriegszeit bis ins Heute auf. Es ist eine Geschichte, die das Leben und den Selbstmord der Mutter biographisch aufarbeitet. Sie versucht Fragen zu beantworten, die bislang nie gestellt worden sind. Eine Geschichte, die hinter die Kulissen der großbürgerlichen Großfamilie schaut und dabei das Leben der psychisch kranken Mutter innerhalb dieser Kulisse ausleuchtet. Biographisch und intensiv.
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4.0 von 5 Sternen lesenswertes Familiendrama, 28. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Lächeln meiner Mutter (Kindle Edition)
Die Autorin schildert abwechslungsweise ihre Erinnerungen an die Mutter und die Ergebnisse ihrer Nachforschungen bei Familie und anderen Personen. Dabei werden Tabus mit überraschender Klarheit angesprochen. Es handelt sich aber nicht um eine Abrechnung mit der Familie. Vielmehr ist die Autorin von Selbstzweifeln geplagt (die sie dem Leser offen darlegt) und wahrt die nötige Sensibilität. Dass dadurch der Erzählfluss etwas ins Stocken gerät, ist ein kleiner Wermutstropfen.
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5.0 von 5 Sternen Geht einem ans Herz und unter die Haut, 22. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Lächeln meiner Mutter (Kindle Edition)
Eine Frau mittleren Alters, selbst Mutter, versucht durch ein Buch über ihre eigene Mutter mit deren Tod abzuschließen. Ein wunderbares Buch. traurig, bewegend, spannend, phantastisch geschrieben! Die Emotionen, die während ihres Schreibens von ihr weitergegeben werden, die sie aushalten muss, reißen einen mit, man ist mitten in der Geschichte drin. Mich hat das Buch sehr berührt. Es ist eines der Bücher, die noch tagelang "nachwirken". Unbedingt lesen!
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Das Lächeln meiner Mutter
Das Lächeln meiner Mutter von Delphine de Vigan (Gebundene Ausgabe - 1. März 2013)
EUR 19,99
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