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Philosophie des Körpers
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In ihrem mit 144 Seiten schon ein bisschen schmalen Bändchen konstatiert die Autorin in der Einleitung, dass die Philosophen doch meistens die Vernunft, den menschlichen Verstand oder vielleicht auch noch einmal menschliche Leidenschaften zum Thema haben. Die Realität, der Sinn und der Wert der Körperlichkeit, die Endlichkeit der menschlichen Existenz werden darob vernachlässigt. Wenn er, der Körper, – zumeist am Rande – thematisiert wird erscheint er allzu oft als Gefängnis, als Maschine oder als Materie, wird reduziert auf das Bild der Last, von der man sich befreien kann oder auf seine Funktion als komplexer Organismus. Im Grunde unternimmt es die Autorin in ihrem Buch nach dem Sinn der leiblichen Existenz zu fragen, wobei sie ihn in seiner materiellen Existenz beleuchtet, als auch in seiner kulturellen und sozialen Dimension. Der Körper erscheint bei ihr als Objekt, das aber auf eine bestimmte Präsenz verweist, anders als die anderen materiellen Objekte um uns herum. Er führt mitten in das Sein der Person. Durch den Körper ist der Mensch als inkarniertes Wesen an die Materialität der Welt gebunden, woraus sich eine zweifache Weise unserer Körpererfahrung, so die Autorin, ergibt, wir haben nämlich zu ihm sowohl eine instrumentelle als auch eine konstitutive Beziehung. Dieser nach Meinung der Autorin widersprüchlichen Existenz nähert sie sich in ihrem Buch von historisch-philosophischer Seite, versucht aber auch insgesamt den Widersprüchen der körperlichen Existenz, die jedem Menschen innewohnen, tiefergehend nachzuspüren. Das Buch hat fünf große Abschnitte: „Der Dualismus und seine Etappe“, „Vom Monismus zur Phänomenologie“, „Der Körper zwischen Natur und Kultur“, „ Verwerfung und Verdinglichung: die dunklen Seiten der Materie“ und „Sexualität und Subjektivität: der Vollzug des Fleisches“. Zu dem Ganzen gibt es dann noch eine Einleitung und ein Schlusswort. Die großen Abschnitte sind dann nochmals in kleinere, nummerierte, überschriebene Einheiten unterteilt, die sehr gedrängt, aber dabei nicht oberflächlich die Gedankengänge der Autorin vorantreiben und ordnen. Ob sie nun die Vorstellung des Körper als Gefängnis der Seele darstellt, Körperlosigkeit des Cyberspace, die Fallstricke des Konstruktivismus, die Erfahrung von Krankheit, Sexualität oder die perverse Verdinglichung des Körpers analysiert, die Gedanken der Autorin werden in klarer, eingängiger und gut nachvollziehbarer Sprache präsentiert. So sehe ich das Buch auch nicht unbedingt als eine Lektüre für die abgelegene Gelehrtenstube, sondern man kann sich damit durchaus auch einmal die Zeit am Strand vertreiben. Und man bekommt eine Menge schöner, inspirierender und wichtiger Gedanken mit auf den Weg. Es ist aber kein Buch, das die Gedanken in ein ganz festes Korsett einzwängen will, sondern es bleibt alles ein bisschen luftig und frei schwebend. Das Buch hat mich gut unterhalten und genährt zurückgelassen, ohne dass es mir sonderlich auf den Magen geschlagen ist (will sagen: Ich empfinde es nicht als besonders theorielastig).
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TOP 100 REZENSENTam 5. Juli 2015
Viele Menschen leben einfach, ohne je einen Gedanken daran verschwendet zu haben, dass sie Materie und Seele, Körper und Gedanken sind bzw. das daraus entstehende, komplexe Geflecht an Aktivitäten, die das Leben ausmachen. Die Autorin skizziert den Wandel des Körperverständnisses im Lauf der Jahrhunderte bzw. die entsprechenden Theorien und bringt sie vor allem in Bezug auf die komplexen Zusammenhänge des Begehrens zweier Körper in der Liebe/Sexualität zum Ausdruck.

Liegt ihm das Zeugen von Schönem nach Platon zugrunde - sei es im Leib oder in der Seele? Nur durch Mäßigung des sexuellen Verlangens sei es möglich, Schönheit und Güte dem geliebten Partner vom Objekt zum Seelenverwandten werden zu lassen. „Daher ist wahre Liebe immer philosophisch und öffnet dem Guten in der Seele den Weg: Sie ist eine sinnliche Anziehung, die zum Übersinnlichen hinführt.“ (S. 113) Liegt ihm die Sichtweise Freuds zugrunde, der meint, dass Sexualität die vitale Kraft ist, die das Dasein lebendig gestaltet? Die Autorin lässt große Denker sprechen und vergleicht sie treffend.
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Wie geht der Liebende mit dem Objekt seiner Begierden um, gelingt es ihm, sich von Macht- und Unterwürfigkeitsphantasien zu verabschieden, die Triebe zu leben, aber in ihnen erkennend Mensch zu werden? „Im sexuellen Akt öffnet sich das Objekt im Mysterium des Unvollständigsein und entdeckt den Genuss in dem, was seinen intimsten und wie zugleich fremdesten Bereiche sind. Im erotischen Genuss enthüllen wir unsere Schwächen und öffnen uns der schöpferischen Dimension der Begegnung. In der Offenbarung des eigenen Körpers rückt das Ideal, das wir von uns selbst haben, in die zweite Reihe. Das Objekt pendelt hin und her zwischen Auflösung und Wiederzusammensetzung, Hingabe an die Lust und Rückgewinnung der Kontrolle, Aufgabe des Urteilsvermögens und der Vernunft und Rückeroberung der Grenzen des Körpers und der Seelenräume.“ (S. 120)

Die Sexualität rückt in diesem Sinne das Subjekt heraus aus dem Bann des Beherrschenwollens. Ich beginne den anderen zu sehen, mit ihm zu interagieren, ihn zu streicheln, gestreichelt zu werden, die Urerfahrung des Menschlichen, mit all seinen Widersprüchen und Fallstricken. Man ist in der Hingabe sich selbst entfremdet, sich entäußert. Dass ICH aber kann entstehen genau im Moment des Verlustes: eine Anhöhe und Ausblick auf die wahren Dimensionen der Liebe. Geben und nehmen werden in der Sexualität eins, sie hebt Widersprüche auf, um sie danach umso stärker wieder aufleben zu lassen: Eifersucht, Verlust, Nichtverstandenwerden, große Liebe und bodenloser Hass liegen auch deshalb so nah, weil die Nähe so tief und hoch war, eine Auflösung aller Gegensätze, der Himmel auf Erden inkl. Rückfahrkarte in die Realität.

Wie kann einer, der körperliche Nähe wohl nie (leidenschaftlich) gespürt hat (Nietzsche), dessen Körper immer kränklich war, sich derart über seine eigenen Schwächen erheben und Gedanken formulieren, die im Grunde der Liebe bedürfen? Die Philosophie des Körpers wird nie enden, sie hat eine bodenlose, vielfältige Art des Nachdenkens darüber entwickelt, die in diesem lesenswerten Buch neu gedacht und übersichtlich präsentiert wird, ein Genuss zu lesen.

Gut gefallen hat mir das am Ende stehende Zitat von Wislawa Szymborska: „Geändert hat sich nichts; außer dem Wettlauf der Grenzen, der Linien und Wälder, Wüsten und Gletscher. In diesen Landschaften streunt unsere Seele, verschwindet, kommt wieder, mal näher, mal ferner, sich selber fremd, unbegreifbar, mal sicher, mal unsicher ihres Vorhandenseins, während der Körper ist und ist und ist und weiß nicht wohin.“
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am 19. Oktober 2014
Eine verständlich geschriebene Einführung in die philosophische Betrachtung des Körpers. Eine Bereicherung für alle, die sich mit dem Leib als lebendigen Zustand beschäftigen möchten.
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