Kundenrezensionen


29 Rezensionen
5 Sterne:
 (18)
4 Sterne:
 (6)
3 Sterne:
 (3)
2 Sterne:
 (1)
1 Sterne:
 (1)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


32 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Standardwerk zur Geschichte Ost-/Ostmitteleuropas in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts
Timothy Snyder gelingt mit Bloodlands etwas Ungewöhnliches: Er schafft es, eine gepeinigte Region und deren Menschen zwischen Hitler und Stalin derart eindringlich zu beschreiben, dass der Leser geneigt ist, seine Sprache als sehr lesenswert und kurzweilig anzusehen, und dies bei einer derart bedrückenden Thematik.
Er beschreibt die verbrecherischen...
Veröffentlicht am 27. Juli 2011 von HerrbertSchmitt

versus
14 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Timothy Snyder, Bloodlands
Der Hype um Timothy Snyders Bloodlands, der nun auch einen Leipziger Literaturpreis erhält, erklärt sich zum einen aus seinem durchaus innovativen und interessanten Ansatz und zum anderen aus der Ignoranz vieler Intellektueller, die offenbar die schon vor vielen Jahren erschienen Bücher von Conquest, Solschenyzin, Levy, Armanski oder.... nie zur Kenntnis...
Veröffentlicht am 21. Februar 2012 von Robert Siorac


‹ Zurück | 1 2 3 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

32 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Standardwerk zur Geschichte Ost-/Ostmitteleuropas in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts, 27. Juli 2011
Timothy Snyder gelingt mit Bloodlands etwas Ungewöhnliches: Er schafft es, eine gepeinigte Region und deren Menschen zwischen Hitler und Stalin derart eindringlich zu beschreiben, dass der Leser geneigt ist, seine Sprache als sehr lesenswert und kurzweilig anzusehen, und dies bei einer derart bedrückenden Thematik.
Er beschreibt die verbrecherischen Heimsuchungen, denen im Wesentlichen die heutigen baltischen Staaten, Polen, die Ukraine und Weißrussland vom Ersten Weltkrieg bis zu Stalins Tod durch Nationalsozialismus und Stalinismus ausgesetzt waren. Von den sowjetischen Hungersnöten über Klassen- und Nationalitätenterror, den Holocaust, die Todesfabriken bis zu ethnischen Säuberungen stellt der Autor die aufeinanderfolgenden Katastrophen für die Region dar. Es gelingt Snyder gerade, keine Vergleiche der Grausamkeiten anzustellen und kein Aufrechnen von Ermordeten zu versuchen (wenn auch häufig neuere Zahlen aus der historischen Forschung die Dimensionen unterstreichen), sondern vielmehr zu beschreiben, was deutsche und sowjetische Besatzer im Wechsel in diesen Regionen hinterließen: verbrannte Erde, unendliches Leid und massenhaften Tod. Gerade die Einschübe individueller Schicksale und Erlebnisse heben das Werk über eine rein historisch nüchterne Analyse hinaus und lassen den Leser das Leid eindringlich mitempfinden, was neben Saul Friedländer keinem Autor bisher gelungen ist. Gewiss werden keine bahnbrechend neuen historischen Erkenntnisse ausgebreitet, doch gelingt es der Darstellung, den aktuellen Forschungsstand in ein übergreifendes Standardwerk einzubetten.
Einige wenige Anmerkungen zum Schluss: 36 Karten tragen zur Veranschaulichung der Dimensionen bei; das Buchformat (Höhe des Buchrückens: 23,8 cm) ist größer als gewöhnlich (ca. 20 bis 22 cm) was der Übersichtlichkeit der Karten und der Lesbarkeit des Textes sehr zugute kommt; der Umfang (410 Seiten ohne Anmerkungen, Bibliographie und Register) kommt sowohl fachlichen Kennern wie auch interessierten Lesern entgegen.
Bloodlands von Timothy Snyder ist, und das kann bereits kurz nach seinem Erscheinen festgehalten werden, eines der wichtigsten historischen Werke zur Geschichte Ost-/Ostmitteleuropas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


52 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bilanz des Schreckens, 26. Juli 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Obwohl die Verbrechen Stalins und Hitlers zu den bestuntersuchten Themen der jüngeren Vergangenheit zählen, unterliegt ihr Bild noch vielen Verzerrungen. Der amerikanische Historiker Timothy Snyder hat sich vorgenommen, die wichtigsten davon zu korrigieren.

Snyder zufolge hat die Fixierung der öffentlichen Wahrnehmung auf Auschwitz und den Gulag vergessen lassen, dass die meisten Opfer der beiden Diktatoren Osteuropäer waren und in den von ihm so genannten "Blutländern" getötet wurden, den Gebieten zwischen Russland und Deutschland. 14 der insgesamt 17 Millionen Menschen, die von 1933 bis 1945 durch die Unterdrückungsmaßnahmen Stalins und Hitlers umkamen, wurden auf dem Territorium Polens, Weißrusslands, der Ukraine, der baltischen Staaten und Westrußlands ermordet. Da nach Auschwitz mehr west- und südeuropäische Juden gelangten als in die anderen Vernichtungslager, und der Gulag zum größten Teil außerhalb der "Blutländer" lag, sei keine der beiden Einrichtungen für die Verbrechen ihres Regimes repräsentativ gewesen.

Die Überlebenden der in den "Blutländern" verübten Massaker wurden, wie Snyder betont, oft genug Zeugen der Untaten BEIDER Diktatoren. Eine Geschichtsschreibung, die sich auf einen der Unrechtsstaaten beschränkte, würde der Lebenserfahrung dieser Menschen nicht gerecht.

Sie würde außerdem einen guten Teil ihrer Erklärungsaussichten verspielen, spreche doch vieles dafür, dass die totalitären Reiche sich gegenseitig zu Verbrechen animierten, die sie ohne Kontakt miteinander nicht begangen hätten.

Darüber hinaus, so ließe sich hinzufügen, heißt vergleichen nicht relativieren. Der Vergleich muss Unterschiede ebenso herausarbeiten wie Gemeinsamkeiten. Ob die Shoah einzigartig ist, weiß man nur, wenn man sie mit anderen Massenmorden verglichen hat. Wer auf Vergleiche verzichtet, verzichtet auf Erkenntnis.

Es liegt also in der Natur der Dinge, dass eine integrierte Darstellung der in den "Blutländern" begangenen Verbrechen der isolierten Betrachtung überlegen ist. Was Snyders Buch von den bisherigen Versuchen dieser Art unterscheidet (z. B. Dietrich Beyrau, Schlachtfeld der Diktatoren. Göttingen 2000; Richard Overy, The Dictators. New York 2004; Jörg Baberowski/Anselm Doering-Manteuffel, Ordnung durch Terror. Bonn 2006) sind seine Präzision und seine Anschaulichkeit.

In chronologischer Folge beschreibt der amerikanische Historiker zunächst die von Stalin herbeigeführte Hungersnot in der Ukraine in den Jahren 1932/33, dann den Großen Terror 1937/38, die deutsch-sowjetische Besatzung Polens, die Massenerschießungen polnischer Offiziere in Katyn und anderen Orten, die deutschen Besatzungsverbrechen in der Sowjetunion, den deutschen Völkermord an den Juden sowie die Zwangsumsiedlungen und Vertreibungen am Ende des Krieges. Das abschließende Kapitel beschäftigt sich mit der antisemitischen Kampagne, die Stalin kurz vor seinem Tode plante.

Wo immer möglich, versucht Snyder seine Darstellung mit Zahlen zu untermauern. So kommt er zu dem Schluss, dass Hitler entgegen einer weitverbreiteten Auffassung mehr Menschen umbringen ließ als Stalin. Den insgesamt 12 Millionen Opfern des deutschen Diktators stünden 9 Millionen des sowjetischen gegenüber.

In der Motivation der Verbrechen sieht Snyder erstaunliche Ähnlichkeiten. Stalins Säuberungen der Jahre 1937/38 hätten nämlich zum großen Teil der Unterdrückung nationaler Minderheiten, vor allem der polnischen, gedient. Bis 1938 seien in der Sowjetunion tausendmal mehr Menschen aus ethnischen Gründen getötet worden als im nationalsozialistischen Deutschland (S. 127). "Die am stärksten verfolgte europäische Minderheit in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre waren nicht die 400.000 deutschen Juden (deren Zahl durch Emigration sank), sondern die 600.000 sowjetischen Polen (deren Zahl durch Erschießungen sank)" (S. 107). Darüber hinaus erinnere Stalins Angst vor antisowjetischen Verschwörungen in fataler Weise an Hitlers Konstrukt einer "jüdischen Weltverschwörung".

Zeitlich gesehen stehe Stalins Priorität fest. Während Hitler bis zum Kriegsausbruch den Tod von etwa 10.000 Menschen verschuldete, sei Stalin zu diesem Zeitpunkt bereits für über 5 Millionen Hungertote und fast 1 Million Erschossene verantwortlich gewesen. "Im Großen Terror hatte die Sowjetführung doppelt so viele Sowjetbürger ermordet wie Juden in Deutschland lebten, aber niemand außerhalb der UdSSR, nicht einmal Hitler, schien begriffen zu haben, dass Massenerschießungen dieser Art möglich waren" (S. 127).

Während die Mehrzahl der Opfer Stalins im Frieden umkam, verübte Hitler seine größten Verbrechen im Krieg. Ließ der kommunistische Diktator hauptsächlich Sowjetbürger töten, so richteten sich die Gewaltmaßnahmen des nationalsozialistischen überwiegend gegen Ausländer.

Mit der Besetzung Polens hätten Hitlers Untaten sich denen Stalins angeglichen. Vom September 1939 bis zum Juni 1941 töteten Deutsche und Russen eine vergleichbare Anzahl von Polen (etwa 100.000), wenngleich mit unterschiedlicher Professionalität. "Während die Deutschen irrtümlich glaubten, sie hätten die polnische Bildungsschicht in ihrem Teil des Landes eliminiert, war dies den Sowjets weitgehend gelungen. Im Generalgouvernement wuchs der polnische Widerstand, dagegen wurden in der Sowjetunion solche Netzwerke rasch zerschlagen und Aktivisten festgenommen, eingesperrt und manchmal hingerichtet" (S. 164).

Nach dem Angriff auf die Sowjetunion habe das Dritte Reich seinen Gegenspieler überholt und sei fortan für nahezu alle politischen Morde in den "Blutländern" verantwortlich gewesen. Zwar sei die "Endlösung" mit etwa 5,4 Millionen Opfern die größte Einzelaktion, doch habe Hitler eine vergleichbare Anzahl Nicht-Juden ermorden lassen.

Trotz ihrer Ungeheuerlichkeit blieben diese Verbrechen noch hinter den Plänen der nationalsozialistischen Führung zurück. Diese sahen vor, im Herbst und Winter 1941 an die dreißig Millionen Sowjetbürger dem Hungertod auszuliefern und nach dem Sieg in den eroberten Ostgebieten weitere 31 bis 45 Millionen Menschen zu eliminieren (Generalplan Ost).

Hinsichtlich der Shoah ist Snyders Hinweis aufschlussreich, dass ebenso viele Juden östlich der Molotow-Ribbentrop-Linie erschossen wie westlich von ihr vergast wurden. Zieht man noch die von Nationalsozialisten und Kommunisten herbeigeführten Hungersnöte in Betracht (denen über 9 Millionen Menschen zum Opfer fielen), wird deutlich, dass die totalitären Massenmorde mit viel primitiven Mitteln durchführbar waren, als ein Blick auf die Gaskammern glauben macht.

Im übrigen seien die meisten Vergasungen nicht in Auschwitz, sondern in den wesentlich tödlicheren Vernichtungslagern der "Aktion Reinhardt" erfolgt. Während Auschwitz von über 100.000 Menschen überlebt wurde, gab es in Belzec, Sobibor und Treblinka bei 1,3 Millionen Deportierten kaum 100 Überlebende.

Erfreulicherweise hat das Bemühen um quantitative Genauigkeit Snyder nicht davon abgehalten, die Erfahrung der Zeitgenossen in die Darstellung einfließen zu lassen. Mit reichlichen Zitaten aus Berichten, Erinnerungen und Tagebucheinträgen von Opfern wie Tätern führt er dem Leser eindrucksvoll vor Augen, dass hinter jeder Zahl ein menschliches Schicksal steht.

Angesichts dieser Leistung wird man es dem Autor nachsehen, dass er weder neue Quellen ausgewertet noch neue Erklärungen oder theoretische Ansätze formuliert hat. Als Zusammenfassung des gegenwärtigen Wissensstandes ist seine Arbeit sehr lesenswert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


28 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wo alle Schrecken zusammenkamen: die Bloodlands, 19. Juni 2013
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Bloodlands: Europa zwischen Hitler und Stalin (Taschenbuch)
Die vorliegende Monographie von Timothy Snyder beschäftigt sich mit einer europäischen Region, in der sich innerhalb einer bestimmten Zeitspanne alle Schrecken des Jahrhunderts in einer Weise entluden, dass den Leser noch heute das Grausen packt: den Bloodlands. Und Bloodlands versteht Snyder ein genau umreißbares Gebiet: die Territorien Zwischenkriegspolens, der baltischen Staaten, Weißrusslands, der Ukraine sowie der westlichen Sowjetunion in der Region um Smolensk. Diese Regionen hatten das einmalige Pech, kurz nacheinander der kommunistischen und der nationalsozialistischen Mordmaschinerie ausgeliefert zu sein: 14 Millionen ermordete Menschen (ohne die Millionen gefallener Soldaten) in weniger als zwanzig Jahren waren die Folge.

Die chronologisch aufgebaute Darstellung beginnt mit der ukrainischen Hungersnot, deren unglaubliche Einzelheiten und Ausmaße noch immer nicht wirklich im westlichen Geschichtsbewusstsein angekommen sind. Sie setzt sich fort über die Großen Säuberungen des Jahre 1937, die in den Bloodlands in Wahrheit eine ethnische Säuberung zu Lasten der Polen innerhalb der sowjetischen Territoriums gewesen sind. In den Dreißiger Jahren, als so genante Humanisten wie Heinrich Mann die UdSSR als Vorschein des Paradieses priesen, hatte Stalin also bereits mit den millionenfachen Massenmorden in den Bloodlands begonnen. Übertroffen wurden diese Untaten dann in kürzester Zeit durch den nationalsozialistischen Massenterror, der es innerhalb von nur 6 Jahren auf neun Millionen Morde brachte. Entgegen der öffentlichen Bewertung aber waren mit dem Ende des zweiten Weltkrieges die Leiden in den Bloodlands keineswegs zu Ende. Der Nationalsozialismus war zusammen gebrochen, aber der vollentfaltete Stalinismus konnte als siegreicher Mörder seine Beuteterritorien sogar noch ausweiten. Hinrichtungen, Massenverhaftungen und ethnische Säuberungen gingen noch bis zum Tode Stalins weiter, zuletzt in Gestalt eines stalinistischen Antisemitismus, der ebenfalls heute gerne verschwiegen wird.

Ohne die Morde des Spätstalinismus nach 1945 kommt Snyder am Ende seines Buches zu folgender Auflistung der Opfer, die man kaum wiedergeben mag: "3,3 Millionen Sowjetbürger ( hauptsächlich Ukrainer), die in der ukrainischen Sowjetrepublik 1931/2 von der eigenen Regierung vorsätzlich dem Hungertod preisgegeben wurden, 300.000 Sowjetbürger (hauptsächlich Polen und Ukrainer), die von der eignen Regierung als Teil des Großen Terrors in den Jahren 1937/8 erschossen wurden, 200.000 Polen, die von der sowjetischen und deutschen Regierung zwischen 1939-1941 im besetzten Polen erschossen wurden, 4,2 Millionen Sowjetbürger ( hauptsächlich Russen, Weißrussen und Ukrainer) die von der deutschen Besatzung dem Hungertod preisgegeben wurden, 5,4 Millionen Juden (hauptsächlich polnische und sowjetische Bürger), die zwischen 1941 bis 1944 von den Deutschen erschossen oder vergast wurden und 700.000 Zivilsten, die von den Deutschen bei Vergeltungsaktionen" erschossen wurden, die meisten in Warschau und Weißrussland"(Seite 419).

Alles in allem handelt es sich bei dem vorliegenden Buch um ein epochales historisches Werk, das aus meiner Sicht gleich zweierlei leistet: Zunächst ist es eine faktengesättigte geschichtliche Monografie mit zahlreichen Einsichten und Querverweisen, die auch den Kenner erstaunen werden. Jedenfalls war mir das Ausmaß des kommunistischen Terrors gerade gegen die Polen bisher unbekannt. Auf der anderen Seite liefert Snyder eine implizite Theorie des osteuropäischen Antisemitismus, wenn er darauf hinweist, dass zum Beispiel die antisemitischen Ausschreitungen im Nachkriegspolen in einem Land stattfanden, indem der Anteil der Juden auf 1 % der Bevölkerung gesunken war, während der Anteil der Juden in de kommunistischen Geheimpolizei in Polen bei 40 % lag. Zum anderen ist das vorliegende Werk nicht mehr und nicht weniger als eine Rehabilitierung und Vertiefung der klassischen Totalitarismustheorie, die seit Hannah Arendts epochalem Werk über die Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft" die gemeinsamen Wesenszüge von Nationalsozialismus und Kommunismus herausstellt. Wenn man bedenkt, dass ein Großteil der pseudowissenschaftlichen Aktivität so genannter antifaschistischer Historiker in den letzten zwanzig Jahren in einer Desavouierung dieser Theorie und damit einer teilweisen Exkulpation des Kommunismus bestand, dann kann man sich kaum eine wirkungsvollere Bekräftigung dieser Perspektive vorstellen als das vorliegende Meisterwerk.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


32 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein sensationelles Buch, 14. Juli 2011
Von 
Dr. Engelhard Weigl "Teufelweich" (Adelaide Australien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Timothy Snyder ist mit Bloodlands ein sensationelles Buch gelungen, da er nicht von der Nationalgeschichtsschreibung ausgeht, sondern von einem Ort. Er sieht die Geschichte des furchtbarsten Vernichtungsfeldzuges der Weltgeschichte gegen die Zivilbevölkerung nicht aus amerikanischer oder deutscher, polnischer oder russischer Perspektive, sondern geht von einem Ort aus: den Raum zwischen Poznan und Moskau. Heute der Raum der Ukaine, Belarus, Polen, Westrussland und die östliche baltische Küste. Zwischen 1933 und 1945 sind in diesem Raum in jedem Jahr über eine Millionen Zivilisten ermordet worden.
Die zweite Bedingung für den Erfolg dieses Buches ist, dass Snyder alle Sprachen beherrscht, die notwendig sind, um das Schicksal der Menschen in diesem Raum zu verstehen: die polnischen, russischen, jiddischen und deutschen Dokumente und die breite Forschungsliteratur aus diesen Ländern. So wird ein breites Panorama möglich, daß zwischen Stalins Hungerkatastrophe in der Ukraine und Hitlers Plänen zur Vernichtung der sowjetischen Zivilbevölkerung einen Zusammenhang erkennt. Der Raum ist gekennzeichnet durch eine zunehmende Desensibilisierung gegenüber dem Mord. Das Bild, das entsteht, bedeutet keine Entlastung der Beteiligten, es wird der Kontext sichtbar, der durch die jeweilige Nationalgeschichtsschreibung vernebelt wurde. Ein Buch, das zumindest in die Hand jedes Geschichtslehrers gehört, uns an längst vergessene Kriege wie den zwischen Polen und Sowjetrussland erinnert, an die systematische Ermordung russischer Kriegsgefangenen durch die Deutschen, an die keine Denkmäler erinnern.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Herz der Finsternis, 13. September 2011
'An einem Frühlingsmorgen saugte ein Säugling an der Brust der Mutter, deren Gesicht das Grau des Todes zeigte'.

Snyder versteht es, das abstrakte, kaum zu fassende, Grauen Millionen von Toter herunterzubrechen und damit konkret, fassbar und direkt dem Leser vor Augen zu stellen. Die 'Bloodlands', jener geographische Bereich zwischen Deutschland und Russland, im zweiten Weltkrieg mit Millionen von gefallenen Soldaten und sterbender Zivilbevölkerung in Blut getränkt ist das Thema, welches Snyder in ruhiger, beschreibender und dennoch hoch konkreter Form dem Leser vor Augen führt. Ein Thema, dass Snyder immer wieder individuell zu schildern versteht und gerade dadurch dem Leser so nahe zu bringen vermag.

Stalins Umformung der Sowjetunion mitsamt seiner Säuberungen, aber auch den qualvollen Folgen für das einfache Volk (jener Säugling, der an der Brust der toten Mutter noch saugte war eines der Opfer sowjetische Hungersnöte im Zuge des ersten Fünfjahresplans Stalins). Der Holocaust Hitlers gegen die Juden. Der Hungerkrieg gegen die Kriegsgefangenen und letztlich gegen die gesamte, zivile Bevölkerung der Bloodlands, dass sind die drei Themen Snyders, die letztlich in ein Thema zusammenfallen: Der unermessliche Blutzoll der Diktaturen, durchgeführt durch zwei verfeindete und doch ähnlich funktionierende Systeme.

'Die bloße Zahl der Opfer kann unser Gefühl für die Individualität jedes einzelnen (Opfers) betäuben'. Nach der Lektüre des Buches ist das nicht mehr so einfach. Persönlich lässt Snyder diese Zeit, diese Gräueltaten, diese Opfer werden, ohne seine Linie der historisch korrekten und fundierten Darstellung zu verlassen. Das Kapitel über die 'Ökonomie der Apokalypse' führt noch einmal eindringlich vor Augen, im Zuge welche strategisch überlegten Plans und mit welch ausgearbeiteten Mitteln jene millionenfachen Tode nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern letztlich gezielt vorangetrieben worden sind.

14 Millionen zivile Tote sind es, von denen Snyder Zeugnis ablegt. Und dafür sorgt, dass nicht nur der Rassismus Hitlers, sondern auch der blutige Antisemitismus Stalins noch einmal prägnant in den Blick gerückt wird. Ein Blick, dem auch nicht entgeht, zu welch Grausamkeiten viele der einfachen Soldaten auf beiden Seiten der Front fähig waren (nach oben geworfene Säuglinge, auf die ein perfides, verrohtes Zielschießen veranstaltet wurde).

Und ebenso wichtig ist es, Snyder darin zu folgen und sich noch einmal deutlich darin belehren zu lassen, dass die Grausamkeiten des Krieges und des Holocaust nicht singulär im Raume stehen, dass bereits im Vorfeld, gerade in Russland durch Hungersnot und Säuberung und Terror grausame Gewalt und kaltes Auslöschen zur alltäglichen Erfahrungswelt gehörten. Zur Erfahrungswelt da, wo 'Utopien entworfen wurden, von der Wirklichkeit eingeschränkt und dann durch Massenmord durchgesetzt'. Ein Vorgang, der nicht auf die 30er und 40er Jahre und zwei skrupellose Diktatoren beschränkt war und sein wird. 'Den (jeweiligen) Führer vor der Undenkbarkeit des Irrtums zu schützen', das schein und scheint in entsprechenden Umständen jedes (andere) Opfer wert zu sein.

Snyder legt nicht nur ein fundiertes Geschichtsbuch vor, Snyder zieht in den letzten Kapiteln generelle Schlüsse und bietet Erklärungsmuster, die bis in den gegenwärtigen Alltag hineinreichen. Hervorragend geschrieben und flüssig im Stil bannt das Buch von der ersten bis zur letzten Seite.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erschütternd gut!, 18. September 2011
Die Schrecken und die Menschenverachtung der beiden totalitären Systeme bzw. Ideologien des 20. Jahrhunderts werden hier schonungslos aufgearbeitet. Dieses Buch ist nüchtern, sachlich und informativ. Der Leser bekommt ein Gefühl dafür, wie wenig ein Menschenleben im damaligen Osteuropa unter der Herrschaft von Hitler und/oder Stalin wert war. Gebietsaufteilungen und spätere Frontverschiebungen brachten jedes Mal Massenmord, Deportation oder Unterdrückung mit sich. Weder die Deutschen noch die Sowjets brachten die erhoffte Befreiung, sondern lediglich mehr Leid.
Sehr empfehlenswert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen objektive Betrachtung, 22. November 2011
In dem Buch wird der erste Vergleich zwischen Hitler und Stalin vollzogen, der nicht in der sogenannten Relativisierung besteht, d.h. wer war der erste, wer hat von wem abgeschaut, war dies oder jenes präventiv, um Schlimmeres zu vermeiden.

In diesem Buch werden die beiden Unterdrückungs- und Vernichtungssysteme , die zum selben Zeitpunkt und im selben geografischen Gebiet wüteten, beschrieben. In dem Buch wird deutlich, dass diese beiden, ideologisch und politisch unterschiedlichen, Systeme ihre Vernichtungssystematik und -methodik von Menschen, eigenständig aufgebaut haben, jedes System verfolgte seine eigenen Ziele, bei deren Erreichung Meschen dazwischen standen, die vernichtet werden mussten; beide System haben aus ihren eigenen Gründen große Teile der Meschheit entmenschlicht und systematisch ermordet.

Es gab Perioden zwischen den beiden Systemen, in den sie miteinander kooperierten, da der Glaube oder faktischer Nutzen vorhanden war, dass auf diesem Wege, die spezifischen, eigenen Ziele besser erreicht werden konnten ( Bsp. der gemeinsame Angriff auf Polen).

Die Beschreibung dieser Verbrechen in diesem Zusammenhang schafft einen bis jetzt nicht vorhandenen Verständnisrahmen für die Geschichte dieses Teils Europas.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein gewalttätiges Buch,, 23. Dezember 2014
dieses Buch ist furchtbar brutal, aber so war anscheinend damals die Zeit, ist heute auch nicht besser.
Es beleuchtet neben den in Deutschland allseits zu recht bekannten Gräueltaten des NS Regimes die zum Teil parallel durchgeführten Taten der UdSSR, Stalins.
Wenn man dies Buch im Kontext der jetzigen Geschehnisse in der Ukraine, Russland liest, so findet man Erklärungen für die Reaktionen der Akteure im Donezk, in Moskau.
Eigentlich müsste dies Buch eine Pflichtlektüre für die jetzigen Außenpolitiker UND die Korrespondenten der Medien, die aus diesen Gebieten berichten sein.
Wer jedoch Solschenyzin, Archipel Gulag, Der siebte Kreis der Hölle und/oder Lew Kopelew gelesen hat, der ahnt schon worum es in diesem Buch geht.
Beim Lesen fragt man sich, Oh Gott, wie viele Menschen werden noch umgebracht.

Dass die Narben aus die durch diese Geschehnisse verursacht wurden nicht schlimmer sind wundert einen.
Dies Buch ist für jeden zeitgeschichtlich interessierten ein Muss!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Umfangreiches Werk einer grauenhaften Vergangenheit Europas, 24. Juni 2013
Von 
Gerald Czech (Wien, Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Bloodlands: Europa zwischen Hitler und Stalin (Taschenbuch)
Timoty Snyder schrieb ein Buch: Bloodlands, über die Morde an Millionen Menschen vor dem, im und nach dem zweiten Welkrieg in Ostmitteleuropa. Die mörderischen Diktatorenregimes in Deutschland und in der Sowietunion werden dabei akriebisch beleuchtet. Die Morde werden zeitlich, polit- und ideologiehistorisch und zahlenmässig kategorisiert und jedes Detail wird anhand von Fakten beschrieben – zum Teil mit persönlichen Dokumenten und Aussagen belegt, was besonders betroffen macht. Auch wenn man die Morde nicht gegeneinander aufrechnen kann – weil jedes einzelne Menschenleben, das hier vernichtet wurde, eines zu viel ist – so finde ich es wichtig, dieses Grauen auch aufzuarbeiten. Zum „Niemals vergessen!“ gehört auch, dass man Bescheid weiß.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Timothy Snyder hat ein bahnbrechendes Buch, 19. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Bloodlands: Europa zwischen Hitler und Stalin (Taschenbuch)
über einen grossen Teil des zweiten dreissigjährigen Krieg (1914-1945) im Osteuropa geschrieben und uns aus Sicht des aufgeklärten Judentums die Parallelen zwischen dem GröFaZ und dem 'Väterchen' wie niemand sonst nahe gebracht. Dass er bei dieser monumentalen Aufgabe und bei der von den beiden Hauptprotagonisten betriebenen Geschichtsfälschung nicht in jedem Detail wissenschaftlich-akurat geblieben ist, macht das Buch nur noch herzzerreissender.

Wie sagt der Zeitzeuge Herr Zwilling (in: Herr Zwilling und Frau Zuckermann, DVD von Volker Koepp +++++, unbedingt zum Buch dazukaufen!):
'Ich war mein ganzes Leben lang Pessimist, und leider habe ich fast immer recht behalten.'
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 3 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Bloodlands: Europa zwischen Hitler und Stalin
Bloodlands: Europa zwischen Hitler und Stalin von Timothy Snyder (Taschenbuch - 1. März 2013)
EUR 14,90
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen