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HALL OF FAMETOP 500 REZENSENTam 27. Dezember 2010
Der Zusammenhang zwischen Sprache und Kultur ist in meinen Augen eine der faszinierendsten Angelegenheiten die es zu entdecken gilt und entsprechend gespannt war ich auf das neue Buch des Linguisten Guy Deutscher. Zu Recht! Das Buch ist hervorragend geschrieben und gewährt interessante Einblicke in die Sprach- und Kulturwissenschaft.

Zum Inhalt:
Die Vorstellung, dass die Grenzen unserer Sprache auch die Grenzen unseres Denkens wären, ist immer noch ziemlich populär. Edward Sapir und sein Schüler Benjamin Lee Whorf - v.a. bekannt durch die heute umstrittene Sapir-Whorf-Hypothese von der sprachlichen Relativität - haben dafür gesorgt, dass immer noch vielfach davon ausgegangen wird, dass unsere Sprache eine Art "Gefängnis" ist. Warum dies nicht so ist, aber welchen (recht geringen) Einfluss die Sprache nichtsdestotrotz auf unser Denken hat, zeigt Deutscher hier anhand von drei Beispielen: Farbe, Raum und Genus.
Was bedeutet das nun genau? Deutscher räumt mit falschen Vorstellungen von Natürlichkeit im Zusammenhang mit Sprache auf. Hinter den meisten uns "natürlich" erscheinenden Dingen stecken nämlich kulturelle Konventionen. Das Beispiel Farbe ist verblüffend. Anhand von antiken Texten (v.a. von Homer) zeigt der Autor auf, welche für unser heutiges Verständnis seltsame Farbwahrnehmung die antiken Griechen gehabt haben müssen. "Veilchenfarbene Schafe"? "Weinfarbenes Meer"? War Homer etwa farbenblind?! Warum kommt keine Schilderung des unendlich blauen Himmels bei ihm vor? Und warum kennen heute viele Sprachen noch keine Unterscheidung von blau und grün? Steckt dahinter ein anatomisches Defizit? Diese Frage wird hier eindeutig mit "nein!" beantwortet. Dahinter stecken kulturelle Konventionen - und die sind ganz schön mächtig.
Der zweite ausführlich behandelte Aspekt kreist um die Raumwahrnehmung. Hier berichtet Deutscher von einer Aborigene-Sprache, dem Guugu Yimithirr, das uns übrigens via Cook auch das Wörtchen "Känguru" geschenkt hat. Die wenigen verbliebenen Sprecher dieser Sprache orientieren sich nämlich nicht wie wir im Raum - also nach dem Prinzip egozentrischer Koordinaten (vorne, rechts, links, hinten etc.), sondern anhand der vier Himmelsrichtungen, also geographischer Koordinaten. Während unser Koordinatensystem immer mitwandert (wir sind ja das Zentrum), bleiben die vier Himmelsrichtungen immer gleich, was für uns zu völlig absurden Raumbeschreibungen führt. Statt "dreh mal den Herd ab" sagt ein Sprecher des Guugu Yimithirr z.B. "drehe den Knopf ostwärts" u.ä. - immer davon abhängig wo man gerade steht. Sowohl im Großen als auch im Kleinen wird ausschließlich das Raster der Himmelsrichtungen verwendet ("pass auf, nördlich von deinem Fuß ist eine Ameise!" statt "Vorsicht! Vor deinem Fuß ist eine Ameise!"). Auch in anderen Sprachen (z.B. in Mexico oder auf Bali) existieren ähnliche Systeme, die sich an den Himmelrichtungen oder an Bergen und dem Meer orientieren.
Und schließlich geht es noch um das grammatische Geschlecht, die Genera. Das Deutsche verfügt ja über die Unterscheidung in männlich, weiblich, sächlich. Im Tschechischen unterscheidet man bei der männlichen Kategorie schon zwischen belebt und unbelebt. Nichts gegen Sprachen, in denen es z.B. ein Gemüse-Genus gibt, dem u.a. auch das Wort "erriplan"- Flugzeug angehört. Oder verschieden große Objekte in unterschiedliche Genus-Klassen eingeordnet werden. Aber was bringt diese Unterscheidung mit sich? Vor allem Assoziationen spielen hier eine wichtige Rolle. Deutscher erklärt, was man in verschiedenen Experimenten herausgefunden hat.

Der Autor hat eine Begabung dafür, Wissen unterhaltsam und mit Hilfe unglaublich anschaulicher (und oft auch witziger) Vergleiche zu vermitteln. Wenn ich in Büchern interessante und/oder unterhaltsam vermittelte Passagen finde, lese ich diese gerne meinem Mann vor - "Im Spiegel der Sprache" habe ich im fast vollständig vorgelesen :)
Man erfährt eine Menge über verschiedene Sprachen - z.B. über das ausgeklügelte und für uns entsetzlich kompliziert klingende System der Matses, einem nur noch 2500 Menschen umfassenden Stamm im tropischen Regenwald am Javari (einem Nebenfluss des Amazonas). Die Matses verfügen über das wohl ausgeklügeltste Evidentialitätssystem, das wir kennen. Rechtsanwälte hätten ihre reine Freude daran, denn hier muss bei jeder Aussage, die man trifft, auch immer eine Information über die Quelle vermittelt werden. Man muss also immer unterscheiden, ob man etwas aus eigener Erfahrung sagt, ob man es aus konkreten Anzeichen erschließt, ob man etwas mutmaßt oder ob man etwas allein vom Hörensagen weiß. Vergisst man diese Kategorisierung, gilt das Ausgesagte als Lüge.
Das Buch steckt voller solcher spannender Geschichten, die uns die Augen öffenen über die Rolle der Kultur im Bezug auf die Sprache. Sehr viel mehr möchte ich aber auch noch nicht verraten :) Schließlich ist es immer wieder schön, verblüffendes und überraschendes Neues zu erfahren! Und davon gibt es hier mehr als genug.

Fazit: "In allen Sprachen stecken andere Augen" hat Herta Müller einmal gesagt. Guy Deutscher beschreibt hier auf unterhaltsame und gut verständliche Weise, woran das liegt. Das Buch gehört zu den besten Sachbüchern, die ich dieses Jahr gelesen habe und ich kann es rundum empfehlen!
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am 7. November 2010
Nach <Du Jane, ich Goethe>, einer kurzen Geschichte der Entwicklung der Sprache, legt Guy Deutscher mit diesem Werk nach. Die Beeinflussung der Kultur einer Gesellschaft durch eine bestimmte Sprache, gar die durch Sprache bedingten unterschiedlichen Gedanken und Wahrnehmungen will der Autor verdeutlichen. Dies ist nicht weniger als eine Gegenposition zur modernen Linguistik - und dazu noch eine überzeugende. Deutscher besticht durch anschauliche Beispiele und widerlegt rein genetisch bedingte Sprachtheorien.
Mindestens ebenso interessant ist die Wechselwirkung zwischen Sprache und Sehfähigkeit des Menschen. Die faszinierenden Beispiele, ergänzt durch einen sehr hilfreichen Farbbildteil, lassen einen nicht mehr los und man liest das Buch fast in einem Atemzug.
Ungemein interessant, fachlich fundiert, fesselnd geschrieben und sehr anschaulich. Fazit: sehr lesenswert!
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am 20. Februar 2011
'Warum die Welt in anderen Sprachen anders aussieht' - so der Untertitel. Da habe ich mir handfeste Aussagen und Beispiele erhofft, die zeigen, durch welche sprachlich gefärbte Brille, Sprecher verschiedener Sprachen ihre Welt wahrnehmen und wo deutliche Unterschiede in dieser Wahrnehmung liegen.

Die Hoffnung, dies durch Lektüre des Buches tatsächlich zu erfahren, schwand zunehmend, nachdem ich mich durch die ersten 100 Seiten gequält hatte, die sich allein mit dem Thema Benennung von Farben in verschiedenen Sprachen befassen. Warum grenzt man im Deutschen die Farben blau und grün als solche voneinander ab und benennt nicht einen bestimmten Farbbereich als blün (blau-grün)? Warum gibt es in anderen Sprachen jedoch tatsächlich so etwas wie blün? Gibt es hier Unterschiede in der Wahrnehmung, die zu unterschiedlichen sprachlichen Ausprägungen führen oder beeinflußt umgekehrt die Sprache die Wahrnehmung? Dieses Thema wird in seiner ganzen historischen Bandbreite (ausgehend von den Farbdarstellungen in Homers Odyssee) zu einer Farbodyssee ausgewalzt und wer Freude an Biologie, Evolutionstheorien und Genetik hat und sich im einzelnen über historische Ergebnisse und Testanordnungen aus diesen Bereichen zum Thema Farbensehen interessiert, kommt hier sicher auf seine Kosten.

Der zweite Teil des Buches behandelt dann immerhin noch zwei weitere Themen (Sprachen, deren Sprecher sich in personenbezogenen Koordinaten (rechts, links) bzw. absoluten Koordinaten (Ost, West, ...) orientieren und Sprachen, die Dingen ein Geschlecht zuordnen (die Sonne, der Mond) und solchen die es nicht tun (das Sonne, das Mond).

Im Nachwort schreibt der Autor selbst (Zitat) "Vor allem aber nimmt die Untersuchung des Einflusses der Sprache auf das Denken gerade erst ihren Anfang". Außer den drei in dem Buch angerissenen Aspekten gibt es also offenbar gar keine gesicherten Erkenntnisse, wie die Sprache das Denken beeinflußt. Ob es erforderlich und aufrichtig ist, diese wenigen Erkenntnisse auf rund 300 Seiten auszuwalzen und unter einem blumigen Titel an die breite Öffentlichkeit zu verkaufen?

Als wissenschaftliche Arbeit ist der Text für Fachkreise sicherlich interessant. Ansonsten zähe Kost, die die Antworten auf die im Untertitel formulierte Frage weitgehend schuldig bleibt. Dass der Autor Sprachwitz hat, zeigt er auf den Einstiegsseiten und auch sonst immer mal wieder zwischendurch, diese erfreulichen Einsprengsel reichen aber nicht aus, um den Eindruck zu verlieren, dass man hier eine Dissertation liest.
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am 15. Januar 2011
Warum sind in Homers Ilias der Honig grün und die Schafe violett? War nur Homer blind oder unsere Vorfahren generell nur eingeschränkt in der Lage Farben zu sehen? Oder hatten die Farben in der Sprache jener Zeit einfach andere Bedeutungen? Warum verfügen selbst scheinbar primitive Völker bereits über einen Begriff für die Farbe "rot", nicht aber für das Blau des Himmels? Handelt es sich hier um eine kulturelle oder gar eine biologische Beschränkung?

Ist das Deutsche als Sprache eigentlich komplexer als das Englische? Warum hat das Deutsche zum Beispiel 14 Formen für das Verb "haben", wohingegen das Englische mit "has", "had" und "have" auskommt? Bedeutet diese tiefere Feinstruktur des Deutschen, dass es auch besser für haarspalterische philosophische Betrachtungen geeignet ist? Oder sind nicht alle Sprachen am Ende gleich komplex, das Französische genauso wie die Sprache der Ureinwohner Australiens?

Im Mittelpunkt von "Im Spiegel der Sprache" steht die Frage, ob unsere Sprache die Art unseres Denkens beeinflußt. Denkt ein Navajo-Indianer anders als ein Berliner Döner-Verkäufer? Ist jemand, der einen komplexen Satz nicht unfallfrei über die Lippen zu bringen vermag, überhaupt zu komplexen Gedanken befähigt? Guy Deutscher liefert drei Beispiele, die überraschende Erkenntnisse über die Bedeutung von Sprache für das Denken mit sich bringen.

Wenige Autoren sind wie Guy Deutscher mit der Gabe gesegnet, wissenschaftliche Zusammenhänge, seien sie auch noch so komplex und umstritten, für den Laien verständlich, spannend, ja sogar außerordentlich unterhaltsam darzustellen. Guy Deutscher verläßt hierfür den Elfenbeinturm universitärer Forschung und breitet Anekdoten, Theorien und Widersprüche wie in einem Bauchladen auf dem Flohmarkt der Kuriositäten aus. Er tut dieses allerdings nicht auf Kosten einer klaren Kernthese: Viele sprachliche Phänomene sind mehr durch kulturelle Konventionen und Entwicklungen erklärbar als durch die Annahme von genetischen Limitierungen der Sprecher.

Guy Deutscher erhebt nicht den Anspruch der Unfehlbarkeit seiner Interpretationen. Er schildert Kontroversen und weist auf abweichende Sichtweisen in der Welt der Linguisten hin, so dass dem Leser am Ende vor allem auch die Erkenntnis darüber bleibt, wie wenig wir die Grundlagen unseres Sprechens bisher entschlüsselt haben. "Doch ihr Leser der Nachwelt, vergebt uns unsere Unwissenheit, wie auch wir vergeben denen, die vor uns unwissend waren." (S. 272)
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am 7. August 2011
Die amerikanisch geprägte akademische Welt hat der deutschen eindeutig voraus, dass selbst akademische Texte unterhaltsam zu lesen sind. Und genau das trifft auf Deutschers Buch zu! Im englischen Original ist sein geschliffener Stil einfach herrlich, und seine Darstellungsweise reißt selbst bei drögen Themen mit.

In seinem Buch zeigt Deutscher zum einen, dass Sprachen Regeln haben können, die den Rahmen europäisch geprägter Sprachvorstellungen locker sprengen. Diese zum Teil nur sehr kurzen Exkurse (z.B. über die Anzahl der Laute namibianischer Sprachen oder die epistemologischen Varianten von Amazonassprachen) fand ich äußerst lehrreich. Zum anderen möchte Deutscher untersuchen, wie Sprache das Denken beeinflusst. Hierzu greift er sich einige Themen heraus:

Die erste Hälfte des Buches widmet sich der Entwicklung der Farben über die Zeiten und Kulturen hinweg. Die Erkenntnis, dass schwarz und weiß (und hell und dunkel) in alten Texten dominieren, solange sich Farbe noch nicht von ihrem Untergrund lösen konnte (d.h. als man noch nicht Stoffe färben konnte), ist schnell gewonnen; auch dass als erste Farbe rot und als letzte blau eine sprachliche Bezeichnung finden, ist schnelles Fazit. Doch Deutscher schildert die Geschichte der sprachwissenschaftlichen Entwicklung für diesen Aspekt m.E. beispielhaft für die Entwicklung in der Disziplin der Sprachgeschichte selbst; für mich war diese Historisierung sehr erhellend mit all ihren Fort- und Rückschritten seit 1850 - in vielen Punkten spiegelt sie damit die Geschichte der gesamten Sprachwissenschaft wider.

Dann diskutiert Deutscher egozentrische versus geographische Systeme der Orientierung; statt rechts/links verwenden manche australische Sprachen ausschließlich Nord/Süd/West/Ost. Danach folgt ein Exkurs zum natürlichen und grammatischen Geschlecht; hier blieb Deutscher für mich zu sehr auf oberflächliche Effekte aus, die ganz klar die englischen Muttersprachler als hauptsächliche Leser im Visier haben - das Englische kennt nur das natürliche Geschlecht, wohingegen zum Beispiel das Deutsche nur das grammatische Geschlecht kennt, was für englische Muttersprachler ein Graus beim Erlernen der deutschen Sprache ist. Hier blieb Deutscher hinter meinen Erwartungen zurück; bei dem bisschen Sprachgeschichte, das ich während des Studiums gelernt hatte, habe ich mehr über den Hintergrund des Geschlechts in Sprachen erfahren als in diesem Buch.

Insgesamt erschien mir, dass Deutscher in diesem Band mehrere akademische Arbeiten unterschiedlicher Tiefe zusammengespannt hat; ein sehr ausführlicher erster Teil hat eher die Tiefe einer Magisterarbeit oder Zusammenfassung einer Dissertation, wohingegen die anderen Teile eher von Tiefe und Volumen her an Aufsätze für Fachzeitschriften erinnern. Daher kann ich den Vorwurf mancher Rezensenten verstehen, dass das Buch zusammengeschustert wirkt. Auch bin ich mir nicht sicher, ob Deutscher wirklich gezeigt hat, ob Sprache das Denken beeinflusst - mir erschien es zumeist umgekehrt. Weil es dennoch unterhaltsam und lehrreich ist, 4 Sterne!
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am 6. Januar 2013
... denke ich, dass es ein bemerkenswertes Buch ist. Für mich ist allein die Tatsache spannend, dass man so wenig über den Zusammenhang von Sprache und Denken nachweisen kann. Im Prinzip bleibt bei mir die tolle Erkenntnis, dass eine Sprache den Sprecher nur sehr wenig einschränkt. Das Beispiel "I had a chat with the neighour" zeigt am besten, dass man auf Deutsch gezwungen ist anzugeben ob Frau oder Mann, nicht so im Englischen. Die Beispiele die Deutscher bringt sind für mich klar und fundiert. Ich habe den Eindruck, dass nichts (stark) überhöht ist und immer eine wissenschaftlich Basis gegeben ist. Der Sprachwitz ist erfrischend und ich kann nicht verstehen, dass manche Rezensionen das Buch mit einer Doktorarbeit vergleichen. Ich fand es immer locker zu lesen und bei mir kommt es in die Top-Kategorie. Ärgerlich ist in der Tat, dass der Titel was ganz anderes suggeriert. Denn bei mir bleibt als Fazit: Sprache ist "nett" zur Kommunikation (von Wissen), aber zum denken ist gar nicht so wichtig, welche Sprache ich zur Verfügung habe. Bleibt die Frage, brauch man Sprache überhaupt zum Denken. Also für mich eine 9.8 (Norman Doidgen, "The Brain That Changes Itself" bekam 10.0 - best).
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am 28. Oktober 2011
Ein durchaus unterhaltsam geschriebenes Buch, das den Eindruck erweckt, es würde den Zusammenhang zwischen Sprache und Denken thematisieren. Ein vor allem für linguistische Laien interessantes Thema, weil dazu jeder Fremdsprachenlerner aus eigener Erfahrung etwas beisteueren kann. Die von Deutscher ausgewählten Beispiele sind dementsprechend auch so, dass man keine Fachkenntnisse benötigt, um ihre Implikationen zu verstehen, z.B.Farbbezeichnungen oder Modi.

Bei der Kernthese des Buches scheint es sich um eine Version der Sapir-Whorf-Hypothese handeln, nach der die Sprache die Weltsicht prägt. Diese These war jahrzehntelang ein Tabu unter Sprachwissenschaftlern, nachdem bekannt wurde, dass viele der ursprünglichen Belege falsch oder irreführend interpretiert worden waren. Eine mildere Version dieses Sprachrelativismus, den auch Deutscher zu vertreten scheint, ist in letzten Jahren wieder salonfähig geworden: Verschiedene Sprachen begünstigen die Konzeptualisierung verschiedener Wirklichkeitsausschnitte verschieden stark.
Das ist allerdings nicht besonders überraschend, da die Effizienz jeder natürlichen Sprache auf dem Funktionieren konzeptueller Metaphern basiert (Lakoff/Johnson 1981), ohne diese wäre es kaum möglich, der Realität sprachlich Herr zu werden. Hierfür bietet Deutscher dann auch eine große Anzahl anschaulicher sprachlicher Kuriositäten aus allen Ecken und Enden der Welt auf, was zweifellos die Stärke des Buches ist.
Dessen Schwäche liegt darin, dass aus dieser "Schmetterlingssammlung" eigentlich nicht viel folgt. Wie der bekannte kanadische Psychologe Pinker sinngemäß formulierte: "Wenn Sprache nicht das logische Denken beeinflusst, ist sein Einfluss trivial." Dafür, dass dies in irgendeinem grundsätzlichen Sinne der Fall sein könnte, liefert auch Deutscher leider keine Beispiele (vermutlich gibt es sie auch nicht).Insofern verspricht der Titel also etwas zu viel.
Was übrig bleibt, ist die These, dass man Dinge, die man nicht oder nur schwer ausdrücken kann, eben nicht oder seltener sagt..wer hätte das gedacht?

Das Buch nimmt somit eine Zwischenstellung ein: Es vermittelt - wenn auch nicht in aller Tiefe - einerseits sehr spezielle Kenntnisse zu bestimmten sprachlichen Phänomenen. Andererseits kreist es um im Wesentlichen um laienlinguistische Fragestellungen, ohne jedoch wirkliche Antworten zu versuchen.

Empfehlenswert für Sprachinteressierte, die gerne etwas über die Vielfalt der menschlichen Sprachen erfahren möchten, ohne sich mit viel Theorie und Abstraktion herumzuschlagen.
Wer hierzu mehr erfahren möchte, sei auf die zahlreichen gut lesbaren Publikationen von Harald Haarmann verwiesen.
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am 3. Februar 2013
Man kann ins Stutzen geraten beim Lesen der Einleitung. Autoren, die trotz der streitbaren Behauptungen, die sie in Bälde aufstellen werden, um Vertrauen werben, da eben ihre Thesen zwar mutig aber dennoch richtig sind, wecken eher misstrauen. Nur wenigen gelingt die Überzeugung tatsächlich, wie etwa Darrin McMahon ThePursuit of Happiness A History from the Greeks to the Present by McMahon, Darrin M. ( Author ) ON Oct-04-2007, Paperback. Ich möchte nun dieses Lob schon einmal vorab loswerden: Auch Guy Deutscher arbeitet wissenschaftlich sauber und kann durch gutes Handwerk überzeugen.

Diese erwähnten "präventiven Überzegungsbemühungen" warnen auch davor, dass sich Deutschers Behauptungen unnatürlich anfühlen werden. Dies sei aber dem Umstand geschuldet, dass Vertrautes all zu gerne als Natürliches empfunden wird, was nicht notwendigerweise miteinander einhergeht. Und darum geht es im Kern in diesem Buch: Wir halten viele Wechselwirkungen zwischen Sprache und dem Mensch für etwas Natürliches, wobei Deutscher uns überzeugen möchte, dass tatsächlich viel mehr durch die Kultur geprägt wird. Linguisten und Antrophologen sind dabei über die letzten Jahrunderte immer wieder zwischen Kultur und Natur hin- und hergeschwenkt, wobei in den letzten Jahrzehnten die Natur auf der Siegerseite stand. Deutscher führt uns durch die Geschichte, von Homer bis zu aktuellen Studien, und analysiert und bewertet die Erkentnisse der einzelnen Wissenschaftler.

Der isralische Linguist Deutscher schickt uns auf eine Erkenntnisreise. Zunächst ist der Leser noch geneigt, leise aufzuschreien: "Das ist aber nun doch an den Haaren herbeigezogen, wir haben es hier mit Diplomatie statt Argumentation zutun!" Seiten später erkennen wir die Falle, in die uns der Autor geschickt gelockt hat: Genau das Widerstreben, das Vertraute als Konvention der Kultur und nicht als etwas Natürliches wahrzunehmen, hat sich da in uns geregt. Man beginnt zu begreifen, dass sich auf nachvollziehbare Weise, und viel undogmatischer und seriöser als angenommen, darlegen lässt, dass sich die Kultur in der Sprache widerspiegelt und sogar die Sprache Einfluss auf unser Denken hat.

Den einzigen Vorwurf, den ich Deutscher machen kann, ist, dass er teilweise nicht pointiert genug ist, die Interpretation quasi im Raum schwebt, aber nicht ergriffen wird. Das liefert einen arroganten Beigeschmack. Dieses ändert nichts daran, dass wir einen hochinteressanten Blick auf ein Thema erhalten, dass uns alle betrifft und schon viele Generationen von Wissenschaftlern beschäftigt hat und noch beschäftigen wird. Das Buch ist für Laien (wie mich), aber sicherlich auch für Fachleute, nachvollziehbar, erkenntnisreich und belehrend. Ich kann die Lektüre uneingeschränkt empfehlen, sowohl als Einstiegslektüre als auch als wissenschaftshistorischen kritischen Überblick darüber, wie die Sprachforschung mit dem im Buch behandelten Thema umgegangen ist.
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Guy Deutscher ist promovierter Linguist und widmet sich der Frage, wie verschiedene Sprachen die Sicht der Welt prägen, oder auch nicht. Dazu untersucht er drei Themenkomplexe, die Einteilung von Farben, die Orientierung in der Welt durch relative bzw. absolute Koordinaten (links/rechts vs. Himmelsrichtungen) und Geschlechter und Artikel (z.B. der Mond vs. die Sonne).

Um es kurz zu machen, die Ergebnisse sind mager: Alle Menschen auf der Welt sehen ihre Umgebung grundsätzlich genauso und können mit ihren Sprachen dieselben Gedanken ausdrücken; auch wenn manche Landessprachen für manche Zwecke geeigneter sind. Die nationalen Besonderheiten lassen sich nicht auf die gesprochene Sprache zurückführen. Andererseits ist der kulturelle Hintergrund keineswegs egal. Wer mit bestimmten Begrifflichkeiten aufgewachsen ist, wird gesellschaftlich zu bestimmten Sichtweisen erzogen. Rassisten sehen Menschen mit anderen Augen, in ihren Kategorien, als z.B. Blinde. Aber für eine Kritik der Ideologie und der Kultur ist die Linguistik das falsche Werkzeug.

Es ist zwar faszinierend zu sehen, wie sich der Autor abmüht, ob die Sprache nicht vielleicht doch die Weltsicht bestimmt. Es spricht für ihn und seine wissenschaftliche, kritische Herangehensweise, dass er immer wieder Argumente abwägt und die Dinge aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

Angesichts seiner mühsamen Detailarbeit ist sein Werk nur etwas für hartnäckig Theorie-interessierte, für die ist es aber auch gut. Das Buch ist solide, aber zu schwerfällig.
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am 28. Juni 2015
Interessantes Werk, das Ansichten über den alltäglichen Sprachgebrauch sehr hinterfragt und die eurozentrische Position mal erfrischend hinterfragt. Kurzweilig und sehr informativ, auch sehr unterhaltsam.
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